Von Löwen und Lämmern

Fil­m­ana­ly­se ist bei uns in NDS fest im Kern­cur­ri­cu­lum ver­an­kert — war­um also nicht ein­mal eine Ein­heit dazu in der Mit­tel­stu­fe durch­füh­ren? Auf mei­ner letz­ten Fort­bil­dung fiel dabei sei­tens des Netz­werk­be­treu­ers ein für mich ent­schei­den­der — hier gleich sinn­ge­mäß wie­der­ge­ge­be­ner — Satz, der mit her­aus­ge­for­dert hat:

Film wird nie die Zwi­schen­tö­ne errei­chen, die Lite­ra­tur zu errei­chen ver­mag und damit immer hin­ter dem Medi­um Text zurück­ste­hen.

Natür­lich gilt das für jede Lite­ra­tur­ver­fil­mung, die man im klas­si­schen Unter­richt ger­ne mal in Oppo­si­ti­on zum gera­de gele­se­nen Werk stellt: „Seht doch mal, was da alles fehlt — das Buch ist eben doch bes­ser!”. Dann ist ein sol­cher Ver­gleich natür­lich unfair — wenn man Film betrach­tet, so muss man natür­lich von „nati­ven” Fil­men aus­ge­hen, die es auch in die Vor­schlags­lis­ten des Cur­ri­cul­ums geschafft haben — eine Zeit lang war „Lola rennt” der Ren­ner.

Bin Laden ist heu­te „ums Leben gekom­men”. Mei­ne SuS woll­ten schon immer mal mit mir einen Film schau­en. Ich bin in den Feri­en über ein VDR-Schätz­chen gestol­pert: „Von Löwen und Läm­mern”. Ja, das ist qua­si auch eine Lite­ra­tur­ver­fil­mung — ich bin schul­dig. Da er gera­de nicht in der Vor­schlags­lis­te der Kern­cur­ri­cul­ums vor­kommt epi­so­den­ar­tig struk­tu­riert ist und kei­nen ech­ten „klas­si­schen” Span­nungs­bo­gen besitzt, hal­te ich ihn aber gera­de auch in Hin­blick auf sei­ne außen­po­li­ti­sche Aktua­li­tät für geeig­net — mei­ne letz­ten ernst­haf­ten Expe­ri­men­te mit Fil­m­ana­ly­se lie­gen etwas zurück. Auch könn­te ich mir gut eine Ein­heit vor­stel­len, die die drei ein­zel­nen Epi­so­den zunächst ein­mal ein­zeln betrach­tet (viel­leicht sogar zusam­men­ge­schnit­ten), um dann auf die inhalt­li­chen Ver­bin­dun­gen zu kom­men. Nun denn: Hier schon ein­mal der Trai­ler als Vor­ge­schmack:

Span­nend an dem Film fin­de ich, dass es nicht nur um die Außen­po­li­tik der USA geht — es geht um das Ver­hält­nis des Men­schen zu Ver­ant­wor­tung und Poli­tik all­ge­mein — natür­lich nicht bar des unwei­ger­li­chen Hol­ly­wood-Patrio­tis­mus…

Material: Innerer Monolog zum Fräulein von Scuderi

Aus einer kürz­lich geschrie­be­nen Klas­sen­ar­beit — zwi­schen den bei­den Auf­ga­ben konn­te gewählt wer­den:

Auf­ga­ben­stel­lung 1:

Wäh­rend des im bei­lie­gen­den Text­aus­zu­ges wie­der­ge­ge­be­nen Gesprä­ches geht Oli­vi­er Brusson eini­ges durch den Kopf.

a) Gib sei­ne Gedan­ken durch einen inne­ren Mono­log wie­der. (66%)

b) Begrün­de die Aus­ge­stal­tung dei­nes Tex­tes in der im Unter­richt geüb­ten Art und Wei­se. Beach­te dabei auch die Ent­wick­lung des Gesprächs. (34%)

 

Auf­ga­ben­stel­lung 2:

Wäh­rend des im bei­lie­gen­den Text­aus­zu­ges wie­der­ge­ge­be­nen Gesprä­ches geht Rene Car­dil­lac eini­ges durch den Kopf.

a) Gib sei­ne Gedan­ken durch einen inne­ren Mono­log wie­der. (66%)

b) Begrün­de die Aus­ge­stal­tung dei­nes Tex­tes in der im Unter­richt geüb­ten Art und Wei­se. Beach­te dabei auch die Ent­wick­lung des Gesprächs. (34%)

Und die zu bear­bei­ten­de Text­stel­le:

Ganz ver­wirrt, bei­na­he besin­nungs­los sit­ze ich in mei­ner Dach­kam­mer, da geht die Tür auf, und René Car­dil­lac tritt her­ein. ‚Um Chris­tus’ wil­len! was wollt Ihr?’ schrie ich ihm ent­ge­gen. Er, das gar nicht ach­tend, kommt auf mich zu und lächelt mich an mit einer Ruhe und Leut­se­lig­keit, die mei­nen innern Abscheu ver­mehrt. Er rückt einen alten, gebrech­li­chen Sche­mel her­an und setzt sich zu mir, der ich nicht ver­mag, mich von dem Stroh­la­ger zu erhe­ben, auf das ich mich gewor­fen. ‚Nun Oli­vi­er’, fängt er an, ‚wie geht es dir, armer Jun­ge? Ich habe mich in der Tat gars­tig über­eilt, als ich dich aus dem Hau­se stieß, du fehlst mir an allen Ecken und Enden. Eben jetzt habe ich ein Werk vor, das ich ohne dei­ne Hil­fe gar nicht voll­enden kann. Wie wär’s, wenn du wie­der in mei­ner Werk­statt arbei­te­test? – Du schweigst? – Ja, ich weiß, ich habe dich belei­digt. Nicht ver­heh­len wollt’ ich’s dir, daß ich auf dich zor­nig war wegen der Lie­be­lei mit mei­ner Made­lon. Doch recht über­legt habe ich mir das Ding nach­her und gefun­den, daß bei dei­ner Geschick­lich­keit, dei­nem Fleiß, dei­ner Treue ich mir kei­nen bes­sern Eidam wün­schen kann als eben dich. Komm also mit mir und sie­he zu, wie du Made­lon zur Frau gewin­nen magst.«BR> Car­dil­lacs Wor­te durch­schnit­ten mir das Herz, ich erbeb­te vor sei­ner Bos­heit, ich konn­te kein Wort her­vor­brin­gen. ‚Du zau­derst’, fuhr er nun fort mit schar­fem Ton, indem sei­ne fun­keln­den Augen mich durch­boh­ren, ‚du zau­derst? – du kannst viel­leicht heu­te noch nicht mit mir kom­men, du hast ande­re Din­ge vor! – du willst viel­leicht Des­grais besu­chen oder dich gar ein­füh­ren las­sen bei d’Argenson oder la Reg­nie. Nimm dich in acht, Bur­sche, daß die Kral­len, die du her­vor­lo­cken willst zu ande­rer Leu­te Ver­der­ben, dich nicht selbst fas­sen und zer­rei­ßen.’ Da macht sich mein tief empör­tes Gemüt plötz­lich Luft. ‚Mögen die’, rufe ich, ‚mögen die, die sich gräß­li­cher Untat bewußt sind, jene Namen füh­len, die Ihr eben nann­tet, ich darf das nicht – ich habe nichts mit ihnen zu schaf­fen.’ ‚Eigent­lich’, spricht Car­dil­lac wei­ter, ‚eigent­lich, Oli­vi­er, macht es dir Ehre, wenn du bei mir arbei­test, bei mir, dem berühm­tes­ten Meis­ter sei­ner Zeit, über­all hoch­ge­ach­tet wegen sei­ner Treue und Recht­schaf­fen­heit, so daß jede böse Ver­leum­dung schwer zurück­fal­len wür­de auf das Haupt des Ver­leum­ders. – Was nun Made­lon betrifft, so muß ich dir nur geste­hen, daß du mei­ne Nach­gie­big­keit ihr allein ver­dan­kest. Sie liebt dich mit einer Hef­tig­keit, die ich dem zar­ten Kin­de gar nicht zutrau­en konn­te. Gleich als du fort warst, fiel sie mir zu Füßen, umschlang mei­ne Knie und gestand unter tau­send Trä­nen, daß sie ohne dich nicht leben kön­ne. Ich dach­te, sie bil­de sich das nur ein, wie es denn bei jun­gen ver­lieb­ten Din­gern zu gesche­hen pflegt, daß sie gleich ster­ben wol­len, wenn das ers­te Milch­ge­sicht sie freund­lich ange­blickt. Aber in der Tat, mei­ne Made­lon wur­de siech und krank, und wie ich ihr denn das tol­le Zeug aus­re­den woll­te, rief sie hun­dert­mal dei­nen Namen. Was konnt’ ich end­lich tun, wollt’ ich sie nicht ver­zwei­feln las­sen? Ges­tern abend sagt’ ich ihr, ich wil­li­ge in alles und wer­de dich heu­te holen. Da ist sie über Nacht auf­ge­blüht wie eine Rose und harrt nun auf dich, ganz außer sich vor Lie­bes­sehn­sucht.’ – Mag es mir die ewi­ge Macht des Him­mels ver­zei­hen, aber selbst weiß ich nicht, wie es geschah, daß ich plötz­lich in Car­dil­lacs Hau­se stand, daß Made­lon, laut auf­jauch­zend: ‚Oli­vi­er – mein Oli­vi­er – mein Gelieb­ter – mein Gat­te!’ auf mich gestürzt, mich mit bei­den Armen umschlang, mich fest an ihre Brust drück­te, daß ich im Über­maß des höchs­ten Ent­zü­ckens bei der Jung­frau und allen Hei­li­gen schwor, sie nim­mer, nim­mer zu ver­las­sen!”

Quel­le: http://gutenberg.spiegel.de/buch/3084/1

Bei der Refle­xi­on soll­ten der inhalt­li­che Kon­text der Text­stel­le, die inne­re Welt, die äuße­re Welt, der Cha­rak­ter der jewei­li­gen Figur und ggf. sprach­li­che Beson­der­hei­ten des Ori­gi­nal­tex­tes Berück­sich­ti­gung fin­den. Das ist gar nicht so ein­fach…

RAMBO (Riecken Arbeitet Mit Blogs Online) – Folge 5

Dies­mal wur­de der inhalt­li­che Rah­men durch eine Ein­heit zur Erör­te­rung gebil­det. Wesent­li­che Ele­men­te (Auf­bau eines Argu­ments, Abfol­ge der Argu­men­te bei stei­gern­den bzw. dia­lek­ti­schen Erör­te­run­gen) habe ich klas­sisch im Unter­richt mit Regel­heft­ein­trä­gen und nor­ma­len Schreib- und Bewer­tungs­auf­trä­gen erle­digt.

Aber schon für Stoff­samm­lun­gen erschien mir der klas­si­sche Ansatz (Zet­tel neh­men, jeder sucht Argu­men­te und ord­net sie nach Gewich­tig­keit usw.) nicht mehr zeit­ge­mäß — vor Augen geführt wur­de mir das durch eine spon­ta­ne, kri­ti­sche Schü­ler­äu­ße­rung, die sinn­ge­mäß lau­te­te:

Herr Riecken, wie soll man denn aus sich selbst her­aus, nur auf eige­ne Erfah­run­gen Bezug neh­mend, zu wirk­lich inhalt­lich über­zeu­gen­den Argu­men­ten kom­men?”

Recht hat er — fand ich. Pas­send zu den Vor­komm­nis­sen in Japan habe ich in einem Goog­le­Docs-Doku­ment Argu­men­te pro und con­tra Atom­kraft sam­meln und jeweils aus­for­mu­lie­ren las­sen. Die­se durf­ten dann die SuS je nach Geschmack für eige­ne, stei­gern­de Erör­te­run­gen in unse­rem Blog ver­wen­den. So war ein sol­che Haus­auf­ga­be auch unter der Woche durch die Vor­ent­las­tung eini­ger­ma­ßen zu bewäl­ti­gen. Anhand der Blog­ein­trä­ge konn­te ich dann gezielt noch­mal auf ein­zel­ne Her­aus­for­de­run­gen im Unter­richt ein­ge­hen — ein authen­ti­sches Arbeits­blatt ist schnell zusam­men­ko­piert.

Heu­te bin ich nach eini­gen wei­te­ren klas­si­schen Stun­den dann völ­lig ver­rückt gewor­den. Haus­auf­ga­be war eine dia­lek­ti­sche Erör­te­rung zum The­ma „Sol­len sich SuS in den Pau­sen im Schul­ge­bäu­de auf­hal­te dür­fen?” (ein authen­ti­sches Pro­blem in die­ser käl­te­emp­find­li­chen Klas­se) in Form eines Brie­fes an unse­re Schul­lei­tung. Im Blog gab es dazu die­se Auf­ga­be:

  1. Lies dir dei­nen zuge­wie­se­nen Text sorg­fäl­tig durch und ver­fas­se einen Kom­men­tar auf Basis der Kri­te­ri­en aus dem Regel­heft!
  2. Wäh­le je ein Pro- und ein Con­tra­ar­gu­ment aus, von dem du über­zeugt bist und kopie­re es in die­ses Goog­le­Docs-Doku­ment.
  3. Schrei­be gemein­sam mit dei­nen Mit­schü­lern die Gelenk­stel­len in dem Goog­le­Docs-Doku­ment – es soll am Schluss der Stun­de ein fer­ti­ger Brief ent­ste­hen.

Die kur­siv gedruck­ten Pas­sa­gen ver­link­ten im ers­ten Fall auf eine Goog­le­Docs-Tabel­le (nur lesen­der Zugriff), die regel­te, wer wel­chen Text im Blog kom­men­tiert und im zwei­ten Fall auf ein Goog­le­Docs-Doku­ment (anonym, schrei­ben­der Zugriff). Die SuS durf­ten in einem Zwi­schen­schritt (von 2 auf 3) noch die ein­zel­nen Argu­men­te durch Hin­zu­fü­gen von Stern­chen bewer­ten — jeder hat­te für pro und con­tra je fünf Stern­chen (*) zu ver­ge­ben.  Das Ergeb­nis haben wir uns ange­schaut und dann Auf­ga­ben ver­teilt -

  • Wer küm­mert sich um die Sor­tie­rung ent­spre­chend der Stern­chen­an­zahl?
  • Wer for­mu­liert wel­ches Argu­ment inkl. Anschluss an die umge­ben­den genau­er aus?
  • Wer küm­mert sich im die Gelenk­stel­le (Über­gang von Anti­the­se auf The­se)?
  • Wer küm­mert sich um die Ein­lei­tung?
  • Wer küm­mert sich um den Schluss?

Erfah­run­gen

  1. Eine Dop­pel­stun­de reicht für das gesam­te Vor­ha­ben nicht
  2. Es gibt Pha­sen des tota­len Cha­os — z.B. wur­de zwi­schen­zeit­lich die schon durch Stern­chen bewer­te­ten Argu­men­te für die Anti­the­se ver­se­hent­lich(?) gelöscht — lei­der fand Riecken die Ver­sio­nie­rung in der kon­kre­ten Unter­richts­si­tua­ti­on nicht… ( Jetzt weiß ich: Datei => Über­ar­bei­tungs­ver­lauf anzei­gen )
  3. Natür­lich haben eini­ge Witz­bol­de im Schutz der Anony­mi­tät auch Blon­di­nen­wit­ze inte­griert oder bereits zuge­wie­se­ne Namen für die Bear­bei­tung von Text­tei­len nach­träg­lich ver­än­dert
  4. Nach eini­gem geziel­ten Geschimp­fe kam das Doku­ment dann doch in die Spur
  5. Der Sinn des Ver­fah­rens erschloss sich den SuS in sei­nen Vor­tei­len zur klas­si­schen Heft- oder Zet­tel­kle­be­ar­beit erst pro­zes­su­al
  6. Ich habe für Mor­gen jetzt genug Mate­ri­al, um den Über­gang zwi­schen Argu­men­ten zu üben (Arbeit am Lexi­kon und der Spra­che)

Mir kamen heu­te Zwei­fel, ob gera­de die anony­me Nut­zung von Goog­le­Docs auf Dau­er wirk­lich noch Sinn macht, weil das mehr und mehr ein Tool wird, des­sen Nut­zen von den SuS gese­hen und auch ander­wei­tig genutzt wird — hat dazu jemand schon einen Eltern­brief ent­wi­ckelt?

Literarische Charakteristik

Gar nicht ein­mal so sel­ten pas­siert das hier:

Ori­gi­nal­stel­le:

Die­se Abge­neigt­heit, sich mir zu schmie­gen, ja die­se stol­ze Art mir aus­zu­wei­chen, erregt in mir die wid­rigs­ten Gefüh­le. — Es ist ein sub­li­mer Gedan­ke , die Blu­me, die auf dem Prunk ihrer glän­zen­den Far­ben so stolz tut, gebro­chen und dahin­wel­ken zu sehen” (aus: „Die Eli­xie­re des Teu­fels” von E.T.A. Hoff­mann)

Aus einer Cha­rak­te­ris­tik (fik­tiv):

Aure­lie ist ein stol­zes Mäd­chen, die sich nicht schnell ande­ren Per­so­nen gefü­gig zeigt (S.64,Z.2–4)”

Dumm ist nur, dass die oben zitier­te Ori­gi­nal­stel­le von der Stief­mut­ter der zu cha­rak­te­ri­sie­ren­den Figur in wört­li­cher Rede in einer Situa­ti­on gespro­chen wird, die sich mit Fug und Recht als gemei­ne Intri­ge beschrei­ben lässt.

In der letz­ten Woche kam mir erst­ma­lig der Gedan­ke, wie man den SuS die­se Pro­ble­ma­tik bewusst machen könn­te. Ich bin mit einen Per­sön­lich­keits­test ein­ge­stie­gen, den man in die­sem Mate­ri­al­klein­od fin­den kann. Die SuS soll­ten sich auf einer Ska­la von -3 bis 3 hin­sicht­lich bestimm­ter Cha­rak­ter­merk­ma­le selbst ein­schät­zen (Selbst­sicht), z.B. „ratio­nal”, „extro­ver­tiert” usw. Auf der Rück­sei­te des Zet­tels befand sich ein iden­ti­scher Fra­ge­bo­gen, der jedoch für den Betrof­fe­nen Schü­ler von einem Mit­schü­ler aus­ge­füllt wur­de (Fremd­sicht). Das geht natür­lich nicht mit jeder Klas­se, da man einen Part­ner braucht, der einen gut kennt. Oh Wun­der — es gab neben Über­ein­stim­mun­gen natür­lich auch Abwei­chun­gen — und es konn­te auch kaum jemand erwar­ten, sei­nen Zet­tel end­lich zurück­zu­be­kom­men… Wich­tig dabei ist natür­lich, den SuS klar­zu­ma­chen, dass man als Leh­rer die­se Zet­tel weder ein­sam­meln noch anschau­en wird.

Dann ist der Fokus schon ganz gut auf die Pro­ble­ma­tik der obi­gen Aus­sa­ge in der Cha­rak­te­ris­tik fokus­siert. Eigen- und Fremd­wahr­neh­mung kön­nen dane­ben­lie­gen. Aber auf was kann man sich denn in einem Text ver­las­sen?

1. Der Erzäh­ler

… kann ein Schelm sein, indem er die Wahr­neh­mung des Lesers len­ken möch­te — häu­fig in der aukt­oria­len Gestalt. Dem neu­tra­len Erzäh­ler darf man da z.B. mehr trau­en.

2. Aus­sa­gen ande­rer Figu­ren

… sind bei emo­tio­na­ler Befan­gen­heit kri­tisch zu hin­ter­fra­gen, gele­gent­lich aber durch­aus hilf­reich, z.B. wenn meh­re­re unter­schied­li­che Cha­rak­te­re die glei­che Ansicht tei­len.

3. Aus­sa­gen der zu cha­rak­te­ri­sie­ren­den Figur

… auch nicht ganz unpro­ble­ma­tisch. Selbst ein Com­pu­ter­ge­hirn wie HAL kann in der Selbst­dar­stel­lung dane­ben­lie­gen.

4. Das Ver­hal­ten einer Figur

…emp­fin­de ich als eine der noch ver­läss­lichs­ten Quel­len. Infor­ma­tio­nen dar­über sind zudem aus eige­nen Aus­sa­gen der Figur, Aus­sa­gen von ande­ren Figu­ren oder dem Erzäh­ler ableit­bar.

Nach die­ser Stun­de kam in der Über­ar­bei­tung einer mit Ether­pad in Grup­pen erstell­ten Haus­auf­ga­be die­ser Text her­aus — 1:1 über­nom­men, 9. Klas­se:

In dem Buch “Die Eli­xie­re des Teu­fels” von E. T. A. Hoff­mann wird man auf eine der Haupt­fi­gu­ren auf­merk­sam, namens Aure­lie. Sie ist die Toch­ter des Barons und die Gelieb­te des Medardus, des­sen Mön­ches­le­ben in dem Buch beschrie­ben wird und die Haupt­fi­gur ist und ihren Bru­der umbrach­te.
Aure­lie wird von Rhein­hold als ein „ blö­des uner­fah­re­nes Mäd­chen” (Z.46, S. 26),  doch gleich­zei­tig auch als hüb­sche Frau ange­se­hen ( S.27 Z.45). Rhein­hold erzählt Medardus, dass „Aure­lie  immer mehr das Eben­bild ihrer Mut­ter wur­de”.
Ver­gli­chen dazu ist (S.45 Z.13) von dem glei­chen die Beschrei­bung der Mut­ter: Sie sei eine „Braut, ein her­li­ches von der Natur reich aus­ge­stat­te­tes Wesen”.
Nur mit „unbe­schreib­li­cher Zartheit”(Z. 46, S. 22) kann sie sich einem öff­nen, ansons­ten bleibt sie in sich ver­schlos­sen und frisst alles in sich hin­ein.
„Aure­lie, das lie­be, ahnungs­vol­le Kind, zer­floss in Trä­nen ”(S.48 Z.26), als sie Euphe­mies wah­ren Absich­ten von der Hei­rat des Vaters ahnt, jedoch, aus Schüch­tern­heit bedrückt, sagt sie nichts, statt­des­sen weint sie nur demons­tra­tiv .
Aure­lie ist Euphemie´s Gegen­bild, das bedeu­tet auch das ihr Ver­hal­ten mit dem von ihrer Stief­mut­ter Euphe­mie nicht über­ein­stimmt. Denn ”ihre Anspruchs­lo­sig­keit, ihr stil­les Fromm­tun, hin­ter dem sich ein unleid­li­cher Stolz ver­steckt, ärgert” (S.63 Z.40) die­ser. Euphe­mie ist gegen­über Aure­lie eine ego­is­tisch wir­ken­de Per­son, die kei­ne Rück­sicht auf Ver­lus­te nimmt.
Euphe­mie stellt Aure­lie gegen­über Medardus als “gutes Kind” (S.57 Z.36) dar. Bei der Durch­set­zung ihres Pla­nes hät­te sie “es nur mit Her­mo­gen zu tun” (S.57 Z.34) und nicht mit Aure­lie.
Sie meint, ent­ge­gen ihrer Vor­stel­lun­gen dass Aure­lie ein ande­res, immer zufrie­den­des Gesicht zeigt, statt das ech­te, mit gro­ßem Selbst­wert­ge­fühl, und beken­nen­der Lie­be.
Die­se spricht nur im Beicht­stuhl zu ihrer “ver­bo­te­nen Lie­be” (S.35 Z.2) Medardus ihre Gefüh­le offen aus (S.35 Z.8), doch auch hier war sie “im Wahn­sinn hoff­nungs­lo­ser Ver­zweif­lung” (S.35 Z.5) und steht nicht dazu. Durch ihr Ver­schwin­den wird ihre Unent­schlos­sen­heit noch­mals deut­lich.
Zusam­men­fas­send kann man sagen, dass sie einer­seits unschul­dig, ande­rer­seits lei­den­schaft­lich in Medardus ver­liebt ist, durch Unent­schlos­sen­heit und Lei­den­schaft geprägt.

Multimedialer Wahnsinn: Drei Tools in einer Stunde

Aus­gangs­la­ge:

Es galt zwei Figu­ren aus E.T.A. Hoff­manns Text „Die Eli­xie­re des Teu­fels” auf Basis einer Men­ge Lese­stoff poin­tiert zu cha­rak­te­ri­sie­ren. Dazu gab es zunächst eine vor­be­rei­ten­de­Haus­auf­ga­be, in der 10 Text­stel­len mit Aus­deu­tung zu ermit­teln waren. Die klas­si­sche Aus­wer­tungs­va­ri­an­te wäre z.B. eine Grup­pen­ar­beit gewe­sen, in der man sich auf weni­ge wesent­li­che Text­stel­len einigt oder die bestehen­den kate­go­ri­siert.

Auf­ga­ben im Klas­sen­blog:
Stel­le auf Basis dei­ner Haus­auf­ga­be und dem im Anschluss ver­link­ten Ori­gi­nal­text Zita­te in den gemein­sam bear­beit­ba­ren Doku­men­ten zusam­men, die die dir zuge­wie­se­ne Figur cha­rak­te­ri­sie­ren. Du kannst dafür den Ori­gi­nal­text durch­su­chen und auch Zita­te direkt her­aus­ko­pie­ren (Menu “Bear­bei­ten” => “Suchen und erset­zen”.

Schrei­be auf Basis von Auf­ga­be 1 eine kur­ze Cha­rak­te­ris­tik der jewei­li­gen Figur, indem du folgst (Crea­te new Pad). Ver­linkt euer Doku­ment in einem Blog­bei­trag.

Zuschau­en im Ether­pad­do­ku­ment:

Span­nend ist der pha­sen­ar­ti­ge Ver­lauf: Zunächst herrscht noch wenig Akti­vi­tät, dann sto­ßen mehr und Mehr SuS dazu. Da alle ihre Haus­auf­ga­be ein­brin­gen, ent­ste­hen schnell Dop­pe­lun­gen und der Ein­zel­ne muss ziem­lich schau­en, damit er noch etwas Neu­es bei­trägt. Der Screen­cast wur­de mit der Time-Sli­der-Funk­ti­on von Ether­pad und ffmpeg rea­li­siert. Am bes­ten schaut man sich das in der Voll­bild­an­sicht an — die Arte­fak­te sind doch beträcht­lich.

Erfah­run­gen:

  1. Es soll­te ein moder­ner Brow­ser sein — ansons­ten funk­tio­nie­ren die Skrip­ten für Ether­pad und Goog­le­Docs nicht
  2. Ich habe die Chan­ce ver­tan, die Ergeb­nis­se im Pad kate­go­ri­sie­ren zu las­sen (mer­ken!)
  3. Alle waren betei­ligt an der Erstel­lung des Arbeits­er­geb­nis­ses
  4. Die SuS gin­gen sehr intui­tiv mit Ether­pad um
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