Als Interner das eigene System beraten

Auf dem EduCamp in Stuttgart habe ich beiläufig erwähnt, dass ich an meiner Schule zwar die IT manage und deren Weiterentwicklung plane, in pädagogischen und strukturellen Fragen aber keine aktive Rolle einnehme – die Reaktion war mehr oder minder blankes Unverständnis:

„Es ist doch deine Arbeitsumgebung, es ist deine Schule, da bist du doch verantwortlich!“.

Warum das bei mir so ist, erfordert eine kleine Geschichte, die nicht von mir stammt, sondern aus einem Blog einer hochsensiblen Persönlichkeit.

Ihr seid Beifahrer auf der Autobahn, und plötzlich streikt der Wagen! Es wird rechts rangefahren, der Motor wird abgestellt, und man steigt aus um zu gucken was los ist…

Du: „Guck mal, der Reifen ist platt, den müssen wir wechseln!“
Fahrer: „Oh man, was ist denn jetzt los?“
Du: „Der Reifen ist platt, einfach mal wechseln, dann geht’s weiter!“
Fahrer: „Gerade eben fuhr der Wagen doch noch“
Du: „Ja, aber jetzt ist der Reifen platt! Komm, wir wechseln den!“
Fahrer: „Hast DU ’ne Ahnung was los ist? Du bist doch angeblich so gut“
Du: „Ja, der Reifen! Der muss gewechselt werden!“
Fahrer: „Ach Quatsch, was für ein Reifen! Ich glaube der Aschenbecher ist voll, vielleicht liegt’s daran!“
Du: „Nein, es ist der Reifen!“
Fahrer: „Ich hab gar nicht gemerkt was mit dem Aschenbecher los war!“
Du: „Der REIFEN!“
Fahrer: Du musst ja jetzt nicht laut werden, ich such ja schon das Problem!“
Du: „Es ist der gottverdammte R-E-I-F-E-N!“
Fahrer: „Ich glaube, ich hätte den Aschenbecher mal vorm losfahren leer machen sollen!“
Du: „…“
Fahrer: „Hättest Du mich aber auch mal dran erinnern können! Du immer mit Deinem blöden Reifen“
Du: „Es ist aber nun mal der Reifen, der Reifen, der gottverdammte Reifen! Sieh auf den Reifen!“
Fahrer: „Mal ehrlich, glaubst Du es könnte auch der Reifen sein?“
Du: „Ja, verdammt nochmal, das sag ich doch die ganze Zeit“
Fahrer: „Oh man, wer kommt schon drauf dass es der Reifen sein könnte? Hättest mich aber auch ruhig mal fragen können ob der Aschenbecher voll ist, oder nicht… Du interessierst Dich irgendwie überhaupt nicht für meine Probleme… Na komm, jetzt steh da nicht so doof rum, dann wechseln wir mal den Reifen!“

Quelle: http://hsp-gedanken.blog.de/2014/10/20/interessierst-gar-19589428/

Die Geschichte rekontextualisiere ich hier einmal als Bild. Den Fahrer gibt es nämlich nicht. Der Fahrer ist bezogen auf Schule immer ein ganzes System. Ein System besteht aus vielen Menschen und Regeln – viele davon heimlich.

Systeme möchten sich und ihre Regeln erhalten, weil das Sicherheit und Bestätigung schafft. Das ist also nichts per se Böses, sondern ein völlig normaler Selbsterhaltungsreflex. Abgeschlossene Systeme sind in besonderer Weise davon überzeugt, dass ihre Regeln und Verfahren gut und richtig sind. Wenn etwas nicht klappt, liegt das aus Sicht des Systems immer schnell am Verhalten einiger weniger Menschen, nie an Strukturen. Läge es tatsächlich an Strukturen, dürfte es aus Sicht des Systems das Essentielle gar nicht mehr funktionieren. Und das tut es ja. Solange sind andere Wahrnehmungen natürlich falsch.

Das Wesen von Beratung ist für mich aber die Arbeit an Strukturen. Dabei gibt es einige wenige Kernfragen:

  1. Was sind unsere Strukturen?
  2. Wie erfolgreich sind wir mit unseren Strukturen?
  3. An welchem Punkt einer Struktur setzen wir an, damit sich etwas substantiell verändert?

Im eigenen System bin ich Teil der Strukturen. Im besten Falle stabilisiere ich die Struktur gerade dadurch, dass ich etwas aufbaue, gegen das das System sich verteidigen muss – und auch wird! Das System wird jahrelang den Aschenbecher reinigen („Die Wahrnehmung des Beifahrers stimmt nicht!“), dann durch einen blöden Zufall auf den Reifen schauen, um schließlich dem Beifahrer vorzuwerfen, er hätte nicht konsequent genug auf den Misstand hingewiesen (Rückspiegelung: „Du hättest ja handeln können / müssen!“).

Das schließt paradoxerweise übrigens nicht aus, dass einzelne Menschen in diesem System ganz anders fühlen und denken und auch Visionen haben, die es für mich mit allem, was ich habe zu stärken gilt. Die Umsetzfähigkeit hängt aber in erheblichen Umfang davon ab, ob eine kritische Masse entsteht, die neue Strukturen und Regeln  implementieren kann, die dann faktisch nicht nur auf dem Papier in einem Konzept stehen. Und für mich ist zunehmend die Frage, ob das zum jetzigen Zeitpunkt auf demokratischem Wege in angemessener Zeit gelingen kann.

Ebenfalls auf dem EduCamp in Stuttgart gab es eine Session zu subversiver Arbeit. Natürlich kann ich als Teil des Systems Netzwerke und Ängste nutzen, um Veränderung zu initiieren oder ich kann Organe mit Informationen und meinem Wissen von „Angelpunkten“ versorgen. Das ist dann aber keine Beratung, sondern Manipulation. Auch das zurzeit hochmoderne Nudging ist für mich im Kern manipulativ. Beides klappt umso besser, je eher es dem System später gelingt, die positiven Effekte der entstandenen Veränderung sich selbst zuzurechnen. Das ist bei subversiven Verfahren immer mit zu berücksichtigen, wenn man erfolgreich sein will. Es hat den Preis, dass man natürlich dann nicht die Lorbeeren erhält. Die bekommen immer die Träger institutioneller Macht.

Der logische Schritt wäre auf den ersten Blick also, sich in institutioneller Machtpositionen zu begeben  (z.B. durch Aufstieg in der Hierarchie im Schulsystem). Damit meine ich nicht die Übernahme primärer Dienstleistungen im Verwaltungsbereich, sondern Positionen, die strukturelle Gestaltungsräume bieten.

Das hat seinen Preis, z.B. den, dass man immer noch Teil des Systems ist, nun aber in ganz andere Zwänge hineingerät: Das System erwartet schließlich, dass es weiter funktioniert – am besten soll sich nichts ändern. Die Konsequenz muss man tragen können und wollen. Man wird nur kleine Teile in sehr kleinen Schritten bewegen können. Die Arbeit an Haltungen, die dafür notwendig ist, bleibt immens komplex.

Das kann ich im Prinzip alles aushalten. Aber innerhalb meines eigenen Systems fehlt mir dafür die Geduld. Ich nehme Dinge schnell persönlich oder fühle mich angegriffen – und dahin ist es mit meiner Objektivität und meiner Souveränität in Konfliktsituationen – quasi der Tod der Sachebene. Es gibt schließlich eine Geschichte zu meiner Person im eigenen System.

Diese persönlichen Implikationen habe ich als externer Berater für andere Schulen nicht. Der Anspruch einer guten Beratung bleibt. Wenn aber Prozesse scheitern – und das tun sie natürlich gelegentlich – ist mein Name zwar an der betreffenden Schule „verbrannt“, aber ich gehe meist trotzdem gestärkt um Erfahrungen aus der Beratung in die nächste Schule. Ich trage Niederlagen nicht in meinem System mit mir als Geschichte herum. Ich kann in Konflikten anders bestehen: Weil meine Persönlichkeit im Grunde nicht bekannt ist, ist es z.B. deutlich schwerer, Konflikte auf eine persönliche Ebene zu bringen, bzw. für mich deutlich leichter, genau das zu erkennen und „professionell“ zu reagieren. Maximal verliere ich ein System als Kunden.

Meinem System wünsche ich daher immer die Offenheit für externe Beratung, weil allein das neue Perspektiven ermöglicht. Ein System, welches nur in sich selbst ruht, wird es mit der Entwicklung nach meinen Erfahrungen sehr schwer haben. Hier und da lässt sich vielleicht mal eine Schramme kitten, aber eine substantielle Veränderung wird so eher schwer.

Zum Glück kenne ich mittlerweile viele, sehr kompetente und von mir geschätzte Menschen, die ich dafür immer empfehlen kann.

Was bedeutet für mich Bildung?

Ich komme selten dazu, schlaue geisteswissenschaftliche Abhandlung zum Bildungsbegriff zu lesen. Ich kann mich nicht mit großem, fundiertem Wissen zu Bildungstheorien anderer schlauer Leute schmücken. Aber neulich kam mir ein Gedanke für eine Analogie, die meinen persönlichen, völlig unwissenschaftlichen Bildungsbegriff recht gut beschreibt, der sich aus privaten und beruflichen Quellen speist. Ich schaue dabei immer wieder auf meine Bildungshistorie und vor allem auf die Rolle von Schule und Universität.

Bildung hat für mich zwei wesentliche Komponenten. Struktur und Inhalte. Ich sehe diese beiden Komponenten einzeln als völlig wertlos an. Sieht man das Verhältnis zwischen beiden als dichotomisch an, so wird ein Schuh daraus.

Das ist ähnlich wie ein Lager (Struktur) mit Paketen (Inhalte). In einem Lager befinden sich Regale. Vielleicht fahren da auch Roboter hin und her, die von einem komplizierten Steuerungssystem betrieben werden. Vielleicht machen das Menschen – wir haben hier vor Ort einen Laden, bei dem man beim ersten Hinsehen nicht vermuten könnte, dass es eine Struktur gibt – aber sie ist vorhanden (und ermöglicht sogar das Auffinden eines Känguruh-Halfters nach Jahrzehnten). Unnötig zu erwähnen, dass dieser Laden ohne einen Internetauftritt auskommt.

In jedem Lager befinden sich Pakete, die innerhalb der Struktur einen Platz besitzen und meist auch irgendwann eine Funktion erfüllen. Wenn es keine Pakete gibt, ist der Betrieb des Lagers als Selbstzweck irgendwie doof. Wenn es keine Lagerstrukturen gibt, wird es mit der Verwertbarkeit der Pakete schnell schwierig. Lager und Pakete gehören also zusammen wie die zwei Seiten eines Blatts Papier – ein dichotomisches Verhältnis.

Ein modernes Lager organisiert sich heutzutage übrigens immer neu, besitzt also im Prinzip wenig feststehende Strukturen. Einzelne Pakete oder „Wissensartefakte“ sind da weniger dynamisch – wobei es natürlich immer auf das Wissensgebiet ankommt.

Beispiele für Strukturerwerb

Ich habe früher mal Jugendarbeit gemacht, unter anderem auch Freizeitarbeit. Ich war in einem Jahr der Älteste und Erfahrenste in einem Team. Wenn es Regeln durchzusetzen galt, musste ich das machen. Ich hatte nach einer Woche das Gefühl, bei den Teilnehmenden völlig unten durch zu sein. In der abendlichen Reflexion mit anderen Teamern gab es dann eine interessante Hypothese: Die Teilnehmer hassten nicht mich, sondern das was ich tat. Ob es so war, weiß ich nicht. Ich habe in der Situation jedoch den Unterschied zwischen Rolle und Person begriffen und konnte diese Struktur dann später in mein „Lager“ als gundlegende Organisationsform integrieren. Sie hilft mir heute in meiner Tätigkeit als Lehrkraft wie auch in Beratungsprozessen – man kann vor dieser Folie Verhalten anders einordnen.

Weiterhin gibt es in der Chemie ein didaktisches Konzept namens „Donator-/Akzeptorprinzip“. Die grundsätzliche Struktur dabei ist, dass Teilchen von A nach B übertragen werden. Man kann mit diesem Konzept schon sehr früh beginnen. Im Laufe des Chemieunterrichts ändert sich eigentlich „nur“, dass der Aufbau von A, B und dem Teilchen immer komplizierter wird. Das Prinzip bzw. die Struktur „Donator/Akzeptor“ bleibt jedoch. Ohne diese Struktur müsste man jedes Paket einzeln in ein Regal tragen und würde gar nicht sehen, dass man sie ggf. platzsparend ineinanderstapeln kann und damit Mengen an intellektueller Kapazität blockieren.

Beispiele für den Paketerwerb

Es gibt manchmal die Situation, dass man bestimmte Pakete braucht bzw. besitzen muss, um die Notwendigkeit zu sehen, dass diese gelagert werden müssen oder um überhaupt einer Lagerungsstruktur entwickeln zu können.

Vokabeln einer Fremdsprache sind für mich so ein Beispiel. Wenn ich sie nicht kenne (erwerben kann ich sie freilich recht unterschiedlich), wird es mir schwerfallen, die Struktur einer Sprache zu erfassen. Der Spracherwerb von Kindern erfolgt ja oft über Worte, die dann in eine zu begreifende Struktur (Grammatik einer Sprache) zu integrieren sind, damit Kommunikation gelingt. Ob man eine Fremdsprache durch andere Unterrichtsformen erlernen kann, wird gerade hier in Niedersachsen durch ein neues Kerncurriculum Englisch ausprobiert. Im Prinzip versucht dieses so zu tun, als würde der Spracherwerb wie bei einem native Speaker erfolgen können – allerdings in Deutschland. Mal sehen, ob es klappt.

Ich mochte Geschichte als Schüler nie, bemerke aber, dass ich einzelne Wissenspakete jetzt in eine Verbindung bringen, d.h. Strukturen mit Hilfe vorhandener Inhalte aufbauen kann, von denen ich lange Zeit nicht wusste, wo ich sie im Lager hinstellen sollte. Die Pakete waren zur Schulzeit also vollkommen sinnfrei und haben irgendwo in einer Ecke des Lagers gestanden, wo sie verstaubt sind. Dass sie einmal wichtig werden würden, wusste ich damals nicht. Leider ist es schwer vorauszusehen, für welche Pakete das im Leben eines Menschen gelten wird. Daher beruht soetwas wie „Bildungskanon“ im Grunde auf einer breit gestreuten Spekulation.

Auseinandersetzungen um die „richtige“ Art von Bildung

Grob gesprochen gibt es für mich in der Bildungsdiskussion zwei Pole: Den der Inhalte und den der Strukturen. Streit gibt es oft darüber, wie man sich „richtig“ zwischen den Polen positioniert.

Extremposition 1:

Pakete, die man vorgesetzt bekommt, entspringen dem industriellen Zeitalter. Pakete sucht man sich selbst und baut damit seinen eigenen Strukturen. Eigentlich sind primär die Strukturen wichtig, da es eh viel zu viele Pakete in der Wissensgesellschaft gibt und zum anderen am Anfang der Schulzeit noch gar nicht klar sei kann, welche Pakete man später mal finden und ausliefern muss. Pakete liegen heute eh alle fertig in Digitalien herum. Finden und auspacken reicht eigentlich auch schon.

Extremposition 2:

Wenn man nie ein vorstrukturiertes Lager gesehen hat, bei dem man genötigt wurde, Pakete an vorgegebene Plätze zu stellen, d.h. wenn man nie ein Beispiel für ein Lager gesehen und erlebt hat, wird man kein eigenes Lager bauen können. Lehrjahre sind kein Herrenjahre. Und es gibt Menschen, die eben wissen, was gut und recht ist und was ein Staatsbürger eben so können muss. Das vorgebene Lager kann ja dann als Referenz- und Bezugspunkt für das eigene Lager dienen. Und wenn ich alle Pakete in Digitalien erst suchen muss, werde ich nicht effizient arbeiten können oder Strukturen entwickeln, die nicht effizient sind und intellektuelle Kapazitäten blockieren.

Zwischenfragen

  1. Es gibt Lageranordnungen, die sinnvoll und effzient sind, um möglichst viele Pakete in kurzer Zeit strukturiert abzulegen und abrufen zu können. Es gibt dazu bestimmt auch Alternativen, z.B. kann man klassisch schriftlich Multiplizieren oder eben auch ganz anders. Wann ist die eigene Suche nach Strukturen weniger effizient als die Adaption vorhandener?
  2. Das verfügbare Wissen der Welt wächst exponentiell. Der Anspruch, möglichst das für das eigene Leben relevante Wissen im Rahmen eines vorgegebenen Bildungskanons zu erwerben ist ein härer, kaum zu bewältigender. Wann ist die Aussage „Man kann nicht alles wissen!“ korrekt und wann negiert sie, dass es Strukturen gibt, auf denen sich Wissen besser oder schlechter aufbauen lässt?

Aktuell

Aktuell wird diskutiert, inwieweit Informatik ein Bestandteil von Unterricht sein sollte wie etwa Chemie, Physik oder Biologie, Die Gegner sagen: „Es will ja nicht jeder Computernerd werden!“ – Ich sage: „Soso. Aber jeder will Chemiker, Physiker oder Biologe werden!“ Nebenbei nehme ich wahr – wahrscheinlich als einziger – das die Informationstechnologie zunehmend unseren Alltag bestimmt, wir aber immer weniger von den zugrundeliegenden Strukturen wissen.

Wenn ein Kind keine Eiche mehr erkennt, ist das schade. Wenn ganze Gesellschaften unreflektiert informationstechnische Systeme bedienen, von deren Funktion oft das Leben abhängt, ist das völlig selbstverständlich. Das Wissen über diese Strukturen braucht keiner, weil es mühsam und belastend ist – über Chemie höre ich übrigens in der Rückschau ehemaliger Schüler mit entsprechender Chemielehrerbiographie gleiches.

Man könnte ja auch anders argumentieren: Weil informationstechnische Systeme unseren Alltag ebenso wie biologische, physikalische oder chemische Prozesse bestimmen, wäre eine Einführung in grundlegende Strukturen so doof nicht. Informatik – obwohl nicht „mein“ Fach – ist eine Wissenschaft rund um die Strukturen informationstechnischer Systeme. Programme und Hardware braucht man, um darüber etwas zu lernen. Sie sind aber austauschbare Pakete.

Weiterhin ist das „Projektlernen“ zurzeit ein neuer pädagogischer Modebegriff: Schülerinnen und Schüler suchen sich hier ihre Pakete und Strukturen selbst. Ich habe mit dem Projektlernen in der Regel nur dann sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn bestimmte Strukturen bereits vorhanden waren. Dazu gehören fachliche, methodische Strukturen aber auch Persönlichkeitsmerkmale, die für das gewählte Projekt oder Thema dann konstituierend sind.

Fazit

Inhalt und Struktur gehen immer Hand in Hand. In der Diskussion um „gute Bildung“ wird mir momentan zu sehr polarisiert.

Zum Weiterdenken und -lesen

Zufällig arbeitet Jean-Pol Martin zurzeit an einem recht ähnlichen Gedanken mit jedoch etwas verschobenem Fokus, indem er  – um in meinem Bild zu bleiben – die erfolgreiche Integration von Paketen in eine Lagerstruktur sogar mit glücksbringenden Erfahrungen assoziiert – der Prozess der Einordnung („Konzeptualisierung“) als sinnstiftendes Moment unseres Lebens.

Computerräume ausstatten

Ein paar Thesen:

  1. Der Computerraum als Konzept ist bald tot. Er lebt eigentlich nur in den Vorstellungen von Administratoren von Firmennetzwerken und in stark gelenkten Schulungssetups. Ich weiß nicht einmal, ob er im Kontext von Informatikunterricht überhaupt Sinn macht. Zunehmend setzt sich auch in informationstechnischen Kontexten die Einsicht durch, dass Teamfähigkeit und Kollaboration keine ganz schlechte Idee ist, wenn man z.B. Entwicklungen von Personen abkoppeln will.
  2. Wenn ein Computerraum bald tot ist, lohnt sich die Neuausstattung mit Neuware aus dem Konzept des Desktoprechners wahrscheinlich nicht mehr lange
  3. Wenn man einen PC-Raum nach den Vorstellungen besagter Administratoren ausstattet, dann sollte man auch auf Businesslösungen mit Businessmerkmalen setzen
  4. Wenn es Neuware sein soll, dann Neuware, die später einen flexiblen Einsatz erlaubt

Damit wäre alles gesagt. Naja, nicht ganz: Ich statte gerade einen neuen PC-Raum aus und es muss leider weiterhin ein klassischer PC-Raum bleiben – vorwiegend weil das Geld für neue Möbel fehlt, aber genau das könnte ja irgendwann kommen. Deswegen folgende Komponenten:

  1. Einen Lehrerarbeitsplatz mit einer M58p-Workstation (Desktopformat, gebraucht) mit einem Business 22 Zoll TFT (gebraucht).  Inklusive einer Windows7-Professional-Lizenz kostet ein solcher Arbeitsplatz ca. 250-270 Euro. Die Lenovo Workstations besitzen Displayports und können mit entsprechenden Adaptern trotz ihres Alters sogar HDMI-Beamer ansteuern – VGA will man heute eher nicht mehr, aber selbst Firmen wie SMART tun sich mit dieser Erkenntnis noch schwer. Wer Dualdisplaymodi braucht, kann eine Low-Profile Radeon HD3470 verbauen, die dann gleich zwei Displayports mitbringt (Zusatzkosten: 19,-Euro auf Ebay). Die M58p hat mit einem Core2Duo E8400 schon ziemlich viel Dampf, wenn man nicht dauernd Videos hin und hercodiert. Bei Office, Surfen, HD-Videos oder Audiobearbeitung langweilt sich die Kiste eher. Flash ist auch kein Problem. Der „Kunde“ sieht davon nur einen gigantischen Bildschirm und ein flott reagierendes System. Apples AirPlay lässt sich darauf z.B. per AirServer problemlos nachrüsten.
  2. Einen netzwerkfähigen Beamer. Der kann zumindest statische Bilder über ein kleines Programm von jedem Rechner im Netzwerk empfangen, d.h. jeder Rechner im Raum kann seine Bildschirmausausgabe (wenn es nicht gerade Videos sind), auf dem Beamer projezieren. So lassen sich Arbeitsergebnisse rasch für die Gruppe sichtbar machen und diskutieren.
  3. Laptops für die Arbeitsplätze. Im PC-Raum kann man sie zunächst per Ethernetkabel an Netz hängen und per Kensingtonschloss an ihren Platz fesseln. Ein Core i3 reicht eigentlich mehr als aus und ist inklusive Windows7-Lizenz für ca. 450-500 Euro pro Stück erhältlich. Ändert sich das Raumkonzept dann doch mal, können die Laptops schnell ihren Platz verändern. Bei Desktops mit TFTs ist das nicht so spontan denkbar.
  4. Einen Dualbandrouter. Damit kann man den Raum später auch mit Mobilgeräten nutzen (entweder BYOD oder gar Schultablets). Zusammen mit z.B. dem AirServer kann man dann auch iOS-Geräte in dem Raum verwenden.

Dann war noch Geld über, was ich in ein paar Nexus7-Tablets investiert habe. Nexus7 deswegen, weil diese Geräte schon jetzt mehrbenutzerfähig und so verbreitet sind, dass sich regelmäßige OS-Updates erwarten lassen  und ggf. auch weitere Betriebsystemportierungen verfügbar werden. Mit Google Apps for Education lassen sich diese Devices auch schon jetzt zentral managen (Passworte, Kameraeinstellungen, Remotelöschung etc.), leider noch ohne App-Distribution.

Zudem sollte man darauf achten, aus Datenschutzgründen nur einen Geräteaccount zu verwenden. iPads waren aus Budgetgründen keine Alternative.  Wir wollen bei uns an der Schule Tablets erstmal vorrangig als Mediaplayer (wir betreiben einen DLNA-Server für die Mediendistribution) und Internetzugangsgerät nutzen, sodass wir nicht auf ein umfangreiches Appangebot angewiesen sind. Und dafür sind iPads deutlich zu teuer.

Fußangeln bei schulischen (Medien-)konzepten

Ich habe „Fußangeln“ geschrieben, um nicht „Probleme“ schreiben zu müssen – die ziehen ja immer nach unten :o).

(Medien-)konzepte – erste kleine Übung

Man schaue sich diese kleine Video mit Klaus Doppler an und ersetze das Wort „Unternehmen/Firma“ durch „Schule“ und das Wort „Leitlinie“ durch „(Medien-)Konzept“.

Nun gibt es zwei Antworten:

  1. Öhm – äh ja, irgendwie ist das bei uns genau so/ähnlich.
  2. Nö. Das haben wir schon erkannt und gehen damit um.

 
 Meine Erfahrung

… sagt, dass Konzepte, also auch Medienkonzepte, gerne geschrieben (5%) werden, besonders gerne im Kontext von Schulinspektionen – selten sind diese Konzepte aber konkret mit Leben gefüllt (95%). Natürlich ist das in meinem direkten Umfeld nicht anders, was bei mir zu bestimmten Reaktionen führt, bzw. geführt hat:

  1. Manchmal denke ich: „Es liegt bestimmt, daran, dass die Geräte noch nicht so weit sind. Wir brauchen also bessere, d.h. zuverlässigere Geräte nebst passender Netzwerktechnik. Dann kommt vieles von selbst.“
  2. Wenn ich etwas Neues eingeführt habe, war ich schon enttäuscht, wenn die begeisterte Aufnahme und die anschließende Benutzung ausblieben. Meine Standardausrede ging dann in die Richtung: „Jaja, wir leben eben in einer Zeit der Überganges, da sind Rückschläge völlig normal“ – daraufhin habe ich dann weitergemacht mit anderen Neuigkeiten und mir Trost in der „Netzwohlfühlblase“ gesucht.

Es geht ja nicht um Geräte. Es geht ja nicht um Innovationsimplementierung. Es geht ja eigentlich bei jedem Konzept nur darum, eine Veränderung zu initiieren. Dazu gibt es systemische Ansätze – also eine Theorie, die bei vielen Dingen hilft – nicht nur bei der Betrachtung von schulischen Prozessen. Sie hilft mir als Theorieansatz deswegen, weil sie im bestehenden System umsetzbar ist und nicht eine Utopie zur Voraussetzung macht.

Allgemeines zu Veränderungsprozessen

Eine bedeutsame Veränderung im Leben von Menschen ist meist eine Trennung. Sie soll hier als Beispiel für einen gravierenden Veränderungsprozess dienen. Um diese Veränderung nicht durchleben zu müssen, gibt es ja auch schon eine Reihe innovativer Lebensansätze, die sich eben nicht auf einen „unsicheren“ Partner fokussieren. Was geschieht dabei eigentlich nach einem systemischen Ansatz, vorausgesetzt diese Trennung ist irreversibel?

Phasen von Veränderungsprozessen

Phase 1 – Der Schock:

Die Trennung kündigt sich an. Das ist oft ein schleichender Prozess, machmal aber auch eine „mutige“ SMS – so hört man zumindest. Auf jeden Fall löst diese Nachricht bzw. das Bewusstsein darum zunächst einen Schock mit hoher emotionaler Beteiligung aus. Es kommt oft zu irrationalen Verhaltensmustern.

Phase 2 – Die Leugnung:

Oft genug will der Verlassene die Endgültigkeit der Trennung nicht wahrhaben. Daher wird er Strategien anwenden, die ihm die Aufrechterhaltung seines bisherigen Verhaltens – zumindest vordergründig – ermöglicht. Dabei geht es auch um ein Sicherheitsgefühl und das „In-den-Griff-Bekommen“ der Schockemotionalität – also letztlich um das Bedürfnis, die Kontrolle (über sich) wiederzuerlangen. Die emotionale Beteiligung nimmt ab.

Phase 3 – Der Kampf

Man besinnt sich in dieser Phase wieder auf die eigenen Kompetenzen und den eigenen Wert. Das kann sich in erneuten Bemühen um den Partner äußern, indem man z.B. Rituale aus den Zeit der ersten Begegnungen wieder reaktualisiert.  Es kann sich aber auch in offener Aggression gegenüber dem Partner äußern – z.B. durch Denunziationen, Mobbing, im Extremfall Stalking usw.. Die emotionale Beteiligung steigt in dieser Phase. Ein Kampf kann jedoch nie erfolgreich sein, wenn die Trennung tatsächlich irreversibel ist.

Phase 4 – Resignation

Resignation bedeutet hier erst einmal nur, dass die „Kampfhandlungen“ eingestellt sind. Von Außenstehenden wird diese Phase gerne einmal mit „Akzeptanz der Änderung“ verwechselt. Tatsächlich hat diese aber noch gar nicht stattgefunden, sondern lediglich die Einsicht, dass das eigene Bemühen sinnlos ist, bestimmt den Verlassenen. Oft zieht er sich in sich selbst zurück und „normalisiert“ seinen Alltag. Die emotionale Beteligung sinkt.

Phase 5 – Akzeptanz

Hier rücken erstmals die Chancen der Änderung in den Vordergrund. Der defizitorientierte Blick weitet sich auf neue Möglichkeiten. Gleichzeitig wird das Vergangene ersmals kritisch-distanziert betrachtet. Die emotionale Beteiligung steigt wieder.

Phase 6 – Umsetzung

Die Änderung ist im Alltag angekommen und hat sich verstetigt. Im Vordergrund stehen die Möglichkeiten, die nun als positiv im Kontrast zum Zustand vor den Änderungen erlebt werden. Unser exemplarischer Verlassener fragt sich nun z.B., warum er die Trennung nicht selbst viel früher eingeleitet hat.

Jedes Konzept ist für das System ein Schock

… und zwar in der Definition der systemischen Theorie. Wenn ein Konzept keine Emotionen, teilweise auch Übergriffe auslöst, ist keine Veränderung initiiert. Das Schlimmste ist Lethargie. Widerstand, also Kampf ist bereits eine Form der Auseinandersetzung.

Welche Fehler kann man machen, wenn man den Veränderungsprozess gestalten möchte?

  1. Die Emotionen persönlich nehmen. Das passiert sehr gerne, wenn es sich um das eigene System handelt, was man verändern möchte. Es führt oft zu „Gegenemotionalität“ in Auseinandersetzungen mit denjenigen, die vorgeblich die „eigene“ Sache vorsätzlich torpedieren.
  2. Resignation mit Annahme verwechseln. Diese Phase ist eine sehr labile, in der das System auch schnell in die Ausgangslage zurückkippen kann. Ein paar aufmunternde Emotionen oder Anrufe von Beraterseite tun da manchmal Wunder.
  3. Den eigenen Standpunkt projezieren. Wenn ich an der Erstellung eines Konzeptes beteiligt war, bin ich in der Phasenstufung u.U. schon viel weiter vorne als das System, d.h. ich nehme schon an, während das System aber noch kämpft und ich kann dann diesen Kampf so gar nicht mehr verstehen. Wenn weitere Instanzen beteiligt sind, z.B. eine Schulleitung, wird es noch spannender, weil diese vielleicht simultan noch in der Resignationsphase verharrt („Hach, wie sollen wir das jetzt auch noch schaffen?“).

Was bedeutet das für meine Erfahrungen (s.o.)?

  1. Wenn ich denke, dass es an den Geräten liegt, habe ich schon verinnerlicht, dass eine Veränderung geschieht und diese angenommen – das System vielleicht aber noch lange nicht. Es gibt dafür schon das Fachwort des „digital gap“. Ständig neue Geräte lösen dieses strukturelle Problem nicht, sondern überfordern vielleicht mehr als sie nützen. Es besteht eine große Gefahr, einfach das Gewohnte auf digitale Geräte zu übertragen, anstatt  etwas Neues mit gewohnten Geräten zu machen. Ein halbwegs moderner Browser reicht heute in der Regel.
  2. Die „Übergangsausrede“ ist für mich im Prinzip etwas Resignatives, also ein verkopfter Umgang zur Kontrolle meiner Emotionen. Dabei wäre vielleicht kontinuierliche „Weiterbegeisterung“ hier wichtiger.  Und zwar nicht mit Gerätefokus, sondern im Hinblick auf Vorleben anderer Strukturen, Unterrichtsansätze usw. – also konkreter Handlungen.

 

WLAN-Planungen in der Schule

Plant man ein WLAN in der Schule, so hat man mehrere Möglichkeiten. Dabei setze ich einmal voraus, dass grundsätzliche Funktionen, z.B. eine zentrale Wartung (alle Accesspoints zeitgesteuert deaktivieren/aktivieren, Gastlogins über z.B. Hotspotfähigkeit, möglicher Aufbau eines Meshnetzes – das ist übrigens die Zukunft – usw.) umgesetzt werden. Außerdem kalkuliere ich, dass irgendwann zwischen 200-300 Geräte in diesem Netzwerk gleichzeitig aktiv, d.h. nicht nur angemeldet sind.

Der Wunsch

Man lässt eine Firma anrücken, die über entsprechende Messtechnik verfügt, um die gesamte Schule auszuleuchten. Auf diese Weise ist relativ schnell klar, wo welche Accesspoints gesetzt werden müssen, um eine gute Abdeckung zu erreichen. Je nach Ergebnis des Messprotokolls sind ggf. weitere Installationsarbeiten notwendig. Nicht überall liegen die erforderlichen Netzwerkkabel und ggf. zusätzliche Stromversorgungen. Ich bin übrigens kein Freund von PoE-Lösungen, d.h. der Accesspoint wird über das Netzwerkkabel mit Strom versorgt, da die dafür erforderlichen Switche nicht günstig sind und man sich eine mögliche Fehlerquelle mehr auf das Netzwerkkabel bringt. Ein schönes Nym-Kabel transportiert bis zu 3600 Watt und taugt dann auch für die Versorgung von Beamern, AppleTV oder sowas… Ein gute Firma wird dann Businessaccesspoints von Cisco, Lancom , Zyxel, Netgear usw. setzen. Die Einstiegsklasse fängt bei solchen Geräten um die 300-400 Euro je Gerät an – dafür nehmen sie aber auch wirklich 90-100 Clients in ihre Funkzelle auf und halten.

Je nach Größe der Schule ist man recht flott bei 20-30.000 Euro – für ein großes Schulzentrum können es auch 50.000 Euro sein. Dafür hat man etwas Anständiges, um das man sich weder bei der Planung noch bei der späteren Wartung großartig kümmern muss.Wenn man auf eine gute Dokumentation achtet, kann man ggf. sogar die Firma wechseln, falls irgendwann irgendetwas nicht passt.

Die Realität

  • Es gibt jenseits größerer Technologiezentren kaum Firmen, die über ein entsprechendes Know-How verfügen, potentiell weit über 100 Geräte per WLAN zu versorgen. Sie einzufliegen nützt nichts, da man immer noch Partner vor Ort für die Wartung braucht. Die Kosten für Wartungsverträge mit SLAs übernimmt kaum ein Schulträger, weil das seine finanzielle Möglichkeiten weit überschreitet.
  • Ab 20.000 Euro Investitionskosten – teilweise deutlich darunter – muss man schon sehr gut begründen, wenn man so etwas gebaut haben möchte. Zwischen Antrag und Realisierung werden Jahre mit Technologiesprüngen liegen, die die vorliegende Planung bald überholen.
  • Extern geplante Netze sind auf Zeit geplante Netze. Sie werden irgendwann selbst von Technologiesprüngen überholt werden
  • Bei der Netzwerkplanung sind oft mehrere Gewerke beteiligt: Elektriker, Netzwerkfirmen, Hardwarefirmen – oft passt hinterher nix mehr zusammen, keiner ist’s gewesen und Schuld hat immer der andere. Da es dann keine Doku gibt, vergehen oft Stunden, bis einfachste Probleme gelöst werden können – das fängt schon bei Passwörtern für Konfigurationsoberflächen an.
  • Als technisch Ahnungsloser wird man die Zeit, die man sonst mit Bastelei (und Lernzuwachs) verbracht hätte, mit Telefonieren, Mahnen, Hinterherlaufen, Schimpfen und Genervtsein verbringen.

Unbedingte Voraussetzung beim Aufbau eines solchen Netzes durch eine Firma ist externe Beratung. Die projektiert ggf. auch konkrete Pflichtenhefte für die einzelnen Gewerke und koordiniert während der Bauphase. Natürlich sind da entsprechende Stundensätze zu kalkulieren – aber das machen auch viele Hausbauer m.E. falsch: Der externe Gutachter wird gespart, weil das Gutachten 3000-4000 Euro kostet. Bei einer angenommenen Bausumme von 200.000 Euro für ein EFH ist dieser Betrag aber eher gering und spart unter Umständen durch Vermeidung von Planungsfehlern Nachbesserungen, die schnell ein Vielfaches der Kosten für einen Gutachter betragen.

Der Pragmatismus

Der Pragmatismus – vor allem der finanzielle – besteht darin, Dinge selbst zu tun, die man selbst tun kann. Dazu gehören nicht:

  • das Verlegen von 230V-Leitungen und Setzen von Steckdosen
  • das Durchbohren von (Brandschutz-)Wänden zur Verlegung von Netzwerkkabeln
  • die gemeinsame Verlegungen von Netzwerkkabeln und 230V-Leitungen in einem Kanal (es gibt aber Kabelkanäle mit Trennsteg)

Viele Hausmeister sind aber gelernte Elektriker und wissen über die VDE-Normen Bescheid. Sie dürfen in der Regel nicht selbst aktiv werden, können aber Arbeiten von Firmen kontrollieren. Dinge, die man selbst tun kann, beschränken sich also darauf, bereits vorhandene Installationen zu nutzen. Ab Netzwerk- oder Steckdose darf man mit einem fertig gekauften Gerät hantieren.

Kern meines Hantierens ist für mich zurzeit die kostenlose Routerdistribution DD-WRT. Es handelt sich um eine weitgehend freie Firmware, also eine Art Betriebssystem für Router. Es werden unzählige Modelle unterstützt. Hier kann man schauen, ob die vorhandene Hardware dazugehört. Das Schöne ist, dass DD-WRT auf jedem Router gleich aussieht – die Bedienung hängt also nicht mehr vom Typ des Routers ab. Mit DD-WRT erhalten viele günstige Router Funktionen, von denen wesentlich teurere Business-Accesspoints träumen – ich zähle hier mal die offensichtlichsten auf:

  • an den Switch eines modifizierten Routers könne weiter Router angesteckt werden (weiterer WLAN-Ausbau)
  • der Router kann als Accesspoint, als Repeater oder als Bridge konfiguriert werden – das ist gerade in schlecht ausgebauten Altbauten von fulminanter Bedeutung
  • Man kann eine Hotspotfunktionalität wie an Unis oder Hotels realisieren (der IServ bringt übriges fast alles dafür schon mit)
  • Viele Router können mit DD-WRT zeitgesteuert werden, d.h. das WLAN ist z.B. nachts oder an Wochenenden inaktiv
  • usw.

DD-WRT ist sehr gut in Englisch dokumentiert – auch deutschsprachige Foren gibt es. Für Linuxer ist es auch kein Problem, eine Zeitsteuerung für das WLAN zu integrieren. DD-WRT bringt eine Konsole mit, über die man via Script den WLAN-Chip ein und ausschalten kann. Ich habe dafür einen Cronjob auf unserem IServ erstellt, der das per Key-Auth auf fast jedem Router bei uns in der Schule erledigt. Oder man kann den WLAN-Schlüssel für die gesamte Schule zentral per Konsole setzen… Ich halte beides für einen Sicherheitsgewinn.

Ich habe zurzeit zwei Gerätetypen mit DD-WRT hier im Schulnetz im Einsatz: Den Linksys WRT54GL als Paradevertreter von Stabilität und Robustheit und den TP-Link TL-WR1043ND, den man mehr als „jungen Wilden“ bezeichnen kann. Beide werden von DD-WRT gut unterstützt, beim TP-Link muss man die Zeitsteuerung per Konsole nachrüsten, während sie beim WRT54G über die Oberfläche eingestellt werden kann. Beide funken nur m 2,4Ghz-Band – die nächsten Router bei mir werden auf jeden Fall dualbandfähig sein, also auch 5Ghz unterstützen. Der TP-Link funkt auch im N-Modus und erreicht hier übliche Übertragungsgeschwindigkeiten von 65-107Mbit/s, während der Linksys auf maximal 54Mbit/s kommt (G-Standard).

Konfigurationstipps:

  1. Weboberfläche nur per HTTPS zugänglich machen und auch die Statusseite von DD-WRT mit einem Passwort schützen
  2. SSH-Zugriff nur über Key-Auth
  3. Alle Router einer Schule sollten unter einer einheitlich SSID senden – dann klappt sogar „Handover“, bzw. man merkt nicht, dass man kurzzeitig beim AP-Wechsel keine IP hat. Ich kann fast durch das ganze Schulgebäude laufen ohne die WLAN-Verbindung zu verlieren. Zudem vermeiden man bei unerfahrenen Nutzern, dass sie mehrere Netzwerke einrichten müssen. Ist ein AP überlastet, sucht sich das Gerät zudem in der Regel einen anderen – wesentlich(!) weniger Fragen von Benutzern…
  4. N-Router sollten nur die AES-Verschlüsselung zulassen, da TKIP nur für WLAN-G spezifiziert ist und man so nicht die N-typischen hohen Datenraten erhält
  5. Die Router sollten ihre externe IP nach Möglichkeit per DHCP bekommen, weil ich so zentral am DHCP-Server bestimmen kann, wer welche IP erhält
  6. Ein extrem wichtiger Helfer beim Setzen der Accesspoints ist ein Handy mit einem WLAN-Analyzer. Den gibt es für alle gängigen Mobilplattformen.

Anderes Thema: Ist das meine Aufgabe?

Nein. Aber wenn ich möchte, dass mobiles Lernen möglich wird, kann ich entweder:

  • darauf warten, dass sich die unermüdlicher Forderer politisch durchsetzen, so dass der Schulträger zum Handeln gezwungen wird. Leider sehe ich wenig Einigkeit darüber, was denn der Standard sein soll oder in welchem Bereich er sich bewegt.
  • heute etwas tun, um die bestehende Situation konkret zu verbessern. Dazu bedarf es nichts außer der Bereitschaft in diesem technischen Bereich zu lernen – das Wissen dazu ist im Netz.
  • beides kombinieren

Realität ist, dass sich einzelne Lehrer zurzeit aus Not selbst etwas basteln, z.B. mit dem mitgebrachten Hotspot. Das kann ich auch und habe es lang so gemacht. Es nützt dem System Schule m.E. aber überhaupt nichts. Die Abhängigkeiten werden nur andere. Daten müssen irgendwo liegen, um ausgetauscht zu werden. Eine Schulcloud finde ich sympathischer als Web2.0-Dienste oder im beste Fall angemieteten Webspace.

 

1 2 3