Tablets in der Schule: Bitte (fast) keine Androids mehr!

Vorweg

Ich setze persönlich keine Tablets im Unterricht oder meinen eigenen Workflow ein. Für mich persönlich sind das Spielzeuge und keine Arbeitsgeräte. Meine Finger sind zu dick und unmotorisch.

Ich gestalte meinen digitalen Unterricht aber so, dass das Gerät dafür kaum eine Rolle spielt, wenn es zumindest einen Browser und einigermaßen performante Leistungsdaten zum Rendern von Webinhalten verfügt. Meine Tools stellen standardisierte Schnittstellen bereit, sodass hoffentlich jeder die App und das Gerät dafür nutzen kann, die/das zu ihr/ihm passt.

„App“ ist für mich ein anderes Wort für „Programm, dessen Oberfläche auf Touchbedienung zugeschnitten ist“. Damit sind Tablets natürlich willkommen – es gibt ja andere Menschen als mich mit anderen Vorlieben und Präferenzen.

Was ich gar nicht mag, ist als Admin Sonderlösungen bauen zu müssen, weil ein Hersteller meint, eigene „Standards“ seien kundenfreundlicher. Deswegen hasse ich aus Administratorensicht speziell Apple wie die Pest. So viel zum Rant.

Was man in der Schule von der Software eines Gerätes erwarten können muss

 

  1. Regelmäßige Betriebssystemupdates
  2. Regelmäßige Sicherheitsupdates
  3. Verlässliche Sandboxes für Prüfungssituationen
  4. Verlässliches, leicht zu bedienendes MDM (Lösung zum Managen der Geräte, wenn sie schuleigen sind)

… über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren. Ein Hersteller, der das nicht bieten kann, hat nach meiner Meinung in der Schule bei schuleigenen(!) Geräten nichts verloren.

Damit fallen (fast) alle Androidgeräte heraus.

Warum keine Androids?

Das Lizenzmodell von Android ermöglicht erst die Herstellung extrem günstiger Geräte. Die Quelltexte liegen offen, das System lässt sich recht unaufwändig an fast jede beliebige Hardwareumgebung anpassen, d.h. als Hersteller bin ich in der Wahl meiner CPU, meines Grafikprozessors usw. recht frei. Daraus entsteht eine Vielzahl an Produktlinien. Um das System performant und schlank zu halten, bricht man mit einem Grundprinzip von Linux, auf dem Android basiert: Dem generischen System.

Ein generisches System läuft unverändert auf sehr vielen unterschiedlichen Umgebungen: Ubuntu kann ich auf fast jeden Rechner installieren – Linux bringt die dafür erforderlichen Treiber gleich mit und erkennt z.B. Hardware beim Start vollautomatisch.

Ein generisches System kann darüberhinaus zentral geupdatet werden – im Prinzip läuft ja überall das Gleiche. Leider schleppt natürlich ein generisches System alles nur Denkbare an Treibern mit sich und ist daher recht groß – das passt vor allem nicht zu günstiger Hardware.

Kurz gesagt: Bei Androiden muss der Hersteller jedes Sicherheits- und Funktionsupdates für alle seine Produktlinien manuell einpflegen und seinen Kunden z.B. als Betriebssystemimage bereitstellen. Das lohnt sich bei Geräten wie Tablets und Handys mit ohnehin meist kurzer Verwendungszeit in der Regel nicht, sprich:

Die meisten Androidgeräte sind nach recht kurzer Zeit sicherheitstechnisch ein Debakel

Die einzige echte Ausnahme, die ich diesbezüglich kenne, ist die Nexusserie von Google selbst. Meine Nexustablets der ersten Generation erhalten bis heute zeitnah Updates – schon fast vier Jahre mittlerweile.

Man kann ausweichen auf Communities rund um Cyanogenmod – Techies wie ich könnten das ggf.. – aber für Schulen im Allgemeinen ist das keine Option.

In der Schule brauche ich nach meinem Empfinden Geräte, die mindestens drei, besser fünf zuverlässig laufen. Realistisch finde ich eher einen Gerätewechsel nach drei Jahren, d.h. mindestens(!) drei Geräte pro Schullaufbahn, denn schon heute werden die meisten Menschen (auch und gerade SuS!)  Geräte, die noch älter sind, aufgrund des technologischen Wandels als unzumutbar empfinden – daher noch ein Seitenhieb:

Bei Kalkulationen „Tablet preislich gegen Schulbuch / Taschenrechner / Atlas“ ohne Einbezug des technologischen Wandels (Produktupgrade nach drei Jahren) wäre ich SEHR vorsichtig ob des realen Preisvorteils gegenüber heute – unser Wirtschaftssystem basiert nicht darauf, dass wir ständig weniger ausgeben.

 

iPads und Windowstablets 

Apple ist ein in sich geschlossenes System und Microsoft macht den Herstellern seiner Geräte recht rigide Vorgaben, was die Hardwareausstattung angeht – im Prinzip fahren die die generische Strategie des Linuxkernels. Damit ist die Sicherheitsproblematik in einem wesentlichen Kernpunkt entschärft, weil nicht der Hersteller Updates bereitstellt, sondern eben Apple und Microsoft und diese Updates auch über die betriebssystemeigenen Mechanismen installieren. Die damit verbundene Langfristigkeit macht den Einsatz z.B. einer MDM-Lösung oder Klassenraumsteuerung erst beherrschbar: Wenn ich nicht andauernd verseuchte Geräte wiederherstellen und neu in eine MDM-Lösung integrieren muss, wird die Bewältigung des Arbeitspensums möglich. Und gerade Schulgeräte, die durch viele Hände gehen, sind gegenüber derartigen Drangsalierungen extrem gefährdet. Selbst Apple hat mittlerweile kapiert, dass ein 1:1-Design eben nicht in eine 1:many-Umgebung passt und entwickelt in die richtige Richtung.

Nachtrag:

Etwas ausführlicher hat sich Andreas Hofmann mit der neuen Initiative von Apple beschäftigt.

 

Anfangsgenölewiederaufgriff

Mir ist völlig klar, dass mit der automatischen Updatepolitik von Apple und gerade auch Microsoft auch sehr streitbare Mechanismen Einzug in die mobilen Geräte halten – vor allem vor dem Datenschutzhintergrund. Mir wäre ein Ubuntu-Touch auf freier Hardware ohne UEFI- und TPM-Mist bedeutend lieber.

Da wir aber im „Isnummalsoland“ leben, geht es um pragmatische Ansätze. Und da hat Apple schon aufgrund des Appangebot im Vergleich zu Microsoft zurzeit die Nase für viele Anwender halt vorne. Ich persönlich finde das doof.

Vielleicht fehlt es bei Androids einfach auch nur an Dienstleistern, die das Ganze z.B. mit Cyanogenmod schlicht professionalisieren und Servicebundles für drei bis fünf Jahre anbieten.

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6 Kommentare

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  • Super Artikel. Die gleichen Gedanken habe ich mir auch gemacht, sei es privat, aber auch im schulischen Kontext.
    Mittlerweile bieten viele Android-Hersteller Smartphones mit CyanogenOS an. Das heißt sie schließen einen Vertrag mit Cyanogen ab, damit diese sich um die Pflege des OS kümmern. Die OS Updates erfolgen deutlich häufiger als z.B. bei Sony.
    Wäre nur zu hoffen, dass es bald auch CyanogenOS Tablets gibt.

  • Ivo

    Hallo.

    Google hat für Schulen die Chromebooks und GAfE. Das ist für Schulen genau das richtige Konzept. Und es funktioniert für alle (LuL, SuS, Admins, …) hervorragend.

    Nur das Thema Datenschutz darf man nicht ansprechen.

    Aber das ist ja bei Apple und MS nicht anders.

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