Es gibt in Nds. einen neuen Erlass zur Verarbeitung schulischer Daten auf Privatgeräten der Lehrkräfte …

… der im Netz momen­tan für sehr viel Furo­re sorgt, denn es gibt eine Schlüs­sel­stel­le:

Die Spei­che­rung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten auf dem Fest­spei­cher pri­va­ter mobi­ler End­ge­rä­te (Smart­pho­nes und Tablets) ist nicht zuläs­sig.

Damit sind auf den ers­ten Blick Noten­ver­wal­tungs­pro­gram­me wie Tea­cher­Tool auf pri­va­ten Gerä­ten von Lehr­kräf­ten unzu­läs­sig, weil Tei­le der Daten­hal­tung dabei auf dem End­ge­rät selbst gesche­hen. Auf den zwei­ten Blick gibt es dann die­ser Les­art Unsi­cher­hei­ten, da nicht immer klar gere­gelt ist, ob es sich bei ver­schlüs­sel­ten Daten wirk­lich um per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten han­delt. Lei­der ist das immer eine Ein­zel­fall­ent­schei­dung. Tea­cher­Tool ist hier von Hau­se aus auf einem guten Weg: Back­ups las­sen sich schon heu­te extern erstel­len.

Die Ziel­rich­tung des eigent­li­chen Sat­zes scheint mir klar zu sein: Man möch­te pri­va­te Gerä­te als Zugangs­ge­rä­te für die Ver­ar­bei­tung schu­li­scher Daten auf exter­nen Ser­vern (etwa denen der Schu­le) ermög­li­chen. Auch die Ver­ar­bei­tung auf Ange­bo­ten von Dritt­an­bie­tern, z.B. Schul­ma­na­ger Online, ist mög­lich, wenn die Schu­le sich dabei qua­si stell­ver­tre­tend für alle Lehr­käf­te um die Ein­hal­tung der Regu­la­ri­en küm­mert (z.B. um eine Ver­ein­ba­rung zur Auf­trags­da­ten­ver­ar­bei­tung – ADV). Außer­dem ist eine ver­schlüs­sel­te Daten­über­tra­gung Pflicht, wie sie heu­te aber i.d.R. zumin­dest bei Nut­zung von Brow­sern selbst­ver­ständ­lich ist.

Dis­ku­tiert wird auch die­ser Satz (4.1.1), der schein­bar in einem Wider­spruch zum ers­ten steht:

Wer­den für die Spei­che­rung der Daten exter­ne Spei­cher­me­di­en ver­wen­det, sind die­se zu ver­schlüs­seln und so auf­zu­be­wah­ren, dass sie nur der Lehr­kraft selbst zugäng­lich sind.

Man darf ver­schlüs­sel­te Back­ups auf exter­nen Spei­cher­me­di­en able­gen, nicht aber auf dem End­ge­rät selbst.

Auch hier scheint mir die Ziel­rich­tung klar: Man möch­te auf jeden Fall ver­hin­dern, dass auch ver­schlüs­sel­te Datei­en über Clouds gro­ßer Anbie­ter wie Goog­le oder Apple syn­chro­ni­siert wer­den. Man traut dem durch­schnitt­li­chen Nut­zer nicht zu, die­se beque­men Funk­tio­na­li­tä­ten, die im pri­va­ten Bereich viel Sinn machen, für schu­li­sche Daten zu deak­ti­vie­ren. Das deckt sich mit mei­nen Erfah­run­gen auf Schu­lun­gen.

Erheb­lich und aus mei­ner Sicht erfreu­lich aus­ge­wei­tet wur­de der maxi­mal mög­li­che Daten­rah­men: Man darf auch Daten wie Tele­fon­num­mern und E‑Mailadressen der Erzie­hungs­be­rech­tig­ten ver­ar­bei­ten – das ging vor­her nicht. Bei Schüler*innen ist das aber nach wie vor nicht zuläs­sig und auch kon­sis­tent zur bis­he­ri­gen Argu­men­ta­ti­ons­li­nie unse­res Lan­des­in­sti­tuts für Daten­schutz. Für mich ste­hen hier bei der Beur­tei­lung eher päd­ago­gi­sche Über­le­gun­gen im Vor­der­grund.

Fazit

  1. Der Erlass macht die Hal­tung dienst­li­cher Daten auf einem pri­va­ten Gerät nahe­zu unmög­lich – nicht aber auf einem dienst­li­chen.
  2. Der Erlass wirkt steu­ernd dar­auf hin, dass Online­sys­te­me für die Schul­ver­wal­tung genutzt wer­den. Das ist auch sinn­voll, weil die Zugangs­vor­aus­set­zung „Brow­ser“ eine gerin­ge ist.
  3. Der Erlass wirkt indi­rekt dar­auf hin, dass schu­li­sche Daten (auch nicht zeit­ge­mäß ver­schlüs­selt) in Clouds gro­ßer Anbie­ter lan­den, es sei denn, die­se stel­len rechts­kon­for­me und inter­ve­nier­ba­re ADVs zur Ver­fü­gung. Das wird noch span­nend.
  4. Ich rech­ne nicht damit, dass eine ver­schlüs­sel­te Daten­hal­tung auf dem Gerät durch z.B. Tea­cher­Tool eine Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten dar­stellt. Aber das ist lei­der immer laut Rechts­spre­chung des EuGH zu prü­fen. Das Damo­kles­schwert, dass Tea­cher­Tool theo­re­tisch einen grö­ße­ren Daten­rah­men als den vor­ge­be­nen zur Ver­fü­gung stellt, bleibt unver­än­dert bestehen.

Edit, 9.2.2020

Satz 1 stand für mich bis­her in einem Wider­spruch zu Satz 4. Sprach­lich tut er das immer noch. For­mal wird der Erlass noch­mal hier kon­kre­ti­siert: Auf Note­books, PCs oder Tablets mit voll­wer­ti­gem Win­dows- oder Linux-Betrieb­sys­tem dür­fen nach Ein­hal­tung aller Regu­la­ri­en wei­ter­hin Schü­ler­da­ten mit dem jetzt gül­ti­gen, erwei­ter­ten Daten­rah­men ver­ar­bei­tet wer­den. Kon­kre­te Hin­wei­se, wie eine Ver­schlüs­se­lung vor­zu­neh­men ist, wer­den eben­falls gege­ben (hier exem­pla­risch für Linux und als Linu­xer hät­te ich dazu Fra­gen. z.B. war­um nicht die mitt­ler­wei­le stan­dard­mä­ßig bei der Instal­la­ti­on ange­bo­te­ne Ver­schlüs­se­lung der Home­ver­zeich­nis­se genutzt wird …).

Nur: Es hat ja Grün­de, war­um vie­le Lehr­kräf­te iOS, iPa­dOS, Andro­id oder Chro­me­OS nut­zen. Vie­le dürf­ten mit den zu Ver­fü­gung gestell­ten Anlei­tun­gen über­for­dert sein. Der Erlass wird m.E. web­ba­sier­ten Schul­ver­wal­tungs­sys­te­men hier in Nie­der­sach­sen erheb­li­chen Auf­wind geben und für erheb­li­che Ver­un­si­che­rung bei Lehr­kräf­ten und Schul­lei­tun­gen sor­gen …

 

 

 

Von Teergruben und Schuttbergen

Ein­mal mehr hat mich Phil­ip­pe Wampf­ler an einen alten Arti­kel von mir erin­nert: Es geht im Kern um die Fra­ge, dass mit Ver­hin­de­rungs­dis­kur­sen Inno­va­ti­on ver­hin­dert wird und Schein­de­bat­ten geführt wür­den, die inno­va­ti­ve Akteu­re „zer­mür­ben“ (sol­len).

Phil­ip­pe ver­wen­det das Bild der (rhe­to­ri­schen) Teer­gru­be. Der Begriff beschreibt in der Infor­ma­tik ein Kon­zept, uner­wünsch­te Ver­bin­dun­gen zwi­schen Rech­ner zu ver­lang­sa­men, wenn anzu­neh­men ist, dass von einer Ver­bin­dung ein Scha­dens­po­ten­ti­al aus­geht – so muss man z.B. bei der häus­li­chen Fritz­box nach jeder fal­schen Pass­wort­ein­ga­be etwas län­ger war­ten, bevor man einen neu­en Ver­such star­ten kann. Die Ver­bin­dung wird „kleb­rig“.

Wit­zi­ger­wei­se ist das Kon­zept der Teer­gru­be für den inten­dier­ten Zweck in Netz­wer­ken völ­lig untaug­lich. Gewitz­te Angrei­fer ver­fü­gen über Tech­ni­ken, um die­se „Siche­rung“ zu umge­hen – z.B. durch Ver­bin­dungs­ver­su­che von sehr vie­len unter­schied­li­chen Rech­nern gleich­zei­tig – eine ver­netz­te Angriffs­stra­te­gie. „Bestraft“ wer­den durch Teer­gru­ben eher legi­ti­me Ver­bin­dun­gen, z.B. Nut­zer, die wirk­lich nur ihr Pass­wort ver­ges­sen haben, es durch eini­ge Ver­su­che mehr viel­leicht aber her­aus­be­kom­men könn­ten.

Für mich spricht aus Phil­ip­pes Arti­kel zumin­dest Ent­täu­schung dar­über, dass es so ist. Es ist für mich ein Alarm­si­gnal, wenn ein inno­va­ti­ver Kopf wie Phil­ip­pe das so für sich fest­stellt. Wie muss es erst Per­so­nen gehen, die Pro­zes­se vor Ort auf höhe­ren Ebe­nen län­ger­fris­tig beglei­ten?

Key­notespeaker und Bera­ter z.B. (das gilt nicht für Phil­ip­pe, der ist auf vie­len Ebe­nen unter­wegs) haben in der Regel einen aus mei­ner Sicht rela­tiv leich­ten Job. Eine Key­note ist schnell gehal­ten, ein Medi­en­ent­wick­lungs­plan durch eine Agen­tur meist in sechs bis zwölf Mona­ten ent­wi­ckelt – der Pro­zess der Ent­wick­lung mag nicht leicht sein, aber die eigent­li­che Arbeit fängt in der Umset­zung vor Ort an, nach der Key­note, nach dem Medi­en­ent­wick­lungs­plan. Mei­ne Kri­tik an rei­nen klas­si­schen Theo­re­ti­kern mit einem aus mei­ner Sicht indus­tri­el­len Wis­sen­schafts­ver­ständ­nis (Man for­dert z.B. umfas­sen­de Refor­men an Schu­len und ver­netz­tes Arbei­ten, arbei­tet und publi­ziert aber z.B. selbst immer noch in aka­de­mi­schen Bla­sen) ist auch schon alt. Es ist viel gedacht, beschrie­ben und visio­niert wor­den und alles kommt nun nicht an oder ver­graut in zer­mür­ben­den Ver­hin­de­rungs­dis­kur­sen.

Ehr­lich: Ich kann das ver­ste­hen. Denn all die Den­ker, Theo­re­ti­ker und Visio­nä­re haben tol­le Ide­en, aber kei­ne Lösung, ja oft nicht ein­mal Ansät­ze für kon­kre­te Umset­zun­gen. Damit mei­ne ich kei­ne Unter­richts­bei­spie­le oder neu­en Inhal­te. Ich mei­ne damit sys­te­mi­sche Trans­for­ma­ti­ons­for­schung oder eben: „Wie machen wir das in Bezug auf die dazu not­wen­di­gen Hal­tungs­än­de­run­gen bei sehr vie­len Akteu­ren im Sys­tem Schu­le?“ – da scheint mir Wis­sen­schaft dann spä­tes­tens am Ende mit ihrem Latein. Der­weil hat Schu­le ver­meint­lich wirk­lich ande­re, drän­gen­de­re Sor­gen.

Die Ver­hin­de­rung hat eine sys­te­mi­sche Funk­ti­on – natür­lich aber auch eine Wir­kung. Sie ist in mei­nen Augen kein „bewuss­ter“ Akt, son­dern Aus­druck des­sen, dass viel­leicht schlicht noch ein Weg zu gehen ist, der durch­aus auch Sta­tio­nen hat, die den heu­ti­gen „Inno­va­to­ren“ Sor­gen­fal­ten auf die Stirn trei­ben.

Mir per­sön­lich hel­fen per­sön­li­che Gesprä­che viel. Wer sich im Den­ken iso­liert fühlt, braucht eine sozi­al sta­bi­le Umge­bung, Men­schen, die ich anru­fen oder besu­chen kann – in mei­ner unmit­tel­ba­ren Umge­bung.

 

Designed, um süchtig zu machen und Dark Patterns

Immer wie­der liest man in der Pres­se, dass sozia­le Netz­wer­ke und Spie­le eine geziel­te Auf­merk­sam­keits­steue­rung und psy­cho­lo­gi­sche Tricks anwen­den, um die Auf­merk­sam­keit von Men­schen mög­lichst lan­ge zu bin­den und im Ide­al­fall dazu zu ver­lei­ten, Wer­be­ban­ner zu kli­cken oder In-App-Käu­fe zu täti­gen. In schlech­ten Arti­keln wird die Vor­stel­lung trans­por­tiert, dass die­se Mecha­nis­men unter Zuhil­fe­nah­me aus­ge­bil­de­ter Psy­cho­lo­gen imple­men­tiert wer­den und dem Zweck die­nen, mög­lichst viel Geld zu machen. Ich wäre eigent­lich sehr froh, wenn bei der Gestal­tung von digi­ta­len Räu­men aus­ge­bil­de­te Psy­cho­lo­gen mit dabei wären – glau­be aber nicht dar­an, weil es schlicht gar nicht not­wen­dig ist.

Beispiel 1 – Meine Webseite

Ich betrei­be eine eige­ne Matomo­in­stal­la­ti­on, um u.a. Abruf­sta­tis­ti­ken auf mei­nem Blog zu erstel­len und Nut­zer­ver­hal­ten zu tra­cken. Das hört sich böse an, jedoch wird jeder Daten­satz anony­mi­siert und die IP-Adres­se um die letz­ten Bytes gekürzt – Nut­zer „erkennt“ man heu­te er eher über ande­re Para­me­ter. Bei Blogs, die auf Word­Press gehos­tet wer­den, macht die­se Ana­ly­se ein Dritt­an­bie­ter (über Jet­pack) meist ohne Anony­mi­sie­rung – über das viel übli­che­re Goo­g­le­Ana­ly­tics wol­len wir hier lie­ber gar nicht reden. Wel­che Bei­trä­ge gehen auf riecken.de sehr gut? Spoi­ler: Arti­kel wie die­se schon­mal nicht.

Mir ist das recht egal – eigent­lich bin ich mehr dar­über ent­täuscht, dass Bei­trä­ge, die ich für wich­tig hal­te gar nicht oder ggf. erst in eini­gen Jah­ren „gehen“ wer­den (mimi­mi). So weit so gut. Ich könn­te aber auch mehr Bei­trä­ge schrei­ben, die „bes­ser“ gehen – z.B. mehr Diktat­tex­te :o) … Oder Berich­te über neue Tools und Apps … Wenn ich von die­sem Blog leben müss­te, gäbe es dafür auch eine extrinsi­sche Moti­va­ti­on. Die Basis für die Stra­te­gie­än­de­run­gen sind mei­ne gesam­mel­ten Trackingdaten.

Beispiel 2 – CandyCrush

Ja – ich beken­ne mich schul­dig – ich spie­le Can­dy­Crush. Das ist ein run­den­ba­sier­tes Wisch­spiel. Man­che Level sind schwie­rig, die meis­ten nicht.

Es gibt ein paar wit­zi­ge Beob­ach­tun­gen:

  • nach schwie­ri­gen Leveln fol­gen vier bis fünf recht leich­te
  • Level, die man auch beim 20. Durch­gang nicht geschafft hat, lau­fen beim 21. oder nach län­ge­rer Pau­se wie geschmiert
  • In-App-Käu­fe (mehr Leben oder Boos­ter) wer­den vor­zugs­wei­se nach mehr­ma­li­gem Schei­tern prä­sen­tiert.
  • durch Anschau­en von Wer­bung konn­te(!) man sich ein­mal zusätz­li­che Leben erkau­fen
  • es gibt immer wie­der klei­ne Aktio­nen, um an Leben oder Boos­ter zu kom­men

Für mich sieht es so aus, dass auch hier daten­ba­siert gear­bei­tet wird – Wer­bung im Tausch für Leben scheint nicht so gut gelau­fen zu sein. Offen­bar geben vie­le Spie­ler frus­triert nach einer bestimm­ten Anzahl von Fehl­ver­su­chen auf – gleich­zei­tig darf das Spiel aber nicht zu leicht sein. Die­se Din­ge, die die Spiel­dyna­mik bestim­men, sind daten­ba­siert ermit­tel­bar. Es braucht schlicht kei­ne psy­cho­lo­gi­sche Exper­ti­se, um das Spiel so zu opti­mie­ren, das Gewin­ne maxi­miert wer­den.

Die kapitalistische Logik

Ob jour­na­lis­ti­sche Web­sei­ten (die von Tra­ckern nur so strot­zen), Spie­le, aber auch Net­flix­se­ri­en – es wird sich das am Markt durch­set­zen, was wirt­schaft­lich ist, bzw. mög­lichst viel Gewinn abwirft. Dabei gilt das Prin­zip der gro­ßen Zahl: Ich muss mög­lichst vie­le Nutzer*innen dazu bewe­gen, Aktio­nen zu täti­gen, die wirt­schaft­li­chen Gewinn ver­spre­chen. Daten­ba­sier­te Auf­merk­sam­keits­steue­rung ist hier­für ein essen­ti­el­les Fea­ture, weil es ein­zel­ne Nutzer*innen län­ger in einer digi­ta­len Umge­bung hält.

Mir scheint so man­cher Medi­en­päd­ago­ge noch roman­ti­schen Kon­zep­ten aus den Anfän­gen des Inter­nets ver­haf­tet – es war und ist natür­lich z.B. immer noch ein Instru­ment für Ver­net­zung und Wis­sen­trans­fer, aber nicht für die Mehr­zahl der Nut­zer. Seit­dem das Inter­net ein Mas­sen­me­di­um gewor­den ist, hat sich natür­lich auch die gesell­schaft­lich domi­nie­ren­de Wirt­schafts­lo­gik durch­ge­setzt.

Ich kann als Spie­le­ent­wick­ler daten­ba­siert schau­en, ob sich eine gel­bes oder grü­nes vir­tu­el­les Schwert bes­ser ver­kauft. Wenn – wie im Fal­le von Can­dy­Crush – nur 0,1% der Nutzer*innen einen vir­tu­el­len Gegen­stand kau­fen, ist der Gewinn bei einer Nut­zer­ba­sis von meh­re­ren Mil­lio­nen immens. Struk­tu­rell fol­gen z.B. Spie­le oder Medi­en­por­ta­le dabei einer ähn­li­chen Logik – sie lau­fen auf Basis einer „kapi­ta­lis­ti­schen Ethik“. Dazu kommt, das man daten­ba­sier­te Modi­fi­ka­tio­nen unglaub­lich schnell durch­füh­ren bzw. in Ansät­zen mit KI sogar auto­ma­ti­sie­ren kann. Die Mas­se der im Netz statt­fin­den­den Aktio­nen dürf­ten in digi­ta­len Räu­men mit kapi­ta­lis­ti­scher Logik statt­fin­den. Das mag psy­cho­lo­gisch durch­dacht aus­se­hen und auch so wir­ken. Eigent­lich schei­nen mir das aber nur sozio­lo­gi­sche Expe­ri­men­te zu sein, die unter der Prä­mis­se einer kapi­ta­lis­ti­schen Logik zu die­sen „Opti­mie­run­gen“ füh­ren müs­sen.

Um das zu ändern, müs­sen gesell­schaft­li­che Anrei­ze gesetzt wer­den, die einer ande­ren Logik unter­lie­gen – im Bereich des Jour­na­lis­mus ent­kop­peln man ja z.B. öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk durch eine ande­re Art der Finan­zie­rung. Aber wie las­sen sich z.B. Spiel­kon­zep­te „beloh­nen“, die nach z.B. einer gewis­sen Zeit unat­trak­tiv wer­den?

Ein ande­rer Ansatz besteht dar­in, das Indi­vi­du­um sen­si­bel für der­ar­ti­ge Mecha­nis­men zu machen. Men­schen mit aus­bau­fä­hi­ger Impuls­kon­trol­le dürf­ten es aber in die­sem Bereich beson­ders schwer haben und das sind nun ein­mal neben uns Erwach­se­nen lei­der in beson­de­rer Wei­se vie­le Jugend­li­che und Kin­der.

 

 

 

Weihnachten und Nerdkram

Herumgetracke

Es sind ein­deu­tig Weih­nachts­fe­ri­en – wären das gan­ze Essen und die ruhi­ge Zeit mit der Fami­lie nicht, sähe man es ein den Zugriffs­zah­len im Blog, die ich mit Matomo tra­cken las­se. Tra­di­tio­nell sind Frei­ta­ge immer die schwächs­ten Besuchs­ta­ge. Für den Traf­fic auf riecken.de sind sozia­le Netz­wer­ke recht irrele­vant – das meis­te kommt tat­säch­lich über Goog­le. Matomo kürzt beim Tracking die IP-Adres­sen auf ein erträg­li­ches Maß und wird von mir selbst gehos­tet, so dass anders wie bei Goo­g­le­Ana­ly­tics oder dem stan­dard­mä­ßig bei wordpress.com akti­vem Jet­pack kei­ne Benut­zer­da­ten an Drit­te flie­ßen – lei­der geschieht das hier im Blog zur­zeit indi­rekt in wesent­lich begrenz­te­rem Umfang doch, weil z.B. trotz ent­spre­chen­der Plugins immer noch Goog­le­Fonts nach­ge­la­den wer­den und ich aktu­ell eine Goog­le-Prä­sen­ta­ti­on hier ein­ge­bun­den habe. Da muss ich noch­mal bei … IFrames sind doch böse, PDF-Expor­te dann deut­lich bes­ser.

IPv6

Matomo zeigt auch, dass der Anteil an IPv6-Traf­fic erheb­lich ist und stark ansteigt. Das war der Anlass, genau die­ses The­ma ein­mal für alle mei­ne pri­va­ten Diens­te anzu­ge­hen. riecken.de ist schon seit dem letz­ten Umzug per IPv6 erreich­bar – schwie­rig war das für mei­ne KVM-VSer­ver bei Hetz­ner, weil die Anlei­tung aus deren Wiki so nicht pass­te – aber mit etwa Hil­fe aus dem Forum hat es jetzt end­lich geklappt:

 

Host (VMs hän­gen an br0):

 

iface eth0 inet6 sta­tic

address aaaa:bbbb:cccc:dddd::2

 

net­mask 128

 

gate­way fe80::1

 

up sysc­tl ‑p

 

 

iface br0 inet6 sta­tic

address aaaa:bbbb:cccc:dddd::2

 

net­mask 64

 

up ip ‑6 rou­te add aaaa:bbbb:cccc:dddd::/64 dev br0

 

 

Guest:

 

iface ens3 inet6 sta­tic

address aaaa:bbbb:cccc:dddd::5

 

net­mask 64

 

gate­way aaaa:bbbb:cccc:dddd::2

 

 

Tools und Dienste

Total begeis­tert bin ich gera­de von kimsufi.com. Mei­ne Daten bewah­re ich eh schon dezen­tral auf, habe dort aber zusätz­lich einen gan­zen Ser­ver für 10,- Euro schie­ßen kön­nen, der 2TB Spei­cher für ruhi­ge Näch­te bereit­stellt – immer­hin 2GB RAM, aber natür­lich ein betag­ter, aber 2011 sehr ange­sag­ter Atom N2800 als CPU. Es ist im Prin­zip OVH – man kann da nicht so viel erwar­ten wie bei Hetz­ner oder Net­cup. Bei einer IPv4- und einer IPv6-Adres­se ist Schluss – also kei­ne Vir­tua­li­sie­rung bzw. nur mit viel Getun­nel und Rum­ge­rou­te. Aber als zusätz­li­cher Teil mei­ner tech­ni­schen Infra­struk­tur abso­lut top.

In die­sem Jahr bin ich von selbst auf­ge­setz­ten Set­ups zu ISP­Con­fig gewech­selt. Es tut, was es soll und auto­ma­ti­siert eine gan­ze Men­ge sonst läs­ti­gem Gedöns (z.B. Mail- oder DNS-Ser­ver­kon­fi­gu­ra­ti­on) ohne dabei über­aus tief ins Sys­tem ein­zu­grei­fen – und es ist sehr leicht zu instal­lie­ren …

Vie­les pen­delt sich in dienst­li­chem Umfeld auf IServ, Next­cloud mit Only­Of­fice und Doku­Wi­ki ein. Sehr inter­es­sant könn­te 2020 noch Crypt­pad wer­den, weil es eine gan­ze Men­ge löst, wenn es dar­um geht, gemein­sam an sen­si­blen Daten wie z.B. För­der­plä­nen zu arbei­ten. Bei Prä­sen­ta­tio­nen hän­ge ich noch an Goog­le Sli­des fest, aller­dings mehr aus Gewohn­heit und der wirk­lich sehr guten Inte­gra­ti­on in die sons­ti­ge Goog­le­welt. Aber da wer­de ich mir 2020 noch­mal Only­Of­fice anschau­en – auch da braucht man nur einen Brow­ser, um prä­sen­tie­ren zu kön­nen.

Inhaltliches

Ich baue pas­send zu mei­nen Fort­bil­dungs­an­ge­bo­ten ein Fort­bil­dungs­wi­ki auf. Den Mas­ter­plan dahin­ter hat­te ich schon an ande­rer Stel­le skiz­ziert. Fort­bil­dun­gen zu Tools (IWB & iPad) lau­fen sehr gut, ande­res eher schlep­pend. Im letz­ten Vier­tel­jahr habe ich allei­ne mit mei­nen Ange­bo­ten ca. 125 Lehr­kräf­te hier aus der Regi­on erreicht. Durch­schnitt­lich hat­te ich um die 12 Teil­ge­ben­de je Ver­an­stal­tung – ich gehe nicht mehr in Schu­len zu Kol­le­gi­en, son­dern bie­te über unser Medi­en­zen­trum und bald auch über das regio­na­le Kom­pe­tenz­zen­trum Ver­an­stal­tun­gen an. Mein Ansatz ist nur ein­mal bei der Kon­zep­ti­on auf­wän­dig – danach ent­wi­ckelt sich das orga­nisch durch Teil­ge­ben­den­feed­back wei­ter. Ich bin nicht nur vor Ort aktiv, son­dern auch bei Mul­ti­pli­ka­to­ren wie z.B. Schulentwicklungsberater*innen oder Berater*innen für Unter­richts­qua­li­tät, auf Schul­lei­ter­dienst­be­spre­chun­gen, auf lan­des­wei­ten Tagun­gen. Mein Ein­druck ist aber, dass man zwar bei sol­chen Lamet­tae­vents viel Bewusst­sein schaf­fen kann, aber nichts den inten­si­ven Aus­tausch vor Ort mit den Men­schen ersetzt, die in der kon­kre­ten Umset­zung sind (das sind näm­lich kom­plett lamet­t­afreie Zonen). Hät­te ich die Wahl, zwi­schen z.B. einem Event wie der #molol oder der Mög­lich­keit, einen Tag inten­siv mit 15 Lehr­kräf­ten aus mei­nem Land­kreis zu arbei­ten, wäre die Ent­schei­dung für mich sehr leicht.

Anfang des Jah­res wird mein bis­her stief­müt­ter­lich behan­del­tes Pro­jekt https://www.medienbildungskonzept.de einen Relaunch auf einer ande­ren, bes­ser goog­le­les­ba­ren Basis bekom­men – viel­leicht knal­le ich da sogar noch Adwords drauf. E‑Book und Print­ver­si­on BoD eines Mach­werks sind schon zu ca. 90% fer­tig. Ver­la­ge sehen bei Büchern zum The­ma „Digi­ta­li­sie­rung und Schu­le“ (Medi­en­ent­wick­lungs­pla­nung & Medi­en­bil­dungs­kon­zep­te) kei­nen Markt. Mich reizt sowas immer zu: „Das wol­len wir doch mal sehen!“. Ich sehe vie­le Pla­nungs­hil­fen und Unter­richts­bei­spie­le zu die­sem The­ma bei Lan­des­in­sti­tu­ten, glau­be aber, dass da nicht das Haupt­pro­blem lie­gen wird – im Lau­fe der nächs­ten Wochen dazu mehr.

Ach ja: Infor­ma­tik und Tech­nik in der Grund­schu­le muss auch noch bespaßt und in sei­nen Erkennt­nis­sen in ein Fol­ge­pro­jekt für Sekun­dar­schu­len über­führt wer­den. Das wird sehr span­nend.

 

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