Wenn ich Schulleitung wäre …

Als progressive Schulleitung müsste ich Personalentwicklungsgespräche führen. Ich verwalte das Schulbudget. Ich plane den Unterrichtseinsatz und die -verteilung. Heute Abend ist schon wieder eine Klassenkonferenz, bei der ich meine Anwesenheit nicht delegieren darf. Bei jeder Aufführung oder besondere Aktion von Schülerinnen und Schülern wird in der Öffentlichkeit meine Anwesenheit erwartet. Ich soll mich fortbilden – nicht Führung, sondern Leadership wird von mir erwartet. Mein Pool der zu verteilenden Entlastungsstunden wird seit Jahren kleiner. Jeder Kollege erwartet, dass ich ihn oder seine Arbeit wahrnehme. Ich schlichte Streitigkeiten um die Benotung von Abiturarbeiten. Ich muss im Auge behalten, wer die erweiterte Schulleitung besetzt. Ich habe immer ein offenes Ohr für die Nöte und Probleme meiner Lehrkräfte. Ich vertrete die Schule gegenüber dem Träger und der Öffentlichkeit. Ich führe Verbeamtungsgespräche durch und verfasse Gutachten für Kolleginnen und Kollegen. Ich kümmere mich um rechtssichere Verträge mit pädagogischen Fachkräften für den Ganztagsschulbetrieb. Ich sitze regelmäßig in Gremien wie dem Schulvorstand. Ich bin verpflichtet, den Personalrat regelmäßig über das Personal betreffende Entscheidung zu informieren. Ich halte die Rede zum Abitur. Kollegen sind sauer, wenn ich aus ihrer Sicht integrale Aufgaben wie z.B. Schulentwicklungsprozesse an die erweiterte Schulleitung delegiere. Ich verantworte letztlich jede rechtlich relevante Entscheidung gegenüber dem Dienstherrn. Eltern beschweren sich bei mir berechtigt und unberechtigt. Ich habe mit Lücken in der Unterrichtsversorgung zu kämpfen, die ich meist zunächst „aus dem System heraus“ schließen muss. Ich wähle Bewerber um neue Stellen aus – wenn sie mir zugewiesen werden und wirke auch bei deren Stellenausschreibung mit. Ich bin bei Prüfungsstunden mit Referendaren mit dabei. Ich muss Entscheidungen des Kollegiums Eltern- und Schülergremien vermitteln. Ich muss Entscheidungen von Eltern- und Schülergremien den Lehrkräften vermitteln. Ich muss schulinterne Entscheidungen der Öffentlichkeit vermitteln. Ich bin bei Auswahlverfahren für neue A14- und A15-Stellen mit eingebunden. Oft kommt mir schwer Vorhersehbares dazwischen. Ich befinde mich mit anderen Schulen und Schulformen im Wettbewerb um die Schülerinnen und Schüler. […]

Ach ja – und dann noch dieser Medienonkel.

PS: Warum gibt es einen „Towelday“ und keinen „Principalday“? Mir würde an diesem Tag bewusst, was Schulleiterinnen und Schulleiter, die ihren Job ernstnehmen,  jeden Tag tun. Übrigens hat mein fiktiver Schulleiter von oben eine erweiterte Schulleitung, die ihm Aufgaben abnimmt. Er hat ein bestimmtes Gehalt und er darf A14- und A15-Stellen anbieten. Wie ist denn das an einer kleinen Grundschule?

Facebook Like

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.