Living in perfect harmony

Es ist wieder so weit: Noten müssen vergeben werden – hier in Niedersachsen geschieht das vor der Zeugnisvergabe. Die Noten müssen mit den SuS besprochen werden. In Schleswig-Holstein war das untersagt  – das hatte Vorteile. Notengebung gibt immer Ärger. In Regel läuft es auf einige Grundfragen heraus:

  • Was muss stärker gewichtet werden: Qualität oder Quantität?
  • Hat ein Schüler oder eine Schülerin, die sich aktiv am Unterricht beteiligt ein „Befriedigend“ verdient, auch wenn die fachliche Leistung nicht stimmt?
  • Darf eine stille Schülerin (sorry Mädels), die alle zwei Stunden fulminante Beiträge liefert und ansonsten 14 Punkte schreibt, ein „Sehr gut“ erhalten?
  • Dürfen Unterrichtsstörungen (Oberstufe) mit bei der mündlichen Note berücksichtigt werden?
  • usw.

SuS halten hierbei „mündliche Noten“ für besonders kritisch, obwohl man im schriftlichen Umfeld auch trefflich hinsichtlich der Objektivität streiten kann.

Oft besteht ein Ausweg darin, massiv zu dokumentieren, d.h. z.B. nach jeder Stunde Notizen anzufertigen. Dann stehen da Plus- und Minuszeichen, die genau so subjektiv sind wie die Generalabrechnung nach mehreren Wochen. Da kann das zitierte stille Mädchen schnell bei dokumentierten Null Punkten stehen – aber das wenigstens objektiv, oder?

Die Plus- und Minuszeichen stehen – da bleibt kein pädagogischer Spielraum für denjenigen, der sich durch harte Arbeit bemüht und in der alles entscheidenden Klausur die rettende Vier erreicht. Die geht dann im Minussumpf unter und trotzdem kommt dann der Unterkurs. Motivierend.

Die Zeiten werden härter. Die Studienanforderungen höher. Der NC droht selbst Einserkandidaten in z.b. dem Bereich Medizin. Die Nerven werden dünner. Bei SuS. Bei LuL, die aus der Schlacht ziehen. Es wird verglichen, gerade bei den Kollegen und Kolleginnen, die aus Gründen der Transparenz ihre Noten öffentlich vor der Lerngruppe besprechen. Da kommen natürlich auch Konflikte offen zutage. Gut so. Schwierig wird es, wenn es dabei Mitschüler trifft, wo ich doch die ZIelscheibe sein sollte, weil ich die Noten gebe – es ist mein Job.

Fazit:

Wie man es macht, man macht es immer irgendwo falsch. Man tut immer irgendwo irgendwem Unrecht. Am wenigsten Ärger wird man wahrscheinlich haben, wenn man die Schwachen nicht berücksichtigt.

Das dicke Fell, dass mir das rein garnichts ausmacht, besitze ich bis heute nicht. Und wenn sich in mir kein Gewissen regt, kämpfe ich immer noch dagegen an.

Und:

Mich freut jeder Schüler und jede Schülerin, die mich in dieser Beziehung sachlich und offen kritisiert, denn bei allen Unanehmlichkeiten zeugt es von einem gewissen Maß an Vertrauen und – Mündigkeit (die wollen wir auf einem humanistischen Gymnasium ja auch).

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