Worthülsen

Es gibt vie­le wun­der­vol­le Inhal­te im Netz. Die­se sicht­bar und erfahr­bar zu machen, ist Auf­ga­be einer Such­ma­schi­ne. Man­che Such­ma­schi­nen lösen das bes­ser als ande­re. Eine löst das trotz aller Unken­ru­fe mei­ner Mei­nung nach beson­ders gut. Des­we­gen ist sie eigent­lich alter­na­tiv­los. Das ist kar­tell­recht­lich nicht schön.

Die­se Situa­ti­on ist für Insti­tu­tio­nen, die mit Inhal­ten oder Waren Geld ver­die­nen wol­len bzw. aus wirt­schaft­li­chen Grün­den sogar müs­sen schwie­rig. Prin­zi­pi­ell ste­hen Bezahl­in­hal­te oder Inhal­te, die durch Wer­bung finan­ziert wer­den sol­len, in Kon­kur­renz zu kos­ten­lo­sen Inhal­ten. Dass auch Bezahl­in­hal­te gro­ßer „Qua­li­täts­me­di­en“ qua­li­ta­tiv nicht unbe­dingt kos­ten­lo­sen Quel­len über­le­gen sind, hat sich für mich im ver­gan­ge­nen Jahr vor allem an der weit­ge­hend mon­o­per­spek­ti­vi­schen Bericht­erstat­tung über die Krim­kri­se fest­ge­macht. Das Netz habe ich hier als wesent­lich viel­fäl­ti­ger empfunden.

Mit Goog­le ver­hält es sich bei der Dis­tri­bu­ti­on von Waren oder Inhal­ten wie mit einer Bank: Die ver­dient immer. Es ist egal, ob der ange­zeig­te Inhalt kos­ten­los oder auf die Zah­lung einer Ver­gü­tung ange­wie­sen ist.

Rund um die­ses Dilem­ma ist offen­bar eine gan­ze Indus­trie ent­stan­den, die sich im bes­ten Fall dar­um bemüht, Insti­tu­tio­nen so zu bera­ten, dass deren Inhal­te pro­mi­nen­ter bei Goog­le prä­sen­tiert wer­den als andere.

Die Luft scheint in die­sem Geschäfts­feld enger zu wer­den. 2014 war für riecken.de ein beson­de­res Jahr. Ich habe noch nie so vie­le „Part­ner­schaf­ten“, „Gast­ar­ti­kel“ oder „Test­zu­gän­ge“ ange­bo­ten bekom­men, wie in der letz­ten Zeit. Man möch­te anschei­nend zuneh­mend auf Gedeih und Ver­derb Links auch in abso­lu­ten Nischen­blogs wie dem mei­nen platzieren.

Info:

riecken.de hat nach aktu­el­lem Sta­tis­tik­tool ca. 150.000 Views bei ca. 20.000 Besu­chern im Monat bei einem PR4, das ist für Web­ver­hält­nis­se nicht wirk­lich viel, da oft auch nach­ge­la­de­ne Bild­da­tei­en mit­ge­zählt wer­den. Rea­lis­tisch muss man die­se Zah­len min­des­tens 10teln. Es gibt ca. 120 Per­so­nen, die mich in einem Feed­rea­der haben und zusätz­li­chen „uncoun­ted Traf­fic“ machen. Views und Traf­fic aus sozia­len Netz­wer­ken spie­len kaum eine Rol­le. Die meis­ten Besu­cher kom­men über Goog­le zu mir.

Das mit den Zah­len ist im Prin­zip auch egal. Ich bin JEDEM Besu­cher dank­bar, der sich für mei­ne Inhal­te inter­es­siert. Ihr seid das sozia­le Kapi­tal, wel­ches mich moti­viert, immer wie­der Arti­kel zu schreiben. 

In der Regel kom­men Mas­sen­mai­lings mit leicht vari­ier­ten Text­bau­stei­nen – das weiß ich aus dem Aus­tausch mit ande­ren Leh­re­ren­den­blogs. Dabei wird zuneh­mend unwich­ti­ger, dass z.B. eine Rezen­si­on oder ein Erfah­rungs­be­richt posi­tiv aus­fällt – Haupt­sa­che ein Link ist spä­ter vor­han­den. Bei einem ein­zel­nen Blog wie dem mei­nen ein lächer­li­cher Effekt – in der Sum­me viel­leicht durch­aus effektiv.

Ich habe mich in die­sem Jahr wie­der und wie­der auf E‑Mailwechsel mit Mit­ar­bei­ten­den in die­ser Indus­trie ein­ge­las­sen. Ich war neu­gie­rig, wie gear­bei­tet wird, war­um man auf bestimm­te Sei­ten auf­merk­sam wird, was man als Gegen­leis­tung für eine Dienst­leis­tung von mir anbietet.

Vie­le die­ser Mit­ar­bei­ter sind rhe­to­risch exzel­lent geschult. Allein auf die Fra­ge nach einem Geschäfts­mo­dell habe ich noch nie eine ande­re Ant­wort bekom­men, als dass man zunächst den Markt son­die­ren müs­se und sich die Wert­schöp­fung dann schon irgend­wann irgend­wie ergä­be. Wohl­ge­merkt: Es geht dabei oft um Platt­for­men, die es ger­ne hät­ten, dass ich ihnen mei­ne Unter­richts­vor­be­rei­tung mög­lichst voll­stän­dig anver­traue. Ever­no­te ist ja dage­gen schon fast sym­pa­thisch mit sei­nem Bezahlmodell.

Eine Bank wür­de einem Grün­der mit die­sem Ansatz kei­nen Kre­dit geben. Goog­le tut das natür­lich erst recht nicht oder will dafür sei­ner­seits Geld sehen (eine gute Plat­zie­rung bei Goog­le ist so etwas wie Geld). Ich gebe sol­chen Start-Ups auch kei­ne Kre­dit in Form von Inhal­ten, die ich dort ent­wick­le oder distribuiere.

Wenn es dabei blie­be, für Links in Rezen­sio­nen oder die Plat­zie­rung von Gast­ar­ti­keln zu wer­ben, wäre mir das fast egal. Das ist grund­sätz­li­ches SEO-Hand­werk, da ver­mu­tet wird, dass Goo­gles Algo­rith­mus mit dar­auf basiert, die Ver­lin­kung einer Web­sei­te im Web zu ana­ly­sie­ren. Ich per­sön­lich emp­fin­de Gast­ar­ti­kel mit kom­mer­zi­el­lem Hin­ter­grund grund­sätz­lich als Wer­bung, die also sol­che klar gekenn­zeich­net wer­den muss. Die­se eng­stir­ni­ge Sicht hat sich in der Bran­che noch nicht so etabliert.

Eine neue Qua­li­tät in die­sem Jahr war für mich der Ver­such, auch Inhal­te kos­ten­los abzu­grei­fen. Das kann­te ich bis­her nur von weni­gen klas­si­schen Ver­la­gen bei ihren ers­ten Geh­ver­su­chen im Netz.

Gleich­zei­tig habe ich tat­säch­lich ein sehr schlech­tes Gewis­sen gegen­über die­sen Men­schen, die bei mir anfra­gen. Stel­len wir uns vor, dass die The­se stimmt, vie­le Start­ups im Web­be­reich hät­ten ledig­lich ein Anschub­fi­nan­zie­rung von Inves­to­ren oder gar aus EU-Töp­fen bekom­men, die irgend­wann aus­läuft. Dann hin­ge der Arbeits­platz am Erfolg oder Miss­erfolg des jewei­li­gen Geschäftsmodells.

Ande­rer­seits ist das eben Wirt­schaft, von der ich als Beam­ter weit­ge­hend ent­kop­pelt bin. Genau die­se Ent­kopp­lung ermög­licht mir ja auch, unent­gelt­lich zu arbei­ten. Das ist ein Schatz und ein Pri­vi­leg. Genau des­we­gen muss mei­ne starr­sin­ni­ge Hal­tung nach außen abso­lut arro­gant wirken.

Ich kann gut nach­voll­zie­hen, dass ande­re Blog­ger und Web­mas­ter ihre Sei­ten über Wer­bung und Part­ner­schaf­ten finan­zie­ren. Ich kann mir das für mei­ne Sei­te noch nicht gut vor­stel­len, da Geld immer Abhän­gig­kei­ten schafft, an die man sich irgend­wann auch gewöhnt. Oft geht das zu Las­ten von Frei­heit – man fühlt sich z.B. dann viel­leicht doch genö­tigt, öfter zu schreiben.

Was immer wie­der bleibt sind Wort­hül­sen – Mar­ke­ting­deutsch, das man bes­tens kennt, wenn die Mobil­funk­fir­ma anruft, um mich dann doch zu einem Lauf­zeit­ver­trag zu über­re­den, der immer Kos­ten ver­ur­sacht, auch wenn ich ihn nicht nutze.

Ich ver­su­che dann, gleich in den rele­van­ten Teil des Tele­fon­ge­sprächs zu sprin­gen – das klappt aber nicht immer … Immer­hin rufen hier mitt­ler­wei­le wenigs­tens kei­ne Zeit­stehl­fir­men Mark­for­schungs­in­sti­tu­te mehr an. Ich glau­be, ich bin der blan­ke Hor­ror für man­che Branchen.

Das Mar­ke­ting­deutsch kommt pro­fes­sio­nell, auf­ge­schlos­sen und ach­tungs­voll daher. Es bedient sich den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­prin­zi­pi­en der huma­nis­ti­schen Päd­ago­gik. Es kaschiert m.E. aber damit oft die Absicht, Geld zu ver­die­nen, Gewin­ne zu maxi­mie­ren und Pro­fit zu machen. Das ist ja in Ord­nung. Aber bit­te nicht auf Basis mei­ner dann unver­gü­te­ten Arbeit.

Engagement und Selbstausbeutung

Ich habe mit sehr vie­len enga­gier­ten Men­schen zu tun, aber auch mit frus­trier­ten und aus­ge­brann­ten. Das ist nicht nur in der Schu­le so, son­dern auch in vie­len ande­ren Kon­tex­ten. Dabei fal­len immer wie­der zwei Wor­te: Enga­ge­ment (Schul­lei­tun­gen erwar­ten das z.B. von ihrem Kol­le­gi­um) und Selbst­aus­beu­tung (Kol­le­gi­en wer­ten oder emp­fin­den bestimm­te Ver­hal­tens­for­men so).  In der herbst­li­chen Dun­kel­heit ist wie­der Zeit, Model­le zu ent­wer­fen bzw. in die­sem Fall das gute, alte Tank­mo­dell zweck­zu­ent­frem­den. Ich glau­be, dass eine Gren­ze zwi­schen die­sen bei­den Begrif­fen gibt, die nach dyna­mi­schen Aspek­ten ver­schieb­bar ist.

tankmodell

Ein Bei­spiel neh­me ich einen Home­page­be­treu­er an einer Schu­le. Das ist je nach Kon­zept eine wich­ti­ger Teil der Öffent­lich­keits­ar­beit und bie­tet Mög­lich­kei­ten ein eige­nes Hob­by sinn­voll für eine Gemein­schaft ein­zu­set­zen. Neben­bei bekommt man so eine Men­ge aus dem Schul­le­ben mit – das ist beson­ders wich­tig bei gro­ßen Schu­len und erhält so eine Infor­ma­ti­ons­vor­sprung – auch eine klei­ne ideel­le Macht­op­ti­on. Viel­leicht gibt es posi­ti­ve, bestär­ken­de Rück­mel­dun­gen von der Schulgemeinschaft.

Die­se Aspek­te fül­len (in der Skiz­ze: A) den „Tank der Moti­va­ti­on“, brin­gen ihn aber nicht zum Über­lau­fen, denn es gibt auch einen Abfluss (in der Skiz­ze: B). Die Arbeit des Home­page­be­treu­ers könn­te z.B. von der Schul­ge­mein­schaft als selbst­ver­ständ­lich ange­se­hen wer­den. Ein­zel­ne könn­ten ihm unter­stel­len, sich nur in eine bes­se­re Posi­ti­on gegen­über der Schul­lei­tung brin­gen zu wol­len. Viel­leicht nei­den auch Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen die damit in Aus­nah­me­fäl­len ver­bun­de­ne Ent­las­tungs­stun­de. Viel­leicht küm­mert sich eine Schul­lei­tung nicht dar­um, Infor­ma­tio­nen an den Home­page­be­treu­er wei­ter­zu­ge­ben, sodass das die­ser sich immer müh­sam alles selbst zusam­men­su­chen muss. Viel­leicht sorgt das Schul­sys­tem ins­ge­samt dafür, dass für Extra­auf­ga­ben immer weni­ger Zeit bleibt. Viel­leicht lei­det das Fami­li­en­le­ben unter dem Enga­ge­ment. All das leert den Tank der Motivation.

In dem Tank gibt es einen Füll­stand (in der Skiz­ze: C), der gewahrt sein muss, damit unse­re Home­page­be­treu­er sei­ne Arbeit als erfül­lend erlebt (grü­ner Bereich). Je nach per­sön­li­chem Emp­fin­den (in der Skiz­ze: D) kann die­ser not­wen­di­ge Füll­stand variieren.

Von Enga­ge­ment spre­che ich, wenn der Füll­stand C dau­er­haft über dem Füll­stand D liegt (roter Bereich). Natür­lich wird es Pha­sen geben, wäh­rend derer das nicht der Fall ist, aber wenn sich der Tank hin­rei­chend schnell wie­der füllt, macht das nichts. Ins­ge­samt ist die Sache sta­bil, man kann ggf. wei­ter opti­mie­ren, aber kon­kre­ter Hand­lungs­be­darf ist nicht gegeben.

Von Selbst­aus­beu­tung spre­che ich, wenn der Füll­stand C dau­er­haft unter dem Füll­stand D liegt. Der grü­ne Bereich kann dann ger­ne ab und zu noch­mal auf­fla­ckern, aber die grund­sätz­li­che Ten­denz bleibt. In die­sem Zustand gibt es kon­kre­ten Hand­lungs­be­darf, lei­der auto­ma­ti­sie­ren sich hier auch oft bestimm­te Muster.

Das Indi­vi­du­um

… hat nur sehr begrenz­te Mög­lich­kei­ten, den Füll­stand zu erhö­hen, denn dafür müss­te es den Zufluss A erhö­hen oder den Abfluss B ernied­ri­gen.  Er könn­te sich noch mehr die Auf­ga­be hin­ein­knien, um mehr posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen zu bekom­men – schwer bere­chen­bar. Er könn­te für wei­te­re Ent­las­tun­gen oder Res­sour­cen kämp­fen – die gibt es an Schu­len kaum oder nur auf Kos­ten ande­rer (Umver­tei­lung). Er könn­te ver­su­chen, die Arbeit anders zu struk­tu­rie­ren, etwa in Form einer AG oder eines Home­page­sys­tems, in dem sich Ver­ant­wor­tun­gen dele­gie­ren und damit auf meh­re­re Schul­tern ver­tei­len las­sen. Er könn­te aber auch die Qua­li­tät sei­ner Arbeit redu­zie­ren und auf ein Level absen­ken, das den roten Bereich wie­der knapp grün wer­den lässt. Die­se Spi­ra­le wird aber dann abwärts gehen, da ihm das die Schul­ge­mein­schaft auf Dau­er nicht mehr als Enga­ge­ment durch­ge­hen las­sen wird. Das müss­te ihm dann zusätz­lich egal sein. In letz­ter Kon­se­quenz kann unser Home­page­be­treu­er sein Enga­ge­ment ein­stel­len. Das geht ein wenig leich­ter, wenn die­se Auf­ga­be nicht ein eine Funk­ti­ons­stel­le gebun­den ist (der Home­page­be­treu­er ist ja nur ein Beispiel).

Die Schul­lei­tung

… kann wesent­lich mehr leis­ten, da sie die Rah­men­be­din­gun­gen schafft, in denen sich Enga­ge­ment abspielt (Kon­trol­le über den Abfluss B). Sie könn­te z.B. die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren ver­bes­sern – oft sind das ein­fa­che, orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men, wie z.B. Pres­se­mit­tei­lun­gen nicht an eine E‑Mailadresse, son­dern an einen Mail­ver­tei­ler zu schi­cken, der den Home­page­be­treu­er mit ein­schließt und die­sen Mail­ver­tei­ler auch für das Kol­le­gi­um ver­pflich­tend zu machen.  Die Schul­lei­tung könn­te sich offen vor den Home­page­be­treu­er stel­len, wenn offe­ne oder ver­deck­te Miss­ach­tung (z.B. „Wie­so? Er hat sich doch selbst dazu ent­schie­den, die­se Auf­ga­be zu erle­di­gen!“) geäu­ßert wird. Schul­lei­tung kann sich aktiv um den Stand und die Zufrie­den­heit des Enga­gier­ten erkun­di­gen – etwa durch insti­tu­tio­na­li­sier­te Mit­ar­bei­ten­den­ge­sprä­che (Tank­füll­stands­kon­trol­le).

Die Fra­ge ist dabei fai­rer­wei­se natür­lich immer, wie es um der eige­nen Tank der Schul­lei­tung bestimmt ist. Enga­ge­ment ist ein Segen für jede Schu­le. In Selbst­aus­beu­tung umge­schla­ge­nes Enga­ge­ment hat m.E. erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf neu ent­ste­hen­des. Die­se Pro­zes­se kann man auf Lei­tungs­ebe­ne kaum „neben­bei“ mit­be­kom­men, son­ders muss aktiv auf die Enga­gier­ten zuge­hen. Wahr­neh­mung und Auf­merk­sam­keit sind manch­mal ideell viel güns­ti­ger als man gemein­hin ver­mu­ten mag – und fül­len den eige­nen Tank, da man in Lei­tungs­po­si­tio­nen ja eigent­lich immer mehr mit dem Nega­ti­ven und Schief­ge­lau­fe­nen kon­fron­tiert ist.

Des­we­gen ist die Orga­ni­sa­ti­on von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zes­sen umso zen­tra­ler. je grö­ßer ein Sys­tem ist.

Weiterentwicklung des Datenschutzes

Das Grund­pro­blem

Schu­le hat aus Sicht des Daten­schut­zes ein gra­vie­ren­des Pro­blem: Per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten (Namen, Noten, Fehl­zei­ten usw.) wer­den in der Regel auch auf pri­va­ten Gerä­ten (Note­books, Tablets usw.) ver­ar­bei­tet, deren Soft­ware- und Aktua­li­sie­rungs­stand nicht kon­trol­lier­bar ist. Noch schlim­mer: Wer sich in einem Schul­netz wirk­lich ein­mal die Mühe macht, nach Frei­ga­ben und offe­nen Ports bei ein­ge­buch­ten Gerä­ten zu nut­zen, wird mit Sicher­heit fün­dig werden.

Es gibt beim nor­ma­len Anwen­der in der Regel über­haupt kein Bewusst­sein dar­über, wie die eige­nen Gerä­te zumin­dest mit Bord­mit­teln des Betriebs­sys­tems abge­si­chert wer­den kön­nen. Bei geschlos­se­nen Hard­war­uni­ver­sen wir z.B. bei App­le­pro­duk­ten hät­te er – selbst wenn er es woll­te – nicht ein­mal eine Mög­lich­keit der Absi­che­rung, son­dern ist auf die Vor­ga­ben der App­pro­gram­mie­rer und Gerä­te­her­stel­ler angewiesen.

Das ruft natür­lich jeden auf den Plan, der sich mit tech­ni­schem Daten­schutz beschäf­tigt. Es ist ver­lo­ckend, Schu­len in die­ser Hin­sicht Fir­men gleich­zu­stel­len, die in ihrem eige­nen Inter­es­se schon längst tech­ni­sche Lösun­gen dafür ent­wi­ckelt haben, sen­si­ble Daten zu schüt­zen. Dabei darf nicht ver­ges­sen wer­den, dass Fir­men in der Regel über aus­rei­chen­de finan­zi­el­le und per­so­nel­le Res­sour­cen ver­fü­gen, zum einen die Mit­ar­bei­ten­den hin­sicht­lich der Benut­zung der Fir­men­zu­gän­ge zu schu­len und zum ande­ren nicht nicht in der Ver­le­gen­heit sind, ihre Mit­ar­bei­ten­den mit ent­spre­chen­der Hard­ware aus­zu­stat­ten zu kön­nen und sich um deren Pfle­ge sowie Admi­nis­tra­ti­on zu kümmern.

Die Poli­tik ver­weist bei Kri­tik an die­sem Zustand dar­auf, dass es schließ­lich Sache der Schul­trä­ger sei, in den Schul­net­zen für ent­spre­chen­de Aus­stat­tung und Abhil­fe zu sor­gen. Der Schul­trä­ger wie­der­um kennt Netz­struk­tu­ren nur aus den eige­nen Ver­wal­tun­gen und so nimmt das Unheil dann sei­ne Lauf, wenn tech­ni­scher Daten­schutz z.B. im Rah­men der Ver­ar­bei­tung von Mel­de­da­ten 1:1 auf Schu­len über­tra­gen wird. Da gibt es dann

  • Schul­trä­ger, die den Ein­satz von WLAN gene­rell untersagen
  • Schul­trä­ger, die den Ein­satz von pri­va­ten Gerä­ten in Schul­net­zen gene­rell unter­sa­gen (Nein, das Mobil­funk­netz ist kei­ne Lösung, zumin­dest nicht flächendeckend)
  • Schul­trä­ger, die die Schul­netz­werk­lö­sun­gen und den Sup­port dafür out­sour­cen (z.B. damit oder damit), lei­der aber manch­mal Din­ge wie Fort­bil­dung­kon­zep­te für Lehr­kräf­te ver­nach­läs­si­gen oder eben nicht in die Kal­ku­la­ti­on mit einbeziehen.
  • Schul­trä­ger, die auf­grund ihrer Erfah­rung in den Ver­wal­tun­gen, Hard­ware- und Raum­aus­stat­tungs­kon­zep­te fest vorgeben.

Und wer soll­te ihnen genau das ver­den­ken? An Schu­len gibt es schließ­lich meist nur Anwen­der­kom­pe­ten­zen, die das eige­ne End­ge­rät fokus­sie­ren und nicht Din­ge wie die Kon­zep­ti­on eines gan­zen Net­zes mit sei­ner Infrastruktur.

Die For­de­run­gen des Daten­schut­zes tra­gen in ganz erheb­li­chen Maße zu die­sem Dilem­ma bei.

Kei­ne kla­ren Aussagen

Für ein in mei­nen Augen recht weg­wei­sen­des Pro­jekt habe ich ver­sucht, von vorn­her­ein Daten­schutz­über­le­gun­gen mit ein­zu­be­zie­hen. Ich habe mich bei zustän­di­gen Stel­len erkun­digt und kon­kre­te Fra­gen zu kon­kre­ten The­men gestellt. Was dabei her­aus­kommt? Zwei Juris­ten, ein Tech­ni­ker und 3+n Mei­nun­gen. Dabei bräuch­ten Schu­len, die das The­ma Daten­schutz ernst­neh­men wol­len, drin­gend Unter­stüt­zung, z.B. bei:

  • der For­mu­lie­rung von Nut­zungs­ord­nun­gen im Schulnetz
  • der Fest­stel­lung eines Daten­rah­mens, der dem Gebot der Daten­spar­sam­keit genügt (Gehört der Beruf der Eltern in eine Schulakte?)
  • der For­mu­lie­rung von Nut­zungs­be­din­gun­gen bei der Nut­zung des schul­ei­ge­nen WLAN
  • der For­mu­lie­rung von Ein­ver­ständ­nis­er­klä­run­gen zur Nut­zung von Bil­dern der Schü­le­rin­nen und Schü­lern für die Öffent­lich­keits­ar­beit von Schu­len (eher Urhe­ber­recht, aber das ist nicht weni­ger diffizil)
  • der Auf­stel­lung von Min­dest­stan­dards den tech­ni­schen Daten­schutz betref­fend: Wo steht der Schul­ser­ver? Wie ist er gesichert? […]

Beklagt man das Feh­len von Mus­ter­schrei­ben, so wird immer wie­der dar­auf ver­wie­sen, dass jede Schu­le und jeder Schul­trä­ger indi­vi­du­el­le Vor­stel­lun­gen hat und daher immer auf den kon­kre­ten Fall geschaut wer­den müs­se. Wie soll aber eine Schu­le oder ein Schul­trä­ger etwas leis­ten, was sich über­ge­ord­ne­te Stel­len nicht zutrau­en? So geht es jeden­falls in mei­nen Augen nicht wei­ter. Mir scheint, dass die­ses Dilem­ma den Daten­schüt­zern selbst auch durch­aus bewusst ist. Die Tech­nik ist da noch rela­tiv leicht zu lösen und zu beherrschen.

Kri­tik

Man kann in mei­nen Augen nicht ein­fach etwas vor­ge­ben und ver­lan­gen, für das man selbst kei­ne Kon­zep­te und Modell­pro­jek­te vor­zu­wei­sen hat. Die Akzep­tanz wird gegen Null ten­die­ren und jeder wird in dem Bereich der neu­en Medi­en dann eher machen, was er will, bevor dann gar nichts an Inno­va­ti­on geschieht. Und das läuft den Grund­prin­zi­pi­en und der Inten­ti­on des Daten­schut­zes dann oft dia­me­tral entgegen.

Transaktionskosten (Fortsetzung)

Eine von mir hoch­ge­schätz­te und stil­le Lese­rin mei­nes Blogs hat mich neu­lich dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass ich ange­kün­digt hat­te, eine Fort­set­zung zum Arti­kel mit den Trans­ak­ti­ons­kos­ten zu schrei­ben. Ich zitie­re dazu noch ein­mal den letz­ten Absatz im Sin­ne der Anschlussfähigkeit.

Wer Ver­än­de­rungs­pro­zes­se initi­ie­ren möch­te, muss im Blick haben, dass er gleich­zei­tig neue, noch nicht kal­ku­lier­ba­re Trans­ak­ti­ons­kos­ten erzeugt (“Ja, aber das mit den Medi­en muss aber in ein Gesamtkonzept!”), und gleich­zei­tig auch noch ande­re, von den Kos­ten her “sicher” kal­ku­lier­ba­re Sys­te­me bedroht (“Ja, aber über Aus­hän­ge kom­mu­ni­ziert man doch total ineffizient!”). Dar­aus erge­ben sich für mich Kon­se­quen­zen für mein Ver­hal­ten als Berater.

Regel 1: Das Neue ist der Feind des Bewährten.

Das Neue kann sich in den bestehen­den Schul­struk­tu­ren nur durch viel Geduld, Lea­der­ship oder sub­ver­siv durch­set­zen. Sobald man als Bera­ter gene­ra­li­siert, wer­den immer laut­star­ke und – für die Idee viel gefähr­li­che­re – stil­le Wider­ständ­ler auf den Plan geru­fen. In sehr hete­ro­ge­nen, gro­ßen Sys­te­men wird sich dann NIE das Neue durch­set­zen. Des­we­gen unter­schei­de ich zwi­schen sub­jek­ti­ven und objek­ti­ven Wahr­hei­ten. Objek­tiv kann man durch­aus Recht haben. Es nützt u.U. aber trotz­dem nichts, weil Sys­te­me stets sub­jek­tiv funk­tio­nie­ren und dann die ent­ste­hen­den Trans­ak­ti­ons­kos­ten zum Kol­laps jeder noch so guten Idee führen.

Ein Bei­spiel:

Objek­tiv ist es für gro­ße Sys­te­me ver­nünf­tig, Klau­sur- und Klas­sen­ar­beits­pla­nung online zu machen. Man ist bei der Ein­tra­gung nicht an eine Zeit oder an einen Ort gebun­den. Das Sys­tem kann durch Algo­rith­men Fehl­ein­trä­ge im gege­be­nen recht­li­chen Rah­men abfan­gen. Es kann mit dem Schul­ka­len­der gekop­pelt wer­den, sodass sich Tage mit bestimm­ten, vor­her­seh­ba­ren Abwe­sen­hei­ten von Lern­grup­pen trans­pa­rent sper­ren las­sen. Umge­kehrt lie­ßen sich Ter­mi­ne von Arbei­ten in die Kalen­der der jewei­li­gen Lern­grup­pen zurück­spei­sen (übri­gens: Das geht alles mit dem rich­ti­gen Sys­tem). Sub­jek­tiv zwingt man Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zur Nut­zung unge­wohn­ter digi­ta­ler Werk­zeu­ge, die nicht in deren Work­flow pas­sen. Prak­tisch wird man eine Zeit lang altes und neu­es Sys­tem par­al­lel fahren.

 

Regel 2: Hilf Trans­ak­ti­ons­kos­ten zu sen­ken, damit du neue erzeu­gen kannst

Wenn es um die tech­ni­sche Aus­stat­tung von Schu­len und um Medi­en­kon­zep­te geht, weiß ich es bes­ser. Was dabei her­aus­kommt, wenn typi­sche Con­su­mer oder fort­ge­schrit­te­ne Anwen­der mei­nen, sie könn­ten vor­aus­schau­end Net­ze bau­en, die irgend­wann für die gan­ze Schu­le ska­lie­ren, dann lie­gen sie lei­der oft falsch, weil z.B. an die Hard­ware im Netz­werk ganz ande­re Anfor­de­run­gen als „zu Hau­se“ zu stel­len sind.

Wenn ich an eine Schu­le kom­me, herrscht dort i.d. R. im Medi­en­aus­stat­tungs­be­reich Cha­os. Die­ses Cha­os glie­dert sich zum einen in tech­ni­sche Pro­ble­me (10%) und zum ande­ren in zwi­schen­mensch­li­che (90%). Die Tech­nik bekommt man nach mei­ner Erfah­rung sehr ein­fach in den Griff, wenn man da nach dem Mot­to vor­geht: „Wenn ich dir bei den rest­li­chen 90% hel­fen soll, dann bestim­me zunächst(!) ich, wie es bei euch tech­nisch weitergeht!“

Mit den 10% Tech­nik ver­su­che ich dann, Abläu­fe und Ver­fah­ren genau­so abzu­bil­den, wie in der Schu­le schon immer waren, nur dass Zugriffs­mög­lich­kei­ten auf Infor­ma­tio­nen jetzt nicht mehr an Zei­ten oder Orte gebun­den sind. Das kön­nen sehr ein­fa­che Maß­nah­men sein, wie etwa ein schul­wei­ter Zugriff auf Datei­en, ein­fach zu bedie­nen­de Zugän­ge zu Online­me­di­en, ein funk­tio­nie­ren­des WLAN usw.. Tech­nisch ist das tri­vi­al. Gleich­zei­tig muss die Ver­läss­lich­keit des Sys­tems stei­gen, z.B. durch kon­se­quen­te Ver­net­zung von Insel­sys­te­men. Idea­ler­wei­se nimmt das Sys­tem bereits die­se Maß­nah­men als ent­las­tend wahr, was dann in der Fol­ge Ver­trau­en schafft. An dem grund­sätz­li­chen medi­en­päd­ago­gi­schen Geist ändert sich dadurch jedoch nichts.

Die­ses Ver­trau­en senkt Trans­ak­ti­ons­kos­ten, sodass Res­sour­cen dafür frei wer­den, auf die rest­li­chen 90% zu schau­en. Dafür benö­tigt man ein genau­es Bild des Sys­tems: Wer sind die „Stake­hol­der“ (an Schu­len sehr oft der enga­gier­te IT-affi­ne Leh­rer mit einer jah­re­lang immens gewach­se­nen ideel­len Macht­po­si­ti­on)?  Wer gönnt dem ande­ren ggf. etwas nicht? Wel­che ein­ge­fah­re­nen Abläu­fe mit wel­chen Kon­se­quen­zen gibt es? Was schafft Kon­flikt­po­ten­ti­al? Wer ist an den Struk­tu­ren wie beteiligt?

 

Regel 3: Bera­te kei­ne Schu­len (oder Kol­le­gen), die bei dir hohe Trans­ak­ti­ons­kos­ten erzeugen

Dass in Bera­tungs­pro­zes­sen nach­ge­steu­ert wer­den muss, ist nichts wei­ter Unge­wöhn­li­ches. Gera­de das The­ma Medi­en­nut­zung ist für Schu­len nur eines unter vie­len. Des­we­gen bin ich nicht ver­schnupft, wenn Pro­zes­se oft nur lang­sam vor­an­schrei­ten. Das ist völ­lig nor­mal. Es gibt für mich jedoch Indi­ka­to­ren, die dazu füh­ren, dass ich eine Schu­le nicht berate:

  1. Kei­ner­lei Eigen­in­itia­ti­ve (d.h. prak­ti­sche Hilfs­an­ge­bo­te wer­den ger­ne ange­nom­men, jedoch ist kein Inter­es­se erkenn­bar, eine län­ger­fris­ti­ge­re Part­ner­schaft ein­zu­ge­hen – Feu­er­wehr­ein­sät­ze ja, Zusam­men­ar­beit nein)
  2. Dis­kus­si­on des Bera­tungs­ver­fah­rens (Kann man das so über­haupt machen? War­um so kom­pli­ziert? Geht das nicht auch schnel­ler / einfacher?)
  3. Eigen­mäch­ti­ge Anschaf­fun­gen (z.B. ITW / Tablets für teu­res Geld kau­fen, ohne sta­bi­le Infra­struk­tur, ohne Kon­zept und ohne Rück­spra­che mit mir)
  4. Kein Refle­xi­on des bis­he­ri­gen Umgangs mit Medienbeschaffung

Die­sen Schu­len fehlt vor allem das Ver­trau­en in mei­ne Fähig­kei­ten. Im schlimms­ten Fall wol­len Sie sich ledig­lich mei­ner Kom­pe­ten­zen bedie­nen, um ihre aku­ten Pro­ble­me gelöst zu bekom­men, damit sie wei­ter­ma­chen kön­nen wie bisher.

 

Regel 4: Suche dir immer klei­ne Pro­jek­te mit gerin­gen Trans­ak­ti­ons­kos­ten für zwischendurch

Die Imple­men­ta­ti­on der „gro­ßen Wür­fe“ ist oft zäh, ermü­dend, aus­ge­dehnt und bezo­gen auf die Trans­ak­ti­ons­kos­ten immens teu­er. Das ist psy­cho­lo­gisch ein Pro­blem, da man irgend­wann als am Pro­zess Betei­lig­ter die Fort­schrit­te nicht mehr zu sehen im Stan­de ist. Des­we­gen braucht man für die see­li­sche Hygie­ne immer wie­der Pro­jek­te, bei denen sich der Erfolg sehr schnell ein­stellt. Das kön­nen so ein­fa­che Din­ge wie ein WLAN für eine länd­li­che Grund­schu­le sein. Schu­le klagt, ich kom­me vor­bei, sage eine Sum­me, Schu­le kauft, wir instal­lie­ren mit dem Haus­meis­ter zusam­men und sind nach 2–3 Wochen erheb­lich glück­li­cher als vorher.

Men­schen, die nur „das Gro­ße“ bera­ten, erle­be ich oft so, dass bei ihnen irgend­wann der Kon­takt zur „Basis“ ver­lo­ren­geht. Das muss auch teil­wei­se so sein, da man die zer­mür­ben­den Trans­ak­ti­ons­kos­ten in die­sen Pro­zes­sen kaum erträgt und sich dann ande­re Stra­te­gien ent­wi­ckeln, um see­lisch gesund zu blei­ben, die dann oft als arro­gant oder „von oben her­ab“ wahr­ge­nom­men werden.

Transaktionskosten (Weltverbessererfehler)

In den Feri­en habe ich mich etwas mit Wirt­schafts­theo­rie, genau­er der Trans­ak­ti­ons­kos­ten­theo­rie beschäf­tigt. Dar­über könn­te man jetzt viel schrei­ben und eini­ge Zita­te brin­gen. Ich beschrän­ke mich dabei jedoch auf eini­ge Bei­spie­le, mit denen ich

  1. zei­gen will, was Trans­ak­tio­nen in Bezug auf Schu­le und Bera­tungs­sys­te­me sein könnten
  2. viel dar­über nach­ge­dacht habe, inwie­weit mei­ne Arbeit als Lehr­kraft und medi­en­päd­ago­gi­scher Bera­ter wirk­sam ist, bzw. wie sich die­se Wirk­sam­keit opti­mie­ren lässt

Die Gedan­ken dazu sind etwas kom­ple­xer, daher wird das min­des­tens ein zwei­tei­li­ger Arti­kel – also bit­te etwas Geduld, wenn nicht sofort auf die Ein­gangs­punk­te komme.

Ver­ein­facht neh­me ich ein­mal an, dass in mei­nem Umfeld Trans­ak­tio­nen vor allem mit „Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Abstim­mungs­be­darf“ gleich­zu­set­zen sind.

 

Trans­ak­ti­ons­kos­ten und Hierarchie

Der Zukunfts­for­scher Max Horx ver­deut­licht in sei­nem Buch des Wan­dels das Prin­zip der Trans­ak­ti­onkos­ten am Bei­spiel einer wach­sen­den Firma.

Zuerst besteht die­se nur aus zwei Per­so­nen, die alles machen, sich schnell abstim­men und extrem fle­xi­bel auf Markt­an­for­de­run­gen und Wün­sche reagie­ren kön­nen. Bald gibt es jedoch so vie­le Kun­den, dass zwei Per­so­nen deren Betreu­ung nicht mehr allein zu rea­li­sie­ren ver­mö­gen.  Also wer­den mehr Mit­ar­bei­ten­de ein­ge­stellt. Der Geist der Fir­ma – die offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on (Kom­mu­ni­ka­ti­on ist eine Form der Trans­ak­ti­on) – soll aber erhal­ten blei­ben. Schon mit zwei wei­te­ren Mit­ar­bei­ten­den steigt dadurch der Zeit­auf­wand, um alle zu allen Details zeit­nah zu infor­mie­ren, solan­ge die Hier­ar­chie flach bleibt. Bald sind die bei­den ehe­ma­li­gen Grün­der einen Groß­teil ihrer Zeit nur noch damit beschäf­tigt, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­läu­fe für ihre Fir­ma zu rea­li­sie­ren – die Trans­ak­ti­ons­kos­ten steigen.

Eine stark aus­ge­präg­te (stei­le) Hier­ar­chie hin­ge­gen senkt genau die­se Trans­ak­ti­ons­kos­ten, da die Mit­ar­bei­ten­den eben „zu machen“ und nicht abzu­stim­men haben. Nicht umsonst sind z.B. unse­re Not­stands­ge­set­ze nicht demo­kra­tisch aus­ge­rich­tet: Im Kata­stro­phen- oder Kriegs­fall sind Dis­kus­sio­nen oder Beneh­mens­her­stel­lungs­pro­zes­se viel zu lang­sam. Die Trans­ak­ti­ons­kos­ten müs­sen dann unter allen Umstän­den mini­miert wer­den. Auto­ri­tä­re Sys­te­me funk­tio­nie­ren hier am bes­ten, jedoch nur, wenn eine zwei­te Kom­po­nen­te mit ins Spiel kommt: Das Vertrauen.

 

Trans­ak­ti­ons­kos­ten und Vertrauen

Als Jugend­lei­ter bin ich ich ein­mal auf einem gro­ße däni­schen See in eine bedroh­li­che Lage gekom­men. Selbst einen schwer bela­de­nen Kana­di­er mit zwei Teil­neh­men­den an Bord als Steu­er­mann in mei­ner Ver­ant­wor­tung muss­te ich mit anse­hen, wie ein ande­res Boot mit zwei Jun­gen in schwe­rem Wel­len­gang zu ken­tern droh­te und auch schon Was­ser genom­men hat­te. Es war kalt, win­dig und die ande­ren Boo­te waren längst außer Sicht. Die bei­den Jun­gen woll­ten völ­lig ver­ängs­tigt aus dem Boot sprin­gen und an Land schwim­men (Sumpf­ge­biet). Ich hat­te nicht die Zeit für Trost, nur noch für Auto­ri­tät und sehr har­te Wor­te. Die Situa­ti­on ließ sich meis­tern, weil ich die Trans­ak­ti­ons­kos­ten sen­ken konn­te und weil die bei­den Jun­gen mir blind ver­traut haben – mehr als ihren eige­nen Gefüh­len und Kör­pern. Ich sage heu­te noch oft schmun­zelnd, dass ich damals mit lin­ken Anar­chis­ten kom­plett abge­sof­fen wäre.

 

Zwi­schen­fa­zit

  1. Trans­ak­ti­ons­kos­ten stei­gen mit der Grö­ße eines Systems
  2. Trans­ak­ti­ons­kos­ten stei­gen, je fla­cher Hier­ar­chien sind
  3. Eine aus­ge­präg­te Hier­ar­chie senkt Transaktionskosten
  4. Ver­trau­en senkt Transaktionskosten

 

Bei­spie­le

  1. Die (Bundes-)Piratenpartei ist groß, strebt eine mög­lichst fla­che Hier­ar­chie an und ver­traut ihren Reprä­sen­tan­ten nicht oder nur wenig. Sie wird an ihren Trans­ak­ti­ons­kos­ten kollabieren.
  2. Das Inter­net ist zunächst dazu geeig­net, Trans­ak­ti­ons­kos­ten (z.B. Zwi­schen­händ­ler­sys­te­me, Mei­nungs­gate­kee­per usw.) zu sen­ken, jedoch sehr groß und noch recht flach von sei­ner Hier­ar­chie her. Das mit dem Ver­trau­en schwankt so.

 

Trans­ak­ti­ons­kos­ten und Schule

Schu­le ist bezo­gen auf die­se Theo­rie sehr para­dox: Einer­seits haben wir eine deut­lich aus­ge­präg­te Hier­ar­chie in der Schul­struk­tur. Ander­seits ver­sucht gera­de die­ses Sys­tem, Aspek­te mit hohen oder schwer kal­ku­lier­ba­ren Trans­ak­ti­ons­kos­ten an die ein­zel­nen Schu­len selbst zu dele­gie­ren (z.B. Daten­schutz, Aus­ge­stal­tung der Cur­ri­cu­la, Qua­li­täts­ma­nage­ment, Inklu­si­on usw.). Das Ver­trau­en in die Kul­tus­bü­ro­kra­tie scheint mir dabei gleich­zei­tig nicht beson­ders hoch zu sein. Laut der Trans­ak­ti­ons­kos­ten­theo­rie müss­te die­ses Sys­tem also eigent­lich kol­la­bie­ren. Mir ist auch immer wie­der ein Rät­sel, war­um das nicht geschieht, aber im Kern scheint es etwas mit der grund­sätz­lich auto­kra­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on von Schul­struk­tu­ren zu tun zu haben.

Mei­ne Hypo­the­se ist, dass das Sys­tem Schu­le mitt­ler­wei­le zusätz­li­che Trans­ak­ti­ons­kos­ten zehn Mei­len gegen den Wind rie­chen kann und bestrebt ist, eben­die­se unter allen Umstän­den mög­lichst nied­rig zu hal­ten. Gleich­zei­tig bewahrt es bestehen­de Sys­te­me mit extrem hohen, aber eben durch die Jah­re kal­ku­lier­bar gewor­de­nen Trans­ak­ti­ons­kos­ten um fast jeden Preis, z.B. eine bestimm­te Kon­fe­renz­kul­tur, die im Wesent­li­chen oft nur Zeit verbrennt.

Wer Ver­än­de­rungs­pro­zes­se initi­ie­ren möch­te, muss im Blick haben, dass er gleich­zei­tig neue, noch nicht kal­ku­lier­ba­re Trans­ak­ti­ons­kos­ten erzeugt („Ja, aber das mit den Medi­en muss aber in ein Gesamt­kon­zept!“), und gleich­zei­tig auch noch ande­re, von den Kos­ten her „sicher“ kal­ku­lier­ba­re Sys­te­me bedroht („Ja, aber über Aus­hän­ge kom­mu­ni­ziert man doch total inef­fi­zi­ent!“). Dar­aus erge­ben sich für mich Kon­se­quen­zen für mein Ver­hal­ten als Bera­ter. (Fort­set­zung folgt)

 

1 19 20 21 22 23 48