Computerräume ausstatten

Ein paar Thesen:

  1. Der Computerraum als Konzept ist bald tot. Er lebt eigentlich nur in den Vorstellungen von Administratoren von Firmennetzwerken und in stark gelenkten Schulungssetups. Ich weiß nicht einmal, ob er im Kontext von Informatikunterricht überhaupt Sinn macht. Zunehmend setzt sich auch in informationstechnischen Kontexten die Einsicht durch, dass Teamfähigkeit und Kollaboration keine ganz schlechte Idee ist, wenn man z.B. Entwicklungen von Personen abkoppeln will.
  2. Wenn ein Computerraum bald tot ist, lohnt sich die Neuausstattung mit Neuware aus dem Konzept des Desktoprechners wahrscheinlich nicht mehr lange
  3. Wenn man einen PC-Raum nach den Vorstellungen besagter Administratoren ausstattet, dann sollte man auch auf Businesslösungen mit Businessmerkmalen setzen
  4. Wenn es Neuware sein soll, dann Neuware, die später einen flexiblen Einsatz erlaubt

Damit wäre alles gesagt. Naja, nicht ganz: Ich statte gerade einen neuen PC-Raum aus und es muss leider weiterhin ein klassischer PC-Raum bleiben – vorwiegend weil das Geld für neue Möbel fehlt, aber genau das könnte ja irgendwann kommen. Deswegen folgende Komponenten:

  1. Einen Lehrerarbeitsplatz mit einer M58p-Workstation (Desktopformat, gebraucht) mit einem Business 22 Zoll TFT (gebraucht).  Inklusive einer Windows7-Professional-Lizenz kostet ein solcher Arbeitsplatz ca. 250-270 Euro. Die Lenovo Workstations besitzen Displayports und können mit entsprechenden Adaptern trotz ihres Alters sogar HDMI-Beamer ansteuern – VGA will man heute eher nicht mehr, aber selbst Firmen wie SMART tun sich mit dieser Erkenntnis noch schwer. Wer Dualdisplaymodi braucht, kann eine Low-Profile Radeon HD3470 verbauen, die dann gleich zwei Displayports mitbringt (Zusatzkosten: 19,-Euro auf Ebay). Die M58p hat mit einem Core2Duo E8400 schon ziemlich viel Dampf, wenn man nicht dauernd Videos hin und hercodiert. Bei Office, Surfen, HD-Videos oder Audiobearbeitung langweilt sich die Kiste eher. Flash ist auch kein Problem. Der „Kunde“ sieht davon nur einen gigantischen Bildschirm und ein flott reagierendes System. Apples AirPlay lässt sich darauf z.B. per AirServer problemlos nachrüsten.
  2. Einen netzwerkfähigen Beamer. Der kann zumindest statische Bilder über ein kleines Programm von jedem Rechner im Netzwerk empfangen, d.h. jeder Rechner im Raum kann seine Bildschirmausausgabe (wenn es nicht gerade Videos sind), auf dem Beamer projezieren. So lassen sich Arbeitsergebnisse rasch für die Gruppe sichtbar machen und diskutieren.
  3. Laptops für die Arbeitsplätze. Im PC-Raum kann man sie zunächst per Ethernetkabel an Netz hängen und per Kensingtonschloss an ihren Platz fesseln. Ein Core i3 reicht eigentlich mehr als aus und ist inklusive Windows7-Lizenz für ca. 450-500 Euro pro Stück erhältlich. Ändert sich das Raumkonzept dann doch mal, können die Laptops schnell ihren Platz verändern. Bei Desktops mit TFTs ist das nicht so spontan denkbar.
  4. Einen Dualbandrouter. Damit kann man den Raum später auch mit Mobilgeräten nutzen (entweder BYOD oder gar Schultablets). Zusammen mit z.B. dem AirServer kann man dann auch iOS-Geräte in dem Raum verwenden.

Dann war noch Geld über, was ich in ein paar Nexus7-Tablets investiert habe. Nexus7 deswegen, weil diese Geräte schon jetzt mehrbenutzerfähig und so verbreitet sind, dass sich regelmäßige OS-Updates erwarten lassen  und ggf. auch weitere Betriebsystemportierungen verfügbar werden. Mit Google Apps for Education lassen sich diese Devices auch schon jetzt zentral managen (Passworte, Kameraeinstellungen, Remotelöschung etc.), leider noch ohne App-Distribution.

Zudem sollte man darauf achten, aus Datenschutzgründen nur einen Geräteaccount zu verwenden. iPads waren aus Budgetgründen keine Alternative.  Wir wollen bei uns an der Schule Tablets erstmal vorrangig als Mediaplayer (wir betreiben einen DLNA-Server für die Mediendistribution) und Internetzugangsgerät nutzen, sodass wir nicht auf ein umfangreiches Appangebot angewiesen sind. Und dafür sind iPads deutlich zu teuer.

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9 Kommentare

  • Hallo, ich würde den Thesen nicht einfach zustimmen.

    „ob er [der Computerraum] im Kontext von Informatikunterricht überhaupt Sinn macht.“
    Ich finde schon. Die Computerräume, die ich kenne, bieten ohne Probleme die Möglichkeit, dass drei nebeneinander sitzende Personen zusammen arbeiten können und dann doch jeder auch an seinem Rechner individuelle Arbeitsergebnisse erzielen könnte.

    Sicher gewinnen die Thesen an Richtigkeit, wenn man davon ausgeht, dass alles kollaborativ (wozu sind die Rechner vernetzt?) und wenig lehrerzentriert gearbeitet wird. Ich halte es für eine legitime Methode, im Informatikunterricht neue Themen als Vortrag einzuführen und dann von Schülern Übungen bearbeiten zu lassen (natürlich nicht nur). Ich habe noch keine Nachteile des Computerraums feststellen können. Demnächst werde ich mit Lego-Mindstorms Robotern arbeiten – dann werde ich sehen, ob mobile Geräte Vorteile hätten. Den Computerraum nutze ich immer lieber als z.B. den Laptop-Wagen unserer Schule, weil ich den erst organisieren und durch die Flure schieben muss, bevor es losgeht und durch das Auf- und Abbauen zusätzliche Zeit vergeht, die mir im Computerraum nicht verloren ginge.
    Die Vorteile von herkömmlichen Desktop-Rechnern sehe ich zum einen in der Konfigurierbarkeit/Reparierbarkeit (neben einer von mir festgestellten erhöhten Robustheit im Vergleich zu Laptops) und der aus meiner Sicht von mobilen Geräten nicht zu ersetzende Ergonomie. Ein Laptop ist in meinen Augen kein vollständiger Arbeitsplatz – aber da bin ich vielleicht altmodisch ;-)

  • Danke für den Artikel. Die Idee, Laptops statt Desktops im Computerraum zu verwenden, gefällt mir!

  • @Tom
    Klar, aber ich würde für typische „Schulaufgaben“ auf gar keinen Fall Geld für *neue* Desktops verbrennen.
    Du bekommst zurzeit 1a Gebrauchtware mit Garantie am Markt, die in hohen Stückzahlen gefertigt wurde und sich mit billigen Ersatzteilen versorgen lassen, z.B. die Lenovo 5xp-Serie. Die können PXE und haben coole Sicherheitsfunktionen im BIOS, die man sonst lange suchen muss.
    Was will man mit mehr Leistung als z.B. 2x3Ghz? Das ist weit, weit, weit über dem Leistungsvermögen von flotten Netbooks.
    Und mit dem gesparten Geld machst du die kollaborativen Leute in den Klassen mit Mobilgeräten glücklich.

    • Danke für den Tipp mit den Gebrauchten. Es scheint meine Erfahrung mit unseren Laptops zu sein, die zu meiner schlechten Meinung darüber führt. Unser Laptopwagen fasst 24 Geräte, die alle ein dreiviertel Jahr in der Ecke standen, weil nach 1,5 Jahren Betrieb sämtliche Akkus defekt waren. Ein neuer Akku sollte 80 EUR kosten – das war zu viel für die Schule, um es aus dem laufenden Etat zu finanzieren, also hatten Schüler und Lehrer zu warten und konnten zum Glück auf einen EDV-Raum zurück greifen.
      Was die Wünsche der Administratoren angeht: Klar, danach sollte man keine (pädagogischen) Entscheidungen treffen, aber letztlich ist es der Administrator, der dann später die Software aktuell hält und Wartungsarbeiten durchführt – Bei unseren Laptops dauert das ewig, weil der Admin keine Zeit für diese Arbeit findet (und auch der allmächtiger Hüter des Admin-Passwortes ist…)

      • IT-Geräte auf Wagen sind ohne verbindliches Konzept zum Einsatz eine ganz schlechte Idee.

        Das wird nur noch getoppt von mobilen SMART-Boardlösungen. Da kann man meist bald Forschungsvorhaben darüber anstellen, wie hoch sich Staub auftürmen kann.

        Für die IBM-T6x-Serie an Notebooks (gebraucht) bekommst du neue Akkus ab 30,- Euro. 90% der Möglichkeiten von Neuware, 1/4 des Preises, 1/4 der Ersatzteilkosten…

  • Sag mal, nutzt du / ihr als Schule Google Apps for Education? Nur zur Verwaltung der Nexus-Geräte oder auch darüber hinaus?

    • Ich nutze das nur zur Verwaltung der Geräte, weil ich so z.B. die Passwörter für die Teile zentral setzen kann, falls ein Scherzkeks… Das mit Schülern zu nutzen, wäre datenschutzrechtlich irgendwie nicht so sinnvoll – vor allem bei den Bedingungen von Google.

  • Uwe

    Zur Verwaltung von Tablets: Wir haben für einige Modellvorhaben unterschiedliche MDM-Lösungen angeschaut, am Ende blieben GAFE und Meraki übrig (beide lassen allerdings Datenschutzwünsche offen). Schau Dir mal Meraki an, u.U. findest Du dort sehr interessante Funktionen. Es lassen sich unterschiedliche OS bedienen (einschließlich Softwareverteilung, Fernwartung, remote wipe etc), bei entsprechender Hardware lassen sich auch die Router / AP aus der ferne konfigurieren. Für die einzelne Schule u.U. nicht so relevant, für uns (Verwaltung etlicher Schulen) dagegen schon. Ein erster Einblick (und Vergleich mit GAFE) unter http://eventualitaetswabe.de/?p=1013, inzwischen gibt es mehr Erfahrungen im echten Lastbetrieb. Sobald ich nach dem Abi etwas mehr Zeit hab, kommen dazu ein paar Zeilen.
    Selbst wenn Du Meraki (etwa wegen Datenschutz-Bedenken) verwirfst, ist es m.E. allemal anregend bei der Suche nach Alternativen.

  • Klaus

    Hallo Herr Riecken, auch wir hatten hier die Überlegung: Abschaffung Computerraum, nur noch Notebooks oder gar Tablets. Wir haben uns dagegen entschieden. Haben Möbel von der Fa. Adion gekauft (12 Tische plus Dotzententisch), dazu neue Hardware (klassische Desktops von PackardBell), weil ich finde, dass Schüler hieran weit besser arbeiten können. Die Möbel sind multifunktional, weil sie einklappbare Monitore haben, spich: Wir können die Tische dennoch auch für normalen Unterrricht nutzen. Trotz aller Unkenrufe glaube zumindest ich nicht, dass der alte Desktop-PC ausstirbt, zumindest nicht bei professionellen Anwendungen.

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