Riecken und die Verlage — Teil 4

Ich gebe ein­mal eine Kor­re­spon­denz mit einem Start-Up sinn­ge­mäß (also nicht im Wort­laut) und anony­mi­siert wie­der — die­se Anschrei­ben fol­gen auch in ihrer Reak­ti­on auf Kri­tik stets ähn­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sche­men, sind also weit­ge­hend aus­tausch­bar — ich habe mitt­ler­wei­le eine net­te Samm­lung sol­cher Threads. Mei­ne Ant­wor­ten sind unge­kürzt bzw. ori­gi­nal:

 

Lie­ber Herr Riecken!

Wir neh­men Sie als kom­pe­ten­ten Autor zu Bil­dungs­the­men wahr und haben gro­ßes Inter­es­se an einem Inter­view oder Gast­bei­trag von Ihnen. Haben Sie Inter­es­se, Ihr Wis­sen uns und unse­ren Lese­rin­nen und Leser zur Ver­fü­gung zu stel­len? Dann freu­en wir uns auf eine Zusam­men­ar­beit.

Vie­le Grü­ße,

Her­bert Sales­ma­na­ger

 

Stu­fe 1: Wir fra­gen mal nach einer Ver­gü­tung / Gegen­leis­tung (Text­bau­stein)

Sehr geehr­te Damen und Her­ren!

Ich freue mich, dass mein Blog Ihr Inter­es­se geweckt hat.  Anfra­gen die­ser Art kom­men immer wie­der ein­mal und ich fra­ge auch immer wie­der die glei­chen Din­ge zurück. Das „höchs­te” Gebot der letz­ten Jah­re lag bis­her bei

a) Total-Buy­out­ver­trag +
b) 20 Euro Auf­wands­ent­schä­di­gung

… meist in Nischen­zeit­schrif­ten, deren Auf­la­ge nicht ein­mal die Abruf­zah­len eines nach­ge­frag­ten Arti­kels in drei Mona­ten, gleich­wohl aber noch ein ande­res Publi­kum erreicht. 

  • An wel­che Bedin­gun­gen ist Ihre Anfra­ge geknüpft?
  • Wel­che Rech­te über­tra­ge ich an dem Text an ihr Haus?
  • Was habe ich kon­kret von der Zusam­men­ar­beit mit Ihrem Haus?


Gruß,

Maik Riecken

Ant­wort:

Lie­ber Herr Riecken!

Sie erhal­ten von uns einen DoFol­low-Link und damit neue Leser für ihre Inhal­te. Dar­über­hin­aus­ge­hen­de Leis­tun­gen sind bei uns im Hau­se nicht üblich. Ich bit­te Sie dar­um um Ver­ständ­nis, dass wir nicht jeden unse­rer Koope­ra­ti­ons­part­ner ver­gü­ten kön­nen. Auch so haben wir bis­her zahl­rei­che Part­ner für unser Pro­jekt gewin­nen kön­nen. Wenn wir den­noch Ihr Inter­es­se geweckt haben, wen­den Sie sich jeder­zeit an mich.

Vie­le Grü­ße,

Her­bert Sales­ma­na­ger

Stu­fe 2: Wir kon­fron­tie­ren mal.

Sehr geehr­te Herr Sales­ma­na­ger,

> Sie erhal­ten von uns einen DoFol­low-Link und damit neue Leser für ihre Inhal­te.

Stimmt lei­der über­haupt nicht mit mei­nen bis­he­ri­gen Erfah­run­gen über­ein. 

> Ich bit­te Sie dar­um um Ver­ständ­nis, dass wir nicht jeden unse­rer Koope­ra­ti­ons­part­ner ver­gü­ten kön­nen. Auch so haben wir bis­her zahl­rei­che Part­ner für unser Pro­jekt gewin­nen kön­nen. 

Ehr­lich­ge­sagt fehlt mir hier jedes Ver­ständ­nis. Das heißt im Umkehr­schluss, dass dann ja auch nicht alle Nut­zer für Ihre Diens­te bezah­len / eine Leis­tung erbrin­gen müs­sen. 

Con­tent hat damit für Sie eigent­lich kei­nen Wert, wird aber gleich­zei­tig genutzt, um Wert­schöp­fung zu betrei­ben.

Sie bie­ten dafür ledig­lich eine Opti­on auf poten­ti­el­le Repu­ta­ti­on. Arg wenig. Da kom­men wir wohl eher nicht zusam­men. 

Gruß,

Maik Riecken

Ant­wort:

Sehr geehr­ter Herr Riecken!

Ihre Hal­tung ist sehr scha­de. Für mich ist es ein neu­er Weg, Inhal­te zu lie­fern, für die ich ansons­ten nicht kom­pe­tent genug wäre. Mit Ihren ande­ren Vor­ur­tei­len oder gar Wert­schöp­fung hat das nichts zu tun. 

Ande­re Blog­ger sind durch­aus inter­es­siert, da ist es scha­de, dass Sie da anders den­ken.

Vie­le Grü­ße,

Her­bert Sales­ma­na­ger

Zusam­men­fas­sung:

Es gibt eine Fir­ma, die ein Blog betreibt, aber haupt­säch­lich Geld mit Inhal­ten ver­dient. Ich wur­de auf die­se Platt­form auch schon ein­ge­la­den und um mei­ne Mei­nung zu bestimm­ten Inhal­ten gebe­ten (also Zeit und Text gegen kei­ne für mich erkenn­ba­re Gegen­leis­tung).

Ich habe da ein wenig Zeit hin­ein­ge­steckt: Die­ses Blog exis­tiert schon län­ger. Gast­ar­ti­kel gibt es auch, jedoch unter einem Sam­me­lac­count mit dem Namen „Ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter der Fir­ma”. Als Auto­ren sind dar­über­hin­aus nur Fir­men­an­ge­hö­ri­ge genannt. Die Mut­ter­sei­te ist recht gut gerankt und ein Backlink von der betrof­fe­nen Sub­do­main wäre SEO-tech­nisch schon ein Gewinn, aber die Aus­sa­gen von dem guten Her­bert, dass eine Rei­he von Blog­gern bereits mit­ma­chen, sind m.E. schon ein wenig in sei­nem Sin­ne opti­miert.

Auf die Rech­te­fra­ge geht Her­bert gar nicht erst ein, son­dern stört sich an mei­nen Vor­ur­tei­len ihm gegen­über. Ich bin nicht sicher, ob Her­bert mei­nen Punkt erkannt hat bzw. ob er ihn über­haupt sehen will. Her­bert möch­te eigent­lich kos­ten­los Inhal­te abgrei­fen — vor­der­grün­dig um dem Auto­ren durch einen DoFol­low-Link Repu­ta­ti­on zu ver­schaf­fen.

Dazu muss man wis­sen, dass „DoFol­low-Link” Mar­ke­ting-Sprech für einen ganz nor­ma­len Link ist. Such­ma­schi­nen fol­gen gene­rell erst­mal allen Links, es sei denn, man ver­bie­tet das per Quell­code expli­zit. Eine beson­de­re Gna­de ist ein der­ar­ti­ger Link also nicht, son­dern eben der ganz nor­ma­le Webstan­dard.

Um nicht miss­ver­stan­den zu wer­den: Eine der wesent­li­chen Ele­men­te ver­netz­ter Arbeit ist die unent­gelt­li­che Mit­ar­beit an Pro­jek­ten — das for­de­re ich selbst ja auch immer wie­der ein. Nur müs­sen Auf­wand und Nut­zen in einem Ver­hält­nis ste­hen. Zwei Stun­den Arbeit für einen Arti­kel mit einen Backlink sind für mich ein extrem schlech­tes Ver­hält­nis — gera­de wenn die­se Arbeit für ein kom­mer­zi­el­les Pro­jekt ein­ge­setzt wer­den soll. Und mich wür­de es nicht wun­dern, wenn — gin­ge man dar­auf ein — bald wei­te­re „Ange­bo­te” kämen — z.B. Inhal­te zu erstel­len. Mir tun die Men­schen leid, die nicht so pri­vi­le­giert sind wie ich und von der Erstel­lung von Inhal­ten leben müs­sen.

Riecken und die Verlage — Teil 3

Auf netzpolitik.org gab es ges­tern inter­es­san­tes Mate­ri­al über einen geplan­ten „Schul­tro­ja­ner” zu lesen. Hier noch ein­mal in aller Kür­ze der bis­her bekann­te Sach­ver­halt:

  1. Es gibt einen Ver­trag zwi­schen den Kul­tus­mi­nis­tern der Län­der und dem Dach­ver­band der Schul­buch­ver­la­ge.
  2. 1% der Schu­len sol­len mit einer Soft­ware aus­ge­stat­tet wer­den, die inner­halb des Schul­netz­werks auto­ma­tisch urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Mate­ri­al aus­fin­dig macht
  3. UPDATE: Die dabei gefun­de­nen Daten wer­den an den Schul­trä­ger(!) über­mit­telt (der ist nicht der dis­zi­pli­na­risch Vor­ge­setz­te) -
  4. Der Dienst­herr soll durch dis­zi­pli­na­ri­sche Maß­nah­men dafür Sor­ge tra­gen, dass dem Urhe­ber­recht an Schu­len genü­ge getan wird

Dar­über war auf den übli­chen Platt­for­men und auch in der Blo­gos­sphä­re viel Empö­rung zu lesen und auch sinn­ge­mäß Sät­ze wie:

  1. Schul­buch­ver­la­ge sind in der neu­en Wis­sens­ge­sell­schaft über­flüs­sig.
  2. Schul­buch­ver­la­ge ver­die­nen kei­nen Dia­log.
  3. Schul­buch­ver­la­ge pro­du­zie­ren min­der­wer­ti­ges Mate­ri­al
  4. Schul­buch­ver­la­ge ver­die­nen sich auf Kos­ten der All­ge­mein­heit dumm und däm­lich

Das Feind­bild steht also fest — oft­mals gene­ra­li­siert, pau­schal, extrem. Ich hof­fe instän­dig, dass die­ses Ver­hal­ten nicht die oft pro­kla­mier­te „neue Wis­sens­ge­sell­schaft” reprä­sen­tiert. Auch ich habe Pro­ble­me mit Ver­la­gen. Ich möch­te bloß ger­ne zwi­schen „Ver­lag” und „Ver­hal­ten von Ver­la­gen” dif­fe­ren­zie­ren.

Der 1. Skan­dal

Das mit dem Schul­tro­ja­ner ver­bun­de­ne Ver­hal­ten ver­dient extre­me Reak­tio­nen. Hier nimmt Pri­vat­wirt­schaft öffent­li­che Insti­tu­tio­nen in die Pflicht, für Kon­se­quen­zen in zivil­recht­li­chen Fra­gen zu sor­gen. Das ist der ers­te Skan­dal.

Ich bin Admi­nis­tra­tor eines Schul­netz­werks. Wür­de ich ange­wie­sen, die­se Soft­ware auf Schul­sys­te­men zu instal­lie­ren, wäre die­se Anwei­sung wahr­schein­lich rechts­wid­rig. Dem Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gegen mich auf­grund mei­ner Wei­ge­rung sähe ich gelas­sen ent­ge­gen. Alter­na­tiv wür­de mich das zur Ein­lei­tung einer Dienst­auf­sichts­be­schwer­de zwin­gen.

Es wird schon allein des­we­gen rechts­wid­rig sein, weil natür­lich Ver­ein­ba­run­gen bezüg­lich die­ser Über­wa­chung mit den Per­so­nal­ver­tre­tun­gen der Lehr­kräf­te getrof­fen wer­den müss­ten, damit „Ver­stö­ße” über­haupt dis­zi­pli­nar­recht­licht geahn­det wer­den könn­ten. Die Per­so­nal­ver­tre­tung ver­dien­te ihren Namen nicht, wenn sie sich dar­auf ein­lie­ße, staat­li­che Insti­tu­tio­nen zur Durch­set­zung zivil­recht­recht­li­cher Inter­es­sen der Pri­vat­wirt­schaft zu funk­tio­na­li­sie­ren.

Die Ver­la­ge müss­ten eigent­lich direkt gegen ihre „Kun­den” vor­ge­hen — das ist natür­lich pro­ble­ma­tisch für den Umsatz. Der Schul­tro­ja­ner, der tech­nisch kei­ner ist und den es noch nicht ein­mal geben dürf­te, scheint da der „bes­se­re” Weg zu sein — der nun toben­de Shit­s­torm dürf­te die Mar­ke­ting­ab­tei­lun­gen wahr­schein­lich etwas beschäf­ti­gen.

Der 2. Skan­dal

Der zwei­te Skan­dal wür­de dar­in bestehen, dass  mein Dienst­herr sei­nen Sorg­falts- und Für­sor­ge­pflich­ten mir gegen­über nicht nach­kä­me, wenn er tat­säch­lich einen Ver­trag unter­zeich­net, der poten­ti­ell rechts­wid­ri­ge For­mu­lie­run­gen und Bedin­gun­gen ent­hält. Von mir als Beam­ter wer­den stets akku­ra­te Befol­gung der gesetz­li­chen Vor­ga­ben erwar­tet und eben Loya­li­tät — die funk­tio­niert aber nur, wenn sie zwei­sei­tig ange­legt ist. Mir lie­gen kei­ne gesi­cher­ten Infor­ma­tio­nen dar­über vor, wie sich mein Dienst­herr tat­säch­lich ver­hal­ten hat und wie die dis­ku­tier­ten Pas­sa­gen des Ver­tra­ges tat­säch­lich recht­lich zu bewer­ten sind.

Tech­ni­sche Betrach­tun­gen

Da es für die Kopie in Papier­form mitt­ler­wei­le recht libe­ra­le und prag­ma­ti­sche Rege­lun­gen gibt — und auch pau­scha­le Ver­gü­tungs­sät­ze für die Ver­la­ge, muss ein Schul­tro­ja­ner es vor allen Din­gen auf digi­ta­li­sier­te Buch­sei­ten und Arbeits­blät­ter sowie nicht lizen­sier­te Ver­lags­soft­ware „abge­se­hen” haben. Wäh­rend letz­te­re durch recht ein­fa­che Heu­ris­ti­ken zu erken­nen sein dürf­te, sieht das bei digi­ta­li­sier­ten „Papier­ori­gi­na­len” schon ganz anders aus, denn:

  1. Wie soll ein sol­ches Pro­gramm Ver­lags­in­hal­te „sicher” erken­nen, ohne wahl­los alle Datei­en einem „Deep”-Scan zu unter­zie­hen, der zusätz­lich auch noch auf OCR-Mecha­nis­men zurück­grei­fen müss­te?
  2. Wie soll ein sol­ches Pro­gramm „unli­zen­sier­tes Mate­ri­al” mel­den?
  3. Wie soll ein sol­ches Pro­gramm in heu­ti­gen Schul­net­zen zwi­schen Pri­vat­ge­rä­ten mit Ord­ner­frei­ga­ben und Schul­rech­nern unter­schei­den?
  4. Ist die Datei auf des Fest­plat­te des Schul­ko­pie­rers eine unli­zen­sier­te „digi­ta­le Kopie”? (Das Ding müsst ihr euch echt mal anse­hen…)
  5. usw.

Schluss­end­lich: Wie kann ein sol­ches Pro­gramm im Ein­klang mit gel­ten­den Daten­schutz­richt­li­ni­en über­haupt arbei­ten?

Unqua­li­fi­zier­ter Sei­ten­hieb: Den Daten­schutz wol­len ja vie­le sowie­so abschaf­fen — das Pro­blem bestün­de dann natür­lich nicht…

War­um ich Ver­la­ge als Insti­tu­ti­on nicht so gene­rell doof fin­den kann

  1. Auch eine uto­pi­sche Gesell­schaft mit bedin­gungs­lo­sem Grund­ein­kom­men basiert auf For­men von Wert­schöp­fung, gera­de in einer glo­ba­li­sier­ten Welt
  2. Nicht jeder gute Autor ist in der Lage, selbst im Netz geeig­ne­te Stra­te­gi­en zu fin­den, um sei­ne wirt­schaft­li­che Exis­tenz zu sichern, bzw. Wert­schöp­fung für eine auf bedin­gungs­lo­sem Grund­ein­kom­men basie­ren­de Gesell­schaft zu betrei­ben.
  3. Nicht das gesam­te Mate­ri­al in den Back­lis­ten von Ver­la­gen ist völ­lig unge­eig­net und schlecht — als Stein­bruch taugt z.B. auch unvoll­kom­me­nes Mate­ri­al
  4. Nicht jeder Ver­lag legt tyran­nisch fest, was zu ler­nen ist. Ich beob­ach­te zur­zeit im Bereich des Unter­richts­ma­te­ri­als eine Fle­xi­bi­li­sie­rung und Diver­si­fi­zie­rung — weil der Wis­sens­ka­non eben nicht durch Ver­la­ge, son­dern viel­mehr durch Cur­ri­cul­ums­kom­mis­sio­nen vor­ge­ge­ben wird. Das wird m.E. das „tro­ja­ni­sche Pferd” für Ver­än­de­run­gen in der Schul­buch­ver­lags­land­schaft wer­den.
  5. Es gibt Ver­la­ge, die mich fair behan­delt haben. Das waren klei­ne, enga­gier­te Unter­neh­men mit Netz­af­fi­ni­tät und neu­en Ide­en für die eige­ne Wert­schöp­fung.
  6. Mir macht das inhalt­li­che Niveau von man­chen Dis­kus­si­ons­pro­zes­sen im Netz schon sehr viel Sor­ge — z.B. beob­ach­te ich, dass bei der Bewer­tung netz­po­li­ti­scher The­men (z.B. Daten­schutz, Face­book) oft­mals m.E. völ­lig naiv und selek­tiv dis­ku­tiert wird, indem man sich das aus Tex­ten her­aus liest, was man sofort und ohne Mühe ver­steht — wer hat sich schon inten­siv mit den Wire­shark­pro­to­kol­len zu den Face­book­coo­kies aus­ein­an­der­ge­setzt? Da wäre auf­be­rei­te­tes Mate­ri­al von den oft ach so ver­pön­ten Exper­ten manch­mal nicht schlecht, um auch als Laie zu wis­sen, wovon ich da eigent­lich rede — ich könn­te das ver­ste­hen, aber ich habe nicht die Zeit dafür… Die kau­fe ich mir halt. Dabei kön­nen Ver­la­ge z.B. durch Lek­to­rats­dienst­leis­tun­gen durch­aus hel­fen.
  7. usw.

Mir gefällt vie­les nicht an (Groß-)Verlagen. Ich habe aber auch nichts dage­gen, dass sie Wert­schöp­fung betrei­ben, z.B. für mein Grund­ein­kom­men. Im Web2.0 wer­den ja auch in freund­schaft­li­cher Atmo­sphä­re z.B. Kur­se ver­tickt, für deren Inhal­te man bezahlt. Die Ver­la­ge haben viel ver­säumt — z.B. sich zu über­le­gen, wie ihre eige­ne Wert­schöp­fung in der digi­ta­len Welt funk­tio­nie­ren kann, wie sie fai­re Auto­ren­ver­trä­ge hin­be­kom­men, die moti­vie­ren, wie sie… 999 Punk­te, die es zu dis­ku­tie­ren gilt und die eng mit­ein­an­der ver­knüpft sind. Aber ob wir sie nicht mehr brau­chen in der „Wis­sens­ge­sell­schaft”? Wer weiß das? Ich zumin­dest nicht. Mei­ne Glas­ku­gel scheint im Gegen­satz zu ande­ren Glas­ku­geln ein­fach nur kaputt zu sein.

Riecken und die Verlage II

Zur Fair­ness gehört es für mich, nicht nur zu schimp­fen, son­dern auch auf Ver­bes­se­run­gen und Reak­tio­nen hin­zu­wei­sen. Auf dem Ver­lags­sek­tor hat sich da in letz­ter Zeit doch eini­ges getan, was mich sehr freut.

  1. Der Verlag20 hat sei­ne AGB recht grund­sätz­lich über­ar­bei­tet und ich sehe die Auto­ren­rech­te nach mei­ner lai­en­haf­ten Lek­tü­re nun­mehr gestärkt. Man könn­te hie und da immer noch meckern, aber den gene­rel­len Weg fin­de ich so schlecht nicht. Das Ange­bot ist recht breit und zumin­dest im Bereich Che­mie gibt es recht schö­nes Mate­ri­al zur­zeit sogar kos­ten­los zum Down­load — das wird sich aber ändern. Ich war kurz davor, einen klei­nen Bot zu schrei­ben, der ange­mel­de­te Nut­zer und tat­säch­lich pro­du­zie­ren­de Nut­zer ein­mal sta­tis­tisch aus­wer­tet — wahr­schein­lich kommt da aber ledig­lich die übli­che Ver­tei­lung (5% : 100%) bei her­um. Die Platt­form speist sich aus einem Ver­lags- und einem Auto­ren­an­ge­bot. Für mich kommt eine Betei­li­gung dort nicht in Fra­ge, weil es nicht unbe­dingt Geld ist, was mir im Leben fehlt und mir die Reich­wei­te mei­nes Blogs eigent­lich voll und ganz genügt. Und für die­se Reich­wei­te ist es eben sehr wich­tig, dass Tex­te von Such­ma­schi­nen voll­stän­dig indi­ziert sind. Dage­gen sträu­ben sich Ver­la­ge natür­lich immer noch ziem­lich — mein Mate­ri­al wäre dort also „outer space”. Und wer immer wie­der gegen Apple wet­tert, darf sich kon­se­quen­ter­wei­se dann bei sowas nicht betei­li­gen :o)…
  2. Heu­te lag ein Frei­ex­em­plar „Wikis, Blogs und Pod­casts” von Will Richard­son bei mir im Brief­kas­ten. Gön­ner­haf­ter Spen­der ist Tibia­Press. Vor­aus­ge­gan­gen ist ein sehr net­ter und per­so­na­li­sier­ter Kon­takt mit den Mit­ar­bei­tern dort. Mein Blog wird dort als Leh­rer­blog mit Screen­shot ganz ein biss­chen erwähnt. Allein des­we­gen soll­te man das Buch kau­fen. Öhm… Nein, natür­lich nicht des­we­gen: Es gibt z.B. einen schö­nen „Rah­men­ver­trag”, der Eltern dar­über auf­klärt, war­um sich z.B. das Blog­gen mit einer Schul­klas­se lohnt. Es gibt vie­le Brü­cken­tex­te, die erklä­ren hel­fen, war­um lang­haa­ri­ge Spin­ner wie ich mit Klas­sen blog­gen, E-Port­fo­li­os betrei­ben und so ande­res moder­nes Zeugs machen — z.B. für kri­ti­sche KuK oder Eltern.

Ach­so — ich bekom­me kein Geld für die­sen Arti­kel. Wir wer­den das Know-How der Ver­la­ge noch eine Wei­le brau­chen und es gibt immer mehr Anzei­chen dafür, dass sich in den Chef­eta­gen dort wirk­lich etwas tut. Fair fin­de ich immer die Aus­ein­an­der­set­zung mit bestehen­den Ver­su­chen und Expe­ri­men­tier­fel­dern, weil sie natür­lich auch poten­ti­ell wei­te­re Betä­ti­gungs- und Ver­dienst­fel­der für Lehr­kräf­te eröff­nen, wenn die Platt­for­men dazu bes­ser wer­den. Und viel­leicht tut es uns selbst auch ganz gut, mit in nor­ma­le wirt­schaft­li­che Abläu­fe ein­ge­bun­den zu sein.

Riecken und die Verlage

Ich bekom­me hin und wie­der Ange­bo­te, mei­ne Tex­te und Arbeits­ma­te­ria­li­en auf kom­mer­zi­el­len Platt­for­men ein­zu­stel­len. Gele­gent­lich wird auch der Wunsch an mich her­an­ge­tra­gen, die­ses oder jenes in mei­nem Blog zu ver­lin­ken oder einen Arti­kel dar­über zu schrei­ben — meist ver­bun­den mit einem Frei­ac­count z.B. auf begrenz­te Zeit. Dahin­ter ste­cken natür­lich kom­mer­zi­el­le Inter­es­sen, die ich per se nicht ableh­ne, da ohne Anbie­ter, die für ihre Dienst­leis­tun­gen Geld neh­men, weder das Inter­net noch der Staat fis­ka­lisch funk­tio­nie­ren wür­den. Ich hal­te es für mei­ne Auf­ga­be, das auch Schü­le­rin­nen und Schü­lern zu ver­mit­teln: Für lau wird nie­mand spä­ter euch als Mit­ar­bei­ten­de bezah­len kön­nen. Unter­neh­men bil­den die Säu­le die­ses Staa­tes und schaf­fen Arbeits­plät­ze.

Je län­ger ich mich im Inter­net tumm­le, des­to mehr Schwie­rig­kei­ten bekom­me ich mit dem Geschäfts­ge­ba­ren so man­cher Ver­la­ge: Ich emp­fin­de es mitt­ler­wei­le sehr oft so, dass die ange­bo­te­nen Ver­trä­ge nicht mehr auf Augen­hö­he geschlos­sen wer­den, son­dern im Klein­ge­druck­ten mehr und mehr Din­ge ste­hen, die mich dar­an zwei­feln las­sen, dass sei­tens des jewei­li­gen Unter­neh­mens eine wirk­li­che Part­ner­schaft gewünscht ist. Die­se Hal­tung hat sich über lan­ge Zeit ent­wi­ckelt und dazu gehört eine län­ge­re Geschich­te. Als Bei­spiel für ein kom­mer­zi­el­les Unter­neh­men möch­te ich ein­mal bewusst die Ver­la­ge her­aus­grei­fen, damit die Geschich­te nicht zu lang wird.

1. Akt

Vor zwei Jah­ren ergab sich ein Kon­takt zu einem Ver­lag, der mei­ne zwei­te Staats­ex­amens­ar­beit ver­öf­fent­li­chen woll­te. Die gesam­te Geschich­te zog sich über drei Wochen hin und ver­schlang ca. 8–10 Stun­den Arbeits­zeit, um mein Pam­phlet „druck­taug­lich” zu machen. Ich war schon irgend­wie geschmei­chelt, habe mir von Anfang an aber nicht all­zu viel davon ver­spro­chen. Wich­tig war mir die „Tot­holz­dis­tri­bu­ti­on” mei­ner Arbeit, da ja nicht jeder im Inter­net unter­wegs ist. Tat­säch­lich ist der Text immer noch bei gro­ßen Por­ta­len gelis­tet, jedoch meist nur inner­halb von acht Tagen lie­fer­bar. Der Preis, der ver­langt wird, ist aus­ge­spro­chen statt­lich und macht das Buch in mei­nen Augen abso­lut unver­käuf­lich. Tat­säch­lich haben wahr­schein­lich nur eini­ge Biblio­the­ken das Ding ange­schafft. Damit ist das Ziel der Dis­tri­bu­ti­on in mei­nen Augen ver­fehlt. Hät­te ich das durch TeX gejagt und hier auf dem Blog zur Ver­fü­gung gestellt, wäre wahr­schein­lich:

  1. mehr Geld durch Spen­den her­ein­ge­kom­men (momen­tan sind es 0 — in Wor­ten Null Euro, da ein Min­dest­aus­zah­lungs­be­trag erreicht wer­den muss)
  2. der Ver­brei­tungs­grad viel höher — für lau schau­en da mehr Leu­te hin­ein

Ein hal­bes Jahr danach habe ich ein Gespräch mit einer Bekann­ten aus der Ver­lags­bran­che geführt und ein müt­ter­li­ches Lächeln geern­tet. Tenor: Dem Ver­lag geht es nicht um den Ver­kauf des Wer­kes. Dem Ver­lag geht es dar­um, mit einem mög­lichst gro­ßen Port­fo­lio bei Groß­is­ten (Libri, Ama­zon usw.) gelis­tet zu sein. Damit die­se Lis­tung erfolgt, ist ein bestimm­ter Ver­kaufs­preis not­wen­dig. Dem Ver­lag geht es wei­ter­hin um den Auf­bau einer Back­list: Soll­te das The­ma der Arbeit noch­mals irgend­wann wirk­lich inter­es­sant für eine brei­te­re Öffent­lich­keit wer­den, kann der Ver­lag das dann kos­ten­güns­tig aus den Rech­ten sei­ner Back­list bestrei­ten. Da die Ver­öf­fent­li­chung für mich nicht mit Kos­ten ver­bun­den war, fällt natür­lich auch mei­ne Betei­li­gung dann sehr gering aus. Gut für den Ver­lag. Hät­te ich die­se Mecha­nis­men vor­her gekannt, hät­te ich nie mei­nen Text über einen Ver­lag dis­tri­bu­iert.

Wei­ter­le­sen

Ein Buch über die Entwicklung von Medienbildungskonzepten?

Ich schrei­be gera­de eine „exten­ded Ver­si­on” die­ses Arti­kels. Es geht um die Ent­wick­lung von Medi­en­bil­dungs­kon­zep­ten. Es ist kein Check­lis­ten­buch, aber es ent­hält z.B. ganz vie­le prak­ti­sche Bei­spie­le und Fra­gen­ras­ter, aber auch kurz umris­se­ne Din­ge zur Aus­stat­tung und Vor­ge­hens­wei­sen. Der Umfang wird etwa 130 Sei­ten betra­gen, von denen ca. 48 fer­tig sind.

Das Buch ist kein altru­is­ti­scher Selbst­zweck. Und ich mache es auch nicht, weil ich so gut bin. Ich bin ein sehr siche­rer Mensch — eigent­lich.

Zusam­men­ge­fasst geht es dar­um, wie ich das Buch unter die Leu­te brin­ge. Und es geht auch dar­um, wem gegen­über ich loy­al bin.

Opti­on A:

Ich arbei­te mit einem gro­ßen, renom­mier­ten Schul­buch­ver­lag zusam­men. Der ers­te Ver­trag gefällt mir über­haupt nicht, er steht in der guten, alten Tra­di­ti­on „Riecken und die Ver­la­ge”.

Das ist jetzt viel Nach­ver­hand­lung nötig und vor allen Din­gen auch viel Klar­heit dar­über, wie ich mit den Inhal­ten spä­ter wei­ter­ar­bei­ten möch­te. Der Ver­lag ist sehr fle­xi­bel — selbst CC-Lizen­zen wären mög­lich. Geld wird damit nicht zu ver­die­nen sein. Aber natür­lich sind die Ver­wer­tungs­rech­te (weit­ge­hend) weg. Und es ist halt ein Buch.

Man kommt aber an Ziel­grup­pen, die außer­halb der übli­chen Fil­ter­bub­b­le lie­gen. Und berühmt wird man auch, was viel­leicht den ein oder ande­ren bes­ser bezahl­ten „Fol­ge­auf­trag” nach sich zieht (Con­sul­ting, Refe­ra­te, Vor­trä­ge).

Opti­on B:

Ich mache das im Selbst­ver­lag — print on demand. Wäre eine span­nen­de Erfah­rung (Ich kann LaTeX) und wäre mir sicher, dass „Wer­bung” dafür durch Soci­al­me­dia irgend­wie läuft. Zusätz­lich kann man den Text online stel­len und z.B. durch Screen­casts und ande­re Medi­en immer wie­der ergän­zen, d.h. den Text als ler­nen­den orga­ni­sie­ren. Weil ich weiß, wie gut das mit ler­nen­den Tex­te funk­tio­niert (erst ges­tern hat wie­der jemand hier im Blog einen mei­ner Tex­te kor­ri­giert) , hät­te das schon Charme.

Das gäbe viel­leicht ein biss­chen Geld und etwas Renom­mé, jedoch noch weni­ger als bei Opti­on B. Aber die Rech­te blei­ben voll­stän­dig bei mir. Die Reich­wei­te ist bedeu­tend gerin­ger und im Wesent­li­chen auf die Fil­ter­bub­b­le beschränkt.

Opti­on C:

Ich mache das über mei­nen Dienst­herrn. Das geht. Der ist näm­lich toll. Dann wäre das qua­si auch Arbeits­zeit. Und es wür­de mei­nem Lan­des­in­sti­tut nüt­zen, das ich sehr schät­ze, weil ich dank ihm so arbei­ten kann, wie ich arbei­ten möch­te. Auch die Rech­te­ge­schich­te wäre so viel unkom­pli­zier­ter zu hand­ha­ben. Finan­zi­ell unter dem Strich am lukra­tivs­ten.

Opti­on D:

Ich pus­te das als OER raus. So wie sich die Com­mu­ni­ty das vor­stellt. Ohne NC. Am ehes­ten bei ZUM in Wiki­form. Total­ver­lust über die Inhal­te. Und es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass sich kom­mer­zi­el­le Play­er und Stif­tun­gen ganz schnell die­ser Inhal­te anneh­men und sie in ihrem Sin­ne ver­mark­ten. Das Geld in die­sem Feld machen dann ande­re. Gera­de im momen­ta­nen bil­dungs­po­li­ti­schen Umfeld. Dass Lehr­kräf­te OER außer durch Wor­te ver­gü­ten, habe ich noch nicht gese­hen. Aber es wäre ein­mal ein Expe­ri­ment, ob OER tat­säch­lich min­des­tens zum Min­dest­lohn funk­tio­niert — ich glau­be ehr­lich gesagt nicht dar­an.

Was meint ihr?

Wie soll ich das machen? Ernst­neh­men könn­te ich nur Ide­en, die auch mei­ne Posi­ti­on berück­sich­ti­gen bzw. die sich ein wenig in mich hin­ein­ver­set­zen.

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