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Gedanken zu Bildung, Lehre und Schule

Chemie: Fotometrie mit Kaliumpermanganatlösung

Dienstag 26. Januar 2010 von Maik Riecken

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Es gibt Geräte in der Chemiesammlung, um die man als Lehrer einen ehrfurchtsvollen Bogen macht, z.B. eine Gasmolwaage. Für mich gehörte lange Zeit auch das sündhaft teure Fotometer mit dazu, wir besitzen ein Novaspec II mit seriellem Anschluss. Dummerweise steht in diesem Jahr für den Schwerpunktkurs Chemie auf erhöhtem Niveau hier in Niedersachsen das Lambert-Beersche Gesetz auf dem Zettel, sodass man drei Alternativen hat:

  1. Es als Referat zu vergeben
  2. Es theoretisch durchzukauen – da gibt es im Netz hervorragende Praktikumsberichte
  3. In den sauren Apfel zu beißen und es praktisch zu probieren

Ich habe mich mich für die dritte Option entschieden, auch wenn damit die Verbindliche-Abitur-Vorgaben-Macher es damit geschafft haben, Lehrerfortbildung zum Nulltarif zu evozieren.

Ein Kollege ist am vergangenen Freitag extra länger geblieben, um mich in die Geheimnisse dieses Geräts einzuweihen. Glücklicherweise lässt es sich komplett mit einem Laptop fernsteuern – eine Lizenz für die Software AKAnalytik32.NET gibt es an der Schule auch. Mehr braucht es nicht.

Nach einer theoretischen Einführung der SuS in die Grundlagen der Fotometrie habe ich mich für die Untersuchung von Permanganatlösungen entschieden und das aus mehreren Gründen:

  1. Wässrige Redoxsysteme kann man sowieso nicht genug üben
  2. Kaliumpermanganat lässt sich auch zur Gewässeranalyse trefflich einsetzen zur Bestimmung des Anteil an oxidierbaren Substanzen und unser Haupthema ist die Gewässeranalyse (didaktische Integration/Kombination möglich)
  3. Permanganatlösung haben über eine recht breiten Spektralbereich eine brauchbar hohe Extinktion – da kann man nicht viel falsch machen
  4. Auch sehr niedrigkonzentrierte Lösungen c(KMnO4) = 0,001mol/L haben schon satt Farbe, woran sich die Empfindlichkeit des Verfahrens zeigen lässt

Die Stunde sah folgendermaßen aus (das Prinzip der Fotometrie war den SuS bereits bekannt):

Schritt 1: Aufnahme eines Vollspektrums zur Bestimmung einer geeigneten Wellenlänge für die Messung

Das ist mit der Kappenberg-Software supersimpel. Das Spektrum sah so aus:

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Organik: Quantitative Analyse

Montag 25. Januar 2010 von Maik Riecken

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Eine typische Aufgabe für den Anfang (Kohlenwasserstoffe) könnte so aussehen:

Bei der Verbrennung einer organischen Substanz, die nur aus den Elementen Kohlenstoff und Wasserstoff besteht, werden bei Normalbedingungen 0,63L Kohlenstoffdioxidgas und 0,63g Wasser gebildet. Berechne das Anzahlverhältnis zwischen Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen in dieser Verbindung.

Bei dieser Aufgabe ergibt sich im Verlauf der Rechnung ein Problem, welches wir im Chemieunterricht gerne durch eine entsprechende Frisierung der Ausgangsdaten umgehen: Wir bekommen zwei Zahlen mit Rundungsfehlern und müssen darauf ein ganzzahliges Anzahlverhältnis ermitteln, da es nunmal nur ganze Atome gibt. Für das obige Beispiel ergibt sich:

Stoffmenge des Kohlenstoffs

gegeben:

V(CO2) = 0,63L

Vm(CO2) = 24L/mol (Satz von Avogadro, Normalbedingungen: 25°C)

gesucht:

n(CO2)

allg. gilt:

n(CO2) = V(CO2) / Vm(CO2)

einsetzen:

n(CO2) = 0,63L / 24L/mol ≈ 0,026mol

Stoffmenge des Wassers:

gegeben:

M(H2O) = 18g/mol

m(H2O) = 0,63g

gesucht:

n(H2O)

allg. gilt:

M(H2O) = m(H2O) / n(H2O) ↔  n(H2O) = m(H2O) / M(H2O)

einsetzen:

n(H2O) = 0,63g /18g/mol ≈ 0,035mol

Pro Wassermolekül sind zwei Wasserstoffatome gebunden, sodass für die ursprüngliche Stoffmenge an Wasserstoff der doppelte Wert anzusetzen ist:

n(H) = 2*n(H2O) = 0,07mol

Das Problem:

Es ergibt sich ein Anzahlverhältnis

n(C) : n(H) = 0,026 : 0,07 ≈ 0,37

Wie komme ich jetzt auf ein ganzzahliges Anzahlverhältnis? Wie mache ich aus dieser Dezimalzahl wieder einen Bruch und berücksichtige dabei Rundungsfehler?

Ein Mathematikkollege brachte mich auf folgenden Ansatz:

0,37 = n(C)/n(H) ↔ n(C) = 0,37*n(H)

n(C) und n(H) sollen dabei möglichst nahe an einer Ganzzahl liegen.

(a) Den Graphen der Funktion zeichnen und schauen, an welcher Stelle dieses Kriterium erfüllt ist

(b) Einfach eine Wertetabelle anlegen, z.B. mit dem Taschenrechner, der bei uns ein Algebrasystem mit an Bord hat:

n(H) n(C)
1 0,37
2 0,74
3 1,11
4 1,48
5 1,85
6 2,22
7 2,59
8 2,96
9 3,33
10 3,7

Mit hinreichender Genauigkeit passt das 8. Wertepaar. Es gilt hier also:

n(C) : n(H) = 3 : 8

So geht es dann doch trotz der recht krummen Werte, denen man das ganzzahlige Verhältnis nicht auf den ersten Blick ansieht. Ok – man kann das auch auf molare Verhältnisse hochrechnen, aber so kommt der TR zum Einsatz  und langsamer ist es auch nicht.

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Chloridbestimmung nach Mohr

Mittwoch 9. Dezember 2009 von Maik Riecken

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Die Chloridbestimmung nach Mohr ist eines der wenigen Beispiele für Fällungstitrationen mit visueller Endpunktbestimmung, das auch in der Schule mit brauchbarer Genauigkeit funktioniert. Einziger Nachteil sind anfallende Chromatlösungen, die ob ihres großen Volumens erst nach dem Eindampfen ihren Weg in die Flasche mit den chromathaltigen Abfällen finden.

Prinzip dieser Titration

Silberchlorid besitzt ein recht kleines Löslichkeitsprodukt: KL(AgCl) = 1,7*10-10 mol2/L2. In einer gesättigten Silberchloridlösung sind nur sehr wenige Chloridionen enthalten, wie folgende kleine Rechnung zeigt:

gegeben/bekannt:

KL(AgCl) = 1,7*10-10 mol2/L2

Weiter gilt bei einer gesättigten Lösung, die ausschließlich Silberchlorid über einem Bodensatz enthält:

(1) c(Ag+) = c(Cl-)

da ja pro Silberion ein Chloridion frei wird. Zusätzliche Silber- oder Chloridionen in der Lösung verschieben das Gleichgewicht zwischen Bodenkörper und Lösung

(2) AgCl(s) ↔ Ag+(aq) + Cl-(aq)

lediglich weiter in Richtung des Feststoffes.

gesucht:

c(Ag+)

allgemein gilt:

KL(AgCl) = c(Ag+) * c(Cl-) =1,7*10-10 mol2/L2

bzw. unter Einbezug von Voraussetzung (1)

KL(AgCl) = c(Ag+) * c(Ag+) =1,7*10-10 mol2/L2

<=> c(Ag+)2 = KL

<=> c(Ag+) = √KL

einsetzen:

c(Ag+) = √1,7*10-10 mol2/L2 ≈ 1,3*10-5 mol/L

So viel bleibt also nicht übrig. Damit dürfte die Fällung das Prädikat “quantitativ” verdienen.

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Menschenversuch zum dynamischen Gleichgewicht

Freitag 5. Juni 2009 von Maik Riecken

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Dabei werden zwei Gruppen benötigt, z.B. Mädchen und Jungen. Alle müssen zur betreffenden Unterrichtsstunde einen Tennisball mitbringen (Mandarinen oder Äpfel funktionieren definitiv nicht…). Danach benötigt man ein einfaches Spielfeld, wie es auf jedem Tartanplatz vorhanden ist:

Spiel zum dynamischen Gleichgewicht

Spiel zum dynamischen Gleichgewicht

Beide Gruppen dürfen gerne unterschiedlich groß oder “gut” sein. Die Mädchen begeben sich in den einen Teil des Feldes, die Jungen in den anderen. Ziel ist es nun, die eigenen Tennisbälle in das Feld des Gegners zu rollen. Ankommende Bälle dürfen natürlich sofort wieder zurückgerollt werden. Das Werfen von Bällen ist verboten. Alle 15 Sekunden wird das Spiel unterbrochen und die Anzahl der Bälle für jedes Feld einzeln bestimmt. Dabei konnte ich z.B. folgende Werte ermitteln (16 Mädchen, neun Jungen):

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Mit so großen Dingern…

Freitag 24. April 2009 von Maik Riecken

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Ich liebe diese Klasse für ihre manchmal erfrischend unbefangene Art, die Worte und Sätze entstehen lässt, von denen man immer wieder gerne erzählt. Der neueste Klopfer lautet:

S: “Also Herr Riecken, mit so großen Dingern machen wir sonst nie Experimente!”

Stille. Beginnende Neukontextualisierung. Kollektiv denkende Stirnen wie selten in Chemie. Aufkeimende Erkenntnis.

Ich: “Glaub’ ich euch nicht.”

Ach ja – es ging um die Handhabung einer 10ml Pipette, die man anders als manche anderen “Dinger” eher nicht mit der Spitze gen Himmel hält, weil sonst die Pipettierhilfe je nach Inhalt Schaden erleidet. Damit kann man auch herumwedeln, sollte man aber nicht. Ich liebe die Schule. Wirklich.

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