Man sieht es schon an der Aufmachung der Seite, dass hier jemand am Werke ist, der einerseits über viel Erfahrung, andererseits über ein gehöriges Maß an Pragmatismus verfügen muss. Ausdrücklich empfohlen sei hiermit die Seite von Arne Pönitz. Ich mache gerade sein Partnerpuzzle zu dem Stoffgemischen und beste Erfahrungen. Ich habe noch nicht viel Material gesichtet, aber das, was ich gesehen habe, halte ich für gut einsetzbar – z.B. auch viele andere Versuche, die mich auf andere Gleise und Zugänge setzen – mit den Jahren neigt man ja doch dazu, manches, was gut funktioniert, immer wieder zu wiederholen. Es gibt dort auch Material zu Mathe und Informatik, was ich habe nicht beurteilen kann.
Einleitung
Dieser Artikel dient auch als kleines Experiment, um die Möglichkeiten des LaTeX-Plugins QuickLaTeX auszuloten. Ich bin recht beeindruckt von den Satzmöglichkeiten, die ich hier nur zu 90% optimiert habe… Da können jetzt also noch weitere Artikel aus der Serie “Wie man leicht sieht…” folgen. Dort habe ich für die Formeln einen Webdienst bemüht, der aus TeX-Syntax Vektorgrafiken erstellt – das sieht natürlich dann hübscher aus, tippt sich aber nicht so fluffig.
Zur Sache
Die Nernstsche Gleichung ist einer der fundamentalen Lerninhalte im Bereich der Elektrochemie und prinzipiell eigentlich nichts weiter als ein arg verklausurliertes chemische Gleichgewicht, also ein anderer Ausdruck für K – im Prinzip natürlich. In Schulbüchern läuft einem das Ding eigentlich fast nur in dieser Form über den Weg:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (1) \; U_{H(Ox/Red)} = U_{H(Ox/Red)}^0 + \frac{0,059V}{z}\cdot lg \left( \frac{c(Ox)}{c(Red)} \right) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-d0bf67031e8c0be267e58eeb3f08452e_l3.png)
oder auch:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (2) \; U_{H(Ox/Red)} = U_{H(Ox/Red)}^0 + \frac{0,059V}{z}\cdot lg (K) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-0bd9f8d6aa2ad7d956c709596fbb98f5_l3.png)
Wie erhält man nun die Nernstsche Gleichung für beliebige chemische Gleichgewichte?
Für das Chlorsystem gilt:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (3)\; Cl_{2(g)} \rightleftharpoons 2Cl_{(aq)}^- + 2e^- \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-a36b8129d34efb166aaa26c28c0aa862_l3.png)
Für dieses Gleichgewicht stellt die Nernstsche Gleichung quasi eine Umrechnungsvorschrift dar. So kann ich z.B. aus einem gemessenen Potential eine tatsächlich vorhandene Chloridionenkonzentration in einem Gleichgewicht berechnen. Dazu bestimme ich zunächst auf beiden Seiten der Gleichung (2) die zugehörigen Oxidationszahlen:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (4)\; \overset{\text{0}}{Cl_2(g)} \rightleftharpoons 2\overset{\text{-I}}{Cl_{(aq)}^-} + 2e^- \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-4a9aa486cf25f5ef93cc095811ffbc6b_l3.png)
Das Chloridion besitzt mit -I die niedrigere Oxidationzahl und ist damit die reduzierte Form (Red). Das Chlormolekül ist die oxidierte Form (Ox). Jetzt muss ich dem Term für K so aufstellen, dass die oxidierte Form oben steht:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (5) K = \frac{c(Ox)}{c(Red)} = \frac{c(Cl_2)\cdot c(e^-)^2}{c(Cl^-)^2} \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-1cac4ee157c0653aab2362bb9664e1b4_l3.png)
Elektronen und das Chlorgas besitzen in einer Lösung keine Konzentration bzw. diese kann als konstant angenommen und gleich 1 gesetzt werden. Damit lautet die Gleichung:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (6) \; U_{H\;(Cl_2/Cl^-)} = U_{H\;(Cl_2/Cl^-)}^0 + \frac{0,059V}{2}\cdot lg \left( \frac{1}{c(Cl^-)^2}\right) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-dc8f9ae37c82176fb268d7814c8c4e20_l3.png)
Freundlicherweise gilt außerdem:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (7) \; lg(a)^b = b \cdot lg(a) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-4d87cd0395b15bee43d348405e9a8b98_l3.png)
d.h., ich kann die Potenz aus dem Nenner des letzten Faktors vor den Ausdruck ziehen, weil der Zähler netterweise gleich 1 ist:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (8) \; U_{H\;(Cl_2/Cl^-)} = U_{H\;(Cl_2/Cl^-)}^0 + \frac{0,059V}{2}\cdot 2 \cdot lg \left(\frac{1}{c(Cl^-)}\right) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-0bee3a0c78d5f99ba12d32e1ebf59fcc_l3.png)
und dann kürzen:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (9) \; U_{H\;(Cl_2/Cl^-)} = U_{H\;(Cl_2/Cl^-)}^0 + 0,059V \cdot lg\left(\frac{1}{c(Cl^-)}\right) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-2bd94091a4d8b3c1914631034f5bd838_l3.png)
Chemiebücher schreiben die Nernstsche Gleichung gerne anders auf, wenn die reduzierte Form die lösliche ist, indem sie meist stillschweigend voraussetzen, dass gilt:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (10) \; lg\left(\frac{a}{b}\right) = -lg\left(\frac{b}{a}\right) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-8a19667e0dd8d35e92c13784179141b8_l3.png)
also hier konkret:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (11) \; U_{H\;(Cl_2/Cl^-)} = U_{H\;(Cl_2/Cl^-)}^0 + \frac{0,059V}{1}\cdot - lg\left(\frac{c(Cl^-)}{1}\right) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-8d30b6b628039a43017e125ac11505e9_l3.png)
bzw. mit vorgeholtem Minuszeichen und anderer Bruchschreibweise:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (12) \; U_{H\;(Cl_2/Cl^-)} = U_{H\;(Cl_2/Cl^-)}^0 - 0,059V \cdot lg \left(c(Cl^-)\right) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-155ddd1f98c0ede6c20dd2d33c60c3f3_l3.png)
Ich finde diese Unterscheidung nicht besonders sinnvoll. Natürlich sieht die Gleichung so für SuS erstmal einfacher aus, aber es bleibt eben das Problem, wann ein Minuszeichen und wann ein Pluszeichen in der Nernstschen Gleichung verwendet werden soll/muss. Ich lege mich im Unterricht immer auf die Variante mit dem Pluszeichen fest. So bekommt man jedes Redoxsystem durch eine einfache Schrittfolge in den Griff.
Ein schweres Beispiel
Das Permanganatsystem ist schon nicht ganz einfach.
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (13)\; MnO_{4(aq)}^- + 8H^+ + 5e^- \rightleftharpoons Mn_{(aq)}^{2+} + 4H_2 O_{(l)} \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-f20dc77d993f5280e2acf5173f442b9a_l3.png)
Schritt 1: Oxidationszahlen bestimmen – Wo ist die reduzierte Form?
Dafür schauen wir uns die Permanganat- und Manganionen an:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (14)\; \overset{\text{+VII}}{Mn}O_{4(aq)}^- + 8H^+ + 5e^- \rightleftharpoons \overset{\text{+II}}{Mn_{(aq)}^{2+}} + 4H_2 O_{(l)} \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-de5012a42f923964213d095a1f9897f3_l3.png)
Das Manganion besitzt die niedrigere Oxidationszahl, ist also die reduzierte Form. Demnach muss die rechte Seite der Gleichung im Term für K nach unten.
Schritt 2: Ausdruck für K bestimmen
Die Konzentration des Lösungsmittels Wasser kann als konstant angenommen und gleich 1 gesetzt werden, taucht im Nenner also nicht mehr auf:
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (15)\; K=\frac{c(MnO_{4(aq)})^- \cdot c(H^+)^8}{c(Mn_{(aq)}^{2+})} \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-99846cf46da71debae632cdd44933756_l3.png)
Schritt 3: Ausdruck in die Nernstsche Gleichung einsetzen
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ (16) \; U_{H\;(MnO_{4(aq)}/Mn_{(aq)}^{2+})} = U_{(MnO_{4(aq)}/Mn_{(aq)}^{2+})}^0\right) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-166f91554a521d31b2fd7d8a71dc4c05_l3.png)
![Rendered by QuickLaTeX.com \[ + \frac{0,059V}{5}\cdot lg \left( \frac{c(MnO_{4(aq)})^- \cdot c(H^+)^8}{c(Mn_{(aq)}^{2+})} \right) \]](http://riecken.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-1100e4911b22da85f3d0e149ccf46552_l3.png)
In diesem Teil der Serie gibt es viel für die Augen…
- Sascha Lobo sagt auf der Res Publica 2011 sehr viel zur digitalen Gesellschaft, was 1:1 auch auf Lehrer übetragbar ist – mir natürlich aber auch in dem Originalkontext gut gefällt. Wer mag, kann dazu z.B. bei Herrn Larbig vor allem auch in den Kommentaren weiterlesen.
- Neu auf YouTube ist die ARTE-Dokumentation “Kaufen für die Müllhalde” zu sehen. Schön, dass wir in der Netzwelt nie das Neueste wollen…
- Dazu passt nach wie vor Ellis Blog – ein Jahr in Afrika. Es gibt Probleme und Probleme auf der Welt und eben Probleme, die anderswo viel mehr Probleme machen.
- Bei Walter Fendt gibt es tolle Physikapplets (teilweise auch in Chemie anwendbar) – die muss man auch nicht wegwerfen…
- Wer schon immer einmal ein Elektronrastermikroskop für die Schule selbst bauen wollte, wird hier fündig – schlappe 2000,- Dollar, Software nicht inklusive.
- 500t TNT explodieren ungefähr so. Naja – zumindest strahlt es hinterher nicht.
Ansonsten beginnen hier die Osterferien mit der OpenOffizierung der Erwartungshorizonte für das Chemieabitur für meine 15 Abiturklausuren auf erhöhtem Niveau. Ich bereite dazu auch etwas auf dem Dienstweg vor. Wird im nächsten Jahr bestimmt wieder anders. Vielleicht sollte ich mich auch von Sätzen wie:
Ich bereite euch nicht auf das Abitur vor. Ich möchte, dass ihr im Neben- oder Hauptfach Chemie auf dem weiteren Bildungswegs gut klarkommt! (dann bekommen sie ihr Abitur übrigens auch… )
endgültig verabschieden…
Ich leite gerade einen Abdeckerkurs Naturwissenschaften. Den besuchen Schülerinnen und Schüler, um Belegungspflichten zu erfüllen – er muss ins Abitur eingebracht werden und es werden auch zwei Klausuren geschrieben, aber im Prinzip ist dieser Kurs eine Formalie. Entsprechend wenig würde man klischeehaft gedacht dann von den Schülerinnen und Schülern an Leistungsbereitschaft erwarten. Das ist aber nicht so.
Erfahrung 1:
Die Mitarbeit ist dann am intensivsten, wenn ich anspruchsvollen Stoff aufbereite. Vermeintlich fluffige, vom Kurs selbst gewünschte Themen – z.B. Drogen und Medikamente – verloren schnell an Schwung, da das dazu notwendige chemische und biologische Wissen doch recht komplex ist, um es sich nebenbei anzueignen. Grundlagenchemie, die anderen Fächern dient, z.B. Fette, Eiweiße oder Zucker wurden gerne mitgenommen – obwohl das eigentlich recht klassisch ist.
Erfahrung 2:
Wir machen gerade ein Projekt (Ich war aber der Böse, der es vorgeschlagen hat…). Dabei wollen wir rund um das Thema Farben Kindergartenkindern chemisches Denken vermitteln, z.B. mit
- Rotkohlindikator
- Papierchromatographie
- einer selbst gebauten Lavalampe, deren Funktion auf Dichteunterschieden beruht
- Gas- und Schaumbildung (Teilchennmodell)
- Milchbildern (Tenside und Lebensmittelfarbe)
Dabei werden uns tatsächlich Kindergartenkinder besuchen. Die Versuche haben die SuS selbst erarbeitet. “Pütscher, pütcher, pütscher” ist dabei zu wenig – es soll auch ein bisschen auf kindgerechtem Niveau um Naturwissenschaft gehen – Was haben Lebensmittel gemeinsam, die Rotkohlsaft rot färben usw.?
Diese Woche durften einige aus dem Kurs “Kind” spielen und die Stationsbetreuer sollten mit ihnen die Aufgabe an der Station durchführen. Erstmal mögen auch Oberstufenschüler gerne Kinder spielen und es kam tatsächlich auch zu durchaus realen Katastrophen (Nichteinhaltung der Versuchsbeschreibungen, wildes Herumgemansche usw.).
Eine Gruppe hatte ihren Versuch perfekt vorbereitet – er klappte wie am Schnürchen und auch sinnvolle Vorbereitungsversuche waren integriert. Allein – sie konnten ihren Versuch überhaupt nicht vermitteln und schon gar nicht kindgerecht.
Mögliche Reaktion von mir: “Hm – also das war ja eindeutig Teil der Aufgabe und diese Leistung geht jetzt in die Gesamtnote ein!”
Es reichte ein: “Am … sitzen da sechs neugierige Kinderaugen, die sich auf den Tag gefreut haben und euch anschauen.” – Das saß.
Das hat mich berührt. Ich hatte den Eindruck, dass die SuS in diesem Moment etwas verstanden hatten, was sie durch die erste Reaktion nie hätten lernen können. Vielleicht denke ich da jetzt zu romantisch: Aber eventuell braucht Schule mehr von diesen Erkenntnisprozessen.
Es steht im Prinzip auch im Curriculum so drin, aber dort stehen eben auch lange Listen von abiturrelevanten Themen. In einem Abdeckerkurs ist das fast egal – Halbjahresnote und gut. In einem Kurs auf erhöhtem Niveau habe ich nicht die Zeit für dererlei Luxus. Das vermeintlich Unwichtige bietet in der Schule nach meiner Erfahrung viel mehr Raum für Freiheit und Experimente. Deswegen bin ich auch ein Freund des Seminarfachs.
Die Herausforderung:
In der Chemie hat man es sehr oft mit Zahlenverhältnissen zu tun – seltener mit Massenverhältnissen. Das einfachste Beispiel ist die sogenannte Summen- oder Verhältnisformel. So bedeutet
Cu2S
etwa, dass im Stoff Kupfer(I)-Sulfid immer zwei Kupferatome auf ein Schwefelatom kommen, bzw. das Anzahlverhältnis von Kupfer- zu Schwefelatomen
2:1
beträgt. Nun haben wir so gewisse Probleme, Atome in der realen Welt optisch auszumachen – zwar kann unser Auge wenige Photonen wahrnehmen, einzelne Atome lassen sich damit jedoch nicht anschauen. Selbst Elektronenrastermikroskope (stehen eher nicht in der Schule herum) machen im Prinzip lediglich Elektronen(-hüllen) durch Elektronen sichtbar – die dort abgebildete Wirklichkeit passt jedoch erstaunlich gut zur Quantentheorie. Dennoch kommt der Begriff “Atom” (von griech. ἄτομος/átomos) schon in der Antike und weit vor der Erfindung des Rastermikroskops vor. Wie um Himmels Willen sind die Menschen darauf gekommen, dass unsere Welt aus winzigen, kleinen Teilchen besteht?
Im Wesentlichen wurde zu experimentellen Befunden eine Theorie entwickelt. Lässt man Stoffe miteinander reagieren, so tun sie das immer in einem ganz bestimmten Massenverhältnis. Ein klassisches Beispiel ist dieser Versuch. Wie kommt man aber von der Tatsache, dass Stoffe in einem bestimmten Massenverhältnis miteinander reagieren, zur Annahme, dass Atome, d.h. winzige Teilchen mit weitgehend konstanter Masse existieren?
Meine bisherigen Lösungansätze
Schritt 1:
Ich mache im Unterricht diesen oder diesen Versuch, bzw. lasse ihn die SuS machen. Ich achte darauf, dass die Ergebnisse ungefähr hinkommen – deswegen schiebe ich oft noch die Kupferoxidgeschichte hinterher, wenn der erste Versuch nicht so eindeutig verläuft. Man bekommt heraus, dass Stoffe nicht in jedem beliebigen Massenverhältnis miteinander reagieren – anschaulich wird das besonders dadurch, indem man für jede Teilmessung normiert, d.h. z.B. immer berechnen lässt, mit wie welcher Masse Schwefel bzw. Sauerstoff 1g Kupfer reagiert hätte. Dafür braucht es heute nicht einmal einen Dreisatz mehr, da ich hier in Niedersachsen Raubbau in der Mathematik betreiben kann. Die lehrt Proportionalitäten in ihren Spiralcurriculum nämlich so:
Man muss nur operationalisieren, wie man auf den Faktor kommt (Fall 1: Die Zahl 1 ist kleiner als der Messwert, Fall 2: Die Zahl 2 ist größer als der Messwert). – das kennen die SuS aber eigentlich aus dem Mathematikunterricht, bzw. das kommt dann schnell wieder. Früher habe ich tatsächlich Verhältnisgleichungen mit den SuS aufgelöst oder Geraden mit Steigungsdreiecken gezeichnet. Damit erlebe ich heute eher keine Erfolge mehr. Es ist eben so wie es ist und die oben skizzierte Rechenoperation ist durch den Mathematikunterricht in der 7. Klasse hier in Niedersachsen sicher eingeführt.
Schritt 2:
Ich verteile zwei Arten von Kugeln. Leichte und schwere Kugeln, wobei die Kugeln beider Gattungen aber ungefähr die gleiche Masse haben. Jede Gruppe erhält zusätzlich eine Waage und soll mit einem definierten Startwert von Kugeln beginnen, also etwa drei leichten und einer schweren Kugel. Die Masse der leichten Kugel wird insgesamt bestimmt wie auch die Masse der schweren Kugel. In den weiteren Durchgängen soll das Massenverhältnis von leichten und schweren Kugelportionen stets erhalten bleiben und die jeweiligen Anzahlen von leichten und schweren Kugeln sollen notiert werden.
Eine Tabelle könnte dann so aussehen:
| m(Kugelportion,leicht) | m(Kugelportion,schwer) | Quotient(leicht/schwer) | n(Kugeln, leicht) | n(Kugeln,schwer) | Quotient(leicht(schwer) |
| 5g | 5g | 1 | 3 | 1 | 3 |
| 10g | 10g | 1 | 6 | 2 | 3 |
| 15g | 15g | 1 | 9 | 3 | 3 |
Herauskommen soll natürlich: Halte ich das Massenverhältnis der beiden Kugelarten konstant, so bleibt auch das Anzahlverhältnis konstant. Ich fürchte bloß, dass heute kaum noch etwas mit dem Begriff “Zahlenverhältnis” anfangen kann – natürlich könnte ich bei der Tabelle wieder hergehen und jeweils auf eine schwere Kugel normieren…
Schritt 3:
Was bedeutet das für den Versuch mit Kupfer und Schwefel bzw. Sauerstoff? Eine mögliche Erklärung für unsere Beobachtung der konstanten Massenverhältnisse könnte darin liegen, dass die Stoffe Kupfer und Schwefel aus einander gleichen, aber stoffspezifisch unterschiedlich schweren “Kugeln”, den Atomen aufgebaut sind – es gibt fairerweise auch andere Erklärungen, aber das klingt erstmal plausibel. Die Kiste so zu erklären deckt sich zudem mit anderen Beobachtungen aus der Chemie.
Schritt 4:
Dann kommt ein kleiner Exkurs in den Begriff des Verhältnisses. Ich arbeite immer mit Mädchen- und Jungenportionen in einer Klasse: Wenn jeder Junge 40 Kilo wiegt, wie viele Jungen sind dann in einer Jungenportion mit einer Masse 400 Kilo enthalten? Dann ist der Weg zur Berechnung von Anzahlverhältnissen nicht mehr weit.
Von
n(Junge)=m(Jungenportion)/m(Junge)
ist es dann auch nicht mehr weit zu
n(Kupferatom)=m(Kupferportion)/m(Kupferatom)
Man kann sogar ketzerische Fragen stellen, on die Jungen lieber in Klasse a) wäre, für die gilt:
n(Jungen)/n(Mädchen) > 1
oder in Klasse b), für die gilt:
n(Jungen)/n(Mädchen) < 1
Problem:
Ich finde keinen überzeugenden Übergang von Schritt 2 zu Schritt 3. Ich muss das im Unterricht immer übers didaktische Knie brechen. Ich habe in diesem Jahr auch schon Schritt 4 vorgezogen… Immer seltener höre ich diesen Gedankengang von meinen SuS. Vielleicht ist Schritt 2 ja auch doof. Oder die SuS gehen in ihrem Alltag selten mit Verhältnissen um… . Vielleicht lässt sich im Vorwege noch mehr und etwas anders machen. Habt ihr da draußen Ideen? Ich hätte es schon gerne etwas selbstbestimmter, weil für mich genau so etwas ja auch naturwissenschaftliches Denken ausmacht.



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