Transaktionskosten (Weltverbessererfehler)

In den Ferien habe ich mich etwas mit Wirtschaftstheorie, genauer der Transaktionskostentheorie beschäftigt. Darüber könnte man jetzt viel schreiben und einige Zitate bringen. Ich beschränke mich dabei jedoch auf einige Beispiele, mit denen ich

  1. zeigen will, was Transaktionen in Bezug auf Schule und Beratungssysteme sein könnten
  2. viel darüber nachgedacht habe, inwieweit meine Arbeit als Lehrkraft und medienpädagogischer Berater wirksam ist, bzw. wie sich diese Wirksamkeit optimieren lässt

Die Gedanken dazu sind etwas komplexer, daher wird das mindestens ein zweiteiliger Artikel – also bitte etwas Geduld, wenn nicht sofort auf die Eingangspunkte komme.

Vereinfacht nehme ich einmal an, dass in meinem Umfeld Transaktionen vor allem mit „Kommunikations- und Abstimmungsbedarf“ gleichzusetzen sind.

 

Transaktionskosten und Hierarchie

Der Zukunftsforscher Max Horx verdeutlicht in seinem Buch des Wandels das Prinzip der Transaktionkosten am Beispiel einer wachsenden Firma.

Zuerst besteht diese nur aus zwei Personen, die alles machen, sich schnell abstimmen und extrem flexibel auf Marktanforderungen und Wünsche reagieren können. Bald gibt es jedoch so viele Kunden, dass zwei Personen deren Betreuung nicht mehr allein zu realisieren vermögen.  Also werden mehr Mitarbeitende eingestellt. Der Geist der Firma – die offene Kommunikation (Kommunikation ist eine Form der Transaktion) – soll aber erhalten bleiben. Schon mit zwei weiteren Mitarbeitenden steigt dadurch der Zeitaufwand, um alle zu allen Details zeitnah zu informieren, solange die Hierarchie flach bleibt. Bald sind die beiden ehemaligen Gründer einen Großteil ihrer Zeit nur noch damit beschäftigt, Kommunikationsabläufe für ihre Firma zu realisieren – die Transaktionskosten steigen.

Eine stark ausgeprägte (steile) Hierarchie hingegen senkt genau diese Transaktionskosten, da die Mitarbeitenden eben „zu machen“ und nicht abzustimmen haben. Nicht umsonst sind z.B. unsere Notstandsgesetze nicht demokratisch ausgerichtet: Im Katastrophen- oder Kriegsfall sind Diskussionen oder Benehmensherstellungsprozesse viel zu langsam. Die Transaktionskosten müssen dann unter allen Umständen minimiert werden. Autoritäre Systeme funktionieren hier am besten, jedoch nur, wenn eine zweite Komponente mit ins Spiel kommt: Das Vertrauen.

 

Transaktionskosten und Vertrauen

Als Jugendleiter bin ich ich einmal auf einem große dänischen See in eine bedrohliche Lage gekommen. Selbst einen schwer beladenen Kanadier mit zwei Teilnehmenden an Bord als Steuermann in meiner Verantwortung musste ich mit ansehen, wie ein anderes Boot mit zwei Jungen in schwerem Wellengang zu kentern drohte und auch schon Wasser genommen hatte. Es war kalt, windig und die anderen Boote waren längst außer Sicht. Die beiden Jungen wollten völlig verängstigt aus dem Boot springen und an Land schwimmen (Sumpfgebiet). Ich hatte nicht die Zeit für Trost, nur noch für Autorität und sehr harte Worte. Die Situation ließ sich meistern, weil ich die Transaktionskosten senken konnte und weil die beiden Jungen mir blind vertraut haben – mehr als ihren eigenen Gefühlen und Körpern. Ich sage heute noch oft schmunzelnd, dass ich damals mit linken Anarchisten komplett abgesoffen wäre.

 

Zwischenfazit

  1. Transaktionskosten steigen mit der Größe eines Systems
  2. Transaktionskosten steigen, je flacher Hierarchien sind
  3. Eine ausgeprägte Hierarchie senkt Transaktionskosten
  4. Vertrauen senkt Transaktionskosten

 

Beispiele

  1. Die (Bundes-)Piratenpartei ist groß, strebt eine möglichst flache Hierarchie an und vertraut ihren Repräsentanten nicht oder nur wenig. Sie wird an ihren Transaktionskosten kollabieren.
  2. Das Internet ist zunächst dazu geeignet, Transaktionskosten (z.B. Zwischenhändlersysteme, Meinungsgatekeeper usw.) zu senken, jedoch sehr groß und noch recht flach von seiner Hierarchie her. Das mit dem Vertrauen schwankt so.

 

Transaktionskosten und Schule

Schule ist bezogen auf diese Theorie sehr paradox: Einerseits haben wir eine deutlich ausgeprägte Hierarchie in der Schulstruktur. Anderseits versucht gerade dieses System, Aspekte mit hohen oder schwer kalkulierbaren Transaktionskosten an die einzelnen Schulen selbst zu delegieren (z.B. Datenschutz, Ausgestaltung der Curricula, Qualitätsmanagement, Inklusion usw.). Das Vertrauen in die Kultusbürokratie scheint mir dabei gleichzeitig nicht besonders hoch zu sein. Laut der Transaktionskostentheorie müsste dieses System also eigentlich kollabieren. Mir ist auch immer wieder ein Rätsel, warum das nicht geschieht, aber im Kern scheint es etwas mit der grundsätzlich autokratischen Organisation von Schulstrukturen zu tun zu haben.

Meine Hypothese ist, dass das System Schule mittlerweile zusätzliche Transaktionskosten zehn Meilen gegen den Wind riechen kann und bestrebt ist, ebendiese unter allen Umständen möglichst niedrig zu halten. Gleichzeitig bewahrt es bestehende Systeme mit extrem hohen, aber eben durch die Jahre kalkulierbar gewordenen Transaktionskosten um fast jeden Preis, z.B. eine bestimmte Konferenzkultur, die im Wesentlichen oft nur Zeit verbrennt.

Wer Veränderungsprozesse initiieren möchte, muss im Blick haben, dass er gleichzeitig neue, noch nicht kalkulierbare Transaktionskosten erzeugt („Ja, aber das mit den Medien muss aber in ein Gesamtkonzept!“), und gleichzeitig auch noch andere, von den Kosten her „sicher“ kalkulierbare Systeme bedroht („Ja, aber über Aushänge kommuniziert man doch total ineffizient!“). Daraus ergeben sich für mich Konsequenzen für mein Verhalten als Berater. (Fortsetzung folgt)

 

Arbeit an Strukturen

Schon vor den Sommerferien ergab sich auf Twitter eine für mich sehr interessante Fragestellung. Kern war die Diskussion, inwieweit Arbeit an Strukturen außerhalb der eigenen Person sinnvoll und möglich ist. Ich habe diese Frage auch noch einmal auf einer SchiLF aufgeworfen. Ich gebe eine paar Statements aus beiden Quellen wieder, die ich nur sinngemäß zusammenfasse:

„Verändern kannst du dich nur selbst. An den Strukturen, die dich umgeben, arbeitest du dich kaputt.“

„Wenn du für dich sorgst, dann haben du und deine SuS viel gewonnen.“

„Wenn immer mehr Menschen so denken und handeln, dann wird sich auf lange Sicht auch die Struktur verändern.“

[…]

Dahinter steckt ja eine Haltung, aber eben auch eine Erfahrung mit dem bestehenden System. Es geht nicht mehr um „Bildung hacken“, sondern offenkundig – sehr überspitzt formuliert – um die Schaffung individueller Wohlfühlblasen – Stress und Anfeindungen gibt es im System ja wahrlich schon genug.

Ich halte das für eine Kapitulation. Und ich halte das für eine Aufgabe eines solidarischen Prinzips. Meine Wohlfühlblase nützt nämlich einem Gegenüber ggf. gar nichts, weil es u.U. nicht einmal mehr in der Lage ist, von mir die Struktur „Aufbau einer Wohlfühlblase“ zu übernehmen. Selbst wenn, würde dann irgendwann die Anforderung von Links zwischen den Blasen entstehen, wodurch der Stress wieder beginnt. Klar – ich könnte mich selbst jetzt vieler positiver Aspekte meiner existierenden Blase rühmen, aber ich bekomme damit zunehmend Schwierigkeiten.

Man wird mir entgegenhalten, dass der Aufbau von Wohlfühlblasen sowohl ein Recht als auch eine Notwendigkeit ist, um selbst gegen destruktive Einflüsse zu bestehen. Schließlich ist ja nichts damit gewonnen, in selbstzerstörerischen Aktionen im Meer der Selbstausbeutung oder menschenverachtenden Zynismus zu versinken.

Wenn ich mit meinem begrenzten historischen Horizont in die Geschichte schaue, fällt mir aber keine nachhaltige Strukturveränderung ein, die sich in der Wohlfühlzone abgespielt hat, sondern sehr oft waren diese Umwälzungen mit persönlichem Risiko aller Aktiven verbunden.

Daher glaube ich nicht in Ausschließlichkeit an das Konzept

„Wenn viele Menschen an vielen kleinen Orten kleine Dinge tun, wird sich das Gesicht der Welt verändern.“

Aber wie ändert man Strukturen ohne daran zu scheitern?

Zunächst einmal glaube ich, dass das Scheitern selbst eine unausweichliche Nebenwirkung eines solchen Vorhabens ist. Jede Struktur hat aber Schwächen, die sie nur bedingt zu kompensieren vermag. Effizient sind Menschen, die diese Schwächen gezielt finden und ausnutzen können. Was geschieht z.B., wenn sich an Schulen mit Handybenutzungverbot alle SuS ganz offen nicht daran halten?

Ein makabres Musterbeispiel ist in meinen Augen dabei der Terrorismus. Er schafft es mit extrem wenig Ressourcen und gezielten, exemplarischen Schlägen, Gesellschaften zu verändern. Verglichen mit anderen Bedrohungen sind die Todeszahlen bei terroristischen Anschlägen sehr gering. Dennoch wird keine andere Struktur so oft dazu herangezogen, Systemveränderungen im Hinblick auf verringerte Freiheit des Einzelnen zu rechtfertigen und zunehmend auch durchzusetzen. Das schafft in meinen Augen der Terrorismus dadurch, dass er Strukturen der öffentlichen Ordnung bedroht: Mit wenig Aufwand stellt er die Funktionsfähigkeit staatlicher Exekutive in Frage und verringert so das individuelle Sicherheitsempfinden. Damit zerstört er eine funktionsfähige Struktur keineswegs – er greift sie nur partiell in einer sehr destruktiven Art und Weise an – jedoch unglaublich effizient und zwingt sie so zu gravierenden strukturellen Veränderungen. Wer mehr darüber wissen möchte und auch im die dahinerstehenden Gedankengänge, möge sich die entsprechende TNG-Folge anschauen, die genau dieses Phänomen schon weit vor 9/11 thematisiert hat.

Keine Sorge – jetzt kommt nicht der Aufruf, Pflastersteine und Molotowcocktails gegen Verwaltungsgebäude der Kultusbürokratie zu werfen. Jetzt kommt – wie immer – ein fiktives Beispiel, das im Schulalltag so  – natürlich – nie, nie vorkommt und an den ich zeigen will, was Arbeit an Strukturen für mich bedeuten kann. Es geht um eine Fachschaft, die etwas für den Unterricht beschaffen möchte. Die Struktur könnte so aussehen:

Mit dem dem „Wohlfühlblasenansatz“ wird sich diese Struktur wieder und wieder wiederholen. Ich persönlich kann mir eine andere Struktur vorstellen:

Arbeit an Struktur bedeutet für mich dann „nichts“ weiter als mir darüber Gedanken zu machen, wie ich Impulse setzen kann, um die eingefahrene, erste Struktur zu verändern, die u.U. natürlich gewachsen ist und auch ihre Berechtigung hat. Das Ändern dieser Beispielstruktur, die keineswegs nur typisch für das System „Schule“ ist, birgt Risiken:

  1. Es wurde u.U. immer schon so gemacht und ist „demokratisch“ akzeptiert
  2. Eine Metaebene, d.h. Nachdenken über die eigenen Strukturen tut immer weh, weil sie weniger als Chance, sondern als Kritik internalisiert ist.
  3. Es wird u.U. als alternativlos im Kontext von Schule gesehen, weil es z.B. kaum „Fachleute“ in ausreichender Zahl gibt
  4. Fortbildung bedeutet immer Ressourcenaufwand in Form von Aufmerksamkeit und Zeit. Beide Güter sind rar. Der temporäre Mehraufwand wiegt u.U. schwerer als die Perspektive kontinuierlicher Entlastungen bzw. Erleichterungen
  5. […]

Es gibt also genug Punkte, an denen man bei seinem Vorhaben, diese Struktur zu ändern, scheitern kann, was schon bei diesem kleinen Beispiel zu starken Störungen in der eigenen Wohlfühlblase führt.

Aber ist es effektiv, das in dieser Fom weiterlaufen zu lassen und einfach darauf zu warten, dass mehr Menschen das ähnlich sehen (aber dann auch nicht ihre Wohlfühlblase verlassen)? – wieder sehr überspitzt, klar.

Ich denke, dass jedem in seinem Umfeld Strukturen einfallen, die optimierbar sind. Minimalkonsens: Andere gewähren lassen, die Strukturen verändern wollen und ihnen offen bzw. mindestens neutral entgegentreten. Sie werden ja schon sehen, was sie davon haben, oder?

PS – Workshopidee:

  1. Strukturen visualisieren, die mich nerven (z.B. mit Flussdiagrammen)
  2. Gemeinsam mit anderen überlegen, warum diese Struktur genau so ist, wie sie ist – aber allein auf Basis der Visualisierung!
  3. Gemeinsam mit anderen Schwachpunkte und Ankerpunkte für Veränderungsansätze in dieser Struktur erarbeiten
  4. Zurück in der Struktur das Erarbeitete ausprobieren
  5. Gemeinsam auf einem weiteren Treffen die Ergebnisse vorstellen und nachbereiten.

Technologie allein löst und initiiert nichts

In der Chemie gibt es den Begriff des dynamischen Gleichgewichts. Damit ist nicht ein statisches Gleichgewicht auf einer Pendelwaage gemeint, sondern eines, dass sich durch ständige Veränderungen auszeichnet. Diese Veränderungen vollziehen sich jedoch auf der Mikroebene und sind für unsere Sinne nicht wahrnehmbar, so dass es in der Summe so scheint, als verändere sich nichts. Ein gutes Beispiel dafür ist eine geschlossene Sprudelflasche. Zwischen dem Sprudelwasser und der auch in der Flasche eingeschlossenen Luft besteht folgendes Gleichgewicht:

    \[ (1)\; HCO_{3(aq)}^- + H_3O^+_{(aq)} \rightleftharpoons CO_2_{(g)} + 2H_2O_{(l)} \]

Gelöste Kohlensäure (linke Seite) sprudelt aus der Flasche und zersetzt sich dabei in Kohlenstoffdioxid und Wasser. In einer verschlossenen Sprudelflasche steigt dadurch der Druck in der Gasphase unter dem Schraubdeckel. Mit höherem Druck läuft die Gleichung (1) wieder rückwärts, d.h. Kohlenstoffdioxid löst sind unter Bildung von Kohlensäure wieder im Sprudelwasser. Irgendwann pendelt sich das ein: In dem Maße wie Kohlenstoffdioxid entsteht löst es sich auch wieder. Sowohl der Druck in der Flasche als auch die Konzentration der Kohlensäure im Sprudel ändern sich nicht mehr – für uns sieht es dann so aus, als geschehe gar nichts mehr.

Kurzfassung:

Jemand, der von außen auf ein solches System schaut, sieht nichts, bzw. nimmt nichts wahr. Er weiß aber, dass mehrere Faktoren in der Flasche eine Rolle spielen: Kohlensäure, Kohlenstoffdioxid, Druck usw.. Wann immer er misst, verfeinert er nur seine Sinne – die Messung ändert am System selbst nichts.

Dynamische Gleichgewichte haben eine witzige Eigenschaft. Unser Außenstehender könnte jetzt auf die Idee kommen, z.B. einfach den Druck im System zu erhöhen, um eine Veränderung herbeizuführen. Wie reagiert das System darauf?

Mehr Druck ist „unangenehm“ bzw. eine Störung. Also wird das System dafür sorgen, dass mehr gasförmiges Kohlenstoffdioxid gelöst wird und damit der äußere Druck kompensiert ist – in der Chemie sagt man, dass das System so ausweicht, dass die Auswirkungen eines äußeren Zwanges minimiert werden (Gesetz von Le Chatelier). Lässt der äußere Druck nach, justiert sich das System wieder auf den Ursprungszustand zurück.

Um das System zu ändern, muss ich nicht an einem Parameter drehen, sondern ich muss z.B. die Flasche aufschrauben. Das ist bei Sprudelflaschen begrenzt mühsam, da das Aufschrauben ja mit einer Druckentlastung verbunden ist und sich der Deckel dadurch recht leicht löst. Soziale Systeme halten ihren Deckel oft von innen fest.

Und jetzt zur Technologie

Technologie trifft immer auf ein soziales System. Wenn ich einer Schule einen Computerraum hinstelle, wird mit Computern gearbeitet werden. Es wird dabei einige wenige geben, die damit eine neue Methodik und Didaktik entwickeln. Es wird aber auch Menschen geben, die den impliziten Druck dadurch mindern, dass sie gewohnte Strukturen einfach digital abbilden. Mit einem iDingens kann ich z.B. eBooks lesen und vielleicht bald auch Schulbücher aufschlagen. Wenn es das ist, was ich damit primär mache, werde ich iDingens doof finden, weil die ja teuer und deren Akkus irgendwann alle sind. Das ist ein Buch ja viel besser. Das kann jedenfalls nicht kaputt gehen.

Haltung

Die Haltung ist idealer Weise so, dass sich der Deckel abschrauben lässt, das System sich dadurch öffnet und aus dem bisherigen Gleichgewicht kommt. Die Arbeit mit lokalen Apps z.B. halte ich für keinen großen Fortschritt, sondern lediglich für eine Digitalisierung von Bestehendem mit natürlich(!) berechtigtem Stellenwert. Das geht aber teilweise sogar so weit, dass real mögliche Experimente durch Apps ersetzt werden („gefährliche Versuche“ auf Youtube schauen, Fall- und Beschleunigungsexperimente per App). Die Ergebnisse sind dabei immer super und vorhersagbar – mit einem Experiment hat das aber nichts zu tun. Der Moment, in dem mir der Wasserschlauch damals vom Kühler gesprungen ist und mich von oben bis unten eingesaut hat, war wahrscheinlich derjenige, der einen chemischen Zusammenhang bei den SuS verfestigt hat (und mich seitdem Schlauchschellen verwenden lässt).

Jedes Experiment ist ein wenig Aufbruch ins Ungewisse – es kann etwas schief gehen, weil es in der Natur des Experiments liegt. Penicillin und Porzellan sind übrigens zwei Produkte von „schief gegangenen Experimenten“. Wenn aber schon ein neues Gerät, dann bitte auch die experimentelle Haltung, auch explorativ zu arbeiten. Das darf sich nicht nur(!) auf Apps beschränken, sondern muss m.E. auch und an zentraler Stelle als Fenster ins Netz realisiert sein (dafür braucht es übrigens kein teures Gerät, das geht tatsächlich auch mit eigenen Devices). Die Haltung dabei ist die gleiche, wie sie bei jedem neu geplanten Experiment ohnehin schon vorhanden ist. Technik oder ein bestimmtes Device haben damit erstmal nichts zu tun – mit einer Ausnahme: Für mich ist der Browser die Zukunft. Alles andere wird immer an den üblichen Barrieren scheitern.

Neues Schuljahr – ganz viel Änderung

Ich werde in diesem Schuljahr aller Voraussicht nach noch ganze 14 Schulstunden Unterricht erteilen und einen Tag nicht vor Ort sein, da ich mich im späten Frühjahr erfolgreich als medienpädagogischer Berater mit dem Schwerpunkt E-Learning beworben habe. In die Strukturen der Medienberatung hier in NDS werde ich Anfang des Schuljahres in einer Startup-Veranstaltung eingeführt. Die Funktion ist nicht mit einer Beförderung, sondern mit einer Abordnung im Umfang von acht Stunden verbunden – daher musste ich auch keinen Unterricht vortanzen – bei meiner ersten erfolglosen Bewerbung auf eine Funktion (A14) hatte ich noch zwei Vollentwürfe, zwei Unterrichtsstunden, zwei Besprechungsstunden und das Gespräch zum Amt zu absolvieren – an einem Tag. Mittlerweile ist selbst für A15 dieser Umfang drastisch gekürzt worden – wahrscheinlich ist kein Personal mehr da, was den ganzen Kram liest und Bewerber soll es dem Hörensagen nach auch nicht mehr allzu viele geben.

Nun denn – ich bin gespannt, was da auf mich zukommt, was sich dort bewegen lässt und wie ich mit den neuen Teams von neuen Menschen zusammenarbeiten kann. Da die Medienberatung direkt in einem Landesinstitut (NLQ) organisiert ist, gibt es auch so merkwürdige Dinge wie Fortbildungen während der Dienstzeit mit Übernachtung, Dauerreisegenehmigungen und so Zeugs, was das „gemeine Fußvolk“ sich sonst bitter erstreiten muss.

Gleichzeitig fällt für mich in diesem Jahr das LAzKo weg, d.h. ich muss keine LAzKo-Stunden mehr erteilen. Auch scheide ich aus der Personalvertretung aus, eine Aufgabe, mit der mich eine höchst ambivalente Beziehung verbunden hat. Wenn man neue Dinge beginnt, müssen aber meiner Meinung nach alte weichen. Viele Erfahrungen werden mir in späteren Beratungsprozessen ungemein nützen. Immerhin bin ich bis zur Neuwahl noch im Amt und erheische dafür auch eine halbe Entlastungsstunde auf das Jahr gesehen, so dass ich in diesem Schuljahr doch glatt eine Minusstunde einfahre – das hat es noch nie gegeben. Macht aber nichts, da ich im nächsten Jahr in die Vergütungsphase des LAzKo eintrete und nochmal zwei Stunden zurückbekomme. Es wird für mich also deutlich ruhiger und das war auch irgendwie nötig. Allerdings rechne ich 2012/2013 eigentlich recht fest damit, dass das Stundendeputat hier in NDS angezogen wird – aber das wäre einen eigenen Artikel wert.

Bei meiner jetzigen Unterrichtsverteilung bedeuten 14 Schulstunden gerade einmal drei unterschiedliche Lerngruppen, von denen ich zwei schon kenne. Ich freue mich sehr auf einen Kurs auf erhöhtem Niveau im Fach Deutsch – erstmalig nach dem neuen Kerncurriculum mit all den damit verbundenen Herausforderungen organisiert. Entgegen aller Unkenrufe gibt es aber dennoch konkrete Vorgaben für das Abitur 2013 – so richtig traut man sich da oben dann wohl doch nicht, das wie z.B. in Bayern ganz in die Hände der Lehrkräfte zu geben. Ich habe mit diesem Kurs ein großes Experiment vor – geht in Richtung eines Blogs… Wenn es so weit ist, erzähle ich mehr davon.

Weiterhin hat man mich seitens der Schule gebeten, an einem neuen IT-Konzept mitzuarbeiten. Meines ist schon fertig und ich kann es sogar innerhalb eines virtuellen Netzwerks inkl. Windows2008RC2-Server (Evualuationsversion) schon zeigen. Sollte ich das wirklich umsetzen, möchte ich es mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern (AG) tun und dafür auch eine Entlastungsstunde bekommen. Ich denke auch nicht, dass es in dem Fall da Schwierigkeiten geben wird…

Fazit:

Es wird mit Sicherheit nicht weniger Arbeit, aber andere – und genau das wird mir meinen Kopf frei pusten. Der Grundtenor vieler Artikel und Tweets von mir war ja gerade zum Ende des Schuljahres nur bedingt positiv. Drei Lerngruppen sind von der Korrekturtätigkeit im Vergleich zu einem vollen Deputat ein ziemlicher Witz – ich rechne mit ca. 1/3 weniger Korrekturwochenenden. Dafür werde ich wohl hin und wieder ganztägig auf Reisen sein und auch in den Ferien Fortbildungen besuchen – schließlich sind acht Entlastungsstunden schon eine ganze Menge, die auch „verdient“ sein wollen.

Meritokratie im Machtsystem Schule

Das Thema „Macht“ ist bei mir ja ein Dauerbrenner. Dieser spiegelt sich in verschiedenen Artikeln dazu im Kontext von Schule wieder, z.B. hier. Ich unterscheide in der Schule immer zwischen ideeller Macht (die z.B. auf Grund einer besonderen Fähigkeit erwächst) und institutioneller Macht (für die das nicht unbedingt gelten muss). Im Idealfall fällt beides zusammen, d.h., diejenigen, die etwas können, gelangen in die Schulleitung und nicht die, die gerade „dran“ sind.

Ich habe auch schon kritisiert, dass Schule sich nicht verändern kann, weil die ideellen Machthaber oft keine institutionellen Machtpositionen mehr anstreben, um nicht die Nachteile eines institutionalisierten Amtes in Kauf nehmen zu müssen. Das waren bisher Deskriptionen, Zustandsbeschreibungen, die ich bei anderen Leuten immer sehr stark kritisiere.

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