Meine Toilettenregelung dieses Jahr

… im Facebook-AGB-Stil und nur für die Oberstufe. Es klappt eigentlich auf Anhieb hervorragend und wird nicht übermäßig ausgenutzt. Anlass war die Umstellung des Unterrichts auf ein reines Doppelstundenmodell.

Toilettengänge:

  • Du fragst nicht um Erlaubnis, auf Toilette gehen zu dürfen
  • Du wartest einen passenden, nicht störenden Moment ab und gehst dann leise aus dem Raum.
  • Du lässt die Tür des Unterrichtsraumes beim Hinausgehen angelehnt, sodass du bei deiner Rückkehr nicht klopfen musst.
  • Du nutzt deine Abwesenheit ergebnisorientiert, bleibst also nicht zu lange fort.

Der letzte Satz ist ein typischer Riecken :o)…

Selfiegate

Eine Mitarbeiterin des Schweizer Parlaments hat von sich freizügige Fotos veröffentlicht, die teilweise sogar in den Amtsräumen ihres Arbeitgebers entstanden sind. Diese Fotos wurden unter einem pseudonymisierten1)Pseudonymisierung: Tatsächlich handelt es sich nicht um eine Anonymisierung, da diese dem Grundsatz der Nichtverkettbarkeit folgt. Der Twitteraccount der Dame lieferte offenbar ausreichend Informationen (Verkettungen), die eine Auflösung des Realnamens ermöglichte. Anonyme Lehrerblogs gibt es damit auch nicht, da bei konkreten Erlebnisberichten zumindest für die Beteiligten oder Freunde der Realname ermittelbar ist – auch von Personen, über die geschrieben wird. Twitteraccount veröffentlicht. Findige Menschen vermochten jedoch, diesen Account zu depseudonymisieren. Darum entspinnt sich jetzt in Blogs und auf Twitter (Hashtag: #selfiegate) eine Debatte darüber, inwiefern auf solchen Plattformen wie Twitter oder Facebook gepostete Textnachrichten, Bilder und Videos von Dritten (z.B. Presseorganen) verwendet werden dürfen. Die Kernfrage lautet dabei:

Darf alles, was im Netz verfügbar ist, auch beliebig von Dritten verwendet werden?

Besondere Brisanz erhält diese Frage, wenn es um Bilder, Textnachrichten oder Videos von Jugendlichen oder Kindern geht, die sich in sozialen Netzwerken bewegen. Immerhin heißt es in den Geschäftbedingungen von z.B. Facebook:

 Für Inhalte, die unter die Rechte an geistigem Eigentum fallen, wie Fotos und Videos („IP-Inhalte“), erteilst du uns vorbehaltlich deiner Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen die folgende Erlaubnis: Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löscht, außer deine Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben sie nicht gelöscht.

Quelle: https://www.facebook.com/note.php?note_id=10150282876970301

Was das im Einzelnen bedeutet, ist rechtlich hier sehr schön zusammengefasst. Hier gibt mehr ungeklärte als geklärte Fragen, z.B. ob eine nicht voll geschäftsfähige Personen diese Rechte überhaupt einräumen kann. Dessen ungeachtet erklärt man sich bei der Nutzung von Facebook mit deren AGB einverstanden. Gelten diese AGB, darf Facebook z.B. eine Werbekampagne mit meinem Konterfei starten ohne mich zu fragen.

Dualismen

Die reflexartige Antwort auf diese Problematik der Andersdenkenden ist im Wesentlichen die, die man Eric Schmidt (Google) mal in den Mund gelegt hat

Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“ – Zitiert von Christian Stöcker in: Google will die Weltherrschaft (Auf die Frage nach dem Datenschutz bei Google), 8. Dezember 2009. spiegel.de/netzwelt

Quelle: http://de.wikiquote.org/wiki/Eric_Schmidt

Die Lösung soll also laut der Kritiker sein, nichts im Netz zu veröffentlichen, von dem man nicht will, dass es missbraucht oder in einen anderen Kontext wird. Bisher ist das sehr dualistisch: Ganz oder gar nicht.

Intendierte Öffentlichkeit

Da Dualismus einer der besonders unbeliebten Dinge im Netz ist, gibt es Bestrebungen, Zwischentöne zwischen „privat“ und „öffentlich“ zu konstruieren bzw. moralisch einzufordern, z.B. bei Philippe Wampfler bereits in mehreren Artikeln.

Das, was dort beschrieben wird, lässt sich für mich am ehestens mit dem Begriff „intendierte Öffentlichkeit“ fassen. Äußerungen, Foto- oder Videouploads sind in dieser Lesart nicht weltöffentlich gemeint, sondern für einen bestimmten Zweck und Adressatenkreis bestimmt.

Zum Beispiel ist das Facebookprofil eines Freundes für die Menschen bestimmt, mit denen er aus eigener Entscheidung Informationen teilt. Obwohl es öffentlich zugänglich ist, darf ich es in der Lesart der intendierten Öffentlichkeit nicht einfach in einem Kontext aufrufen, der von ihm nicht vorgesehen worden ist – etwa im Rahmen einer Unterrichtsstunde zur Medienkompetenz oder von seinen Eltern zur Ausforschung des Privatlebens.

Übertragen auf Selfiegate ist es Unrecht, dass die Identität der Frau aufgedeckt und für die gewinnorientierte Nutzung im Rahmen von Berichterstattung in der Presse verwendet wurde, weil es für die Frau eben eklatante Folgen hat und sie einer solchen Verwendung über ihre intendierte Öffentlichkeit hinaus nie zugestimmt hätte.

Ich als Lehrkraft muss eine Bewertung meiner dienstliche Identität auf Bewertungsportalen dulden. Muss ich auch dulden, dass diese Ergebnisse z.B. in einer Schülerzeitung frei verwendet werden?

Gerade das letzte Beispiel zeigt, dass ich nicht einmal selbst Dinge preisgeben muss, um mit dieser grundsätzlichen Fragestellung konfrontiert zu sein und nicht unmittelbar „selbst schuld“ bin, weil ich freiwillig Daten veröffentlicht habe.

Mit der Anmeldung zu Facebook hat man aber zumindest gegenüber Facebook selbst zugestimmt, dass es eine intendierte Öffentlichkeit in Bezug auf Facebook nicht gibt.

Meine Webrealität

Über die Möglichkeit, Daten zu kontrollieren, habe ich schon an anderer Stelle geschrieben. Ich gehe davon aus, dass mit Daten im Netz das gemacht werden wird, was für irgendwen einen Sinn ergibt. Das ist nicht schön. Das mag moralisch verwerflich sein. Es ist vielleicht aber die Natur des Menschlichen.

Was genau wäre nötig, um ein ehrbares Anliegen wir eine Verankerung der „intendierten Öffentlichkeit“ in einem globalisierten Netz zu etablieren? Zusätzlich natürlich – wie immer – am besten ohne staatliche Eingriffe?

Realistischer erscheint mir die Einsicht, dass ich die Kontrolle über meine Daten an der Pforte zum Netz schlicht abgebe. Dazu muss man – finde ich – begreifen, dass der Begriff der Kopie im Netz völlig unangebracht ist. Die digitale Repräsentation z.B. eines Fotos auf meinem Rechner und im Browser eines Websurfers ist identisch. Die Ressource wird qualitativ nicht schlechter.

Ich kann in Europa gerne ethische Standards haben und mich daran halten, muss vielleicht aber hinnehmen, dass diese in anderen Bereichen der Welt belächelt werden werden.

Ich kann also momentan eigentlich nur – zumindest für die Daten, die ich selbst verbreite – immer einen Filter vorschalten und genau prüfen, ob ich mit dem Verlust der Kontrolle über diese Daten leben kann, bis es weltweit gültige moralische Regeln gibt. Das ist ziemlich unbequem nicht mehr auf Verhalten in der Vergangenheit anwendbar, also eigentlich unrealistisch.

Einfacher bekomme ich ggf. die Problematik mit den Daten in den Griff, die Dritte über mich ins Netz einstellen – daher kann ich theoretisch jetzt schon weitaus besser vorgehen, als gegen ein Nacktfoto, welches ich selbst veröffentliche und welches dann über die von mit intendierte Öffentlichkeit hinaus Kreise zieht.

Provozierendes

Die unbekümmerten Datengeber der letzten Jahre bekommen langsam aber sicher eine Ahnung davon, was mit ihren Daten geschehen kann, bzw. was der Preis für Bequemlichkeit in der Nutzung digitaler Werkzeuge ggf. ist. Das Konzept der intendierten Öffentlichkeit kommt mir ein wenig so vor wie eine Ausrede zum Erhalt des eigenen Selbstbildes: „Ja nun, die Daten habe ich aus Bequemlichkeit verbreitet, aber das die so und so verwendet werden, habe ich nicht gewollt und auch nicht gewusst! Und eine Rückkehr ist doch gar nicht mehr möglich, so sehr wie sich diese Dienste in meinem Leben etabliert haben.“ – Bei Facebook hätte man es aber wissen können – es gab genug Leute, die die AGB gelesen und darüber aufgeklärt haben.

Auf meinen Elternabenden zur Medienkompetenz ergeben sich genau daraus immer wieder für das Publikum recht verstörende Antworten auf bestimmte Fragen, z.B. nach der Herkunft von Sexting (es waren wahrscheinlich Erwachsene in Fernbeziehungen, die damit angefangen haben) und grundsätzlich waren es auch immer Erwachsene, die aus Bequemlichkeit nutzen und Dienste verwenden, sich aber nun über das unreflektierte Verhalten ihrer Kinder aufregen. Der Gipfel war neulich das Verschicken einer PIN für eine Kreditkarte über WhatsApp in die USA. Mein Lieblingssatz dabei:

Kinder und Jugendliche sind oft genug Spiegel des Verhaltens ihrer Vorbilder.

Wenn wir als Vorbilder Konzepte wie die intendierte Öffentlichkeit für uns und unsere Kinder entwerfen und über die damit verbundene Moral nachdenken, ist das wichtig und gut. Wir dürfen nur (noch nicht) Vorbild in dem Glauben sein, das Netz (und die Menschheit) wäre diesbezüglich bereits zu ethischen Grundsätzen bekehrt. Darauf weist zurzeit eher wenig hin.

Daher ist der Begriff „intendierte Öffentlichkeit“ ein theoretisches Konstrukt und kann als solches m.E. nicht zur Rechtfertigung von vorhandenem Verhalten dienen, obwohl es etwas Tröstendes hat, zu konstruieren, dass gerade Jugendliche vielleicht insgeheim schon immer implizit nach dem Konstrukt der intendierten Öffentlichkeit im Netz handeln.

Die Antwort auf die Eingangsfrage lautet also für mich zu diesem Zeitpunkt:

Nein, es ist nicht in Ordnung, dass Inhalte von mir durch Dritte beliebig verwendet werden. Es ist aber naiv so zu tun, als geschähe das nicht oder würde in absehbarer Zeit nicht mehr geschehen.

Fußnoten   [ + ]

1. Pseudonymisierung: Tatsächlich handelt es sich nicht um eine Anonymisierung, da diese dem Grundsatz der Nichtverkettbarkeit folgt. Der Twitteraccount der Dame lieferte offenbar ausreichend Informationen (Verkettungen), die eine Auflösung des Realnamens ermöglichte. Anonyme Lehrerblogs gibt es damit auch nicht, da bei konkreten Erlebnisberichten zumindest für die Beteiligten oder Freunde der Realname ermittelbar ist – auch von Personen, über die geschrieben wird.

Was ich im Netz nicht veröffentliche

Die Netztage Springe rücken näher. Im Gegensatz zum üblichen Web2.0-Optimismus-Sprech wird hier schon in der Ankündigung ein eher düsteres Bild vom Netz mit seinen Wirkungen gezogen, die es auf Gesellschaft und Kultur entfaltet. Ich biete einen Vortrag zum Thema „Die eigene Datenspur ownen“ an – ein Ausdruck, der von Kristian Köhntopp stammt. In diesem Vortrag geht es um Dinge, die ich im Netz mache und Dinge, die ich nicht oder teilweise auch nicht mehr mache. Ich orientiere mich seit Jahren dabei nicht an Aussagen von Socialmedia-Experten, sondern ausschließlich an solchen von Menschen mit solidem technischen Hintergrund. Insbesondere zwei Artikel von Doepfner (kommerzialisiertes Internet) und Lanier (eher pragmatischer Techniker) zeigen eigentlich ganz gut, wo wir nach meiner Ansicht mit dem Netz heute stehen.

Fotos, Videos und aufbereitete Erlebnisse aus meinem familiären Umfeld

Ich habe fünf Kinder und versuche trotz meiner beruflichen Einbindung es so hinzubekommen, dass ich das nicht nur nach außen sage und tatsächlich meine Frau die Kinder dann „hat“. Das ist nicht immer leicht und auch der Hauptgrund dafür, dass man mich eher selten auf Barcamps antrifft. Familienleben findet eben oftmals geballt am Wochenende statt, da will ich dann da sein.

Philippe Wampfler hat pointiert und hervorragend argumentiert, warum Fotos und Videos von den eigenen Kindern im Netz nichts verloren haben. Die Diskussion zu diesem Artikel ist absolut lesenswert.

Aber auch Geschichten aus meinem familiären Alltag sind für mich absolut tabu für die Veröffentlichung. Dabei zählen gerade solche Blogs und solche Blogs zu meinen Favoriten. Beide Autorinnen ind sich nach meiner Meinung der Grenzen und Probleme ihrer Inhalte sehr bewusst und bewegen sich sehr kompetent in diesem Spannungsfeld. Ich lerne sehr viel von beiden und es macht Spaß, die Texte zu lesen.

Für mich gehören solche Dinge jedoch in kleinere Kreise, aber auch in Vorträge, die ich halte und deren Aufzeichnung ich genau deswegen nicht wünsche. Ich schlage für mich und meine Geschichten da mehr „soziales Kapital“ heraus – wenn man das so kapitalistisch überhaupt sagen kann. Das Gesagte ist flüchtig, das Digitalisierte nicht zwangsläufig.

Mir ist sehr bewusst, dass dadurch ein recht distanzierter Eindruck meiner Person im Netz entsteht. Aber genau das ist so gewollt und vielleicht auch Teil einer Inszenierung, die sich natürlich strukturell nicht von der Selbstdarstellung vieler Menschen in sozialen Netzwerken unterscheidet, nur dass diese bei mir eben sehr kontrolliert abläuft.

Anekdoten und „Produkte“ aus dem Schulleben

Martin Klinge ist der Prototyp eins Bloggers, der Außenstehenden humorvoll, kritisch und oft auch sehr mutig Einblicke in die Welt der Schule ermöglicht. Er hat viele Leser, überregionale Aufmerksamkeit und doch schon so manches Mal aus technischen Gründen sein Blog fast geschlossen – Mensch Martin :o)… Ich war eine zeitlang in dem Bereich auch offener, hatte aber ein bestimmtes Erlebnis mit einem Artikel, der bis heute zu den populärsten dieses Blog gehört. In der Diskussion dazu haben mir Schülerinnen und Schüler gezeigt, dass das Entscheidende nicht meine Interpretation von Anonymisierung ist, sondern das, was Außenstehende wiedererkennen wollen. Gerade Schülerinnen und Schüler in der Pubertät können hier eben nicht immer abstrahieren. Ich hatte das Glück, die Sache direkt klären zu können – andernfalls wäre schultypisch ein Leiche mehr im Keller gewesen.

An Produkten von Schülerinnen und Schülern kann ich rein formal kein Veröffentlichsrecht bekommen. Andererseits finde ich didaktisch-methodische Beschreibungen ohne Belege für eine gewisse inhaltliche Qualität immer schwierig. Dilemma. Herr Rau hatte mal Schülerinnen nund Schülern einen Euro für das Veröffentlichungsrecht gezahlt. Ich selbst habe mit Einwilligungserklärungen der Eltern herumfuhrwerkt. Schlussendlich mache ist das heute nicht mehr.

Ein absolutes NoGo sind auch Erlebnisse mit Kolleginnen und Kollegen. Frl. Rot hat ihr Blog aus Gründen schon privat gemacht, Frl. Krise schreibt auch viel über die Lehrerschaft. Auch diese beiden Blogs lese ich schon ganz gerne, aber stets auch mit einer bedingt voyeuristischen Motivation. Mein persönliches NoGo hat damit zu tun, dass es mein Job ist, Schulen und Lehrkräfte für die Möglichkeiten und Potentiale des des Netzes zu öffnen. Würde bekannt, dass ich das Netz selbst verwende, um bestimmte Dinge öffentlich zu machen, die andere Menschen nicht öffentlich dargestellt haben möchten, bekäme ich sehr rasch ein Glaubwürdigkeitsproblem. Natürlich juckt es immer in den Fingern, über Unterschiede zwischen den Schulformen gerade in Beratungssituationen zu schreiben. Auch in politischen Kreisen (ja, auch da sind wir Medienberater tätig …) passieren gelegentlich Dinge, die ihren Platz ohne Weiteres in einer Satiresendung finden könnten. Journalisten sind da von Berufswegen immer sehr interessiert.

Korrekturgeschichten

Entlarvend finde ich immer wieder Korrekturtweets, die bei manchen Kollegen üblich sind. Bei bestimmten, eher allgemein auftretenden Fehlern ist natürlich eine gewisse Anonymisierung gegeben. Gleichwohl weiß ich nicht, wie ein Schüler oder eine Schülerin, die den betreffenden Fehler gemacht hat, diesen Tweet dann auffasst. Die Deutungshoheit habe ich im Netz nie. Wenn ich mich also dazu äußere, dann allenfalls zur Stapelhöhe oder eben positiv. Zudem passt es für mich nicht, einerseits Defizitorientierung zu beklagen, um dann überwiegend defizitorientiert zu tweeten und sei es nur im Korrekturkontext. Klar rege ich mich über bestimmte Fehler immer wieder auf, lege dann den Stapel aber lieber erstmal weg, bis dieser Mitteilungsmpuls veraschwunden ist.

Hobbys, Vorlieben, Fähigkeiten

Es gibt eine Reihe von Dingen, die im Netz von mir bewusst nicht sichtbar sind. Ich meide Plattformen, die mich dazu verleiten, mehr preiszugeben als ich eigentlich nach eingehender Reflexion für richtig erachte – daher bin ich z.B. nicht auf Facebook und selbst von Twitter hatte ich mich eine zeitlang verabschiedet, um dann mit einem anderen Ansatz zurückzukommen. Des Weiteren verknüpfe ich Accounts verschiedener Dienste nicht, „fave“, „like“ und „plusse“ auch nicht – wenn ich etwas gut finde, versuche ich zu verlinken, zu retweeten oder zumindest kurz zu kommentieren (Kommentare sind im übrigen technisch auch schwerer auszuwerten als logische Operatoren wie Likes). Mir ist das dann wirklich mehr als einen Klick oder inflationäre Einladung wert – ein ganz schöner Anspruch.

Ich könnte mir nie vorstellen, Daten in das Netz zu stellen, die Rückschlüsse auf mein körperliches Befinden zulassen, etwa die Anzahl der gefahrenen oder gelaufenden Kilometer. Dafür  fallen mir viel zu viele künftige Geschäftmodelle ein. Gleiches gilt für Daten aus dem Bereich der Finanzen.

Dadurch bleibe ich in der Wahrnehmung der Menschen im Netz natürlich ambivalent. Einerseits der kritische Mensch, der oft querschlägt, gerade bei Mainstreamdingen und das auch begründen kann, anderseits wohl auch ein Spur Unnahbarkeit, die natürlich auch als Arroganz gedeutet werden muss.

Fazit

Das kann man natürlich alles anders sehen. Mir liegt es fern, das bei anderen Menschen zu werten. Schwierig fände ich aber z.B. Geschrei, wenn mit den freiwillig gelieferten Daten dann tatsächlich Geschäftsmodelle entstehen, die eben nicht für allgemeinen Wohlstand sorgen oder sich als kostenintensiv herausstellen. Unsere Wirtschaftsordnung basiert auf Wachstum.

Wie wahrscheinlich ist es da, dass z.B. Menschen und Schulen, die sich an einen Anbieter fest binden (Mein Lieblingsbeispiel aus der Beratung: Apple) langfristig weniger zahlen?  Dieser potentiellen Konsequenz muss man sich bewusst sein und sie dann eben tragen, falls sie eintritt. Welche Strategie verfolgt Google – ein Konzern, der Daten vermarktet – mit GoogleApps for Education? (für OpenSource werden weder Lernbereitschaft noch Ressourcen ausreichen – man wird in der Fläche zwingend auf kommerzielle Anbieter aus ganz pragmatischen Gründen angewiesen sein). Werden langfristig weniger oder mehr Daten verknüpft und verarbeitet?  Wie werden privaten Krankenkassen in Zeiten steigender Behandlungskosten ihre Gewinne maximieren? Wie die Kreditwirtschaft?

 

 

 

 

 

Sexting – abstrakter Trend oder Realität?

In zunehmenden Maße findet das Thema Sexting mediale Aufmerksamkeit:

Sexting ist die private Verbreitung erotischen Bildmaterials des eigenen Körpers über Multimedia Messaging Services (MMS) durch Mobiltelefone. Das aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum stammende Kofferwort setzt sich aus Sex und texting (engl. etwa: „Kurzmitteilungen verschicken“) zusammen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sexting

Eine Dokumentation zu möglichen Ursachen ist in der Mediathek von 3Sat hoffentlich noch etwas länger abrufbar:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=38615

Dadurch ist mir klar geworden, dass es sich um ein reales und kein medial erdachtes Phänomen handelt. Mir ist auch klar geworden, wie wichtig es genau an dieser Stelle ist, das Thema offensiv anzugehen, weil die Folgen für die Betroffenen wahrscheinlich kaum absehbar sind.

Es gibt erste Ratgeber und Berichte darüber, wie Erwachsene sich verhalten sollen, wenn sie durch ihre Kindern mit diesem Thema konfontiert werden:

Ich gehe davon aus, dass Kinder und Jugendliche Dinge immer früher machen und dass sie es zunächst weitgehend unbemerkt von ihrem Elternhaus tun – gerade auf dem Feld der Sexualität.

Der rechtliche Rahmen ist in Deutschland auch interessant – ich habe mal die für mich besonders bemerkenswerten Stellen fett gesetzt.

Nach § 184b StGB ist die Verbreitung von „kinderpornografische[n] Schriften“, das sind pornografische Darstellungen von sexuellen Handlungen von, an oder vor Personen unter 14 Jahren, strafbar. Im Falle von Darstellungen tatsächlicher Geschehen oder wirklichkeitsnahen Darstellungen ist bereits der Besitz strafbar. In einer separaten Vorschrift § 184c werden analog dazu auch Verbreitung und Besitz von „jugendpornografischen Schriften“, die sich auf sexuelle Handlungen von, an oder vor Personen von 14 bis 18 Jahren beziehen, unter Strafe gestellt, allerdings ist dabei das Strafmaß generell geringer, der Besitz von nur wirklichkeitsnahen Darstellungen ist nicht strafbar und für einvernehmlich hergestellte Jugendpornografie gibt es eine Ausnahme von der Besitzstrafbarkeit für Personen, die als Minderjährige selbst an der Produktion beteiligt waren.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderpornografie#Deutsches_Recht

Das minderjährige Pärchen darf also derartiges Material von sich besitzen – der Gesetzgeber traut diesen einen verantwortungsvollen Umgang damit zu. Ich hätte da generell so meine Bedenken, da es ja gerade in diesem Alter auch Beziehungen geben soll, die nicht in Harmonie enden. Was geschieht dann in Affektsituationen mit diesem Material? Wird ein dermaßen „bestücktes“ Handy jemals in die Hand von Eltern oder anderen Vetrauenspersonen gelangen?

Weiter:

Nach bisheriger Rechtsprechung ist Pornografie, auch in der Ausprägung als Kinderpornografie, nur dann anzunehmen, „wenn eine auf die sexuelle Stimulierung reduzierte und der Lebenswirklichkeit widersprechende, aufdringlich vergröbernde, verzerrende und anreißerische Darstellungsweise gewählt wird“ und „wenn unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher Weise in den Vordergrund gerückt werden sowie ihre Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend auf das lüsterne Interesse an sexuellen Dingen abzielt“

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderpornografie#Deutsches_Recht

und nochmal, womit wir beim Sexting wärenl:

Seit der Änderung des § 184b StGB vom 31. Oktober 2008, in Kraft getreten am 5. November 2008, ist auch das Verbreiten, Besitzen etc. sogenannter Posing-Fotos grundsätzlich strafbar. Gemeint sind damit Fotos mit Abbildungen von Kindern, die ihre unbedeckten Genitalien oder ihr unbedecktes Gesäß in „aufreizender Weise zur Schau stellen“. Derartiges Zur-Schau-Stellen erfüllt regelmäßig die Tatbestandsalternative „sexuelle Handlungen von Kindern“ in § 184b Abs. 1 StGB (neue Fassung).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderpornografie#Deutsches_Recht

Es soll ja diese sozialen Netzwerke und WhatsApp geben, bei denen das Teilen von Fotos nur einen Fingerwisch weit entfernt ist.

Noch mehr Fragen:

  1. Vielleicht bin ich blöd, aber stellt nicht genau dieses Teilen eine Art von Verbreitung dar?
  2. Wie entscheidet ein jugendlicher Smartphonebesitzer darüber, ob die abgebildete Person vor dem Gesetz ein Kind oder jugendlich ist?
  3. Wie ist gewährleistet, dass nicht auch Kinder (also Menschen unter 14 Jahren) Sexting betreiben? Smartphone und WhatsApp-Account genügen.
  4. Welchen Reiz haben derartige Bilder für einschlägige kinderpornographische Kreise?
  5. Was sagt allein die Weiterleitung solcher Bilder über a) das Reflexionsvermögen und b) die Medienkompetenz Jugendlicher aus?
  6. […]

Vielleicht(!) dürfte man sich unter Zeugen (jeweils anderes Geschlecht!) solche Bilder noch zeigen lassen. Schon die Recherche danach führt u.U. aber schon zum Besitz von kinderpornographischem Material (egal, ob ich ein Mann oder eine Frau bin).

Am ehesten kommen m.E. hier die Eltern im Rahmen ihrer Erziehungs- und Fürsorgepflichten als primäre Akteure in Betracht.

So oder so ist das nicht unsere Koppel, sondern das Feld von Profis.

Bei einigen Profis wiederum fürchte ich, dass das Fehlen des üblichen Musters

Sich als Kind ausgebender Pädophiler nötigt im Chatraum Kind zum Blankziehen und verwendet diese Bilder dann in kinderpornographischen Tauschbörsen.

für Verwirrung sorgen dürfte. Im Extremfall reden wir hier von Gewalt von Kindern gegen Kinder oder von Gewalt Jugendlicher gegen Kinder oder Jugendliche.

Was die Veröffentlichung solcher Bilder gerade für einen Heranwachsenden bedeutet und welche Folgen (suizidale Tendenzen) das im Extremfall haben kann, dürfte hinlänglich bekannt sein.

Was würdet ihr also tun, wenn ihr mit dieser Problematik entweder als Eltern oder Lehrer konfrontiert seid?

Meine Idee ist Öffentlichkeit. Eine Schule, die sich allein zu diesem Problem bekennt, geht jedoch ein immenses Risiko ein. Deswegen sollten idealerweise mehrere Schulen zusammen handeln und z.B. in Form eines Berichts oder einer Zeitungsanzeige in die Öffentlichkeit gehen – idealerweise über Schulartgrenzen hinweg.

Vielleicht lassen sich auf diese Weise Menschen für eine von Profis organisierte Veranstaltung gewinnen, die über die Gefahren des Sextings aufklärt und Raum für Fragen lässt. Auf dieser Veranstaltung müsste idealerweise auch eingefordert werden, dass Eltern von betroffenen Kindern ein Recht darauf haben zu erfahren, was gerade geschieht.

Übrigens:

Ich denke nicht, dass „das böse Internet“ daran schuld ist oder „das böse Smartphone“. Es ist die Haltung von Menschen. Vielleicht überschätzen wir manchmal aber auch gerade Kinder in ihrer Fähigkeit zwischen „öffentlichkeitsgängig“ und „nicht öffentlichkeitsgängig“ zu unterscheiden. Smartphones sind Türen zur Öffentlichkeit. Ist das eigene Kind da immer so kompetent und fähig, wie ich mir es wünsche? Ist es völlig frei von „Gruppendynamiken“ und Endorphinausbrüchen, die eine spontane Situation auszulösen vermag? Das Foto ist einen Fingerwisch weit weg. WhatApp einen weiteren. Keine SD-Karte muss in einen Rechner gesteckt, kein Film zum Entwickeln gebracht werden – wie in der guten, alten Zeit …

Der böse Datenschutz

Teil 1: „Moral ist, wenn man moralisch ist.“

Nein, man darf Schülerinnen und Schüler als Lehrer nicht dazu bringen, im Netz Produkte unter dem jeweiligen Klarnamen zu veröffentlichen. Man darf auch nicht Produkte von Schülerinnen und Schüler der Netzöffentlichkeit zugänglich machen. Bilder veröffentlichen? Fehlanzeige, wenn Personen den Motivschwerpunkt bilden – das gilt auch für z.B. Klassenfotos. Man darf so erstmal im Unterricht keine Web2.0-Tools mit ihnen nutzen und man darf auch Facebook oder Twitter nicht zu unterrichtlichen Zwecken einsetzen.

Dass man das alles nicht darf, liegt an denen im Vergleich zur übrigen Welt recht eng gefassten Datenschutzgesetzen, an die wir als verbeamtete Lehrkräfte in ganz besonderer Weise gebunden sind. Das ist schlimm, oder? Es behindert uns gemeinsam mit dem Urheberrecht in unserer täglichen Arbeit, es behindert uns dabei, zeitgemäß mit digitalen Medien im schulischen Kontext umzugehen. Das könnte doch alles viel leichter sein!

Ein Aufschrei ertönt in der Gesellschaft, wenn Bürgerrechte beschnitten werden, wenn private Unternehmen z.B. ohne Richtervorbehalt personenbezogene Daten abfragen können – dann ist es ganz schnell aus mit der Anonymität – als anonym bloggender Kollege jemandem zivilrechtlich auf die Füße treten? Der Klarname ist dann nur einen Klick entfernt – übrigens wahrscheinlich sogar auf Jahre noch nachweisbar. Deswegen so richtig nach Datenschutz schreien? Aber der Staat hat gefälligst dafür zu sorgen, dass meine Daten und meine Rechte geschützt werden! Und das bitteschön auch praktikabel! Und umsetzbar.

Was waren Beamte noch einmal? Ach ja – Bedienstete und damit Vertreter des Staates. Wenn persönliche Freiheiten bedroht sind, ruft man laut. Wenn Gesetze, die dafür da sind, persönliche Freiheiten Dritter zu schützen, von uns Lehrkräften umgesetzt werden sollen, ruft man auch laut.

These 1: Ist man selbst als Person betroffen, findet man Datenschutz super. Soll man Datenschutz in der Rolle des Staates umsetzen, findet man das doof.

Teil 2: „Die Daten von Schülern sind für niemanden relevant. Die Sorgen der Datenschützer sind übertrieben.“

Elektronische Klassenbücher sind eine feine Sache. Unterrichtsprotokolle, Krankmeldungen, Beurlaubungen, Tadel, vergessene Hausaufgaben – alles komfortabel über die Webschnittstelle oder per Synchronisation auf dem Mobilgerät abrufbar. Lernplattformen mit Leistungsdaten und Schülerprodukten – endlich eine Übersicht zu den einzelnen Leistungsständen, endlich die Möglichkeit, individuell zu fördern. Portfoliosysteme? Sehr bequem und transparent. Und vor allem: Jeder sieht nur die Daten, die er auch sehen darf! Diese Daten werden meist bei externen Anbietern gehostet und sind dort zentral zugänglich. Das ist auch kein Problem. Schließlich sind diese Daten dort sicher und für niemanden interessant – zumindest wird das gerne kommuniziert.

Nur: Absolute Datensicherheit gibt es nicht, obwohl jeder Anbieter alles daran setzen wird, den maximalen Standards gerecht zu werden. Leider sind zentral vorliegende Daten immer recht attraktiv, da sie in der Regel strukturiert und in einheitlichen Formaten vorliegenden, die sich sehr leicht auswerten lassen. Die Attraktivität beschränkt sich dabei nicht auf „die bösen Hacker“. Vorstellbar sind auch Auswertungen für künftige Arbeitgeber und Versicherungsgesellschaften. Die Relevanz von Daten für zukünftig denkbare Kontexte ist heute nicht vorhersehbar. Daher ist die Aussage „Die Daten von Schülern sind für niemanden relevant“ m.E. sehr mutig, weil eine gehörige Portion „Glaskugel“ eingedacht wird.

Und ich weiß nicht, ob sowas nie geschehen wird. Ich sehe, dass es Menschen gibt, die bei EC-Kartenzahungen vor mir an der Kasse bei jedem noch so kleinen Betrag ihre PIN eingeben müssen, während andere bei wesentlich höhreren Summen einen Wisch unterschreiben. Das liegt natürlich nicht daran, dass die Zahlung per PIN dem Händler garantiert wird, während die Einteilung der Einzugsermächtigung per Unterschrift weniger Kosten verursacht, aber das Risiko eines ungedeckten Kontos birgt. Es kommen auch nie Zugangsdaten großer Webdienste in Umlauf. Auch Kreditkartendaten werden nicht in entsprechenden Foren gehandelt. Unsere Daten sind sicher. Alle. Immer.

These 2: Die Attraktivität bzw. Relevanz von Daten für die Zukunft ist heute nicht vorhersagbar. Aussagen wie „Damit wird schon nichts passieren!“ erscheinen gerade im Kontext der heute schon beobachtbaren Entwicklungen mutig.

Teil 3: „Die Klassenbücher liegen in den Pausen frei aus. Im Lehrerzimmer treiben sich auch SuS herum. Da ist es doch geradezu hirnrissig zu sagen, dass Daten in einer geschützten IT-Umgebung bei einem Anbieter nicht viel sicherer aufgehoben sind!“

Rechenzeit ist nicht teuer. Auch das Algorithmenschreiben nicht sonderlich. Daten auf Papier sind einem Algorithmus nur mit erheblichem Aufwand zugänglich. Ein Klassenbuch muss Seite für Seite gescannt werden, um einer Datenverarbeitung zugänglich zu werden – aufgrund der individuellen Klassenbuchführung dürften auch OCR-Versuche einer erheblichen Nachbearbeitung bedürfen. Und dann habe ich immer noch nur die Daten einer Klasse. Der Aufwand rechnet sich in der Regel nicht – Lehrerkalender und Klassenbücher sind Datenschutzkatastrophen – ohne Frage. Aber nur in einem eng begrenztem Kontext. Eine Datenbank liegt immer in einem Format vor, was einem Algorithmus direkt zugänglich ist. Daten auf Papier nicht. Dass diese beiden Medien so unterschiedlich behandelt werden, hat also technische Gründe.

These 3: „Das Vorhandensein von Datenschutzlücken auf Papiermedien ist kein Argument für die Datenverabeitung in Rechenzentren.“

Was macht der Datenschutz?

  1. Er fordert eine gesetzliche Grundlage zur Verarbeitung von personenbezogenen Daten, da dies ein Eingriff in die Grundrechte des Einzelnen darstellt.
  2. Er fordert Datensparsamkeit: Nur für den jeweiligen Zweck erfordliche Daten dürfen erhoben werden. Im Falle einer technischen Panne sind so die offengelegten Daten in ihrer Menge von vornherein begrenzt.
  3. Er schreibt Rechte fest: Man hat z.B. das Recht, Auskunft über die durch eine Firma oder Behörde verarbeiteten Daten zu verlangen.
  4. Er schützt in besonderer Weise die Rechte von Personen, die nicht in ausreichendem Maße über technische Kompetenzen verfügen, um möglichen Stolpersteine auszuweichen.
  5. Er nervt, wenn man selbst mit Daten Dritter umgehen möchte.
  6. Er ist vielleicht jetzt schon vollkommen überflüssig, weil eh schon alle Daten über uns frei verfügbar sind. Die Frage ist, ob wir das in einigen Jahren immer noch denken werden. Naja. Der Mensch ist von Natur aus gut.

Wer mehr über die Grundlagen des Datenschutzes im Kontext von Schulen hier in Niedersachsen wissen möchte, sei auf eine Prezi verwiesen, die ich nach einer Schulung durch Mitarbeiter des Landesdatenschutzbeauftragten erstellt habe.

Wie gehe ich als explorative Lehrkraft damit um?

  1. Ich erzeuge öffentlich keine personenbezogenen Daten (mehr). Entsprechende Einträge lösche ich zur Zeit aus diesem Blog. Ich kann im Netz Schülernamen pseudonymisieren. Es ist wichtig, dass ICH das tue. SuS neigen oft dazu, gängige Nicks aus sozialen Netzwerken weiterzuverwenden.
  2. Ich kann mir die Einwilligung des Erziehungsberechtigten für die Verarbeitung von Daten holen, die nicht durch Gesetze oder Erlasse abgesegnet ist. Am besten entwickelt dabei die Schule selbst Richtlinien und Einwilligungserklärungen, die dann einfach im Rahmen der Schulanmeldung mit unterzeichnet werden – das macht ja eh jede Schule schon für die Verwendung von Schülerfotos, oder? An so eine Einwilligungserklärung sind aber bestimmte formale Regularien geknüpft. Vielleicht gibt es ja einen Juristen in der Elternschaft.
  3. Mit externen Anbietern müssen zwingend Vereinbarungen zur Auftragsdatenverarbeitung geschlossen werden (Bundesdatenschutzgesetz).  Es gibt die Unsitte, z.B. Lernplattformen oder Webdienste für die Schulorganisation einfach als Erweiterung des „Verwaltungsnetzes“ zu deklarieren, dessen Datenverarbeitung meist durch z.B. hier in Niedersachsen das Schulgesetz geregelt ist. Aber auch da gilt der Grundsatz der Erforderlichkeit – hier für Verwaltungsaufgaben.
  4. Die Daten dezentral speichern, z.B. indem ich eigene Schulclouds aufbaue. Die Daten liegen dort meist nicht strukturiert und in einem Umfang vor, der es sonderlich lohnend machen würde, diesen Datenbestand von außen anzugreifen. Für Angriffe von innen hat man ggf. ganz andere forensische Möglichkeiten.  Nebeneffekt: Für einen „staatlichen Server“ gelten viele Regelungen nicht, die ein privater Anbieter umzusetzen hat – z.B. die Schaffung von „Abhörschnittstellen“ ab einer gewissen Nutzerzahl.

Alles Quatsch und realitätsfern …

… es sind doch eh alle in sozialen Netzwerken. Post-Privacy! Es gibt schon jetzt kein Zurück. Meine kurze Antwort: Was Menschen selbst durch die Gegend pusten, pusten sie selbst durch die Gegend. Ich finde es nicht immer schlecht, Berufliches und Privates zu trennen. Immerhin erwarte ich auch von meinem Arbeitgeber, dass er sich in bestimmte Angelegenheiten nicht einmischt. Und natürlich sorgt die Vorlage von Einwilligungserklärungen für sozialen Stress, wenn z.B. einige Eltern oder SuS nicht unterschreiben wollen. Dieser Stress erzeugt nach meiner Erfahrung aber auch eine Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz. In der Schulcloud kann man durchaus die Erteilung eines Accounts von dieser Erklärung abhängig machen. Ist es gar nicht zu lösen, arbeite ich eben mit der ganzen Gruppe pseudonymisiert und bin dann durch nichts eingeschränkt, weil ich – etwas Umsicht vorausgesetzt – keine personenbezogenen Daten erzeuge.

 

 

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