Social Messenger sind der Untergang

Gestern bin ich wieder mit der vollen Bandbreite der Hilflosigkeit gegenüber den Eigendynamiken konfrontiert worden, die entstehen, wenn sich jüngere Schülerinnen und Schüler auf WhatsApp bewegen.

  • Beleidigungen
  • veränderte Bilder unliebsamer Mitschüler
  • Enthauptungsvideos
  • […]
  • „Ich kann nichts dafür“-Behauptungen (In der Schülervorstellungswelt kann man sich ja schließlich nicht dagegen wehren, in WhatsApp-Gruppen aufgenommen zu werden)

Diese Dinge scheinen sich nach meinen Beobachtungen vor alle in den jüngeren Klassenstufen der Sekundarstufe I zu häufen. Die reflexartigen Reaktionen auf Vorkommnisse sehen zunächst so aus:

  1. „Handy wegnehmen. Die dürfen WhatsApp erst ab 16 nutzen!“
  2. „Handy verbieten. Die können damit nicht umgehen!“
  3. „Medienpädagogen einladen, der denen das mal sagt!“
  4. „Eltern in die Pflicht nehmen. Die sind unverantwortlich, Kindern ein Smartphone zu kaufen!“
  5. „Nun sag‘ mal Maik, was soll ich denn jetzt machen? Du bist doch Medienfuzzi. Alles Scheiße mit diesem Digitalzeugs!“

Handeln wir das mal alles in der Kürze ab, die es sachlogisch verdient:

Zu 1.)

Netter Versuch. Das Handy gehört uns nicht und umfasst den Privatbereich der SuS. Das ist so auf der Ebene wie: „Ich verbiete dir, nicht altersgerechte Filme in deiner Freizeit zu schauen!“

Zu 2.)

Netter Versuch. Das Handy gehört uns nicht und umfasst den Privatbereich der SuS. Das ist so auf der Ebene wie: „Ich verbiete dir, dich in deiner Freizeit mit Hannes und Tim zu treffen. Die haben einen schlechten Einfluss auf dich!“

Zu 3.)

Netter Versuch. Und bequem. Dann macht der das halt (wenn er dann mal Zeit hat). Ich nenne sowas medienpädagogisches Feigenblatt: „Wir haben was getan – wir haben jemanden eingeladen! Wenn dann keiner kommt, tja, können wir auch nichts dafür!“

Zu 4.)

Völlig richtig. Wenig bis so gar nicht realistisch. Eltern halten das mit dem Handy oft so: Wir kaufen dir eines. Wir kennen uns damit eh nicht aus. Das Erstaunen ist dann riesig, wenn dann mit dem Gerät Dinge geschehen, die unschön sind. Dann ist das Internet schuld. Oder wahlweise die Schule, die ja nichts dagegen macht. Mein Bild: Sie schicken ein vierjähriges Kind mit dem Rad bei Dunkelheit quer durch die Stadt und sind dann völlig überrascht, wenn es umgenietet wird. Dieser Scheißverkehr ist dann schuld!“ (sonst müsste man sich ja selbst seiner Verantwortung stellen …)

Zu 5.)

Die Situation ist sehr komplex. Das System der Beteiligten und der Ursachen auch. Wer hier ein einfache Antwort erwartet, verkennt die Komplexität völlig. Bestenfalls verlagert er das Problem schlicht vordergründig aus dem Wahrnehmungsbereich von Schule. Leider wird das immer wieder in die Schule zurückschwappen. mit dem Unterschied, dass man dann noch sehr viel weniger über die Vorgänge in der „Parallelwelt“ weiß,

Maik, du Klugscheißer, ich will Lösungen! 

Lösung 1:

Wo Verbote nicht greifen, komme ich um Verhandlungen und pädagogische Vereinbarungen nicht herum. Es gibt an Schulen Gremien, die die einzelnen Gruppen vertreten. Es gibt eine Schüler- und eine Elternvertretung. Wenn ich zieloffen hier zu Vereinbarungen komme, die den Handygebrauch innerhalb der Schule regeln, habe ich eine größere Chance, dass diese Vereinbarungen eingehalten und durch demokratisch verhandelte Sanktionen notfalls auch durchgesetzt werden. Zusätzlich ist das u.U. eine Chance, Demokratie praktisch zu leben und es ist eine Chance, insbesondere Eltern und Schülern auf Augenhöhe zu begegnen. Diese Gremien müssen ja ihrem „Wahlvolk“ Entscheidungen vermitteln. Und insbesondere Eltern können ja schon mehr als Kaffee und Kuchen bei Veranstaltungen zu spenden. Diese Idee scheitert oft an dem dafür notwendigen Paradigmenwechsel: Schule ist ja von ihrem Wesen her hierarchisch organisiert.

Lösung 2:

Wo in der Gesellschaft bekommen SuS vorgelebt, wie man z.B. soziale Medien sinnvoll und reflektiert nutzt? Wo in Schule bekommen SuS gezeigt, welche Potentiale für das eigene Lernen in Socialmedia steckt? Wenn ich Schulen Portallösungen mit zarten Socialmediafunktionen empfehle, kommt sehr oft: „Aber diesen Chat, den müssen wir dringend abschalten, da passiert nur Mist, wer soll das kontrollieren!“ Wenn da „Mist“ passiert, ist das m.E. ein Geschenk, weil es in einem geschützten Raum entsteht und pädagogisch aufgearbeitet werden kann. Wir brauchen mehr solchen „Mist“, der auf Systemen von Schulen geschieht, weil wir ihm dort ohne irgendwelchen Anzeigen und richterlichen Anordnungen begegnen können – die Daten haben wir ja selbst und idealerweise auch klare Regelungen, wann diese von wem wie eingesetzt werden dürfen.

Lösung 3:

Kein Unterricht über Medien, sondern Unterricht mit Medien. Das erfordert ein schulweites Medienkonzept und es wird erstaunen, wie viel sich sogar ganz ohne WLAN und Tablets in diesem Bereich machen lässt. Überraschenderweise sind bestimmte Werte und Lebenserfahrungen auch in Zeiten von Socialmedia noch gültig.

Leider wird die Umsetzung dieser Erkenntnis genau wie damals der Buchdruck eine Alphabetisierung erfordern und zwar vor allem eine digitale Alphabetisierung von Lehrkräften. Und das Lesen fällt manchem leichter und manchem schwerer. Wenn ich aber an den Potentialen und Möglichkeiten teilhaben möchte und wenn ich handlungsfähig sein will, komme ich nicht darum herum, lernen zu müssen. NIcht nur wegen der SuS, sondern vor allem aus Egoismus: Digitaler Analphabetismus führt direkt in die Anhängigkeit von anderen und in die Unsouveränität.

 

 

Das Internet und die Romantik

Die eine Geschichte

Wir wissen z.B., dass digitale Datenströme unaufwändig und mit geringen Kosten umfassend überwacht werden können. Die Algorithmik für die Auswertung ist wahrscheinlich noch primitiv, aber da die Datenspeicherung mit dem technologischen Fortschritt auch immer effizienter wird, werden auch irgendwann Daten nutzbar, die vor Jahren aufgezeichnet worden sind. Wäre das eine Randerscheinung – Warum wird dieses Thema so oft in SocialMedia erwähnt?

Wir wissen, dass nicht nur Staaten diese Möglichkeit nutzen, sondern auch die Privatwirtschaft. Stück für Stück werden in Salamitaktik uns immer umfassendere Datenverwertungsverträge, pardon – Nutzungsbedingungen vorgesetzt, die wir gerne annehmen. Schließlich ist die ganze neue Dienstewelt ja mittlerweile unverzichtbar für unser Leben. Ich glaube, dass diese Art der Datenverarbeitung immer wieder die eigentliche Inspiration für die staatliche Überwachung bildet.

Da das Digitale (das Mycel) mit keinem unserer Sinne für uns direkt erfahrbar ist – lediglich die Erscheinungsformen wie Bilder, Videos, Texte (die Fruchtkörper) sprechen unsere eingebauten Sinne an – gibt es noch viel zu wenig gesellschaftliches Bewusstsein, um das immense Macht- und Beeinflussungspotential einzuschätzen – dafür bräuchte es zudem m.E. informatische Kompetenz. Die Möglichkeiten des Users oder auch der der Communities sind arg begrenzt, auch wenn es im Einzelfall Erfolge geben mag. Die Stakeholder sind diejenigen, die Datenströme steuern und die Daten verwalten. Diese Leute auszutanzen ist traditionell schon immer die Domäne der technisch(!) versierten Hacker.

Wir wissen, dass tausende Jugendliche jeden Tag live aus ihrem Kinderzimmer, ihren Klassen, „Wasweißmannoch-Woher“ streamen und sich einer Öffentlichkeit präsentieren. Wir wissen als Lehrkräfte, dass die meisten unserer Mobbingfälle ihren Ursprung im Internet haben. Wenn ich mit Mitarbeitern aus Beratungsstellen rede, bekomme ich die Rückmeldung, dass Beratungsfälle mit Internetbezug ständig zunehmen. Aus Umfragen wissen wir, dass ein nicht unerheblicher Anteil der heutigen Kinder und Jugendlichen so ihre Erfahrungen mit dem Netz gemacht haben. Vor der Erwachsenenwelt macht das nicht halt. Casual Porn wird gerade zu einem neuen Hype – der Thrill ist gerade die Nichteinwilligung der gezeigten Menschen, veröffentlicht zu werden. Die Reaktionen der Opfer sagen viel über den Zustand der Menschen in diesem Internet.

Ich glaube und erfahre zunehmend, dass der Anteil an Jugendlichen stetig wächst, die das Netz mit seinen Möglichkeiten so nutzt, wie wir Staatsbürger, Lehrkräfte, Medienpädagogen in unseren Träumen und Fiktionen das gerne hätten. Ich mache die Erfahrung, dass von meinen diesbezüglichen Bemühungen in besonderer Weise genau die Kinder und Jugendlichen profitieren, die von Hause aus dafür besonders sensibilisiert und damit privilegiert sind.

Diese Liste ließe sich fortsetzen. Ich finde sie jetzt schon als Staatsbürger, Internetnutzer, Vater, Lehrkraft, medienpädagogischer Berater hinreichend interessant, um sie nicht als „Randerscheinung“ zu verharmlosen („überall gibt es böse Menschen“), wie es wieder und wieder in medienpädagogischen Kreisen geschieht. Diese Themenfelder bestimmen meinen Alltag als Staatsbürger, Internetnutzer, Vater, Lehrkraft und medienpädagogischer Berater.

Warum gibt es Menschen die so tun, als ob „Medienkompetenz“ allein irgendetwas daran ändern würde? Die Problemstellung ist multidimensional und damit eben nicht durch einen einzelnen Stellhebel zu ändern. Wer anerkennt, dass die Digitalisierung als Phänomen die Entwicklung des Menschen extrem beeinflusst, muss auch anerkennen, dass Umgangsformen auf vielen Ebenen gesellschaftlich entwickelt werden müssen. Und zwar nicht nur in Schule, sondern auch in Elternhäusern, in Beziehungen, in politischen Systemen, in allen Bereichen, in denen das Digitale eine Rolle spielt.

Alles andere halte ich für eine unzulässige Reduktion. Beim oft bemühten Buchdruck hat das Jahrhunderte gedauert, bis z.B. die Kirche ihren Einfluss auf die Buchinhalte mehr und mehr verloren hat. Wir sind in den ersten Jahrzehnten nach dem Siegeszug des Internets, dürfen also natürlich noch mehr Fragen als Antworten erwarten.

Die andere Geschichte

Ich habe mir letztens einen eigenen, gebrauchten Beamer für den Unterricht gekauft, weil in dem Klassenraum meiner neuen Lerngruppe keinerlei Ausstattung diesbezüglich verfügbar ist. Ohne Zugriff auf dieses Internet kann ich mittlerweile kaum vernünftig unterrichten. Trotzdem arbeitet meine Lerngruppe nicht freilaufend im Netz, sondern in geschützten Räumen, deren Zugänge durch transportverschlüsselte Wege abgesichert sind. Weil ich in diesen Räumen mit Klarnamen operiere, brauche ich natürlich vorher die Einwilligung der Eltern für diese Art der Arbeit. In diesen geschützten Raum hinein dürfen sich die Schülerinnen natürlich auch Artefakte aus dem Netz holen und beliebig rekombinieren, wenn die Quelle klar ersichtlich ist und eventuelle Lizenzbestimmungen eingehalten werden – über ihr Handy. Das ist sowieso immer dabei und es gibt eigentlich nur bestimmte Regeln für die Nutzung dieser „Kulturzugangsgeräte“ oder „Kontrollüberwindungsgadgets“ in meinem Unterricht. Diese sehen zunächst so aus:

  • Dein Handy ist in den Unterrichtsstunden auf lautlos geschaltet
  • Du verzichtest auf jedwede nicht unterichtsbezogene Kommunikation (WhatApp, Facebook, SMS usw.)
  • Du darfst dein Handy mit Unterrichtsbezug (z.B. zum Nachschlagen von Worten) verwenden, wenn es die jeweilige Situation erlaubt und niemand dadurch gestört wird.
  • Am besten legst du dein Handy mit dem Display nach unten oder in einer “Socke” deutlich sichtbar vor dich auf den Tisch zu deinem Arbeitsmaterial.
  • Dein Handy wird dir gemäß der geltenden Schulordnung für die Dauer der Deutschstunde entzogen, wenn du dich nicht an diese Regeln hältst.

Der nächste logische Schritt wäre, diese Geräte mit in das Schul-WLAN zu integrieren. Schon jetzt kommt das örtliche Handynetz in Schulpausen so an seine Grenzen. Dazu rüsten wir demnächst technologisch gewaltig auf. Das Schulnetz besitzt einen rudimentären Webfilter, der von einer Community geflegt wird und der rechtlich völlig ausreicht. Der Filter arbeitet nicht invasiv und schaut z.B. nicht in SSL-Verbindungen hinein (z.B. durch Zwischenzertifikate).

Die Schülerinnen und Schüler sind erfindungsreich im Überwinden des Filters oder anderer „Sicherheitsfunktionen“ des Netzes. Einige verstehen, was sie da tun und wachsen daran mehrfach – ich als Administrator schätze dieses Katz- und Mausspiel sehr, weil auch ich dadurch immer mehr über Systeme lerne (meines und andere).

Das Internet geht ja nicht wieder weg. Und die Aspekte aus der ersten Geschichte lassen sich ohne das Internet kaum sinnvoll vermitteln. Ich nutze das Netz.

Die Konsequenz für mich

Ich will Alltagsunterrichtsprodukte meiner Schülerinnen und Schüler nicht im Netz sehen. Für das Tagesgeschäft gilt bei mir das Prinzip: All unfiltered in – something filtered out. Ein öffentliches Projekt mit Schülerinnen und Schülern im Internet muss eine Relevanz besitzen, um gegenüber z.B. dem Plakat oder Schulheft einen Mehrwert zu bieten: Die Rezeption sollte in meinen Augen organisiert sein. Ich habe jetzt nach mehreren Jahren zu ersten Mal eine Idee und eine Lerngruppe, mit der ich mir das vorstellen kann. Wenn immer alle Schulen mit allen Lerngruppen so arbeiten, mag das explorativ und wünschenswert sein, aber eine Unmenge an Content von begrenzter öffentlicher Relevanz erzeugen. Die unmittelbare soziale Umgebung wird hier anders zu bewerten sein und damit im Fokus stehen müssen.

Schönfärberei in Teilen der Medienpädagogik

Meidienpädagogen wie der öffentlich zurzeit sehr präsente Philippe Wampfler brechen eine Lanze für das Verhalten der Jugendlichen.  Zu YouNow wird er von einer Quelle so zitiert:

«Weil Younow nicht per se etwas Negatives ist», sagt der Lehrer und Kulturwissenschaftler Philippe Wampfler: Der Dienst spiele mit der Suche nach Aufmerksamkeit – dem Teen­agerthema schlechthin. Es gehe auch darum, Medienkompetenz im positiven Sinne zu zeigen. Die Jugendlichen müssten das Publikum unterhalten, etwas bieten. Je mehr Zuschauer man bei Younow habe, desto höher steige man im Ranking, und desto besser sei man für die anderen Nutzer sichtbar. Dieser Wettbewerb um Aufmerksamkeit könne Spass machen und Kreativität fördern, betont Wampfler. Es gebe auch Jugendliche, die Unterhaltungstechniken berühmter Vorbilder imitierten. Andere machten Musik. «Viele Jugendliche sind allerdings bereit, Vernunftregeln zu brechen, wenn sie dafür Aufmerksamkeit erhalten.» Sie sagten sich: «Das ist es mir irgendwie wert.»

Ich weiß nicht, ob P.Wampfler hier korrekt wiedergegeben wird, jedoch ist dieses Zitat in meinen Augen prototypisch für einen bestimmten Teil der Medienpädagogen. Wampfler ist es immer daran gelegen, Zustände zu beschreiben. Eine Wertung von Verhalten erfolgt i.d.R. nicht. Stattdessen stehen die Möglichkeiten der Onlineangebote im Vordergrund. Diese bezweifle ich nicht. Ich bezweifle aber, dass eine Mehrheit der Jugendlichen Dienste wie YouNow in einer Weise nutzt, wie sie in den Augen mancher Medienpädagogen „gemeint“ sind.

Ich bezweifle, dass das auf Jugendliche beschränkt ist. Und ich bezweifle, dass das alles „Randphänomene“ sind. Ich bezweifle die oft anzutreffende ungeheure Idealisierung. Pubertät ist geprägt von extremer Ambivalenz. Exploratives und kritikwürdiges Verhalten stehen in der Hochzeit dieser Phase paritätisch nebeneinander. Ich bezweifle Studien mit nur sehr geringer Stichprobengröße. Ich bezweifle, dass gerade die Geisteswissenschaft mit ihrer historisch langsamen Begriffsbildung schon ausreichend Methoden gefunden hat, mit den Phänomenen der Digitalisierung angemessen umzugehen. Das ist in Ordnung und ein völlig normaler Zustand in der Zeit des Überganges, in dem sich die Gesellschaft gerade befindet.

In Bezug auf Jugendliche ist mir Beschreiben und Begriffsbildung entschieden zu wenig. Ich werde in meinen Reaktionen und Wertungen der Phänomene im Internet in der Rückschau oft falsch liegen. Ich mache mich durch Festlegungen wie in meiner „anderen Geschichte“ von oben angreifbar. So what?

Ich bleibe Reibungsfläche. Das macht nicht immer Spaß. In Bezug auf Erziehungsfragen gibt es aber keinen anderen Weg für mich. Immer neue Beschreibungen und immer neue Begriffe von Seiten geisteswissenschaftlicher Forschung auf „Industriegesellschaftsniveau“ und mit „Industriegesellschaftsmethodik“ nützen mir dabei eher wenig.

Transaktionskosten (Fortsetzung)

Eine von mir hochgeschätzte und stille Leserin meines Blogs hat mich neulich darauf aufmerksam gemacht, dass ich angekündigt hatte, eine Fortsetzung zum Artikel mit den Transaktionskosten zu schreiben. Ich zitiere dazu noch einmal den letzten Absatz im Sinne der Anschlussfähigkeit.

Wer Veränderungsprozesse initiieren möchte, muss im Blick haben, dass er gleichzeitig neue, noch nicht kalkulierbare Transaktionskosten erzeugt (“Ja, aber das mit den Medien muss aber in ein Gesamtkonzept!”), und gleichzeitig auch noch andere, von den Kosten her “sicher” kalkulierbare Systeme bedroht (“Ja, aber über Aushänge kommuniziert man doch total ineffizient!”). Daraus ergeben sich für mich Konsequenzen für mein Verhalten als Berater.

Regel 1: Das Neue ist der Feind des Bewährten.

Das Neue kann sich in den bestehenden Schulstrukturen nur durch viel Geduld, Leadership oder subversiv durchsetzen. Sobald man als Berater generalisiert, werden immer lautstarke und – für die Idee viel gefährlichere – stille Widerständler auf den Plan gerufen. In sehr heterogenen, großen Systemen wird sich dann NIE das Neue durchsetzen. Deswegen unterscheide ich zwischen subjektiven und objektiven Wahrheiten. Objektiv kann man durchaus Recht haben. Es nützt u.U. aber trotzdem nichts, weil Systeme stets subjektiv funktionieren und dann die entstehenden Transaktionskosten zum Kollaps jeder noch so guten Idee führen.

Ein Beispiel:

Objektiv ist es für große Systeme vernünftig, Klausur- und Klassenarbeitsplanung online zu machen. Man ist bei der Eintragung nicht an eine Zeit oder an einen Ort gebunden. Das System kann durch Algorithmen Fehleinträge im gegebenen rechtlichen Rahmen abfangen. Es kann mit dem Schulkalender gekoppelt werden, sodass sich Tage mit bestimmten, vorhersehbaren Abwesenheiten von Lerngruppen transparent sperren lassen. Umgekehrt ließen sich Termine von Arbeiten in die Kalender der jeweiligen Lerngruppen zurückspeisen (übrigens: Das geht alles mit dem richtigen System). Subjektiv zwingt man Kolleginnen und Kollegen zur Nutzung ungewohnter digitaler Werkzeuge, die nicht in deren Workflow passen. Praktisch wird man eine Zeit lang altes und neues System parallel fahren.

 

Regel 2: Hilf Transaktionskosten zu senken, damit du neue erzeugen kannst

Wenn es um die technische Ausstattung von Schulen und um Medienkonzepte geht, weiß ich es besser. Was dabei herauskommt, wenn typische Consumer oder fortgeschrittene Anwender meinen, sie könnten vorausschauend Netze bauen, die irgendwann für die ganze Schule skalieren, dann liegen sie leider oft falsch, weil z.B. an die Hardware im Netzwerk ganz andere Anforderungen als „zu Hause“ zu stellen sind.

Wenn ich an eine Schule komme, herrscht dort i.d. R. im Medienausstattungsbereich Chaos. Dieses Chaos gliedert sich zum einen in technische Probleme (10%) und zum anderen in zwischenmenschliche (90%). Die Technik bekommt man nach meiner Erfahrung sehr einfach in den Griff, wenn man da nach dem Motto vorgeht: „Wenn ich dir bei den restlichen 90% helfen soll, dann bestimme zunächst(!) ich, wie es bei euch technisch weitergeht!“

Mit den 10% Technik versuche ich dann, Abläufe und Verfahren genauso abzubilden, wie in der Schule schon immer waren, nur dass Zugriffsmöglichkeiten auf Informationen jetzt nicht mehr an Zeiten oder Orte gebunden sind. Das können sehr einfache Maßnahmen sein, wie etwa ein schulweiter Zugriff auf Dateien, einfach zu bedienende Zugänge zu Onlinemedien, ein funktionierendes WLAN usw.. Technisch ist das trivial. Gleichzeitig muss die Verlässlichkeit des Systems steigen, z.B. durch konsequente Vernetzung von Inselsystemen. Idealerweise nimmt das System bereits diese Maßnahmen als entlastend wahr, was dann in der Folge Vertrauen schafft. An dem grundsätzlichen medienpädagogischen Geist ändert sich dadurch jedoch nichts.

Dieses Vertrauen senkt Transaktionskosten, sodass Ressourcen dafür frei werden, auf die restlichen 90% zu schauen. Dafür benötigt man ein genaues Bild des Systems: Wer sind die „Stakeholder“ (an Schulen sehr oft der engagierte IT-affine Lehrer mit einer jahrelang immens gewachsenen ideellen Machtposition)?  Wer gönnt dem anderen ggf. etwas nicht? Welche eingefahrenen Abläufe mit welchen Konsequenzen gibt es? Was schafft Konfliktpotential? Wer ist an den Strukturen wie beteiligt?

 

Regel 3: Berate keine Schulen (oder Kollegen), die bei dir hohe Transaktionskosten erzeugen

Dass in Beratungsprozessen nachgesteuert werden muss, ist nichts weiter Ungewöhnliches. Gerade das Thema Mediennutzung ist für Schulen nur eines unter vielen. Deswegen bin ich nicht verschnupft, wenn Prozesse oft nur langsam voranschreiten. Das ist völlig normal. Es gibt für mich jedoch Indikatoren, die dazu führen, dass ich eine Schule nicht berate:

  1. Keinerlei Eigeninitiative (d.h. praktische Hilfsangebote werden gerne angenommen, jedoch ist kein Interesse erkennbar, eine längerfristigere Partnerschaft einzugehen – Feuerwehreinsätze ja, Zusammenarbeit nein)
  2. Diskussion des Beratungsverfahrens (Kann man das so überhaupt machen? Warum so kompliziert? Geht das nicht auch schneller / einfacher?)
  3. Eigenmächtige Anschaffungen (z.B. ITW / Tablets für teures Geld kaufen, ohne stabile Infrastruktur, ohne Konzept und ohne Rücksprache mit mir)
  4. Kein Reflexion des bisherigen Umgangs mit Medienbeschaffung

Diesen Schulen fehlt vor allem das Vertrauen in meine Fähigkeiten. Im schlimmsten Fall wollen Sie sich lediglich meiner Kompetenzen bedienen, um ihre akuten Probleme gelöst zu bekommen, damit sie weitermachen können wie bisher.

 

Regel 4: Suche dir immer kleine Projekte mit geringen Transaktionskosten für zwischendurch

Die Implementation der „großen Würfe“ ist oft zäh, ermüdend, ausgedehnt und bezogen auf die Transaktionskosten immens teuer. Das ist psychologisch ein Problem, da man irgendwann als am Prozess Beteiligter die Fortschritte nicht mehr zu sehen im Stande ist. Deswegen braucht man für die seelische Hygiene immer wieder Projekte, bei denen sich der Erfolg sehr schnell einstellt. Das können so einfache Dinge wie ein WLAN für eine ländliche Grundschule sein. Schule klagt, ich komme vorbei, sage eine Summe, Schule kauft, wir installieren mit dem Hausmeister zusammen und sind nach 2-3 Wochen erheblich glücklicher als vorher.

Menschen, die nur „das Große“ beraten, erlebe ich oft so, dass bei ihnen irgendwann der Kontakt zur „Basis“ verlorengeht. Das muss auch teilweise so sein, da man die zermürbenden Transaktionskosten in diesen Prozessen kaum erträgt und sich dann andere Strategien entwickeln, um seelisch gesund zu bleiben, die dann oft als arrogant oder „von oben herab“ wahrgenommen werden.

Meine Toilettenregelung dieses Jahr

… im Facebook-AGB-Stil und nur für die Oberstufe. Es klappt eigentlich auf Anhieb hervorragend und wird nicht übermäßig ausgenutzt. Anlass war die Umstellung des Unterrichts auf ein reines Doppelstundenmodell.

Toilettengänge:

  • Du fragst nicht um Erlaubnis, auf Toilette gehen zu dürfen
  • Du wartest einen passenden, nicht störenden Moment ab und gehst dann leise aus dem Raum.
  • Du lässt die Tür des Unterrichtsraumes beim Hinausgehen angelehnt, sodass du bei deiner Rückkehr nicht klopfen musst.
  • Du nutzt deine Abwesenheit ergebnisorientiert, bleibst also nicht zu lange fort.

Der letzte Satz ist ein typischer Riecken :o)…

Selfiegate

Eine Mitarbeiterin des Schweizer Parlaments hat von sich freizügige Fotos veröffentlicht, die teilweise sogar in den Amtsräumen ihres Arbeitgebers entstanden sind. Diese Fotos wurden unter einem pseudonymisierten1)Pseudonymisierung: Tatsächlich handelt es sich nicht um eine Anonymisierung, da diese dem Grundsatz der Nichtverkettbarkeit folgt. Der Twitteraccount der Dame lieferte offenbar ausreichend Informationen (Verkettungen), die eine Auflösung des Realnamens ermöglichte. Anonyme Lehrerblogs gibt es damit auch nicht, da bei konkreten Erlebnisberichten zumindest für die Beteiligten oder Freunde der Realname ermittelbar ist – auch von Personen, über die geschrieben wird. Twitteraccount veröffentlicht. Findige Menschen vermochten jedoch, diesen Account zu depseudonymisieren. Darum entspinnt sich jetzt in Blogs und auf Twitter (Hashtag: #selfiegate) eine Debatte darüber, inwiefern auf solchen Plattformen wie Twitter oder Facebook gepostete Textnachrichten, Bilder und Videos von Dritten (z.B. Presseorganen) verwendet werden dürfen. Die Kernfrage lautet dabei:

Darf alles, was im Netz verfügbar ist, auch beliebig von Dritten verwendet werden?

Besondere Brisanz erhält diese Frage, wenn es um Bilder, Textnachrichten oder Videos von Jugendlichen oder Kindern geht, die sich in sozialen Netzwerken bewegen. Immerhin heißt es in den Geschäftbedingungen von z.B. Facebook:

 Für Inhalte, die unter die Rechte an geistigem Eigentum fallen, wie Fotos und Videos („IP-Inhalte“), erteilst du uns vorbehaltlich deiner Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen die folgende Erlaubnis: Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löscht, außer deine Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben sie nicht gelöscht.

Quelle: https://www.facebook.com/note.php?note_id=10150282876970301

Was das im Einzelnen bedeutet, ist rechtlich hier sehr schön zusammengefasst. Hier gibt mehr ungeklärte als geklärte Fragen, z.B. ob eine nicht voll geschäftsfähige Personen diese Rechte überhaupt einräumen kann. Dessen ungeachtet erklärt man sich bei der Nutzung von Facebook mit deren AGB einverstanden. Gelten diese AGB, darf Facebook z.B. eine Werbekampagne mit meinem Konterfei starten ohne mich zu fragen.

Dualismen

Die reflexartige Antwort auf diese Problematik der Andersdenkenden ist im Wesentlichen die, die man Eric Schmidt (Google) mal in den Mund gelegt hat

Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.“ – Zitiert von Christian Stöcker in: Google will die Weltherrschaft (Auf die Frage nach dem Datenschutz bei Google), 8. Dezember 2009. spiegel.de/netzwelt

Quelle: http://de.wikiquote.org/wiki/Eric_Schmidt

Die Lösung soll also laut der Kritiker sein, nichts im Netz zu veröffentlichen, von dem man nicht will, dass es missbraucht oder in einen anderen Kontext wird. Bisher ist das sehr dualistisch: Ganz oder gar nicht.

Intendierte Öffentlichkeit

Da Dualismus einer der besonders unbeliebten Dinge im Netz ist, gibt es Bestrebungen, Zwischentöne zwischen „privat“ und „öffentlich“ zu konstruieren bzw. moralisch einzufordern, z.B. bei Philippe Wampfler bereits in mehreren Artikeln.

Das, was dort beschrieben wird, lässt sich für mich am ehestens mit dem Begriff „intendierte Öffentlichkeit“ fassen. Äußerungen, Foto- oder Videouploads sind in dieser Lesart nicht weltöffentlich gemeint, sondern für einen bestimmten Zweck und Adressatenkreis bestimmt.

Zum Beispiel ist das Facebookprofil eines Freundes für die Menschen bestimmt, mit denen er aus eigener Entscheidung Informationen teilt. Obwohl es öffentlich zugänglich ist, darf ich es in der Lesart der intendierten Öffentlichkeit nicht einfach in einem Kontext aufrufen, der von ihm nicht vorgesehen worden ist – etwa im Rahmen einer Unterrichtsstunde zur Medienkompetenz oder von seinen Eltern zur Ausforschung des Privatlebens.

Übertragen auf Selfiegate ist es Unrecht, dass die Identität der Frau aufgedeckt und für die gewinnorientierte Nutzung im Rahmen von Berichterstattung in der Presse verwendet wurde, weil es für die Frau eben eklatante Folgen hat und sie einer solchen Verwendung über ihre intendierte Öffentlichkeit hinaus nie zugestimmt hätte.

Ich als Lehrkraft muss eine Bewertung meiner dienstliche Identität auf Bewertungsportalen dulden. Muss ich auch dulden, dass diese Ergebnisse z.B. in einer Schülerzeitung frei verwendet werden?

Gerade das letzte Beispiel zeigt, dass ich nicht einmal selbst Dinge preisgeben muss, um mit dieser grundsätzlichen Fragestellung konfrontiert zu sein und nicht unmittelbar „selbst schuld“ bin, weil ich freiwillig Daten veröffentlicht habe.

Mit der Anmeldung zu Facebook hat man aber zumindest gegenüber Facebook selbst zugestimmt, dass es eine intendierte Öffentlichkeit in Bezug auf Facebook nicht gibt.

Meine Webrealität

Über die Möglichkeit, Daten zu kontrollieren, habe ich schon an anderer Stelle geschrieben. Ich gehe davon aus, dass mit Daten im Netz das gemacht werden wird, was für irgendwen einen Sinn ergibt. Das ist nicht schön. Das mag moralisch verwerflich sein. Es ist vielleicht aber die Natur des Menschlichen.

Was genau wäre nötig, um ein ehrbares Anliegen wir eine Verankerung der „intendierten Öffentlichkeit“ in einem globalisierten Netz zu etablieren? Zusätzlich natürlich – wie immer – am besten ohne staatliche Eingriffe?

Realistischer erscheint mir die Einsicht, dass ich die Kontrolle über meine Daten an der Pforte zum Netz schlicht abgebe. Dazu muss man – finde ich – begreifen, dass der Begriff der Kopie im Netz völlig unangebracht ist. Die digitale Repräsentation z.B. eines Fotos auf meinem Rechner und im Browser eines Websurfers ist identisch. Die Ressource wird qualitativ nicht schlechter.

Ich kann in Europa gerne ethische Standards haben und mich daran halten, muss vielleicht aber hinnehmen, dass diese in anderen Bereichen der Welt belächelt werden werden.

Ich kann also momentan eigentlich nur – zumindest für die Daten, die ich selbst verbreite – immer einen Filter vorschalten und genau prüfen, ob ich mit dem Verlust der Kontrolle über diese Daten leben kann, bis es weltweit gültige moralische Regeln gibt. Das ist ziemlich unbequem nicht mehr auf Verhalten in der Vergangenheit anwendbar, also eigentlich unrealistisch.

Einfacher bekomme ich ggf. die Problematik mit den Daten in den Griff, die Dritte über mich ins Netz einstellen – daher kann ich theoretisch jetzt schon weitaus besser vorgehen, als gegen ein Nacktfoto, welches ich selbst veröffentliche und welches dann über die von mit intendierte Öffentlichkeit hinaus Kreise zieht.

Provozierendes

Die unbekümmerten Datengeber der letzten Jahre bekommen langsam aber sicher eine Ahnung davon, was mit ihren Daten geschehen kann, bzw. was der Preis für Bequemlichkeit in der Nutzung digitaler Werkzeuge ggf. ist. Das Konzept der intendierten Öffentlichkeit kommt mir ein wenig so vor wie eine Ausrede zum Erhalt des eigenen Selbstbildes: „Ja nun, die Daten habe ich aus Bequemlichkeit verbreitet, aber das die so und so verwendet werden, habe ich nicht gewollt und auch nicht gewusst! Und eine Rückkehr ist doch gar nicht mehr möglich, so sehr wie sich diese Dienste in meinem Leben etabliert haben.“ – Bei Facebook hätte man es aber wissen können – es gab genug Leute, die die AGB gelesen und darüber aufgeklärt haben.

Auf meinen Elternabenden zur Medienkompetenz ergeben sich genau daraus immer wieder für das Publikum recht verstörende Antworten auf bestimmte Fragen, z.B. nach der Herkunft von Sexting (es waren wahrscheinlich Erwachsene in Fernbeziehungen, die damit angefangen haben) und grundsätzlich waren es auch immer Erwachsene, die aus Bequemlichkeit nutzen und Dienste verwenden, sich aber nun über das unreflektierte Verhalten ihrer Kinder aufregen. Der Gipfel war neulich das Verschicken einer PIN für eine Kreditkarte über WhatsApp in die USA. Mein Lieblingssatz dabei:

Kinder und Jugendliche sind oft genug Spiegel des Verhaltens ihrer Vorbilder.

Wenn wir als Vorbilder Konzepte wie die intendierte Öffentlichkeit für uns und unsere Kinder entwerfen und über die damit verbundene Moral nachdenken, ist das wichtig und gut. Wir dürfen nur (noch nicht) Vorbild in dem Glauben sein, das Netz (und die Menschheit) wäre diesbezüglich bereits zu ethischen Grundsätzen bekehrt. Darauf weist zurzeit eher wenig hin.

Daher ist der Begriff „intendierte Öffentlichkeit“ ein theoretisches Konstrukt und kann als solches m.E. nicht zur Rechtfertigung von vorhandenem Verhalten dienen, obwohl es etwas Tröstendes hat, zu konstruieren, dass gerade Jugendliche vielleicht insgeheim schon immer implizit nach dem Konstrukt der intendierten Öffentlichkeit im Netz handeln.

Die Antwort auf die Eingangsfrage lautet also für mich zu diesem Zeitpunkt:

Nein, es ist nicht in Ordnung, dass Inhalte von mir durch Dritte beliebig verwendet werden. Es ist aber naiv so zu tun, als geschähe das nicht oder würde in absehbarer Zeit nicht mehr geschehen.

Fußnoten   [ + ]

1. Pseudonymisierung: Tatsächlich handelt es sich nicht um eine Anonymisierung, da diese dem Grundsatz der Nichtverkettbarkeit folgt. Der Twitteraccount der Dame lieferte offenbar ausreichend Informationen (Verkettungen), die eine Auflösung des Realnamens ermöglichte. Anonyme Lehrerblogs gibt es damit auch nicht, da bei konkreten Erlebnisberichten zumindest für die Beteiligten oder Freunde der Realname ermittelbar ist – auch von Personen, über die geschrieben wird.
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