Schülerzentriert überarbeiten

Ein­mal mehr habe ich mir einen Text zur Über­ar­bei­tung durch SuS aus­ge­dacht. Wie­der ging es dabei um die Vor­gangs­be­schrei­bung – denk­bar ist aber jede ande­re Text­form, die vom Umfang her eini­ger­ma­ßen begrenzt ist. Hier der Text:

Zäh­ne­put­zen

Um die eige­nen Zäh­ne rich­tig sau­ber zu bekom­men, muss man fol­gen­des machen: Erst muss man Zahn­pas­ta auf die Zahn­bürs­te drü­cken. Das soll­te nicht zu vil und nicht zu wenig Zahn­pas­ta sein. Dann fängt man an im Mund die Zahn­pas­ta mit der Bürs­te zu ver­tei­len. Auf bes­ten macht mann das mit der KAI-Meto­de. Zuerst putzt man die Kau­h­flä­chen, die oben sind, mit Hin- und Her­be­we­gun­gen. Das tut man dann auch oben. Dann puzt man die Außen­sei­ten der Zäh­ne und zwar so, dass man immer vom Zahn­fleisch hin zum Zahn bürs­tet. Das macht man oben und unten ein­mal rund­her­um.  Dann putzt man die Innen­sei­ten der Zäh­ne und zwar so, dass man immer vom Zahn­fleisch hin zum Zahn bürs­tet. Das macht man oben und unten ein­mal rund­her­um. Vor dem Puh­t­zen muss man die Zahn­bürs­te am bes­ten etwas nass machen. Das gibt dann mehr Schaum. Ab und zu muss dann Schaum aus­pu­cken. Zum Schluss spült man den Mund gründ­lich mit Was­ser und aus­ser­dem soll­te man die Zäh­ne immer nach dem Essen put­zen.

Pha­se 1:

Die ers­te Über­ar­bei­tung erfolg­te in Part­ner­ar­beit. Die bei­den SuS haben ihren Text dabei auf einer Lern­platt­form abge­legt, das kann z.B. Mood­le sein, im Prin­zip eig­net sich dafür jede Lern­platt­form, die ein Forum anbie­tet. Wich­tig ist dabei, dass alle Tex­te im glei­chen Thread lan­den und mit Namen ver­se­hen sind.

Wei­ter­le­sen

Beschreibungen überarbeiten

Die Über­ar­bei­tung von gege­be­nen Tex­ten ist mitt­ler­wei­le eine Stan­dard­auf­ga­ben­stel­lung im Deutsch­un­ter­richt vie­ler Bun­des­län­der. Die­nen soll das Ver­fah­ren natür­lich dazu, Metho­den zur Über­ar­bei­tung eige­ner Tex­te ken­nen zu ler­nen, damit es für uns armen Lehr­kräf­te in Klau­su­ren und Arbei­ten nicht ganz so üppig viel an roter Far­be zu ver­ma­len gibt. Neben­bei ist es auch im spä­te­ren Berufs­le­ben viel­leicht so schlecht nicht, mög­lichst feh­ler­freie Text­pro­duk­tio­nen abzu­lie­fern.

SuS haben in der Regel in die­sem Bereich von Hau­se aus schon recht gute intui­ti­ve Zugän­ge. Die­se grei­fen nicht oder deut­lich schlech­ter, wenn zum vor­lie­gen­den Text nur eine gerin­ge Distanz besteht, man ihn z.B. selbst ver­fasst hat.

Ich habe mei­nen SuS (6. Klas­se) heu­te fol­gen­de Vor­gangs­be­schrei­bung zur Kor­rek­tur vor­ge­legt, die auf mei­ner Kop­pel ins Kraut geschos­sen ist:

Wei­ter­le­sen

Moodle als Mittel zur schülerzentrierten Textkorrektur

Ver­si­on 1:
„Man soll­te Schuni­for­men anscha­fen weil, vie­le Jun­gen und Mäd­chen mit der Klei­dung angeben.So lernt man das man nicht ange­ben soll­te. Dann gibt es kein Mob­bing wegen der Klei­dung mehr.“

Ver­si­on 2:
„Man soll­te Schuni­for­men anschaf­fen weil, vie­le Jun­gen und Mäd­chen mit der Klei­dung angeben.So lernt man das man nicht ange­ben soll­te. Dann gibt es kein Mob­bing wegen der Klei­dung mehr.Niemand fühlt sich ausgegrezt.Man macht Wer­bung für die Schu­le und es ist nicht so viel ande­re Klei­dung nötig.“

 

Bei­de Bei­spie­le sind authen­ti­ti­sche Schü­ler­tex­te aus mei­nem Deutsch­un­ter­richt in der 5. Klas­se zum The­ma „Argu­men­tie­ren und Dis­ku­tie­ren“. Die Authen­ti­zi­tät wird leicht durch die alters­ty­pi­schen Recht­schreib­feh­ler erkenn­bar. Den­noch lässt sich nicht abstrei­ten, dass der zwei­te Text struk­tu­rell und inhalt­lich über­zeu­gen­der gestal­tet ist – vor allem durch die grö­ße­re Zahl an Bei­spie­len. Die Ver­bes­se­run­gen erfol­gen rein schü­ler­zen­triert. Dazu kam metho­disch das LMS (Lern Manage­ment System) Mood­le mit sei­nem inte­grier­ten Foren­mo­dul nach einer ent­spre­chen­den Vor­be­rei­tung zum Ein­satz.

 

Fol­gen­des soll­te gege­ben sein:

  • die SuS sol­len einen kur­zen Text ver­fas­sen
  • die SuS haben im Unter­richt Kri­te­ri­en zum Ver­fas­sen die­ses Tex­tes ken­nen gelernt und bereits in den Hef­ten schrift­lich fixiert


1. Pha­se (Bil­dung der Peer­group):
Fer­ti­gen Sie Lose an. Jeder Schü­ler­na­me muss auf einem roten, blau­en und gel­ben Los vor­kom­men, d.h. jeweils drei ver­schie­den­far­bi­ge Lose ent­hal­ten den glei­chen Schü­ler­na­men.
Jeder Schü­ler zieht nun je ein Los von jeder Far­be – er hat also jetzt drei Namen aus der Klas­se.

2. Pha­se (Schreib­pha­se):
Jeder Schü­ler ver­fasst nun sei­nen Text in Form eines Foren­bei­trags. In den Titel sei­nes Bei­trag schreibt er sei­nen vol­len Namen in Groß­buch­sta­ben.

3. Pha­se (Feed­back­pha­se):
Jeder Schü­ler ruft die drei Foren­bei­trä­ge der Schü­ler auf, die auf sei­nen Losen ste­hen, und for­mu­liert Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge als Ant­wort.

4. Pha­se (Über­ar­bei­tungs­pha­se):
Jeder Schü­ler ver­bes­sert den eige­nen Text, indem er ihn kopiert und als neue Ant­wort unter das Feed­back sei­ner Mit­schü­ler hin­zu­fügt. Dabei hebt er von ihm geän­der­te Pas­sa­gen farb­lich her­vor.

Varia­tio­nen:
Feed­back- und Über­ar­bei­tungs­pha­se sind belie­big wie­der­hol­bar. Die Peer­groups kön­nen natür­lich in ihrer Grö­ße den Fähig­kei­ten der Lern­grup­pe ange­passt wer­den.

Erfah­run­gen:
Die zu schrei­ben­den Tex­te dür­fen nicht zu lang sein, da ansons­ten die Kor­ri­gie­ren­den schnell die Lust ver­lie­ren. Die Metho­de muss natür­lich auch außer­halb des übli­chen Unter­richts lau­fen. Ich habe es sehr sel­ten erlebt, dass sich die Tex­te durch die­se Metho­de nicht ver­bes­sert haben, da gera­de SuS meist sehr kom­pe­ten­te Lese­rin­nen und Leser sind, die oft wesent­lich schär­fer als der Leh­ren­de selbst bewer­ten. Eine gewis­se Sozi­al­kom­pe­tenz muss natür­lich gege­ben sein.

Im vor­lie­gen­den Fall bekam unser authen­ti­scher Schü­ler – natür­lich nach Feed­back­übun­gen inner­halb der Klas­se – fol­gen­de Rück­mel­dun­gen:

Das ist sehr gut gewor­den. Viel­leicht kannst du noch ein paar mehr Bei­spie­le ein­fü­gen“

Du könn­test mehr Bei­spie­le einbringen.Aber sonst hast du ein schö­nes Argu­ment geschrie­ben!“

das ist sehr gut gewor­den, aber da müs­sen noch mehr Bei­spie­le rein!!!“

Kri­tisch hin­ter­fragt wer­den muss, ob die letz­ten bei­den Äuße­run­gen nicht vom ers­ten Bei­trag abge­schrie­ben wor­den sind. Ent­schei­dend ist für mich, dass sich durch die­se Metho­de der Text des Schü­lers ohne mein Dazu­tun ver­bes­sert hat. Idea­ler­wei­se führt man die­se Metho­de natür­lich für Haus­auf­ga­ben und nicht in der Schu­le durch. Gleich­zei­tig konn­te ich die Kom­pe­tenz des ein­zel­nen Schü­lers sowohl für das Kor­ri­gie­ren der eige­nen Tex­te als auch für das Kri­ti­sie­ren frem­der Tex­te nut­zen.

Ist das nicht sehr viel Auf­wand? Könn­te man eine sol­che Metho­de nicht auch ein­fach im Unter­richt in Klein­grup­pen durch­füh­ren?

Das könn­te man mit even­tu­ell ähn­li­chem Erfolg, der jedoch nicht doku­men­tiert ist (und das scheint ja immer wich­ti­ger zu wer­den). Wei­ter­hin ver­mei­det man in gewis­ser Wei­se auch sozia­le Pro­ble­me: Oft sind die Mäd­chen in den Spra­chen stär­ker, aber die Jun­gen in dem Alter ent­wick­lungs­be­dingt nicht unbe­dingt gewillt, kon­struk­tiv mit Mäd­chen zusam­men­zu­ar­bei­ten. Schluss­end­lich kann ich eine der­ar­ti­ge Kor­rek­tur als Pro­zess außer­halb der Schu­le orga­ni­sie­ren. Den Fak­tor der Moti­va­ti­on – schließ­lich arbei­ten wir mit dem Rech­ner – darf man auch nicht außer Acht las­sen. Ich wen­de die­se Metho­de – auch wenn sie gele­gent­lich schief­geht – immer ger­ne an, weil ich so eine Viel­zahl authen­ti­ti­scher Schü­ler­tex­te für mei­ne Unter­richts­vor­be­rei­tung gewin­ne.

Die­se Metho­de funk­tio­niert übri­gens mit jedem Forum oder Lern­ma­nage­ment­sys­tem – nicht nur mit Mood­le!