Auszüge aus Schülerarbeiten auf Socialmedia veröffentlichen

… oder auch z.B. Korrekturtweets mit Zitaten. Ich werde mich jetzt unbeliebt machen, weil ich wahrscheinlich ein Tabu anspreche.

Ich als Elternteil …

Sollte ich bei meinen Kindern erleben, dass (Teil-)Scans oder Zitate, die ich zuordnen kann, öffentlich auf Socialmedia zur Schau gestellt oder diskutiert würden, ginge ich zu allererst zum Vorgesetzten der betreffenden Lehrkraft und – falls das nichts bringt – eine Ebene weiter. Als Elternteil muss ich mich nicht an Dienstwege halten. Ich würde nicht zuerst mit der betroffenen Lehrkraft sprechen. Ich finde, dass dieses Verhalten einiges aussagt, was sofort eine Beschwerde bei höheren Ebenen rechtfertigt.

Ich als Lehrkraft …

… erlebe bei Korrekturen viel Frust. Ich mag diese Arbeit nicht besonders und muss sehr viel Energie aufwenden, um mich bei der Stange zu halten. Ich kann diesen Frust meist nicht direkt mit jemandem teilen, obwohl ich ein großes Bedürfnis danach habe. Aus einem ersten Impuls heraus, neige ich oft dazu, dabei Dinge schreiben zu wollen, die den häuslichen Bereich eigentlich nicht verlassen sollten, durch die ich aber u.U. viel Beachtung erhalte, z.B. durch Menschen, die mir mitteilen, dass sie mich verstehen oder Ähnliches erleben. Deswegen habe auch ich schon Tweets wieder gelöscht. Die Selbstkontrolle (oder etwas negativer formuliert: Selbstzensur) klappt mittlerweile immer besser.

Die Administration …

… sagt, dass Arbeiten von Schülerinnen und Schüler immer auch eine gewisse Schöpfungshöhe haben, also ein Werk gemäß dem Urheberrecht darstellen dürften. Für eine Veröffentlichung – auch in Teilen – bräuchte ich beim Vorliegen dieser Schöpfungshöhe eine Einwilligung des Betroffenen – wenn er noch nicht volljährig ist eben die seiner Erziehungsberechtigten. Weiterhin unterliegen Arbeiten eines Schülers dem besonderen Schutz des Amtsgeheimnisses – insbesondere wenn es sich dabei um benotungsrelevante Texte oder sonstige Klausurauszüge handelt. Es wäre zu klären, inwieweit dieses Amtsgeheimnis durch eine Veröffentlichung von Auszügen gewahrt bleibt – immerhin ist es in manchen Bundesländern sogar explizit untersagt, Ereignisse, von denen ich im Rahmen des Amtsgeheimnisses Kenntnis erhalten habe, literarisch zu verarbeiten.

Die pädagogische Dimension …

„Darf ich Teile deiner Klausur mit meinen Korrekturen und einem Kommentar auf Socialmedia veröffentlichen?“ Lernen braucht in meinen Augen auch geschützte Räume, in denen Fehler folgenfrei bleiben. Ich möchte nicht die Arbeit irgendeines Schülers dem Gebahren auf Socialmedia aussetzen. Für mich ist das ein grober Vertrauensbruch. Die Handschrift eines Menschen ist einzigartig und damit für mich ein eindeutiges, personenbezogenes Merkmal – auch schon in der Grundschule. Zumindest der Betroffene wird seine Schrift wiedererkennen Ich möchte als Schüler nicht in die Lage kommen, meine unvollkommenen Texte irgendwo auch nur in Teilen veröffentlicht zu sehen. Mir reicht das, was ich hier schon teilweise an „gut gemeinten“ Berichtigungen als Zusendungen erhalte (nicht in der Sache, aber oft genug im Tonfall).

Wann habe ich Schülerarbeiten veröffentlicht?

Beide Punkte müssen für mich zutreffen:

  1. Ich habe den Schüler vorher gefragt.
  2. Ich bin mir sicher, dass die Leistung des Schülers entweder positiv dargestellt ist oder der Kontext einen Erkenntnisgewinn für Dritte bietet, den ich dem Schüler vermitteln kann.

Hier lagern auf verschlüsselten Festplattenbereichen noch diverse Schätze: Freie Reden mit viel Witz, außerordentliche Texte, Bilder aus dem Unterricht, Fotos von Standbildern usw.. Alles gäbe wunderbare und lehrreiche Blogartikel ab. Für mich. Aber um mich geht es in diesem Falle eher ganz viel weniger.

Datenschutz – konkret umgesetzt auf riecken.de

Ich lege Wert auf den Schutz der Daten meiner Besucher. Ich versuche zudem einen Interessenausgleich zwischen meinem Bedürfnis nach statistischer Auswertung der Seitenbesuche und dem Recht meiner Besucher auf informelle Selbstbestimmung zu ermöglichen. Das realisiere ich z. Zt. durch folgende konkrete Maßnahmen:

  1. riecken.de verwendet keine Statistiktools von Drittanbietern wie z.B. Google Analytics. Eingesetzt wird das freie Tool piwik, welches mit einem Plugin zur Kürzung der aufgezeichneten IP-Adressen ausgestattet ist. Die Analyseergebnisse stehen darüberhinaus jedem frei zur Einsicht zur Verfügung.
  2. riecken.de verwendet keinen Spamfilter, der mit Drittanbietern derart kommuniziert, dass Nutzerdaten weitergegeben werden. Zum Einsatz kommt das Plugin Antispam Bee. Die Standardlösung von WordPress (Akismet) ist unter Datenschutzaspekten kritisch zu sehen.
  3. riecken.de zwingt Besuchern keine Kommentarplugins wie z.B. Disqus auf, welches Besucherdaten an Dritte übermittelt.
  4. riecken.de verwendet keine Facebookbuttons, die ein Tracking schon beim reinen Seitenbesuch ermöglichen. Der modifizierte Facebookbutton dient eher Bewusstmachungszwecken als dem Bedürfnis, vielfältig und bequem auf Facebook verlinkt zu werden.
  5. riecken.de blendet keine Werbung von Ad-Servern wie z.B. GoogleAdsense ein, unter anderem auch wegen solcher Vorfälle, die immer wieder vorkommen.
  6. riecken.de bietet seine Dienste auch via https und damit SSL-verschlüsselt an. Wer z.B. anonym kommentieren möchte, bleibt damit auch auf dem Weg zu riecken.de anonym.
  7. riecken.de nutzt bei Posts auf SocialMedia-Plattformen jetzt wieder yourls als eigenen URL-Shortener. Die in diese Dienste eingebundenen URL-Shortener geben zum einen i.d.R. keine Rückmeldung darüber, ob der Link angenommen wurde und  zum anderen ermöglichen sie ein erweitertes Tracking von Benutzern.
  8. riecken.de ist offen für weitere Vorschläge von Nutzern, dem Datenschutz gerecht zu werden, z.B. gibt es Überlegungen gravatar eventuell auch nicht mehr zu verwenden (wobei ich denke, dass dadurch viel persönlicher „Touch“ verloren ginge und die Benutzer sich ja freiwillig bei gravatar registriert haben, damit ihr Bild neben Beiträgen erscheint).

Der Grundgedanke dahinter ist, dass ich nicht darüber bestimmen möchte, was ein Besucher von riecken.de an Daten über sich Dritten preiszugeben hat, wenn er meine Seiten nutzen möchte. Riecken.de ist ein voraussetzungs- bzw. bedingungsloses Angebot.

Aus dem gleichen Grund verwende ich auch keine Google- oder Facebookapps auf meinem Mobilgerät, sondern synchronisiere Kontakt- und Kalenderdaten ausschließlich über eigene Lösungen – z.Zt. via tine20 (ActiveSync). Die Apps lassen mir keine Wahl, ob ich Adressbücher mit externen Diensten syncen möchte oder nicht, sodass ich mich selbst oft in Webdiensten vorfinde, in denen ich mich gar nicht vorfinden will.

Verlorene Links – Teil 3

  1. Hokey schreibt seine ganz eigenen Gedanken zum Zeit-Artikel „Wir müssen die Welt retten„, der gerade quer durch alle Social-Mediakanäle getragen wird.  Ich habe seinen Gedanken nichts hinzuzufügen außer der Tatsache, dass ich schon immer für Vielfalt im Lehrerkollegium war :o)…
  2. Ich bin seit einiger Zeit wieder bei Twitter, ertappe mich aber dabei, dass mir spontan kaum positive Tweets einfallen und nach meinem Dafürhalten sich die Edu-Web2.0-Generation sich immer noch inhaltlich vor allem selbst verstärkt. Gleichwohl ist es schön, wieder mitzubekommen, wie es dem einen oder der anderen geht, da ich ich doch eine große Wertschätzung für viele dort empfinde und einfach persönlich interessiert bin. Dummerweise ist für mich persönlich umgekehrt Twitter überhaupt kein Medium, um Befindlichkeiten mitzuteilen… Also weiß ich nicht so recht, was ich dort mache und warum ich wieder da bin.
  3. Adrenalin ins Blut bekomme ich bei den Artikeln von Christian Füller. Da ich keinen Kaffee trinke, brauche ich das einfach immer wieder, um richtig wach zu werden. Auch Analogien zum Dritten Reich werden dort bemüht. Schon doof, wenn zu bösen Lehrern auch noch böse Eltern kommen. Zudem glaube ich, dass derartige Artikel für das an sich lautere Ziel, was mit ihnen angestrebt wird, absolut kontraproduktiv sind. Überzeugen müssen wir nicht die, die es begriffen haben… Die Machtverhältnisse snd zur Zeit leider nicht wunschgemäß verteilt.
  4. Polemik, wie ich sie mag hingegen sehr mag, heute frisch auf Carta. Es geht einmal mehr gegen das Leistungsschutzrecht. Nicht alles stimmt – das ist bei Polemik halt so.
  5. Eine spannende Diskussion um Allgemeinbildung im humboldtschen Sinne läuft zur Zeit auf Drossmann.de. Entzündet hat sich dieses echte Kleinod an der Frage, ob man heute in der Schule noch Gedichte auswendig lernen lassen sollte. Hätte ich ehrlicherweise ohne Twitter nicht mitbekommen.

Bye, bye Twitter!

Ich habe meinen Twitteraccount gestern nach wochenlanger Überlegung gelöscht. Ich habe diese Überlegungen nicht öffentlich gemacht, aber sie laufen im Kern auf einen Gedanken hinaus, den Jean-Pol Martin zumindest sinngemäß einmal geäußert hat: Verantwortung für sich selbst bedeutet auch, sich mit Menschen und Informationen zu umgeben, die die eigenen Bedürfnisse maximal befriedigen, um handlungsfähig und explorativ zu bleiben. Das kommt sehr schön (und augenzwinkernd!) in einem seiner Videos zum Ausdruck, in dem er u.a. seine Gedanken zum Thema Liebe äußert.

Ist Twitter jetzt keine Quelle der Bedürfnisbefriedigung für mich?

Und ob Twitter das ist. Über Twitter habe ich eine ganze Reihe von Menschen kennen gelernt, die mir sehr wichtig sind und die mir unzählige Gedanken, Texte, Links usw. zugänglich gemacht haben, auf die ich ohne sie nie Zugriff erhalten hätte. Twitter macht mir wahnsinnig viel Spaß und hat mich daher jeden Tag innerlich und äußerlich beschäftigt – aber genau das wurde auch zu einem Problem.

Welches Problem?

Ich habe private Verantwortung, ich habe berufliche Verantwortung und ja – ich habe auch noch Hobbys, z.B. dieses Blog hier. Ich habe also unzählige Quellen der Bedürfnisbefriedigung, so viele, dass ich auswählen muss. Twitter hat bei mir doch eine ganze Menge an stark fragmentierten Zeitressourcen verlangt, die dann bei anderen Quellen fehlten. Dazu kommt, dass bei Twitter die bedürfnisbefriedigenden Ereignisse, die Emergenzen einfach immer schwer „planbar“ waren – das sind sie im Leben ja auch. Twitter hat für mich immer etwas wie ein Kneipenabend. Man redet über sehr viel, man hört sehr viel, aber das Informationsdestillat – so schön und vollmundig es immer auch war – konnte für mich bald nicht mehr mit dem anderer Quellen konkurrieren. Und in die Kneipe könnte ich übrigens auch einmal öfter gehen…

Was war der endgültige Auslöser?

Das war Zoe (Name verfälscht). Ich weiß nicht, wer Zoe ist – ich vermute ein Teenager. Zoe hat mir zu einem Artikel, den ich hier geschrieben habe, zwei Fragen gestellt, die mich nochmal ganz neu über den Lehrinhalt aus dem Artikel und über den Umgang mit diesen Lehrinhalten in meinen Unterricht überhaupt haben nachdenken lassen, weil es unglaublich gute Fragen sind. Zoes Fragen werden sofort mein unterrichtliches Handeln bestimmen – und allein im Handeln liegt für mich persönlich zur Zeit die „Hauptbedürfnisbefriedigungsquelle“.

Und die ganzen Menschen auf Twitter?

Mein Feedreader ist aber sowas von aufgebohrt, dass ich hoffe, kaum einen aus den Augen zu verlieren. Fast alle führen Blogs oder sind auch noch auf andere Art und Weise im Netz zu erreichen, z.B. über die Kommentarfunktion ihrer Blogs oder bei engagiert organisierten Live-Events. Für mich waren oft die Diskussionen, die in den Blogs stattfanden, eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung – nicht unbedingt eine bessere als Twitter, aber eine entschleunigtere – denn: Man wird ja nicht jünger :o)…

Aber der Account hätte doch bleiben können?

Nee – ganz oder gar nicht. Der Finger zuckte schon jetzt viel zu oft beim Überfahren des gelben Tweetdeck-Icons und dann wollte man eigentlich das Arbeitsblatt für morgen – aber da kam ja dann der Link auf den Artikel sowieso rein und schon dauerte eine Arbeit, die ansonsten in 30 Minuten durch gewesen wäre, locker einmal 90 Minuten. Die persönlichen Lernergebnisse in den 90 Minuten waren super, aber das Arbeitsblatt wurde oft einfach nicht fertig. Ich bin da einfach zu undiszipliniert :o)…

Aber wenn es sonst weniger wird – ist Twitter dann wieder eine Option?

Ich bin mir nicht sicher, wie lange Twitter noch geben wird. Schon jetzt tauchen andere Dienste am Horizont auf und das Web2.0-Karussell dreht sich nunmal sehr schnell. Auf jeden Fall gibt es für jeden, der für Twitter Zeit hat, dort eine Menge zu erleben und zu lernen. Das habe ich selbst erfahren.

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