OpenLDAP ab 2.4 installieren und einrichten

Vorweg

Mir ist keine Quelle im Netz bekannt, die die Einrichtung von OpenLDAP wirklich umfassend darstellt – schon gar nicht auf Deutsch. Diese Informationen hier sind aus allen möglichen Ecken zusammengeklaubt – selbst die meisten Bücher zu OpenLDAP empfinde ich als sehr wenig hilfreich.

Grundinstallation

Hinweis: domain.tld muss man natürlich immer an den eigenen openLDAP anpassen.

Zuerst installieren wir die Binaries, in Debian und seinen Abkömmlingen (Ubuntu, Mint etc.) z.B. so:

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apt-get install slapd ldap-utils

Die Installationsroutine von Debian legt dabei nur eine sehr rudimentäre Konfiguration an, sodass etwas Nacharbeit vonnöten ist. Bei anderen Distributionen kenne ich mich nicht so gut aus. Ein

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dpkg-reconfigure slapd

ermöglicht uns hier die Eingabe einer korrekten Basis-DN (auf die muss unser SSL-Zertifikat ausgestellt sein), meist sowas wie

  • dc=domain, dc=tld

und zusätzlich definieren wir dabei ein Rootpasswort für den LDAP-User

  • cn=admin,dc=domain,dc=de

.

Handling von OpenLDAP

Ab Debian Squeeze speichert der OpenLDAP-Server seine Konfiguration in einem internen LDAP-Baum und nicht mehr in einem Konfigurationsfile. Das macht die Pflege auf den ersten Blick erheblich aufwändiger, weil man an diesen Baum in der Standardkonfiguration nur umständlich über Konsolentools herankommt. Zudem kann eine fehlerhafte Datenbank dazu führen, dass der OpenLDAP nach einer Konfigurationsänderung gar nicht mehr hochkommt.
Nur der Rootbenutzer des Systems kommt immer auch direkt an die Daten. Man kann sich die bestehenden Inhalt nur als root anzeigen lassen mit:

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ldapsearch -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -b "cn=config"

Neue Einträge können über *.ldif-Files hinzugefügt werden:

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ldapmodify/ldapadd -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f
Hinweis zu Ubuntu 14.04 LTS

Der Installer setzt den Accountnamen für den Benutzer mit Zugriff auf den cn=config-Baum standardmäßig auf: cn=admin,dc=domain,dc=tld. Dann macht man Befolgen dieser Anleitung ein langes Gesicht. Um das auf den Standard zu ändern, benötigt man nur für Ubuntu 14.04 LTS noch eine kleine Änderung (change_admin.ldif):

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dn: olcDatabase={0}config,cn=config
changetype: modify
replace: olcRootDN
olcRootDN: cn=admin,cn=config

Obligatorisch:

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ldapmodify -Q -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f change_admin.ldif

Sicherheit

OpenLDAP-Verbindungen per TLS absichern

Vorweg: Hier kann ganz viel schiefgehen, obwohl ich dieses Kapitel mit am wichtigsten finde. Wenn OpenLDAP aus irgendwelchen Gründen die Zertifikatfiles nicht frisst, kann man mit der Konfiguration von vorne beginnen oder man hat vorher ein Backup der alten Datenbank gemacht. Deswegen überspringe ich diesen Schritt gerne und binde den OpenLDAP einfach nicht an öffentlich erreichbare Netzwerkdevices. Wenn man das machen muss, führt aus Datenschutzgründen aber kein Weg an dieser Prozedur hier vorbei. LDAP ist genau wie FTP ein Klartextprotokoll, dass ohne Transportverschlüsselung auf dem gesamten Datenweg offenliegt und gerade in WLAN-Umgebungen sehr leicht belauscht werden kann.
Generell gibt es zwei Möglichkeiten, wie man an kostenlose Zertifikate kommen kann. Wosign oder StartSSL. Es gibt diverse Tutorials im Netz zur Nutzung dieser Dienste. Von Letsencrypt würde ich im Kontext von OpenLDAP eher abraten. StartSSL und WoSign sind mittlerweile Geschichte. Wenn es kostenlos sein soll, führt kein Weg an letsencrypt vorbei. Man muss dann dafür sorgen, dass OpenLDAP nach jedem Certupdate neu gestartet wird, also alle drei Monate mindestens.

Man hat am Ende des Zertifizierungsprozesses in der Regel drei Dateien vorliegen:

  1. domain.tld-crt.pem (enthält das Zertifikat)
  2. domain.tld-key.pem (enthält den privaten Schlüssel)
  3. ca_chain.pem (enthält die Zertifizierungschain der CA)

domain.tld ist dabei der Wurzelbaum des openLDAP. Ich habe die Dateien nach /etc/ldap/ssl gelegt. Besser aufhoben sind sie in /etc/ssl/cert – dann muss slapd Leserechte dort bekommen.

Folgende Datei (tls_ldap.ldif) anlegen:

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dn: cn=config
add: olcTLSCACertificateFile
olcTLSCACertificateFile: /etc/ldap/ssl/domain.tld-crt.pem
-
add: olcTLSCertificateKeyFile
olcTLSCertificateKeyFile: /etc/ldap/ssl/domain.tld-key.pem
-
add: olcTLSCertificateFile
olcTLSCertificateFile: /etc/ldap/ssl/ca_chain.pem

… und über die Konsole einspielen:

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ldapadd -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f tls_ldap.ldif

oder auch

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ldapmodify -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f tls_ldap.ldif

Ich bin zusätzlich ein Freund davon, sichere Verbindungen zu erzwingen. Clients, die das nicht wollen oder können, sollen bitte draußenbleiben.

Folgende Datei (force_tls.ldif) anlegen:

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dn: olcDatabase={1}hdb,cn=config
changetype:  modify
add: olcSecurity
olcSecurity: tls=1

Und wieder einspielen:

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ldapadd -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f force_tls.ldif

oder auch

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ldapmodify -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f force_tls.ldif

Jetzt noch in /etc/default/slapd nachschauen, ob die Services stimmen (ldaps über Port 639 gilt als veraltet und sollte nicht mehr verwendet werden). In der Regel steht da so etwas:

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SLAPD_SERVICES="ldap://0.0.0.0:389/ ldapi:///"

Wenn man mehrere NICs besitzt, kann man natürlich statt 0.0.0.0 auch die IP einer spezifischen Netzwerkkarte angeben oder den OpenLDAP nur an localhost (127.0.0.1) binden.

Ein

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service slapd restart

bringt Aufklärung, ob das Ganze funktioniert hat. Theoretisch ist das nicht notwendig, da OpenLDAP durch das neue Verfahren ohne Konfigurationsdatei quasi live im Betrieb gepatcht wird. Jetzt sollte der OpenLDAP Verbindungen von außen nur noch verschlüsselt akzeptieren. Von der Konsole aus ( ldapi:/// ) klappt das nach wie vor auch normal. Wir vertrauen uns ja schon selbst.

Bruteforce erschweren

Ein offener LDAP-Server ist anfällig für brute-force Attacken – zumal gerade im Schulbereich viele unsichere Passwörter im Umlauf sein dürften. Durch das ppolicy.schema kann man z.B. nach einigen fehlgeschlagenen Logins den Account für eine Weile automatisch sperren. openLDAP bringt das dafür notwendige Schema in /etc/ldap/schema/ppolicy.ldif schon mit.

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dn: cn=ppolicy,cn=schema,cn=config
objectClass: olcSchemaConfig
cn: ppolicy
olcAttributeTypes: {0}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.1 NAME 'pwdAttribute' EQUALITY
  objectIdentifierMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.38 )
olcAttributeTypes: {1}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.2 NAME 'pwdMinAge' EQUALITY in
 tegerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {2}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.3 NAME 'pwdMaxAge' EQUALITY in
 tegerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {3}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.4 NAME 'pwdInHistory' EQUALITY
  integerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {4}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.5 NAME 'pwdCheckQuality' EQUAL
 ITY integerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {5}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.6 NAME 'pwdMinLength' EQUALITY
  integerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {6}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.7 NAME 'pwdExpireWarning' EQUA
 LITY integerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {7}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.8 NAME 'pwdGraceAuthNLimit' EQ
 UALITY integerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {8}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.9 NAME 'pwdLockout' EQUALITY b
 ooleanMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.7 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {9}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.10 NAME 'pwdLockoutDuration' E
 QUALITY integerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {10}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.11 NAME 'pwdMaxFailure' EQUAL
 ITY integerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {11}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.12 NAME 'pwdFailureCountInter
 val' EQUALITY integerMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.27 SINGLE-VALUE
 )
olcAttributeTypes: {12}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.13 NAME 'pwdMustChange' EQUAL
 ITY booleanMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.7 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {13}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.14 NAME 'pwdAllowUserChange'
 EQUALITY booleanMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.7 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {14}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.1.15 NAME 'pwdSafeModify' EQUAL
 ITY booleanMatch SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.7 SINGLE-VALUE )
olcAttributeTypes: {15}( 1.3.6.1.4.1.4754.1.99.1 NAME 'pwdCheckModule' DESC 'L
 oadable module that instantiates "check_password() function' EQUALITY caseExa
 ctIA5Match SYNTAX 1.3.6.1.4.1.1466.115.121.1.26 SINGLE-VALUE )
olcObjectClasses: {0}( 1.3.6.1.4.1.4754.2.99.1 NAME 'pwdPolicyChecker' SUP top
  AUXILIARY MAY pwdCheckModule )
olcObjectClasses: {1}( 1.3.6.1.4.1.42.2.27.8.2.1 NAME 'pwdPolicy' SUP top AUXI
 LIARY MUST pwdAttribute MAY ( pwdMinAge $ pwdMaxAge $ pwdInHistory $ pwdCheck
 Quality $ pwdMinLength $ pwdExpireWarning $ pwdGraceAuthNLimit $ pwdLockout $
  pwdLockoutDuration $ pwdMaxFailure $ pwdFailureCountInterval $ pwdMustChange
  $ pwdAllowUserChange $ pwdSafeModify ) )

Eingespielt wird das Schema mit:

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ldapadd -Q -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f ppolicy.ldif

Das Schema ppolicy.ldif selbst definiert nur Objekte für das entsprechende Modul, was jetzt noch geladen werden muss, wofür wir eine Datei policy_module.ldif mit folgendem Inhalt anlegen:

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dn: cn=module{0},cn=config
changetype: modify
add: olcModuleLoad
olcModuleLoad: ppolicy.la

Und das alte Spiel:

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ldapadd -Q -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f policy_module.ldif

Jetzt brauchen wir noch eine Ablage (policy_context.ldif) für die verschiedenen Regelsätze:

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dn: ou=policies,dc=domain,dc=tld
objectClass: organizationalUnit
objectClass: top
ou: policies
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ldapadd -Q -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f policy_context.ldif

Und als nächstes eine Default-Policy (default_policy.ldif):

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dn: cn=default,ou=policies,dc=domain,dc=tld
objectClass: top
objectClass: device
objectClass: pwdPolicy
cn: default
pwdAttribute: 2.5.4.35
pwdMaxAge: 15552000
pwdInHistory: 3
pwdMinLength: 6
pwdMaxFailure: 3
pwdLockout: TRUE
pwdLockoutDuration: 1800
pwdGraceAuthNLimit: 3
pwdMustChange: TRUE
pwdAllowUserChange: TRUE
pwdSafeModify: TRUE

In diesen Beispiel wird nach drei fehlgeschlagenen Loginversuchen ( pwdMaxFailure: 3 ) das Login für 1800 Sekunden ( pwdLockoutDuration: 1800 ) gesperrt. Das sollte klebrig genug sein.

Muss ich es noch schreiben?

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ldapadd -Q -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f default_policy.ldif

Da OpenLDAP ja so fluffig und intuitiv ist, brauchen wir jetzt noch ein Overlay (policy_overlay.ldif), dass dem OpenLDAP sagt, dass statt des normalen Loginhandlings jetzt immer auch die Default-Policy gelten soll:

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dn: olcOverlay=ppolicy,olcDatabase={1}hdb,cn=config
objectClass: olcOverlayConfig
objectClass: olcPPolicyConfig
olcOverlay: ppolicy
olcPPolicyDefault: cn=default,ou=policies,dc=domain,dc=tld
olcPPolicyHashCleartext: TRUE
olcPPolicyUseLockout: TRUE

Ihr wisst, was jetzt kommt:

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ldapadd -Q -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f policy_overlay.ldif

Damit hätten wir grundsätzlich verschlüsselte Verbindungen erzwungen und zusätzlich Bruteforce-Angriffe erschwert. Bleibt noch eines zu tun:

Anonymous-Bind verbieten

Standardmäßig erlaubt openLDAP einen sogenannte anonymous bind, d.h. man erhält lesend Zugriff auch ohne die Eingabe eines Passwortes. Diese lesende Zugriff ist sehr eingeschränkt, z.B. gibt es keinen Zugriff auf bestimmte Objektklassen oder gar Passworthashes. Mir ist die Vorstellung trotzdem nicht geheuer, dass sich u.a. Nutzernamen auf diesem Weg auslesen lassen. Daher verwende ich für den lesenden Zugriff einen separaten User, der sich mit Passwort authentifizieren muss, ansonsten aber nicht mehr Rechte als beim anonymous bind hat. Deswegen unterbinden wir das mit einer neuen Datei noanonymous.ldif:

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dn: olcDatabase={1}hdb,cn=config
add: olcRequires
olcRequires: authc
 
dn: olcDatabase={-1}frontend,cn=config
add: olcRequires
olcRequires: authc

Und jetzt kommt etwas anderes, weil wir einen bereits bestehenden Datenbankeintrag aktualisieren:

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ldapmodify -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f noanonymous.ldif

Nach dem Einspielen der letzten Änderung hat man ohne Authentifizierung auch über die Konsole keinen Zugriff mehr auf den Hauptbaum des OpenLDAP (dc=domain, dc=tld) – die war bisher auch sowas wie „anonym“ aus Sicht des LDAP. Man muss dann ausweichen auf eine andere Befehlszeile (cn=config ist davon nicht betroffen):

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ldapadd -x -D cn=admin,dc=domain,dc=tld -W -f

Danach wird man zur Eingabe des Adminpasswortes aufgefordert und kann so den Hauptbaum beschreiben und verändern.

Optionale Arbeiten

Performancetuning

Diese Datei ( index.ldif )

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dn: olcDatabase={1}hdb,cn=config
changetype: modify
add: olcDbIndex
olcDbIndex: cn pres,sub,eq
-
add: olcDbIndex
olcDbIndex: sn pres,sub,eq
-
add: olcDbIndex
olcDbIndex: uid pres,sub,eq
-
add: olcDbIndex
olcDbIndex: displayName pres,sub,eq
-
add: olcDbIndex
olcDbIndex: default sub
-
add: olcDbIndex
olcDbIndex: uidNumber eq
-
add: olcDbIndex
olcDbIndex: gidNumber eq
-
add: olcDbIndex
olcDbIndex: mail,givenName eq,subinitial
-
add: olcDbIndex
olcDbIndex: dc eq

einspielen mit

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ldapadd -Q -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f index.ldif
Benutzer für die Administration von cn=config einrichten

Wenn man sauch den cn=config-Baum auch über komfortablere Frontends wie phpldapadmin oder LAM verwalten möchte, muss man das Objekt cn=admin, cn=config noch um weitere Einträge ergänzen. Zunächst erzeugen wir uns über die Konsole ein Passwort:

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slappasswd -h {SSHA}

Wir erhalten einen Hash zurück, den wir in die Zwischenablage kopieren. Jetzt erstellten wir ein ldif-File (manager.ldif):

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dn: olcDatabase={0}config,cn=config
changetype: modify
add: olcRootPW
olcRootPW: {SSHA}
 
# auskommentieren, wenn wir den Zugriff von root  auf cn=config 
# ohne Passwort sperren wollen. Sollte als Fallback besser erhalten bleiben
 
#dn: olcDatabase={0}config,cn=config
#changetype: modify
#delete: olcAccess
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ldapmodify -Q -Y EXTERNAL -H ldapi:/// -f manager.ldif

Wenn wir jetzt in phpldapadmin (ab Version 1.2.2) oder lam als Base-DN cn=config verwenden und als Login cn=admin, cn=config, können wir cn=config auch grafisch verwalten.

Quelle: https://wiki.debian.org/PhpLdapAdmin

War doch ganz einfach oder?

OpenLDAP ist extrem sperrig, aber eine hervorragende Authentifizierungsmöglichkeit, da im Gegensatz zu Datenbanksystemen die Struktur hochgradig standardisiert sowie mustergültig objektorientiert ist und sich OpenLDAP so recht schnell in beliebige Anwendungen integrieren lässt – fast alle ernstzunehmenden Onlinetools unterstützen die Authentifizierung über LDAP. OpenLDAP diente nicht umsonst nicht als Vorlage für die LDAP-Funktionen von Samba4 – weil es eben so sperrig ist.

Googles Macht (prevalence)

Google hat etwas angekündigt: Die Tatsache, dass eine Seite Inhalte auch verschlüsselt per TLS ereichbar ist, wird sich zukünftig positiv auf das Ranking auswirken. Auch dieses Blog ist durchgängig über https erreichbar. Testen lässt sich das für die eigene Homepage hier. riecken.de bekommt heute, am 31. Dezember 2014 ein „A-„-Rating (vorwiegend, weil keine älteren Referenzbrowser unterstützt werden).

ssllab_2014-12-31

Die Reaktionen auf Googles Vorstoß sind unterschiedlich.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch?

  • verschlüsselter Internetverkehr kann nicht ohne Weiteres mitgelesen werden, d.h. ein Admin wie ich hätte – selbst wenn er es wollte – keinen Zugriff auf die Inhalte, die bei einer Internetsitzung übertragen werden – lediglich die aufgerufenen Seiten sehe ich im Log. In Firmen- und Schulnetzwerken kann man aber durchaus tricksen, wenn man die Kontrolle über die Clients hat.
  • Organisationen, die im großen Stil Internetverkehr mitschneiden wollen, bekommen über kurz oder lang das Problem, dass immer mehr Rechenkapazität zur Entschlüsselung notwendig wird. Massenüberwachung wird damit also teurer – wenn die Verbindung durch geeignete Einstellungen entsprechend gesichert ist.
  • Man erzwingt, dass Login- und Anmeldedaten – z.B. wenn ich mich hier einlogge, um einen Artikel zu schreiben – auch verschlüsselt übergeben werden. Das ist ein Sicherheitsgewinn.

Warum macht man das also nicht schon lange?

Das ist eine spannende und gar nicht so leicht zu beantwortende Frage. Es gibt einige Fallstricke dabei.

1. Identität

Durch verschlüsselte Verbindungen kann man lediglich sicherstellen, dass die Verbindung eben verschlüsselt ist. Man weiß bei den allermeisten Verbindungen nicht, ob man wirklich mit der im Zertifikat hinterlegten Stelle kommuniziert. Man bekommt heute problemlos Zertifikate für Domains ohne Whois-Eintrag – meist wird nur rudimentär geprüft, ob Zugriff auf eine bestimmte System-E-Mailadresse besteht. Lediglich bei EV-Zertifikaten (grüne Adresszeile) kann man sich recht sicher sein, z.B. wirklich mit der eigenen Bank zu sprechen.

2. Entschlüsselung

Ich als Geheimdienst würde verschlüsselte Verbindungen aufzeichnen und darauf hoffen, dass irgendwann meine Rechenkapazitäten für eine Entschlüsselung ausreichen. Dem kann man nur entgegenwirken, indem man serverseitig bestimmte Verschlüsselungsverfahren erzwingt, z.B. Diffie-Hellmann. Das geht wiederum oft zu Lasten der Unterstützung älteren Browser und Betriebssysteme. Der Kompromiss bei den Einstellungen – gerade bei Banken – ist eben ein Kompromiss.

3. Eingebettete Inhalte

Mein Browser wird meckern, wenn auch einer verschlüsselten Webseite unverschlüsselte Inhalte nachgeladen werden, also z.B. ein eingebettetes Video von einer unverschlüsselten Quelle. Diese Warnung sieht für den unerfahrenen Nutzer ziemlich bedrohlich aus. Er wird im Zweifel diese Seite nicht besuchen.

Gleichzeitig erschwert es genau dieser Mechanismus z.B. Schadprogrammen unentdeckt zu bleiben – wenn sich der jeweilige Serverbetreiber nicht die Mühe macht, ein Zertifikat zu besorgen. Das Gleiche gilt aber auch für Werbenetzwerke, die sehr oft mit eingebetteten Inhalten arbeiten.

Deswegen wird man heute kaum bekannte Internetportale finden, die über https erreichbar sind.

4. Performance

Verschlüsselung erfordert etwas mehr CPU-Power auf Seiten des Clients und des Servers. Großartige Unterschiede merke ich bei meinen Lastmessungen aber nicht. Die Aussagen zum Cachingverhalten bei verschlüsselten Verbindungen sind widersprüchlich. Alles in allem denke ich, dass dieser Punkt vernachlässigbar ist.

Das sehen Firmen, die Angebote für Bildungsinstitutionen machen, naturgemäß oft anders. Da wird gerne noch die Mär von „überflüssig außer beim Login“ (immerhin) erzählt – weil oft genug ein CDN (Content-Delivery-Network) im Hintergrund werkelt und statische Inhalte cached oder gar Werbebanner nachlädt. Das umzustellen ist dann schon Aufwand, wenn man es nachträglich angehen muss.

5. Aufwand und Kosten

Bei Zertifikaten muss jemand bestätigen, dass meine Identität stimmt. Das machen Zertifizierungsstellen, die das nach bestimmten Kriterien prüfen. Zertifikate, die jährlich erneuert werden müssen, gibt es kostenlos bei StartSSL.

Dieses Geschäftsmodell ist vielen anderen Händlern von Zertifikaten natürlich ein Dorn im Auge – für eine private Webseite reicht ein solches Zertifikat jedoch vollkommen aus. Günstige Einsteigerzertifikate gibt es ab ca. 5,- Euro pro Jahr – und diese Zertifizierungsstellen prüfen dabei nach meinen Erfahrungen auch nicht besser als StartSSL. Als Hostingkunde wird man etwas mehr anlegen müssen. Gesehen habe ich Angebote ab 15,- Euro pro Jahr – dafür hat man nichts mit Serverkonfigurationen zu tun.

Für Onlineshops oder gar öffentliche Lernplattformen sollte man etwas mehr anlegen – unter 300,- Euro pro Jahr ist da kaum etwas zu machen. Wenn mir da ein Anbieter ohne EV-Zertifikat kommt, ist das eigentlich schon ein Ausschlussgrund.

Ein einfaches Zertifikat über StartSSL oder Comodo habe ich nach ca. fünf Minuten in den Händen und auf dem Server installiert. Eine EV-Validierung ist deutlich aufwändiger. Dafür wird man einen Mitarbeiter wohl 1-2 Stunden beschäftigen müssen.

Google

Google nutzt eigene Werbenetzwerke und kann für diese recht problemlos eine vollständige Verschlüsselung einrichten. Google zwingt andere Werbenetzwerke jetzt quasi dazu, es ihnen gleichzutun. Wenn sich zudem höhere Standards bei der Identitätsvalidierung durchsetzen, wird es für Werbetreibende, die im Netz unerkannt bleiben wollen, immer schwieriger, auch prominent in Erscheinung zu treten – z.B. durch eingebettete Bannerwerbung.

Wofür nutzt Google also seine Marktmacht? Warum laufen Vermarkter gerade Sturm gegen diesen Vorstoß Googles? Wie werden Infoportale damit umgehen, dass sie nun Gefahr laufen, im Ranking von Google zu sinken? Handelt Google auch aus Eigeninteresse? Oder setzt sich Google hier für unsere Sicherheit ein?

Es ist sehr interessant, wie Google hier seinen Einfluss einmal mehr nutzt.