Textüberarbeitung mit Etherpad

Ich habe heu­te einen Text im Deutsch­un­ter­richt pseud­ony­mi­siert mit Ether­pad über­ar­bei­ten las­sen. Mein Lan­des­in­sti­tut bie­tet eine freie Instal­la­ti­on für die Schu­len Nie­der­sach­sen auf Ser­vern des Lan­des an. Mit der Lern­grup­pe übe ich gera­de den Inter­pre­ta­ti­ons­auf­satz, zu dem auch eine Inhalts­an­ga­be gehört. Unse­re Tex­te lie­gen bereits digi­tal in Form eines Blog­ar­ti­kels vor.
Ein End­ergeb­nis sah so aus (die Ver­öf­fent­li­chung des Ori­gi­nals ist aus recht­li­chen Grün­den nicht mög­lich):
Der  Schlos­ser Wall­fried Käns­ter­le begibt sich wie  jeden Tag nach sei­nem  Fei­er­abend vor dem Fern­se­her, um den Gesprä­chen mit sei­ner Frau Rosa zu ent­kom­men. Zunächst beschwert sich die Frau über die Faul­heit ihres  Man­nes, da er immer trä­ge sei.
Nach  den Anschul­di­gun­gen von Rosa, dass er sich sogar wei­gert, sei­nen Kin­dern am  Niko­laus­tag eine Freu­de zu machen, gibt Wall­fried ohne Wider­wor­te nach,  sodass er sich als Niko­laus ver­klei­det, um sei­ne Kin­der zu beschen­ken. Dies ver­läuft jedoch anders als erwar­tet, da  Wall­fried, kurz bevor er  sei­ne Haus­tür erreicht, aus­rutscht und mit einem dump­fen Geräusch fällt.  Nach­dem die Tür geöff­net wird, tritt Rosa außer sich her­vor. Die  Unge­schick­lich­keit gibt Rosa einen wei­te­ren Grund, um sich bei ihrem Mann zu bekla­gen. 
Sobald Wall­fried sei­ne Kon­trol­le ver­liert, ver­passt er sei­ner Frau eine Ohr­fei­ge, wor­auf­hin er im Wohn­zim­mer ver­schwin­det. Dort lässt er sei­ner Wut frei­en Lauf, indem  er Gegen­stän­de des Hau­ses zer­stört, die Rosa gern hat. Die Unru­he, die dadurch ent­steht,  sorgt dafür, dass der Nach­bar vor­bei­schaut und sich  dezent über ihn lus­tig macht.
Die Metho­dik:
  1. Mar­kiert Wor­te fett, die ihr als umgangs­sprach­lich ein­schätzt.
  2. Gestal­tet als Grup­pe den Text so um, dass umgangs­sprach­li­che For­mu­lie­run­gen ver­mie­den wer­den.
  3. Mar­kiert die Kon­junk­ti­on „und” fett, wenn sie als Gedan­ken­ver­knüp­fung ein­ge­setzt wird.
  4. Kopiert den betref­fen­den Satz mit aus Auf­ga­be 3 unter den Text und notiert eine Alter­na­ti­ve dar­un­ter.

Nach jeder Auf­ga­be haben wir eine kur­ze Bespre­chungs­pha­se ein­ge­scho­ben und ggf. begrün­det, war­um eine For­mu­lie­rung geeig­net oder unge­eig­net ist.

Ich habe jetzt Teams aus drei Lern­grup­pen­mit­glie­dern gebil­det. Bis­her beka­men die­se Teams die Auf­ga­be, Tex­te ande­rer Lern­grup­pen­mit­glie­der (die eines ande­ren Teams) in einem Blog zu kom­men­tie­ren. In der zwei­ten Auf­bau­stu­fe sol­len die Teams die frem­den Tex­te in einem Ether­pad über­ar­bei­ten und dann die über­ar­bei­te­te Fas­sung als Kom­men­tar ver­öf­fent­li­chen. Der jewei­li­ge Autor reflek­tiert dann die Unter­schie­de zur Ori­gi­nal­fas­sung.

Mei­ne Auf­ga­ben­for­mu­lie­rung (fett, unter den Text kopie­ren, Fas­sun­gen aus­wäh­len etc.) sind dabei nur Vor­schlä­ge, wie man vor­ge­hen kann. Es ver­steht sich von selbst, dass eine der­ar­ti­ge Auf­ga­be ohne vor­he­ri­ge Klä­rung der Kri­te­ri­en, die dabei anzu­wen­den sind, nicht sinn­voll zu lösen ist.

Zudem soll­ten die Tex­te bereits in digi­ta­ler Form z.B. in einem Blog­sys­tem vor­lie­gen. Sehr abge­speckt könn­te man auch einen zu über­ar­bei­ten­den Text schon vor­her in die Pads der ein­zel­nen Teams legen.

Sexting — Elternbrief

Ich habe in der beschei­de­nen Rol­le als Thinktank einen Text zum The­ma Sexting ver­fasst, um die Pro­ble­ma­tik in die Öffent­lich­keit mei­ner Regi­on zu brin­gen. Die­ser Text ent­hält bewusst ein paar recht schar­fe For­mu­lie­run­gen. Man kann Sexting als Aus­bruch der Jugend­li­chen aus der klein­bür­ger­li­chen Moral auf­fas­sen. Sobald auch Kin­der betrof­fen sind — und nach allem Anschein ist das wahr­schein­lich der Fall — mag ich die­se neue Aus­drucks­form nicht mehr recht dul­den und sehe Hand­lungs­be­darf.

Phil­ip­pe Wampf­ler schreibt zur Erklä­rung die­ses Phä­no­mens:

Es ist wich­tig, dar­auf auf­merk­sam zu machen und dar­über zu spre­chen. Durch Sen­si­bi­li­sie­rung kann das  Pro­blem aber nicht gelöst wer­den. Ver­trau­en ist sehr para­dox – es erfolgt nicht begrün­det, son­dern basiert auf einer Annah­me: »Ich kann dem ande­ren ver­trau­en.« Des­halb haben so genann­te Ver­trau­ens­be­wei­se einen hohen Stel­len­wert. Je gefähr­li­cher etwas  ist  — ein Nackt­bild ver­schi­cken, ein Pass­wort tau­schen, des­to bes­ser eig­net es sich für den Ver­such zu bewei­sen, dass man einer ande­ren Per­son ver­traut.

Bös­wil­lig auf­ge­fasst ist das wie­der ein­mal blo­ße Deskrip­ti­on, die zwar zu einem ver­tief­ten Ver­ständ­nis des Phä­no­mens führt, aber eben kei­ne kon­kre­te Hand­lungs­op­ti­on bie­tet.

Angeb­lich sei­en in der Schweiz nur 6% der Jugend­li­chen von die­sem Pro­blem betrof­fen — öhm, d.h. bei einer Schu­le mit 1000 SuS also 60 — „nur”. Es gibt Hin­wei­se dar­auf, dass der­ar­ti­ge Bil­der auch ihren Weg auf ande­re Web­sei­ten mit ziel­grup­pen­ori­en­tier­ter Kli­en­tel fin­den.

Daher ist bei mir die Idee ent­stan­den, die­sen Text (s.u.) als Anzei­ge in einer Regio­nal­zei­tung zu ver­öf­fent­li­chen und von mög­lichst vie­len Schu­len gegen­zeich­nen zu las­sen. So wird ver­hin­dert, dass sich eine Schu­le regio­nal „outen” muss. Die Tak­tik scheint auf­zu­ge­hen.

Wir, die Schu­len der Regi­on XY, ste­hen vor einem Pro­blem.

 In zuneh­men­den Maße erzäh­len uns Eltern sowie unse­re Schü­le­rin­nen und Schü­lern von Bil­dern aus sozia­len Netz­wer­ken, die eine Gren­ze über­schrei­ten, bei der wir nicht mehr weg­schau­en kön­nen und wol­len.

Es han­delt sich nach vie­len über­ein­stim­men­den Aus­sa­gen dabei um unse­re Schü­le­rin­nen und Schü­ler, also um jun­ge Men­schen, die uns anver­traut sind.

 Sie fer­ti­gen von sich oder Drit­ten unbe­klei­det Auf­nah­men an und laden die­se frei­wil­lig in sozia­le Netz­wer­ke hoch.

 Ins­be­son­de­re Mäd­chen und jun­ge Frau­en wer­den dar­über hin­aus in ein­deu­ti­ger Situa­ti­on foto­gra­fiert und die­se Auf­nah­men unter Miss­ach­tung der Men­schen­wür­de wei­ter­ge­ge­ben.

 Die­se Bil­der ver­brei­ten sich schnell über Smart­pho­nes. Es besteht zudem wenig Hoff­nung, sel­bi­ge jemals wie­der aus dem Inter­net ent­fer­nen zu kön­nen.

 Die­se Vor­komm­nis­se spie­len sich i.d.R. außer­halb des Wahr­neh­mungs­be­rei­ches unse­rer Erwach­se­nen­welt ab.

Wenn du, lie­be Schü­le­rin, lie­ber Schü­ler, sol­che Bil­der selbst anfer­tigst und hoch­lädst, dann …

  • sei dir dar­über bewusst, dass die­se immer in fal­sche Hän­de gelan­gen, egal wie sehr du dei­nen Adres­sa­ten auch in die­sem Moment ver­trau­en magst.

  • sei dir dar­über bewusst, dass sich die­se Bil­der höchst­wahr­schein­lich nicht mehr aus den sozia­len Netz­wer­ken ent­fer­nen las­sen

  • sei dir dar­über bewusst, dass du über Jah­re durch der­ar­ti­ge Bil­der ver­letz­bar bleibst.

  • sei dir dar­über bewusst, dass der­ar­ti­ge Bil­der mit aller­größ­ter Sicher­heit für pädo­phi­le Krei­se von höchs­tem Inter­es­se sein wer­den.

  • sei dir dar­über bewusst, dass du lan­ge unter den Fol­gen der Ver­brei­tung dei­nes Bil­des lei­den wirst.

Wir bit­ten dich daher in dei­nem eige­nen Inter­es­se dar­um, für nie­man­den, auch nicht für dich selbst, auch nicht als Mut­pro­be, auch nicht im Spaß der­ar­ti­ge Bil­der von dir anzu­fer­ti­gen oder anfer­ti­gen zu las­sen.

Wenn du, lie­be Schü­le­rin, lie­ber Schü­ler, sol­che Bil­der von Drit­ten auf dei­nem Han­dy spei­cherst oder wei­ter­gibst (via Whats­App, Face­book usw.) …

  • sei dir dar­über bewusst, dass allein der Besitz nach deut­schem Recht u.U. eine Straf­tat dar­stellt.

  • sei dir dar­über bewusst, dass du allein auf Grund des Bil­des nicht ent­schei­den kannst, ob die abge­bil­de­ten Per­so­nen vor dem Gesetz Kin­der oder Jugend­li­che sind. Dar­an bemisst sich, ob du im Extrem­fall Kin­der- oder Jugend­por­no­gra­fie in dei­ner Hand hältst.

  • sei dir dar­über bewusst, dass der Gesetz­ge­ber ins­be­son­de­re auch die Wei­ter­ga­be die­ser Bil­der unter Stra­fe stellt.

  • sei dir dar­über bewusst, dass du so oder so die Men­schen­wür­de und die Per­sön­lich­keits­rech­te der abge­bil­de­ten Per­son ver­letzt – los­ge­löst davon, dass sel­bi­ge die Bil­der ggf. sogar frei­wil­lig zur Ver­fü­gung stellt.

Wir bit­ten dich dar­um, in einer sol­chen Situa­ti­on mit einem Erwach­se­nen dei­nes Ver­trau­ens zu spre­chen. Er allein kann ent­schei­den, wie wei­ter vor­ge­gan­gen wer­den soll. Und er wird dei­ne Iden­ti­tät auf dei­nen Wunsch hin zu schüt­zen wis­sen, wenn du es wünscht.

Lie­be Eltern,

  • wir wis­sen, dass Sie unter hohem sozia­len Druck ste­hen, ihrem Kind immer frü­her ein Smart­pho­ne zu kau­fen

  • wir wis­sen, dass Sie in der Situa­ti­on, in der Sie von der Exis­tenz sol­cher Bil­der Kennt­nis erlan­gen, über­for­dert sind.

  • wir wis­sen, dass der Bereich der sozia­len Netz­wer­ke für Sie oft Neu­land dar­stellt

  • wir wis­sen, dass Sie froh sein wer­den, wenn es ihr Kind gera­de nicht betrifft

  • wir wis­sen, dass die ger­ne infor­miert wer­den wür­den, wenn es ihr Kind betrifft.

  • wir wis­sen, dass Sie auf­grund ihrer Lebens­er­fah­rung beur­tei­len kön­nen, wann eine Gren­ze über­schrit­ten wird

Wir bit­ten Sie dar­um, hin­zu­schau­en und nicht den Man­tel des Schwei­gens über die Sache aus­zu­brei­ten.

Spre­chen Sie mit Eltern von Kin­dern, die Sie auf Fotos wie­der­erken­nen. Infor­mie­ren Sie sich gegen­sei­tig. Gera­de die betrof­fe­nen Fami­li­en haben ein Recht dar­auf zu erfah­ren, was ihren Kin­dern wider­fährt.

Und: Ent­schei­den Sie nicht nach sozia­lem Druck, wann ihr Kind ein Smart­pho­ne erhält. Ent­schei­den Sie nach Ihrem Gefühl und der Rei­fe des Kin­des.

Sie kau­fen kein Tele­fon – zum Tele­fo­nie­ren wer­den die Gerä­te von Jugend­li­chen und Kin­dern nicht oder kaum ein­ge­setzt.

Sie kau­fen ein Gerät mit unbe­schränk­tem Zugang zum Inter­net.

Ich weiß, dass Tei­le mei­nes Tex­tes von Schu­len für einen Eltern­brief ver­wen­det wor­den sind und dass es auch schon Pres­se­re­ak­tio­nen gege­ben hat, ggf. wer­den auch noch ande­re Bei­trä­ge hier­zu erstellt wer­den — man mun­kelt, das Fern­se­hen sei auch schon dage­we­sen. Ich wer­de von Zeit zu Zeit die­sen Arti­kel aktua­li­sie­ren.

Es ist für mich abso­lut fas­zi­nie­rend zu sehen, dass eine Sache Wir­kung ent­fal­tet, wenn man sie zum rich­ti­gen Zeit­punkt an der rich­ti­gen Stel­le ein­speist. Ganz vie­le Men­schen aus mei­ner Regi­on tra­gen die Inhal­te und das Anlie­gen nun mutig und öffent­lich offen­siv mit.

Winterliche Skidiktate

Bei uns steht die all­jähr­li­che Ski­fahrt nach Öster­reich an. Pas­send dazu gibt es hier zwei wei­te­re Diktat­tex­te — qua­si die zen­tra­len Traf­ficmo­to­ren die­ses Blogs. Natür­lich sind teil­wei­se alter­na­ti­ve Schrei­bun­gen denk­bar. Schwer­punk­te bil­den dies­mal die Zei­chen­set­zung sowie die Groß- und Klein­schrei­bung. Hin­wei­sen möch­te ich noch auf eine her­vor­ra­gend kom­pri­mier­te Zusam­men­stel­lung von Recht­schreib­her­aus­for­de­run­gen durch Klaus Schenck, die mir bei der Dik­tat­vor­be­rei­tung und -ver­fas­sung immer wie­der eine gro­ße Hil­fe ist. Ein Besuch auf der sehr umfang­rei­chen Web­sei­te von Klaus Schenck ist qua­si unver­zicht­bar für jeden, der Mate­ri­al zum Deutsch­un­ter­richt sucht.

Unfall am Ski­lift

Dass das Ski­fah­ren der 7c, einer sonst eher zurück­hal­ten­den und bra­ven Klas­se, einen sol­chen Spaß machen wür­de, hät­te vor der Fahrt nie­mand gedacht. Schon am drit­ten Tag saus­ten alle wie wei­se, wei­ße Ski­ha­sen der Blitz die rote Pis­te her­un­ter, um auch den Öster­rei­chern zu zei­gen, wie gut sie mitt­ler­wei­le gewor­den waren. „Anna“, rief Petra, „Anna, schau ein­mal her!“ Petra hat­te lei­der nicht bedacht, dass Rück­wärts­fah­ren nichts Ein­fa­ches ist und ras­te jetzt ohne Kon­trol­le den klei­nen Hang vor dem Ski­lift her­un­ter, wobei sie schließ­lich den Absper­rungs­zaun vor dem Lift so hef­tig mit ihrem Rücken erwisch­te, dass einer der Zaun­pfäh­le laut kra­chend zer­split­ter­te.

Alles Flu­chen und Schimp­fen half den zwei Lehr­kräf­ten nichts, die das Gan­ze hilf­los mit anse­hen muss­ten. Die bei­den mach­ten sich rasch auf den Weg nach unten und frag­ten sich dabei, ob sie etwas nicht rich­tig erklärt hat­ten. Wie kam die­ses Mäd­chen dazu, sich so zu über­schät­zen? Die Atmo­sphä­re in der Grup­pe war wider­sprüch­lich. Eini­ge schau­ten ent­setzt, wäh­rend ande­re sich das Lachen nicht ver­knei­fen konn­ten.

Petra, eine zier­li­che Per­son, konn­te nicht mehr auf­ste­hen, da sie star­ke Rücken­schmer­zen hat­te. Als dann end­lich der Ret­tungs­hub­schrau­ber kam, atme­ten alle erleich­tert auf. „Lasst euch das ein Bei­spiel sein!“, schimpf­te Herr Riecken sicht­lich auf­ge­bracht, als der Hub­schrau­ber knat­ternd abhob.

(205 Wör­ter)

Annas Schuss­fahrt

Wie der Blitz saus­te Kris­tin, die in ihrem hel­len Ski­an­zug wie ein wei­ser, wei­ßer Ski­ha­se  vor­züg­lich aus­sah, den Hang hin­un­ter, um nach­zu­schau­en, wie es ihrer Freun­din Anna auf ihrer unfrei­wil­li­gen Schuss­fahrt ergan­gen war. Die klei­ne Tan­ne im Wäld­chen hat­te sich beim Auf­prall so geschüt­telt, dass es das Schlimms­te zu ver­mu­ten galt. Etwas Unheim­li­ches und Beklem­men­des lag in der neb­li­gen Berg­luft.
Kris­tin tas­te­te sich, nach­dem sie ihre Ski­er abge­schnallt hat­te, vor­sich­tig in das Wäld­chen hin­ein. „Anna“, rief sie, „Anna, hast du dir weh­ge­tan?“ Kris­tin, eine enga­gier­te Mit­schü­le­rin, mach­te sich, als sie kei­ne Ant­wort erhielt, noch viel ent­schlos­se­ner auf den Weg zur Tan­ne.
Vol­ler Eupho­rie hat­te sie bei der Mor­gen­mahl­zeit noch ver­kün­det, dass sie bis­her noch jedem das Ski­fah­ren bei­ge­bracht habe. Wider­spro­chen hat­te ihr nie­mand. Allein Herr Streng hat­te die Stirn ein wenig in Fal­ten gezo­gen, was aber nichts hei­ßen muss­te, denn er konn­te mit sei­nen drei Ski­auf­ent­hal­ten wohl kaum beur­tei­len, wozu sie, Kris­tin, in der Lage war.
Seit sie Anna laut rufend am Berg ver­schwin­den sah, frag­te Kris­tin sich, ob Herr Streng wohl doch Recht gehabt hat­te. War Anna etwa tot? Kris­tin emp­fand nun das blan­ke Ent­set­zen. End­lich erklang es aus dem Wald: „Nein. Aber ich hän­ge etwa zwei Meter hoch in die­sem Baum fest!“

(205 Wör­ter)

Narration, Diskurs und Geschichte

Die Fahrt nach Lon­don war ein­fach total klas­se. Das Hotel sah auf den Fotos ja schon ein wenig schä­big aus, naja, aber dann war es gar nicht so schlimm. Der der Tag in Oxford im Christ Church Col­le­ge hat mir beson­ders gut gefal­len, das hät­te man aber auch schon frü­her, so nach dem ers­ten Tag statt Mdm. Tus­s­auds machen kön­nen. Die Stadt­rund­fahrt am zwei­ten Tag hin­ge­gen war toll. Auch dass wir am letz­ten Tag noch mal aus­gie­big Zeit zum Shop­pen hat­ten, hat mir gut gefal­len.”

Lon­don, naja, ging so. Die Stund­rund­fahrt war voll lang­wei­lig — echt wenig shocking. Das mit Mdm. Tus­s­auds war ok, aber dann doch ein wenig teu­er. Die Plät­ze im Musi­cal am Abend hät­ten da echt bes­ser sein kön­nen — naja, Lon­don ist ja scheiß­teu­er. Ey — und der letz­te Tag erst — nur in der Stadt her­um­lau­fen. Man war ich froh, als wir end­lich wie­der im Bus chil­len konn­ten. Ein­zig die gro­ße Hal­le von Har­ry Pot­ter in Oxford war ja ganz nett. Cool, dass das in echt voll der Spei­se­saal ist, Krass.”

Hier erzäh­len zwei fik­ti­ve Schü­le­rin­nen oder Schü­ler von einer Lon­don­fahrt. Es han­delt sich um die glei­che Fahrt, den­noch sind ihre Gesprächs­vor­trä­ge grund­ver­schie­den. Begriff­lich bekommt man das gut durch ein struk­tu­ra­les Prin­zip in den Griff. Jede Erzäh­lung besitzt drei Ebe­nen:

1. Die Nar­ra­ti­on

Eine Erzäh­lung wird uns durch einen in der Regel fik­ti­ven Erzäh­ler vemit­teln, der uns sei­nen Bericht mehr oder min­der ein­färbt bzw. das Gesche­hen ggf. auch wer­tet. Das hat im Prin­zip viel mit dem Begriff der Erzähl­hal­tung zu tun. Bei den Bei­spie­len haben wir ein­mal einen begeis­ter­ten und ein­mal einen eher unen­ga­gier­ten Erzäh­ler vor uns. Bei­de trans­por­tie­ren neben den Sach­in­for­ma­tio­nen wei­te­re, jeweils unter­schied­li­che Aspek­te.

2. Der Dis­kurs (dis­cours)

Der Dis­kurs ist das, was wir tat­säch­lich lesen oder hören. Chro­no­lo­gie spielt dabei kei­ne gro­ße Rol­le. Ein Dis­kurs ist ein­fach nur der Text — oder eben der (hier fik­tiv) münd­li­che Bericht.

3. Die Geschich­te (his­toire)

Durch den Dis­kurs bau­en wir uns als Leser oder Hörer die Geschich­te zusam­men, d.h. wir ord­nen das Erzähl­te chro­no­lo­gisch. Das kann man schön bei Kri­mis sehen, die dadurch funk­tio­nie­ren, wesent­li­che Tei­le der Geschich­te bis zum Schluss offen zu las­sen.

 Was hilft’s?

Mir macht es noch ein­mal deut­lich, wor­in sich moder­ne und post­mo­der­ne Tex­te deut­lich von­ein­an­der unter­schei­den. Die Post­mo­der­ne ent­kop­pelt Dis­kurs und Geschich­te oft in einer Art und Wei­se, dass sich ihre Tex­te nor­ma­len (in Schu­le meint das: her­me­neu­ti­schen) Ana­ly­se­vrfah­ren ent­zie­hen, bzw. genau das zu ihrem Kon­struk­ti­ons­prin­zip erhe­ben. Dazu kommt gele­gent­lich ein Erzäh­ler (eine Nar­ra­ti­on), der nicht ver­trau­ens­wür­dig ist und sich in teil­wei­se sogar Wider­sprü­che ver­wi­ckelt. Sol­che Tex­te bekommt man mit die­sem Grund­ge­rüst bes­ser in den Griff — anwen­den lässt sich das gene­rell aber auf jeden Text.

Mir ist dabei auch bewusst gewor­den, dass eine „Inhalts­an­ga­be einer Kurz­ge­schich­te” ja im Wesent­li­chen „nur” for­dert, die Geschich­te sach­lich her­aus­zu­ar­bei­ten. Der Schwie­rig­keits­grad steigt dabei umso mehr, je wei­ter Dis­kurs und Geschich­te in einem Text aus­ein­an­der­drif­ten. Das lässt sich schön mit zwei Zeit­strah­len zei­gen, von denen einer die wich­tigs­ten Ereig­nis­se des Dis­kur­ses z.B. nach Sei­ten­zah­len abbil­det, wäh­rend der ande­re sel­bi­ge chro­no­lo­gisch ord­net: Durch­ein­an­der von Ereig­nis­sen vs. Durch­ein­an­der von Sei­ten­zah­len.

Diktattexte: Getrennt- und Zusammenschreibung

Da Diktat­tex­te immer der Ren­ner hier im Blog sind, kom­men hier wie­der ein­mal gleich zwei. Der ers­te fokus­siert nur die Getrennt- und Zusam­men­schrei­bung in beson­de­rer Wei­se, der ande­re weist mit der Zei­chen­set­zung einen wei­te­ren Schwer­punkt auf.

Text 1:

Stunk in der 7f

Die immense Unru­he in der Klas­se 7f ist zur­zeit unge­mein Besorg­nis erre­gend, für den einen oder ande­ren Kol­le­gen sogar regel­recht Angst ein­flö­ßend (ang­st­ein­flö­ßend).
So konn­te es Herr Mül­ler auch nicht wun­der­neh­men, als Herr Kri­se völ­lig auf­ge­löst bei ihm zu Hau­se  (zuhau­se) erschien und sich sehr laut­stark über vor allem zwei Jun­gen beschwer­te. Immer wür­den sie laut sein und ihn mit Papier­flie­ger­at­ta­cken schwer heim­su­chen. Er kön­ne schon gar nicht mehr Rad fah­ren, weil er stän­dig Papier­schwal­ben von hin­ten anflie­gen spü­re. Das Auto­fah­ren sei auf Dau­er jedoch auch kei­ne befrie­di­gen­de Lösung. Am liebs­ten wür­de er die gan­ze Woche blau­ma­chen. Nur mit größ­ter Mühe konn­te Herr Mül­ler sei­nen Kol­le­gen davon über­zeu­gen, dass er sich von den bei­den Klas­sen­kas­pern nicht irre­ma­chen las­sen soll.
Aber bereits am nächs­ten Tag soll­te ein wei­te­rer Kol­le­ge bei ihm Rat suchen. Zwar äußer­te die­ser sich durch­aus auch freu­de­strah­lend über die Leis­tungs­fä­hig­keit der 7fc, ver­wies aber auf ernst zu neh­men­de Defi­zi­te im schrift­li­chen Bereich.
Jetzt soll­te sei­ne Klas­se ihn aber ein­mal ken­nen­ler­nen. Er wür­de ihnen von nun an kei­ne Unver­schämt­heit mehr durch­ge­hen las­sen. Aus sei­nen net­ten Zwi­schen­be­mer­kun­gen soll­ten sie ja nicht schluss­fol­gern, dass es ihm egal sei, wenn sie mit ihrer Laut­stär­ke nicht Maß hal­ten kön­nen. Von nun an wur­de der ers­te auf­fäl­li­ge Schü­ler jeder Schul­stun­de zur Toi­let­ten­rei­ni­gung bei Ver­stop­fun­gen her­an­ge­zo­gen.


Text 2:

Schlag­fer­ti­ge, moti­vier­te Lern­grup­pe


Die pro­duk­ti­ve Unru­he in der Klas­se 10a ist manch­mal Besorg­nis erre­gend (besorg­nis­er­re­gend) , für den einen oder ande­ren Kol­le­gen, beson­ders bei den eher nicht so durch­set­zungs­star­ken, sogar regel­recht Angst ein­flö­ßend (ang­st­ein­flö­ßend).
So konn­te es ein jun­ger Refe­ren­dar zwar nicht wun­der­neh­men, als er mit einer Fül­le unge­mein sach­be­ton­ter Bei­trä­ge kon­fron­tiert wur­de, sodass er dadurch sei­ne gesam­te Unter­richts­pla­nung noch ein­mal über­ar­bei­ten muss­te, jedoch fand auch er bald Gefal­len an der unge­stü­men Leben­dig­keit der Lern­grup­pe, die sich eben auch ein­mal laut­stark ent­la­den konn­te.
Zwei Mäd­chen, die gera­de im Win­ter stän­dig an den Hei­zun­gen kleb­ten, sorg­ten in beson­de­rer Wei­se dafür, dass der eine oder ande­re Kol­le­ge genervt war.
Allein Herr Mül­ler ließ sich von all dem nicht irre­ma­chen. Er schluss­fol­ger­te mes­ser­scharf und mit freu­de­strah­len­dem Gemüt, dass die Klas­se durch die Vor­ga­ben des nor­ma­len Lern­pla­nes ein­fach unter­for­dert war und des­we­gen ande­re Her­aus­for­de­run­gen benö­ti­gen wür­de. „Ihr wer­det alle eine freie Rede hal­ten!“, ver­kün­de­te er ver­nehm­lich nach Abschluss einer eher lang­wei­li­gen Unter­richts­rei­he.
Dabei ging es, wie sich schnell her­aus­stel­len soll­te, nicht nur dar­um, einen Text vom eige­nen Platz aus zu prä­sen­tie­ren, son­dern dar­um, die­sen an einem Red­ner­pult frei zu hal­ten.  Die­se Auf­ga­be nah­men alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler sehr ernst. Auch das häu­fig zu beob­ach­ten­de Blau­ma­chen kam wäh­rend der Vor­trags­rei­he nicht vor: Alle waren zum vor­her bestimm­ten Ter­min vor­be­rei­tet und hiel­ten ihre Rede enga­giert.

Wei­ter­le­sen

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