Elternvorträge zur Handy- und Internetnutzung

Ich habe in den letzten Wochen zwei Vorträge zum Thema Handy- und Internetnutzung vor jeweils ca. 60 Personen gehalten. Die Veranstaltungen wurden in beiden Fällen ausgiebig beworben – einmal sogar durch einen Radiospot und es gab immer konkrete Vorfälle im Bereich „Sexting“, aufgrund derer ich von Kollegen gefragt und angesprochen worden bin. Ich nutze für den Vortrag diese Prezi, vorwiegend jedoch mich als Person und Dinge wie Kontakt zum Publikum:

Phase 1:

Ich stelle mich in meinen Funktionen und Rollen kurz vor: Medienberater, Lehrer, Blogger und Internetnutzer, Familienvater. Ich mache das bewusst.

Als Medienberater habe ich sehr viel mit unterschiedlichen Schulen und Schulformen und deren spezifischen Herausforderungen zu tun. Aus der „gymnasialen Warte“ stellt sich manches etwas eingefärbt dar.

Als Blogger erfahre ich viel im und profitiere stark von „diesem Internet“. Ich stelle heraus, dass meine Art zu unterrichten viel mit dem Netz zu tun hat.

Als Vater von gar nicht einmal so wenigen Kindern (4,6,8,10,12 Jahre) bin ich täglich mit Herausforderungen im Bereich der „Bildung mit Medien“ konfrontiert (wir bevorzugen hier zu Hause übrigens eine möglichst medienarme Erziehung und fahren damit bisher ganz gut – eigentlich dürfte es Menschen wie mich nach Ansicht so mancher Web2.0er gar nicht geben – meine Jugend war weitgehend frei von virtuell vermittelter Vernetzung bzw. Realität, ich glaube, dass ich das trotzdem irgendwie hinbekomme). Gerade im Umgang mit Eltern profitiere ich davon, zunehmend mehr eigene schulpflichtige Kinder zu haben.

Phase 2:

Im Wesentlichen geht es um drei Gedanken:

  1. Ein Handy ist kein Telefon. Kinder und Jugendliche machen damit alles – außer zu telefonieren. Das ist für manch einen überraschend.
  2. Ein Handy enthält umfangreichere und sensiblere Informationen als das gute, alte Tagebuch. Dementsprechend heftig wird es gegen Zugriffe oder Zugriffsversuche von außen verteidigt werden. Man greift als Elternteil in einen essentiellen Teil des Lebens eines Jugendlichen ein, wenn man die Hand auf das Handy legt.
  3. Ein Handy wird tatsächlich zu einer Menge sehr nützlicher Dinge verwendet, z.B. zu schulischen Zwecken.

Phase 3:

Ich thematisiere Sexting, Pornographie und stellvertretend für eine ganz Reihe von „Angeboten“ auch Dinge wie Anorexie- und „Borderlineforen“ (als Sammelbegriff für virtuelle Treffpunkte von Menschen mit dissoziativen Störungen). Ich weise daraufhin, dass keine dieser Erscheinungen die Erfindung von Kindern und Jugendlichen, sondern lediglich Adaptionen aus der Erwachsenenwelt sind. Cybermobbing lasse ich bewusst außen vor, da dieses Feld schon intensiv beackert wird.

Phase 4:

Ein Kerngedanke ist der folgende: Niemand würde einen Vierjährigen auf einem Fahrrad im Dunkeln einen unbekannten Weg fahren lassen und dabei erwarten, dass alles glatt geht. Im übertragenen Sinne passiert das aber meiner Ansicht nach oft im Bereich der Handynutzung: Das Gerät liegt unter dem Weihnachtsbaum und das war es dann oft auch schon an Begleitung. Umgekehrt würden niemand ernsthaft Kindern und Jugendlichen das Fahrradfahren verbieten – dafür bietet es neben den Gefahren einfach zu viele Vorteile.

Phase 5:

Kerngedanke: Auch der Umgang mit dem Handy braucht Begleitung und Interesse. Dieses Interesse sollte sich nie auch konkrete Inhalte, sondern allenfalls auf Apps beziehen, weil das Handy eben hochgradig essentielle Funktionen für eine Jugendlichen hat. Vielleicht lässt sich so Stück für Stück Vertrauen aufbauen, so dass sich Kinder mit anstößigen Inhalten eher an Erwachsene wenden.

Phase 6:

Mit ein paar Impulsen versuche ich nach ca. 45 Minuten ein Gespräch im Publikum zu initiieren. Dabei sind interessante Dinge geschehen, z.B. bemerken Eltern, dass sie mit ihren Problemen im Umgang mit diesen Geräten bzw. deren „Reglementierung“ nicht alleine sind (es kommen zu solchen Abenden zumeist eh eher die engagierten Eltern). Es ist keine Schande, hilflos zu sein, keine Patentrezepte zu haben, da gerade im Bereich des Internet gesellschaftlich und politisch noch vieles nicht ausgehandelt ist. Die Hilflosigkeit entbindet aber nicht davon, etwas zu tun. Die Frage, ob es z.B. „gut“ ist, Nacktbilder weiter zu verteilen, ist zunächst einmal ja keine technische.

Ich kann auf solchen Veranstaltungen immer Visitenkarten verteilen und komme mit Schulen in Kontakt. Daraus erwächst dann manchmal eine intensivere Zusammenarbeit. Viele für mich in meiner Arbeit relevanten Akteure befinden sich nicht täglich in „diesem Internet“ und wären daher für mich dann nicht erreichbar.

 

Riecken im NDR

Mein Schulleiter war gemeinsam mit anderen Schulleitern der Region so mutig, Teile meines Briefes tatsächlich in Form einer Elterninformation mit Rücklauf herauszugeben.Das ist hoch anzurechnen – gerade bei so einem brisanten Thema.

Gestern (unterrichtsfreier Tag für mich) klingelte dann mein Handy um 9:45h. „Hallo, Herr Riecken, hier der NDR, wir wären doch schon heute an der Schule, hätten sie Zeit vorbeizukommen?“ Klar hatte ich. Ein ganz klein wenig anhübschen (normalerweise sehe ich noch wüster aus) und ab auf’s Fahrrad.

Vor der Schule stand schon die Kamera. Ganz kurz wurden die Fragen besprochen und schon stand ich im Licht des LED-Scheinwerfers mit einem Püschelmikro vor dem Bauch (die Tonfrau war die zierlichste Person mit den meisten Geräten um sich herum). Anschließend noch ein lockeres Gespräch mit dem Team und schon war alles vorbei.

Dann kam die Aufregung, die sich noch mal steigerte, als die ersten SMS mit „Hey, du bist im Fernsehen!“ eintrafen. Offenbar lief der Beitrag (wird bald depubliziert) sogar regulär im Vorabendprogramm – ich selbst konnte mir das Ganze erst später anschauen (VDR-Aufnahme).

Weitere Veröffentlichungen in der Presse (unvollständig):

http://www.rhein-zeitung.de/startseite_artikel,-Schulleiter-warnen-vor-Sexting-bei-Jugendlichen-_arid,1060494.html

http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1209898

http://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/424684/nacktfotos-als-tauschobjekt-lehrer-warnen-vor-sexting-trend

… also durchaus überregionale Ausmaße. Ich bin gespannt, wie es jetzt weitergeht und ob die Notwendigkeit für mehr Medienkompetenzvermittlung in Schulen dadurch stärker gesehen wird. Ich möchte die Suppe jetzt hier in meinem „Beritt“ (ein nettes Wort) stärker am Kochen halten – der nächste Schritt wäre vielleicht ein Vortrag, der die Chancen und Risiken der virtuellen Welt gleichermaßen beleuchtet.

Sexting – Elternbrief

Ich habe in der bescheidenen Rolle als Thinktank einen Text zum Thema Sexting verfasst, um die Problematik in die Öffentlichkeit meiner Region zu bringen. Dieser Text enthält bewusst ein paar recht scharfe Formulierungen. Man kann Sexting als Ausbruch der Jugendlichen aus der kleinbürgerlichen Moral auffassen. Sobald auch Kinder betroffen sind – und nach allem Anschein ist das wahrscheinlich der Fall – mag ich diese neue Ausdrucksform nicht mehr recht dulden und sehe Handlungsbedarf.

Philippe Wampfler schreibt zur Erklärung dieses Phänomens:

Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen und darüber zu sprechen. Durch Sensibilisierung kann das  Problem aber nicht gelöst werden. Vertrauen ist sehr paradox – es erfolgt nicht begründet, sondern basiert auf einer Annahme: »Ich kann dem anderen vertrauen.« Deshalb haben so genannte Vertrauensbeweise einen hohen Stellenwert. Je gefährlicher etwas  ist  – ein Nacktbild verschicken, ein Passwort tauschen, desto besser eignet es sich für den Versuch zu beweisen, dass man einer anderen Person vertraut.

Böswillig aufgefasst ist das wieder einmal bloße Deskription, die zwar zu einem vertieften Verständnis des Phänomens führt, aber eben keine konkrete Handlungsoption bietet.

Angeblich seien in der Schweiz nur 6% der Jugendlichen von diesem Problem betroffen – öhm, d.h. bei einer Schule mit 1000 SuS also 60 – „nur“. Es gibt Hinweise darauf, dass derartige Bilder auch ihren Weg auf andere Webseiten mit zielgruppenorientierter Klientel finden.

Daher ist bei mir die Idee entstanden, diesen Text (s.u.) als Anzeige in einer Regionalzeitung zu veröffentlichen und von möglichst vielen Schulen gegenzeichnen zu lassen. So wird verhindert, dass sich eine Schule regional „outen“ muss. Die Taktik scheint aufzugehen.

Wir, die Schulen der Region XY, stehen vor einem Problem.

 In zunehmenden Maße erzählen uns Eltern sowie unsere Schülerinnen und Schülern von Bildern aus sozialen Netzwerken, die eine Grenze überschreiten, bei der wir nicht mehr wegschauen können und wollen.

Es handelt sich nach vielen übereinstimmenden Aussagen dabei um unsere Schülerinnen und Schüler, also um junge Menschen, die uns anvertraut sind.

 Sie fertigen von sich oder Dritten unbekleidet Aufnahmen an und laden diese freiwillig in soziale Netzwerke hoch.

 Insbesondere Mädchen und junge Frauen werden darüber hinaus in eindeutiger Situation fotografiert und diese Aufnahmen unter Missachtung der Menschenwürde weitergegeben.

 Diese Bilder verbreiten sich schnell über Smartphones. Es besteht zudem wenig Hoffnung, selbige jemals wieder aus dem Internet entfernen zu können.

 Diese Vorkommnisse spielen sich i.d.R. außerhalb des Wahrnehmungsbereiches unserer Erwachsenenwelt ab.

Wenn du, liebe Schülerin, lieber Schüler, solche Bilder selbst anfertigst und hochlädst, dann …

  • sei dir darüber bewusst, dass diese immer in falsche Hände gelangen, egal wie sehr du deinen Adressaten auch in diesem Moment vertrauen magst.

  • sei dir darüber bewusst, dass sich diese Bilder höchstwahrscheinlich nicht mehr aus den sozialen Netzwerken entfernen lassen

  • sei dir darüber bewusst, dass du über Jahre durch derartige Bilder verletzbar bleibst.

  • sei dir darüber bewusst, dass derartige Bilder mit allergrößter Sicherheit für pädophile Kreise von höchstem Interesse sein werden.

  • sei dir darüber bewusst, dass du lange unter den Folgen der Verbreitung deines Bildes leiden wirst.

Wir bitten dich daher in deinem eigenen Interesse darum, für niemanden, auch nicht für dich selbst, auch nicht als Mutprobe, auch nicht im Spaß derartige Bilder von dir anzufertigen oder anfertigen zu lassen.

Wenn du, liebe Schülerin, lieber Schüler, solche Bilder von Dritten auf deinem Handy speicherst oder weitergibst (via WhatsApp, Facebook usw.) …

  • sei dir darüber bewusst, dass allein der Besitz nach deutschem Recht u.U. eine Straftat darstellt.

  • sei dir darüber bewusst, dass du allein auf Grund des Bildes nicht entscheiden kannst, ob die abgebildeten Personen vor dem Gesetz Kinder oder Jugendliche sind. Daran bemisst sich, ob du im Extremfall Kinder- oder Jugendpornografie in deiner Hand hältst.

  • sei dir darüber bewusst, dass der Gesetzgeber insbesondere auch die Weitergabe dieser Bilder unter Strafe stellt.

  • sei dir darüber bewusst, dass du so oder so die Menschenwürde und die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Person verletzt – losgelöst davon, dass selbige die Bilder ggf. sogar freiwillig zur Verfügung stellt.

Wir bitten dich darum, in einer solchen Situation mit einem Erwachsenen deines Vertrauens zu sprechen. Er allein kann entscheiden, wie weiter vorgegangen werden soll. Und er wird deine Identität auf deinen Wunsch hin zu schützen wissen, wenn du es wünscht.

Liebe Eltern,

  • wir wissen, dass Sie unter hohem sozialen Druck stehen, ihrem Kind immer früher ein Smartphone zu kaufen

  • wir wissen, dass Sie in der Situation, in der Sie von der Existenz solcher Bilder Kenntnis erlangen, überfordert sind.

  • wir wissen, dass der Bereich der sozialen Netzwerke für Sie oft Neuland darstellt

  • wir wissen, dass Sie froh sein werden, wenn es ihr Kind gerade nicht betrifft

  • wir wissen, dass die gerne informiert werden würden, wenn es ihr Kind betrifft.

  • wir wissen, dass Sie aufgrund ihrer Lebenserfahrung beurteilen können, wann eine Grenze überschritten wird

Wir bitten Sie darum, hinzuschauen und nicht den Mantel des Schweigens über die Sache auszubreiten.

Sprechen Sie mit Eltern von Kindern, die Sie auf Fotos wiedererkennen. Informieren Sie sich gegenseitig. Gerade die betroffenen Familien haben ein Recht darauf zu erfahren, was ihren Kindern widerfährt.

Und: Entscheiden Sie nicht nach sozialem Druck, wann ihr Kind ein Smartphone erhält. Entscheiden Sie nach Ihrem Gefühl und der Reife des Kindes.

Sie kaufen kein Telefon – zum Telefonieren werden die Geräte von Jugendlichen und Kindern nicht oder kaum eingesetzt.

Sie kaufen ein Gerät mit unbeschränktem Zugang zum Internet.

Ich weiß, dass Teile meines Textes von Schulen für einen Elternbrief verwendet worden sind und dass es auch schon Pressereaktionen gegeben hat, ggf. werden auch noch andere Beiträge hierzu erstellt werden – man munkelt, das Fernsehen sei auch schon dagewesen. Ich werde von Zeit zu Zeit diesen Artikel aktualisieren.

Es ist für mich absolut faszinierend zu sehen, dass eine Sache Wirkung entfaltet, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle einspeist. Ganz viele Menschen aus meiner Region tragen die Inhalte und das Anliegen nun mutig und öffentlich offensiv mit.

Sexting – abstrakter Trend oder Realität?

In zunehmenden Maße findet das Thema Sexting mediale Aufmerksamkeit:

Sexting ist die private Verbreitung erotischen Bildmaterials des eigenen Körpers über Multimedia Messaging Services (MMS) durch Mobiltelefone. Das aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum stammende Kofferwort setzt sich aus Sex und texting (engl. etwa: „Kurzmitteilungen verschicken“) zusammen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sexting

Eine Dokumentation zu möglichen Ursachen ist in der Mediathek von 3Sat hoffentlich noch etwas länger abrufbar:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=38615

Dadurch ist mir klar geworden, dass es sich um ein reales und kein medial erdachtes Phänomen handelt. Mir ist auch klar geworden, wie wichtig es genau an dieser Stelle ist, das Thema offensiv anzugehen, weil die Folgen für die Betroffenen wahrscheinlich kaum absehbar sind.

Es gibt erste Ratgeber und Berichte darüber, wie Erwachsene sich verhalten sollen, wenn sie durch ihre Kindern mit diesem Thema konfontiert werden:

Ich gehe davon aus, dass Kinder und Jugendliche Dinge immer früher machen und dass sie es zunächst weitgehend unbemerkt von ihrem Elternhaus tun – gerade auf dem Feld der Sexualität.

Der rechtliche Rahmen ist in Deutschland auch interessant – ich habe mal die für mich besonders bemerkenswerten Stellen fett gesetzt.

Nach § 184b StGB ist die Verbreitung von „kinderpornografische[n] Schriften“, das sind pornografische Darstellungen von sexuellen Handlungen von, an oder vor Personen unter 14 Jahren, strafbar. Im Falle von Darstellungen tatsächlicher Geschehen oder wirklichkeitsnahen Darstellungen ist bereits der Besitz strafbar. In einer separaten Vorschrift § 184c werden analog dazu auch Verbreitung und Besitz von „jugendpornografischen Schriften“, die sich auf sexuelle Handlungen von, an oder vor Personen von 14 bis 18 Jahren beziehen, unter Strafe gestellt, allerdings ist dabei das Strafmaß generell geringer, der Besitz von nur wirklichkeitsnahen Darstellungen ist nicht strafbar und für einvernehmlich hergestellte Jugendpornografie gibt es eine Ausnahme von der Besitzstrafbarkeit für Personen, die als Minderjährige selbst an der Produktion beteiligt waren.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderpornografie#Deutsches_Recht

Das minderjährige Pärchen darf also derartiges Material von sich besitzen – der Gesetzgeber traut diesen einen verantwortungsvollen Umgang damit zu. Ich hätte da generell so meine Bedenken, da es ja gerade in diesem Alter auch Beziehungen geben soll, die nicht in Harmonie enden. Was geschieht dann in Affektsituationen mit diesem Material? Wird ein dermaßen „bestücktes“ Handy jemals in die Hand von Eltern oder anderen Vetrauenspersonen gelangen?

Weiter:

Nach bisheriger Rechtsprechung ist Pornografie, auch in der Ausprägung als Kinderpornografie, nur dann anzunehmen, „wenn eine auf die sexuelle Stimulierung reduzierte und der Lebenswirklichkeit widersprechende, aufdringlich vergröbernde, verzerrende und anreißerische Darstellungsweise gewählt wird“ und „wenn unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher Weise in den Vordergrund gerückt werden sowie ihre Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend auf das lüsterne Interesse an sexuellen Dingen abzielt“

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderpornografie#Deutsches_Recht

und nochmal, womit wir beim Sexting wärenl:

Seit der Änderung des § 184b StGB vom 31. Oktober 2008, in Kraft getreten am 5. November 2008, ist auch das Verbreiten, Besitzen etc. sogenannter Posing-Fotos grundsätzlich strafbar. Gemeint sind damit Fotos mit Abbildungen von Kindern, die ihre unbedeckten Genitalien oder ihr unbedecktes Gesäß in „aufreizender Weise zur Schau stellen“. Derartiges Zur-Schau-Stellen erfüllt regelmäßig die Tatbestandsalternative „sexuelle Handlungen von Kindern“ in § 184b Abs. 1 StGB (neue Fassung).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderpornografie#Deutsches_Recht

Es soll ja diese sozialen Netzwerke und WhatsApp geben, bei denen das Teilen von Fotos nur einen Fingerwisch weit entfernt ist.

Noch mehr Fragen:

  1. Vielleicht bin ich blöd, aber stellt nicht genau dieses Teilen eine Art von Verbreitung dar?
  2. Wie entscheidet ein jugendlicher Smartphonebesitzer darüber, ob die abgebildete Person vor dem Gesetz ein Kind oder jugendlich ist?
  3. Wie ist gewährleistet, dass nicht auch Kinder (also Menschen unter 14 Jahren) Sexting betreiben? Smartphone und WhatsApp-Account genügen.
  4. Welchen Reiz haben derartige Bilder für einschlägige kinderpornographische Kreise?
  5. Was sagt allein die Weiterleitung solcher Bilder über a) das Reflexionsvermögen und b) die Medienkompetenz Jugendlicher aus?
  6. […]

Vielleicht(!) dürfte man sich unter Zeugen (jeweils anderes Geschlecht!) solche Bilder noch zeigen lassen. Schon die Recherche danach führt u.U. aber schon zum Besitz von kinderpornographischem Material (egal, ob ich ein Mann oder eine Frau bin).

Am ehesten kommen m.E. hier die Eltern im Rahmen ihrer Erziehungs- und Fürsorgepflichten als primäre Akteure in Betracht.

So oder so ist das nicht unsere Koppel, sondern das Feld von Profis.

Bei einigen Profis wiederum fürchte ich, dass das Fehlen des üblichen Musters

Sich als Kind ausgebender Pädophiler nötigt im Chatraum Kind zum Blankziehen und verwendet diese Bilder dann in kinderpornographischen Tauschbörsen.

für Verwirrung sorgen dürfte. Im Extremfall reden wir hier von Gewalt von Kindern gegen Kinder oder von Gewalt Jugendlicher gegen Kinder oder Jugendliche.

Was die Veröffentlichung solcher Bilder gerade für einen Heranwachsenden bedeutet und welche Folgen (suizidale Tendenzen) das im Extremfall haben kann, dürfte hinlänglich bekannt sein.

Was würdet ihr also tun, wenn ihr mit dieser Problematik entweder als Eltern oder Lehrer konfrontiert seid?

Meine Idee ist Öffentlichkeit. Eine Schule, die sich allein zu diesem Problem bekennt, geht jedoch ein immenses Risiko ein. Deswegen sollten idealerweise mehrere Schulen zusammen handeln und z.B. in Form eines Berichts oder einer Zeitungsanzeige in die Öffentlichkeit gehen – idealerweise über Schulartgrenzen hinweg.

Vielleicht lassen sich auf diese Weise Menschen für eine von Profis organisierte Veranstaltung gewinnen, die über die Gefahren des Sextings aufklärt und Raum für Fragen lässt. Auf dieser Veranstaltung müsste idealerweise auch eingefordert werden, dass Eltern von betroffenen Kindern ein Recht darauf haben zu erfahren, was gerade geschieht.

Übrigens:

Ich denke nicht, dass „das böse Internet“ daran schuld ist oder „das böse Smartphone“. Es ist die Haltung von Menschen. Vielleicht überschätzen wir manchmal aber auch gerade Kinder in ihrer Fähigkeit zwischen „öffentlichkeitsgängig“ und „nicht öffentlichkeitsgängig“ zu unterscheiden. Smartphones sind Türen zur Öffentlichkeit. Ist das eigene Kind da immer so kompetent und fähig, wie ich mir es wünsche? Ist es völlig frei von „Gruppendynamiken“ und Endorphinausbrüchen, die eine spontane Situation auszulösen vermag? Das Foto ist einen Fingerwisch weit weg. WhatApp einen weiteren. Keine SD-Karte muss in einen Rechner gesteckt, kein Film zum Entwickeln gebracht werden – wie in der guten, alten Zeit …