10 Pflichtfach Informatik \n 20 goto 10

Ich halte ein „Pflichtfach Informatik“ für unverzichtbar. Auf Twitter wird Ludger Humbert nicht müde, immer wieder und wieder danach zu rufen, wobei die Penetranz, mit er er diese Forderung vorträgt, weit über die von z.B. Jean-Pol Martin implizit als notwendig erachtete hinausgeht.

Diese Dauerschleife führt im Wesentlichen zu drei Reaktionsmustern:

  1. Man erträgt sie nicht mehr und blockt oder mutet.
  2. Man erwidert, dass man ja auch nicht ein Auto verstehen müsse, um es zu bedienen.
  3. Man erwidert, dass man ja auch nicht ein Auto verstehen müsse, um es zu bedienen und blockt oder mutet dann.

Eigentlich findet damit eine Auseinandersetzung auf zwei Ebenen statt: Eine emotionale und eine rationale. Wenn ich in der Beratung etwas nicht will, versuche ich genau auf zwei Ebenen Ablehnung zu erzeugen: Emotional und rational, wobei die erste Ebene wesentlich wichtiger ist.

Ohne Blumenfilter: Die Art und Weise, wie diese Forderung vorgetragen wird, sorgt m.E. eigentlich erst dafür, dass man ihr keine oder allenfalls negativ besetzte Beachtung schenkt.

Die rationale Ebene der Autoanalogie ist für mich allerdings eine nur vordergründig rationale, die wiederum viel mit dem jeweils zugrunde liegenden Kompetenzbegriff zu tun hat. Vermeintlich als Synthese schleicht sich zusätzlich der Begriff der Medienkompetenz in die Debatte, wobei ich denke, dass es keine wie auch immer geartete Medienkompetenz ohne informatische Bildung geben kann. Aber langsam.

Medienkompetenz ist sexy, denn:
  1. Medienkompetenz ist vordergründig ohne technisches Wissen vermittelbar.
  2. Medienkompetenz lässt sich am ehesten in bestehende Fächer integrieren – das ist administrativ sehr sexy, weil es realistischer erscheint, als ein weiteres Fach zu schaffen, was ggf. zu Lasten anderer Fächer geht.
  3. Medienkompetenz fällt digital affinen Menschen quasi im Vorbeigehen zu oder wird oftmals intrinsisch motiviert erworben, weil es z.B. Vorteile für den eigenen Unterricht bietet oder geeignete, sich selbst bestätigende Filterbubbles dafür gibt.

Der Medienpädagoge sagt:

„Wenn du XY schon nutzt, dann empfehle ich die und die Profileinstellungen, damit bestimmte Informationen nicht sofort Dritten zugänglich werden.“

Informatik ist so gar nicht sexy, denn:
  1. Sie hat etwas mit algorithmischen Denken zu tun, wovon „Programmierung“ nur ein winziger Bruchteil ist. Algorithmisches Denken zwingt sehr viel an Strukturen auf. Das ist oft wenig lustbesetzt, wenn man es nicht kennt. Auch Qualitätsmanagementzyklen sind im Prinzip algorithmisch: Evaluation => Zielsetzung => Planung => Umsetzung von Maßnahmen => Evalulation … (Ok. Manchmal ist das ja auch zum Kotzen)
  2. Es haftet dieser Disziplin immer noch ein Mythos von langhaarigen, weißhäutigen, pizza- und energydrinksverschlingenden Subjekten an, die sich ansonsten in Serverschränken von Bits und Bytes ernähren. Dabei wird gerne vergessen, dass z.B. Socialmedia nicht ein Produkt von Philosophen und Pädagogen ist und dass große Softwareprojekte von Teams und sozialen Umgangsregeln geprägt sind, von denen wir auf Socialmedia oftmals nur träumen.
  3. Sie bedroht Pfründe. Welcher engagierte Pädagoge möchte von seinem Fach etwas abgeben? Und dann noch für ein Fach mit so zweifelhaftem Nutzen? Denn: Autofahren kann man ja auch so (auch so eine Dauerschleife).

Der Informatiker sagt:

„Wenn du XY nutzt, solltest du folgende Angaben nicht machen und dir darüber im Klaren sein, dass es keine Löschfunktion gibt (obwohl sie so heißt), sondern nur die Möglichkeit, die Sichtbarkeit von Informationen temporär einzuschränken.“

Das Autoargument

… könnte auch lauten: Ich muss nichts über Chemie wissen, um Kosmetik zu benutzen. Oder: Ich brauche kein Wissen über Erkunde, um eine Reise zu unternehmen. Trotzdem „leisten“ wir uns beide Fächer, obwohl oder gerade weil diese beiden Aussagen stimmen.

Wir leisten uns diese Fächer, weil wir annehmen (ja, es ist eine Annahme), dass diese umfassende Konzepte vermitteln, die uns in unserer Welterfahrung und Berufsfindung nützlich sind.

Bezogen auf Informatik: Was erleben wir denn gerade und beschreiben es ja auch wieder und wieder in der Filterbubble? Richtig: Den enormen Einfluss der Digitalisierung auf Wirtschaft und Gesellschaft. Genau wie die Atome und Moleküle Grundkonzepte beim Aufbau von Materie beschreiben, beschreibt Informatik eben Grundzüge digitaler Strukturen. Wenn wir Grundzüge nicht vermitteln wollen, so müssen wir konsequenterweise alle Fächer abschaffen.

Das Autoargument beschreibt kein Grundkonzept. Es beschreibt einen winzigen Teil von Mobilität, der zudem immer unwichtiger werden wird. Daher kann man es m.E. gegen die Forderung nach einem Pflichtfach Informatik nicht in Stellung bringen.

Ebenso wenig wie ich heute weiß, wie der Zitronesäurezyklus genau abläuft, weiß ich durch Informatik später nicht, wie ein Rechner funktioniert, aber ich habe Grundzüge der Datenverarbeitung kennengelernt, die sich genau wie der Zitronensäurezyklus nicht großartig ändern.

Das Emotionale am Autoargument

Es ist uns Anwendern eigentlich klar, dass wir sehr wenig wissen. Weiterhin ist uns klar, dass dieses Unwissen Konsequenzen haben wird. Ansonsten würden wir von z.B. der Politik nicht so vehement fordern, dass sie z.B. bestimmte Dinge regulieren soll, z.B. Amazon oder Facebook. Und es ist uns noch etwas klar: Während wir das Lernen lange Zeit auf jüngere Generationen abschieben konnten, klappt das mit mit dem Lernen hinsichtlich des Digitalen eher nicht so gut, da diese Veränderung uns alle betrifft und uns daher auch alle fordert – vor allem auch auf dem Gebiet ethischer Grundsätze, die es für Digitalien neu zu schreiben und zu definieren gilt. Das ist schwierig, wenn ich nur ahnen kann, was generell möglich ist. Dann kommt da z.B. sowas wie Vectoring heraus.

Das ist zusätzlich sehr unangenehm und gar nicht bequem. Das sollen doch besser die langhaarigen, weißhäutigen, pizza- und energydrinksverschlingenden Subjekte machen. Wir wollen anwenden und benutzen. Dummerweise bestimmen damit die langhaarigen, weißhäutigen, pizza- und energydrinksverschlingenden Subjekte bzw. ihre Firmen grundlegende Strukturen auf Basis marktwirtschaftlicher Konzepte. Ich finde diese Vorstellung irgendwie blöd.

Kompetenzgeseier als Ausweg?

Die Vermittlung von Medienkompetenz ist im Extremfall nichts weiter als die Weitergabe autodidaktisch erworbener Anwenderkenntnisse bzw. gemachter Erfahrungen innerhalb von Socialmedia. Sie ist ohne Zweifel wichtig und sollte Teil in jedem Fach sein. Sie lässt sich aber auf Basis von Wissen über informatische Grundkonzepte m.E. viel fundierter und tragfähiger vermitteln. Die fiktive Aussage des stereotypen Informatikers oben eröffnet erweiterte Handlungs- und Bewertungsmuster gegenüber der stereotypen medienpädagogischen Position (wobei beides natürlich nur Beispiele zur Veranschaulichung sind).

Der Kompetenzseierer würde jetzt einwenden, dass informatisches Wissen ja auch veralte und damit eher Kompetenzen zum selbstständigen Erschließen des informatischen Wissens vermittelt werden sollten. Damit macht er einerseits den Dualismus zwischen Kompetenz und Wissen auf, den er den Kompetenzkritikern gerne vorwirft. Und er öffnet andererseits Systemen (z.B. Lobbyisten) Tor und Tür, den den Bereich der Informatik dann eben auf ihre Weise besetzen, denn Menschen in Ausbildung ahnen ja schon ein wenig, dass es in diesem Bereich Entwicklungsmöglichkeiten im späteren Leben gibt.

Das Argument mit dem „schnell veraltetenden Wissen“ finde ich darüber hinaus auch einigermaßen merkwürdig. Genau wie mathematische oder chemische Konzepte einigermaßen konstant verlässlich sind und den Kompetenz- und Wissenserwerb in beiden Disziplinen sowohl strukturieren und letztendlich dadurch auch erleichtern, gibt es auch in der Informatik allgemeingültige Strukturen wie etwa die Zerlegung eines Problems und Teilschritte. In den Geisteswissenschaften sind diese Strukturen naturgemäß weniger eng bzw. formal bestimmt ausgeprägt, aber dennoch vorhanden.

Fazit

Medienkompetenz ist erstmal besser als nichts und vielleicht auch der zunächst pragmatischere und bequemere Weg. Wenn wir jedoch in einer zunehmend digitalisierten Welt leben, wird ein Grundlagenfach wie Informatik für mich jedoch unverzichtbar, auch wenn die Forderung danach vielleicht unrealistisch und unbequem erscheint. Und nein: Informatik heißt nicht „programmieren lernen“. Es heißt viel mehr.

Weiterentwicklung des Datenschutzes

Das Grundproblem

Schule hat aus Sicht des Datenschutzes ein gravierendes Problem: Personenbezogene Daten (Namen, Noten, Fehlzeiten usw.) werden in der Regel auch auf privaten Geräten (Notebooks, Tablets usw.) verarbeitet, deren Software- und Aktualisierungsstand nicht kontrollierbar ist. Noch schlimmer: Wer sich in einem Schulnetz wirklich einmal die Mühe macht, nach Freigaben und offenen Ports bei eingebuchten Geräten zu nutzen, wird mit Sicherheit fündig werden.

Es gibt beim normalen Anwender in der Regel überhaupt kein Bewusstsein darüber, wie die eigenen Geräte zumindest mit Bordmitteln des Betriebssystems abgesichert werden können. Bei geschlossenen Hardwaruniversen wir z.B. bei Appleprodukten hätte er – selbst wenn er es wollte – nicht einmal eine Möglichkeit der Absicherung, sondern ist auf die Vorgaben der Appprogrammierer und Gerätehersteller angewiesen.

Das ruft natürlich jeden auf den Plan, der sich mit technischem Datenschutz beschäftigt. Es ist verlockend, Schulen in dieser Hinsicht Firmen gleichzustellen, die in ihrem eigenen Interesse schon längst technische Lösungen dafür entwickelt haben, sensible Daten zu schützen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Firmen in der Regel über ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen verfügen, zum einen die Mitarbeitenden hinsichtlich der Benutzung der Firmenzugänge zu schulen und zum anderen nicht nicht in der Verlegenheit sind, ihre Mitarbeitenden mit entsprechender Hardware auszustatten zu können und sich um deren Pflege sowie Administration zu kümmern.

Die Politik verweist bei Kritik an diesem Zustand darauf, dass es schließlich Sache der Schulträger sei, in den Schulnetzen für entsprechende Ausstattung und Abhilfe zu sorgen. Der Schulträger wiederum kennt Netzstrukturen nur aus den eigenen Verwaltungen und so nimmt das Unheil dann seine Lauf, wenn technischer Datenschutz z.B. im Rahmen der Verarbeitung von Meldedaten 1:1 auf Schulen übertragen wird. Da gibt es dann

  • Schulträger, die den Einsatz von WLAN generell untersagen
  • Schulträger, die den Einsatz von privaten Geräten in Schulnetzen generell untersagen (Nein, das Mobilfunknetz ist keine Lösung, zumindest nicht flächendeckend)
  • Schulträger, die die Schulnetzwerklösungen und den Support dafür outsourcen (z.B. damit oder damit), leider aber manchmal Dinge wie Fortbildungkonzepte für Lehrkräfte vernachlässigen oder eben nicht in die Kalkulation mit einbeziehen.
  • Schulträger, die aufgrund ihrer Erfahrung in den Verwaltungen, Hardware- und Raumausstattungskonzepte fest vorgeben.

Und wer sollte ihnen genau das verdenken? An Schulen gibt es schließlich meist nur Anwenderkompetenzen, die das eigene Endgerät fokussieren und nicht Dinge wie die Konzeption eines ganzen Netzes mit seiner Infrastruktur.

Die Forderungen des Datenschutzes tragen in ganz erheblichen Maße zu diesem Dilemma bei.

Keine klaren Aussagen

Für ein in meinen Augen recht wegweisendes Projekt habe ich versucht, von vornherein Datenschutzüberlegungen mit einzubeziehen. Ich habe mich bei zuständigen Stellen erkundigt und konkrete Fragen zu konkreten Themen gestellt. Was dabei herauskommt? Zwei Juristen, ein Techniker und 3+n Meinungen. Dabei bräuchten Schulen, die das Thema Datenschutz ernstnehmen wollen, dringend Unterstützung, z.B. bei:

  • der Formulierung von Nutzungsordnungen im Schulnetz
  • der Feststellung eines Datenrahmens, der dem Gebot der Datensparsamkeit genügt (Gehört der Beruf der Eltern in eine Schulakte?)
  • der Formulierung von Nutzungsbedingungen bei der Nutzung des schuleigenen WLAN
  • der Formulierung von Einverständniserklärungen zur Nutzung von Bildern der Schülerinnen und Schülern für die Öffentlichkeitsarbeit von Schulen (eher Urheberrecht, aber das ist nicht weniger diffizil)
  • der Aufstellung von Mindeststandards den technischen Datenschutz betreffend: Wo steht der Schulserver? Wie ist er gesichert? […]

Beklagt man das Fehlen von Musterschreiben, so wird immer wieder darauf verwiesen, dass jede Schule und jeder Schulträger individuelle Vorstellungen hat und daher immer auf den konkreten Fall geschaut werden müsse. Wie soll aber eine Schule oder ein Schulträger etwas leisten, was sich übergeordnete Stellen nicht zutrauen? So geht es jedenfalls in meinen Augen nicht weiter. Mir scheint, dass dieses Dilemma den Datenschützern selbst auch durchaus bewusst ist. Die Technik ist da noch relativ leicht zu lösen und zu beherrschen.

Kritik

Man kann in meinen Augen nicht einfach etwas vorgeben und verlangen, für das man selbst keine Konzepte und Modellprojekte vorzuweisen hat. Die Akzeptanz wird gegen Null tendieren und jeder wird in dem Bereich der neuen Medien dann eher machen, was er will, bevor dann gar nichts an Innovation geschieht. Und das läuft den Grundprinzipien und der Intention des Datenschutzes dann oft diametral entgegen.

Transaktionskosten (Weltverbessererfehler)

In den Ferien habe ich mich etwas mit Wirtschaftstheorie, genauer der Transaktionskostentheorie beschäftigt. Darüber könnte man jetzt viel schreiben und einige Zitate bringen. Ich beschränke mich dabei jedoch auf einige Beispiele, mit denen ich

  1. zeigen will, was Transaktionen in Bezug auf Schule und Beratungssysteme sein könnten
  2. viel darüber nachgedacht habe, inwieweit meine Arbeit als Lehrkraft und medienpädagogischer Berater wirksam ist, bzw. wie sich diese Wirksamkeit optimieren lässt

Die Gedanken dazu sind etwas komplexer, daher wird das mindestens ein zweiteiliger Artikel – also bitte etwas Geduld, wenn nicht sofort auf die Eingangspunkte komme.

Vereinfacht nehme ich einmal an, dass in meinem Umfeld Transaktionen vor allem mit „Kommunikations- und Abstimmungsbedarf“ gleichzusetzen sind.

 

Transaktionskosten und Hierarchie

Der Zukunftsforscher Max Horx verdeutlicht in seinem Buch des Wandels das Prinzip der Transaktionkosten am Beispiel einer wachsenden Firma.

Zuerst besteht diese nur aus zwei Personen, die alles machen, sich schnell abstimmen und extrem flexibel auf Marktanforderungen und Wünsche reagieren können. Bald gibt es jedoch so viele Kunden, dass zwei Personen deren Betreuung nicht mehr allein zu realisieren vermögen.  Also werden mehr Mitarbeitende eingestellt. Der Geist der Firma – die offene Kommunikation (Kommunikation ist eine Form der Transaktion) – soll aber erhalten bleiben. Schon mit zwei weiteren Mitarbeitenden steigt dadurch der Zeitaufwand, um alle zu allen Details zeitnah zu informieren, solange die Hierarchie flach bleibt. Bald sind die beiden ehemaligen Gründer einen Großteil ihrer Zeit nur noch damit beschäftigt, Kommunikationsabläufe für ihre Firma zu realisieren – die Transaktionskosten steigen.

Eine stark ausgeprägte (steile) Hierarchie hingegen senkt genau diese Transaktionskosten, da die Mitarbeitenden eben „zu machen“ und nicht abzustimmen haben. Nicht umsonst sind z.B. unsere Notstandsgesetze nicht demokratisch ausgerichtet: Im Katastrophen- oder Kriegsfall sind Diskussionen oder Benehmensherstellungsprozesse viel zu langsam. Die Transaktionskosten müssen dann unter allen Umständen minimiert werden. Autoritäre Systeme funktionieren hier am besten, jedoch nur, wenn eine zweite Komponente mit ins Spiel kommt: Das Vertrauen.

 

Transaktionskosten und Vertrauen

Als Jugendleiter bin ich ich einmal auf einem große dänischen See in eine bedrohliche Lage gekommen. Selbst einen schwer beladenen Kanadier mit zwei Teilnehmenden an Bord als Steuermann in meiner Verantwortung musste ich mit ansehen, wie ein anderes Boot mit zwei Jungen in schwerem Wellengang zu kentern drohte und auch schon Wasser genommen hatte. Es war kalt, windig und die anderen Boote waren längst außer Sicht. Die beiden Jungen wollten völlig verängstigt aus dem Boot springen und an Land schwimmen (Sumpfgebiet). Ich hatte nicht die Zeit für Trost, nur noch für Autorität und sehr harte Worte. Die Situation ließ sich meistern, weil ich die Transaktionskosten senken konnte und weil die beiden Jungen mir blind vertraut haben – mehr als ihren eigenen Gefühlen und Körpern. Ich sage heute noch oft schmunzelnd, dass ich damals mit linken Anarchisten komplett abgesoffen wäre.

 

Zwischenfazit

  1. Transaktionskosten steigen mit der Größe eines Systems
  2. Transaktionskosten steigen, je flacher Hierarchien sind
  3. Eine ausgeprägte Hierarchie senkt Transaktionskosten
  4. Vertrauen senkt Transaktionskosten

 

Beispiele

  1. Die (Bundes-)Piratenpartei ist groß, strebt eine möglichst flache Hierarchie an und vertraut ihren Repräsentanten nicht oder nur wenig. Sie wird an ihren Transaktionskosten kollabieren.
  2. Das Internet ist zunächst dazu geeignet, Transaktionskosten (z.B. Zwischenhändlersysteme, Meinungsgatekeeper usw.) zu senken, jedoch sehr groß und noch recht flach von seiner Hierarchie her. Das mit dem Vertrauen schwankt so.

 

Transaktionskosten und Schule

Schule ist bezogen auf diese Theorie sehr paradox: Einerseits haben wir eine deutlich ausgeprägte Hierarchie in der Schulstruktur. Anderseits versucht gerade dieses System, Aspekte mit hohen oder schwer kalkulierbaren Transaktionskosten an die einzelnen Schulen selbst zu delegieren (z.B. Datenschutz, Ausgestaltung der Curricula, Qualitätsmanagement, Inklusion usw.). Das Vertrauen in die Kultusbürokratie scheint mir dabei gleichzeitig nicht besonders hoch zu sein. Laut der Transaktionskostentheorie müsste dieses System also eigentlich kollabieren. Mir ist auch immer wieder ein Rätsel, warum das nicht geschieht, aber im Kern scheint es etwas mit der grundsätzlich autokratischen Organisation von Schulstrukturen zu tun zu haben.

Meine Hypothese ist, dass das System Schule mittlerweile zusätzliche Transaktionskosten zehn Meilen gegen den Wind riechen kann und bestrebt ist, ebendiese unter allen Umständen möglichst niedrig zu halten. Gleichzeitig bewahrt es bestehende Systeme mit extrem hohen, aber eben durch die Jahre kalkulierbar gewordenen Transaktionskosten um fast jeden Preis, z.B. eine bestimmte Konferenzkultur, die im Wesentlichen oft nur Zeit verbrennt.

Wer Veränderungsprozesse initiieren möchte, muss im Blick haben, dass er gleichzeitig neue, noch nicht kalkulierbare Transaktionskosten erzeugt („Ja, aber das mit den Medien muss aber in ein Gesamtkonzept!“), und gleichzeitig auch noch andere, von den Kosten her „sicher“ kalkulierbare Systeme bedroht („Ja, aber über Aushänge kommuniziert man doch total ineffizient!“). Daraus ergeben sich für mich Konsequenzen für mein Verhalten als Berater. (Fortsetzung folgt)

 

AirPlay stinkt

Aus einem Forum us-amerkanischer Universitätsadministratoren zu Bonjour (Grundlage von AirPlay) und Multicastprotokollen im Allgemeinen. In den Vereinigten Staaten gibt es schon mehrere Jahre Erfahrungen mit Appleprodukten in großen Netzen, Deutschland steht da noch am Anfang:

  • Broadcast traffic and performance are mortal enemies.  Supporting a few users who want to do iPad mirroring, for example could end up penalizing productivity for a large number of users who do not participate.
  • Will need to support a single subnet spanning your entire infrastructure, for both wired and wireless devices.
  • No troubleshooting mechanism or tools to help determine connectivity issues.
  • No centralized monitoring, management of such devices like number of devices online, number of devices connected, quality of service provided, etc.
  • No centralized admission control for those devices – If you wanted to only allow certain people to be able to connect/disconnect, you could not do that
  • Little Security – Any device on the same subnet can enumerate all devices.  Anyone with physical access to a device can easily pair and control the device fairly quickly.
  • As the number of Airplay-compatible devices increases on the network, it will be more and more difficult for users to find and connect to their own devices, as the list gets longer.  It will be only a matter of time where a naming convention for iDevices will have to be managed for those users, and it probably would be assigned to an fte in IT to do so.
  • If a user decides to consume an inordinate amount of bandwidth using an application such as video, there is no easy way to immediately identify that user and constrict it on the fly.

http://community.arubanetworks.com/t5/Unified-Wired-Wireless-Access/Pro-and-Con-of-AirPlay/td-p/21936

http://www.networkcomputing.com/wireless/academia-to-apple-fix-your-airplay-wirel/240003500

https://discussions.apple.com/thread/3538172?start=0&tstart=0

Etwas ausholen

Zunächst einmal der Versuch zu erklären, was das Problem an Multicastprotokollen wie AirPlay (und übrigens auch DLNA) ist. Man kann sich ein Netzwerk vereinfacht als Postkartenverteilungssystem vorstellen (Netzwerktechniker verzeihen das etwas kranke Bild).

uni_multicastBei Unicast tauschen Sender und Empfänger miteinander Postkarten aus. Der Switch erkennt an Aufklebern auf den Postkarten, wo er sie hinschicken muss. Jede Postkarte kommt genau dahin, wo sie einen Sinn hat.

Bei Multicast klebt ein Sender folgenden Aufkleber auf die Postkarten: „An alle Haushalte mit Tagespost“. Für Tagespost muss sich jeder Empfänger explizit anmelden und bekommt dann alle Postkarten mit diesem Aufkleber – ob sie etwas nützen oder nicht. Zudem schicken alle Multicastempfänger phrophylaktisch immer wieder die generelle Nachricht ind Netzwerk, dass sie gerne Tagespost hätten. Diese Tagesportstruktur baut sich in großen Netzen erst nach und nach auf. Der Switch kopiert die Tagespostpostkarten für jeden Empfänger, der signalisiert, dass er sie gerne hätte und schickt sie auch dahin.

Was bei zwei Empfängern noch prima klappt, kann bei vielen Empfängern zum Problem werden, da ein Großteil der Kapazität des Netzes hinter einem Switch dann irgendwann durch Tagespost verstopft ist – wie der heimische Briefkasten zu Hause. Außerdem klagt der Briefträger zwischen dem Sender und dem Switch bald über Rückenschmerzen und macht seine Arbeit nur noch, so gut es eben geht – zudem haben hat für ihn Tagespost nicht unbedingt Vorrang vor „richtiger“ Post und er fängt an, Tagespost in die Botanik zu werfen.

Typische Probleme mit AirPlay

Daher gibt es mit AirPlay in großen Netzen sehr typische Probleme (mit DLNA eher weniger, aber das ist eine andere Geschichte):

  1. Die Geräte finden sich anfangs nicht (die Multicaststruktur ist von den Switchen noch nicht aufgebaut)
  2. Die Wiedergabe stockt (das gesamte von Multicast betroffene Netzsegment ist überlastet von Tagespost)
  3. Die Geräte finden sich nach einer Weile nicht mehr (der Briefträger wirft aus Verzweiflung Tagespost in die Botanik)

Nichts davon ist durch den Nutzer oder dem Administrator in irgendeiner Form beeinflussbar! Damit erkauft man sich die Bequemlichkeit von AirPlay.

Und jetzt die Übersetzung der obigen Forenauszuges:

  • Tagespost und Performance sind tödliche Feinde.  Wenn man wenigen iPad-Usern die Möglichkeit gibt, ihre Anzeigen zu spiegeln, sind davon viele Unbeteiligte im gleichen Netzsegment betroffen.

  • Man muss die Netzsegmente, die für Multicast genutzt werden sollen, möglichst klein halten, sowohl für WLAN- als auch für LAN-betriebene Geräte

  • Es gibt keine Tools, um Verbindungsprobleme zwischen Geräten einzugrenzen

  • Man kann Tagespost nicht zentral überwachen, um hinsichtlich von z.B. Performanceproblemen zu optimieren

  • Man kann den Zugriff auf Tagespost nicht nutzer- oder rechtebezogen steuern

  • Es gibt keine Sicherheitsmechanismen. Das letzte Gerät gewinnt immer.

  • Je mehr Geräte sich im gleichen Netzwerk befinden, desto länger wird die Liste für die möglichen Anzeigegeräte. Orientierende Namenskonventionen sind für Privatgeräte nicht sinnvoll durchsetzbar.

  • Wenn ein Benutzer viel Bandbreite für sich beansprucht, gibt es keinen Weg, das Problem näher zu lokalisieren.

 

Also bei mir in der Klasse klappt das doch wunderbar!

Ja! Es klappt auch im Wohnzimmer zu Hause. Die meisten Lehrkräfte spannen für die Arbeit mit AirPlay ein eigenes Netz im Klassenraum auf, z.B. durch einen AirPort-Extreme (jeder andere Dualbandrouter würde es übrigens auch tun).  Router transportieren im Gegensatz zu Switchen keine Tagespost in ein anderes Netz.

Ziel sollte aber doch sein, dass das nicht die Lehrkraft, sondern ein Technologiepartner tut. Viele Subnetze sind wiederum wartungsaufwändig und stehen dem Anspruch einer kostengünstigen, zentralen Wartung diametral entgegen.

Wenn ich die Aufgabe bekäme, für eine ganze Schule oder auch nur einen Gebäudeteil, AirPlay zerverlässig zu garantieren, müsste ich sehr teure Geräte und viel Wartungsaufwand projektieren. Denn es wird auch in kleinen Netzen immer mal wieder spontan „nicht gehen“ – das ist bandbreitenabhängig. Da es keine Fehlerdiagnosemöglichkeit gibt, ist Fehlerbehebung nur wie zu guten, alten Windowszeiten nur per Pass&Fail möglich.

Besser wäre aus Administratorensicht eine Weiterentwicklung des AirPlayprotokolls, sodass es auch für Enterpriseumgebungen taugt. Ich als Adminsistrator bekomme nämlich jetzt im Fehlerfall die Anforderung „Geht nicht (ist ja dein blödes Netz, vorher/zu Hause ging’s ja immer!), mach’s heil, Maik!“ Ich habe bei Multicast jedoch kein Analyseinstrument zur Verfügung, kann also höchstens Stecker rein- und rausziehen und würde am liebsten antworten: „Kann ich nicht, selbst wenn ich es wollte, weil du ein dämliches, verschwenderisches Wohnzimmerprotokoll verwendest, AirPlay stinkt eben!“

Digitale Klassenbücher

Wir alle kennen und lieben sie mehr oder weniger: Die grünen oder blauen Bücher, in denen offiziell Dinge des Schulalltags wie Interrichtsinhalte, Hausaufgaben, Fehlzeiten u.v.m. zu dokumentieren sind. Das Pendant der Oberstufe heißt bei uns dann Kursheft. Beide Schriftstücke wollen vor allem aus juristischen Gründen geführt sein und dienen im Falle von Auseinandersetzungen vor Gericht als Beweismittel. Diese Art der Unterrichtsdokumentation hat so ihre Tücken:

  1. Klassenbücher werden in der Regel von Schülern verwaltet. Sie enthalten neben allgemeinen Angaben wie Unterrichtsinhalten oder Hausaufgaben auch sensible Daten wie z.B. Fehlzeiten, Angaben zu Unterrichtsausfällen u.v.m.
  2. Eine systematische Auswertung von Klassenbüchern ist umständlich. So müssen bei uns z.B. an einem Stichtag Fehltage ausgezählt werden, wenn man nicht intensiv die dafür eigentlich gedachten Listen vorne im Buch nutzt – was jeder Kollege natürlich akribisch macht, wie jeder Klassenlehrer weiß.
  3. Das Schönste, was ich mit einem Klassenbuch erlebt habe, war ein Schüler, der sich sein Frühstück noch einmal auf das Klassenbuch hat durch den Kopf gehen lassen. Andere Katastrophen wie der Totalverlust dieses Dokuments sind auch denkbar.

Die Lösung ist nach Aussage diverser Anbieter das elektronische Klassenbuch. Es wird auf unterschiedliche Art und Weise geführt, z.B. durch Eingaben an einem Tablet über eine App oder eine Webseite. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  1. Es sind nur Daten sichtbar, die für die unmittelbare Eingabe erforderlich sich. Sensible Daten lassen sich effizient von harmlosen trennen.
  2. Die Bücher sind zentral auswertbar. Insbesondere für die Schulleitung ergeben sich daduch Entlastungen, da die (behördlich vorgeschriebene) Kontrolle nicht zu einem festen Termin, sondern eben jederzeit stattfinden kann.
  3. Über eine Schnittstelle zum Zeugnisdruck können z.B. Dinge wie Fehlzeiten schnell und unkompliziert erfasst werden.
  4. Fehlenden Eintragungen muss niemand mehr hinterherennen. Das System könnte z.B. nach dem Login über fehlende Daten jammern oder per SMS bzw. Mail herumstressen.
  5. Auch Dinge wie Verwarnungen wegen unerledigter Hausaufgaben können automatisiert erfolgen.
  6. Es ist darüberhinaus denkbar, auch Eltern Zugriff auf bestimmte Daten zu gewähren, so dass eine effizientere Hausaufgabenbetreuung und Vorbereitung auf Klassenarbeiten möglich wird. Nicht jedes Kind erzählt üppig viel über diese Dinge am häuslichen Abendbrotstisch.
  7. [ to be continued … ]

Das ist alles verführerisch und es ist vor allem modern. Es braucht aber leider einige Voraussetzungen.

  1. Das zeitnahe Eintragen der Daten muss niederschwellig sein, weil das System darauf maßgeblich basiert. Ideal wäre eine Ausstattung mit flächendeckendem WLAN und Tablets für jede Lehrkraft. Ich setze mich nach dem Unterricht eher ungern noch an einen Schul-PC, um Eintragungen nachzuholen.
  2. Die geltenden Datenschutzgesetze des jeweiligen Bundeslandes müssen geeignet sein, juristische Störfeuer einzelner wirksam zu unterbinden. Wenn man auch nur für einige Schülerinnen und Schüler bzw. Kolleginnen und Kollegen doppelte Datenhaltung betreiben muss, bricht das gesamte System komplett zusammen.
  3. Die technische Verlockung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass man mit einer ganzen Reihe von Ängsten bei den Betroffenen umgehen muss. Nimmt man die Beteiligten nicht von Anfang an mit ins Boot, sieht man sich u.U. netten Fragestellungen und Herausforderungen gegenüber.
  4. Die Illusion eines kompletten digitalen Managements von Schule sollte man sich nicht machen. Schulen sind immer individuelle Systeme mit spezifischen Anforderungen, die sich niemals komplett digital mit endlichen Ressourcen abbilden lassen. Das ist bedingt durch die politisch gewollte Profilierung, gleichwohl aber auch durch ständige, teilweise recht kurzfristige Reformen – das kann kein Anbieter leisten.

Von einer mehr philosophischen Warte aus gedacht, drängen die mir weitere Fragen auf:

  1. Fehlzeiten und Verspätungen von Schülerinnen und Schülern, ggf. auch unerledigte Hausaufgaben lassen sich recht einfach zusammenzählen – durchaus auch über Jahre. Es trägt Züge bzw. Merkmale von Überwachung. Im Arbeitsleben mag das längst üblich sein (Arbeitszeiterfassungskarten etc.). Die meisten Schüler sind vor dem Gesetz aber Kinder. Ich kann diese Maßnahmen damit begründen, dass sie von ihren Arbeitsgebern später auch in die Weise kontrolliert werden werden und das schon einmal lernen sollen. Ich frage mich aber dann, was Kindheit heute für einen Wert hat, wenn ich das so begründe. Und ich frage mich, wo da irgendwann die Grenze ist. Mit den Zuständen in angelsächsischen Schulen (z:b. Einlass- und teilweise Waffenkontrollen) mag ich mich nicht so anfreunden. Mit RFID-Bezahlchips für die Mensa laufen ja schon einige Schülerinnen und Schüler durch die Gegend. Was da alles möglich und denkbar wäre …
  2. Die Arbeit von Kolleginnen und Kollegen wird ggf. inhaltlich (Themeneinträge, Hausaufgabenstellung) als auch von der Sorgfalt her (Quantität und Zeit der Eintragungen) leicht und recht niederschwellig überprüfbar. Das mag ja auch in dem einen oder anderen Fall eine Ursache irrationaler Ängste vor Technik darstellen. Da werden genau wie in der Wirtschaft auch die Personalräte gefordert sein.
  3. Es gibt u.U. Gründe, warum jemand für eine gewisse Zeit Verpflichtungen jedweder Art nicht nachkommt. Mit einer automatisierten Erfassung nehme ich mir u.U. pädagogische Freiräume. Die Zahlen bestimmen ja die von der Schulgemeinschaft als angemessen empfundene Reaktion – nicht das individuelle Schicksal.
  4. Man könnte auch in Versuchung kommen, statt digitaler Verwaltung menschliche Ressourcen für z.B. die wichtige Eltern- und Schülerarbeit zur Verfügung zu stellen, antstatt bestehende Systeme durch technische Lösungen zu stabilisieren.

Die Lage in Niedersachsen

Die meisten der auf dem Markt angebotetenen Systeme sind webbasiert. Man braucht hier also eine Vereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung zwischen Schule und Anbieter. Dafür gibt es ziemlich konkrete Regelungen. Lösch-, Aufbewahrungs- und Sperrfristen regelt z.B. in diesem Zusammenhang eine Verfahrensbeschreibung bzw. -verzeichnis.

Der Knüppel zwischen Beinen ist hier nach meiner Einschätzung die Gesetzeslage. Anbieter propagieren oft mehr oder minder offen den Grundsatz, dass alles erlaubt ist , was das Gesetz nicht ausdrücklich verbietet. Im Bereich des Datenschutzes streiten sich da die Geister und die Rechtsauffassungen (Kern: Volkszählungsurteil – bitte juristisch beraten lassen!). Nach meinen Recherchen ist da nichts „klar“ und wer von den Anbietern da etwas anderes sagt, handelt m.E. im Sinne seines Geschäftsmodells.

Von der Konstruktion ist es eigentlich ganz simpel: Daten darf man verarbeiten, wenn es dafür eine gesetzliche Grundlage gibt ODER wenn eine Einwilligung vorliegt, an die aber eine Reihe von weiteren Dingen geknüpft ist (z.B. Belehrung über Widerufbarkeit usw.).

Anbieter erliegen nach meiner Erfahrung der Versuchung, technischen Datenschutz vor den juristischen zu stellen. Da kommen dann Fragmente wie „garantierte Datensicherung“, „ISO-yx-zertifiziertes Rechenzentrum“ etc. ins Spiel, die sich angesichts des ungesicherten Koordinatorenbüros wie der Hort des Datenschutzes anhören – technisch absolut korrekt. Nützt aber nichts, wenn der Rechtsanwalt um Ecke das Ding vor Gericht zerpflückt.

Und ja, das klingt schizophren: Wenn die Einbrecher die Verwaltungrechner der Schule bei Ebay dann verticken und die Daten frei werden, hat das andere Folgen, als wenn eine Schule die Daten ihrer Schüler möglicherweise zu Unrecht durch Dritte verarbeiten lässt.

Spannend dürfte in Niedersachsen die Frage sein, ob Auftragsdatenverarbeitung im Sinne des Datenschutzes auch erforderlich ist. Wenn nicht: Einwilligung! Wenn Einwilligung – Was mache ich mit denen, die sie nicht erteilen?

Ohne Klagen wird sich hier im Land juristisch aber nichts bewegen, obwohl nach meiner Auffassung eine Klärung überfällig wäre. Klagen aus dem System selbst heraus sind nicht zuletzt wegen bestimmter Abhängigkeiten schwierig.

Meine 10 Cents

Wäre ich eine Schule in Niedersachsen, würde ich momentan davon noch die Finger lassen. Praktikabel fände ich ggf. eine Inhouse-Lösung ohne Elternzugriff, die mit dem Datenschutzbeauftragten des Schulträgers abgeklärt und über den sonst so üblichen Standard hinsichtlich des technischen Datenschutzes gehoben wird (verschlossener Raum, USV, Backup an anderem physikalischen Standort, verschlüsselte Verbindungen). Die Einbruchs- und Datenverlustwahrscheinlichkeit ist damit höher. Aber es liegen viel weniger Daten kumuliert vor und man kann selbst entscheiden und kontrollieren, was man speichert und wann man löscht, bzw. auf Papier umkopiert.

Klar sind die Anbieter, die sich in großen Rechenzentren einmieten, hier besser aufgestellt. Sie verarbeiten aber auch wesentlich mehr Daten und der Schaden bei einem Einbruch wäre ungleich höher – und attraktiv sind zentral kumulierte Daten immer – auch für noch zu erfindende Geschäftsmodelle.

 

 

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