Klassische Fehler bei der Medienausstattung von Schulen

1. Fixierung auf Endgeräte vor der Schaffung von Infrastruktur

Rechner, Notebooks, interaktive Tafelsysteme und Tablets sehen schick aus, sind im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ und zudem repräsentativ nach außen. Keines dieser Geräte lässt sich mittlerweile sinnvoll nutzen ohne ein stabiles Netzwerk und eine vernünftige Anbindung desselben an das Internet.

Ohnehin stattfindende bauliche Maßnahmen an Schulen werden oft nicht hinreichend dazu genutzt, Infrastruktur gezielt aufzubauen (Verlegung von Netzwerkkabeln in neu erstellten Decken, Umbau der Elektrik oder Heizungs- sowie Sanitärinstallationen etc.)

2. Mobile Lösungen für Präsentationen

Medienwagen mit Beamer, Notebook und Lautsprechern sind flexibel einsetzbar. Prüft man die Betriebszeiten von Beamerlampen auf diesen Wagen, stellt sich oft Ernüchterung ein: Aus verschiedenen Gründen werden diese recht teuren Geräte wesentlich weniger genutzt als fest installierte Systeme z.B. Deckenbeamer mit fest installierten Rechner.

3. Räumlich unsinnige Installationen von Präsentationssystemen im Klassenraum

Das Endgerät, welches den Beamer oder die interaktive Tafel steuert, muss entweder so ausgerichtet sein, das die Lehrkraft bei der Bedienung zur Lehrgruppe hinschaut oder es muss eine mobile Präsentation vom Platz des Schülers / Lehrers aus möglich sein.

4. Technische Überdimensionierung von PC-Arbeitsplätzen

Im klassischen PC-Raum werden i.d.R. Office- oder Internetanwendungen genutzt. Dafür sind PC-Systeme wie sie in Firmen zum Einsatz kommen schlicht überdimensoniert und verbrauchen darüberhinaus unnötig viel Energie.

Für die Medienproduktion – z.B. Filmschnitt – sind diese Geräte dann wieder viel zu leistungsschwach.

Ein PC-Arbeitsplatz muss in sich der Ausstattung an der tatsächlich zu erwartenden Nutzung orientieren.

5. Verzicht auf Softwaredeploymentlösungen (zugunsten von z.B. Wächterkarten)

Jedes System, welches bei der Installation einer Anwendung voraussetzt, dass sich ein Servicetechniker vor jeden einzelnen PC für die notwendigen Arbeiten setzt, ist nicht mehr zeitgemäß. Software lässt sich heutzutage servergesteuert verteilen. Selbst die Betriebssysteminstallation läuft vollautomatisch ab. Der Schutz des jeweiligen Arbeitsplatzes vor Manipulationen durch SuS kann z.B. verlässlich durch entsprechende Profileinstellungen erfolgen.

6. Fehlende Skalierungsplanung

Es ist eine Sache, in einem Klassenraum mit Funkübertragungsprotokollen wie AirPlay, MiraCast etc. und mit z.B. einem Klassensatz Tablets zu arbeiten. Es ist eine andere Sache, das mit einer ganzen Schule in allen Räumen zu tun. Die dazu nötigen Netzwerkkomponenten und deren Konfiguration stehen in einem diametralen Gegensatz zu den vermeintlich technisch trivialen Erlebnissen, wie sie insbesondere die Applewelt vermittelt.  Die Ausstattung muss unter der Annahme beschafft und konzipiert werden, dass das irgendwann „jeder an der Schuler“ macht.

7. Fehlendes Fortbildungskonzept für die Lehrkräfte

Im Idealfall werden die vom Schulträger beschafften Geräte oft und gern benutzt. Nur ein kompetenter, lernbereiter Anwender ist dazu in der Lage und nutzt die Möglichkeiten dieser teuren und meist wartungsaufwändigen Investition.

Schulen mit einem durchdachten IT-Fortbildungs- und Medienkonzept sind bei der Ausstattung vorrangig zu behandeln.

Ein schulübergreifendes Fortbildungskonzept wird durch eine einheitliche Ausstattung erheblich vereinfacht.

8. „Schmoren im eigenen Saft“

Es gibt in der unmittelbaren Region viele Schulen, die mit neuen Medien und Schulserverlösungen ausgestattet sind. Diese verfügen über konkrete Erfahrungswerte aus methodisch-didaktischen Kontexten.

Die Besichtigung anderer Schulen und das Gespräch mit den dort unterrichtenden Lehrkräften sind wichtig, um als Schule oder Schulträger eine differenzierte Meinung zu erhalten und diese gegenüber Firmen vertreten bzw. überhaupt verbalisieren zu können.

 

Grundfehler beim Aufbau von schulischen IT-Strukturen

… ein reißerischer Titel. Ich bin Administrator von einer komplexen IT-Struktur und Berater für andere, die eine solche Struktur aufbauen oder erweitern wollen. In dieser Rolle habe ich naturgemäß eine andere Sicht auf die Thematik, da ich einen mehr technischen Blick besitze. Als Administrator habe ich auch andere Interessen als ein Anwender: Ich möchte, dass eine Struktur für möglichst viele Personen stabil und zufriedenstellend läuft, weil das meine eigenen Resourcen schont. Das hat ein Bisschen was von Politik: Da sind viele unterschiedliche Interessen, vor allem im Bereich der Endgeräte zu berücksichtigen und auszugleichen.

IT-Strukturen lassen sich technisch verhältnismäßig leicht beherrschen, wenn man auf standardisierte Schnittstellen zwischen den Soft- und Hardwarekomponenten achtet. Die sozialen Komponenten verursachen die wirklichen „Kosten“ in diesem Bereich, für die man viel Zeit benötigt. Ein Netz, welches die Resourcen eines Administrators durch reine Wartungsaufgaben auffrisst, wird trotz technischer Raffinessen für die Anwender nie befriedigend sein. Ich sehe immer wieder typische Fehler an Schulen bei der Konzeption von IT-Strukuren.

1. „Was für mich gut funktioniert, das ist auch für meine Schülerinnen und Schüler geeignet“

Ich habe persönlich eine Vorliebe für linuxbasierte Systeme. Diese „sprechen“ mit mir und verfügten meist schon Jahre vor typischen Consumerprodukten über Features, die unter Windows oder iOS als „bahnbrechend“ beworben und empfunden wurden. Trotzdem käme es mir nie in den Sinn, die ganze Welt zu freier Software und Unixsystemen bekehren zu wollen. Auch Geräte, die für den privaten Workflow hervorragend funktionieren (auch ich verschenke oder empfehle z.B. Appleprodukte), müssen nicht unbedingt einfach in komplexere Strukturen integrierbar sein. In einem großen Netz muss ich eine Handlung nicht einmal für mich durchführen oder beraten, sondern u.U. x Mal – und dann wird es in der Administration nach einer kurzen Phase der Euphorie langweilig oder auf Dauer sogar nervig.

Ein Gerät, welches ich nicht zentral steuern kann, welches ich für grundlegende Funktionen und Konfigurationen selbst einzeln Stück für Stück in die Hand nehmen muss, ist in diesem Sinne ungeeignet, weil es nicht den Möglichkeiten entspricht, die man heute in der IT hat.  Dieses Grundproblem tritt z.B. bei einer gewissen Anzahl von Schulgeräten auf, z.B. auch bei iPads (die sich aber zentral mit einem Mac-Server verwalten ließen).

Dieses Problem äußert sich darin, dass es pädagogisch für sinnvoll erachtet wird, dass jeder sein eigenes Gerät mitbringt und selbst wartet, damit diese zentral Aufgabe nicht mehr in den Aufgabenbereich von Schule fällt. Damit kauft man sich jedoch andere Herausforderungen ein: Nicht umsonst gilt in Firmennetzen die Einbindung von privaten Geräten als große Herausforderung.

2. „Schule braucht kein eigenes Schulnetz, jeder greift irgendwann mit seinem Gerät selbst mobil auf das Internet zu“

Dazu habe ich an anderer Stelle etwas geschrieben. Vom Vernunftsgedanken bewegt sich das ganze ungefähr auf der Ebene, wie sinnvoll ein Auto als Fortbewegungsmittel ist: Man braucht für ein solches Ansinnen neben dem technischen Rahmen auch für jedes Kind einen eigenen Datenvertrag mit entsprechendem Datenvolumen. Kostet ein solcher Vertrag pro Kind 10,- Euro, kann man sich als Schule von der Gesamtsumme eine satte Standleitung mit garantierten technischen Parametern jenseits von „bis zu“  leisten und darüberhinaus darauf verzichten „Femtozellen“ in der Schule aufzustellen (quasi klitzekleine Sendemasten – eigentlich ist das dann eine Nachbildung von typischen, aber wesentlich günstigeren WLAN-Strukturen). Ich glaube, dass hinter diesem Satz mehr eine Hoffnung, denn ein pädagogisches Konzept steckt.

Dazu kommt, dass ich in der Schule gerne Daten und Informationen austauschen möchte, Ich will das nicht immer über cloudbasierte Dienste tun. Datenschutz ist für mich immer ein Thema. Ich finde es gut, wenn Kinder erste Erfahrungen in geschützteren Räumen machen und sie dann auf das große weite Internet übertragen, weil irgendwelche Dummheiten im kleineren Rahmen pädagogisch viel beherrschbarer und u.U. folgenloser bleiben.

3. „Wir müssen neue Endgeräte beschaffen! Nur das Neueste und Aktuellste ist zeitgemäß für Bildungsprozesse!“

Ein gebrauchtes Businesssubnotebook mit Core2Duo zum Preis von 170,- Euro hat weder Probleme mit der Darstellung von HD-Videos noch mit komplexeren, ajaxbasierten Webdiensten. Der Akku hält auch bis zu 8 Stunden. Es gibt günstige Ersatzteile am Markt, die auch noch leicht, also auch durch eine Schüler-AG,  zu tauschen sind, weil diese Geräte in großen Stückzahlen gefertigt wurden. Endgeräte, zu denen auch Tablets gehören, machen für mich nur Sinn, wenn sie für kollaborative Prozesse eingesetzt werden. Dazu braucht man ein stabiles Netz und einen verlässlichen Zugang zum Internet im gesamten Schulgebäude.

Um alleine mit einer App zu lernen, brauche ich kein Gegenüber und kein Schulgebäude. Das Besondere an Schule ist für mich aber das Gegenüber. Und in dieser Einheit will ich nicht technisch eingeschränkt sein. Mich interessiert nicht, ob der Film jetzt ein bandbreitenhungriges HD-Video oder eine für Mobilgeräte gut komprimierte Version ist. Ich will klicken und ihn mir anschauen. Dafür brauche ich ein Netz. Wenn das nicht steht, habe ich viel Aufwand und mache auch mit dem neusten Verkaufsschlager ernüchternde Erfahrungen. Wie ein Auto verliert der neueste Verkaufsschlager übrigens in seinem ersten Jahr drastisch an Wert und ggf. an Akkukapazität. Da kann man viel Geld verbrennen. Ein Server, der die gleiche Leistung für die gleiche Anzahl an „dummen“ Anzeigegeräten zur Verfügung stellt, ist nach meiner Erfahrung mit einem 1/10 der Kosten zu realisieren.

Daher berate ich in der Regel zuerst das Netz und dann die Endgeräte.

4. „Was pädagogisch sinnvoll ist und wie demnach das Netz beschaffen sein soll, weiß ich als Anwender und Lehrer am besten.“

Ich bin ein Typ, der momentan mehrere Maschinen mit ESXi virtualisiert, der managebare Switche administriert, Acccesspoints (selbst mit DD-WRT versehen und konfiguriert) und Beamerlampen per SNMP überwacht und optische Verbindungen projektiert bzw. zur Not auch selbst verkabelt. Zudem kann ich mittlerweile auch Verkabelungspläne von Elektrikerfirmen einigermaßen lesen. Ich bilde mir trotzdem bis heute nicht ein, als Autodidakt – der ich nunmal bin – mehr über Netzwerke zu wissen als jemand, der so etwas täglich plant. Meine zeitlichen Resourcen sind (eigentlich) viel zu begrenzt, um Kabel über verstaubte Dachböden zu ziehen.  Ein Durchschnittslehrer kann allenfalls Sätze formulieren wie: „Ich möchte überall im Hause einen verlässlichen Internetzugang haben“. Ein guter externer Berater nimmt vielleicht 500-800 Euro für zwei Stunden, wird aber dann auch die technisch wirklich relevanten Parameter abfragen: Ob ich mit 50 Leuten gleichzeitig YouTube-Videos schauen möchte oder kollaborativ mit Web2.0-Diensten in Klassenstärke arbeiten möchte, ist technisch ein himmelweiter Unterschied hinsichtlich der Anforderungen und der Auslegung eines Netzes.

In der Beratung fange ich immer mittlerweile gerne: „Und was ändert sich bei Ihnen dadurch, wenn Sie Ihre heute als optimal empfundene Struktur besitzen?“ Diese Frage überrascht immer wieder, lenkt den Blick jedoch oft genug wieder zurück auf den Benutzer und weg von der Technik, die ebendiesem zu dienen hat und nicht umgekehrt. Das wiederum kann sie nur, wenn gewisse Mindeststandards unterstützt werden, was wiederum die Auswahl an Geräten u.U. bestimmt.

WLAN-Planungen in der Schule

Plant man ein WLAN in der Schule, so hat man mehrere Möglichkeiten. Dabei setze ich einmal voraus, dass grundsätzliche Funktionen, z.B. eine zentrale Wartung (alle Accesspoints zeitgesteuert deaktivieren/aktivieren, Gastlogins über z.B. Hotspotfähigkeit, möglicher Aufbau eines Meshnetzes – das ist übrigens die Zukunft – usw.) umgesetzt werden. Außerdem kalkuliere ich, dass irgendwann zwischen 200-300 Geräte in diesem Netzwerk gleichzeitig aktiv, d.h. nicht nur angemeldet sind.

Der Wunsch

Man lässt eine Firma anrücken, die über entsprechende Messtechnik verfügt, um die gesamte Schule auszuleuchten. Auf diese Weise ist relativ schnell klar, wo welche Accesspoints gesetzt werden müssen, um eine gute Abdeckung zu erreichen. Je nach Ergebnis des Messprotokolls sind ggf. weitere Installationsarbeiten notwendig. Nicht überall liegen die erforderlichen Netzwerkkabel und ggf. zusätzliche Stromversorgungen. Ich bin übrigens kein Freund von PoE-Lösungen, d.h. der Accesspoint wird über das Netzwerkkabel mit Strom versorgt, da die dafür erforderlichen Switche nicht günstig sind und man sich eine mögliche Fehlerquelle mehr auf das Netzwerkkabel bringt. Ein schönes Nym-Kabel transportiert bis zu 3600 Watt und taugt dann auch für die Versorgung von Beamern, AppleTV oder sowas… Ein gute Firma wird dann Businessaccesspoints von Cisco, Lancom , Zyxel, Netgear usw. setzen. Die Einstiegsklasse fängt bei solchen Geräten um die 300-400 Euro je Gerät an – dafür nehmen sie aber auch wirklich 90-100 Clients in ihre Funkzelle auf und halten.

Je nach Größe der Schule ist man recht flott bei 20-30.000 Euro – für ein großes Schulzentrum können es auch 50.000 Euro sein. Dafür hat man etwas Anständiges, um das man sich weder bei der Planung noch bei der späteren Wartung großartig kümmern muss.Wenn man auf eine gute Dokumentation achtet, kann man ggf. sogar die Firma wechseln, falls irgendwann irgendetwas nicht passt.

Die Realität

  • Es gibt jenseits größerer Technologiezentren kaum Firmen, die über ein entsprechendes Know-How verfügen, potentiell weit über 100 Geräte per WLAN zu versorgen. Sie einzufliegen nützt nichts, da man immer noch Partner vor Ort für die Wartung braucht. Die Kosten für Wartungsverträge mit SLAs übernimmt kaum ein Schulträger, weil das seine finanzielle Möglichkeiten weit überschreitet.
  • Ab 20.000 Euro Investitionskosten – teilweise deutlich darunter – muss man schon sehr gut begründen, wenn man so etwas gebaut haben möchte. Zwischen Antrag und Realisierung werden Jahre mit Technologiesprüngen liegen, die die vorliegende Planung bald überholen.
  • Extern geplante Netze sind auf Zeit geplante Netze. Sie werden irgendwann selbst von Technologiesprüngen überholt werden
  • Bei der Netzwerkplanung sind oft mehrere Gewerke beteiligt: Elektriker, Netzwerkfirmen, Hardwarefirmen – oft passt hinterher nix mehr zusammen, keiner ist’s gewesen und Schuld hat immer der andere. Da es dann keine Doku gibt, vergehen oft Stunden, bis einfachste Probleme gelöst werden können – das fängt schon bei Passwörtern für Konfigurationsoberflächen an.
  • Als technisch Ahnungsloser wird man die Zeit, die man sonst mit Bastelei (und Lernzuwachs) verbracht hätte, mit Telefonieren, Mahnen, Hinterherlaufen, Schimpfen und Genervtsein verbringen.

Unbedingte Voraussetzung beim Aufbau eines solchen Netzes durch eine Firma ist externe Beratung. Die projektiert ggf. auch konkrete Pflichtenhefte für die einzelnen Gewerke und koordiniert während der Bauphase. Natürlich sind da entsprechende Stundensätze zu kalkulieren – aber das machen auch viele Hausbauer m.E. falsch: Der externe Gutachter wird gespart, weil das Gutachten 3000-4000 Euro kostet. Bei einer angenommenen Bausumme von 200.000 Euro für ein EFH ist dieser Betrag aber eher gering und spart unter Umständen durch Vermeidung von Planungsfehlern Nachbesserungen, die schnell ein Vielfaches der Kosten für einen Gutachter betragen.

Der Pragmatismus

Der Pragmatismus – vor allem der finanzielle – besteht darin, Dinge selbst zu tun, die man selbst tun kann. Dazu gehören nicht:

  • das Verlegen von 230V-Leitungen und Setzen von Steckdosen
  • das Durchbohren von (Brandschutz-)Wänden zur Verlegung von Netzwerkkabeln
  • die gemeinsame Verlegungen von Netzwerkkabeln und 230V-Leitungen in einem Kanal (es gibt aber Kabelkanäle mit Trennsteg)

Viele Hausmeister sind aber gelernte Elektriker und wissen über die VDE-Normen Bescheid. Sie dürfen in der Regel nicht selbst aktiv werden, können aber Arbeiten von Firmen kontrollieren. Dinge, die man selbst tun kann, beschränken sich also darauf, bereits vorhandene Installationen zu nutzen. Ab Netzwerk- oder Steckdose darf man mit einem fertig gekauften Gerät hantieren.

Kern meines Hantierens ist für mich zurzeit die kostenlose Routerdistribution DD-WRT. Es handelt sich um eine weitgehend freie Firmware, also eine Art Betriebssystem für Router. Es werden unzählige Modelle unterstützt. Hier kann man schauen, ob die vorhandene Hardware dazugehört. Das Schöne ist, dass DD-WRT auf jedem Router gleich aussieht – die Bedienung hängt also nicht mehr vom Typ des Routers ab. Mit DD-WRT erhalten viele günstige Router Funktionen, von denen wesentlich teurere Business-Accesspoints träumen – ich zähle hier mal die offensichtlichsten auf:

  • an den Switch eines modifizierten Routers könne weiter Router angesteckt werden (weiterer WLAN-Ausbau)
  • der Router kann als Accesspoint, als Repeater oder als Bridge konfiguriert werden – das ist gerade in schlecht ausgebauten Altbauten von fulminanter Bedeutung
  • Man kann eine Hotspotfunktionalität wie an Unis oder Hotels realisieren (der IServ bringt übriges fast alles dafür schon mit)
  • Viele Router können mit DD-WRT zeitgesteuert werden, d.h. das WLAN ist z.B. nachts oder an Wochenenden inaktiv
  • usw.

DD-WRT ist sehr gut in Englisch dokumentiert – auch deutschsprachige Foren gibt es. Für Linuxer ist es auch kein Problem, eine Zeitsteuerung für das WLAN zu integrieren. DD-WRT bringt eine Konsole mit, über die man via Script den WLAN-Chip ein und ausschalten kann. Ich habe dafür einen Cronjob auf unserem IServ erstellt, der das per Key-Auth auf fast jedem Router bei uns in der Schule erledigt. Oder man kann den WLAN-Schlüssel für die gesamte Schule zentral per Konsole setzen… Ich halte beides für einen Sicherheitsgewinn.

Ich habe zurzeit zwei Gerätetypen mit DD-WRT hier im Schulnetz im Einsatz: Den Linksys WRT54GL als Paradevertreter von Stabilität und Robustheit und den TP-Link TL-WR1043ND, den man mehr als „jungen Wilden“ bezeichnen kann. Beide werden von DD-WRT gut unterstützt, beim TP-Link muss man die Zeitsteuerung per Konsole nachrüsten, während sie beim WRT54G über die Oberfläche eingestellt werden kann. Beide funken nur m 2,4Ghz-Band – die nächsten Router bei mir werden auf jeden Fall dualbandfähig sein, also auch 5Ghz unterstützen. Der TP-Link funkt auch im N-Modus und erreicht hier übliche Übertragungsgeschwindigkeiten von 65-107Mbit/s, während der Linksys auf maximal 54Mbit/s kommt (G-Standard).

Konfigurationstipps:

  1. Weboberfläche nur per HTTPS zugänglich machen und auch die Statusseite von DD-WRT mit einem Passwort schützen
  2. SSH-Zugriff nur über Key-Auth
  3. Alle Router einer Schule sollten unter einer einheitlich SSID senden – dann klappt sogar „Handover“, bzw. man merkt nicht, dass man kurzzeitig beim AP-Wechsel keine IP hat. Ich kann fast durch das ganze Schulgebäude laufen ohne die WLAN-Verbindung zu verlieren. Zudem vermeiden man bei unerfahrenen Nutzern, dass sie mehrere Netzwerke einrichten müssen. Ist ein AP überlastet, sucht sich das Gerät zudem in der Regel einen anderen – wesentlich(!) weniger Fragen von Benutzern…
  4. N-Router sollten nur die AES-Verschlüsselung zulassen, da TKIP nur für WLAN-G spezifiziert ist und man so nicht die N-typischen hohen Datenraten erhält
  5. Die Router sollten ihre externe IP nach Möglichkeit per DHCP bekommen, weil ich so zentral am DHCP-Server bestimmen kann, wer welche IP erhält
  6. Ein extrem wichtiger Helfer beim Setzen der Accesspoints ist ein Handy mit einem WLAN-Analyzer. Den gibt es für alle gängigen Mobilplattformen.

Anderes Thema: Ist das meine Aufgabe?

Nein. Aber wenn ich möchte, dass mobiles Lernen möglich wird, kann ich entweder:

  • darauf warten, dass sich die unermüdlicher Forderer politisch durchsetzen, so dass der Schulträger zum Handeln gezwungen wird. Leider sehe ich wenig Einigkeit darüber, was denn der Standard sein soll oder in welchem Bereich er sich bewegt.
  • heute etwas tun, um die bestehende Situation konkret zu verbessern. Dazu bedarf es nichts außer der Bereitschaft in diesem technischen Bereich zu lernen – das Wissen dazu ist im Netz.
  • beides kombinieren

Realität ist, dass sich einzelne Lehrer zurzeit aus Not selbst etwas basteln, z.B. mit dem mitgebrachten Hotspot. Das kann ich auch und habe es lang so gemacht. Es nützt dem System Schule m.E. aber überhaupt nichts. Die Abhängigkeiten werden nur andere. Daten müssen irgendwo liegen, um ausgetauscht zu werden. Eine Schulcloud finde ich sympathischer als Web2.0-Dienste oder im beste Fall angemieteten Webspace.

 

eN Deutsch, NDS Abi 2012, Vorplanung

Gerade heute haben wir drei Kollegen beieinandergesessen, die mit einem Deutschkurs auf erhöhtem Niveau beglückt worden sind. Damit man eine Vorstellung davon bekommt, was wir in ersten Halbjahr unter einen Hut bekommen müssen, hier zunächst einmal das laut Kerncurriculum verpflichtende Programm:

Epochenband (Rahmenthema: Literatur und Sprache um 1800)

  • Aufklärung und Romantik im Vergleich

Gattungsband (Rahmenthema: Drama und Kommunikation)

  • Geśtaltungmittel des Dramas

Verbindlich zu lesende Texte:

  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe (1784)
  • Friedrich Schiller: Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken? (1784)

Verbindliche Unterrichtsaspekte:

  • Problematisierung von adliger und bürgerlicher Moral
  • Überwindung der Ständeklausel
  • Programmatik der Schaubühne vor dem Hintergrund der historisch-gesellschaftlichen Entwicklung

Zusätzlich:

  • Ausweisung eines weiteren Wahlpflichtmoduls

Dilemmata

  1. Es gibt so viele bekannte romantische Dramen (das war Ironie).
  2. Aus dem G8-Zug mit der wegfallenden 11. Klasse ist das epochale Wissen der SuS arg begrenzt
  3. Aus dem G8-Zug mit der wegfallenden 11. Klasse sind die Schreibfertigkeiten der Schülerinnen und Schüler nicht so geübt
  4. Ich könnte „Train-to-the-test“ machen und mich nur auf die prüfungsrelevanten Wahlpflichtmodule stürzen, arbeite aber ungern im luftleeren Raum

Das KuMi in NDS wird gegen die Punkte 2+3 einwenden, dass die SuS aus dem G8-Zug beim Doppelabitur gegenüber den SuS des G9-Zuges sogar besser abgeschnitten haben und meine Einwände daher nicht gerechtfertigt sind. Der geneigte Leser möge sich aber bitte dazu die Zentralabituraufgaben des letzten Jahres zu Gemüte führen und sowohl inhaltlich als auch methodisch beurteilen. Außerdem waren wir Lehrer wahrscheinlich bei Punkt 4 geübter.

Ideen

Wir wollen das Gattungsband mit dem Epochenband verknüpfen und in einem ersten Schritt zunächst einmal auf die Ursprünge des Dramas eingehen, z.B. anhand von Auszügen aus der guten, alten spröden Antigone. Danach erfolgt arbeitsteilig die exemplarische Auseinandersetzung mit Auszügen aus einem Drama der früheren Aufklärung („Die Juden“), des Sturm und Drang („Götz von Berlichingen“), der Klassik („Iphigenie“) und des Vormärz („Woyzeck“). Dabei sollen sich die SuS erstmal mit Inhalt in Sprache der Auszüge auseinandersetzen und dann anhand von kleinen Epochenüberblicken (z.B. im Lehrbuch „Texte, Themen und Strukturen“) Bezüge zu gesellschaftlichen Entwicklungen herstellen. Natürlich ist dabei keine tiefgreifende inhaltliche Auseinandersetzung zu erwarten, aber vielleicht zumindest ein Orientierungsrahmen, der eine Verortung des Primärtextes „Kabale und Liebe“ als Drama mit deutlichen Elementen des Übergangs von SuD zur Klassik überhaupt erst ermöglicht. Die Ergebnisse werde ich in einem Blog sammeln. Die erste Klausur könnte somit eine sprachliche Analyse eines unbekannten Dramenauszugs oder eine Aufgabenstellung mit kreativem Anteil umfassen. In der zweiten Klausur ist dann eine komplexere Aufgabenstellung zum Primärtext evtl. mit Bezügen zu einer programmatischen Schrift möglich. Als zusätzliches Wahlpflichtmodul drängt sich der Literaturauswahl eigentlich WMP4 „Familie im Drama“ nahezu auf.

Die Romantik bekommt man auf diese Weise noch nicht mit in den Unterricht hinein. Aber um Weihnachten herum kann man sich diese Epoche anhand z.B. von Gedichten und einem ET.A. Hoffmann-Text bei Kerzenschein (Die Abibox schlägt „Der Sandmann“ vor) eben als Epoche in den Fokus stellen und klären, warum dort so gedacht und geschrieben worden ist und warum das eben nicht so oft  Dramen waren – im Theater ist man ja eher nicht so sehr „mit sich“ oder weit weg von der Gesellschaft und blaue Blumen hat’s da auch keine. Die Voraussetzungen waren ja eben andere als zur Zeit der Aufklärung. Mit dem einen oder anderen Gedicht wäre dann auch das folgende Rahmenthema „Vielfalt lyrischen Sprechens“ im zweiten Semester vorbereitet.

Vielleicht habt ihr ja noch andere Ideen, wie sich die Vorgaben in ein Semester bringen lassen. Über den Vergleich zwischen Aufklärung und Romantik musste ich ein wenig den Kopf schütteln.

Luftanalyse über Brenndauer [update]

Öhm, ja – ich hatte die Geschichte dazu schon einmal hier beschrieben. Heute habe ich den Versuch tatsächlich mit den SuS im Unterricht durchgeführt. Folgende Brenndauern sind ermittelt worden:

Luft: 8,5s / 10s /7,5s / Mittelwert: ca. 8,5s

Sauerstoff: 54s / 50s / Mittelwert: 52s

Damit ergibt sich ein Verhältnis der Brenndauern von 8,5 : 52 bzw. 16,3 : 100. So wurde experimentell ein Sauerstoffgehalt von 16,3% (Theoriewert: 21%) bestimmt, also beträgt der Fehler etwa 22%. Nunja – der Aufbau ist ja noch optimierbar (Vermeidung von Verwirbelungen, stets eine frische Kerze, exakt gleiche Eintauchtiefe usw.)  – man kommt also recht gut in die Nähe des tatsächlichen Sauerstoffgehalts.

Die Schülerin mit der Idee zu diesem Ansatz war schon recht stolz und ich muss mit meinem klassischen Aufbau dagegen erstmal anstinken. Spannend, was man in der Schule alles lernen kann…

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