Wenn ich Schulleitung wäre …

Als pro­gres­si­ve Schul­lei­tung müss­te ich Per­so­nal­ent­wick­lungs­ge­sprä­che füh­ren. Ich ver­wal­te das Schul­bud­get. Ich pla­ne den Unter­richts­ein­satz und die -ver­tei­lung. Heu­te Abend ist schon wie­der eine Klas­sen­kon­fe­renz, bei der ich mei­ne Anwe­sen­heit nicht dele­gie­ren darf. Bei jeder Auf­füh­rung oder beson­de­re Akti­on von Schü­le­rin­nen und Schü­lern wird in der Öffent­lich­keit mei­ne Anwe­sen­heit erwar­tet. Ich soll mich fort­bil­den — nicht Füh­rung, son­dern Lea­dership wird von mir erwar­tet. Mein Pool der zu ver­tei­len­den Ent­las­tungs­stun­den wird seit Jah­ren klei­ner. Jeder Kol­le­ge erwar­tet, dass ich ihn oder sei­ne Arbeit wahr­neh­me. Ich schlich­te Strei­tig­kei­ten um die Beno­tung von Abitur­ar­bei­ten. Ich muss im Auge behal­ten, wer die erwei­ter­te Schul­lei­tung besetzt. Ich habe immer ein offe­nes Ohr für die Nöte und Pro­ble­me mei­ner Lehr­kräf­te. Ich ver­tre­te die Schu­le gegen­über dem Trä­ger und der Öffent­lich­keit. Ich füh­re Ver­be­am­tungs­ge­sprä­che durch und ver­fas­se Gut­ach­ten für Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Ich küm­me­re mich um rechts­si­che­re Ver­trä­ge mit päd­ago­gi­schen Fach­kräf­ten für den Ganz­tags­schul­be­trieb. Ich sit­ze regel­mä­ßig in Gre­mi­en wie dem Schul­vor­stand. Ich bin ver­pflich­tet, den Per­so­nal­rat regel­mä­ßig über das Per­so­nal betref­fen­de Ent­schei­dung zu infor­mie­ren. Ich hal­te die Rede zum Abitur. Kol­le­gen sind sau­er, wenn ich aus ihrer Sicht inte­gra­le Auf­ga­ben wie z.B. Schul­ent­wick­lungs­pro­zes­se an die erwei­ter­te Schul­lei­tung dele­gie­re. Ich ver­ant­wor­te letzt­lich jede recht­lich rele­van­te Ent­schei­dung gegen­über dem Dienst­herrn. Eltern beschwe­ren sich bei mir berech­tigt und unbe­rech­tigt. Ich habe mit Lücken in der Unter­richts­ver­sor­gung zu kämp­fen, die ich meist zunächst „aus dem Sys­tem her­aus” schlie­ßen muss. Ich wäh­le Bewer­ber um neue Stel­len aus — wenn sie mir zuge­wie­sen wer­den und wir­ke auch bei deren Stel­len­aus­schrei­bung mit. Ich bin bei Prü­fungs­stun­den mit Refe­ren­da­ren mit dabei. Ich muss Ent­schei­dun­gen des Kol­le­gi­ums Eltern- und Schü­ler­gre­mi­en ver­mit­teln. Ich muss Ent­schei­dun­gen von Eltern- und Schü­ler­gre­mi­en den Lehr­kräf­ten ver­mit­teln. Ich muss schul­in­ter­ne Ent­schei­dun­gen der Öffent­lich­keit ver­mit­teln. Ich bin bei Aus­wahl­ver­fah­ren für neue A14- und A15-Stel­len mit ein­ge­bun­den. Oft kommt mir schwer Vor­her­seh­ba­res dazwi­schen. Ich befin­de mich mit ande­ren Schu­len und Schul­for­men im Wett­be­werb um die Schü­le­rin­nen und Schü­ler. […]

Ach ja — und dann noch die­ser Medi­en­on­kel.

PS: War­um gibt es einen „Towel­day” und kei­nen „Princi­pal­day”? Mir wür­de an die­sem Tag bewusst, was Schul­lei­te­rin­nen und Schul­lei­ter, die ihren Job ernst­neh­men,  jeden Tag tun. Übri­gens hat mein fik­ti­ver Schul­lei­ter von oben eine erwei­ter­te Schul­lei­tung, die ihm Auf­ga­ben abnimmt. Er hat ein bestimm­tes Gehalt und er darf A14- und A15-Stel­len anbie­ten. Wie ist denn das an einer klei­nen Grund­schu­le?

Fußangeln bei schulischen (Medien-)konzepten

Ich habe „Fuß­an­geln” geschrie­ben, um nicht „Pro­ble­me” schrei­ben zu müs­sen — die zie­hen ja immer nach unten :o).

(Medien-)konzepte — ers­te klei­ne Übung

Man schaue sich die­se klei­ne Video mit Klaus Dopp­ler an und erset­ze das Wort „Unternehmen/Firma” durch „Schu­le” und das Wort „Leit­li­nie” durch „(Medien-)Konzept”.

Nun gibt es zwei Ant­wor­ten:

  1. Öhm — äh ja, irgend­wie ist das bei uns genau so/ähnlich.
  2. Nö. Das haben wir schon erkannt und gehen damit um.

 
 Mei­ne Erfah­rung

… sagt, dass Kon­zep­te, also auch Medi­en­kon­zep­te, ger­ne geschrie­ben (5%) wer­den, beson­ders ger­ne im Kon­text von Schul­in­spek­tio­nen — sel­ten sind die­se Kon­zep­te aber kon­kret mit Leben gefüllt (95%). Natür­lich ist das in mei­nem direk­ten Umfeld nicht anders, was bei mir zu bestimm­ten Reak­tio­nen führt, bzw. geführt hat:

  1. Manch­mal den­ke ich: „Es liegt bestimmt, dar­an, dass die Gerä­te noch nicht so weit sind. Wir brau­chen also bes­se­re, d.h. zuver­läs­si­ge­re Gerä­te nebst pas­sen­der Netz­werk­tech­nik. Dann kommt vie­les von selbst.”
  2. Wenn ich etwas Neu­es ein­ge­führt habe, war ich schon ent­täuscht, wenn die begeis­ter­te Auf­nah­me und die anschlie­ßen­de Benut­zung aus­blie­ben. Mei­ne Stan­dard­aus­re­de ging dann in die Rich­tung: „Jaja, wir leben eben in einer Zeit der Über­gan­ges, da sind Rück­schlä­ge völ­lig nor­mal” — dar­auf­hin habe ich dann wei­ter­ge­macht mit ande­ren Neu­ig­kei­ten und mir Trost in der „Netz­wohl­fühl­bla­se” gesucht.

Es geht ja nicht um Gerä­te. Es geht ja nicht um Inno­va­ti­ons­im­ple­men­tie­rung. Es geht ja eigent­lich bei jedem Kon­zept nur dar­um, eine Ver­än­de­rung zu initi­ie­ren. Dazu gibt es sys­te­mi­sche Ansät­ze — also eine Theo­rie, die bei vie­len Din­gen hilft — nicht nur bei der Betrach­tung von schu­li­schen Pro­zes­sen. Sie hilft mir als Theo­rie­an­satz des­we­gen, weil sie im bestehen­den Sys­tem umsetz­bar ist und nicht eine Uto­pie zur Vor­aus­set­zung macht.

All­ge­mei­nes zu Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen

Eine bedeut­sa­me Ver­än­de­rung im Leben von Men­schen ist meist eine Tren­nung. Sie soll hier als Bei­spiel für einen gra­vie­ren­den Ver­än­de­rungs­pro­zess die­nen. Um die­se Ver­än­de­rung nicht durch­le­ben zu müs­sen, gibt es ja auch schon eine Rei­he inno­va­ti­ver Lebens­an­sät­ze, die sich eben nicht auf einen „unsi­che­ren” Part­ner fokus­sie­ren. Was geschieht dabei eigent­lich nach einem sys­te­mi­schen Ansatz, vor­aus­ge­setzt die­se Tren­nung ist irrever­si­bel?

Phasen von Veränderungsprozessen

Pha­se 1 — Der Schock:

Die Tren­nung kün­digt sich an. Das ist oft ein schlei­chen­der Pro­zess, mach­mal aber auch eine „muti­ge” SMS — so hört man zumin­dest. Auf jeden Fall löst die­se Nach­richt bzw. das Bewusst­sein dar­um zunächst einen Schock mit hoher emo­tio­na­ler Betei­li­gung aus. Es kommt oft zu irra­tio­na­len Ver­hal­tens­mus­tern.

Pha­se 2 — Die Leug­nung:

Oft genug will der Ver­las­se­ne die End­gül­tig­keit der Tren­nung nicht wahr­ha­ben. Daher wird er Stra­te­gi­en anwen­den, die ihm die Auf­recht­erhal­tung sei­nes bis­he­ri­gen Ver­hal­tens — zumin­dest vor­der­grün­dig — ermög­licht. Dabei geht es auch um ein Sicher­heits­ge­fühl und das „In-den-Griff-Bekom­men” der Scho­cke­mo­tio­na­li­tät — also letzt­lich um das Bedürf­nis, die Kon­trol­le (über sich) wie­der­zu­er­lan­gen. Die emo­tio­na­le Betei­li­gung nimmt ab.

Pha­se 3 — Der Kampf

Man besinnt sich in die­ser Pha­se wie­der auf die eige­nen Kom­pe­ten­zen und den eige­nen Wert. Das kann sich in erneu­ten Bemü­hen um den Part­ner äußern, indem man z.B. Ritua­le aus den Zeit der ers­ten Begeg­nun­gen wie­der reak­tua­li­siert.  Es kann sich aber auch in offe­ner Aggres­si­on gegen­über dem Part­ner äußern — z.B. durch Denun­zia­tio­nen, Mob­bing, im Extrem­fall Stal­king usw.. Die emo­tio­na­le Betei­li­gung steigt in die­ser Pha­se. Ein Kampf kann jedoch nie erfolg­reich sein, wenn die Tren­nung tat­säch­lich irrever­si­bel ist.

Pha­se 4 — Resi­gna­ti­on

Resi­gna­ti­on bedeu­tet hier erst ein­mal nur, dass die „Kampf­hand­lun­gen” ein­ge­stellt sind. Von Außen­ste­hen­den wird die­se Pha­se ger­ne ein­mal mit „Akzep­tanz der Ände­rung” ver­wech­selt. Tat­säch­lich hat die­se aber noch gar nicht statt­ge­fun­den, son­dern ledig­lich die Ein­sicht, dass das eige­ne Bemü­hen sinn­los ist, bestimmt den Ver­las­se­nen. Oft zieht er sich in sich selbst zurück und „nor­ma­li­siert” sei­nen All­tag. Die emo­tio­na­le Bete­li­gung sinkt.

Pha­se 5 — Akzep­tanz

Hier rücken erst­mals die Chan­cen der Ände­rung in den Vor­der­grund. Der defi­zit­ori­en­tier­te Blick wei­tet sich auf neue Mög­lich­kei­ten. Gleich­zei­tig wird das Ver­gan­ge­ne ers­mals kri­tisch-distan­ziert betrach­tet. Die emo­tio­na­le Betei­li­gung steigt wie­der.

Pha­se 6 — Umset­zung

Die Ände­rung ist im All­tag ange­kom­men und hat sich ver­ste­tigt. Im Vor­der­grund ste­hen die Mög­lich­kei­ten, die nun als posi­tiv im Kon­trast zum Zustand vor den Ände­run­gen erlebt wer­den. Unser exem­pla­ri­scher Ver­las­se­ner fragt sich nun z.B., war­um er die Tren­nung nicht selbst viel frü­her ein­ge­lei­tet hat.

Jedes Kon­zept ist für das Sys­tem ein Schock

… und zwar in der Defi­ni­ti­on der sys­te­mi­schen Theo­rie. Wenn ein Kon­zept kei­ne Emo­tio­nen, teil­wei­se auch Über­grif­fe aus­löst, ist kei­ne Ver­än­de­rung initi­iert. Das Schlimms­te ist Lethar­gie. Wider­stand, also Kampf ist bereits eine Form der Aus­ein­an­der­set­zung.

Wel­che Feh­ler kann man machen, wenn man den Ver­än­de­rungs­pro­zess gestal­ten möch­te?

  1. Die Emo­tio­nen per­sön­lich neh­men. Das pas­siert sehr ger­ne, wenn es sich um das eige­ne Sys­tem han­delt, was man ver­än­dern möch­te. Es führt oft zu „Gege­n­emo­tio­na­li­tät” in Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den­je­ni­gen, die vor­geb­lich die „eige­ne” Sache vor­sätz­lich tor­pe­die­ren.
  2. Resi­gna­ti­on mit Annah­me ver­wech­seln. Die­se Pha­se ist eine sehr labi­le, in der das Sys­tem auch schnell in die Aus­gangs­la­ge zurück­kip­pen kann. Ein paar auf­mun­tern­de Emo­tio­nen oder Anru­fe von Bera­ter­sei­te tun da manch­mal Wun­der.
  3. Den eige­nen Stand­punkt pro­je­zie­ren. Wenn ich an der Erstel­lung eines Kon­zep­tes betei­ligt war, bin ich in der Pha­sen­stu­fung u.U. schon viel wei­ter vor­ne als das Sys­tem, d.h. ich neh­me schon an, wäh­rend das Sys­tem aber noch kämpft und ich kann dann die­sen Kampf so gar nicht mehr ver­ste­hen. Wenn wei­te­re Instan­zen betei­ligt sind, z.B. eine Schul­lei­tung, wird es noch span­nen­der, weil die­se viel­leicht simul­tan noch in der Resi­gna­ti­ons­pha­se ver­harrt („Hach, wie sol­len wir das jetzt auch noch schaf­fen?”).

Was bedeu­tet das für mei­ne Erfah­run­gen (s.o.)?

  1. Wenn ich den­ke, dass es an den Gerä­ten liegt, habe ich schon ver­in­ner­licht, dass eine Ver­än­de­rung geschieht und die­se ange­nom­men — das Sys­tem viel­leicht aber noch lan­ge nicht. Es gibt dafür schon das Fach­wort des „digi­tal gap”. Stän­dig neue Gerä­te lösen die­ses struk­tu­rel­le Pro­blem nicht, son­dern über­for­dern viel­leicht mehr als sie nüt­zen. Es besteht eine gro­ße Gefahr, ein­fach das Gewohn­te auf digi­ta­le Gerä­te zu über­tra­gen, anstatt  etwas Neu­es mit gewohn­ten Gerä­ten zu machen. Ein halb­wegs moder­ner Brow­ser reicht heu­te in der Regel.
  2. Die „Über­gangs­aus­re­de” ist für mich im Prin­zip etwas Resi­gna­ti­ves, also ein ver­kopf­ter Umgang zur Kon­trol­le mei­ner Emo­tio­nen. Dabei wäre viel­leicht kon­ti­nu­ier­li­che „Wei­ter­be­geis­te­rung” hier wich­ti­ger.  Und zwar nicht mit Gerä­te­fo­kus, son­dern im Hin­blick auf Vor­le­ben ande­rer Struk­tu­ren, Unter­richts­an­sät­ze usw. — also kon­kre­ter Hand­lun­gen.

 

Mauern ist eine Form von Gewalt

Anfang der Woche hat das zwei­te Modul mei­nes Trai­ner-Trai­nings statt­ge­fun­den — ich hat­te schon an ande­rer Stel­le dar­über berich­tet. Dies­mal ging es unter ande­rem um das The­ma Kon­flik­te und ein wenig Chan­ge-Manage­ment.

Wenn man Schu­len berät, ist es gar ein­mal so sel­ten, dass man mit­ten in einen Kon­flikt hin­ein­ge­rät. Vor­der­grün­dig mag es um Medi­en­kon­zep­te und Tech­nik gehen — hin­ter­grün­dig toben Gra­ben­kämp­fe: Han­dys erlau­ben oder nicht? WLAN öff­nen oder nicht? Web2.0 — und was ist mit dem Daten­schutz? Sor­gen die­se Din­ger nicht für eine unglaub­li­che Ent­frem­dung?

Natür­lich dringt man als Bera­ter ver­meint­lich auch in Refu­gi­en ein: Der Sys­tem­be­treu­er macht es seit Jah­ren so und es hat sich bis­her noch nie­mand beschwert. Die Video­kas­set­te passt ein­fach nicht in den USB-Slot. Sind Film, Over­head­pro­jek­tor und Tafel etwa kei­ne Medi­en? Und eigent­lich geht das alles doch viel zu lang­sam.

Die Men­schen, die an der Schu­le im Bereich der neu­en Medi­en und Unter­richts­for­men etwas bewe­gen wol­len, sehen viel­leicht in mir den Ver­bün­de­ten. Die Bewah­rer sehen viel­leicht die Bedro­hung ihrer alten Struk­tu­ren in mir per­so­ni­fi­ziert.

Ver­bün­de­te sind gut, Bewah­rer schlecht — soll­te man mei­nen. Die Ver­ein­nah­mung mei­ner Per­son durch einer die­ser bei­den Grup­pen macht mich in der Logik sys­te­mi­schen Den­kens zu eine Teil des Sys­tems. Ein erfolg­rei­cher Bera­tungs­pro­zess erfor­dert aber in die­sem Kontrukt vor allem eins: Neu­tra­li­tät. Das war die­ses Mal in Etel­sen in unse­rer klei­nen Grup­pe ein zen­tra­les The­ma.

  • Was mache ich als Bera­ter mit über­grif­fi­gen Ber­mer­kun­gen? (Was soll das schon brin­gen! Sie haben ja kei­ne Ahnung, was hier los ist!)
  • Wie sind Kon­flik­te struk­tu­riert und wie erken­ne ich die ein­zel­nen Pha­sen? Wann hat es z.B. auch schlicht kei­nen Sinn?
  • Wie wer­de ich den Was­ser­fall­red­nern Herr?
  • Was mache ich mit Schwei­gern?
  • Wie wah­re ich die Distanz zum Sys­tem?
  • Wie las­se ich mei­ne eige­nen Vor­stel­lun­gen (zunächst) außen vor?
  • Was bedeu­tet Ver­än­de­rung für das Sys­tem einer Schu­le?

Auch die­ses Mal war die Kame­ra dabei. Die Set­tings der Rol­len­spie­le und Übun­gen wur­den anspruchs­vol­ler und her­aus­for­dern­der. Die Tagung bau­te auf den Kom­pe­ten­zen auf, die wir in dem vor­an­ge­hen­den Modul erwor­ben haben.  Dabei geschieht so eini­ges inner­halb einer Grup­pe. Gren­zen wer­den erreicht und über­schrit­ten. Und der Lap­top war drei Tage nicht ein­ge­schal­tet, das WLAN-Netz zwar gut aus­ge­baut, aber den­noch unwich­tig.

Für uns geht es im Som­mer auf Schloss Puch bei Linz auf der Stu­di­en­wo­che der IAKM wei­ter — in den Feri­en. Der Zug ist schon gebucht. Ich bin sicher, dass auch die­se Zeit inten­siv wird.  Eigent­lich soll­ten Bera­tungs­kom­pe­ten­zen ein ganz fes­ter Teil der Lehr­amts­aus­bil­dung wer­den… Sie hel­fen auch im Unter­richt und auf Kon­fe­ren­zen.

Diskussionsgrundlage: Elternbrief zu GoogleDocs

Ich habe einen ers­ten Ent­wurf für einen Eltern­brief zur Nut­zung von per­so­na­li­sier­ten Goog­le­Docs-Accounts in der Schu­le ver­fasst und stel­le ihn hier zur Dis­kus­si­on. Man darf auch ger­ne in mei­nem Goog­le­Docs-Doku­ment her­um­kom­men­tie­ren oder  -schrei­ben.

Lie­be Eltern der Klas­se xy!

Ihre Kin­der wach­sen in einer Zeit auf, in der man­ches im Umbruch ist – ins­be­son­de­re die neu­en Medi­en wer­den mit aller Wahr­schein­lich­keit in ihren Ver­net­zungs­po­ten­tia­len auch in der spä­te­ren Berufs­welt eine gewich­ti­ge Rol­le spie­len.

Daher ist ich mir im Rah­men der bestehen­den Mög­lich­kei­ten am XY-Gym­na­si­um an einem Deutsch­un­ter­richt gele­gen, der auch die­sen zukünf­ti­gen Anfor­de­run­gen in beson­de­rer Wei­se Rech­nung trägt – viel­leicht hat der eine oder ande­re von Ihnen bereits etwas davon gehört, dass in der Schu­le auch geb­loggt, gechat­ted und gar mit kol­la­bo­ra­ti­ven Tools wie der Office­Sui­te von Goog­le, den Goog­le­Docs, gear­bei­tet wird. Fra­gen Sie ansons­ten ein­fach Ihr Kind, ob es Ihnen davon etwas zeigt, damit Sie sich selbst ein Bild machen kön­nen.

Um Daten­schutz­an­for­de­run­gen gerecht zu wer­den, habe ich die Ange­bo­te exter­ner Anbie­ter, ins­be­son­de­re der Fir­ma Goog­le stets nur anony­mi­siert genutzt, d.h. es war durch beson­de­re Maß­nah­men sicher­ge­stellt, dass Daten, die Ihre Kin­der dort ein­ge­ge­ben haben, nicht einem kon­kre­ten Schü­ler, son­dern ledig­lich mei­nem Namen zuzu­ord­nen sind. Auch unser Blog ist für Such­ma­schi­ne und unbe­fug­te Per­so­nen nicht zugäng­lich.

Ins­be­son­de­re die anony­me Nut­zung von Goog­le­Docs wird all­mäh­lich zu einem Pro­blem:

  1. Schü­le­rin­nen und Schü­ler erwar­ten, dass ich ihre Leis­tung auch ihnen zuord­nen kann, damit sie gewür­digt wird.
  2. In sel­te­nen Fäl­len kommt es im Schutz der Anony­mi­tät zu klei­ne­ren Miss­ge­schi­cken, die sich nega­tiv auf die Arbeit aller aus­wir­ken kön­nen.
  3. Schü­le­rin­nen und Schü­ler sind bei der Arbeit mit die­sen Tools immer von mir als Leh­rer­per­son anhän­gig und kön­nen daher oft nicht sinn­voll in ande­ren schu­li­schen Kon­tex­ten damit arbei­ten.

Ich möch­te daher mit den Schü­le­rin­nen und Schü­lern in abseh­ba­rer Zeit per­so­na­li­sier­te Goo­g­le­Ac­counts ein­rich­ten. Die­se Accounts wer­den aus­schließ­lich für die schu­li­sche Arbeit ver­wen­det und lau­fen über unse­re schul­ei­ge­nen E-Mail­adres­sen, anhand derer ich Leis­tun­gen einer bestimm­ten Per­son zuord­nen kann und die den Schü­le­rin­nen und Schü­lern die Frei­heit gibt, die­se in mei­nen Augen sehr wert­vol­len Hilfs­mit­tel auch in ande­ren Fächern für die Vor­be­rei­tung von z.B. Refe­ra­ten ein­zu­set­zen.

Dadurch ent­steht ein Daten­schutz­pro­blem, da Ihre Kin­der nicht zu leug­nen­de Spu­ren — wenn­gleich nicht öffent­lich —  im Netz hin­ter­las­sen wie sie es durch die Nut­zung sozia­ler Netz­werk, der Nut­zung der Such­ma­schi­ne Goog­le usw. wahr­schein­lich schon längst in einem Umfang tun, des­sen mög­li­che Kon­se­quen­zen zur Zeit unab­seh­bar sind.

Jeder von Ihnen, der die Nut­zung die­ser Diens­te bereits ein­schränkt, hat zu spü­ren bekom­men, wel­che Bedürf­nis­se sozia­le Netz­wer­ke wie Face­book befrie­di­gen und wel­chen Stel­len­wert sie im Leben Ihrer Kin­der haben.

Genutzt wer­den also wahr­schein­lich eine Viel­zahl sol­cher Ange­bo­te. Ein Ver­bot erscheint mir nicht rea­lis­tisch mit der Per­spek­ti­ve auf das spä­te­re Berufs­le­ben Ihrer Kin­der. Ich sehe die Auf­ga­be von der Schu­le daher in der Ver­mitt­lung des siche­ren Umgangs mit die­sen Ange­bo­ten – das ist jedoch im Schutz einer Anony­mi­sie­rung nicht mög­lich, son­dern nur durch kon­kre­tes, eige­nes Han­deln.

Bit­te neh­men Sie sich über Ostern ein wenig Zeit, um Ihren Stand­punkt zu mei­nem Vor­ha­ben abzu­wä­gen. Las­sen Sie sich von Ihren Kin­dern erklä­ren, wel­che neu­en Mög­lich­kei­ten sich dadurch für die Arbeit mit Tex­ten erschlie­ßen. Wenn Sie Ein­wän­de oder Befürch­tun­gen haben soll­ten, scheu­en Sie sich nicht, mich anzu­ru­fen oder eine E-Mail zu schrei­ben.

In einem Anfall von Medi­en­kom­pe­tenz­ver­mitt­lungs­wahn hat­te ich über­legt, den Eltern ein Goog­le­Docs-Doku­ment für die Dis­kus­si­on anony­mi­siert zur Ver­fü­gung zu stel­len, aber nun denn…

Das böse, böse Internet!

Das neue Medi­um bewahrt kei­ne Geheim­nis­se! Es macht die Schrei­ber arbeits­los! Es ver­fälscht die Wer­ke der alten Dich­ter und Phi­lo­so­phen durch schlud­ri­ge Raub­dru­cke! Am schlimms­ten aber sei, dass es jede Mei­nung unge­prüft ver­brei­te, ‚alleyn uff gewynn und groß beschisß’, sodass die Leu­te am Ende den ‚buren’ mehr glau­ben als den ‚gler­ten’.”

Quel­le: GEO

So äußer­te sich der Dich­ter Sebas­ti­an Brant um 1500 im Fahr­was­ser der Erfin­dung des Buch­drucks. Schlimm, echt schlimm, so ein Buch! Meint er mit „uff gewynn und groß beschisß” eigent­lich die Auto­ren oder die Ver­le­ger der dama­li­gen Zeit? Auch der Rest des zitier­ten GEO-Arti­kels ist abso­lut loh­nens­wert.

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