Über Owncloud mit Quellen syncen, die eigentlich nicht syncen können

Die Mög­lich­keit, Ord­ner und Datei­en über meh­re­re Gerä­te zu syn­chro­ni­sie­ren, möch­te ich nicht mehr mis­sen. Egal ob ich auf der Arbeit, zu Hau­se oder unter­wegs bin — über­all habe ich den glei­chen Daten­be­stand.

Wenn ich ver­schie­de­ne Diens­te im Netz nut­ze, brau­che ich meist für jeden eine eige­ne App bzw. ein eige­nes Pro­gramm. Eini­ge Diens­te schei­nen auf den ers­ten Blick gar kei­ne Syn­chro­ni­sa­ti­on zu erlau­ben (z.B. der FTP-Zugang für den Webs­pace). Dafür gibt es eine Lösung über Own­cloud. Own­cloud kann näm­lich schon sehr lan­ge exter­ne Daten­quel­len ein­bin­den.

Dazu muss man sich zunächst ein­mal bei Own­cloud als Admi­nis­tra­tor ein­log­gen und unter Apps auf das +-Zei­chen kli­cken.

owncloud01Danach akti­viert man unter „not enab­led” das Plug­in „Exter­nal Sto­ra­ge”.

owncloud02Anschlie­ßend muss man in den Admin­be­reich gehen

owncloud03… und allen Nut­zern erlau­ben, das Plug­in zu nut­zen:

owncloud05Dabei sind die unter­schied­lichs­ten Pro­to­kol­le mög­lich, z.B. auch ande­re Own­cloud­sys­te­me. Man kann auch glo­ba­le Ord­ner defi­nie­ren, die allen oder nur eini­gen Nut­zern der Own­cloud-Instanz zur Ver­fü­gung ste­hen. Anschlie­ßend kann sich jeder Nut­zer unter dem Men­u­punkt „Per­so­nal” eige­ne Daten­quel­len defi­nie­ren:

owncloud06Natür­lich kann ich auch nur ein­zel­ne Ord­ner der exter­nen Quel­le syn­chro­ni­sie­ren:

owncloud07Own­cloud ver­hält sich gegen­über den exter­nen Quel­len wie ein nor­ma­ler Cli­ent, d.h. es wer­den kei­ne Daten auf dem Own­cloud­ser­ver gespei­chert — er stellt ledig­lich die Schnitt­stel­le zu ande­ren Diens­ten hier.

Der Trick ist, dass ich für alle die­se Diens­te dann nur noch eine App auf dem Tablet, dem Smart­pho­ne oder dem Rech­ner benö­ti­ge, um mit ganz unter­schied­li­chen Quel­len Datei­en und Daten aus­zu­tau­schen, auch wenn die­se offi­zi­ell über­haupt kei­ne Syn­chro­ni­sa­ti­ons­funk­ti­on unter­stüt­zen. Die­se Diens­te erschei­nen in der Own­cloud-App ein­fach unter dem Namen, den ich für den Ord­ner ver­ge­ben habe.

Eine Syn­chro­ni­sa­ti­ons­app für IServ, mei­nen Lan­des­ser­ver, Goog­le, jeden belie­bi­gen Webs­pace usw. — reiz­voll — oder?

Computerräume ausstatten

Ein paar The­sen:

  1. Der Com­pu­ter­raum als Kon­zept ist bald tot. Er lebt eigent­lich nur in den Vor­stel­lun­gen von Admi­nis­tra­to­ren von Fir­men­netz­wer­ken und in stark gelenk­ten Schu­lungs­se­tups. Ich weiß nicht ein­mal, ob er im Kon­text von Infor­ma­tik­un­ter­richt über­haupt Sinn macht. Zuneh­mend setzt sich auch in infor­ma­ti­ons­tech­ni­schen Kon­tex­ten die Ein­sicht durch, dass Team­fä­hig­keit und Kol­la­bo­ra­ti­on kei­ne ganz schlech­te Idee ist, wenn man z.B. Ent­wick­lun­gen von Per­so­nen abkop­peln will.
  2. Wenn ein Com­pu­ter­raum bald tot ist, lohnt sich die Neu­aus­stat­tung mit Neu­wa­re aus dem Kon­zept des Desk­toprech­ners wahr­schein­lich nicht mehr lan­ge
  3. Wenn man einen PC-Raum nach den Vor­stel­lun­gen besag­ter Admi­nis­tra­to­ren aus­stat­tet, dann soll­te man auch auf Busi­ness­lö­sun­gen mit Busi­ness­merk­ma­len set­zen
  4. Wenn es Neu­wa­re sein soll, dann Neu­wa­re, die spä­ter einen fle­xi­blen Ein­satz erlaubt

Damit wäre alles gesagt. Naja, nicht ganz: Ich stat­te gera­de einen neu­en PC-Raum aus und es muss lei­der wei­ter­hin ein klas­si­scher PC-Raum blei­ben — vor­wie­gend weil das Geld für neue Möbel fehlt, aber genau das könn­te ja irgend­wann kom­men. Des­we­gen fol­gen­de Kom­po­nen­ten:

  1. Einen Leh­rer­ar­beits­platz mit einer M58p-Work­sta­tion (Desk­top­for­mat, gebraucht) mit einem Busi­ness 22 Zoll TFT (gebraucht).  Inklu­si­ve einer Win­dows7-Pro­fes­sio­nal-Lizenz kos­tet ein sol­cher Arbeits­platz ca. 250–270 Euro. Die Leno­vo Work­sta­tions besit­zen Dis­play­ports und kön­nen mit ent­spre­chen­den Adap­tern trotz ihres Alters sogar HDMI-Bea­mer ansteu­ern — VGA will man heu­te eher nicht mehr, aber selbst Fir­men wie SMART tun sich mit die­ser Erkennt­nis noch schwer. Wer Dual­dis­play­mo­di braucht, kann eine Low-Pro­fi­le Rade­on HD3470 ver­bau­en, die dann gleich zwei Dis­play­ports mit­bringt (Zusatz­kos­ten: 19,-Euro auf Ebay). Die M58p hat mit einem Core2Duo E8400 schon ziem­lich viel Dampf, wenn man nicht dau­ernd Vide­os hin und her­co­diert. Bei Office, Sur­fen, HD-Vide­os oder Audio­be­ar­bei­tung lang­weilt sich die Kis­te eher. Flash ist auch kein Pro­blem. Der „Kun­de” sieht davon nur einen gigan­ti­schen Bild­schirm und ein flott reagie­ren­des Sys­tem. App­les Air­Play lässt sich dar­auf z.B. per Air­Se­r­ver pro­blem­los nach­rüs­ten.
  2. Einen netz­werk­fä­hi­gen Bea­mer. Der kann zumin­dest sta­ti­sche Bil­der über ein klei­nes Pro­gramm von jedem Rech­ner im Netz­werk emp­fan­gen, d.h. jeder Rech­ner im Raum kann sei­ne Bild­schirm­aus­aus­ga­be (wenn es nicht gera­de Vide­os sind), auf dem Bea­mer pro­je­zie­ren. So las­sen sich Arbeits­er­geb­nis­se rasch für die Grup­pe sicht­bar machen und dis­ku­tie­ren.
  3. Lap­tops für die Arbeits­plät­ze. Im PC-Raum kann man sie zunächst per Ether­net­ka­bel an Netz hän­gen und per Ken­sing­ton­schloss an ihren Platz fes­seln. Ein Core i3 reicht eigent­lich mehr als aus und ist inklu­si­ve Win­dows7-Lizenz für ca. 450–500 Euro pro Stück erhält­lich. Ändert sich das Raum­kon­zept dann doch mal, kön­nen die Lap­tops schnell ihren Platz ver­än­dern. Bei Desk­tops mit TFTs ist das nicht so spon­tan denk­bar.
  4. Einen Dual­band­rou­ter. Damit kann man den Raum spä­ter auch mit Mobil­ge­rä­ten nut­zen (ent­we­der BYOD oder gar Schulta­blets). Zusam­men mit z.B. dem Air­Se­r­ver kann man dann auch iOS-Gerä­te in dem Raum ver­wen­den.

Dann war noch Geld über, was ich in ein paar Nexus7-Tablets inves­tiert habe. Nexus7 des­we­gen, weil die­se Gerä­te schon jetzt mehr­be­nut­zer­fä­hig und so ver­brei­tet sind, dass sich regel­mä­ßi­ge OS-Updates erwar­ten las­sen  und ggf. auch wei­te­re Betrieb­sys­tem­por­tie­run­gen ver­füg­bar wer­den. Mit Goog­le Apps for Edu­ca­ti­on las­sen sich die­se Devices auch schon jetzt zen­tral mana­gen (Pass­wor­te, Kame­ra­ein­stel­lun­gen, Remo­te­löschung etc.), lei­der noch ohne App-Dis­tri­bu­ti­on.

Zudem soll­te man dar­auf ach­ten, aus Daten­schutz­grün­den nur einen Gerä­te­a­c­count zu ver­wen­den. iPads waren aus Bud­get­grün­den kei­ne Alter­na­ti­ve.  Wir wol­len bei uns an der Schu­le Tablets erst­mal vor­ran­gig als Media­play­er (wir betrei­ben einen DLNA-Ser­ver für die Medi­en­dis­tri­bu­ti­on) und Inter­net­zu­gangs­ge­rät nut­zen, sodass wir nicht auf ein umfang­rei­ches App­an­ge­bot ange­wie­sen sind. Und dafür sind iPads deut­lich zu teu­er.

Paducation

Padu­ca­ti­on über­all, die Ret­tung des ver­krus­te­ten deut­schen Schul­sys­tems ist nah! Schick, modern, leicht zu bedie­nen und tech­no­lo­gisch auf Höhe der Zeit! Alles ganz ein­fach, oder? Erst­mal expe­ri­men­tie­ren und Erfah­run­gen sam­meln. Dann ergibt sich alles Wei­te­re!

Ich habe kürz­lich einen alten Arti­kel zur Ein­rich­tung von Com­pu­ter­räu­men aus den 90ern gele­sen. Struk­tu­rell scheint mir die Padu­ca­ti­onsze­ne unver­än­dert: Immer noch geht man über End­ge­rä­te. Wird das neue Inter­face aus Glas, wer­den die neue Geschlos­sen­heit und Sta­bi­li­tät von sich aus Unter­richt ver­än­dern? Oder sind es halt nur ein­fa­che­re Inter­faces, die von Men­schen mit einer bestimm­ten Hal­tung benutzt wer­den müs­sen, damit eine Ler­nevo­lu­ti­on ein­setzt?

Kri­tik ist die eine — Aus­ein­an­der­set­zung eine ande­re Ebe­ne. Hier mal eine klei­ne Mind­map, die mir beim Padu­ca­ti­onthe­ma in den Sinn kam:

Natür­lich gibt es der Über­sicht hal­ber die Map auch als Bild­da­tei:

Und hier die Gedan­ken dazu:

Finan­zie­rungs­mo­dell

Ein Finan­zie­rungs­mo­dell benö­tigt man, wenn eltern­fi­nan­zier­te Gerä­te ins Spiel kom­men. Schul­fi­nan­zier­te Gerä­te lau­fen schließ­lich ganz nor­mal über den Ver­mö­gens­haus­halt des Schul­trä­gers oder eben als Pro­jekt mit exter­nen Part­nern. Bei einer Finan­zie­rung soll­te man zwi­schen Lea­sing und Raten­zah­lung unter­schei­den. Lea­sing ist schwie­ri­ger zu orga­ni­sie­ren, da die Gerä­te einem Tech­no­lo­gie­par­ter gehö­ren müs­sen, der sie ggf. auch ver­wal­tet.

Bei Finan­zie­run­gen kann man sehr schön an bestehen­de Kon­zep­te ando­cken, etwa an die Blä­ser­klas­sen oder Strei­cher­klas­sen.  Hier­für gibt es mit loka­len Ban­ken meist bereits Bund­les aus einem Raten­ver­trag und einer Gerä­te­ver­si­che­rung. Das Gerät wird über monat­li­che Raten über einen fest­zu­le­gen­den Zeit­raum erwor­ben. Die Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen hän­gen von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab, etwa dem Umfang der gewünsch­ten Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen, dem Dar­le­hens­zins­satz und natür­lich der zu finan­zie­ren­den Gesamt­sum­me — immer­hin hat die Bank auch eini­gen Ver­wal­tungs­auf­wand. Da die Eltern den Ver­trag direkt mit der Bank oder ande­ren Finan­zie­rungs­part­ner abschlie­ßen, muss sich die Schu­le selbst weder um Ver­si­che­rungs­fäl­le noch um Fak­tu­ra küm­mern.

Eine schö­ne Lösung ist immer eine Part­ner­schaft mit einer loka­len Bank. Der per­sön­li­che Kon­takt vor Ort ist mei­ner Erfah­rung nach nur durch wenig zu erset­zen und auf jeden Fall auch einen auf den ers­ten Blick viel­leicht schlech­te­ren Zins­satz wert. Kulanz ist für eine loka­le Bank genau wie ein sol­ches Pro­jekt schließ­lich auch ein Garant für gute Pres­se.

Admi­nis­tra­ti­on

Ein Pad soll­te mit rela­tiv wenig Auf­wand in den Ursprungs­zu­stand zurück­zu­set­zen sein. Schön ist auch eine Mög­lich­keit, eine bestehen­de Instal­la­ti­on auf ver­schie­de­ne Gerä­te zu klo­nen. Auch ein voll­stän­di­ges Back­up des gesam­ten Pads (Nach­rich­ten, Mails, Fotos, Vide­os, Apps usw.) ist Pflicht.  Andro­id und iOS kön­nen das bei­de, wobei iOS für mich zumin­dest in der Grund­kon­fi­gu­ra­ti­on die Nase vorn hat. Bei den Andro­ids ist man zwar durch unter­schied­li­che Apps fle­xi­bler, muss aber vie­le Funk­tio­na­li­tä­ten, die Apple­ge­rä­te von Hau­se aus mit­brin­gen, erst ein­mal kon­fi­gu­rie­ren. Ner­vig ist, dass es bei iOS wohl kei­nen lega­len Weg zu geben scheint, meh­re­re Gerä­te ser­ver­sei­tig zu klo­nen. Bei einem Ein­zel­ge­rät klappt das wun­der­bar und auch im Rah­men der Nut­zungs­be­din­gun­gen. Da wird Apple aber mit Sicher­heit bald nach­bes­sern.

Die Pfle­ge von Pads ist gegen­über Deploy­ment­lö­sun­gen, wie man sie aus dem Linux- (FAI) oder Win­dows­be­reich (OPSI) kennt, jedoch ein ech­ter Rück­schritt. Turn­schuh­ad­mi­nis­tra­ti­on wird zumin­dest bei schul­fi­nan­zier­ten Gerä­ten dann zur Kof­fer­bü­ck­ad­mi­nis­tra­ti­on — oder man macht eine Par­ty mit reich­lich Hop­fen­kalt­scha­le dar­aus… Auch bei Eltern­fi­nan­zie­rung wird man nicht um Fra­gen her­um­kom­men wie

  • Oh, die App hab’ ich noch gar nicht!”
  • Ach, der Ord­ner ist gelöscht!”
  • Kann ich das auch damit machen?”
  • Mein Akku ist alle!”
  • Das WLAN geht nicht!”
  • Die App stürzt immer ab!”

Fai­rer­wei­se muss man sagen, dass PXE-Lösun­gen auch bei den Linux- und Win­dowstabs eher kaum anzu­tref­fen sind, wohl aber durch ent­spre­chen­de Bootop­tio­nen und eine vor­be­rei­te­te SD-Kar­te nach­zu­ah­men sind — wenn eine Netz­werk­kar­te ver­baut ist.

Kos­ten

Ein brauch­ba­res Pad kos­tet ca. 500,- Euro. Wenn man einen opti­mis­ti­schen Aus­tausch­zy­klus von drei bis vier Jah­ren ein­kal­ku­liert, müs­sen inner­halb einer durch­schnitt­li­chen Schul­zeit ca. drei Gerä­te beschafft bzw. ersetzt wer­den. Das Argu­ment, Tech­nik wür­de immer güns­ti­ger, zieht für mich nur bedingt. Wer qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ware auf tech­no­lo­gi­scher Höhe der Zeit erwer­ben möch­te, wird immer im höher­prei­si­gen Seg­ment lie­gen, weil er natür­lich auch tech­no­lo­gisch erwei­ter­ten Mög­lich­kei­ten nut­zen möch­te. Es gibt z.B. her­vor­ra­gen­de gebrauch­te Note­books am Markt, die alles tun, was bis­her in Schu­le und oft noch nicht ver­langt wird: Die wol­len aber nur weni­ge Schu­len haben — es muss neue und aktu­el­le Hard­ware sein.

Pads benö­ti­gen eine Grund­aus­stat­tung hoch­wer­ti­ger Apps und müs­sen in einer sich schnell wan­deln­den Zeit auch regel­mä­ßig mit Updates ver­sorgt wer­den — Updates sind bei einer gewis­sen Markt­sät­ti­gung nicht mehr wirt­schaft­lich zu rea­li­sie­ren, wenn sie kos­ten­los sind. Auch hier sind gewis­se lau­fen­de Kos­ten zu kal­ku­lie­ren.

Kos­ten­kom­pen­sa­tio­nen

Wenn Ver­la­ge die erspar­ten Druck­kos­ten und die finan­zi­el­len Vor­tei­le durch eine Direkt­ver­mark­tung an die Kun­den wei­ter­rei­chen, kann ggf. jedes Schul­buch durch ein güns­ti­ge­res digi­ta­les Pen­dant ersetzt wer­den — die Vor­tei­le digi­ta­ler Unter­richts­ma­te­ria­li­en kauft man als Mehr­wert ja gleich dazu. Zudem ent­fällt an der Schu­le selbst ggf. ein büro­kra­ti­scher Auf­wand durch die Orga­ni­sa­ti­on der meist kos­ten­pflich­ti­gen Schul­buch­aus­lei­he.  Die Kos­ten hie in Nie­der­sach­sen sind mit ca. 50–80 Euro pro Jahr (je nach und Beschaf­fungs­mo­dell) nicht uner­heb­lich.

Gleich­zei­tig kön­nen Din­ge wie Taschen­rech­ner mit Alge­bra­sys­tem, Mess­pro­gram­me, Daten­ban­ken, Nach­schla­ge­wer­ke etc. durch kos­ten­lo­se Online­ver­sio­nen ersetzt wer­den, wodurch wei­te­res Ein­spar­po­ten­ti­al ent­steht.

Lei­der wer­den durch geschlos­se­ne Store­sys­te­me, die fes­te Bei­trä­ge vor­schrei­ben, die an einen Her­stel­ler abzu­füh­ren sind, die Prei­se für digi­ta­le Schul­bü­cher wahr­schein­lich nur wenig fal­len. Die Ver­la­ge müs­sen — wie es vie­le Anbie­ter auf iTu­nes auch schon tun — eige­ne Apps für den Zugriff auf ihren Shop ent­wi­ckeln. Mal sehen, was z.B. Apple dazu sagt.

Fort­bil­dung

Die­ser Arti­kel nähert sich der 3000 Wor­te­mar­ke. Man könn­te den Ein­druck gewin­nen, schon ganz viel geschafft zu haben, wenn die bis­her erwähn­ten Punk­te abge­han­delt sind. Lei­der hat man nach mei­ner Erfah­rung dann noch gar nichts geschafft, son­dern all­e­falls 15% des Ackers gepflügt. Die Pads wol­len ja nicht ver­stau­ben wie vie­le Gerä­te in der Schu­le, son­dern sie wol­len im Unter­richt metho­disch und didak­tisch sinn­voll ein­ge­setzt wer­den. Das erfor­dert ein auf­wän­di­ges Schu­lungs­kon­zept.

Die KAS-Koeln hat etwas — wie ich fin­de — sehr Geschick­tes gemacht: Die ange­schaff­ten Pads wur­den erst­mal für eini­ge Mona­te inter­es­sier­ten Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zur Ver­fü­gung gestellt. Damit bau­en sich natür­lich schon ein­mal Vor­be­hal­te und Hemm­schwel­len ab. Das Gerät ist dabei das eine — Web2.0-Dienste und Apps noch­mal etwas ganz ande­res. Fol­gen­de Fra­ge­stel­lun­gen wären bei Schu­lun­gen für mich wich­tig:

  1. Wel­che Unter­richts­sze­na­ri­en las­sen sich mit Hil­fe von Apps unter­stüt­zen?
  2. Wel­che Web2.0-Dienste eig­nen sich für wel­che Art von Kol­la­bo­ra­ti­on? (und soll­ten geschult wer­den)
  3. Wel­che tech­ni­schen Anfor­de­run­gen erge­ben sich dar­aus? (iPads kön­nen z.B. nicht so ohne Wei­te­res über Web­for­mu­la­re Datei­en uploa­den)
  4. Wel­che fach­be­zo­ge­nen Ein­satz­mög­lich­keit erge­ben sich?
  5. Sind die Pads Ergän­zung oder Ersatz für … ?
  6. Wie ent­wi­ckelt sich der Pad­ein­satz über die Schul­zeit?
  7. Ver­traue ich auf die neu­en Mög­lich­kei­ten oder füh­re ich doch par­al­lel die gewohn­ten Gerä­te ein (z.B. CAS-Rech­ner)?
  8. Wie orga­ni­sie­re ich Unter­richt in einem gro­ßen Sys­tem mit Leh­rerwech­sel im Zwei­jah­res­in­ter­val­len, damit die Pads von Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen auch nach­hal­tig ein­ge­setzt wer­den?
  9. Wie orga­ni­sie­re ich der Ver­an­ke­rung der Pads im Schul­cur­ri­cu­lum? Wer schreibt es?
  10. Wel­che Hal­tung brau­che ich als Lehr­kraft, um die erwei­ter­ten Mög­lich­kei­ten der Pads zu nut­zen? (allein die­se Fra­ge…)

Wenn man sich kei­ne Gedan­ken um die­se letz­ten Fra­gen macht, schafft man kein neu­es Ler­nen, son­dern neue Com­pu­ter­räu­me und Sprach­la­bo­re… Bei­des sind Bei­spie­le dafür, dass tech­no­id fokus­sier­te Ansät­ze in der Ver­gan­gen­heit untaug­lich waren, bzw. nur sehr wenig bewirkt haben.

Der Mensch muss sich inter­es­sie­ren und von Tech­no­lo­gie bzw. ihren Mög­lich­kei­ten bewegt sein. Die Hoff­nung, das mit Pads errei­chen zu kön­nen, ist nicht mehr oder weni­ger berech­tigt wie die dama­li­ge Hoff­nung mit Com­pu­ter­räu­men Schu­le ver­än­dern zu kön­nen. Ein Pad ist ja erst­mal nichts als ein ver­ein­fach­tes Inter­face, was dem Men­schen vie­le Ent­schei­dun­gen und Frei­hei­ten abnimmt. Was „damals” die Freaks und Nerds waren, sind heu­te eben die Inter­net­be­geis­ter­ten.  Und die­se Grup­pe ist nicht groß, zumin­dest wenn man schaut, wer ide­al­ty­pisch im Netz pros­umiert und wer ledig­lich kon­su­miert.

Hal­tungs­än­de­run­gen wer­de ich nicht durch punk­tu­el­le Schu­lun­gen errei­chen, son­dern durch kon­ti­nu­ier­li­che, per­so­nal­in­ten­si­ve Beglei­tung.  Dafür braucht es in den Schu­len per­sön­li­che Ein­sied­ler­krebs­netz­wer­ke.

Interaktive Tafeln

Ich sehe zur­zeit viel bau­li­chen Unsinn in Zusam­men­hang mit inter­ak­ti­ven Tafel­lö­sun­gen. Oft bedin­gen die bau­li­chen Gege­ben­hei­ten immense Ein­schrän­kung bei der Nut­zung von inter­ak­ti­ven Tafeln, die sich durch etwas Über­le­gung und wenig Mehr­kos­ten leicht ver­mei­den las­sen, teil­wei­se aber auch die Pro­dukt­wahl von vorn­her­ein beein­flus­sen. Ich möch­te an die­ser Stel­le ein­mal vier ver­schie­de­ne Grund­set­tings vor­stel­len und auch gleich wer­ten. Ich ver­tre­te dabei die Grund­an­nah­me, dass jede Lösung immer in ein Sys­tem inte­grier­bar sein muss — dabei ist es egal, ob es sich um ein tech­ni­sches oder didak­ti­sches Sys­tem han­delt. Außer­dem ver­wen­de ich den Begriff „SMART-Board” genau wie das Wort „Tem­po” für Taschen­tuch: Damit sind auch die Pro­duk­te von Epson, Pro­me­the­an usw. gemeint — eben Tafeln, die als grö­ßen­wahn­sin­ni­ge Pen Tablets kon­zi­piert sind.

Set­ting A — oft anzu­tref­fen:

Kurz­be­schrei­bung:

Ein SMART-Board wird an der Stel­le der Tafel mon­tiert und besitzt ein leis­tungs­fä­hi­ges Laut­spre­cher­sys­tem. Ein Note­book oder ein Steue­rungs­rech­ner steht auf einem Tisch dane­ben. Es ist idea­ler­wei­se in eine Schul­netz­werk­lö­sung ein­ge­bun­den.

Mög­lich­kei­ten:

Man kann alle Medi­en und Inhal­te aus dem Inter­net auf das SMART-Board holen. Mit der inter­ak­ti­ven Soft­ware las­sen sich Tafel­bil­der erstel­len und auf einem Lauf­werk der Schul­netz­werk­lö­sung ggf. auch Schü­le­rin­nen und Schü­lern direkt nach der Stun­de durch ein­fa­ches Spei­chern zur Ver­fü­gung stel­len. Durch das Stan­dard­note­book ist man bei der Wahl der Soft­ware nicht wei­ter ein­ge­schränkt.

Ein­schrän­kun­gen:

Es ist schon „by design” ein streng fron­ta­les Set­ting. Kol­la­bo­ra­ti­on ist nur im dem Rah­men denk­bar, wie sie auch mit einer nor­ma­len Krei­de­ta­fel mög­lich ist (das geht aber tat­säch­lich). Als Lehr­kraft steht man immer mit dem Rücken zur Lern­grup­pe. Man kann das durch den Ein­satz einer wer­ti­gen Funk­tas­ta­tur lin­dern. Die­se Lösung bil­det in 80% aller Unter­richts­si­tua­tio­nen Schu­le ab, wie sie heu­te ist, bzw. lädt gera­de­zu dazu ein. Nur durch recht teu­re Fort­bil­dungs­ar­beit erwei­tert so eine Lösung die metho­di­schen und didak­ti­schen Mög­lich­kei­ten. Ich wür­de so etwas nicht kau­fen oder emp­feh­len.

Set­ting B:

Wie Set­ting A, nur dass der Steue­rungs­rech­ner direkt neben oder auf dem Leh­rer­pult steht. Die­se Lösung ist bau­lich mit einem SMART-Board viel schwie­ri­ger zu rea­li­sie­ren, da USB, VGA und Netz­werk­an­schlüs­se zum Leh­rer­pult geführt wer­den müs­sen. Das geht mit einem Hohl­bo­den sehr gut, den ich auch aus ande­ren Grün­den in Schu­len für sinn­voll hal­te.

Mög­lich­kei­ten:

Wie bei Set­ting A. Zusätz­lich ist aber die Arbeit für die Lehr­kraft leich­ter, weil ich die Lern­grup­pe wäh­rend des Unter­richts anschau­en kann. Wenn ich die Anschlüs­se fle­xi­bel als Box aus­le­ge, kann ich sogar sehr schnell mein eige­nes, mit­ge­brach­tes Gerät ver­wen­den und z.B. in einer Stil­l­ar­beits­pha­se ohne Unter­richts­zeit­ver­lust vor mich hin­stöp­seln.

Ein­schrän­kun­gen:

Wie Set­ting A.

Set­ting C:

Neu: Es wird kein akti­ves Board ein­ge­setzt, son­dern eine Lösung mit akti­ven Stif­ten, wie sie etwa Dymo ver­treibt.

Mög­lich­kei­ten:

Wie bei Set­ting A & B. Da die Tech­no­lo­gie note­book­sei­tig nicht auf USB, son­dern auf einem schlich­ten Funk­tas­ta­tur­me­cha­nis­mus beruht, sind Kabel­ver­bin­dung nur beim Anzei­ge­ge­rät für VGA/HDMI erfor­der­lich. Durch Zusatz­pro­duk­te, etwa ver­schie­de­nen Ein­ga­be­ge­rä­ten, kann ich auf Schü­ler vom Platz aus am Board arbei­ten las­sen. Läuft die bis­he­ri­ge Tafel an Pylo­nen, kann ich den Zwi­schen­raum weiß strei­chen und als Pro­jek­ti­ons- und Arbeits­flä­che nut­zen — die Tafel bleibt als zusätz­li­che Lösung dabei erhal­ten. Das Sys­tem kos­tet mit 700,- Euro weit­aus weni­ger als eine Tafel­lö­sung mit berüh­rungs­emp­find­li­cher Ober­flä­che. Das gespar­te Geld lässt sich z.B. in einen wirk­lich licht­star­ken Bea­mer mit ordent­li­chem Bild ste­cken — den ich beim Markt­füh­rer immer mehr ver­mis­se.  Für glei­che Kos­ten las­sen sich ca. zwei Räu­me bei bes­se­rer Pro­jek­ti­on aus­stat­ten. Auch ohne(!)  Pro­jek­ti­on kann auf einer nor­ma­len Tafel ein Bild digi­ta­li­siert wer­den — dem Gerät ist es egal, ob es mit oder ohne opti­sches Feed­back digi­ta­li­siert.

Ein­schrän­kun­gen:

Wie Set­ting B. Die akti­ven Stif­te wer­den zwar berüh­rungs­los (induk­tiv) gela­den, besit­zen aber gleich­wohl ein in sei­ner Lebens­dau­er begrenz­ten Akku. Das Sys­tem basiert auf Infra­rot- und Ultra­schall­di­stanz­mes­sung. Es geht das Gerücht, dass ein­fal­len­des Son­nen­licht für Stö­run­gen sorgt.

Set­ting D:

Stell­ver­tre­tend habe ich ein­mal eine App­le­lö­sung aus­ge­sucht — man kann dafür auch ande­re Pads uns ande­re Bild­über­tra­gungs­tech­ni­ken (RDP, Fre­eNX, VNC usw.) nut­zen. Jeder Schü­ler ver­fügt über ein eige­nes End­ge­rät, des­sen Bild­schirmin­halt an die zen­tra­le Tafel vor­ne über­tra­gen wer­den kann. Das geht über App­les Air­play-Tech­nik recht ein­fach, wenn man für den Klas­sen­raum eine weit­ge­hend aut­ar­ke Netz­in­fra­struk­tur baut. Bei Stan­dard­kom­po­nen­ten ist eine stär­ke­re Ein­bin­dung in eine ggf. vor­han­de­ne Schul­cloud denk­bar.

Mög­lich­kei­ten:

Wie bei Set­ting A & B. Eine inter­ak­ti­ve Tafel ist gar nicht erst not­wen­dig, da die Pads die inter­ak­ti­ve Kom­po­nen­te voll­stän­dig über­neh­men — daher reicht ein leis­tungs­star­ker Bea­mer eigent­lich aus.  Man ver­mei­det media­le Brü­che zwi­schen Papier und Digi­ta­lem. Die Kame­ra beim SMART-Board ist ja lieb gemeint, macht aber eigent­lich nur bestehen­de Struk­tu­ren digi­tal.

Ein­schrän­kun­gen:

Es dürf­te noch sehr weni­ge Erfah­run­gen mit so einem Sys­tem geben. Pads ohne WLAN sind für mich wie Häu­ser ohne Fens­ter. Ein WLAN für 20+ simul­ta­ne Cli­ents ist aber tech­nisch nicht tri­vi­al. Die Kos­ten sind immens, da schließ­lich eine 1:1-Ausstattung mit ent­spre­chen­den Finan­zie­rungs- und War­tungs­kon­zep­ten erfor­der­lich ist. Mit geschick­ter App-Aus­wahl und kon­se­quen­tem Ein­satz der vor­han­de­nen Ange­bo­te (Taschen­rech­ner, Wör­ter­buch, digi­ta­le Schul­bü­cher etc.) lie­ße sich das aber kom­pen­sie­ren.

Abschlie­ßen­de Bemer­kun­gen

Keins der Set­tings berück­sich­tigt eine Schu­le, die sich den ver­än­der­ten Gege­ben­hei­ten und Anfor­de­run­gen durch die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung bereits voll­stän­dig ange­passt hat. Das sieht man natür­lich an den grund­sätz­li­chen Raum­ge­stal­tun­gen. Da könn­te ich mir noch ganz ande­re Din­ge vor­stel­len, z.B. Tisch­pro­jek­tio­nen usw.. Set­ting D hat viel Reiz, ist aber stark von einem zu ent­wi­ckeln­den Gesamt­kon­zept abhän­gig — die gan­ze Schul­ge­mein­schaft soll­te da mit­kom­men. Selbst 60 iPads pfle­gen zu müs­sen, wäre für mich schon eine Hor­ror­vor­stel­lung.  Für klas­si­sche Netz­wer­ke gibt es da zen­tra­le Lösun­gen und Steue­run­gen — für Pads sind die­se nur zugäng­lich, wenn die Hard­ware lös­ge­löst vom Betriebs­sys­tem funk­tio­niert. Sonst macht man eben kei­ne Turn­schuh-, aber immer noch Kof­fer­bü­ck­ad­mi­nis­tra­ti­on — 1:1 wäre da schon wün­schens­wert.

Vie­le Nach­tei­le von den Set­tings A-C las­sen sich auch heu­te schon durch Ein­satz von Web2.0-Tools kom­pen­sie­ren: In einem Goog­le­Docs- oder Ether­pad-Lite-Doku­ment lässt sich mit belie­bi­gen End­ge­rä­ten gleich­zei­tig und kol­la­bo­ra­tiv arbei­ten. Die inter­ak­ti­ven Tafeln ver­kom­men dann natür­lich wie ggf. ein Pad zu rei­nen Anzei­ge­ge­rä­ten. Ich per­sön­lich habe aber auch nach meh­re­ren Schu­lun­gen noch kei­nen gro­ßen Sinn in der zu einem inter­ak­ti­ven Sys­tem pas­sen­den Soft­ware gefun­den — außer dass sie den Rech­ner lang­sam macht.

Wer das übri­gens auch so sieht, soll­te einen Blick auf Easy­Chalk wer­fen: 1,4 Mbyte groß, voll­stän­dig HTML5-basiert — rennt auf jedem End­ge­rät mit aktu­el­lem Brow­ser wie Schmidts Kat­ze, spei­chert auf Wunsch gleich in der Cloud und ist recht bezahl­bar.

Appleprodukte und ich

Hali­na Zar­em­ba / pixelio.de

 

Unter Eltern ist fol­gen­de Anek­do­te bekannt:

Mein Kind ist sei­ne Man­da­ri­ne nur, wenn ich sie ihm geschält und zer­legt in die Tup­per­do­se lege. Tue ich das nicht, kommt sie unge­ges­sen wie­der zurück. Das ist jeden Mor­gen echt ein ziem­li­cher Auf­wand und eigent­lich kann es doch nicht so schwer sein, die Man­da­ri­ne selbst zu schä­len! Aber ich will doch, dass mein Kind Obst isst. Was soll ich nur tun? Mich nervt das!”

Kin­der sind heu­te sowohl im Kin­der­gar­ten als auch in der Schu­le nicht uner­heb­li­chen Belas­tun­gen aus­ge­setzt. Nicht sel­ten gin­ge die Schäl­zeit von wert­vol­ler Spiel­zeit ab. Gleich­wohl wird die­se durch Lebens­zeit der Erwach­se­nen bezahlt — je nach­dem wie man sei­ne Eltern­rol­le auf­fasst, wird man in sol­chen oder ähn­li­chen Situa­tio­nen reagie­ren, in denen man eine Ent­schei­dung zwi­schen „Selbst­stän­dig­keit för­dern” und „Bewah­ren vor nicht kind­ge­rech­ten Belas­tun­gen” zu tref­fen hat. Das Man­da­ri­nen­bei­spiel dürf­te eines der harm­lo­se­ren sein. Natür­lich hät­te ich per­sön­lich auch lie­ber eine geschäl­te Man­da­ri­ne in mei­ner Früh­stücks­do­se! Mein All­tag ist auch vol­ler Belas­tun­gen und alles, was mir das Leben leich­ter macht, ist zunächst ein­mal posi­tiv für mich — das soll­te ich mir ein­fach wert sein.

Ich hal­te App­le­pro­duk­te für eine geschäl­te und zer­leg­te Man­da­ri­ne. Apple hat mein Bedürf­nis nach Erleich­te­rung begrif­fen und gibt mir durch ein funk­tio­na­les und her­vor­ra­gen­des Design eine ech­te Ent­las­tung in mei­nem Leh­rer­all­tag.

Trotz­dem will ich, ich ganz per­sön­lich, App­les geschäl­te Man­da­ri­ne nicht. Das hat mit den ide­el­len Kos­ten zu tun, die für mich zu hoch sind, dass ich nach wie vor lie­ber selbst schä­le oder eben dafür ande­re Werk­zeu­ge ein­set­ze. Wäre ich nicht zusätz­lich der Über­zeu­gung, dass der tech­ni­sche Ansatz von Apple auch Aus­wir­kun­gen auf die Gesell­schaft hat, zöger­te ich kei­ne Minu­te, selbst eine iPad-Klas­se ins Leben zu rufen. An Mög­lich­kei­ten dazu fehlt es hier vor Ort im Gegen­satz zu ande­ren Land­krei­sen defi­ni­tiv nicht. Finan­zi­ell ste­hen wir glän­zend aus­ge­stat­tet da. Um zu erklä­ren, war­um ich nicht auf den gera­de anrol­len­den Zug auf­sprin­ge, muss ich etwas aus­ho­len.

Apple ver­kauft pro­prie­tä­re App­li­an­ces, d.h. eine Ver­bin­dung aus Hard- und Soft­ware. Apple tut sehr viel dafür, dass sich bei­de Kom­po­nen­ten nicht ohne Wei­te­res tren­nen las­sen. Das gelingt der Fir­ma im Bereich der Mobil­ge­rä­te z.Zt. natür­lich weit­aus bes­ser als im Desk­top­um­feld.

Eine App­li­an­ce hat Vor­tei­le:

  1. Sie funk­tio­niert
  2. Sie besitzt eine kon­sis­ten­te Ober­flä­che
  3. Sie hat eine intui­ti­ve Ober­flä­che, die sich mühe­los bedie­nen lässt
  4. Sie ist durch das geschlos­se­ne Kon­zept war­tungs­arm und zuver­läs­sig
  5. Im Fal­le vom App­le­pro­duk­ten sind die Gerä­te lang­le­big und hoch­wer­tig ver­ar­bei­tet

Eine App­li­an­ce hat Nach­tei­le:

  1. Jede Funk­ti­on der App­li­an­ce ist abhän­gig vom Her­stel­ler der App­li­an­ce
  2. Eine App­li­an­ce ermög­licht genau das, was der der Her­stel­ler der App­li­an­ce ermög­li­chen will
  3. Eine App­li­an­ce ist nicht trans­pa­rent
  4. Die Sicher­heit der App­li­an­ce bewegt sich im Rah­men der Sicher­heits­vor­stel­lun­gen des Her­stel­lers
  5. Was die App­li­an­ce tut, ent­zieht sich gän­gi­gen Kon­troll­me­cha­nis­men. Ver­trau­en ist ange­sagt.

Und — für mich sehr wich­tig: Mit einer App­li­an­ce lernt man, die Man­da­ri­ne zu essen und zu genie­ßen, nicht sie zu schä­len. Zudem wird man bald erwar­ten, dass alle Man­da­ri­nen geschält sind und sie nur noch so akzep­tie­ren. Ob das ok ist oder nicht, muss jeder für sich ent­schei­den und der Kon­text spielt zusätz­lich eine Rol­le: Wenn eine App­li­an­ce in einem eng begrenz­ten Umfeld etwas macht, was Exper­ten (huch — die sol­len doch bald über­flüs­sig sein?) bes­ser kön­nen als ich, dann ist das abso­lut sinn­voll — Fire­walls für Rechen­zen­tren sind oft als App­li­an­ce rea­li­siert. Wenn eine App­li­an­ce jedoch wesent­li­che kom­mu­ni­ka­ti­ve Abläu­fe in mei­nem Leben struk­tu­riert und bestimmt, dann tue ich mich schwer damit. Mein „Nicht­ex­per­ten­tum” ist die­sem Bereich für einen Anbie­ter Kapi­tal — und zwar nicht bezo­gen auf eine hoch­spe­zia­li­sier­te Nische.

IT beherrscht unser Leben. Infor­ma­tik ist für mich ein Fach, wel­ches z.B. zeigt, wie man Man­da­ri­nen schält, wel­che unter­schied­li­chen Ansät­ze dafür exis­tie­ren und wie sich der Pro­zess des Schä­lens opti­mie­ren lässt. Wer kei­ne Man­da­ri­nen schä­len kann, ist auch anfäl­lig dafür, mit einem Kol­ben­fres­ser auf der Auto­bahn lie­gen­zu­blei­ben, weil der Bord­com­pu­ter den defek­ten Öldruck­sen­sor nicht gemel­det hat. Der Blick unter die Motor­hau­be auf den Peil­stab ist heu­te eben nicht mehr zeit­ge­mäß.

Ich habe Freu­de am Ver­ste­hen. Ich habe Freu­de dar­an, hin­ter die Fas­sa­den zu schau­en. Ich freue mich über ein­fa­che und genia­le Lösungs­stra­te­gi­en, die ganz ande­re Wege gehen. Ich möch­te das Men­schen ver­mit­teln. Dafür muss ich Man­da­ri­nen haben, die noch eine Scha­le besit­zen. Ein App­le­pro­dukt hat für mich kei­ne Scha­le mehr. Allein das saf­ti­ge, per­fekt frei­ge­leg­te Frucht­fleisch bleibt. Ich möch­te eine Man­da­ri­ne sehen, wie sie ist und nicht wie sie mir jemand mund­ge­recht in die Obst­do­se gelegt hat. Des­we­gen benut­ze ich Open­Sour­ce, des­we­gen bekom­me ich von den „Tech­ni­kaf­fi­nen” oft genug den Stem­pel „Nerd” — nicht weil die Man­da­ri­nen da nicht geschält wären, son­dern weil ich das Gan­ze sehe könn­te, wenn ich woll­te und Zeit hät­te. Das ist mei­ne Vor­stel­lung von Unab­hän­gig­keit. Ja — und ich genie­ße auch das Stau­nen ande­rer Men­schen, wenn sie fra­gen: „Wie machst du das nur?” — Mei­ne Anwort: „Ich schä­le Man­da­ri­nen selbst. Schon ganz schön lan­ge.”

PS: Kei­ne Sor­ge. Ich baue auch Net­ze für geschäl­te Man­da­ri­nen inkl. Genie­ßer­kur­se. So rea­lis­tisch bin ich dann schon.