Über Owncloud mit Quellen syncen, die eigentlich nicht syncen können

Die Möglichkeit, Ordner und Dateien über mehrere Geräte zu synchronisieren, möchte ich nicht mehr missen. Egal ob ich auf der Arbeit, zu Hause oder unterwegs bin – überall habe ich den gleichen Datenbestand.

Wenn ich verschiedene Dienste im Netz nutze, brauche ich meist für jeden eine eigene App bzw. ein eigenes Programm. Einige Dienste scheinen auf den ersten Blick gar keine Synchronisation zu erlauben (z.B. der FTP-Zugang für den Webspace). Dafür gibt es eine Lösung über Owncloud. Owncloud kann nämlich schon sehr lange externe Datenquellen einbinden.

Dazu muss man sich zunächst einmal bei Owncloud als Administrator einloggen und unter Apps auf das +-Zeichen klicken.

owncloud01Danach aktiviert man unter „not enabled“ das Plugin „External Storage“.

owncloud02Anschließend muss man in den Adminbereich gehen

owncloud03… und allen Nutzern erlauben, das Plugin zu nutzen:

owncloud05Dabei sind die unterschiedlichsten Protokolle möglich, z.B. auch andere Owncloudsysteme. Man kann auch globale Ordner definieren, die allen oder nur einigen Nutzern der Owncloud-Instanz zur Verfügung stehen. Anschließend kann sich jeder Nutzer unter dem Menupunkt „Personal“ eigene Datenquellen definieren:

owncloud06Natürlich kann ich auch nur einzelne Ordner der externen Quelle synchronisieren:

owncloud07Owncloud verhält sich gegenüber den externen Quellen wie ein normaler Client, d.h. es werden keine Daten auf dem Owncloudserver gespeichert – er stellt lediglich die Schnittstelle zu anderen Diensten hier.

Der Trick ist, dass ich für alle diese Dienste dann nur noch eine App auf dem Tablet, dem Smartphone oder dem Rechner benötige, um mit ganz unterschiedlichen Quellen Dateien und Daten auszutauschen, auch wenn diese offiziell überhaupt keine Synchronisationsfunktion unterstützen. Diese Dienste erscheinen in der Owncloud-App einfach unter dem Namen, den ich für den Ordner vergeben habe.

Eine Synchronisationsapp für IServ, meinen Landesserver, Google, jeden beliebigen Webspace usw. – reizvoll – oder?

Computerräume ausstatten

Ein paar Thesen:

  1. Der Computerraum als Konzept ist bald tot. Er lebt eigentlich nur in den Vorstellungen von Administratoren von Firmennetzwerken und in stark gelenkten Schulungssetups. Ich weiß nicht einmal, ob er im Kontext von Informatikunterricht überhaupt Sinn macht. Zunehmend setzt sich auch in informationstechnischen Kontexten die Einsicht durch, dass Teamfähigkeit und Kollaboration keine ganz schlechte Idee ist, wenn man z.B. Entwicklungen von Personen abkoppeln will.
  2. Wenn ein Computerraum bald tot ist, lohnt sich die Neuausstattung mit Neuware aus dem Konzept des Desktoprechners wahrscheinlich nicht mehr lange
  3. Wenn man einen PC-Raum nach den Vorstellungen besagter Administratoren ausstattet, dann sollte man auch auf Businesslösungen mit Businessmerkmalen setzen
  4. Wenn es Neuware sein soll, dann Neuware, die später einen flexiblen Einsatz erlaubt

Damit wäre alles gesagt. Naja, nicht ganz: Ich statte gerade einen neuen PC-Raum aus und es muss leider weiterhin ein klassischer PC-Raum bleiben – vorwiegend weil das Geld für neue Möbel fehlt, aber genau das könnte ja irgendwann kommen. Deswegen folgende Komponenten:

  1. Einen Lehrerarbeitsplatz mit einer M58p-Workstation (Desktopformat, gebraucht) mit einem Business 22 Zoll TFT (gebraucht).  Inklusive einer Windows7-Professional-Lizenz kostet ein solcher Arbeitsplatz ca. 250-270 Euro. Die Lenovo Workstations besitzen Displayports und können mit entsprechenden Adaptern trotz ihres Alters sogar HDMI-Beamer ansteuern – VGA will man heute eher nicht mehr, aber selbst Firmen wie SMART tun sich mit dieser Erkenntnis noch schwer. Wer Dualdisplaymodi braucht, kann eine Low-Profile Radeon HD3470 verbauen, die dann gleich zwei Displayports mitbringt (Zusatzkosten: 19,-Euro auf Ebay). Die M58p hat mit einem Core2Duo E8400 schon ziemlich viel Dampf, wenn man nicht dauernd Videos hin und hercodiert. Bei Office, Surfen, HD-Videos oder Audiobearbeitung langweilt sich die Kiste eher. Flash ist auch kein Problem. Der „Kunde“ sieht davon nur einen gigantischen Bildschirm und ein flott reagierendes System. Apples AirPlay lässt sich darauf z.B. per AirServer problemlos nachrüsten.
  2. Einen netzwerkfähigen Beamer. Der kann zumindest statische Bilder über ein kleines Programm von jedem Rechner im Netzwerk empfangen, d.h. jeder Rechner im Raum kann seine Bildschirmausausgabe (wenn es nicht gerade Videos sind), auf dem Beamer projezieren. So lassen sich Arbeitsergebnisse rasch für die Gruppe sichtbar machen und diskutieren.
  3. Laptops für die Arbeitsplätze. Im PC-Raum kann man sie zunächst per Ethernetkabel an Netz hängen und per Kensingtonschloss an ihren Platz fesseln. Ein Core i3 reicht eigentlich mehr als aus und ist inklusive Windows7-Lizenz für ca. 450-500 Euro pro Stück erhältlich. Ändert sich das Raumkonzept dann doch mal, können die Laptops schnell ihren Platz verändern. Bei Desktops mit TFTs ist das nicht so spontan denkbar.
  4. Einen Dualbandrouter. Damit kann man den Raum später auch mit Mobilgeräten nutzen (entweder BYOD oder gar Schultablets). Zusammen mit z.B. dem AirServer kann man dann auch iOS-Geräte in dem Raum verwenden.

Dann war noch Geld über, was ich in ein paar Nexus7-Tablets investiert habe. Nexus7 deswegen, weil diese Geräte schon jetzt mehrbenutzerfähig und so verbreitet sind, dass sich regelmäßige OS-Updates erwarten lassen  und ggf. auch weitere Betriebsystemportierungen verfügbar werden. Mit Google Apps for Education lassen sich diese Devices auch schon jetzt zentral managen (Passworte, Kameraeinstellungen, Remotelöschung etc.), leider noch ohne App-Distribution.

Zudem sollte man darauf achten, aus Datenschutzgründen nur einen Geräteaccount zu verwenden. iPads waren aus Budgetgründen keine Alternative.  Wir wollen bei uns an der Schule Tablets erstmal vorrangig als Mediaplayer (wir betreiben einen DLNA-Server für die Mediendistribution) und Internetzugangsgerät nutzen, sodass wir nicht auf ein umfangreiches Appangebot angewiesen sind. Und dafür sind iPads deutlich zu teuer.

Paducation

Paducation überall, die Rettung des verkrusteten deutschen Schulsystems ist nah! Schick, modern, leicht zu bedienen und technologisch auf Höhe der Zeit! Alles ganz einfach, oder? Erstmal experimentieren und Erfahrungen sammeln. Dann ergibt sich alles Weitere!

Ich habe kürzlich einen alten Artikel zur Einrichtung von Computerräumen aus den 90ern gelesen. Strukturell scheint mir die Paducationszene unverändert: Immer noch geht man über Endgeräte. Wird das neue Interface aus Glas, werden die neue Geschlossenheit und Stabilität von sich aus Unterricht verändern? Oder sind es halt nur einfachere Interfaces, die von Menschen mit einer bestimmten Haltung benutzt werden müssen, damit eine Lernevolution einsetzt?

Kritik ist die eine – Auseinandersetzung eine andere Ebene. Hier mal eine kleine Mindmap, die mir beim Paducationthema in den Sinn kam:

Natürlich gibt es der Übersicht halber die Map auch als Bilddatei:

Und hier die Gedanken dazu:

Finanzierungsmodell

Ein Finanzierungsmodell benötigt man, wenn elternfinanzierte Geräte ins Spiel kommen. Schulfinanzierte Geräte laufen schließlich ganz normal über den Vermögenshaushalt des Schulträgers oder eben als Projekt mit externen Partnern. Bei einer Finanzierung sollte man zwischen Leasing und Ratenzahlung unterscheiden. Leasing ist schwieriger zu organisieren, da die Geräte einem Technologieparter gehören müssen, der sie ggf. auch verwaltet.

Bei Finanzierungen kann man sehr schön an bestehende Konzepte andocken, etwa an die Bläserklassen oder Streicherklassen.  Hierfür gibt es mit lokalen Banken meist bereits Bundles aus einem Ratenvertrag und einer Geräteversicherung. Das Gerät wird über monatliche Raten über einen festzulegenden Zeitraum erworben. Die Finanzierungsbedingungen hängen von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem Umfang der gewünschten Versicherungsleistungen, dem Darlehenszinssatz und natürlich der zu finanzierenden Gesamtsumme – immerhin hat die Bank auch einigen Verwaltungsaufwand. Da die Eltern den Vertrag direkt mit der Bank oder anderen Finanzierungspartner abschließen, muss sich die Schule selbst weder um Versicherungsfälle noch um Faktura kümmern.

Eine schöne Lösung ist immer eine Partnerschaft mit einer lokalen Bank. Der persönliche Kontakt vor Ort ist meiner Erfahrung nach nur durch wenig zu ersetzen und auf jeden Fall auch einen auf den ersten Blick vielleicht schlechteren Zinssatz wert. Kulanz ist für eine lokale Bank genau wie ein solches Projekt schließlich auch ein Garant für gute Presse.

Administration

Ein Pad sollte mit relativ wenig Aufwand in den Ursprungszustand zurückzusetzen sein. Schön ist auch eine Möglichkeit, eine bestehende Installation auf verschiedene Geräte zu klonen. Auch ein vollständiges Backup des gesamten Pads (Nachrichten, Mails, Fotos, Videos, Apps usw.) ist Pflicht.  Android und iOS können das beide, wobei iOS für mich zumindest in der Grundkonfiguration die Nase vorn hat. Bei den Androids ist man zwar durch unterschiedliche Apps flexibler, muss aber viele Funktionalitäten, die Applegeräte von Hause aus mitbringen, erst einmal konfigurieren. Nervig ist, dass es bei iOS wohl keinen legalen Weg zu geben scheint, mehrere Geräte serverseitig zu klonen. Bei einem Einzelgerät klappt das wunderbar und auch im Rahmen der Nutzungsbedingungen. Da wird Apple aber mit Sicherheit bald nachbessern.

Die Pflege von Pads ist gegenüber Deploymentlösungen, wie man sie aus dem Linux- (FAI) oder Windowsbereich (OPSI) kennt, jedoch ein echter Rückschritt. Turnschuhadministration wird zumindest bei schulfinanzierten Geräten dann zur Kofferbückadministration – oder man macht eine Party mit reichlich Hopfenkaltschale daraus… Auch bei Elternfinanzierung wird man nicht um Fragen herumkommen wie

  • „Oh, die App hab‘ ich noch gar nicht!“
  • „Ach, der Ordner ist gelöscht!“
  • „Kann ich das auch damit machen?“
  • „Mein Akku ist alle!“
  • „Das WLAN geht nicht!“
  • „Die App stürzt immer ab!“

Fairerweise muss man sagen, dass PXE-Lösungen auch bei den Linux- und Windowstabs eher kaum anzutreffen sind, wohl aber durch entsprechende Bootoptionen und eine vorbereitete SD-Karte nachzuahmen sind – wenn eine Netzwerkkarte verbaut ist.

Kosten

Ein brauchbares Pad kostet ca. 500,- Euro. Wenn man einen optimistischen Austauschzyklus von drei bis vier Jahren einkalkuliert, müssen innerhalb einer durchschnittlichen Schulzeit ca. drei Geräte beschafft bzw. ersetzt werden. Das Argument, Technik würde immer günstiger, zieht für mich nur bedingt. Wer qualitativ hochwertige Ware auf technologischer Höhe der Zeit erwerben möchte, wird immer im höherpreisigen Segment liegen, weil er natürlich auch technologisch erweiterten Möglichkeiten nutzen möchte. Es gibt z.B. hervorragende gebrauchte Notebooks am Markt, die alles tun, was bisher in Schule und oft noch nicht verlangt wird: Die wollen aber nur wenige Schulen haben – es muss neue und aktuelle Hardware sein.

Pads benötigen eine Grundausstattung hochwertiger Apps und müssen in einer sich schnell wandelnden Zeit auch regelmäßig mit Updates versorgt werden – Updates sind bei einer gewissen Marktsättigung nicht mehr wirtschaftlich zu realisieren, wenn sie kostenlos sind. Auch hier sind gewisse laufende Kosten zu kalkulieren.

Kostenkompensationen

Wenn Verlage die ersparten Druckkosten und die finanziellen Vorteile durch eine Direktvermarktung an die Kunden weiterreichen, kann ggf. jedes Schulbuch durch ein günstigeres digitales Pendant ersetzt werden – die Vorteile digitaler Unterrichtsmaterialien kauft man als Mehrwert ja gleich dazu. Zudem entfällt an der Schule selbst ggf. ein bürokratischer Aufwand durch die Organisation der meist kostenpflichtigen Schulbuchausleihe.  Die Kosten hie in Niedersachsen sind mit ca. 50-80 Euro pro Jahr (je nach und Beschaffungsmodell) nicht unerheblich.

Gleichzeitig können Dinge wie Taschenrechner mit Algebrasystem, Messprogramme, Datenbanken, Nachschlagewerke etc. durch kostenlose Onlineversionen ersetzt werden, wodurch weiteres Einsparpotential entsteht.

Leider werden durch geschlossene Storesysteme, die feste Beiträge vorschreiben, die an einen Hersteller abzuführen sind, die Preise für digitale Schulbücher wahrscheinlich nur wenig fallen. Die Verlage müssen – wie es viele Anbieter auf iTunes auch schon tun – eigene Apps für den Zugriff auf ihren Shop entwickeln. Mal sehen, was z.B. Apple dazu sagt.

Fortbildung

Dieser Artikel nähert sich der 3000 Wortemarke. Man könnte den Eindruck gewinnen, schon ganz viel geschafft zu haben, wenn die bisher erwähnten Punkte abgehandelt sind. Leider hat man nach meiner Erfahrung dann noch gar nichts geschafft, sondern allefalls 15% des Ackers gepflügt. Die Pads wollen ja nicht verstauben wie viele Geräte in der Schule, sondern sie wollen im Unterricht methodisch und didaktisch sinnvoll eingesetzt werden. Das erfordert ein aufwändiges Schulungskonzept.

Die KAS-Koeln hat etwas – wie ich finde – sehr Geschicktes gemacht: Die angeschafften Pads wurden erstmal für einige Monate interessierten Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung gestellt. Damit bauen sich natürlich schon einmal Vorbehalte und Hemmschwellen ab. Das Gerät ist dabei das eine – Web2.0-Dienste und Apps nochmal etwas ganz anderes. Folgende Fragestellungen wären bei Schulungen für mich wichtig:

  1. Welche Unterrichtsszenarien lassen sich mit Hilfe von Apps unterstützen?
  2. Welche Web2.0-Dienste eignen sich für welche Art von Kollaboration? (und sollten geschult werden)
  3. Welche technischen Anforderungen ergeben sich daraus? (iPads können z.B. nicht so ohne Weiteres über Webformulare Dateien uploaden)
  4. Welche fachbezogenen Einsatzmöglichkeit ergeben sich?
  5. Sind die Pads Ergänzung oder Ersatz für … ?
  6. Wie entwickelt sich der Padeinsatz über die Schulzeit?
  7. Vertraue ich auf die neuen Möglichkeiten oder führe ich doch parallel die gewohnten Geräte ein (z.B. CAS-Rechner)?
  8. Wie organisiere ich Unterricht in einem großen System mit Lehrerwechsel im Zweijahresintervallen, damit die Pads von Kolleginnen und Kollegen auch nachhaltig eingesetzt werden?
  9. Wie organisiere ich der Verankerung der Pads im Schulcurriculum? Wer schreibt es?
  10. Welche Haltung brauche ich als Lehrkraft, um die erweiterten Möglichkeiten der Pads zu nutzen? (allein diese Frage…)

Wenn man sich keine Gedanken um diese letzten Fragen macht, schafft man kein neues Lernen, sondern neue Computerräume und Sprachlabore… Beides sind Beispiele dafür, dass technoid fokussierte Ansätze in der Vergangenheit untauglich waren, bzw. nur sehr wenig bewirkt haben.

Der Mensch muss sich interessieren und von Technologie bzw. ihren Möglichkeiten bewegt sein. Die Hoffnung, das mit Pads erreichen zu können, ist nicht mehr oder weniger berechtigt wie die damalige Hoffnung mit Computerräumen Schule verändern zu können. Ein Pad ist ja erstmal nichts als ein vereinfachtes Interface, was dem Menschen viele Entscheidungen und Freiheiten abnimmt. Was „damals“ die Freaks und Nerds waren, sind heute eben die Internetbegeisterten.  Und diese Gruppe ist nicht groß, zumindest wenn man schaut, wer idealtypisch im Netz prosumiert und wer lediglich konsumiert.

Haltungsänderungen werde ich nicht durch punktuelle Schulungen erreichen, sondern durch kontinuierliche, personalintensive Begleitung.  Dafür braucht es in den Schulen persönliche Einsiedlerkrebsnetzwerke.

Interaktive Tafeln

Ich sehe zurzeit viel baulichen Unsinn in Zusammenhang mit interaktiven Tafellösungen. Oft bedingen die baulichen Gegebenheiten immense Einschränkung bei der Nutzung von interaktiven Tafeln, die sich durch etwas Überlegung und wenig Mehrkosten leicht vermeiden lassen, teilweise aber auch die Produktwahl von vornherein beeinflussen. Ich möchte an dieser Stelle einmal vier verschiedene Grundsettings vorstellen und auch gleich werten. Ich vertrete dabei die Grundannahme, dass jede Lösung immer in ein System integrierbar sein muss – dabei ist es egal, ob es sich um ein technisches oder didaktisches System handelt. Außerdem verwende ich den Begriff „SMART-Board“ genau wie das Wort „Tempo“ für Taschentuch: Damit sind auch die Produkte von Epson, Promethean usw. gemeint – eben Tafeln, die als größenwahnsinnige Pen Tablets konzipiert sind.

Setting A – oft anzutreffen:

Kurzbeschreibung:

Ein SMART-Board wird an der Stelle der Tafel montiert und besitzt ein leistungsfähiges Lautsprechersystem. Ein Notebook oder ein Steuerungsrechner steht auf einem Tisch daneben. Es ist idealerweise in eine Schulnetzwerklösung eingebunden.

Möglichkeiten:

Man kann alle Medien und Inhalte aus dem Internet auf das SMART-Board holen. Mit der interaktiven Software lassen sich Tafelbilder erstellen und auf einem Laufwerk der Schulnetzwerklösung ggf. auch Schülerinnen und Schülern direkt nach der Stunde durch einfaches Speichern zur Verfügung stellen. Durch das Standardnotebook ist man bei der Wahl der Software nicht weiter eingeschränkt.

Einschränkungen:

Es ist schon „by design“ ein streng frontales Setting. Kollaboration ist nur im dem Rahmen denkbar, wie sie auch mit einer normalen Kreidetafel möglich ist (das geht aber tatsächlich). Als Lehrkraft steht man immer mit dem Rücken zur Lerngruppe. Man kann das durch den Einsatz einer wertigen Funktastatur lindern. Diese Lösung bildet in 80% aller Unterrichtssituationen Schule ab, wie sie heute ist, bzw. lädt geradezu dazu ein. Nur durch recht teure Fortbildungsarbeit erweitert so eine Lösung die methodischen und didaktischen Möglichkeiten. Ich würde so etwas nicht kaufen oder empfehlen.

Setting B:

Wie Setting A, nur dass der Steuerungsrechner direkt neben oder auf dem Lehrerpult steht. Diese Lösung ist baulich mit einem SMART-Board viel schwieriger zu realisieren, da USB, VGA und Netzwerkanschlüsse zum Lehrerpult geführt werden müssen. Das geht mit einem Hohlboden sehr gut, den ich auch aus anderen Gründen in Schulen für sinnvoll halte.

Möglichkeiten:

Wie bei Setting A. Zusätzlich ist aber die Arbeit für die Lehrkraft leichter, weil ich die Lerngruppe während des Unterrichts anschauen kann. Wenn ich die Anschlüsse flexibel als Box auslege, kann ich sogar sehr schnell mein eigenes, mitgebrachtes Gerät verwenden und z.B. in einer Stillarbeitsphase ohne Unterrichtszeitverlust vor mich hinstöpseln.

Einschränkungen:

Wie Setting A.

Setting C:

Neu: Es wird kein aktives Board eingesetzt, sondern eine Lösung mit aktiven Stiften, wie sie etwa Dymo vertreibt.

Möglichkeiten:

Wie bei Setting A & B. Da die Technologie notebookseitig nicht auf USB, sondern auf einem schlichten Funktastaturmechanismus beruht, sind Kabelverbindung nur beim Anzeigegerät für VGA/HDMI erforderlich. Durch Zusatzprodukte, etwa verschiedenen Eingabegeräten, kann ich auf Schüler vom Platz aus am Board arbeiten lassen. Läuft die bisherige Tafel an Pylonen, kann ich den Zwischenraum weiß streichen und als Projektions- und Arbeitsfläche nutzen – die Tafel bleibt als zusätzliche Lösung dabei erhalten. Das System kostet mit 700,- Euro weitaus weniger als eine Tafellösung mit berührungsempfindlicher Oberfläche. Das gesparte Geld lässt sich z.B. in einen wirklich lichtstarken Beamer mit ordentlichem Bild stecken – den ich beim Marktführer immer mehr vermisse.  Für gleiche Kosten lassen sich ca. zwei Räume bei besserer Projektion ausstatten. Auch ohne(!)  Projektion kann auf einer normalen Tafel ein Bild digitalisiert werden – dem Gerät ist es egal, ob es mit oder ohne optisches Feedback digitalisiert.

Einschränkungen:

Wie Setting B. Die aktiven Stifte werden zwar berührungslos (induktiv) geladen, besitzen aber gleichwohl ein in seiner Lebensdauer begrenzten Akku. Das System basiert auf Infrarot- und Ultraschalldistanzmessung. Es geht das Gerücht, dass einfallendes Sonnenlicht für Störungen sorgt.

Setting D:

Stellvertretend habe ich einmal eine Applelösung ausgesucht – man kann dafür auch andere Pads uns andere Bildübertragungstechniken (RDP, FreeNX, VNC usw.) nutzen. Jeder Schüler verfügt über ein eigenes Endgerät, dessen Bildschirminhalt an die zentrale Tafel vorne übertragen werden kann. Das geht über Apples Airplay-Technik recht einfach, wenn man für den Klassenraum eine weitgehend autarke Netzinfrastruktur baut. Bei Standardkomponenten ist eine stärkere Einbindung in eine ggf. vorhandene Schulcloud denkbar.

Möglichkeiten:

Wie bei Setting A & B. Eine interaktive Tafel ist gar nicht erst notwendig, da die Pads die interaktive Komponente vollständig übernehmen – daher reicht ein leistungsstarker Beamer eigentlich aus.  Man vermeidet mediale Brüche zwischen Papier und Digitalem. Die Kamera beim SMART-Board ist ja lieb gemeint, macht aber eigentlich nur bestehende Strukturen digital.

Einschränkungen:

Es dürfte noch sehr wenige Erfahrungen mit so einem System geben. Pads ohne WLAN sind für mich wie Häuser ohne Fenster. Ein WLAN für 20+ simultane Clients ist aber technisch nicht trivial. Die Kosten sind immens, da schließlich eine 1:1-Ausstattung mit entsprechenden Finanzierungs- und Wartungskonzepten erforderlich ist. Mit geschickter App-Auswahl und konsequentem Einsatz der vorhandenen Angebote (Taschenrechner, Wörterbuch, digitale Schulbücher etc.) ließe sich das aber kompensieren.

Abschließende Bemerkungen

Keins der Settings berücksichtigt eine Schule, die sich den veränderten Gegebenheiten und Anforderungen durch die fortschreitende Digitalisierung bereits vollständig angepasst hat. Das sieht man natürlich an den grundsätzlichen Raumgestaltungen. Da könnte ich mir noch ganz andere Dinge vorstellen, z.B. Tischprojektionen usw.. Setting D hat viel Reiz, ist aber stark von einem zu entwickelnden Gesamtkonzept abhängig – die ganze Schulgemeinschaft sollte da mitkommen. Selbst 60 iPads pflegen zu müssen, wäre für mich schon eine Horrorvorstellung.  Für klassische Netzwerke gibt es da zentrale Lösungen und Steuerungen – für Pads sind diese nur zugänglich, wenn die Hardware lösgelöst vom Betriebssystem funktioniert. Sonst macht man eben keine Turnschuh-, aber immer noch Kofferbückadministration – 1:1 wäre da schon wünschenswert.

Viele Nachteile von den Settings A-C lassen sich auch heute schon durch Einsatz von Web2.0-Tools kompensieren: In einem GoogleDocs- oder Etherpad-Lite-Dokument lässt sich mit beliebigen Endgeräten gleichzeitig und kollaborativ arbeiten. Die interaktiven Tafeln verkommen dann natürlich wie ggf. ein Pad zu reinen Anzeigegeräten. Ich persönlich habe aber auch nach mehreren Schulungen noch keinen großen Sinn in der zu einem interaktiven System passenden Software gefunden – außer dass sie den Rechner langsam macht.

Wer das übrigens auch so sieht, sollte einen Blick auf EasyChalk werfen: 1,4 Mbyte groß, vollständig HTML5-basiert – rennt auf jedem Endgerät mit aktuellem Browser wie Schmidts Katze, speichert auf Wunsch gleich in der Cloud und ist recht bezahlbar.

Appleprodukte und ich

Halina Zaremba / pixelio.de

 

Unter Eltern ist folgende Anekdote bekannt:

„Mein Kind ist seine Mandarine nur, wenn ich sie ihm geschält und zerlegt in die Tupperdose lege. Tue ich das nicht, kommt sie ungegessen wieder zurück. Das ist jeden Morgen echt ein ziemlicher Aufwand und eigentlich kann es doch nicht so schwer sein, die Mandarine selbst zu schälen! Aber ich will doch, dass mein Kind Obst isst. Was soll ich nur tun? Mich nervt das!“

Kinder sind heute sowohl im Kindergarten als auch in der Schule nicht unerheblichen Belastungen ausgesetzt. Nicht selten ginge die Schälzeit von wertvoller Spielzeit ab. Gleichwohl wird diese durch Lebenszeit der Erwachsenen bezahlt – je nachdem wie man seine Elternrolle auffasst, wird man in solchen oder ähnlichen Situationen reagieren, in denen man eine Entscheidung zwischen „Selbstständigkeit fördern“ und „Bewahren vor nicht kindgerechten Belastungen“ zu treffen hat. Das Mandarinenbeispiel dürfte eines der harmloseren sein. Natürlich hätte ich persönlich auch lieber eine geschälte Mandarine in meiner Frühstücksdose! Mein Alltag ist auch voller Belastungen und alles, was mir das Leben leichter macht, ist zunächst einmal positiv für mich – das sollte ich mir einfach wert sein.

Ich halte Appleprodukte für eine geschälte und zerlegte Mandarine. Apple hat mein Bedürfnis nach Erleichterung begriffen und gibt mir durch ein funktionales und hervorragendes Design eine echte Entlastung in meinem Lehreralltag.

Trotzdem will ich, ich ganz persönlich, Apples geschälte Mandarine nicht. Das hat mit den ideellen Kosten zu tun, die für mich zu hoch sind, dass ich nach wie vor lieber selbst schäle oder eben dafür andere Werkzeuge einsetze. Wäre ich nicht zusätzlich der Überzeugung, dass der technische Ansatz von Apple auch Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, zögerte ich keine Minute, selbst eine iPad-Klasse ins Leben zu rufen. An Möglichkeiten dazu fehlt es hier vor Ort im Gegensatz zu anderen Landkreisen definitiv nicht. Finanziell stehen wir glänzend ausgestattet da. Um zu erklären, warum ich nicht auf den gerade anrollenden Zug aufspringe, muss ich etwas ausholen.

Apple verkauft proprietäre Appliances, d.h. eine Verbindung aus Hard- und Software. Apple tut sehr viel dafür, dass sich beide Komponenten nicht ohne Weiteres trennen lassen. Das gelingt der Firma im Bereich der Mobilgeräte z.Zt. natürlich weitaus besser als im Desktopumfeld.

Eine Appliance hat Vorteile:

  1. Sie funktioniert
  2. Sie besitzt eine konsistente Oberfläche
  3. Sie hat eine intuitive Oberfläche, die sich mühelos bedienen lässt
  4. Sie ist durch das geschlossene Konzept wartungsarm und zuverlässig
  5. Im Falle vom Appleprodukten sind die Geräte langlebig und hochwertig verarbeitet

Eine Appliance hat Nachteile:

  1. Jede Funktion der Appliance ist abhängig vom Hersteller der Appliance
  2. Eine Appliance ermöglicht genau das, was der der Hersteller der Appliance ermöglichen will
  3. Eine Appliance ist nicht transparent
  4. Die Sicherheit der Appliance bewegt sich im Rahmen der Sicherheitsvorstellungen des Herstellers
  5. Was die Appliance tut, entzieht sich gängigen Kontrollmechanismen. Vertrauen ist angesagt.

Und – für mich sehr wichtig: Mit einer Appliance lernt man, die Mandarine zu essen und zu genießen, nicht sie zu schälen. Zudem wird man bald erwarten, dass alle Mandarinen geschält sind und sie nur noch so akzeptieren. Ob das ok ist oder nicht, muss jeder für sich entscheiden und der Kontext spielt zusätzlich eine Rolle: Wenn eine Appliance in einem eng begrenzten Umfeld etwas macht, was Experten (huch – die sollen doch bald überflüssig sein?) besser können als ich, dann ist das absolut sinnvoll – Firewalls für Rechenzentren sind oft als Appliance realisiert. Wenn eine Appliance jedoch wesentliche kommunikative Abläufe in meinem Leben strukturiert und bestimmt, dann tue ich mich schwer damit. Mein „Nichtexpertentum“ ist diesem Bereich für einen Anbieter Kapital – und zwar nicht bezogen auf eine hochspezialisierte Nische.

IT beherrscht unser Leben. Informatik ist für mich ein Fach, welches z.B. zeigt, wie man Mandarinen schält, welche unterschiedlichen Ansätze dafür existieren und wie sich der Prozess des Schälens optimieren lässt. Wer keine Mandarinen schälen kann, ist auch anfällig dafür, mit einem Kolbenfresser auf der Autobahn liegenzubleiben, weil der Bordcomputer den defekten Öldrucksensor nicht gemeldet hat. Der Blick unter die Motorhaube auf den Peilstab ist heute eben nicht mehr zeitgemäß.

Ich habe Freude am Verstehen. Ich habe Freude daran, hinter die Fassaden zu schauen. Ich freue mich über einfache und geniale Lösungsstrategien, die ganz andere Wege gehen. Ich möchte das Menschen vermitteln. Dafür muss ich Mandarinen haben, die noch eine Schale besitzen. Ein Appleprodukt hat für mich keine Schale mehr. Allein das saftige, perfekt freigelegte Fruchtfleisch bleibt. Ich möchte eine Mandarine sehen, wie sie ist und nicht wie sie mir jemand mundgerecht in die Obstdose gelegt hat. Deswegen benutze ich OpenSource, deswegen bekomme ich von den „Technikaffinen“ oft genug den Stempel „Nerd“ – nicht weil die Mandarinen da nicht geschält wären, sondern weil ich das Ganze sehe könnte, wenn ich wollte und Zeit hätte. Das ist meine Vorstellung von Unabhängigkeit. Ja – und ich genieße auch das Staunen anderer Menschen, wenn sie fragen: „Wie machst du das nur?“ – Meine Anwort: „Ich schäle Mandarinen selbst. Schon ganz schön lange.“

PS: Keine Sorge. Ich baue auch Netze für geschälte Mandarinen inkl. Genießerkurse. So realistisch bin ich dann schon.