Textüberarbeitung mit Etherpad

Ich habe heute einen Text im Deutschunterricht pseudonymisiert mit Etherpad überarbeiten lassen. Mein Landesinstitut bietet eine freie Installation für die Schulen Niedersachsen auf Servern des Landes an. Mit der Lerngruppe übe ich gerade den Interpretationsaufsatz, zu dem auch eine Inhaltsangabe gehört. Unsere Texte liegen bereits digital in Form eines Blogartikels vor.
Ein Endergebnis sah so aus (die Veröffentlichung des Originals ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich):
Der  Schlosser Wallfried Känsterle begibt sich wie  jeden Tag nach seinem  Feierabend vor dem Fernseher, um den Gesprächen mit seiner Frau Rosa zu entkommen. Zunächst beschwert sich die Frau über die Faulheit ihres  Mannes, da er immer träge sei.
Nach  den Anschuldigungen von Rosa, dass er sich sogar weigert, seinen Kindern am  Nikolaustag eine Freude zu machen, gibt Wallfried ohne Widerworte nach,  sodass er sich als Nikolaus verkleidet, um seine Kinder zu beschenken. Dies verläuft jedoch anders als erwartet, da  Wallfried, kurz bevor er  seine Haustür erreicht, ausrutscht und mit einem dumpfen Geräusch fällt.  Nachdem die Tür geöffnet wird, tritt Rosa außer sich hervor. Die  Ungeschicklichkeit gibt Rosa einen weiteren Grund, um sich bei ihrem Mann zu beklagen. 
Sobald Wallfried seine Kontrolle verliert, verpasst er seiner Frau eine Ohrfeige, woraufhin er im Wohnzimmer verschwindet. Dort lässt er seiner Wut freien Lauf, indem  er Gegenstände des Hauses zerstört, die Rosa gern hat. Die Unruhe, die dadurch entsteht,  sorgt dafür, dass der Nachbar vorbeischaut und sich  dezent über ihn lustig macht.
Die Methodik:
  1. Markiert Worte fett, die ihr als umgangssprachlich einschätzt.
  2. Gestaltet als Gruppe den Text so um, dass umgangssprachliche Formulierungen vermieden werden.
  3. Markiert die Konjunktion „und“ fett, wenn sie als Gedankenverknüpfung eingesetzt wird.
  4. Kopiert den betreffenden Satz mit aus Aufgabe 3 unter den Text und notiert eine Alternative darunter.

Nach jeder Aufgabe haben wir eine kurze Besprechungsphase eingeschoben und ggf. begründet, warum eine Formulierung geeignet oder ungeeignet ist.

Ich habe jetzt Teams aus drei Lerngruppenmitgliedern gebildet. Bisher bekamen diese Teams die Aufgabe, Texte anderer Lerngruppenmitglieder (die eines anderen Teams) in einem Blog zu kommentieren. In der zweiten Aufbaustufe sollen die Teams die fremden Texte in einem Etherpad überarbeiten und dann die überarbeitete Fassung als Kommentar veröffentlichen. Der jeweilige Autor reflektiert dann die Unterschiede zur Originalfassung.

Meine Aufgabenformulierung (fett, unter den Text kopieren, Fassungen auswählen etc.) sind dabei nur Vorschläge, wie man vorgehen kann. Es versteht sich von selbst, dass eine derartige Aufgabe ohne vorherige Klärung der Kriterien, die dabei anzuwenden sind, nicht sinnvoll zu lösen ist.

Zudem sollten die Texte bereits in digitaler Form z.B. in einem Blogsystem vorliegen. Sehr abgespeckt könnte man auch einen zu überarbeitenden Text schon vorher in die Pads der einzelnen Teams legen.

Multimedialer Wahnsinn: Drei Tools in einer Stunde

Ausgangslage:

Es galt zwei Figuren aus E.T.A. Hoffmanns Text „Die Elixiere des Teufels“ auf Basis einer Menge Lesestoff pointiert zu charakterisieren. Dazu gab es zunächst eine vorbereitendeHausaufgabe, in der 10 Textstellen mit Ausdeutung zu ermitteln waren. Die klassische Auswertungsvariante wäre z.B. eine Gruppenarbeit gewesen, in der man sich auf wenige wesentliche Textstellen einigt oder die bestehenden kategorisiert.

Aufgaben im Klassenblog:
Stelle auf Basis deiner Hausaufgabe und dem im Anschluss verlinkten Originaltext Zitate in den gemeinsam bearbeitbaren Dokumenten zusammen, die die dir zugewiesene Figur charakterisieren. Du kannst dafür den Originaltext durchsuchen und auch Zitate direkt herauskopieren (Menu “Bearbeiten” => “Suchen und ersetzen”.

  • <Link auf ein GoogleDocs-Dokument, welches den Text enthielt>
  • <Link auf Etherpaddokument zu Figur 1>
  • <Link auf Etherpaddokument zu Figur 2>

Schreibe auf Basis von Aufgabe 1 eine kurze Charakteristik der jeweiligen Figur, indem du <Link auf Schuletherpad> folgst (Create new Pad). Verlinkt euer Dokument in einem Blogbeitrag.

Zuschauen im Etherpaddokument:

Spannend ist der phasenartige Verlauf: Zunächst herrscht noch wenig Aktivität, dann stoßen mehr und Mehr SuS dazu. Da alle ihre Hausaufgabe einbringen, entstehen schnell Doppelungen und der Einzelne muss ziemlich schauen, damit er noch etwas Neues beiträgt. Der Screencast wurde mit der Time-Slider-Funktion von Etherpad und ffmpeg realisiert. Am besten schaut man sich das in der Vollbildansicht an – die Artefakte sind doch beträchtlich.

Erfahrungen:

  1. Es sollte ein moderner Browser sein – ansonsten funktionieren die Skripten für Etherpad und GoogleDocs nicht
  2. Ich habe die Chance vertan, die Ergebnisse im Pad kategorisieren zu lassen (merken!)
  3. Alle waren beteiligt an der Erstellung des Arbeitsergebnisses
  4. Die SuS gingen sehr intuitiv mit Etherpad um

Etherpad, nochmal Etherpad

Lighttpd vermittelt jetzt den Kontakt zu unserem Etherpad, das nur nur unter localhost zu erreichen ist:

$HTTP[„host“] =~ „^(.+\.)?etherpad.schuldomain.tld“ {

auth.require = ( „“ => ( „method“ => „basic“,
„realm“ => „Etherpad – Login mit Schulnetzwerkdaten“,
„require“ => „valid-user“ )
)

proxy.server = (
„“ => (
„etherpad“ => (
„host“ => „127.0.0.1“,
„port“ => 9000,
„fix-redirects“ => 1
)
)
)

}

Mittels HTTP_AUTH, dass gegen den LDAP läuft, ist das System nur Netzwerknutzern der Schule zugänglich (auth.require-Sektion). Das Proxymodul von lighttpd (proxy.server-Sektion) sorgt dann dafür, dass der Browser ohne Portangabe direkt auf die Pads zugreifen kann und dafür, dass die Subdomains für die Teamsites funktionieren.

Ich habe die Pads für ein Webquest zur Regelfindung zur Getrennt- und Zusammenschreibung in Klasse 9 eingesetzt. Im ersten Teil der Doppelstunde haben wir eine Regel für eine Zusammensetzung (Adjektiv + Verb) anhand von Material selbst erarbeitet und formale Kriterien festgelegt. Im zweiten Teil der Doppelstunde habe ich je einer Gruppe einen Aspekt (z.B. Schreibung von Tageszeiten) zugewiesen, ein paar hilfreiche Seiten verlinkt und kollaborativ eigene Regelformulierungen im Pad erarbeiten lassen.  Die Aufgabenstellung und die Links befanden sich in einem Moodlekurs.

Am Folgetag haben wir die Ergebnisse – diesmal auf Totholz ausgedruckt – besprochen und anhand der Regeln, die sicher formuliert waren, kleine Übungssätz mit gehäuften Schwierigkeiten zur Getrennt- und Zusammenschreibung ersonnen. Diese Methodik war zumutbar, weil das Thema für die Klasse ein „Wiederholungsfall“ ist, es also mehr um eine Reaktualisierung ging.

Etherpad verbrauchte bei 15 aktiven Clients ca. 200MB RAM und etwa 9% CPU-Zeit – beschaulich…

Etherpad selbst hosten…

… ist mit Ubuntu sehr, sehr einfach – zwei Lakritzschnecken lang:

1. Schritt

In die /etc/apt/sources.list muss das Partnerrepository von Canonical eingetragen werden:

deb http://archive.canonical.com/ lucid partner

Ein „apt-get update“ bringt die Datenbank von APT auf den neuesten Stand.

2. Schritt

Das JDK von Sun muss installiert werden – openjdk will mit Etherpad nicht.

apt-get install sun-java6-jdk

3. Schritt

Das für die Architektur passende „*.deb“-Paket von Etherpad.org muss manuell heruntergeladen werden, da die bereitgestellte Quelle für APT von selbigem nicht akzeptiert wird. Bei mir ist das Paket für die amd64-Architektur das Richtige.

4. Schritt

Dieses Paket mit dpkg installieren:

dpkg -i etherpad_1.1_all.deb (genauer Name kann varieren)

5. Schritt

Der Pfad im Init-Script on Etherpad passte bei mir nicht. Ich musste

DAEMON_BASE=“/usr/share/etherpad“

setzen, bevor ein

/etc/init.d/etherpad start

unter meiner Hauptdomain auf Port 9000 Etherpad präsentierte.

In solchen Momenten tun mir alle leid, die keine (V)Server administrieren können. Etherpad bedient sich sehr intuitiv und hinter einem HTTP_AUTH mit LDAP-Backend kann meine ganze Schule jetzt bald kollaborativ mit Texten arbeiten – ohne Tante Google. Cool, cool… Vielleicht bekomme ich das LDAP-Authplugin noch eincompiliert…