AirPlay stinkt

Aus einem Forum us-amerkanischer Universitätsadministratoren zu Bonjour (Grundlage von AirPlay) und Multicastprotokollen im Allgemeinen. In den Vereinigten Staaten gibt es schon mehrere Jahre Erfahrungen mit Appleprodukten in großen Netzen, Deutschland steht da noch am Anfang:

  • Broadcast traffic and performance are mortal enemies.  Supporting a few users who want to do iPad mirroring, for example could end up penalizing productivity for a large number of users who do not participate.
  • Will need to support a single subnet spanning your entire infrastructure, for both wired and wireless devices.
  • No troubleshooting mechanism or tools to help determine connectivity issues.
  • No centralized monitoring, management of such devices like number of devices online, number of devices connected, quality of service provided, etc.
  • No centralized admission control for those devices – If you wanted to only allow certain people to be able to connect/disconnect, you could not do that
  • Little Security – Any device on the same subnet can enumerate all devices.  Anyone with physical access to a device can easily pair and control the device fairly quickly.
  • As the number of Airplay-compatible devices increases on the network, it will be more and more difficult for users to find and connect to their own devices, as the list gets longer.  It will be only a matter of time where a naming convention for iDevices will have to be managed for those users, and it probably would be assigned to an fte in IT to do so.
  • If a user decides to consume an inordinate amount of bandwidth using an application such as video, there is no easy way to immediately identify that user and constrict it on the fly.

http://community.arubanetworks.com/t5/Unified-Wired-Wireless-Access/Pro-and-Con-of-AirPlay/td-p/21936

http://www.networkcomputing.com/wireless/academia-to-apple-fix-your-airplay-wirel/240003500

https://discussions.apple.com/thread/3538172?start=0&tstart=0

Etwas ausholen

Zunächst einmal der Versuch zu erklären, was das Problem an Multicastprotokollen wie AirPlay (und übrigens auch DLNA) ist. Man kann sich ein Netzwerk vereinfacht als Postkartenverteilungssystem vorstellen (Netzwerktechniker verzeihen das etwas kranke Bild).

uni_multicastBei Unicast tauschen Sender und Empfänger miteinander Postkarten aus. Der Switch erkennt an Aufklebern auf den Postkarten, wo er sie hinschicken muss. Jede Postkarte kommt genau dahin, wo sie einen Sinn hat.

Bei Multicast klebt ein Sender folgenden Aufkleber auf die Postkarten: „An alle Haushalte mit Tagespost“. Für Tagespost muss sich jeder Empfänger explizit anmelden und bekommt dann alle Postkarten mit diesem Aufkleber – ob sie etwas nützen oder nicht. Zudem schicken alle Multicastempfänger phrophylaktisch immer wieder die generelle Nachricht ind Netzwerk, dass sie gerne Tagespost hätten. Diese Tagesportstruktur baut sich in großen Netzen erst nach und nach auf. Der Switch kopiert die Tagespostpostkarten für jeden Empfänger, der signalisiert, dass er sie gerne hätte und schickt sie auch dahin.

Was bei zwei Empfängern noch prima klappt, kann bei vielen Empfängern zum Problem werden, da ein Großteil der Kapazität des Netzes hinter einem Switch dann irgendwann durch Tagespost verstopft ist – wie der heimische Briefkasten zu Hause. Außerdem klagt der Briefträger zwischen dem Sender und dem Switch bald über Rückenschmerzen und macht seine Arbeit nur noch, so gut es eben geht – zudem haben hat für ihn Tagespost nicht unbedingt Vorrang vor „richtiger“ Post und er fängt an, Tagespost in die Botanik zu werfen.

Typische Probleme mit AirPlay

Daher gibt es mit AirPlay in großen Netzen sehr typische Probleme (mit DLNA eher weniger, aber das ist eine andere Geschichte):

  1. Die Geräte finden sich anfangs nicht (die Multicaststruktur ist von den Switchen noch nicht aufgebaut)
  2. Die Wiedergabe stockt (das gesamte von Multicast betroffene Netzsegment ist überlastet von Tagespost)
  3. Die Geräte finden sich nach einer Weile nicht mehr (der Briefträger wirft aus Verzweiflung Tagespost in die Botanik)

Nichts davon ist durch den Nutzer oder dem Administrator in irgendeiner Form beeinflussbar! Damit erkauft man sich die Bequemlichkeit von AirPlay.

Und jetzt die Übersetzung der obigen Forenauszuges:

  • Tagespost und Performance sind tödliche Feinde.  Wenn man wenigen iPad-Usern die Möglichkeit gibt, ihre Anzeigen zu spiegeln, sind davon viele Unbeteiligte im gleichen Netzsegment betroffen.

  • Man muss die Netzsegmente, die für Multicast genutzt werden sollen, möglichst klein halten, sowohl für WLAN- als auch für LAN-betriebene Geräte

  • Es gibt keine Tools, um Verbindungsprobleme zwischen Geräten einzugrenzen

  • Man kann Tagespost nicht zentral überwachen, um hinsichtlich von z.B. Performanceproblemen zu optimieren

  • Man kann den Zugriff auf Tagespost nicht nutzer- oder rechtebezogen steuern

  • Es gibt keine Sicherheitsmechanismen. Das letzte Gerät gewinnt immer.

  • Je mehr Geräte sich im gleichen Netzwerk befinden, desto länger wird die Liste für die möglichen Anzeigegeräte. Orientierende Namenskonventionen sind für Privatgeräte nicht sinnvoll durchsetzbar.

  • Wenn ein Benutzer viel Bandbreite für sich beansprucht, gibt es keinen Weg, das Problem näher zu lokalisieren.

 

Also bei mir in der Klasse klappt das doch wunderbar!

Ja! Es klappt auch im Wohnzimmer zu Hause. Die meisten Lehrkräfte spannen für die Arbeit mit AirPlay ein eigenes Netz im Klassenraum auf, z.B. durch einen AirPort-Extreme (jeder andere Dualbandrouter würde es übrigens auch tun).  Router transportieren im Gegensatz zu Switchen keine Tagespost in ein anderes Netz.

Ziel sollte aber doch sein, dass das nicht die Lehrkraft, sondern ein Technologiepartner tut. Viele Subnetze sind wiederum wartungsaufwändig und stehen dem Anspruch einer kostengünstigen, zentralen Wartung diametral entgegen.

Wenn ich die Aufgabe bekäme, für eine ganze Schule oder auch nur einen Gebäudeteil, AirPlay zerverlässig zu garantieren, müsste ich sehr teure Geräte und viel Wartungsaufwand projektieren. Denn es wird auch in kleinen Netzen immer mal wieder spontan „nicht gehen“ – das ist bandbreitenabhängig. Da es keine Fehlerdiagnosemöglichkeit gibt, ist Fehlerbehebung nur wie zu guten, alten Windowszeiten nur per Pass&Fail möglich.

Besser wäre aus Administratorensicht eine Weiterentwicklung des AirPlayprotokolls, sodass es auch für Enterpriseumgebungen taugt. Ich als Adminsistrator bekomme nämlich jetzt im Fehlerfall die Anforderung „Geht nicht (ist ja dein blödes Netz, vorher/zu Hause ging’s ja immer!), mach’s heil, Maik!“ Ich habe bei Multicast jedoch kein Analyseinstrument zur Verfügung, kann also höchstens Stecker rein- und rausziehen und würde am liebsten antworten: „Kann ich nicht, selbst wenn ich es wollte, weil du ein dämliches, verschwenderisches Wohnzimmerprotokoll verwendest, AirPlay stinkt eben!“

Schöne neue dokumentierte Schülerwelt

Hausaufgaben? Sammle ich oft mit pseudonymisierten und nicht öffentlichen Blogs ein. Das hat entscheidende Vorteile:

  • Ich weiß schon am Abend vorher, welche Fehlerschwerpunkte in der Lerngruppe auftreten und kann für die Stunde gezielt Übungsmaterial zusammenstellen.
  • Durch das Blog bin ich nicht an Dateiformate gebunden und kann querlesen – endlich kein x-faches Geklicke mehr in der Hoffnung, dass meine Textverarbeitung das aktuelle Microsoftformat frisst.
  • Durch den Beitragszähler bei den Autorennamen weiß ich ganz genau, wer in welchem Umfang gearbeitet, bzw. die Hausaufgabe überhaupt erledigt hat.
  • Gerade für stillere SuS ist von Vorteil, dass ihre Leistungen dokumentiert sind und für die Benotung der „sonstigen Leistung“ mit herangezogen werden können. So wird niemand dafür „bestraft“ im Unterricht still zu sein.
  • Durch die Sortierung nach Autoren entstehen nach und nach Portfolios, die auch dabei helfen, SuS Entwicklungen in ihren Schreibfertigkeiten aufzuzeigen.

Herr Riecken, zu Ihrer Bloggerei mit uns, muss ich Ihnen mal ein paar Dinge sagen. Immer wenn ich eine Hausaufgabe innerhalb des Blogs erledige, fühle ich mich genötigt, das besonders zeitaufwendig und gut zu machen, weil es eben für immer und ewig dort stehenbleibt. Das kostet mich Zeit und ist im Vergleich zum normalen Heft einfach unglaublich aufwändig. Außerdem werde ich ja immer „erwischt“, wenn ich etwas nicht erledigt habe. In einer normalen Unterrichtsstunde kann ich hoffen, einfach nicht dranzukommen – es gibt neben den ganzen Hausaufgaben schließlich immer noch sowas wie ein Leben – gerade in Zeiten von G8. Zu dieser ganzen Portfolio- und „Sonstige Leistungen“-Geschichte: Machen Sie das mit allen Ihren SuS? Um Klausuren zu korrigieren, brauche Sie doch jetzt schon eher Wochen als Tage. Sie schauen sich ernsthaft für alle Ihre Schülernnen und Schüler die „Schreibentwicklung“ an? Hallo? Wachen Sie mal auf und kommen Sie in der Realität an. Kriegen Sie mal Ihre tägliche Verwaltungsarbeit in den Griff, bevor Sie hier Ihr Traumtänzerzeug mit uns machen!

Hinweis: Diese Äußerung ist fiktiv und erdacht!

Also diese Lernplattformen – einfach Klasse. Was da alles mit möglich wird! Wenn man ein richtiges Konzept besitzt, dann…

  • können wir von der Grundschule an für die weitere Schullaufbahn dokumentieren, welche Inhalte schon behandelt worden sind.
  • erhalte ich durch standardisierte Testaufgaben individualierte Rückmeldungen zu den Stärken und Schwächen der einzelnen Schülerinnen und Schüler
  • kann ich exploratives Verhalten im Netz (Chat, Blog, Wiki usw.) in einem Schutzraum entwickeln, das ist gerade für jüngere SuS wichtig.
  • entsteht strukturiert über die Jahre ein Portfolio, welches mir hilft, auf individuelle Entwicklungen einzugehen
  • werden durch die Arbeit in der Plattform alle Mitglieder einer Lerngruppe gleichermaßen aktiviert, da ja alle arbeiten und niemand sich entziehen kann.

Herr Riecken – haben Sie sich eigentlich schonmal gefragt, ob ich ständig „aktiviert“ sein will? Also wenn alle LuL mit Ihrem Ansatz arbeiten, bin ich nach 90 Minuten echt durch mit der Welt. Soviel „Aktivierung“ hält doch niemand über einen Schultag aus. Kann ich bei der Arbeit mit einer Lernplattform aus dem Fenster schauen? Kann ich auch mal „abschalten“, ohne dass das gleich „dokumentiert“ wird, weil mein Text vielleicht im Vergleich zu anderen viel zu kurz ist? Außerdem schäme ich mich manchmal auch meiner Produkte: Ich kann es einfach nicht besser und es hilft mir dann nicht, dass ich zum xten-Mal sehe, dass Josephine schon wieder den Vogel mit ihrem Produkt abgeschossen hat. Meinen Werdegang in einer Lernplattform dokumentieren, damit Sie wissen, was ich schon alles gemacht habe? Ich will nicht, dass Sie das wissen. Und wissen Sie auch warum? Nur weil da steht, dass schon etwas behandelt worden ist, ist es doch noch lange nicht von mir verstanden worden. Ich will, dass Sie es mir noch einmal erklären – nicht weil Sie lesen, dass z.B. meine Berichte schon immer großer Mist waren, sondern weil Sie mein ehrlich fragendes Gesicht im Unterricht sehen. Ich will, dass Sie mich sehen und nicht meine „Statistiken“ und „Klickraten“ und „Besuchs- und Bearbeitungszeiten. Auf dieses E-Learningzeug habe ich oft genauso wenig Bock wie auf diese blöden Lektüren. Beides ist halt Schule – nur eben einmal Schule auf dem Computer. Meinen Sie, dass ich das nicht sehr bald raffe?

Hinweis: Diese Äußerung ist fiktiv und erdacht!

Und raus aus der literarische Aufarbeitung des Themas:

  • Wie viele Stimmen von Lernenden höre wir, wenn wir über Blogs, Wikis und Lernplattformen in z.B. Fachforen diskutieren?
  • Welche Interessen haben wir und welche Interessen haben die Lernenden?
  • Wie bewältigen wir unseren Anspruch, z.B. den Aufbau, die Begleitung und die Bewertung von Portfolios?
  • Wie können wir unseren Ansprüchen, die wir im Kontext von Blog-, Wiki- und Lernplattformarbeit im Kontext des bestehenden Systems genügen?
  • Mit welchem Eindruck verlassen Lernende unsere Lerngruppen nach der Web2.0-Arbeit?
  • Wie bekommen wir den „Mehrwert“ auch für die meisten Lernenden transportiert?
  • Welche Interessen und Motivation leiten uns neben dem Willen nach qualitativer Verbesserung von Unterricht?
  • Welche „heimlichen“ Hoffnungen gibt es bei uns in diesem Kontext?

iOS, Android oder Windows8?

Ich habe ein Luxusproblem. Wir als Schule und ich als Berater stehen jetzt allmählich vor der Frage der Endgeräte. Tablets würden z.B. bei uns in der Schule nicht in einen luftleeren Raum fallen, sondern sich in ein vorhandenes Netz integrieren müssen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen Schulen, die so etwas gar nicht oder nur sehr rudimentär besitzen und daher zwingend auf das Netz der Netze angewiesen (UMTS/LTE) sind oder sich innerhalb von Klassenräumen eigene, meist Applenetze bauen müssen. Unser Netz ist schulweit angelegt und verfügbar. Jeder an der Schule bei uns besitzt:

  1. Einen eigenen Ordner, der aus dem Schulnetz oder auch über das Internet über eine Vielzahl von Protokollen lesend und schreibend zugänglich ist
  2. Zugriff auf gemeinsame Verzeichnisse
  3. Eine vollwertige E-Mailadresse
  4. Zugriff auf mehrere Netzdrucker (Man kann sogar von zu Hause aus drucken…)
  5. Zugriff auf ein flächendeckendes WLAN in der Schule (bald mit Captiveportal)
  6. Bald Zugriff auf einen Streamingserver (Filme und Audiodateien aus dem Merlinprojekt aufs Endgerät streamen)
  7. […]

Es gibt Bereiche, die sind für die allermeisten Lehrkräfte Magie – dazu gehört das gerade entstehende Captiveportal zur WLAN-Nutzung oder die WLAN-Router mit bald WPA2-Enterprise und DD-WRT mit ihrer zentralen Steuerung (das könnte man aber auch „bedienbar“ für fast jeden für teures Geld einkaufen). Der größte Bereich ist nicht „magic“, sondern würde auch noch laufen, wenn „Maik morgen vom Bus überfahren wird“ – wie ein Kollege immer gerne argumentativ in Feld führt. Das liegt daran, dass wesentliche Dienstleistungen hier extern eingekaut werden.

Das Netz wird genutzt und die Nutzung steigt kräftig – wie das Monitoring zeigt. Aber auch Art und Umfang der an mich gerichteten Anfragen geben einen guten Einblick darin, was tatsächlich alles schon gemacht wird – vieles wäre noch vor einem halben Jahr völlig undenkbar gewesen.

Kurz gefasst: Das Fundament steht – viele Schulen fangen ja eher mit dem Dach an (Endgeräte). Die Entscheidung für Endgeräte steht bei uns aber jetzt definitiv an. Das ist ein großes Problem für mich, weil Endgeräte sehr teuer im Vergleich zu Netzwerkgeräten sind. Unsere Netzkomponenten kosten umgerechnet auf die Schülerzahl lächerlich wenig.

1:1 Ausstattung ist bei uns zurzeit kein Thema. Dazu muss noch sehr viel in Fortbildung und Akzeptanz investiert werden.

Ich „vermarkte“ unser Netz bewusst nicht, indem ich über soziale Netzwerke jede Neuerung bekanntgebe. Ich möchte dafür erst noch mehr Ressourcen in die Qualifikation aller Beteiligten stecken. Oft kommt sonst nur heraus, dass bisher Analoges jetzt einfach digitalisiert wird. Das ist für mich(!) z.B. dann der Fall, wenn Arbeitsblätter ohne kollaborative Funktionen einfach 1:1 auf einem Tablet abgebildet sind und der Mehrwert eigentlich nur darin besteht, dass das Ergebnis projezierbar ist – das geht auch mit Folien und Dokumentenkameras. Weiterhin ist unsere Schule mit ihrem Netz in Niedersachsen gar nicht so etwas Besonderes – da gibt es einige mehr, die da sogar noch weiter sind. Die Mehrheit der Schulen hat aber auch deutlich(!) weniger.

Die Lage

Die Eduszene ist sich nahezu weltweit einig, dass iOS-Geräte (iPad, iPhone) der didaktische Befreiungsschlag schlechthin sind. Leichte Bedienbarkeit, hervorragende Verarbeitungsqualität, breite App-Auswahl, viele Experimente und Erfahrungen im Unterricht sind Pluspunkte, die Appleprodukte auszeichnen. Stolz sieht man Klasse um Klasse iPads auf Pressefotos  in die Höhe halten. Für Schulen, die noch kein eigenes Netz besitzen, ist die Applewelt nach meiner Meinung das Mittel der Wahl – zumindest momentan. Aber einer gewissen Größe und je nach Anforderungen kann es aber auch hier problematisch werden.

Weit im Alltag verbreitet sind Androidgeräte. Mittlerweile ist das Bedienkonzept eigentlich ganz brauchbar, es gibt vernünftige Geräte am Markt und auch die App-Auswahl kann sich mehr und mehr sehen lassen. Aus dem Bildungsbereich liest man wenig über Android. Androids bewegen sich sehr sicher im Netz, da sie sehr gut mit den dort üblichen Standards (CSS, Flash, HTML5) zurechtkommen – kein Wunder, bestimmt doch Tante Google als größter Player auf diesen Terrain kräftig mit. Mich als Techniker nervt die Updatepolitik bei Android – u.U. ist man gezwungen mit einem Gerät zu arbeiten, was nach wenigen Monaten voller Sicherheitslücken ist – in großen Netzen möchte man sowas als Administrator eher nicht sehen – das dürfte auch der Grund dafür sein, dass Android bisher nur im Consumerbereich nennenswert Fuß fassen konnte.

Mit Windows8 gibt es hingegen im Edubereich keine Erfahrungen – weder mit der Verarbeitungsqualität von Geräten, noch mit dem zugegebenermaßen sehr gewöhnungsbedürftigen Bedienkonzept, was Firmen bei Neugeräten mit Windows8 schon zu Downgradelizenzen auf den Vorgänger Windows7 treibt. Hauptargument: Mit einer Tabletoberfläche sei kaum produktives Arbeiten mit Spezialsoftware möglich. Für Schulnetze sehe ich Vorteile: Windows8 lässt sich recht leicht in bestehende Infrastrukturen einbinden (drucken, Einbindung von Netzlaufwerken usw.). Es gibt in den Professionalvarianten von je her Möglichkeiten, Geräte zentral zu steuern und zu verwalten. Für ein neues Gerät muss ich in unserem, Netz etwa 5-10 Minuten meiner Zeit für eine komplette Vorinstallation aufwenden – das dauert bei iOS-Geräten ohne zentrale Verwaltung zur Zeit deutlich länger. Es gibt von je her ein Multiusermanagement. Zusätzlich kann ich zumindest zwei Apps nebeneinander betreiben. Bei den Nicht-RT-Varianten ist das Betriebssystem nicht fest mit dem Endgerät verbunden wie bei Android oder iOS – d.h. wenn einer Linuxdistribution der große Tabletschlag gelingt, kann man z.B. wechseln.

Die fast schon religiös anmutende Aura, mit der Appleprodukte konnotiert sind, können Windows8 und Android nicht transportieren – ich stelle mir gerade vor, wie SuS stolz Win8-RT-Tablets in die Höhe halten – der Spott im Netz würde zum jetzigen Zeitpunkt wohl keine Grenzen kennen.

Was tun?

Ich habe keine Ahnung. Für ein so großes Netz wie das unsere, das im Prinzip eine Vielzahl von Geräten unterstützen würde – mit der Rahmenbedingung, keine Möglichkeiten zu 1:1 Settings zu haben, sprechen angesichts der verfügbaren Ressourcen zur Pflege der Geräte und der Anbindung an vorhandene Arbeitsabläufe zumindest für Schulgeräte alle Argumente für Windows8.

Nutzerakzeptanz würde man viel eher mit iOS-Geräten erhalten („Appleaura“), schafft sich dann aber eine Reihe von Herausforderungen bei Pflege und Verwaltung. Schulen mit rudimentären Netzen haben eigentlich kaum eine sinnvolle Alternative zu iOS (iPad), weil das Netz ja oft deswegen zu rudimentär ist, da die Ressourcen und das Wissen zum Aufbau vor Ort fehlen.

Ich löse das für mich vorerst sehr zurückhaltend mit zwei Sätzen an gebrauchten Subnotebooks für die Gruppen- und AG-Arbeit. Wie wird das eingesetzt? Welche Probleme treten auf? Ist die Bootzeit das entscheidende Problem?

LMS und die Macht des Ringes

Wir Menschen werden Twitter weiterhin auch sinnentleert und verantwortungslos nutzen. Wir werden weiterhin glauben, dass wir mit technologischem Fortschritt unsere Probleme lösen können. Wir übersehen geflissentlich, dass die Technik und Ihr Gebrauch nur der Spiegel unserer Selbst ist. Woraus wieder einmal folgt, dass wir selbst unser größtes Problem sind. Denn natürlich wäre es ungleich anstrengender und bedrohlicher, uns selbst zu fokussieren als irgendeine neue Technologie. Schließlich würde sich da doch der eine oder andere grausliche Abgrund auftun.

Andreas Zeuch in: http://www.psychophysik.com/integral-blog/?p=2151

Sigi Jakob – eine Moodleveteranin und pädagogische Expertin, wenn es um die Nutzung von Lernplattformen im Sinne einer neu zu denkenden Lernkultur geht, hat im Rahmen ihrer Keynote als Gastrednerin auf dem 2. Kölner Moodletag etwas erlebt, was sie hier eindrucksvoll aufschreibt. Sie nennt dort als Ziel des Vortrags:

Die Zielsetzung meines Vortrags war, die Zuhörer für die Notwendigkeit einer Veränderung in der Lernkultur zu sensibilisieren und aufzuzeigen, dass ein Moodlekurs allein noch keinen anderen Unterricht und anderes Lernen bewirkt.

Sigi Jakob in: http://www.school-networking.de/start/?p=857

Sigi nennt das Erlebte ein Debakel. In dem Text steckt so viel von dem, was über das Thema „Neue Technologien“ zu denken ist, dass ich gar nicht weiß, womit ich genau anfangen soll.

Also fange ich mit mir selbst an. Ich habe mich vor einigen Wochen vollkommen aus den Moodlekreisen zurückgezogen, obwohl ich mich auch mit Fug und Recht als Moodler der ersten Stunde bezeichnen könnte. Diese Entscheidung wurde katalysiert in meiner Auseinandersetzung mit Christian Grune, der das LMS itslearning in Deutschland vertreibt. Ich habe nie in meiner gesamten Moodlezeit den methodischen Reichtum einer Sigi Jakob erreicht.

Das hatte systemische Gründe (die Vollzeitmühle), technische Gründe (ich bin eher technikverliebt – Mensch, Sigi, was hätte ich für dich als Techniker erreichen können…), aber natürlich alle Dinge, die Sigi im Vorspann ihrer Reflexion beschreibt. Vor allem aber habe ich erfahren, dass andere Tools viel besser zu meiner Art des Unterrichts passen. Diese Art des Unterricht war schon da. Sie wurde nicht durch die Tools ausgelöst. Gleichwohl ist der umgekehrte Weg denkbar – die interaktiven Tafeln taugen oft als trojanisches Pferd, um Lehrende überhaupt in Kontakt mit neuen Medien zu bringen.

Jedes LMS trägt die „Macht des Ringes“ in sich. Ein LMS bietet in der Regel die Möglichkeit, Schule so zu machen, wie sie schon immer war. Das System wird auf allen Ebenen durch den Ring geknechtet werden. Die Kräfte, die dabei unter dem enormen Evaluationsdruck das Gewohnte 1:1 ins Digitale übertragen, werden sich der Kraft des Ringes nicht entziehen können.

Und dann steht man als idealistischer z.B. Moodler da und sieht sich auf einmal der gesamten Kritikbreitseite vom „Bevormundungs-“ bis zum „Kontrollsystem“ ausgesetzt – nicht weil ich das System so nutze, sondern weil die Macht des Ringes das System verführt, einfach nur den Abbildungsmodus umzuschalten, weil es alte Sicherheiten nicht tangiert – und da sind wir bei Andreas Zeuch.

Die Haltung bestimmt die Nutzung digitaler Tools, nicht die Tools die Haltung. Die Tools bilden aber recht brutal die Haltung ab. Im Idealfall ist erst die Haltung vorhanden, die für ein neues Bildungssystem die Grundlage bietet.

Wenn aber diese Haltung vorhanden ist, hege ich zurzeit ernste Zweifel daran, dass in der Schule die Toolwahl auf ein LMS fallen wird. Seine Stärken spielt ein LMS m.E. nicht im Lernprozess aus, sondern im Bereich des Austausches, der Evaluation von Lernprozessen, der Verteilung von Best-Practise-Settings. Ich wage die These, dass es ein fundamentaler Unterschied ist, ob eine Lehrkraft ein LMS alleine für sich und ein Team nutzt oder das eine ganze Schule tut.

Ein kommerzieller Anbieter lebt übrigens nicht von der Haltung. Er lebt von den Vergütungen für seine Dienstleistungen. Deswegen wirkt er im Idealfall an Haltungsbildung mit, um sein System attraktiv auf dem Markt zu positionieren. Er kann aber das eine zurzeit nicht vom anderen trennen und muss daher Produkte vermarkten.Genau wie das Bildungssystem verfügt er gar nicht über die Ressourcen zur flächendeckenden „Haltungsbildung“, wohl aber über die eine oder andere Kompetenz in diesem Bereich.

Was ist der Ausweg? Ich kenne nur Bausteine. Zum Beispiel Speck für die Skeptiker – eine große Gruppe innerhalb des Schulsystems. Sie haben wenig persönliche Vorbehalte, aber eine Menge formale. Mein Speck soll verlässliche Technik sein. Im Fahrwasser verlässlicher Technik hat die Medienberatung vom NLQ eine Menge anzubieten. Mal schauen, ob das so klappt.

RAMBO (Riecken Arbeitet Mit Blogs Online) – Folge 1

… wobei ich hoffe, dass das wirklich eine Serie und keine Eintagsfliege wird. Da nach einer Klassenarbeit noch etwas Zeit war und mir durch eine aufmerksame Person ein Flyerpaket für einen PoetrySlam-Workshop mit guten, anregenden Arbeitsvorschlägen in die Hand geflattert ist, habe ich eine klitzekleine Einheit für meine 8. Klasse dazu gebastelt. Wer PoetrySlam trotz seiner momentanen Buzzword-Macht (es zieht durch alle Deutschdidaktikhefte – Hörensagen, wirklich lesen tue ich so etwas nur zufällig) nicht kennt, sei auf YouTube-Videos wie dieses verwiesen (köstlich, für mich nach dem dritten Mal Schauen noch ein Brüller):

Nachdem wir uns ein paar Beispielsvideos (tovid ist unter Linux das absolute Tool, um jedes Video in jedem Format auf DVD zu bannen, die dann jeder Schulplayer frisst) und die Hintergrundinformationenim Flyer zu Gemüte geführt haben, ging es direkt „kalt“ in unser Klassenblog ans Schreiben und Dichten. Ich habe hier einmal vier Ergebnisse zusammengestellt, die innerhalb von ca. 40 Minuten entstanden sind – es entstehen immer noch welche, obwohl die Aktion schon mehrere Tage her ist:

Wenn die Menschen mich sehen
dann weinen sie meist.

Dann müssen sie gehen
und auch noch als Geist.
Ich gebe kein Segen
und habe kein Herz,
Ich beende das Leben
und bringe viel Schmerz.
Einer stirbt an Atemnot,
viele auch an Gehirntot.
Viele Menschen sind ertrunken,
die Titanic ist gesunken.
Manch einer stirbt an nem Tumor
oder erschlagen von Marmor.
Wiederholt verbluten Emos
Hippies spritzen sich bewusstlos.
Massenhaft Autounfälle
Im Alter zig Herzanfälle.
Das sind verschiedene Arten
wie man an verschiedenen Orten
zu Tode kommen kann.

(eine junge Poetin)

Oder das hier:

Shule die ißt gans schon schwehr
Rechschreibung besonderss ser

Die wörter die im dicktat fallehn
wehrden rischtig geschrieheben von allen

Doch ich sizz hintehn letztte reie
unnd wen ich versuchh zuh schreihbe
saggt die lererin nuhr ach du meihne
weihl kein reihm entsthet
undd die fier dehn bach runterget.
So jez fält mihr nichs mer ein
mus langsham auch mahl genugk seihn
Najaa nochh eeine rantnodiz

Rechschreibvehlerberiechtiger siind mihs
also liehbe frauu meierr
zeigenn sieh dochh mahl …
undd gehben mir ne trei!

BITTE!

(dieser junge Poet ist übrigens ansonsten extrem sicher in der deutschen Rechtschreibung)

Oder dies:

Keiner will mich essen,

so langsam werd ich braun.

Erst schneiden die mich auf und dann werd ich vergessen.

In einer Dose gammel ich jetzt vor mir hin,

langsam hab ich kein bock mehr.

Ich leckres Ding werd nicht geschätzt,

immer werd ich nur verletzt.

Mit dem Messer stachen sie hinein,

aua schrie ich, aber nein,

keiner hört mein hilfeschrei.

Aufeinmal wird es warm,

sie haben mich gefunden.

Angewiedert packen die mich an,

weg damit, bis dann!

Jetzt lieg ich in der Tonne,

hab angst das ich verronne.

Langsam werd ich schwach,

traurig geh ich ein.

Nun ist mein Leben ende,

es kriegt nicht mehr ´ne Wende.

(eine junge Poetin)

Und zuletzt dieser Text:

Was willst du man so geht das nicht

du musst mir helfen,

ich kann dass nicht.

Ich muss was machen,

was mache ich bloß,

ich habe Angst,

ich bin ein Kloß.

Ich kann nichts machen

ich muss was schaffen,

gleich werd ich gefressen,

ich muss mich mesen,

habe ich denn auch eine gute Figur,

nein ich bin ein Fettkolß pur.

So jetzt werde ich gegessen,

habe keine Hilfe ermessen.

Werde jetzt zugrunde gehen,

ohen vorher fremd zu gehen,

habe mal wieder mega Schiss

und dabei auch noch einen Riss.

Die Gabel sticht in mich hinein

und ich erleuchte im hellem Schein.

ENDE

(eine junge Poetin)

An dieser Sammlung ungeschliffener Texte lässt sich allerhand zeigen: Zur Zeit suche ich mit der Klasse Stellen, die „holprig“ klingen, und wir versuchen, Vorschläge für metrische(!) Verbesserungen zu machen. Auch möchte ich gemeinsam mit den SuS überlegen, wie und warum diese Texte „funktionieren“ und im Blog viele lobende Kommentare ausgelöst haben. Ohne Kenntnisse über Lyrik geht das natürlich nicht – beim Schreiben selbst braucht man sie nicht, aber beim Überarbeiten. Und wenn das Ergebnis danach noch mehr überzeugt, sind die SuS vielleicht beim nächsten trockenen Schillertext mehr beeindruckt oder zumindest sensibilisiert.

Die Organisation der Texte in einem Blog ist DER Effektivitätsschub – alle Texte stehen allen jederzeit zur Verfügung für Kommentare o.ä., Einbettung der eigenen Lieblingsslams für neue Ideen usw.. Gut kombinieren könnte man die Geschichte – so im G8 dafür Zeit bliebe – mit ein wenig Vortragstechnik – mal schauen.

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