AirPlay stinkt

Aus einem Forum us-amer­ka­ni­scher Uni­ver­si­täts­ad­mi­nis­tra­to­ren zu Bon­jour (Grund­la­ge von Air­Play) und Mul­ti­cast­pro­to­kol­len im All­ge­mei­nen. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten gibt es schon meh­re­re Jah­re Erfah­run­gen mit App­le­pro­duk­ten in gro­ßen Net­zen, Deutsch­land steht da noch am Anfang:

  • Broad­cast traf­fic and per­for­mance are mor­tal enemies.  Sup­porting a few users who want to do iPad mir­ro­ring, for examp­le could end up pena­li­zing pro­duc­tivi­ty for a lar­ge num­ber of users who do not par­ti­ci­pa­te.
  • Will need to sup­port a sin­gle sub­net span­ning your ent­i­re infra­st­ruc­tu­re, for both wired and wire­less devices.
  • No trou­ble­shoo­ting mecha­nism or tools to help deter­mi­ne con­nec­tivi­ty issu­es.
  • No cen­tra­li­zed moni­to­ring, manage­ment of such devices like num­ber of devices online, num­ber of devices con­nec­ted, qua­li­ty of ser­vice pro­vi­ded, etc.
  • No cen­tra­li­zed admis­si­on con­trol for tho­se devices — If you wan­ted to only allow cer­tain peop­le to be able to connect/disconnect, you could not do that
  • Litt­le Secu­ri­ty — Any device on the same sub­net can enu­me­ra­te all devices.  Anyo­ne with phy­si­cal access to a device can easi­ly pair and con­trol the device fair­ly quick­ly.
  • As the num­ber of Air­play-com­pa­ti­ble devices increa­ses on the net­work, it will be more and more dif­fi­cult for users to find and con­nect to their own devices, as the list gets lon­ger.  It will be only a mat­ter of time whe­re a naming con­ven­ti­on for iDe­vices will have to be mana­ged for tho­se users, and it pro­bab­ly would be assi­gned to an fte in IT to do so.
  • If a user deci­des to con­su­me an inor­di­na­te amount of band­width using an app­li­ca­ti­on such as video, the­re is no easy way to imme­dia­te­ly iden­ti­fy that user and con­s­trict it on the fly.

http://community.arubanetworks.com/t5/Unified-Wired-Wireless-Access/Pro-and-Con-of-AirPlay/td-p/21936

http://www.networkcomputing.com/wireless/academia-to-apple-fix-your-airplay-wirel/240003500

https://discussions.apple.com/thread/3538172?start=0&tstart=0

Etwas aus­ho­len

Zunächst ein­mal der Ver­such zu erklä­ren, was das Pro­blem an Mul­ti­cast­pro­to­kol­len wie Air­Play (und übri­gens auch DLNA) ist. Man kann sich ein Netz­werk ver­ein­facht als Post­kar­ten­ver­tei­lungs­sys­tem vor­stel­len (Netz­werk­tech­ni­ker ver­zei­hen das etwas kran­ke Bild).

uni_multicastBei Uni­cast tau­schen Sen­der und Emp­fän­ger mit­ein­an­der Post­kar­ten aus. Der Switch erkennt an Auf­kle­bern auf den Post­kar­ten, wo er sie hin­schi­cken muss. Jede Post­kar­te kommt genau dahin, wo sie einen Sinn hat.

Bei Mul­ti­cast klebt ein Sen­der fol­gen­den Auf­kle­ber auf die Post­kar­ten: „An alle Haus­hal­te mit Tages­post”. Für Tages­post muss sich jeder Emp­fän­ger expli­zit anmel­den und bekommt dann alle Post­kar­ten mit die­sem Auf­kle­ber — ob sie etwas nüt­zen oder nicht. Zudem schi­cken alle Mul­ti­cas­t­emp­fän­ger phro­phy­lak­tisch immer wie­der die gene­rel­le Nach­richt ind Netz­werk, dass sie ger­ne Tages­post hät­ten. Die­se Tages­port­struk­tur baut sich in gro­ßen Net­zen erst nach und nach auf. Der Switch kopiert die Tages­post­post­kar­ten für jeden Emp­fän­ger, der signa­li­siert, dass er sie ger­ne hät­te und schickt sie auch dahin.

Was bei zwei Emp­fän­gern noch pri­ma klappt, kann bei vie­len Emp­fän­gern zum Pro­blem wer­den, da ein Groß­teil der Kapa­zi­tät des Net­zes hin­ter einem Switch dann irgend­wann durch Tages­post ver­stopft ist — wie der hei­mi­sche Brief­kas­ten zu Hau­se. Außer­dem klagt der Brief­trä­ger zwi­schen dem Sen­der und dem Switch bald über Rücken­schmer­zen und macht sei­ne Arbeit nur noch, so gut es eben geht — zudem haben hat für ihn Tages­post nicht unbe­dingt Vor­rang vor „rich­ti­ger” Post und er fängt an, Tages­post in die Bota­nik zu wer­fen.

Typi­sche Pro­ble­me mit Air­Play

Daher gibt es mit Air­Play in gro­ßen Net­zen sehr typi­sche Pro­ble­me (mit DLNA eher weni­ger, aber das ist eine ande­re Geschich­te):

  1. Die Gerä­te fin­den sich anfangs nicht (die Mul­ti­cast­struk­tur ist von den Swit­chen noch nicht auf­ge­baut)
  2. Die Wie­der­ga­be stockt (das gesam­te von Mul­ti­cast betrof­fe­ne Netz­seg­ment ist über­las­tet von Tages­post)
  3. Die Gerä­te fin­den sich nach einer Wei­le nicht mehr (der Brief­trä­ger wirft aus Ver­zweif­lung Tages­post in die Bota­nik)

Nichts davon ist durch den Nut­zer oder dem Admi­nis­tra­tor in irgend­ei­ner Form beein­fluss­bar! Damit erkauft man sich die Bequem­lich­keit von Air­Play.

Und jetzt die Über­set­zung der obi­gen Foren­aus­zu­ges:

  • Tages­post und Per­for­mance sind töd­li­che Fein­de.  Wenn man weni­gen iPad-Usern die Mög­lich­keit gibt, ihre Anzei­gen zu spie­geln, sind davon vie­le Unbe­tei­lig­te im glei­chen Netz­seg­ment betrof­fen.

  • Man muss die Netz­seg­men­te, die für Mul­ti­cast genutzt wer­den sol­len, mög­lichst klein hal­ten, sowohl für WLAN- als auch für LAN-betrie­be­ne Gerä­te

  • Es gibt kei­ne Tools, um Ver­bin­dungs­pro­ble­me zwi­schen Gerä­ten ein­zu­gren­zen

  • Man kann Tages­post nicht zen­tral über­wa­chen, um hin­sicht­lich von z.B. Per­for­mance­pro­ble­men zu opti­mie­ren

  • Man kann den Zugriff auf Tages­post nicht nut­zer- oder rech­te­be­zo­gen steu­ern

  • Es gibt kei­ne Sicher­heits­me­cha­nis­men. Das letz­te Gerät gewinnt immer.

  • Je mehr Gerä­te sich im glei­chen Netz­werk befin­den, des­to län­ger wird die Lis­te für die mög­li­chen Anzei­ge­ge­rä­te. Ori­en­tie­ren­de Namens­kon­ven­tio­nen sind für Pri­vat­ge­rä­te nicht sinn­voll durch­setz­bar.

  • Wenn ein Benut­zer viel Band­brei­te für sich bean­sprucht, gibt es kei­nen Weg, das Pro­blem näher zu loka­li­sie­ren.

 

Also bei mir in der Klas­se klappt das doch wun­der­bar!

Ja! Es klappt auch im Wohn­zim­mer zu Hau­se. Die meis­ten Lehr­kräf­te span­nen für die Arbeit mit Air­Play ein eige­nes Netz im Klas­sen­raum auf, z.B. durch einen Air­Port-Extre­me (jeder ande­re Dual­band­rou­ter wür­de es übri­gens auch tun).  Rou­ter trans­por­tie­ren im Gegen­satz zu Swit­chen kei­ne Tages­post in ein ande­res Netz.

Ziel soll­te aber doch sein, dass das nicht die Lehr­kraft, son­dern ein Tech­no­lo­gie­part­ner tut. Vie­le Sub­net­ze sind wie­der­um war­tungs­auf­wän­dig und ste­hen dem Anspruch einer kos­ten­güns­ti­gen, zen­tra­len War­tung dia­me­tral ent­ge­gen.

Wenn ich die Auf­ga­be bekä­me, für eine gan­ze Schu­le oder auch nur einen Gebäu­de­teil, Air­Play zer­ver­läs­sig zu garan­tie­ren, müss­te ich sehr teu­re Gerä­te und viel War­tungs­auf­wand pro­jek­tie­ren. Denn es wird auch in klei­nen Net­zen immer mal wie­der spon­tan „nicht gehen” — das ist band­brei­ten­ab­hän­gig. Da es kei­ne Feh­ler­dia­gno­se­mög­lich­keit gibt, ist Feh­ler­be­he­bung nur wie zu guten, alten Win­dows­zei­ten nur per Pass&Fail mög­lich.

Bes­ser wäre aus Admi­nis­tra­to­ren­sicht eine Wei­ter­ent­wick­lung des Air­Play­pro­to­kolls, sodass es auch für Enter­pri­se­um­ge­bun­gen taugt. Ich als Admin­sis­tra­tor bekom­me näm­lich jetzt im Feh­ler­fall die Anfor­de­rung „Geht nicht (ist ja dein blö­des Netz, vorher/zu Hau­se ging’s ja immer!), mach’s heil, Maik!” Ich habe bei Mul­ti­cast jedoch kein Ana­ly­se­instru­ment zur Ver­fü­gung, kann also höchs­tens Ste­cker rein- und raus­zie­hen und wür­de am liebs­ten ant­wor­ten: „Kann ich nicht, selbst wenn ich es woll­te, weil du ein däm­li­ches, ver­schwen­de­ri­sches Wohn­zim­mer­pro­to­koll ver­wen­dest, Air­Play stinkt eben!”

Schöne neue dokumentierte Schülerwelt

Haus­auf­ga­ben? Samm­le ich oft mit pseud­ony­mi­sier­ten und nicht öffent­li­chen Blogs ein. Das hat ent­schei­den­de Vor­tei­le:

  • Ich weiß schon am Abend vor­her, wel­che Feh­ler­schwer­punk­te in der Lern­grup­pe auf­tre­ten und kann für die Stun­de gezielt Übungs­ma­te­ri­al zusam­men­stel­len.
  • Durch das Blog bin ich nicht an Datei­for­ma­te gebun­den und kann quer­le­sen — end­lich kein x-faches Gekli­cke mehr in der Hoff­nung, dass mei­ne Text­ver­ar­bei­tung das aktu­el­le Micro­soft­for­mat frisst.
  • Durch den Bei­trags­zäh­ler bei den Auto­ren­na­men weiß ich ganz genau, wer in wel­chem Umfang gear­bei­tet, bzw. die Haus­auf­ga­be über­haupt erle­digt hat.
  • Gera­de für stil­le­re SuS ist von Vor­teil, dass ihre Leis­tun­gen doku­men­tiert sind und für die Beno­tung der „sons­ti­gen Leis­tung” mit her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen. So wird nie­mand dafür „bestraft” im Unter­richt still zu sein.
  • Durch die Sor­tie­rung nach Auto­ren ent­ste­hen nach und nach Port­fo­li­os, die auch dabei hel­fen, SuS Ent­wick­lun­gen in ihren Schreib­fer­tig­kei­ten auf­zu­zei­gen.

Herr Riecken, zu Ihrer Blog­ge­rei mit uns, muss ich Ihnen mal ein paar Din­ge sagen. Immer wenn ich eine Haus­auf­ga­be inner­halb des Blogs erle­di­ge, füh­le ich mich genö­tigt, das beson­ders zeit­auf­wen­dig und gut zu machen, weil es eben für immer und ewig dort ste­hen­bleibt. Das kos­tet mich Zeit und ist im Ver­gleich zum nor­ma­len Heft ein­fach unglaub­lich auf­wän­dig. Außer­dem wer­de ich ja immer „erwischt”, wenn ich etwas nicht erle­digt habe. In einer nor­ma­len Unter­richts­stun­de kann ich hof­fen, ein­fach nicht dran­zu­kom­men — es gibt neben den gan­zen Haus­auf­ga­ben schließ­lich immer noch sowas wie ein Leben — gera­de in Zei­ten von G8. Zu die­ser gan­zen Port­fo­lio- und „Sons­ti­ge Leistungen”-Geschichte: Machen Sie das mit allen Ihren SuS? Um Klau­su­ren zu kor­ri­gie­ren, brau­che Sie doch jetzt schon eher Wochen als Tage. Sie schau­en sich ernst­haft für alle Ihre Schü­lern­nen und Schü­ler die „Schreib­ent­wick­lung” an? Hal­lo? Wachen Sie mal auf und kom­men Sie in der Rea­li­tät an. Krie­gen Sie mal Ihre täg­li­che Ver­wal­tungs­ar­beit in den Griff, bevor Sie hier Ihr Traum­tänz­erzeug mit uns machen!

Hin­weis: Die­se Äuße­rung ist fik­tiv und erdacht!

Also die­se Lern­platt­for­men — ein­fach Klas­se. Was da alles mit mög­lich wird! Wenn man ein rich­ti­ges Kon­zept besitzt, dann…

  • kön­nen wir von der Grund­schu­le an für die wei­te­re Schul­lauf­bahn doku­men­tie­ren, wel­che Inhal­te schon behan­delt wor­den sind.
  • erhal­te ich durch stan­dar­di­sier­te Test­auf­ga­ben indi­vi­dua­lier­te Rück­mel­dun­gen zu den Stär­ken und Schwä­chen der ein­zel­nen Schü­le­rin­nen und Schü­ler
  • kann ich explo­ra­ti­ves Ver­hal­ten im Netz (Chat, Blog, Wiki usw.) in einem Schutz­raum ent­wi­ckeln, das ist gera­de für jün­ge­re SuS wich­tig.
  • ent­steht struk­tu­riert über die Jah­re ein Port­fo­lio, wel­ches mir hilft, auf indi­vi­du­el­le Ent­wick­lun­gen ein­zu­ge­hen
  • wer­den durch die Arbeit in der Platt­form alle Mit­glie­der einer Lern­grup­pe glei­cher­ma­ßen akti­viert, da ja alle arbei­ten und nie­mand sich ent­zie­hen kann.

Herr Riecken — haben Sie sich eigent­lich schon­mal gefragt, ob ich stän­dig „akti­viert” sein will? Also wenn alle LuL mit Ihrem Ansatz arbei­ten, bin ich nach 90 Minu­ten echt durch mit der Welt. Soviel „Akti­vie­rung” hält doch nie­mand über einen Schul­tag aus. Kann ich bei der Arbeit mit einer Lern­platt­form aus dem Fens­ter schau­en? Kann ich auch mal „abschal­ten”, ohne dass das gleich „doku­men­tiert” wird, weil mein Text viel­leicht im Ver­gleich zu ande­ren viel zu kurz ist? Außer­dem schä­me ich mich manch­mal auch mei­ner Pro­duk­te: Ich kann es ein­fach nicht bes­ser und es hilft mir dann nicht, dass ich zum xten-Mal sehe, dass Jose­phi­ne schon wie­der den Vogel mit ihrem Pro­dukt abge­schos­sen hat. Mei­nen Wer­de­gang in einer Lern­platt­form doku­men­tie­ren, damit Sie wis­sen, was ich schon alles gemacht habe? Ich will nicht, dass Sie das wis­sen. Und wis­sen Sie auch war­um? Nur weil da steht, dass schon etwas behan­delt wor­den ist, ist es doch noch lan­ge nicht von mir ver­stan­den wor­den. Ich will, dass Sie es mir noch ein­mal erklä­ren — nicht weil Sie lesen, dass z.B. mei­ne Berich­te schon immer gro­ßer Mist waren, son­dern weil Sie mein ehr­lich fra­gen­des Gesicht im Unter­richt sehen. Ich will, dass Sie mich sehen und nicht mei­ne „Sta­tis­ti­ken” und „Klick­ra­ten” und „Besuchs- und Bear­bei­tungs­zei­ten. Auf die­ses E-Learning­zeug habe ich oft genau­so wenig Bock wie auf die­se blö­den Lek­tü­ren. Bei­des ist halt Schu­le — nur eben ein­mal Schu­le auf dem Com­pu­ter. Mei­nen Sie, dass ich das nicht sehr bald raf­fe?

Hin­weis: Die­se Äuße­rung ist fik­tiv und erdacht!

Und raus aus der lite­ra­ri­sche Auf­ar­bei­tung des The­mas:

  • Wie vie­le Stim­men von Ler­nen­den höre wir, wenn wir über Blogs, Wikis und Lern­platt­for­men in z.B. Fach­fo­ren dis­ku­tie­ren?
  • Wel­che Inter­es­sen haben wir und wel­che Inter­es­sen haben die Ler­nen­den?
  • Wie bewäl­ti­gen wir unse­ren Anspruch, z.B. den Auf­bau, die Beglei­tung und die Bewer­tung von Port­fo­li­os?
  • Wie kön­nen wir unse­ren Ansprü­chen, die wir im Kon­text von Blog-, Wiki- und Lern­platt­form­ar­beit im Kon­text des bestehen­den Sys­tems genü­gen?
  • Mit wel­chem Ein­druck ver­las­sen Ler­nen­de unse­re Lern­grup­pen nach der Web2.0-Arbeit?
  • Wie bekom­men wir den „Mehr­wert” auch für die meis­ten Ler­nen­den trans­por­tiert?
  • Wel­che Inter­es­sen und Moti­va­ti­on lei­ten uns neben dem Wil­len nach qua­li­ta­ti­ver Ver­bes­se­rung von Unter­richt?
  • Wel­che „heim­li­chen” Hoff­nun­gen gibt es bei uns in die­sem Kon­text?

iOS, Android oder Windows8?

Ich habe ein Luxus­pro­blem. Wir als Schu­le und ich als Bera­ter ste­hen jetzt all­mäh­lich vor der Fra­ge der End­ge­rä­te. Tablets wür­den z.B. bei uns in der Schu­le nicht in einen luft­lee­ren Raum fal­len, son­dern sich in ein vor­han­de­nes Netz inte­grie­ren müs­sen. Das ist ein wesent­li­cher Unter­schied zu ande­ren Schu­len, die so etwas gar nicht oder nur sehr rudi­men­tär besit­zen und daher zwin­gend auf das Netz der Net­ze ange­wie­sen (UMTS/LTE) sind oder sich inner­halb von Klas­sen­räu­men eige­ne, meist App­le­net­ze bau­en müs­sen. Unser Netz ist schul­weit ange­legt und ver­füg­bar. Jeder an der Schu­le bei uns besitzt:

  1. Einen eige­nen Ord­ner, der aus dem Schul­netz oder auch über das Inter­net über eine Viel­zahl von Pro­to­kol­len lesend und schrei­bend zugäng­lich ist
  2. Zugriff auf gemein­sa­me Ver­zeich­nis­se
  3. Eine voll­wer­ti­ge E-Mail­adres­se
  4. Zugriff auf meh­re­re Netz­dru­cker (Man kann sogar von zu Hau­se aus dru­cken…)
  5. Zugriff auf ein flä­chen­de­cken­des WLAN in der Schu­le (bald mit Cap­ti­ve­por­tal)
  6. Bald Zugriff auf einen Strea­ming­ser­ver (Fil­me und Audio­da­tei­en aus dem Mer­lin­pro­jekt aufs End­ge­rät strea­men)
  7. […]

Es gibt Berei­che, die sind für die aller­meis­ten Lehr­kräf­te Magie — dazu gehört das gera­de ent­ste­hen­de Cap­ti­ve­por­tal zur WLAN-Nut­zung oder die WLAN-Rou­ter mit bald WPA2-Enter­pri­se und DD-WRT mit ihrer zen­tra­len Steue­rung (das könn­te man aber auch „bedien­bar” für fast jeden für teu­res Geld ein­kau­fen). Der größ­te Bereich ist nicht „magic”, son­dern wür­de auch noch lau­fen, wenn „Maik mor­gen vom Bus über­fah­ren wird” — wie ein Kol­le­ge immer ger­ne argu­men­ta­tiv in Feld führt. Das liegt dar­an, dass wesent­li­che Dienst­leis­tun­gen hier extern ein­ge­kaut wer­den.

Das Netz wird genutzt und die Nut­zung steigt kräf­tig — wie das Moni­to­ring zeigt. Aber auch Art und Umfang der an mich gerich­te­ten Anfra­gen geben einen guten Ein­blick dar­in, was tat­säch­lich alles schon gemacht wird — vie­les wäre noch vor einem hal­ben Jahr völ­lig undenk­bar gewe­sen.

Kurz gefasst: Das Fun­da­ment steht — vie­le Schu­len fan­gen ja eher mit dem Dach an (End­ge­rä­te). Die Ent­schei­dung für End­ge­rä­te steht bei uns aber jetzt defi­ni­tiv an. Das ist ein gro­ßes Pro­blem für mich, weil End­ge­rä­te sehr teu­er im Ver­gleich zu Netz­werk­ge­rä­ten sind. Unse­re Netz­kom­po­nen­ten kos­ten umge­rech­net auf die Schü­ler­zahl lächer­lich wenig.

1:1 Aus­stat­tung ist bei uns zur­zeit kein The­ma. Dazu muss noch sehr viel in Fort­bil­dung und Akzep­tanz inves­tiert wer­den.

Ich „ver­mark­te” unser Netz bewusst nicht, indem ich über sozia­le Netz­wer­ke jede Neue­rung bekannt­ge­be. Ich möch­te dafür erst noch mehr Res­sour­cen in die Qua­li­fi­ka­ti­on aller Betei­lig­ten ste­cken. Oft kommt sonst nur her­aus, dass bis­her Ana­lo­ges jetzt ein­fach digi­ta­li­siert wird. Das ist für mich(!) z.B. dann der Fall, wenn Arbeits­blät­ter ohne kol­la­bo­ra­ti­ve Funk­tio­nen ein­fach 1:1 auf einem Tablet abge­bil­det sind und der Mehr­wert eigent­lich nur dar­in besteht, dass das Ergeb­nis pro­je­zier­bar ist — das geht auch mit Foli­en und Doku­men­ten­ka­me­ras. Wei­ter­hin ist unse­re Schu­le mit ihrem Netz in Nie­der­sach­sen gar nicht so etwas Beson­de­res — da gibt es eini­ge mehr, die da sogar noch wei­ter sind. Die Mehr­heit der Schu­len hat aber auch deut­lich(!) weni­ger.

Die Lage

Die Edu­sze­ne ist sich nahe­zu welt­weit einig, dass iOS-Gerä­te (iPad, iPho­ne) der didak­ti­sche Befrei­ungs­schlag schlecht­hin sind. Leich­te Bedien­bar­keit, her­vor­ra­gen­de Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät, brei­te App-Aus­wahl, vie­le Expe­ri­men­te und Erfah­run­gen im Unter­richt sind Plus­punk­te, die App­le­pro­duk­te aus­zeich­nen. Stolz sieht man Klas­se um Klas­se iPads auf Pres­se­fo­tos  in die Höhe hal­ten. Für Schu­len, die noch kein eige­nes Netz besit­zen, ist die App­le­welt nach mei­ner Mei­nung das Mit­tel der Wahl — zumin­dest momen­tan. Aber einer gewis­sen Grö­ße und je nach Anfor­de­run­gen kann es aber auch hier pro­ble­ma­tisch wer­den.

Weit im All­tag ver­brei­tet sind Andro­id­ge­rä­te. Mitt­ler­wei­le ist das Bedien­kon­zept eigent­lich ganz brauch­bar, es gibt ver­nünf­ti­ge Gerä­te am Markt und auch die App-Aus­wahl kann sich mehr und mehr sehen las­sen. Aus dem Bil­dungs­be­reich liest man wenig über Andro­id. Andro­ids bewe­gen sich sehr sicher im Netz, da sie sehr gut mit den dort übli­chen Stan­dards (CSS, Flash, HTML5) zurecht­kom­men — kein Wun­der, bestimmt doch Tan­te Goog­le als größ­ter Play­er auf die­sen Ter­rain kräf­tig mit. Mich als Tech­ni­ker nervt die Update­po­li­tik bei Andro­id — u.U. ist man gezwun­gen mit einem Gerät zu arbei­ten, was nach weni­gen Mona­ten vol­ler Sicher­heits­lü­cken ist — in gro­ßen Net­zen möch­te man sowas als Admi­nis­tra­tor eher nicht sehen — das dürf­te auch der Grund dafür sein, dass Andro­id bis­her nur im Con­su­mer­be­reich nen­nens­wert Fuß fas­sen konn­te.

Mit Windows8 gibt es hin­ge­gen im Edu­be­reich kei­ne Erfah­run­gen — weder mit der Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät von Gerä­ten, noch mit dem zuge­ge­be­ner­ma­ßen sehr gewöh­nungs­be­dürf­ti­gen Bedien­kon­zept, was Fir­men bei Neu­ge­rä­ten mit Windows8 schon zu Down­gra­de­li­zen­zen auf den Vor­gän­ger Windows7 treibt. Haupt­ar­gu­ment: Mit einer Table­t­o­ber­flä­che sei kaum pro­duk­ti­ves Arbei­ten mit Spe­zi­al­soft­ware mög­lich. Für Schul­net­ze sehe ich Vor­tei­le: Windows8 lässt sich recht leicht in bestehen­de Infra­struk­tu­ren ein­bin­den (dru­cken, Ein­bin­dung von Netz­lauf­wer­ken usw.). Es gibt in den Pro­fes­sio­nal­va­ri­an­ten von je her Mög­lich­kei­ten, Gerä­te zen­tral zu steu­ern und zu ver­wal­ten. Für ein neu­es Gerät muss ich in unse­rem, Netz etwa 5–10 Minu­ten mei­ner Zeit für eine kom­plet­te Vor­in­stal­la­ti­on auf­wen­den — das dau­ert bei iOS-Gerä­ten ohne zen­tra­le Ver­wal­tung zur Zeit deut­lich län­ger. Es gibt von je her ein Mul­ti­user­ma­nage­ment. Zusätz­lich kann ich zumin­dest zwei Apps neben­ein­an­der betrei­ben. Bei den Nicht-RT-Vari­an­ten ist das Betriebs­sys­tem nicht fest mit dem End­ge­rät ver­bun­den wie bei Andro­id oder iOS — d.h. wenn einer Linux­dis­tri­bu­ti­on der gro­ße Tablet­schlag gelingt, kann man z.B. wech­seln.

Die fast schon reli­gi­ös anmu­ten­de Aura, mit der App­le­pro­duk­te kon­no­tiert sind, kön­nen Windows8 und Andro­id nicht trans­por­tie­ren — ich stel­le mir gera­de vor, wie SuS stolz Win8-RT-Tablets in die Höhe hal­ten — der Spott im Netz wür­de zum jet­zi­gen Zeit­punkt wohl kei­ne Gren­zen ken­nen.

Was tun?

Ich habe kei­ne Ahnung. Für ein so gro­ßes Netz wie das unse­re, das im Prin­zip eine Viel­zahl von Gerä­ten unter­stüt­zen wür­de — mit der Rah­men­be­din­gung, kei­ne Mög­lich­kei­ten zu 1:1 Set­tings zu haben, spre­chen ange­sichts der ver­füg­ba­ren Res­sour­cen zur Pfle­ge der Gerä­te und der Anbin­dung an vor­han­de­ne Arbeits­ab­läu­fe zumin­dest für Schul­ge­rä­te alle Argu­men­te für Windows8.

Nut­zer­ak­zep­tanz wür­de man viel eher mit iOS-Gerä­ten erhal­ten („App­leau­ra”), schafft sich dann aber eine Rei­he von Her­aus­for­de­run­gen bei Pfle­ge und Ver­wal­tung. Schu­len mit rudi­men­tä­ren Net­zen haben eigent­lich kaum eine sinn­vol­le Alter­na­ti­ve zu iOS (iPad), weil das Netz ja oft des­we­gen zu rudi­men­tär ist, da die Res­sour­cen und das Wis­sen zum Auf­bau vor Ort feh­len.

Ich löse das für mich vor­erst sehr zurück­hal­tend mit zwei Sät­zen an gebrauch­ten Sub­note­books für die Grup­pen- und AG-Arbeit. Wie wird das ein­ge­setzt? Wel­che Pro­ble­me tre­ten auf? Ist die Boot­zeit das ent­schei­den­de Pro­blem?

LMS und die Macht des Ringes

Wir Men­schen wer­den Twit­ter wei­ter­hin auch sinn­ent­leert und ver­ant­wor­tungs­los nut­zen. Wir wer­den wei­ter­hin glau­ben, dass wir mit tech­no­lo­gi­schem Fort­schritt unse­re Pro­ble­me lösen kön­nen. Wir über­se­hen geflis­sent­lich, dass die Tech­nik und Ihr Gebrauch nur der Spie­gel unse­rer Selbst ist. Wor­aus wie­der ein­mal folgt, dass wir selbst unser größ­tes Pro­blem sind. Denn natür­lich wäre es ungleich anstren­gen­der und bedroh­li­cher, uns selbst zu fokus­sie­ren als irgend­ei­ne neue Tech­no­lo­gie. Schließ­lich wür­de sich da doch der eine oder ande­re graus­li­che Abgrund auf­tun.

Andre­as Zeuch in: http://www.psychophysik.com/integral-blog/?p=2151

Sigi Jakob — eine Mood­le­ve­te­ra­nin und päd­ago­gi­sche Exper­tin, wenn es um die Nut­zung von Lern­platt­for­men im Sin­ne einer neu zu den­ken­den Lern­kul­tur geht, hat im Rah­men ihrer Key­note als Gast­red­ne­rin auf dem 2. Köl­ner Mood­le­tag etwas erlebt, was sie hier ein­drucks­voll auf­schreibt. Sie nennt dort als Ziel des Vor­trags:

Die Ziel­set­zung mei­nes Vor­trags war, die Zuhö­rer für die Not­wen­dig­keit einer Ver­än­de­rung in der Lern­kul­tur zu sen­si­bi­li­sie­ren und auf­zu­zei­gen, dass ein Mood­le­kurs allein noch kei­nen ande­ren Unter­richt und ande­res Ler­nen bewirkt.

Sigi Jakob in: http://www.school-networking.de/start/?p=857

Sigi nennt das Erleb­te ein Deba­kel. In dem Text steckt so viel von dem, was über das The­ma „Neue Tech­no­lo­gi­en” zu den­ken ist, dass ich gar nicht weiß, womit ich genau anfan­gen soll.

Also fan­ge ich mit mir selbst an. Ich habe mich vor eini­gen Wochen voll­kom­men aus den Mood­le­krei­sen zurück­ge­zo­gen, obwohl ich mich auch mit Fug und Recht als Mood­ler der ers­ten Stun­de bezeich­nen könn­te. Die­se Ent­schei­dung wur­de kata­ly­siert in mei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit Chris­ti­an Gru­ne, der das LMS its­le­arning in Deutsch­land ver­treibt. Ich habe nie in mei­ner gesam­ten Mood­le­zeit den metho­di­schen Reich­tum einer Sigi Jakob erreicht.

Das hat­te sys­te­mi­sche Grün­de (die Voll­zeit­müh­le), tech­ni­sche Grün­de (ich bin eher tech­nik­ver­liebt — Mensch, Sigi, was hät­te ich für dich als Tech­ni­ker errei­chen kön­nen…), aber natür­lich alle Din­ge, die Sigi im Vor­spann ihrer Refle­xi­on beschreibt. Vor allem aber habe ich erfah­ren, dass ande­re Tools viel bes­ser zu mei­ner Art des Unter­richts pas­sen. Die­se Art des Unter­richt war schon da. Sie wur­de nicht durch die Tools aus­ge­löst. Gleich­wohl ist der umge­kehr­te Weg denk­bar — die inter­ak­ti­ven Tafeln tau­gen oft als tro­ja­ni­sches Pferd, um Leh­ren­de über­haupt in Kon­takt mit neu­en Medi­en zu brin­gen.

Jedes LMS trägt die „Macht des Rin­ges” in sich. Ein LMS bie­tet in der Regel die Mög­lich­keit, Schu­le so zu machen, wie sie schon immer war. Das Sys­tem wird auf allen Ebe­nen durch den Ring geknech­tet wer­den. Die Kräf­te, die dabei unter dem enor­men Eva­lua­ti­ons­druck das Gewohn­te 1:1 ins Digi­ta­le über­tra­gen, wer­den sich der Kraft des Rin­ges nicht ent­zie­hen kön­nen.

Und dann steht man als idea­lis­ti­scher z.B. Mood­ler da und sieht sich auf ein­mal der gesam­ten Kri­tik­breit­sei­te vom „Bevor­mun­dungs-” bis zum „Kon­troll­sys­tem” aus­ge­setzt — nicht weil ich das Sys­tem so nut­ze, son­dern weil die Macht des Rin­ges das Sys­tem ver­führt, ein­fach nur den Abbil­dungs­mo­dus umzu­schal­ten, weil es alte Sicher­hei­ten nicht tan­giert — und da sind wir bei Andre­as Zeuch.

Die Hal­tung bestimmt die Nut­zung digi­ta­ler Tools, nicht die Tools die Hal­tung. Die Tools bil­den aber recht bru­tal die Hal­tung ab. Im Ide­al­fall ist erst die Hal­tung vor­han­den, die für ein neu­es Bil­dungs­sys­tem die Grund­la­ge bie­tet.

Wenn aber die­se Hal­tung vor­han­den ist, hege ich zur­zeit erns­te Zwei­fel dar­an, dass in der Schu­le die Tool­wahl auf ein LMS fal­len wird. Sei­ne Stär­ken spielt ein LMS m.E. nicht im Lern­pro­zess aus, son­dern im Bereich des Aus­tau­sches, der Eva­lua­ti­on von Lern­pro­zes­sen, der Ver­tei­lung von Best-Prac­tise-Set­tings. Ich wage die The­se, dass es ein fun­da­men­ta­ler Unter­schied ist, ob eine Lehr­kraft ein LMS allei­ne für sich und ein Team nutzt oder das eine gan­ze Schu­le tut.

Ein kom­mer­zi­el­ler Anbie­ter lebt übri­gens nicht von der Hal­tung. Er lebt von den Ver­gü­tun­gen für sei­ne Dienst­leis­tun­gen. Des­we­gen wirkt er im Ide­al­fall an Hal­tungs­bil­dung mit, um sein Sys­tem attrak­tiv auf dem Markt zu posi­tio­nie­ren. Er kann aber das eine zur­zeit nicht vom ande­ren tren­nen und muss daher Pro­duk­te vermarkten.Genau wie das Bil­dungs­sys­tem ver­fügt er gar nicht über die Res­sour­cen zur flä­chen­de­cken­den „Hal­tungs­bil­dung”, wohl aber über die eine oder ande­re Kom­pe­tenz in die­sem Bereich.

Was ist der Aus­weg? Ich ken­ne nur Bau­stei­ne. Zum Bei­spiel Speck für die Skep­ti­ker — eine gro­ße Grup­pe inner­halb des Schul­sys­tems. Sie haben wenig per­sön­li­che Vor­be­hal­te, aber eine Men­ge for­ma­le. Mein Speck soll ver­läss­li­che Tech­nik sein. Im Fahr­was­ser ver­läss­li­cher Tech­nik hat die Medi­en­be­ra­tung vom NLQ eine Men­ge anzu­bie­ten. Mal schau­en, ob das so klappt.

RAMBO (Riecken Arbeitet Mit Blogs Online) — Folge 1

… wobei ich hof­fe, dass das wirk­lich eine Serie und kei­ne Ein­tags­flie­ge wird. Da nach einer Klas­sen­ar­beit noch etwas Zeit war und mir durch eine auf­merk­sa­me Per­son ein Fly­er­pa­ket für einen Poe­tryS­lam-Work­shop mit guten, anre­gen­den Arbeits­vor­schlä­gen in die Hand geflat­tert ist, habe ich eine klit­ze­klei­ne Ein­heit für mei­ne 8. Klas­se dazu gebas­telt. Wer Poe­tryS­lam trotz sei­ner momen­ta­nen Buz­zword-Macht (es zieht durch alle Deutsch­di­dak­tik­hef­te — Hören­sa­gen, wirk­lich lesen tue ich so etwas nur zufäl­lig) nicht kennt, sei auf You­Tube-Vide­os wie die­ses ver­wie­sen (köst­lich, für mich nach dem drit­ten Mal Schau­en noch ein Brül­ler):

Nach­dem wir uns ein paar Bei­spiels­vi­de­os (tovid ist unter Linux das abso­lu­te Tool, um jedes Video in jedem For­mat auf DVD zu ban­nen, die dann jeder Schul­play­er frisst) und die Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen­im Fly­er zu Gemü­te geführt haben, ging es direkt „kalt” in unser Klas­sen­blog ans Schrei­ben und Dich­ten. Ich habe hier ein­mal vier Ergeb­nis­se zusam­men­ge­stellt, die inner­halb von ca. 40 Minu­ten ent­stan­den sind — es ent­ste­hen immer noch wel­che, obwohl die Akti­on schon meh­re­re Tage her ist:

Wenn die Men­schen mich sehen
dann wei­nen sie meist.

Dann müs­sen sie gehen
und auch noch als Geist.
Ich gebe kein Segen
und habe kein Herz,
Ich been­de das Leben
und brin­ge viel Schmerz.
Einer stirbt an Atem­not,
vie­le auch an Gehirn­tot.
Vie­le Men­schen sind ertrun­ken,
die Tita­nic ist gesun­ken.
Manch einer stirbt an nem Tumor
oder erschla­gen von Mar­mor.
Wie­der­holt ver­blu­ten Emos
Hip­pies sprit­zen sich bewusst­los.
Mas­sen­haft Auto­un­fäl­le
Im Alter zig Herz­an­fäl­le.
Das sind ver­schie­de­ne Arten
wie man an ver­schie­de­nen Orten
zu Tode kom­men kann.

(eine jun­ge Poe­tin)

Oder das hier:

Shu­le die ißt gans schon schwehr
Rech­schrei­bung beson­derss ser

Die wör­ter die im dick­tat fal­lehn
wehr­den risch­tig geschrie­he­ben von allen

Doch ich sizz hin­tehn letzt­te reie
unnd wen ich ver­suchh zuh schreih­be
saggt die lere­rin nuhr ach du meih­ne
weihl kein reihm ents­thet
undd die fier dehn bach run­ter­get.
So jez fält mihr nichs mer ein
mus lang­sham auch mahl genugk seihn
Najaa nochh eei­ne rant­nodiz

Rech­schreib­veh­ler­be­riech­ti­ger siind mihs
also lieh­be frauu mei­err
zei­genn sieh dochh mahl …
undd geh­ben mir ne trei!

BITTE!

(die­ser jun­ge Poet ist übri­gens ansons­ten extrem sicher in der deut­schen Recht­schrei­bung)

Oder dies:

Kei­ner will mich essen,

so lang­sam werd ich braun.

Erst schnei­den die mich auf und dann werd ich ver­ges­sen.

In einer Dose gam­mel ich jetzt vor mir hin,

lang­sam hab ich kein bock mehr.

Ich leck­res Ding werd nicht geschätzt,

immer werd ich nur ver­letzt.

Mit dem Mes­ser sta­chen sie hin­ein,

aua schrie ich, aber nein,

kei­ner hört mein hil­fe­schrei.

Auf­ein­mal wird es warm,

sie haben mich gefun­den.

Ange­wie­dert packen die mich an,

weg damit, bis dann!

Jetzt lieg ich in der Ton­ne,

hab angst das ich ver­ron­ne.

Lang­sam werd ich schwach,

trau­rig geh ich ein.

Nun ist mein Leben ende,

es kriegt nicht mehr ´ne Wen­de.

(eine jun­ge Poe­tin)

Und zuletzt die­ser Text:

Was willst du man so geht das nicht

du musst mir hel­fen,

ich kann dass nicht.

Ich muss was machen,

was mache ich bloß,

ich habe Angst,

ich bin ein Kloß.

Ich kann nichts machen

ich muss was schaf­fen,

gleich werd ich gefres­sen,

ich muss mich mesen,

habe ich denn auch eine gute Figur,

nein ich bin ein Fett­kolß pur.

So jetzt wer­de ich geges­sen,

habe kei­ne Hil­fe ermes­sen.

Wer­de jetzt zugrun­de gehen,

ohen vor­her fremd zu gehen,

habe mal wie­der mega Schiss

und dabei auch noch einen Riss.

Die Gabel sticht in mich hin­ein

und ich erleuch­te im hel­lem Schein.

ENDE

(eine jun­ge Poe­tin)

An die­ser Samm­lung unge­schlif­fe­ner Tex­te lässt sich aller­hand zei­gen: Zur Zeit suche ich mit der Klas­se Stel­len, die „holp­rig” klin­gen, und wir ver­su­chen, Vor­schlä­ge für metri­sche(!) Ver­bes­se­run­gen zu machen. Auch möch­te ich gemein­sam mit den SuS über­le­gen, wie und war­um die­se Tex­te „funk­tio­nie­ren” und im Blog vie­le loben­de Kom­men­ta­re aus­ge­löst haben. Ohne Kennt­nis­se über Lyrik geht das natür­lich nicht — beim Schrei­ben selbst braucht man sie nicht, aber beim Über­ar­bei­ten. Und wenn das Ergeb­nis danach noch mehr über­zeugt, sind die SuS viel­leicht beim nächs­ten tro­cke­nen Schil­ler­text mehr beein­druckt oder zumin­dest sen­si­bi­li­siert.

Die Orga­ni­sa­ti­on der Tex­te in einem Blog ist DER Effek­ti­vi­täts­schub — alle Tex­te ste­hen allen jeder­zeit zur Ver­fü­gung für Kom­men­ta­re o.ä., Ein­bet­tung der eige­nen Lieb­lings­slams für neue Ide­en usw.. Gut kom­bi­nie­ren könn­te man die Geschich­te — so im G8 dafür Zeit blie­be — mit ein wenig Vor­trags­tech­nik — mal schau­en.

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