Konflikte bearbeiten

Es gibt eigentlich an Schulen keine Instanz, um Konflikte zwischen Kolleginnen und Kollegen oder dem Kollegium und der Schulleitung zu bearbeiten. Die Rechte und Möglichkeiten des Personalrats sind gegenüber denen von anderen Arbeitnehmervertretungen m.E. doch eher als „niedlich“ zu klassifizieren.

Man mag es kaum glauben, aber mein Wissen über Konflikte zeigt mir mittlerweile sehr deutlich, bei welchen Schulen eine Beratung im Hinblick auf digitale Medien erfolgreich verlaufen wird und an welchen nicht, wenn man das Zeug auch gleich ein wenig als trojanisches Pferd für Schulentwickung mitnutzt.

Das zeigt sich sehr oft an einer Konfliktkultur, die sogar schon in Vorgesprächen herausschimmert. Es gibt Schulen, bei denen ich sage: „Hm. Da ist vorher noch das ein oder andere zu klären, vorher können wir hier nicht noch eine Baustelle aufmachen.“ Dafür nutze ich für mich zur Klassifizierung Glasls Modell der Konflikteskalation.

Während viele Modelle Konflikte über aufsteigende Modelle klassifizieren, macht das Glasl etwas anders: Grundtenor ist, dass wir mit jeder neuen Stufe einen weiteren Teil unserer Menschlichkeit bzw. humanistischen Umgang miteinander verlieren. Ab Stufe 4 wird es für mich immer kritisch und ich hole mir i.d.R. eine zweite Meinung durch unser Ausbildungsteam.

Vielleicht habt ihr ja Lust auf eine kleine Übung: Ich habe einmal vier klitzekleine Dialoge ersonnen. Die kommen so natürlich an keiner Schule vor. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Vorkommnissen wären also rein zufällig.

Welche Stufe(n) von Glasls Konfliktaskalationsmodell seht ihr in den kurzen Texten?

1) Der Rock

A: „Boah, ey, das Teilchen ist aber echt gewagt. Mit sowas würde ich bei der Figur ja nicht unbedingt vor der Klasse aufkreuzen.“

B: „Von der habe ich bis heute nicht die Arbeit meines Nachschreibers in mein Fach gelegt bekommen! – ey und der Schüler saß schon vor ’ner Woche bei der drinne!“

C: „Wahrscheinlich hat Sie auch verpeilt, dass heute Fachkonferenz ist. Aber wenn die da aufkreuzt und wieder ihren Scheiß von offenem Unterricht erzählt und so … Ist doch voll durchschaubar: Jetzt wo ihre Kinder in der Schule selbst Schwierigkeiten haben, spült die unsere gymnasiale Bildung weich, damit die eigene Brut das dann bei uns schafft.“

D: „Hey, aber die Schulleitung steht doch voll auf deren Ideen!“

A: „Scheißegal, Hauptsache wir können ihr heute mal öffentlich eins reinwürgen.“

2) Die Abiturarbeit

A: „Mit der Bewertung dieser Abiturarbeit bin ich nicht einverstanden. Du hast z.B. bei Aufgabe 1 den Erwartungshorizont nicht berücksichtigt und viel zu großzügig bepunktet.“

B: „Man muss – so denke ich – gerade bei diesem Schüler – aber auch pädagogisch berücksichtigen, dass er sich enorm verbessert hat!“

A: „Du kannst aber nicht unterschiedliche Maßstäbe bei jedem Lerngruppenmitglied anlegen. Die Leistung muss objektiv vergleichbar und damit justiziabel sein.“

B: „Ich bleibe trotzdem bei meiner Bewertung. Du kannst ja ein Gegengutachten schreiben!“

A: „Du glaubst wirklich, dass du deinen Willen bei meinem Standing gegenüber der Schulleitung durchbekommst? Versuch’s ruhig!“

3) Das Urgestein

A: „Wenn wir die Maßnahme X implementieren, wird sich die Unterrichtqualität in unserem Fach enorm verbessern. Dafür müssen einige Kollegen aber natürlich weg von ihrem gewohnten Trott und sich auch mal fortbilden!“

B: „Du willst also, dass jeder in der Fachschaft vergleichbare Maßstäbe anlegt und vergleichbare Inhalte unterrichtet?“

A: „Ja. Das ist doch vor allem für die Schülerinnen und Schüler gut, weil es dann eben nicht mehr vom Zufall abhängt, wann sie was lernen.“

B: „Ach, ich glaube, du musst noch viel über Schule lernen. Ich bin jetzt schon so lange dabei und in der Vergangenheit haben wir das auch nie hinbekommen. Du kannst nicht alle mitnehmen. Aber nun gut – macht ihr jungen Leute mal.“

A: (denkt still) „Genau das habe ich von dir schon oft gehört. Deswegen stimmen wir jetzt doch einfach mal ab – also ich habe keine Sorge, dass ich das Ding gewinne, die meisten Kollegen stehen hinter mir, dafür habe ich im Vorwege gesorgt.“

4.) Beim Maurer

A: „Was die sich da wieder überlegt haben … Mache ich nicht. Da sitzen doch eh nur die Lieblinge der Schulleitung und die, die hier noch was werden wollen. Was soll das denn jetzt wieder bringen? Eskalationsmodell? Glasl? Jetzt soll ich hier was lernen oder was? Alles ist schlechter geworden, nur noch Kontrolle, keine Freiheiten mehr. Ich mache hier gar nichts mit. Die sollen mich einfach in Ruhe lassen. Mir können die eh nix. Andere denken auch so wie ich. Sollen sie mal sehen, wie sie ihr Zeug durchbekommen. Mit mir jedenfalls nicht.“

Bei OER besteht die Gefahr einer tendenziösen Darstellung von Fakten

Ich war seit langer, langer Zeit einmal wieder auf einer fachbezogenen Fortbildung. Ich gehe i.d.R. ungern zu solchen Veranstaltungen, weil sie meist inhaltlich wenig bieten und methodisch vorhersehbar strukturiert sind. Diesmal war es ein wenig anders, was vor allen Dingen Herrn Prof. Schneider vom Erich Maria Remarque Friedenszentrum zu verdanken war. An diesem Institut beschäftigt man sich seit Jahren u.a. mit der Kriegsliteratur Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf die dort gewonnenen Erkenntnisse stützt sich die von mir zur Vorbereitung des Unterrichts verwendete Begleitlektüre „Oldenbourg Interpretationen, Bd.90, Im Westen nichts Neues“, die nur noch antiquarisch zu horrenden Preisen verfügbar ist – warum eigentlich?

Ich bin einigermaßen verzweifelt. Für das Zentralabitur Deutsch 2016 in Niedersachsen ist „Im Westen nichts Neues“ (Erich Maria Remarque) als verbindliche Lektüre vorgesehen. So sehr dieser „Roman“ als Antikriegsliteratur weltweit Aufmerksamkeit und damit immense rezeptionsgeschichtliche Bedeutung erfahren hat, so wenig gibt der Text in meinen Augen speziell für das Fach Deutsch her. Strukturell ist es ein Bericht, wenngleich vollkommen fiktional. Remarque hat wohl nur sehr wenige Begebenheiten selbst erlebt.

Der Text steht natürlich für sich als Mahnmal gegen bewaffnete Auseinandersetzungen, kann in dieser inhaltlichen Verortung aber m.E. nicht sinnvoll durch nur ein Fach behandelt werden, sondern erschließt sich hinreichend wohl nur in enger Zusammenarbeit mit den Fächern Geschichte und Politik. Wesentliche Kompetenzbereich des Deutschunterricht lassen sich mit anderen Werken besser abdecken.

Man findet in der didaktischen Literatur den sinngemäßen Einstieg:

Offene Begeisterung dagegen herrschte vor allem in den großstädtischen Zentren, wo die Kriegserklärungen und erste Siegesmeldungen bejubelt wurden. Ihr Träger war allem Anschein nach insbesondere das Bürgertum: Studenten und Oberschüler meldeten sich in Massen freiwillig, insbesondere viele Bildungsbürger schrieben begeisterte Gedichte und Aufrufe.

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/ersterweltkrieg/155302/ausloesung-und-beginn-des-krieges

Meist wird das durch einen geeigneten Bildimpuls begleitet. Die Logik:

Die Deutschen waren vom Krieg begeistert und naiv hinsichtlich seiner Folgen für das Individuum. Remarque setzt bewusst ein Denkmal gegen diese Haltung.

Hört sich erstmal gut an. Stimmt aber wohl so nicht. Ich gebe sinngemäß einige Statements aus der Fortbildung wieder.

  1. Die Euphorie war wohl auf Teile des Bürgertums begrenzt. Die ländlichen Bevölkerung fand das mit dem Kriegausbruch wohl bedingt witzig.
  2. Gymnasiasten meldeten sich wohl auch zum Kriegsdienst, weil mit dem „Notabitur“ eine verkürzte Schulzeit möglich wurde.
  3. Die Bilder, die das öffentliche Bild von der Euphorie prägten, sind Teil einer Inszenierung, um Akzeptanz für den Kriegseintritt als breiten Konsens in der Bevölkerung darzustellen.
  4. Bildmaterial zum ersten Weltkrieg war fast grundsätzlich inszeniert. Die damaligen Filmkameras hätten wohl aus den Schützengräben hinausgeguckt und dem Kameramann einen Kopfschuss beschert. Also nahm man sich wohl eher ein paar Soldaten und spielte hinter der Front den Krieg einfach nach – die Veröffentlichung von Fotos aus dem ersten Weltkrieg war weitgehend durch das Reichsarchiv kontrolliert, indem militärische Führungseliten das Zepter führten.
  5. […]

Überprüft mal bitte, inwieweit dieser Forschungsstand in aktuellen Schulbüchern Berücksichtigung findet, also in Qualitätsmedien. Wenn Herr Prof. Schneider Recht hat, ist mein Bild von der Wirklichkeit des ersten Weltkrieges doch ein wenig verzerrt.

Tendenziöse Darstellungen sind für mich keine Frage von freien oder kommerziellen Publikationsformen, sondern eine der Methodik und den Rahmenbedingungen der Erstellung. Die Rahmenbedingungen im kommerziellen Sektor scheinen nicht unbedingt besser zu werden.

In Deutsch auch einmal etwas Vor-schreiben

Auf einem Minitweetup mit Herrn Larbig sind wir irgendwie auf das Problem gestoßen, dass es z.B. in Mathematik oder Chemie üblich ist, Aufgaben oder Übungen durch die Lehrkraft vorzurechnen, um z.B. beispielhaft einen Lösungsweg zu zeigen, der dann bei analogen Aufgaben als Leitfaden dienen kann.

Im Fach Deutsch werden von SuS oft durchstrukturierte Texte verlangt. Im Idealfall übt man an vorgegeben Textbeispielen aus dem Lehrbuch – neuerdings auch mit Überarbeitungsaufgaben, d.h. der schlaue Lehrbuchautor hat im Qualitätsmedium Schulbuch extra ein paar Fehlerchen versteckt.

Wann aber schreiben Deutschlehrkräfte einfach einmal selbst einen Analyseteil, eine Inhaltsangabe oder eine Interpretation und thematisieren ihren Text mit der Lerngruppe?

Häufige Ausflüchte:

  1. Ich soll ja nichts lernen, sondern die SuS!
  2. Ich mache mich doch vor der Lerngruppe nicht angreifbar!
  3. Das dauert doch viel zu lange!
  4. Dann kann man mich doch festnageln!
  5. (dann sehen die SuS doch auch meine Unzulänglichkeiten …)

Ich habe mich heute getraut und meinen SuS etwas vor-geschrieben. Es handelte sich dabei um eine Analyse der Erzählhaltung zum Romananfang von „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Hier der Auszug:

Indem ich die Feder ergreife, um in völliger Muße und Zurückgezogenheit- gesund übrigens, wenn auch müde, sehr müde (so dass ich wohl nur in kleinen Etappen und unter häufigem Ausruhen werde vorwärts schreiten können), indem ich mich also anschicke, meine Geständnisse in der sauberen und gefälligen Handschrift, die mir eigen ist, dem geduldigen Papier anzuvertrauen, beschleicht mich das flüchtige Bedenken, ob ich diesem geistigen Unternehmen nach Vorbildung und Schule denn auch gewachsen bin. Allein, da alles, was ich mitzuteilen habe, sich meinen eigensten und unmittelbarsten Erfahrungen, Irrtümern und Leidenschaften zusammensetzt und ich also meinen Stoff vollkommen beherrsche, so könnte jener Zweifel höchstens den mir zu Gebote stehenden Takt und Anstand des Ausdrucks betreffen, und in diesen Dingen geben regelmäßige und wohl beendete Studien nach meiner Meinung weit weniger den Ausschlag, als natürliche Begabung und eine gute Kinderstube. An dieser hat es mir nicht gefehlt, denn ich stamme aus feinbürgerlichem, wenn auch liederlichem Hause; mehrere Monate lang standen meine Schwester Olympia und ich unter der Obhut eines Fräuleins aus Vevey, das dann freilich, da sich ein Verhältnis weiblicher Rivalität zwischen ihr und meiner Mutter – und zwar in Beziehung auf meinen Vater – gebildet hatte, das Feld räumen musste; […]
Unsere Villa gehörte zu jenen anmutigen Herrensitzen, die, an sanfte Abhänge gelehnt, den Blick über die Rheinlandschaft beherrschen. Der abfallende Garten war freigebig mit Zwergen, Pizen und allerlei täuschend nachgeahmtem Getier aus Steingut geschmückt; […]
Dies war das Heim, worin ich an einem lauen Regentage des – einem Sonntage übrigens – geboren wurde, und von nun an gedenke ich nicht mehr vorzugreifen, sondern die Zeitfolge sorgfältig zur Richtschnur zu nehmen. Meine Geburt ging, wenn ich recht unterrichtet bin, nur sehr langsam und nicht ohne künstliche Nachhilfe unseres damaligen Hausarztes, Doktor Mecum, vonstatten, und zwar hauptsächlich deshalb, wenn ich jenes frühe und fremde Wesen als »ich« bezeichnen darf – außerordentlich untätig und teilnahmslos dabei verhielt, die Bemühungen meiner Mutter fast gar nicht unterstützte und nicht den mindesten Eifer zeigte, auf eine Welt zu gelangen, die ich später so inständig lieben sollte.

(aus: Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil, Frankfurt/M.: Fischer 1989, S.7-13, gekürzt)

Und hier mein Arbeitsblatt dazu:

Vorschlag für einen Analysetext Funktion für die Analyse / Kommentare
Der vorliegende kurze Auszug aus dem Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, geschrieben von Thomas Mann, wird durch die Ich-Perspektive geprägt.
Der fiktive Ich-Erzähler gestaltet stellenweise den zeitlichen Aufbau der Handlung, z.B. wenn er sich selbst zur Räson ruft „nicht mehr vorzugereifen“ (Z.21). Er konstatiert, sich bei seiner eigenen Geburt „untätig und teilnahmslos“ (Z.25) verhalten zu haben. Sich erzählerisch noch in der Vergangenheit befindend, beschreibt er in eine Welt zu gelangen, die er „später so innig lieben sollte“ (Z.27).
Generell verfügt der Ich-Erzähler über detailliertes Wissen zu seiner Umwelt (Z.17 ff.) oder den sozialen Beziehungen innerhalb seiner Familie (Z.14 ff.).
Auch wenn es Textstellen gibt, in denen der Erzähler sehr auf die eigene Person zurückgeworfen ist (Z.2 ff.) überwiegen dennoch die Phasen, in denen er aktiv Einfluss auf das Geschehen nimmt und den Ablauf der Handlung beeinflusst. Seine Werturteile sind geeignet, die Wahrnehmung des Lesers zu lenken.
Klassisch handelt es sich dabei um Elemente einer auktorialen Erzählweise. Der Ich-Erzähler weist in seinem Handeln über sich als Person hinaus und erweckt lediglich die Fiktion des personalen Erzählens.
Dieses im gewissen Maß manipulative Vorgehen des auktorialen Ich-Erzählers lässt sich dem Verhalten  eines Hochstaplers zuschreiben. Dies wäre durch eine weitere Analyse des Textes zu prüfen.

Es kam natürlich die ein oder andere kritische Äußerung, aber es war insgesamt eigentlich gar nicht so schlimm. Die Ergebnisse haben wir kurz ausgewertet, um dann einmal zu versuchen, meine Version als Schablone auf einen anderen Romanauschnitt zu legen. Dieser wies einen eher personal geprägten Ich-Erzähler auf.

Als dritte Stufe (Hausaufgabe) gab es einen Input zu den Begriffen Erzählzeit und erzählte Zeit. Unter diesen Aspekten soll nun wiederum einer der beiden Romanausschnitte analysiert werden.

Ich habe auch schon einmal eine Kurzgeschichte selbst verfasst und als Klassenarbeitstext gegeben, kam mir dabei aber irgendwie blöd vor. Eigentlich verwunderlich: Immerhin trennen mich nur vier Wochen und eine gepimpte Staatsexamensarbeit vom damaligen Magister – da sollte man doch wohl schreiben können …

Sexting – Elternbrief

Ich habe in der bescheidenen Rolle als Thinktank einen Text zum Thema Sexting verfasst, um die Problematik in die Öffentlichkeit meiner Region zu bringen. Dieser Text enthält bewusst ein paar recht scharfe Formulierungen. Man kann Sexting als Ausbruch der Jugendlichen aus der kleinbürgerlichen Moral auffassen. Sobald auch Kinder betroffen sind – und nach allem Anschein ist das wahrscheinlich der Fall – mag ich diese neue Ausdrucksform nicht mehr recht dulden und sehe Handlungsbedarf.

Philippe Wampfler schreibt zur Erklärung dieses Phänomens:

Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen und darüber zu sprechen. Durch Sensibilisierung kann das  Problem aber nicht gelöst werden. Vertrauen ist sehr paradox – es erfolgt nicht begründet, sondern basiert auf einer Annahme: »Ich kann dem anderen vertrauen.« Deshalb haben so genannte Vertrauensbeweise einen hohen Stellenwert. Je gefährlicher etwas  ist  – ein Nacktbild verschicken, ein Passwort tauschen, desto besser eignet es sich für den Versuch zu beweisen, dass man einer anderen Person vertraut.

Böswillig aufgefasst ist das wieder einmal bloße Deskription, die zwar zu einem vertieften Verständnis des Phänomens führt, aber eben keine konkrete Handlungsoption bietet.

Angeblich seien in der Schweiz nur 6% der Jugendlichen von diesem Problem betroffen – öhm, d.h. bei einer Schule mit 1000 SuS also 60 – „nur“. Es gibt Hinweise darauf, dass derartige Bilder auch ihren Weg auf andere Webseiten mit zielgruppenorientierter Klientel finden.

Daher ist bei mir die Idee entstanden, diesen Text (s.u.) als Anzeige in einer Regionalzeitung zu veröffentlichen und von möglichst vielen Schulen gegenzeichnen zu lassen. So wird verhindert, dass sich eine Schule regional „outen“ muss. Die Taktik scheint aufzugehen.

Wir, die Schulen der Region XY, stehen vor einem Problem.

 In zunehmenden Maße erzählen uns Eltern sowie unsere Schülerinnen und Schülern von Bildern aus sozialen Netzwerken, die eine Grenze überschreiten, bei der wir nicht mehr wegschauen können und wollen.

Es handelt sich nach vielen übereinstimmenden Aussagen dabei um unsere Schülerinnen und Schüler, also um junge Menschen, die uns anvertraut sind.

 Sie fertigen von sich oder Dritten unbekleidet Aufnahmen an und laden diese freiwillig in soziale Netzwerke hoch.

 Insbesondere Mädchen und junge Frauen werden darüber hinaus in eindeutiger Situation fotografiert und diese Aufnahmen unter Missachtung der Menschenwürde weitergegeben.

 Diese Bilder verbreiten sich schnell über Smartphones. Es besteht zudem wenig Hoffnung, selbige jemals wieder aus dem Internet entfernen zu können.

 Diese Vorkommnisse spielen sich i.d.R. außerhalb des Wahrnehmungsbereiches unserer Erwachsenenwelt ab.

Wenn du, liebe Schülerin, lieber Schüler, solche Bilder selbst anfertigst und hochlädst, dann …

  • sei dir darüber bewusst, dass diese immer in falsche Hände gelangen, egal wie sehr du deinen Adressaten auch in diesem Moment vertrauen magst.

  • sei dir darüber bewusst, dass sich diese Bilder höchstwahrscheinlich nicht mehr aus den sozialen Netzwerken entfernen lassen

  • sei dir darüber bewusst, dass du über Jahre durch derartige Bilder verletzbar bleibst.

  • sei dir darüber bewusst, dass derartige Bilder mit allergrößter Sicherheit für pädophile Kreise von höchstem Interesse sein werden.

  • sei dir darüber bewusst, dass du lange unter den Folgen der Verbreitung deines Bildes leiden wirst.

Wir bitten dich daher in deinem eigenen Interesse darum, für niemanden, auch nicht für dich selbst, auch nicht als Mutprobe, auch nicht im Spaß derartige Bilder von dir anzufertigen oder anfertigen zu lassen.

Wenn du, liebe Schülerin, lieber Schüler, solche Bilder von Dritten auf deinem Handy speicherst oder weitergibst (via WhatsApp, Facebook usw.) …

  • sei dir darüber bewusst, dass allein der Besitz nach deutschem Recht u.U. eine Straftat darstellt.

  • sei dir darüber bewusst, dass du allein auf Grund des Bildes nicht entscheiden kannst, ob die abgebildeten Personen vor dem Gesetz Kinder oder Jugendliche sind. Daran bemisst sich, ob du im Extremfall Kinder- oder Jugendpornografie in deiner Hand hältst.

  • sei dir darüber bewusst, dass der Gesetzgeber insbesondere auch die Weitergabe dieser Bilder unter Strafe stellt.

  • sei dir darüber bewusst, dass du so oder so die Menschenwürde und die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Person verletzt – losgelöst davon, dass selbige die Bilder ggf. sogar freiwillig zur Verfügung stellt.

Wir bitten dich darum, in einer solchen Situation mit einem Erwachsenen deines Vertrauens zu sprechen. Er allein kann entscheiden, wie weiter vorgegangen werden soll. Und er wird deine Identität auf deinen Wunsch hin zu schützen wissen, wenn du es wünscht.

Liebe Eltern,

  • wir wissen, dass Sie unter hohem sozialen Druck stehen, ihrem Kind immer früher ein Smartphone zu kaufen

  • wir wissen, dass Sie in der Situation, in der Sie von der Existenz solcher Bilder Kenntnis erlangen, überfordert sind.

  • wir wissen, dass der Bereich der sozialen Netzwerke für Sie oft Neuland darstellt

  • wir wissen, dass Sie froh sein werden, wenn es ihr Kind gerade nicht betrifft

  • wir wissen, dass die gerne informiert werden würden, wenn es ihr Kind betrifft.

  • wir wissen, dass Sie aufgrund ihrer Lebenserfahrung beurteilen können, wann eine Grenze überschritten wird

Wir bitten Sie darum, hinzuschauen und nicht den Mantel des Schweigens über die Sache auszubreiten.

Sprechen Sie mit Eltern von Kindern, die Sie auf Fotos wiedererkennen. Informieren Sie sich gegenseitig. Gerade die betroffenen Familien haben ein Recht darauf zu erfahren, was ihren Kindern widerfährt.

Und: Entscheiden Sie nicht nach sozialem Druck, wann ihr Kind ein Smartphone erhält. Entscheiden Sie nach Ihrem Gefühl und der Reife des Kindes.

Sie kaufen kein Telefon – zum Telefonieren werden die Geräte von Jugendlichen und Kindern nicht oder kaum eingesetzt.

Sie kaufen ein Gerät mit unbeschränktem Zugang zum Internet.

Ich weiß, dass Teile meines Textes von Schulen für einen Elternbrief verwendet worden sind und dass es auch schon Pressereaktionen gegeben hat, ggf. werden auch noch andere Beiträge hierzu erstellt werden – man munkelt, das Fernsehen sei auch schon dagewesen. Ich werde von Zeit zu Zeit diesen Artikel aktualisieren.

Es ist für mich absolut faszinierend zu sehen, dass eine Sache Wirkung entfaltet, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle einspeist. Ganz viele Menschen aus meiner Region tragen die Inhalte und das Anliegen nun mutig und öffentlich offensiv mit.

Tenside: Wiederholungsstunde im Zeitalter des Internets

Um es vorwegzunehmen: Es gibt Hinweise darauf, dass die in der Schule gelehrte und in unzähligen Lehrbüchern dargestellte Funktionsweise von Tensiden wahrscheinlich so nicht stimmt. Dummerweise stehen in den Quellenangaben auch noch „unbedeutende Namen“ wie das Max-Planck-Institut oder das Journal of the American Chemical Society – von letzterer Fachzeitschrift sind durchaus nicht einfache Akzeptanzkriterien für Artikel bekannt.

Es kann also gut sein, dass die folgende Aufgabe wie auch ungezählte Chemiestunden in deutschen Klassenzimmern bald Makulatur sein könnten. Aber da gibt es noch weitere Beispiele auf dem Prüfstand (d-Orbitale bei der Schwefelsäure)… Bei den Tensiden ist es eigentlich schade – die Theorie ist so einleuchtend und fügt sich hervorragend in das Vorwissen der SuS aus der Mittelstufe ein.

Vorwissen der SuS:

Die SuS wussten bereits den grundsätzlichen Aufbau eines Seifenanions, kannten seinen Herstellungsprozess mit Mechanismus (Verseifungsreaktion), wussten, wie der Reinigungsprozess grundsätzlich abläuft. Sie wussten noch nichts über die Grenzflächenaktivität von Seifen und den genaueren Ablauf des Dispergierungsprozesses, insbesondere nichts über das „Zerbrechen“ der Schmutzteilchen durch die Abstoßung der polaren Seifenmolekülareale.

Die Filme



Die Aufgabe

Die SuS sollten für jeden Film Aspekte notieren, deren Darstellung sie für gelungen bzw. nicht so gelungen hielten sowie zusätzlich für sie neue Informationen stichpunktartig herausstellen.

Erläuterung

Jeder Film hat seine Stärken und Schwächen. In zentralen Punkten überlappen sie sich inhaltlich. Gerade durch den unterschiedlichen Zugang zum Stoff habe ich mir eine Festigung des bereits eingeführten Unterrichtsstoffes erhofft. Die Filme durften sich die SuS zweimal anschauen: Einmal konsumativ zur Orientierung, einmal mit dem konkreten Arbeitsauftrag. Viele chemische Zusammenhänge sind im zweiten Film übrigens unkorrekt zur bisher noch gültigen Lehrmeinung bearbeitet, jedoch stellt er die historischen Gewinnung von Seifen als einziger in dieser Breite dar. Der Erste setzt bei der Darstellung des Waschprozesses stark auf Makroaufnahmen, die 3d-Animationen des Letzten sind die ausgereiftesten.

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