Wirtschaft, Partnerschaft, Lobbyismus und Schule

Wir versetzen uns einmal in die Lage eines CEO

 

  1. Da gibt es mit der Digi­ta­li­sie­rung der Gesell­schaft eine Ent­wick­lung, um die kein staat­li­ches Bil­dungs­sys­tem her­um­kommt, wenn eine Volks­wirt­schaft auf Dau­er wach­sen und damit Din­ge wie Wohl­stand und sozia­len Frie­den ermög­li­chen soll.
  2. Da gibt es ein Bil­dungs­sys­tem mit immensen Inves­ti­ti­ons­stau auf dem Gebiet der Digi­ta­li­sie­rung, sowohl finan­zi­ell als in Berei­chen wie Infor­ma­ti­ons­ma­nage­ment.
  3. Da gibt es Schu­len, die auf Wunsch des Dienst­herrn zuneh­mend selbst­stän­dig sein sol­len, die aber von den per­so­nel­le Res­sour­cen her oft opti­mier­bar auf­ge­stellt sind.
  4. Da gibt es ein Schul­sys­tem, dass von sei­ner Grund­struk­tur preu­ßisch-hier­ar­chisch struk­tu­riert und damit an Vor­ga­ben von oben gebun­den ist.
  5. Da gibt es eine Kon­kur­renz­si­tua­ti­on vie­ler unter­schied­li­cher Anbie­ter.
  6. Da gibt es ein teu­res, meist pro­vi­si­ons­ba­sier­tes Ver­triebs­sys­tem, das vor­wie­gend auf die Belan­ge der Wirt­schaft aus­ge­rich­tet ist und Schu­le von innen nicht kennt.
  7. Da gibt es Ent­schei­dungs­trä­ger, die tech­nisch manch­mal nur wenig qua­li­fi­ziert sind und die nicht in aus­rei­chen­dem Maße auf ein neu­tra­les Bera­tungs­sys­tem zurück­grei­fen kön­nen.
  8. Da gibt es einen immens vola­ti­len Markt, was die Pro­gres­si­on tech­ni­scher Ent­wick­lun­gen, Pro­dukt­fol­gen und Ansprü­che der Kun­den angeht.

 

Was ist die Natur wirtschaftlicher Player in einer sozialen Marktwirtschaft?

 

  1. Wenn sie nicht wach­sen, gehen sie unter oder wer­den von Kon­kur­ren­ten geschluckt.
  2. Wenn sie für ihre Pro­duk­te kei­nen Allein­stel­lungs­raum schaf­fen (meist weni­ger durch Fea­tures als viel­mehr durch Tup­per­par­ty­ver­mark­tungs­kon­zep­te, s.u.) wer­den sie kei­nen ver­läss­li­chen Absatz gene­rie­ren.
  3. Wenn sie kei­nen Gewinn machen, bestehen sie nicht am Markt und eben­so ihre Mit­ar­bei­ter, für die sie eine Ver­ant­wor­tung tra­gen.
  4. Wenn Sie kei­ne guten Pro­duk­te haben, die sich an den Bedürf­nis­sen ihrer Kun­den ori­en­tie­ren, bestehen sie nicht am Markt.
  5. Wenn sie nicht die hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren des Schul­sys­tems für sich selbst und ihren Absatz nut­zen und poli­ti­sche Lob­by­ar­beit betrei­ben, fal­len sie gegen­über ihren Kon­kur­ren­ten zurück. Das sieht man sehr hübsch an der Stel­lung der lob­by­lo­sen Open­Sour­ce-Pro­duk­te im deut­schen Bil­dungsys­tem.

Ich fin­de bis­her dar­an nichts Böses oder Ver­werf­li­ches. Wirt­schaft ver­hält ent­spre­chend der Regeln einer Markt­wirt­schaft, womit dann ja auch gleich ein Schlüs­sel gefun­den wäre, das Gan­ze im Sin­ne demo­kra­ti­scher Grund­sät­ze zu steu­ern: Dafür gibt es einen Rah­men in Form von Geset­zen bzw. im Schul­sys­tem in Form von Erlas­sen.

TTIP ist nun der genia­le Schach­zug, auch die­se mög­li­che staat­li­che Ein­fluss­nah­me auf die eige­ne Pro­dukt­po­li­tik zu eli­mi­nie­ren — das wäre aber eine eige­ne Geschich­te.

Wie reagiert Wirtschaft in diesem Umfeld?

 

Von „Wirt­schaft” kom­me ich in mei­nem Umfeld fast nur über Ver­trieb­ler und ihren rhe­to­ri­schen Tak­ti­ken in Kon­takt. Ich bin bei ihnen mitt­ler­wei­le nicht mehr so ger­ne gese­hen. Daher mögen mei­ne Beob­ach­tun­gen sehr stark ein­ge­färbt sein, aber viel­leicht erkennt ihr das eine oder ande­re wie­der.

Wirt­schaft will Tup­per­par­tys

Man möch­te sein Pro­dukt auf Ver­an­stal­tun­gen, auf der Ent­schei­dungs­trä­ger anwe­send sind, mög­lichst exklu­siv prä­sen­tie­ren und nicht in Kon­kur­renz zu Mit­be­wer­bern. „Herr Riecken, das mit ihren finan­zi­el­len Beden­ken las­sen Sie mei­ne Sor­ge sein. Ich stel­le den Ent­schei­dungs­trä­gern das Pro­dukt mit sei­nen ins­be­son­de­re inves­ti­ven Vor­tei­len ger­ne allei­ne dem Gre­mi­um vor!”

Es kom­men ins­be­son­de­re Leh­rer nach einer sol­chen Tup­per­par­ty manch­mal total begeis­tert an und allein auf Grund­la­ge die­ser Begeis­te­rung wird dann z.B. ein Pro­gramm oder ein Gerät beschafft, mit dem man über Jah­re arbei­tet. Das ist lei­der auch bei Schul­bü­chern oft nicht anders.

Mit mir gibt es kei­ne Tup­per­par­tys. Es wer­den immer min­des­tens drei Mit­be­wer­ber zu einer Ver­an­stal­tung ein­ge­la­den.

Ich ver­su­che, die pro­vi­si­ons­ba­sier­te Ver­triebs­struk­tur nach Mög­lich­keit zu ver­mei­den. Wir vor Ort stre­ben an, nach Son­die­rung des Mark­tes stan­dar­di­sier­te Leis­tungs­be­schrei­bun­gen zu erstel­len, mit denen die Ent­schei­der nach den vor­ge­ge­be­nen Richt­li­ni­en for­mal sau­ber aus­schrei­ben kön­nen. Der güns­tigs­te gewinnt.

Stan­dar­di­sie­rung kann man trotz­dem errei­chen. Auch in einer for­mal kor­rek­ten Leis­tungs­be­schrei­bung las­sen sich Allein­stel­lungs­merk­ma­le eines Her­stel­lers sau­ber unter­brin­gen. Das klingt wie ein fie­ser Trick. Es macht aber kaum Sinn, z.B. für eine Regi­on zig ver­schie­de­ne WLAN-Sys­te­me zu beschaf­fen und den Sup­port­auf­wand dafür in die Höhe zu trei­ben.

Wirt­schaft will weg vom Kauf­mo­dell

Micro­soft ver­mie­tet sei­ne Soft­ware, Ado­be auch, Aero­Hi­ve will für die Nut­zung sei­nes Hive­ma­na­gers jähr­lich Koh­le sehen (man kann den Hive­ma­na­ger jedoch auch selbst kos­ten­frei betrei­ben, wenn man das tech­ni­sche Know-How dafür hat), Lern­platt­for­men und Schul­netz­werk­lö­sun­gen wer­den nach Schü­ler­an­zahl jähr­lich abge­rech­net. Der Trend geht weg von der ein­ma­li­gen Anschaf­fung hin zu ver­läss­lich gene­rier­ten Umsät­zen. Da muss man sehr genau rech­nen — gera­de bei Lern­platt­for­men kann man für die jewei­li­ge Jah­res­ge­bühr oft hoch­wer­ti­ge Fre­e­lan­cer vol­le zwei Mona­te für die Betreu­ung eines Open­Soure­pro­duk­tes bezah­len. Auch bei Micro­soft soll­te man sehr genau hin­schau­en, weil deren Lizen­sie­rungs­mo­dell mitt­ler­wei­le eigent­lich einen eige­nen Stu­di­en­gang erfor­dert.

Wirt­schaft will lang­fris­ti­ge Kun­den­bin­dung

Auch das ist ange­sichts der oft immensen Inves­ti­tio­nen, die zur Ent­wick­lung eines Pro­duk­tes not­wen­dig sind, zunächst wenig ver­wun­der­lich. Man kann Kun­den auf ver­schie­de­ne Art und Wei­se an sich bin­den: Zum einen durch kon­ti­nu­ier­li­che Qua­li­tät, zum ande­ren aber auch dadurch, dass ich den Wech­sel zu einem ande­ren Anbie­ter erschwe­re. Jeder, der schon ein­mal den DSL-Anbie­ter gewech­selt hat, weiß wie das u.U. aus­se­hen kann. Allein die Scheu vor mög­li­cher­wei­se auf­tre­ten­den Pro­ble­men bewegt zumin­dest mich hin und wie­der des lie­ben Frie­dens wil­len doch bei mei­nem Anbie­ter zu blei­ben.

Wenn ich als Schu­le viel Con­tent bei irgend­wem gebun­kert und auf­ge­baut habe, ist die­ser jemand gesetzt — für Jah­re, alles ande­re wäre unrea­lis­tisch. Das weiß ein Anbie­ter und kann das z.B. indi­rekt nut­zen, indem er dafür sorgt, dass Inhal­te und Struk­tu­ren in pro­prie­tä­ren For­ma­ten vor­lie­gen oder der Zugriff auf eine Platt­form nicht über gän­gi­ge Webstan­dards, son­dern z.B. neben dem Brow­ser ledig­lich mit einer spe­zi­el­len App mög­lich ist.

Spezielle Probleme in Deutschland für Anbieter

Deutsch­land hat eini­ge Spe­zi­fi­ka, die mir als Anbie­ter die Haa­re zu Ber­ge ste­hen las­sen wür­den. So exis­tiert ein aus­ge­präg­tes Bewusst­sein hin­sicht­lich des Daten­schut­zes — gele­gent­lich auch als Abwehr­kon­zept gegen­über neu­en Tech­no­lo­gi­en. Es gibt durch­aus schon Anbie­ter, die mir vor­ge­wor­fen haben, ich wür­de markt­be­hin­dernd bera­ten, wenn ich Schu­len auf gel­ten­de Daten­schutz­ge­set­ze ver­wei­se und z.B. Din­ge wie Ein­wil­li­gungs­er­klä­run­gen und Ver­trä­ge zur Auf­trags­da­ten­ver­ar­bei­tung zum Kri­te­ri­um für die Aus­wahl eines Pro­dukts mache.

Wei­ter­hin gibt es in Deutsch­land ein weit­aus enge­res Neu­tra­li­täts­ge­bot als in ande­ren Län­dern: Staat­li­che Schu­len haben nur sehr ein­ge­schränk­te Mög­lich­kei­ten, Koope­ra­tio­nen mit der Wirt­schaft ein­zu­ge­hen, um ihre zum Teil chro­ni­sche Unter­fi­nan­zie­rung zu kom­pen­sie­ren. Anbie­ter ver­su­chen, die­ses Pro­blem zu umge­hen, indem wirt­schaft­li­che Ver­ei­ne gegrün­det wer­den, die teil­wei­se als gemein­nüt­zig aner­kannt sind und so auch eini­ger­ma­ßen „sau­ber” durch die Poli­tik beför­dert wer­den kön­nen. Die­se Kon­struk­te sind aber nötig, weil die Rege­lun­gen in Deutsch­land eben sehr eng sind.

In Deutsch­land wird zusätz­lich digi­ta­le Tech­no­lo­gie oft­mals nicht als Chan­ce, son­dern mehr als Bedro­hung der eige­nen Lebens- und Unter­richts­pra­xis begrif­fen. Schu­le müs­se sich „dem all­ge­mei­nen Trend ent­ge­gen­stel­len” und „Alter­na­ti­ven zum digi­ta­len All­tag bie­ten”. Gleich­zei­tig wer­den die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren durch immer neue Auf­ga­ben von Schu­le kom­ple­xer und ana­lo­ge For­men wie schwar­ze Bret­ter kom­men mehr und mehr an Gren­zen. „Dann auch noch umstel­len auf Digi­tal­zeugs?”.

In Deutsch­land gibt es an Schu­len zuhauf Lokal­prin­zen wie mich, die Sys­te­me auf­ge­baut haben und betreu­en, obwohl es nicht deren Auf­ga­be ist. Nur ver­traut man dem Lokal­prin­zen natür­lich weit mehr als einer Fir­ma, die am Tele­fon nur „Fach­chi­ne­sisch und arro­gant redet” (das sind oft die rück­ge­mel­de­ten Erfah­run­gen). Der Lokal­prinz ist greif­bar, man ist u.U. nicht mit allem zufrie­den, aber man weiß, was man hat und was nicht. Leh­rer grei­fen nicht ger­ne zum Tele­fon, um sich hel­fen zu las­sen — das wäre ein Ein­ge­ständ­nis von Unvoll­kom­men­heit.

Und zuletzt haben wir in Deutsch­land ein merk­wür­di­ges Finan­zie­rungs­kon­strukt: Lehr­kräf­te wer­den durch das Land, Sach­mit­tel durch den Trä­ger finan­ziert — da ste­hen sich schon unter­schied­li­che Inter­es­sen gegen­über. Nun sind die­se bei­den Berei­che aber nicht zu tren­nen. Beschaf­fung von Soft­ware und Gerä­ten ist immer auch mit päd­ago­gi­schen Fra­gen ver­knüpft. Wer hier als Anbie­ter nicht die Belan­ge bei­der Sei­ten erkennt und nutzt, wird es schwer haben, im Markt Fuß zu fas­sen. Daher heu­ern vie­le Anbie­ter jetzt Lehr­kräf­te an, um ihre Pro­duk­te in den Schu­len zu plat­zie­ren. Die­se erhal­ten für ihre Arbeit natür­lich eine Ver­gü­tung und sind oft an unter­neh­mens­in­ter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­richt­li­ni­en gebun­den. Kei­ne gute Vor­aus­set­zung für Neu­tra­li­tät.

Wer löst es wie?

An vie­len Stel­len passt für mich der struk­tu­rel­le Rah­men nicht. Hier ist Poli­tik gefor­dert, an neur­al­gi­schen Punk­ten Klar­heit zu schaf­fen, etwa min­des­tens dafür zu sor­gen, dass es für Anbie­ter und Schu­len kla­re Check­lis­ten oder rechts­si­che­re Mus­ter­ver­trä­ge gibt, wie daten­schutz­kon­form gear­bei­tet wer­den kann.

Ich fürch­te bloß, dass von die­ser Sei­te nicht viel zu erwar­ten und das genau die­se Leer­stel­le ursäch­lich für das ist, was oft als „Lob­by­is­mus an Schu­len” beklagt wird.

Was soll denn ein Anbie­ter ande­res machen, als sub­ver­si­ve, krea­ti­ve Wege zu fin­den, um an die poten­ti­ell lukra­ti­ve Kun­den­grup­pe zu kom­men, die sich in den Schu­len fin­det?

Ein neu­tra­les Bera­tungs­sys­tem als Schnitt­stel­le zwi­schen Anbie­tern und Schu­le kann auch viel bewe­gen. Ich mer­ke bloß bei mir selbst immer wie­der, wie sehr ich pri­va­te Vor­lie­ben und Abnei­gun­gen bestimm­ten Pro­duk­ten und Dienst­leis­tun­gen gegen­über aktiv bekämp­fen muss, um wirk­lich neu­tral zu blei­ben oder eben in Fäl­len, wo ich das ein­fach nicht bin, ein­fach an Per­so­nen abzu­ge­ben, die in dem Bereich ver­sier­ter oder ggf. auch schlicht begeis­ter­ter sind.

Ich könn­te mir vor­stel­len und mei­ne, es auf Twit­ter auch immer wie­der mit­zu­be­kom­men, dass es Kol­le­gen gibt, die auch wie ich genau damit rin­gen oder den inne­ren Kon­flikt zuguns­ten einer Prä­fe­renz auch schon ganz ent­schie­den haben.

Fazit

 

Für mich ist Lob­by­is­mus pri­mär in den Struk­tu­ren von Schu­le bereits ange­legt. Wenn man dafür sen­si­bi­li­sie­ren möch­te, sehe ich den Ball bei der Kul­tus­po­li­tik. Ich habe viel Ver­ständ­nis dafür, wie Anbie­ter zur­zeit agie­ren (müs­sen) und Hoch­ach­tung vor vie­len, die ich ken­nen ler­nen durf­te, die sich trotz­dem mit Herz­blut und Ver­bes­se­rungs­wil­len als Part­ner von Schu­le ver­ste­hen — und so auch agie­ren, aber natür­lich ger­ne auch mal die teu­ers­te Lösung ver­kau­fen, die dann zwar super läuft, aber von der Dimen­sio­nie­rung und der Kos­ten­ef­fi­zi­enz in mei­nen Augen nicht unbe­dingt immer das Opti­mum dar­stellt.

Tablets in der Schule: Bitte (fast) keine Androids mehr!

Vorweg

Ich set­ze per­sön­lich kei­ne Tablets im Unter­richt oder mei­nen eige­nen Work­flow ein. Für mich per­sön­lich sind das Spiel­zeu­ge und kei­ne Arbeits­ge­rä­te. Mei­ne Fin­ger sind zu dick und unmo­to­risch.

Ich gestal­te mei­nen digi­ta­len Unter­richt aber so, dass das Gerät dafür kaum eine Rol­le spielt, wenn es zumin­dest einen Brow­ser und eini­ger­ma­ßen per­for­man­te Leis­tungs­da­ten zum Ren­dern von Web­in­hal­ten ver­fügt. Mei­ne Tools stel­len stan­dar­di­sier­te Schnitt­stel­len bereit, sodass hof­fent­lich jeder die App und das Gerät dafür nut­zen kann, die/das zu ihr/ihm passt.

App” ist für mich ein ande­res Wort für „Pro­gramm, des­sen Ober­flä­che auf Touch­be­die­nung zuge­schnit­ten ist”. Damit sind Tablets natür­lich will­kom­men — es gibt ja ande­re Men­schen als mich mit ande­ren Vor­lie­ben und Prä­fe­ren­zen.

Was ich gar nicht mag, ist als Admin Son­der­lö­sun­gen bau­en zu müs­sen, weil ein Her­stel­ler meint, eige­ne „Stan­dards” sei­en kun­den­freund­li­cher. Des­we­gen has­se ich aus Admi­nis­tra­to­ren­sicht spe­zi­ell Apple wie die Pest. So viel zum Rant.

Was man in der Schule von der Software eines Gerätes erwarten können muss

 

  1. Regel­mä­ßi­ge Betriebs­sys­tem­up­dates
  2. Regel­mä­ßi­ge Sicher­heits­up­dates
  3. Ver­läss­li­che Sand­bo­xes für Prü­fungs­si­tua­tio­nen
  4. Ver­läss­li­ches, leicht zu bedie­nen­des MDM (Lösung zum Mana­gen der Gerä­te, wenn sie schul­ei­gen sind)

… über einen Zeit­raum von min­des­tens fünf Jah­ren. Ein Her­stel­ler, der das nicht bie­ten kann, hat nach mei­ner Mei­nung in der Schu­le bei schul­ei­ge­nen(!) Gerä­ten nichts ver­lo­ren.

Damit fal­len (fast) alle Andro­id­ge­rä­te her­aus.

Warum keine Androids?

Das Lizenz­mo­dell von Andro­id ermög­licht erst die Her­stel­lung extrem güns­ti­ger Gerä­te. Die Quell­tex­te lie­gen offen, das Sys­tem lässt sich recht unauf­wän­dig an fast jede belie­bi­ge Hard­ware­um­ge­bung anpas­sen, d.h. als Her­stel­ler bin ich in der Wahl mei­ner CPU, mei­nes Gra­fik­pro­zes­sors usw. recht frei. Dar­aus ent­steht eine Viel­zahl an Pro­dukt­li­ni­en. Um das Sys­tem per­for­mant und schlank zu hal­ten, bricht man mit einem Grund­prin­zip von Linux, auf dem Andro­id basiert: Dem gene­ri­schen Sys­tem.

Ein gene­ri­sches Sys­tem läuft unver­än­dert auf sehr vie­len unter­schied­li­chen Umge­bun­gen: Ubun­tu kann ich auf fast jeden Rech­ner instal­lie­ren — Linux bringt die dafür erfor­der­li­chen Trei­ber gleich mit und erkennt z.B. Hard­ware beim Start voll­au­to­ma­tisch.

Ein gene­ri­sches Sys­tem kann dar­über­hin­aus zen­tral geup­datet wer­den — im Prin­zip läuft ja über­all das Glei­che. Lei­der schleppt natür­lich ein gene­ri­sches Sys­tem alles nur Denk­ba­re an Trei­bern mit sich und ist daher recht groß — das passt vor allem nicht zu güns­ti­ger Hard­ware.

Kurz gesagt: Bei Andro­iden muss der Her­stel­ler jedes Sicher­heits- und Funk­ti­ons­up­dates für alle sei­ne Pro­dukt­li­ni­en manu­ell ein­pfle­gen und sei­nen Kun­den z.B. als Betriebs­sys­tem­image bereit­stel­len. Das lohnt sich bei Gerä­ten wie Tablets und Han­dys mit ohne­hin meist kur­zer Ver­wen­dungs­zeit in der Regel nicht, sprich:

Die meis­ten Andro­id­ge­rä­te sind nach recht kur­zer Zeit sicher­heits­tech­nisch ein Deba­kel

Die ein­zi­ge ech­te Aus­nah­me, die ich dies­be­züg­lich ken­ne, ist die Nexus­se­rie von Goog­le selbst. Mei­ne Nexus­ta­blets der ers­ten Gene­ra­ti­on erhal­ten bis heu­te zeit­nah Updates — schon fast vier Jah­re mitt­ler­wei­le.

Man kann aus­wei­chen auf Com­mu­nities rund um Cya­no­gen­mod — Techies wie ich könn­ten das ggf.. — aber für Schu­len im All­ge­mei­nen ist das kei­ne Opti­on.

In der Schu­le brau­che ich nach mei­nem Emp­fin­den Gerä­te, die min­des­tens drei, bes­ser fünf zuver­läs­sig lau­fen. Rea­lis­tisch fin­de ich eher einen Gerä­te­wech­sel nach drei Jah­ren, d.h. min­des­tens(!) drei Gerä­te pro Schul­lauf­bahn, denn schon heu­te wer­den die meis­ten Men­schen (auch und gera­de SuS!)  Gerä­te, die noch älter sind, auf­grund des tech­no­lo­gi­schen Wan­dels als unzu­mut­bar emp­fin­den — daher noch ein Sei­ten­hieb:

Bei Kal­ku­la­tio­nen „Tablet preis­lich gegen Schul­buch / Taschen­rech­ner / Atlas” ohne Ein­be­zug des tech­no­lo­gi­schen Wan­dels (Pro­duk­t­up­grade nach drei Jah­ren) wäre ich SEHR vor­sich­tig ob des rea­len Preis­vor­teils gegen­über heu­te — unser Wirt­schafts­sys­tem basiert nicht dar­auf, dass wir stän­dig weni­ger aus­ge­ben.

 

iPads und Windowstablets 

Apple ist ein in sich geschlos­se­nes Sys­tem und Micro­soft macht den Her­stel­lern sei­ner Gerä­te recht rigi­de Vor­ga­ben, was die Hard­ware­aus­stat­tung angeht — im Prin­zip fah­ren die die gene­ri­sche Stra­te­gie des Linux­ker­nels. Damit ist die Sicher­heits­pro­ble­ma­tik in einem wesent­li­chen Kern­punkt ent­schärft, weil nicht der Her­stel­ler Updates bereit­stellt, son­dern eben Apple und Micro­soft und die­se Updates auch über die betriebs­sys­tem­ei­ge­nen Mecha­nis­men instal­lie­ren. Die damit ver­bun­de­ne Lang­fris­tig­keit macht den Ein­satz z.B. einer MDM-Lösung oder Klas­sen­raum­steue­rung erst beherrsch­bar: Wenn ich nicht andau­ernd ver­seuch­te Gerä­te wie­der­her­stel­len und neu in eine MDM-Lösung inte­grie­ren muss, wird die Bewäl­ti­gung des Arbeits­pen­sums mög­lich. Und gera­de Schul­ge­rä­te, die durch vie­le Hän­de gehen, sind gegen­über der­ar­ti­gen Drang­sa­lie­run­gen extrem gefähr­det. Selbst Apple hat mitt­ler­wei­le kapiert, dass ein 1:1-Design eben nicht in eine 1:many-Umgebung passt und ent­wi­ckelt in die rich­ti­ge Rich­tung.

Nach­trag:

Etwas aus­führ­li­cher hat sich Andre­as Hof­mann mit der neu­en Initia­ti­ve von Apple beschäf­tigt.

 

Anfangsgenölewiederaufgriff

Mir ist völ­lig klar, dass mit der auto­ma­ti­schen Update­po­li­tik von Apple und gera­de auch Micro­soft auch sehr streit­ba­re Mecha­nis­men Ein­zug in die mobi­len Gerä­te hal­ten — vor allem vor dem Daten­schutz­hin­ter­grund. Mir wäre ein Ubun­tu-Touch auf frei­er Hard­ware ohne UEFI- und TPM-Mist bedeu­tend lie­ber.

Da wir aber im „Isnumm­al­so­land” leben, geht es um prag­ma­ti­sche Ansät­ze. Und da hat Apple schon auf­grund des App­an­ge­bot im Ver­gleich zu Micro­soft zur­zeit die Nase für vie­le Anwen­der halt vor­ne. Ich per­sön­lich fin­de das doof.

Viel­leicht fehlt es bei Andro­ids ein­fach auch nur an Dienst­leis­tern, die das Gan­ze z.B. mit Cya­no­gen­mod schlicht pro­fes­sio­na­li­sie­ren und Ser­vice­bund­les für drei bis fünf Jah­re anbie­ten.

Notebook und Beamer stehen zur Verfügung

Der Herr Riecken hat genau wie der Herr Rau vor eini­ger Zeit bald ein Bewer­bungs­ge­spräch. Der Lebens­lauf ging mir im Gegen­satz zu ihm recht schnell von der Hand, weil der eine oder ande­re noch hier auf der Fest­plat­te schlum­mer­te. Viel möch­te ich dazu noch nicht schrei­ben — so im Gro­ben geht es um neue Medi­en in der Schu­le. Nach Pfings­ten wird es so weit sein, dass ich Rede und Ant­wort ste­hen muss — und dazu auch sehr viel Lust habe, denn die Stel­le böte mir die Mög­lich­keit vie­le Din­ge, die ich jetzt qua­si neben­bei so mache, in der einen ande­ren Form ver­gü­tet zu bekom­men — vor allem durch Stun­den. Im Ein­la­dungs­schrei­ben stand genau der Satz, der den Titel die­ses Arti­kels bil­det — dar­auf erge­ben sich bei mir eher eine Men­ge Fra­gen, z.B.

  1. Wel­che Art von Inter­net­zu­gang ist vor­han­den?
  2. Wel­che Brow­ser­plug­ins sind instal­liert?
  3. Gibt es dar­auf ein Open­Of­fice-Paket?
  4. Wird ein geschlos­se­ner Vor­trag erwar­tet, wenn ja: Wel­chen Umfang soll­te er haben?
  5. Es gibt drei Berei­che im Ange­bot, die sehr mit­ein­an­der ver­zahnt sind. Ich soll mir einen davon für die Prä­sen­ta­ti­on aus­su­chen. Schwie­rig. Gera­de für mich.  Wie gehe ich mit die­sem Dilem­ma um?
  6. […]

Klar könn­te ich das meis­te vor­her erfra­gen — ich bin mit der Stra­te­gie sehr gut gefah­ren, mich in die Lage mei­nes Gegen­übers zu ver­set­zen:

  1. Was wür­de ich von einem Bewer­ber sehen und hören wol­len?
  2. Was bekommt so eine „Aus­wahl­kom­mis­son” wohl im All­ge­mei­nen zu sehen?
  3. Wo sind die Fett­näp­fe, d.h. was pas­siert im Hau­se der Aus­wahl­kom­mis­si­on eigent­lich und wor­auf ist die­ses Haus wahr­schein­lich mir Recht stolz?
  4. […]

Auf jeden Fall wird mein Net­book mit UMTS-Stick mit dabei sein… Die gan­zen Even­tua­li­tä­ten pas­sen bei mir gar nicht auf einen durch­schnitt­li­chen USB-Stick.

Welches Gedicht ist schöner?

Wenn ich in der Unter­stu­fe z.B. Par­al­lel­ge­dich­te schrei­ben las­se, kommt ja irgend­wann die Fra­ge auf: „Herr Riecken, wel­ches Gedicht fin­den Sie denn nun am schöns­ten?” Und schon befin­det man sich in einem treff­li­chen Dilem­ma. Denn wie erklärt man in unte­ren Klas­sen mit gän­gi­gen „Deutsch­leh­rer­ka­te­go­ri­en”, war­um man ein Gedicht mehr mag als das ande­re? Ich habe es heu­te mit einem für mich neu­en Ansatz ver­sucht. Gege­ben sei­en die zwei fol­gen­den — von mir erdach­ten — Tex­te:

Text 1:

Mir ist warm gewor­den

träum­te die Son­ne

Mir ist woh­lig gewor­den

mur­mel­te das Kind

und der Him­mel strahlt

so blau wie noch nie

fried­voll lach­te

der Som­mer

auf dun­kel­grü­nem Blät­ter­dach.

Text 2:

Mir ist heiß gewor­den

sag­te die Son­ne

Mir ist heiß gewor­den

sag­te das Kind

Mir ist heiß

und die Büsche

gehen roh in den Tag

Freu­dig, keck

rennt der Mit­tag

um den See.

In der Unter­stu­fe kennt man Wort­ar­ten und man weiß, dass Herr Riecken „haben” und „sein” als Voll­ver­ben gar nicht mag und dass er zudem auf abwechs­lungs­rei­che Sprech­akt­ver­ben steht. Also habe ich mit den SuS Sub­stan­ti­ve, Nomen und Adjek­ti­ve tabel­la­risch gesam­melt. Kom­men Wor­te mehr­fach vor, wer­den sie auch mehr­fach notiert.

Für Text 1:

Sub­stan­ti­ve Ver­ben Adjek­ti­ve

Son­ne

Kind

Him­mel

Som­mer

Blät­ter­dach

ist gewor­den

träum­te

ist gewor­den

mur­mel­te

strahlt

lach­te

warm

woh­lig

blau

fried­voll

dun­kel­grü­nem

Für Text 2:

Sub­stan­ti­ve Ver­ben Adjek­ti­ve

Son­ne

Kind

Büsche

Tag

Mit­tag

See

ist gewor­den

sag­te

ist gewor­den

sag­te

ist

gehen

rennt

heiß

heiß

heiß

roh

freu­dig

keck

Jetzt lässt sich fest­stel­len, dass die Wahl der Ver­ben und der Adjek­ti­ve im zwei­ten Text recht ein­tö­nig gera­ten ist. Strei­ten kann man sich auch, ob die Sub­stan­ti­ve im zwei­ten Text wirk­lich zuein­an­der pas­sen.

Dann kommt man zwar weg vom Gefühl hin zu einem eher ana­ly­ti­schen Blick, aber man kann danach anfan­gen Wor­te aus­zu­tau­schen und mit Wir­kun­gen zu spie­len. Auch in der Unter­stu­fe.