Können wir bitte pragmatisch werden?

Es gibt einen sehr schönen episch langen Text von Lisa Rosa zum Thema welche „digitale Bildungsrevolution“ wir wollen. Ihre Kernthesen:

  1. Wir können uns nicht entscheiden, ob digitale Bildung zukünftig zum Schulalltag gehört. Mit ein wenig Glück und viel Verstand bestimmen wir allenfalls, wie das aussieht.
  2. Die Digitalisierung stellt das bestehende System Schule schon jetzt vor gewaltige Probleme, die sich zukünftig verschärfen werden.
  3. Das Bildungsbürgertum mit seinen bestehenden wissenschaftlichen Strukturen hat versagt beim konstruktiven, visionären Umgang mit dem digitalen Zeitalter und damit das Feld kommerziellen Playern überlassen.
  4. Die entscheidende Aufgabe des Schulsystem besteht darin, das Individuum so zu stärken, dass es die Anforderungen, die unsere Generation der künftigen hinterlässt, positiv und mit gesamtgesellschaftlicher Verantwortung bewältigt.

Der Digitalpakt#D (die Wanka-Offensive) katalysiert zurzeit nochmals gesellschaftliche Diskurse rund um digitale Bildung bis in Regionalzeitungen hinein. Es ist Geld da, viel Geld mit sogar Aussicht auf noch mehr Geld. Schließlich geht es ja um den Standort Deutschland und damit auch um Dinge wie Wohlstandswahrung.

Den Jubel der Web2.0-Szene darüber halte ich für völlig unbegründet und ist meiner Meinung nach auf ein eher zurückhaltendes politisches Bewusstsein zurückzuführen. Was wird wahrscheinlich nämlich geschehen?

  1. Das Geld wird nicht über die Kultusministerien „verteilt“, sondern im Rahmen der Wirtschaftsförderung eher über die der Wirtschaft nahestehenden Ministerien. Es geht politisch im Kern um regionale Wirtschaftsförderung.
  2. Man wird mit viel Geld Institutionen beauftragen, diese Gelder zu verwalten und dabei einen guten Anteil bereits verbrennen. Da niemand strukturell großartige Vorarbeit geleistet hat, besteht mit etwas Pech die reale Gefahr, dass vermeintlich „einfache Lösungen“ der Wirtschaft sich durchsetzen.
  3. Das Geld erhält dann der Schulträger, der im besten Fall in Abstimmung mit seinen Schulen selbige ausstattet, im schlimmsten Fall jedoch seine Schulen mit Technik planiert – oder – für Schulen wahrscheinlich noch schlimmer – ihnen pädagogische Konzepte abverlangt, die in Anbetracht der Lage, in der sich Schulen gerade befinden, allenfalls rudimentär ausfallen können.

Der letzte Punkt ist der entscheidende: Man kann keine isolierten Medienbildungskonzepte schreiben und in Leitzordner stecken – Digitalien nimmt keine Rücksicht darauf, dass da ein statisches Konzept steht. Digitalien entwickelt sich rasend schnell weiter – und nicht immer ethisch eindeutig. Man kann nur in jedem Fach anerkennen, dass es eine digitalisierte Welt drumherum gibt, die vernetzt ist (wäre schön, wenn auch Fächer vernetzt wären, aber träumen wir weiter). Es kann also meiner Meinung nach nicht um Konzepte gehen, sondern allein darum, Prozesse einzuleiten, die zu einer Änderung von Haltungen führen.

So, liebe Schulen, nun holt mal alleine nach, was die euch vorgeschaltete Bildungsforschung kaum auf die Kette bekommen hat. Und lasst euch beschimpfen, wenn ihr das nicht schafft. Dann seid ihr doof oder habt wahlweise nichts verstanden.

Das letzte Absatz ist von mir ironisch gemeint. Es gibt aber durchaus Stimmen, die den im Kern sogar ernst meinen.

 

Minigrundschule mit IT ausstatten

Die Ausgangslage einer kleinen Grundschule:

  • Rechnerraum, zwölf Pentium 4-Rechner, Windows XP, Office XP
  • Kein WLAN
  • DSL1000, t@school der ersten Generation
  • Arbeitsrechner im Lehrerzimmer
  • Notebook für die Klassen
  • mobiler Beamer
  • sofort abrufbares Budget: 2500,- Euro

 Die Lösung:

  1. dreizehn HP Compaq DC7900, Core2Duo 3Ghz, 2GB RAM, Windows7-Professional-Lizenz, 160 GB HDD
  2. zwei HP Workstation xw6400, 2x Intel Xeon 5130, 2GB RAM, Windows7-Professional-Lizenz, 80 GB
  3. vier neue 1TB HDDs
  4. 3x TP-Link WR1043ND WLAN-Router mit DD-WRT-Firmware
  5. 1x Jahresgebühr Schulnetzwerklösung IServ
  6. 1x Einrichtungsgebühr Schulnetzwerklösung IServ
  7. Upgrade des t@school-Anschlusses auf DSL6000

Die Kosten:

  1. 90 Euro / Stck. = 1170,- Euro
  2. 99 Euro / Stck. = 180,- Euro
  3. 60 Euro / Stck. = 240,- Euro
  4. 30 Euro / Stck. = 90,- Euro
  5. 230,- Euro / Jahr
  6. 595,- Euro (einmalig)
  7. kostenlos

Gesamtsumme: ca. 2500,- Euro

Arbeitslohn bei Durchführung durch eine Fachfirma:

angenommener Stundensatz:  80,- Euro (brutto)

24 Mannstunden komplett, Leistungen:

  • Recherche geeigneter Rechnersysteme (Beschaffung in Verantwortung der Schule, um Garantieansprüche abzuwehren) (zwei Stunden)
  • Installation und Server- und Backupsystem inkl. Einrichtung der Nutzer (vier Stunden)
  • Vorinstallation aller Clients und Accesspoints (servergesteuerte Bespielung mit Software, Absicherung und Konfiguration des BIOS) (zwölf Stunden)
  • Dokumentation (Passwörter, IP-Adressen etc.) (eine Stunde)
  • Aufbau und Verkabelung vor Ort inkl. Anfahrt (fünf Stunden)

Gesamtsumme: ca. 1920,- Euro

Vergleich:

Bei entsprechender Vorbereitung und Vorwissen benötige ich als ungelernte Kraft  für derartige Arbeiten ca. 12 Stunden (schneller Internetanschluss und entsprechend konfigurierte Arbeitsumgebung vorausgesetzt). Bei der Zeitberechnung sind daher Einlesezeiten und Supportkontakte mit eingerechnet.

Das Resultat:

  • Schulnetzwerk von außen erreichbar unter vollwertiger Domain
  • Dateiaustausch über http, https, ftp, ftps, dav, davs
  • vollwertiger E-Mailserver
  • vollwertiger Kalenderserver nach dem CalDAV-Standard
  • Softwareverteilung per Klick, inkl. automatisierte OS-Installation
  • Automatisches Update aller Rechner inklusive der installierten Software per WOL nachts
  • Schulweites WLAN (RADIUS)
  • Inhouse-Hosting aller Dienste
  • externes Monitoring
  • Remote Support per E-Mail und Telefon

Kritik:

Es ist nicht Aufgabe der Schule oder der Medienberatung, derartige Prozesse zu initiieren, sondern die des Schulträgers. Politische Wege sind lang. Schülerinnen und Schüler gibt es aber jetzt genau wie die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags. Durch verlässliche Infrastruktur entstehen nach meiner Erfahrung Ideen. Diese fangen immer so an, dass Unterricht sich nicht verändert, sondern zunächst Schulorganisation und Schulkommunikation. Durch Infrastruktur und Optimierung von Kommunikationsprozessen entstehen dann oft genug Freiräume für die konzeptionelle Arbeit, die Aufgabe der Schule ist.

Mit Infrastruktur passieren seltsame Dinge, z.B. das auf einmal schulübergreifende Fachschaftssitzungen jetzt an einem Standort stattfinden, weil dieser auf einmal über die entsprechende Ausstattung verfügt. Davon wird erzählt.

  • Wie? Ihr könnt die Onlinemedien des Landes und des Medienzentrums jetzt überall nutzen?
  • Wie? Ihr braucht Software jetzt nicht mehr Rechner für Rechner aufspielen?
  • Wie? Ihr habt überall WLAN? Zu dem Preis?

Parallel:

Parallel muss politische Arbeit erfolgen, z.B. die Implementierung von Medienentwicklungsplänen, deren Ziel es ist, Support, Planung, Beschaffung und Installation zentral zu organisieren. Das ist Kernaufgabe meiner Tätigkeit als Medienberater.

Das geht nur mit einer kritischen Schülerzahl verlässlich und erfordert gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen Zeit. Diese Zeit geht den jetzigen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften verloren.

Daher arbeite ich von unten nach oben, in ich dem Schulen, die sich jetzt auf den Weg machen wollen, zu einer verlässlich Infrastruktur verhelfe. Finanzierungswege finden sich da immer. Ich schaffe ca. drei bis vier Schulen pro Jahr.

Gleichzeitig führt kein Weg daran vorbei, auch von oben nach unten, also politisch zu arbeiten, damit wir irgendwann zu neuer Hardware, verlässlichen Supportkonzepten, vernünftigem Lizenzmanagement und professionellem WLAN kommen – und zu einem fairen Wettbewerb der Schulnetzwerklösungen. IServ ist nach meiner Erfahrung für die Arbeit im Jetzt vor allem budgettechnisch alternativlos gemessen am Preis-/Leistungsverhältnis. Es gibt m.E. hervorragende Lösungen, die vor allem im Blick auf eine zu entwickelnde Zukunft eine bessere Figur machen, jedoch Hardware, Verkabelung und Lizenzkosten voraussetzen, die im Jetzt nicht realistisch zu finanzieren sind.

Hardwareempfehlungen

Ich empfehle meist keine Hardware. Ich habe eine Idee, was ein Schulnetzwerk können sollte und formuliere Anforderungen, die dann Fachleute umzusetzen haben. Leider setzen sich dabei in den Ausschreibungen oft Firmen mit entsprechendem Vertriebsapparat durch – die ihr Zeug dann zu Preisen vertickern, die die Kosten ebendieses Vertriebsapparates dann wieder einspielen müssen. In Firmen ist das relativ egal, weil dort andere Möglichkeiten für steuerliche Abschreibungen bestehen. Wenn man dann den 600,- Euro Accesspoint gegen das mit offener Firmware versehene halb so teure Gerät legt und misst, ist der preisliche Abstand doch oft wesentlich größer als der technische. Der 600-Euro-Accesspoint mit seinem Cloudcontroller kostet dann oft zusätzlich jährliche Lizenzgebühren – da muss man schon sehr genau rechnen. Das ist nur ein Beispiel.

Oft habe ich mit Schulen zu tun, die möglichst schnell ein Ergebnis und Verbesserungen sehen wollen und das durch z.B. Förderverein finanzieren. Auch wenn wir hier in der Region parallel einen Medienentwicklungsplan vorantreiben, drängt dann oft die Zeit. Wenn ich bei knappen Budget in solchen Kontexten Empfehlungen ausspreche, muss ich schauen, wie viel pädagogischer Mehrwert mit der Summe möglich ist, die mir genannt wird.

Über die Jahre lande ich dabei immer wieder bei bestimmten Geräten, die sich darüberhinaus auch problemlos in eine große Lösung eines Medienentwicklungsplanes integrieren lassen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Netzinfrastrukturgeräte wie Switche, Accesspoints oder Server, teilweise aber auch um Endgeräte. Ich präsentiere hier einmal eine kleine Auswahl:

1. WLAN-Komponenten

Cisco WAP321 (Accesspoint)

Der Cisco WAP321 ( ca. 180,- Euro) und sein größerer Bruder, der WAP371 (ca. 240,- Euro), werden wahrscheinlich von Linksys in Lizenz für Cisco gebaut ( langjährige Admins hören da die Alarmglocken ). Sie haben fast alles, was man sich im schulischen Bereich wünscht, z.B.:

  • VLANs + MultiSSID (separierbare Netze für Lehrkräfte, Schüler, Gäste usw.)
  • Dualband (2 und 5 Ghz)
  • eine hohe Reichweite
  • eine dynamische Anpassung der Funkleistung
  • der WAP371 beherrscht zusätzlich den neuen ac-WLAN-Standard
  • Spezifizierung für 32 Geräte (mehr ist im schulischen Umfeld oft auch nicht sinnvoll)
  • Speisung über das Netzwerkkabel (PoE)

Die Besonderheit der Geräte ist ihre Clusterfähigkeit: Man kann acht APs zu einem Cluster zusammenschließen. Egal auf welchen Gerät ich Änderungen vornehme – diese Einstellungen werden von allen Geräten des Clusters übernommen. Wenn eine Schule mit maximal acht Geräten abzudecken ist (z.B. eine zweizügige Grundschule), können die Ciscos je nach Gebäudetopologie eine gute, kostengünstige Wahl sein.

Benötigt wird zu Speisung ein PoE-fähiger Switch oder ein Injektor (Switch würde ich vorziehen). Bei Nachrüstung z.B.: Netgear GS108P (versorgt vier APs). Die gesamte Serie ist stabil verarbeitet.

Ubiquiti Networks (WLAN System)

Ubiquiti ist eine solide, controllerbasierte WLAN-Lösung zu moderaten Preisen. Genau wie bei den Ciscos (s.o.) kann man mehrere Geräte an einer Stelle konfigurieren. Der Controller ist in Software realisiert, aber unlimitiert was die Anzahl der verwaltbaren Geräte angeht und für Linux sowie Windows verfügbar. Die Software wird nur für die Konfiguration benötigt, nicht für den Betrieb, d.h. die APs vergessen ihre Einstellungen nicht, wenn der Controller oder die Internetverbindung zu ihm ausfällt. Ubiquiti ist damit sehr gut auch für größere Schulen erweiterbar, jedoch völlig ungeeignet, wenn mehrere Standorte zentral gemanaged werden müssen (Schulträgerlösung). Die Accesspoints kommen in der Regel mit einem passenden Injektor, können aber auch über PoE+-fähige Switche versorgt werden (PoE+ ist wichtig). Durch den Verzicht auf teures Marketing und den Einsatz von Linuxfirmware sowie den freien Controller spart man viel Geld mit dem Nachteil nur standortweise zentral managen zu können. Preis für die Accesspoints: 60-250 Euro.

2. Switch

Zyxel GS1910-24

Es gibt keinen mir bekannten Switch am Markt, der ein derart abartig gutes Preis-/Leistungsverhältnis bietet. Er kostet ca. 110,- Euro. Features:

  • kann zwei 10GB-fähige optische Transceiver aufnehmen (Glasfaser)
  • ist voll gemanaged (eigene Oberfläche, kann in verschiedene virtuelle Switche aufgeteilt werden, z.B. Verwaltung/pädagogisches Netz – ideal für kleine Grundschulen)
  • ist lüftlerlos und damit auch für Räume mit Publikumsverkehr geeignet

Die Kiste kann mit den HPs, die ich im Einsatz habe, voll mithalten. Zum Vergleich:

  • 10 GB-Verbindung mit HP-Hardware: 9000,- Euro (inkl. Switche)
  • 10 GB-Verbindung mit Zyxel-Hardware: weit unter 1000,- Euro (inkl. Switche)

Wenn das Ding in fünf Jahren ausfällt, ist es fast egal, dass die HPs als deutlich robuster gelten.

3. Gebrauchtware

Es kommen zurzeit massig hervorragende Gebrauchtgeräte auf den Markt. Diese bringen einen i5-Prozessor der ersten Generation mit, haben 4GB RAM, sind mit Windows 7 Professional ausgestattet und viel besser verarbeitet als gängige Consumerware der heutigen 600-Euro-Klasse.  Zu Preisen ab 250,- für Notebooks (inkl. neuem Akku) und ca. 200,- Euro für Desktops erhält man Geräte, die alles wichtige im Netz mitmachen, vernünftige BIOS-Features aufweisen (z.B. WOL), das verschüttete Getränk auf der Tastatur vertragen und, und, und … Für Videoschnitt und CAD würde ich natürlich andere Geräte kaufen.

Klassische Fehler bei der Medienausstattung von Schulen

1. Fixierung auf Endgeräte vor der Schaffung von Infrastruktur

Rechner, Notebooks, interaktive Tafelsysteme und Tablets sehen schick aus, sind im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ und zudem repräsentativ nach außen. Keines dieser Geräte lässt sich mittlerweile sinnvoll nutzen ohne ein stabiles Netzwerk und eine vernünftige Anbindung desselben an das Internet.

Ohnehin stattfindende bauliche Maßnahmen an Schulen werden oft nicht hinreichend dazu genutzt, Infrastruktur gezielt aufzubauen (Verlegung von Netzwerkkabeln in neu erstellten Decken, Umbau der Elektrik oder Heizungs- sowie Sanitärinstallationen etc.)

2. Mobile Lösungen für Präsentationen

Medienwagen mit Beamer, Notebook und Lautsprechern sind flexibel einsetzbar. Prüft man die Betriebszeiten von Beamerlampen auf diesen Wagen, stellt sich oft Ernüchterung ein: Aus verschiedenen Gründen werden diese recht teuren Geräte wesentlich weniger genutzt als fest installierte Systeme z.B. Deckenbeamer mit fest installierten Rechner.

3. Räumlich unsinnige Installationen von Präsentationssystemen im Klassenraum

Das Endgerät, welches den Beamer oder die interaktive Tafel steuert, muss entweder so ausgerichtet sein, das die Lehrkraft bei der Bedienung zur Lehrgruppe hinschaut oder es muss eine mobile Präsentation vom Platz des Schülers / Lehrers aus möglich sein.

4. Technische Überdimensionierung von PC-Arbeitsplätzen

Im klassischen PC-Raum werden i.d.R. Office- oder Internetanwendungen genutzt. Dafür sind PC-Systeme wie sie in Firmen zum Einsatz kommen schlicht überdimensoniert und verbrauchen darüberhinaus unnötig viel Energie.

Für die Medienproduktion – z.B. Filmschnitt – sind diese Geräte dann wieder viel zu leistungsschwach.

Ein PC-Arbeitsplatz muss in sich der Ausstattung an der tatsächlich zu erwartenden Nutzung orientieren.

5. Verzicht auf Softwaredeploymentlösungen (zugunsten von z.B. Wächterkarten)

Jedes System, welches bei der Installation einer Anwendung voraussetzt, dass sich ein Servicetechniker vor jeden einzelnen PC für die notwendigen Arbeiten setzt, ist nicht mehr zeitgemäß. Software lässt sich heutzutage servergesteuert verteilen. Selbst die Betriebssysteminstallation läuft vollautomatisch ab. Der Schutz des jeweiligen Arbeitsplatzes vor Manipulationen durch SuS kann z.B. verlässlich durch entsprechende Profileinstellungen erfolgen.

6. Fehlende Skalierungsplanung

Es ist eine Sache, in einem Klassenraum mit Funkübertragungsprotokollen wie AirPlay, MiraCast etc. und mit z.B. einem Klassensatz Tablets zu arbeiten. Es ist eine andere Sache, das mit einer ganzen Schule in allen Räumen zu tun. Die dazu nötigen Netzwerkkomponenten und deren Konfiguration stehen in einem diametralen Gegensatz zu den vermeintlich technisch trivialen Erlebnissen, wie sie insbesondere die Applewelt vermittelt.  Die Ausstattung muss unter der Annahme beschafft und konzipiert werden, dass das irgendwann „jeder an der Schuler“ macht.

7. Fehlendes Fortbildungskonzept für die Lehrkräfte

Im Idealfall werden die vom Schulträger beschafften Geräte oft und gern benutzt. Nur ein kompetenter, lernbereiter Anwender ist dazu in der Lage und nutzt die Möglichkeiten dieser teuren und meist wartungsaufwändigen Investition.

Schulen mit einem durchdachten IT-Fortbildungs- und Medienkonzept sind bei der Ausstattung vorrangig zu behandeln.

Ein schulübergreifendes Fortbildungskonzept wird durch eine einheitliche Ausstattung erheblich vereinfacht.

8. „Schmoren im eigenen Saft“

Es gibt in der unmittelbaren Region viele Schulen, die mit neuen Medien und Schulserverlösungen ausgestattet sind. Diese verfügen über konkrete Erfahrungswerte aus methodisch-didaktischen Kontexten.

Die Besichtigung anderer Schulen und das Gespräch mit den dort unterrichtenden Lehrkräften sind wichtig, um als Schule oder Schulträger eine differenzierte Meinung zu erhalten und diese gegenüber Firmen vertreten bzw. überhaupt verbalisieren zu können.

 

Computerräume ausstatten

Ein paar Thesen:

  1. Der Computerraum als Konzept ist bald tot. Er lebt eigentlich nur in den Vorstellungen von Administratoren von Firmennetzwerken und in stark gelenkten Schulungssetups. Ich weiß nicht einmal, ob er im Kontext von Informatikunterricht überhaupt Sinn macht. Zunehmend setzt sich auch in informationstechnischen Kontexten die Einsicht durch, dass Teamfähigkeit und Kollaboration keine ganz schlechte Idee ist, wenn man z.B. Entwicklungen von Personen abkoppeln will.
  2. Wenn ein Computerraum bald tot ist, lohnt sich die Neuausstattung mit Neuware aus dem Konzept des Desktoprechners wahrscheinlich nicht mehr lange
  3. Wenn man einen PC-Raum nach den Vorstellungen besagter Administratoren ausstattet, dann sollte man auch auf Businesslösungen mit Businessmerkmalen setzen
  4. Wenn es Neuware sein soll, dann Neuware, die später einen flexiblen Einsatz erlaubt

Damit wäre alles gesagt. Naja, nicht ganz: Ich statte gerade einen neuen PC-Raum aus und es muss leider weiterhin ein klassischer PC-Raum bleiben – vorwiegend weil das Geld für neue Möbel fehlt, aber genau das könnte ja irgendwann kommen. Deswegen folgende Komponenten:

  1. Einen Lehrerarbeitsplatz mit einer M58p-Workstation (Desktopformat, gebraucht) mit einem Business 22 Zoll TFT (gebraucht).  Inklusive einer Windows7-Professional-Lizenz kostet ein solcher Arbeitsplatz ca. 250-270 Euro. Die Lenovo Workstations besitzen Displayports und können mit entsprechenden Adaptern trotz ihres Alters sogar HDMI-Beamer ansteuern – VGA will man heute eher nicht mehr, aber selbst Firmen wie SMART tun sich mit dieser Erkenntnis noch schwer. Wer Dualdisplaymodi braucht, kann eine Low-Profile Radeon HD3470 verbauen, die dann gleich zwei Displayports mitbringt (Zusatzkosten: 19,-Euro auf Ebay). Die M58p hat mit einem Core2Duo E8400 schon ziemlich viel Dampf, wenn man nicht dauernd Videos hin und hercodiert. Bei Office, Surfen, HD-Videos oder Audiobearbeitung langweilt sich die Kiste eher. Flash ist auch kein Problem. Der „Kunde“ sieht davon nur einen gigantischen Bildschirm und ein flott reagierendes System. Apples AirPlay lässt sich darauf z.B. per AirServer problemlos nachrüsten.
  2. Einen netzwerkfähigen Beamer. Der kann zumindest statische Bilder über ein kleines Programm von jedem Rechner im Netzwerk empfangen, d.h. jeder Rechner im Raum kann seine Bildschirmausausgabe (wenn es nicht gerade Videos sind), auf dem Beamer projezieren. So lassen sich Arbeitsergebnisse rasch für die Gruppe sichtbar machen und diskutieren.
  3. Laptops für die Arbeitsplätze. Im PC-Raum kann man sie zunächst per Ethernetkabel an Netz hängen und per Kensingtonschloss an ihren Platz fesseln. Ein Core i3 reicht eigentlich mehr als aus und ist inklusive Windows7-Lizenz für ca. 450-500 Euro pro Stück erhältlich. Ändert sich das Raumkonzept dann doch mal, können die Laptops schnell ihren Platz verändern. Bei Desktops mit TFTs ist das nicht so spontan denkbar.
  4. Einen Dualbandrouter. Damit kann man den Raum später auch mit Mobilgeräten nutzen (entweder BYOD oder gar Schultablets). Zusammen mit z.B. dem AirServer kann man dann auch iOS-Geräte in dem Raum verwenden.

Dann war noch Geld über, was ich in ein paar Nexus7-Tablets investiert habe. Nexus7 deswegen, weil diese Geräte schon jetzt mehrbenutzerfähig und so verbreitet sind, dass sich regelmäßige OS-Updates erwarten lassen  und ggf. auch weitere Betriebsystemportierungen verfügbar werden. Mit Google Apps for Education lassen sich diese Devices auch schon jetzt zentral managen (Passworte, Kameraeinstellungen, Remotelöschung etc.), leider noch ohne App-Distribution.

Zudem sollte man darauf achten, aus Datenschutzgründen nur einen Geräteaccount zu verwenden. iPads waren aus Budgetgründen keine Alternative.  Wir wollen bei uns an der Schule Tablets erstmal vorrangig als Mediaplayer (wir betreiben einen DLNA-Server für die Mediendistribution) und Internetzugangsgerät nutzen, sodass wir nicht auf ein umfangreiches Appangebot angewiesen sind. Und dafür sind iPads deutlich zu teuer.

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