Buchprojekt „Digitalisierung und Schule“ – Streiflichter

Ich ent­lee­re gera­de mei­nen Kopf in ein LaTeX-Doku­ment, in dem ich in les­ba­rer Form mei­ner Erfah­rung aus der Bera­tung von Schul­trä­gern und Schu­len zusam­men­fas­se. Die Print­rech­te wer­den ver­kauft – die digi­ta­len wer­den wahr­schein­lich nach dem Mot­to „Do what you fuck­ing want with it“ gestal­tet sein. Vol­le DINA4-Sei­ten sind es momen­tan ca. 50 – bis zum Herbst könn­te der ers­te Teil ste­hen – da geht es erst­mal rund um alles Wich­ti­ge für die ers­te Pha­se des Digir­tal­pak­tes.

Die Struk­tur ist nicht so ganz ein­fach, eben­so die Inter­de­pen­den­zen zwi­schen den Kapi­teln, weil ich das Gefühl habe, dass ein Buch eher sowas wie ein Foto ist: Eine Moment­auf­nah­me von Sicht­wei­sen und Gedan­ken, wäh­rend schon wie­der neue Sicht­wei­sen und Gedan­ken ent­ste­hen.

Zwei Bil­der aus Shosha­na Zuboffs „Der Platt­form­ka­pi­ta­lis­mus“ wer­fen mich gera­de etwas durch­ein­an­der. Das ers­te Bild ist das des Bei­spiel­lo­sen:

Vor eini­gen Jah­ren schlug in einer stür­mi­schen Nacht der Blitz bei uns ein, und ich er­ fuhr die sich jedem Ver­ständ­nis sper­ren­de Kraft des Bei­spiel­lo­sen am eige­nen Leib. Weni­ge Augen­bli­cke nach dem Ein­schlag schon quoll dicker schwar­zer Rauch aus dem Erd­ge­schoß die Trep­pe her­auf. Als wir, end­lich hand­lungs­fä­hig, die Feu­er­wehr rie­fen, mein­te ich, ein, zwei Minu­ten zu haben, um noch etwas Nütz­li­ches zu tun, bevor ich mich der nach drau­ßen geflüch­te­ten Fami­lie anschloß. Zuerst lief ich nach oben und schloß alle Türen, um die Zim­mer vor dem Rauch zu schüt­zen. Als Nächs­tes rann­te ich wie­der hin­ab ins Wohn­zim­mer, wo ich so vie­le von unse­ren Foto­al­ben zusam­men­raff­te, wie ich nur tra­gen konn­te, um sie auf die Veran­da in Sicher­heit zu brin­gen. Just in dem Augen­blick, in dem der Rauch mich erreich­te, bekam der Ein­satz­lei­ter der Feu­er­wehr mich an der Schul­ter zu fas­sen und zerr­te mich aus dem Haus. Fas­sungs­los stan­den wir im strö­men­den Regen, als das Haus auch schon explo­si­ons­ar­tig in Flam­men auf­ging.

 ( Aus: „Der Platt­form­ka­pi­ta­lis­mus“, Shosha­na Zuboff, Cam­pus-Ver­lag, 2018 )

Zuboff konn­te die Gefähr­lich­keit der Situa­ti­on nicht ein­schät­zen, weil sie so etwas in ihrem Leben noch nicht erlebt hat­te. Die Stär­ke in ihrem gesam­ten Buch ist für mich das Anek­do­ti­sche: Sie beschreibt das Gesamt­bild nie ohne es auf sich selbst als Per­son zu bezie­hen (Step­ping out – Diving in, oder: Ver­sa­ti­li­tät).

Für die Grund­struk­tur des Bei­spiel­lo­sen gibt es vie­le Bei­spie­le – hier eini­ge – und in der Twit­ter-Fil­ter­bla­se oft bemüh­te – aus dem tech­ni­schen Bereich: Hen­ry Fords Fließ­band­pro­duk­ti­on von Auto­mo­bi­len, die Ent­de­ckung des Erd­öls, die Erfin­dung des Per­so­nal Com­pu­ters, App­le­Mu­sic – das alles war zum Zeit­punkt des Ent­ste­hens bei­spiel­los für – hier – das bestehen­de wirt­schaft­li­che Sys­tem und das erklärt die aus eine geschicht­li­chen Per­spek­ti­ven restro­spek­tiv gro­tes­ken Fehl­ein­schät­zun­gen – teil­wei­se sogar von den Erfin­dern die­se Din­ge selbst.

Ste­ve Jobs wuss­te 100%ig nicht, was er mit dem iPho­ne geschaf­fen hat­te. Goog­le lehrt es uns heu­te.

Die Digi­ta­li­sie­rung selbst ist his­to­risch gese­hen bei­spiel­los – und zwar nicht allein im Bereich der Tech­no­lo­gie – son­dern kul­tu­rell, d.h. erheb­li­che Tei­le unse­res gewohn­ten Lebens umfas­send. Bis zu die­ser Erkennt­nis kom­men wir. Span­nend ist, wel­ches Ver­hal­ten bzw. wel­che Hal­tung dar­aus folgt – ich beob­ach­te zwei Grund­hal­tun­gen:

  1. Wir kön­nen noch gar nicht wis­sen, wo „es“ hin­geht, müs­sen aber offen und vor­ur­teils­frei damit umge­hen.
  2. Das alles ist bedroh­lich für die Art unse­res bis­he­ri­gen Zusam­men­le­bens, wir müs­sen „es“ regu­lie­ren und in Zaum hal­ten.

Bei­de Hal­tun­gen gibt es nie in Rein­form, son­dern stets para­dox gemischt: z.B. der Netz­ver­wei­ge­rer mit der Pay­back- oder Kre­dit­kar­te in der Tasche.

Aber was ist die­ses „Es“ eigent­lich? Das führt mich zum zwei­ten Bild, dem Bild des Pup­pen­spie­lers und der Pup­pe:

Unse­re Anstren­gun­gen, dem Bei­spiel­lo­sen zu begeg­nen, müs­sen mit der Erkennt­nis begin­nen, daß wir hin­ter dem Pup­pen­spie­ler her sind und nicht hin­ter der Pup­pe. Eine ers­te Hür­de vor einem Ver­ständ­nis ist die Ver­wechs­lung des Überwachungskapita­lismus mit den Tech­no­lo­gi­en, derer er sich bedient. Der Über­wa­chungs­ka­pi­ta­lis­mus ist kei­ne Tech­no­lo­gie; er ist viel­mehr die Logik, die die Tech­no­lo­gie und ihr Han­deln be­seelt. Der Über­wa­chungs­ka­pi­ta­lis­mus ist eine Markt­form, die außer­halb des digi­ta­len Milieus unvor­stell­bar ist, aber sie ist nicht mit »dem Digi­ta­len« gleich­zu­set­zen.

( Aus: „Der Platt­form­ka­pi­ta­lis­mus“, Shosha­na Zuboff, Cam­pus-Ver­lag, 2018 )

Wir schau­en oft nur die Pup­pe an, etwa ein Online­spiel für Jugend­li­che. Wir (als Gesell­schaft) bekla­gen z.B. des­sen Sucht­po­ten­ti­al und bewun­dern und beschrei­ben fas­zi­niert gleich­zei­tig das Bei­spiel­lo­se hin­sicht­lich der Wir­kung die­ses Spiels auf Kul­tur (etwa die „Tanz­codes“, die durch Fort­ni­te ent­ste­hen). Allen vor­an der Jour­na­lis­mus.

Und wir gera­ten dar­über in Streit. Aber wir strei­ten letzt­lich um die Pup­pe. Bei­de oben beschrie­be­nen Hal­tun­gen zie­len allein auf die Pup­pe und ermög­li­chen dem Spie­ler die unge­stör­te Bei­be­hal­tung der Logik hin­ter sei­nem Pup­pen­spiel.

Wir kön­nen die nega­ti­ven Aspek­te letzt­lich nur kon­trol­lie­ren, wenn wir ver­ste­hen, nach wel­cher Logik der Pup­pen­spie­ler arbei­tet und wer der Pup­pen­spie­ler eigent­lich ist. Den Pup­pen­spie­ler zu kon­trol­lie­ren, kann eigent­lich nur bedeu­ten, des­sen Logik z.B. unat­trak­tiv und eine ande­re dafür attrak­tiv zu machen. Aber wer bestimmt dar­über, was gut oder böse ist?

Har­ter Tobak, oder? Und übri­gens kei­ne Angst vor dem Buch: Auch die­se Gedan­ken hier sind nur eine Pup­pe. Aber die Logik hin­ter Zuboffs Gedan­ken fas­zi­niert mich immens. Und die kommt ins Buch. Ich weiß nur noch nicht wie …

Solan­ge sei euch Zuboffs Buch wärms­tens emp­foh­len.

 

 

 

 

 

 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Das Ich als Marke im Netz – Unterrichtsideen zur Netzidentität

Überblick

Klas­sen­stu­fe: ab Klas­se 9
Fächer: Poli­tik, Reli­gi­on, Wer­te und Nor­men
Zeit­be­darf: je Übung ca. 45 Minu­ten
tech­ni­sche Aus­stat­tung: Smart­pho­nes, ggf. WLAN, PC-Raum
Auf­wand: mit­tel
fach­li­che Kom­pe­ten­zen: Iden­ti­tät als Kon­zept demo­kra­ti­scher Gesell­schaf­ten
all­ge­mei­ne Kom­pe­ten­zen und Medi­en­kom­pe­tenz: Inter­net­re­cher­che, Umgang mit Quel­len

Das Ich als Marke im Netz –

wie und war­um wir das Bild, wel­ches im Inter­net von uns ent­steht aus­ge­stal­ten und nicht igno­rie­ren soll­ten

Nahe­zu jeder von uns ist im Inter­net prä­sent, auch die­je­ni­gen, die sich den digi­ta­len Medi­en ver­wei­gern. Der wohl bekann­tes­te Mes­sen­ger Whats­App teilt bei der Erst­an­mel­dung die loka­le Tele­fon­lis­te des jewei­li­gen Han­dys mit den Ser­vern von Face­book. Schü­ler schrei­ben auf Bewer­tungs­por­ta­len Rück­mel­dun­gen zu Lehr­kräf­ten und neh­men kei­ne Rück­sicht dar­auf, ob die­se Lehr­kraft sei­ne Arbeits­blät­ter noch im Matri­zen­ver­fah­ren erstellt, um sich aus dem Inter­net her­aus­zu­hal­ten. Wir beglei­chen Rech­nun­gen mit elek­tro­ni­schen Zah­lungs­mit­teln, nut­zen Rabatt­kar­ten oder sind Mit­glied im ADAC – über jeden von uns sind Daten im Umlauf, die etwas über uns erzäh­len, ob wir wol­len oder nicht.

Kris­ti­an Köhn­topp, Mit­be­grün­der der Pro­gram­mier­spra­che PHP, ehe­ma­li­ger Secu­ri­ty­spe­zia­list bei web.de, ehe­ma­li­ger Betreu­er der Daten­bank­ser­ver von bookings.com, momen­tan ange­stellt bei Sys­e­le­ven beschreibt sei­ne Reak­ti­on auf die­se Umstän­de im Jah­re 2009 fol­gen­der­ma­ßen:

Was ich mit mei­nem Blog und allen mei­nen ande­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen mache, ist eine Mar­ke ‚Kris­ti­an Köhn­topp‘ zu bau­en. Es ist unver­meid­lich, daß ich unter mei­nem Namen eine Daten­spur in die­ser Welt hin­ter­las­se – ich brau­che nicht anzu­tre­ten um zu ver­su­chen, die­se zu ver­ste­cken.

Was ich aber tun kann ist zu ver­su­chen, die­se Spur zu ownen, also die Inhal­te die eine Suche nach mei­nem Namen zu Tage för­dert mehr oder weni­ger zu kon­trol­lie­ren und das Image zu bestim­men, daß durch die Suche nach mei­nem Namen pro­du­ziert wird. Das ist natür­lich nichts ande­res als klas­si­sches Mar­ke­ting auf mich als Pri­vat­per­son und mei­nen Daten­schat­ten über­tra­gen. Damit wird natür­lich jede Akti­on von mir im Netz zu einer Publi­ka­ti­on, die auf mein Image und mei­ne Mar­ke wirkt und sie ent­we­der auf­baut, beschä­digt oder ver­än­dert.

Ich den­ke auch, daß ist den Digi­tal Nati­ves unter uns klar und das ist ein gutes Teil des­sen, was uns von den Digi­tal Immi­grants unter­schei­det: Wir wis­sen das, wir haben das akzep­tiert und wir leben das. Wir sind im Netz zu glei­chen Tei­len Per­son, Pro­jek­ti­on und Publi­ka­ti­on – kein authen­ti­sches Gesamt-Kunst­werk.

Bezeich­nen­der­wei­se steht der Ori­gi­nal­ar­ti­kel gar nicht mehr zur Ver­fü­gung, son­dern ist nur noch über spe­zi­el­le Such­ma­schi­nen wie Way­Back­Ma­chi­ne zu fin­den, die Moment­auf­nah­men von Web­sei­ten erstel­len. Als ich Herr Köhn­topp auf Goog­le+ (auch bereits Geschich­te) um die Erlaub­nis zur Ver­wen­dung des Tex­tes bat, hat­te er nichts dage­gen, war aber ver­wun­dert, dass so ein alter Text noch zum Aus­gangs­punkt einer Unter­richts­ein­heit wer­den soll­te und dass der Text immer noch Teil sei­ner Daten­spur war.

Kern sei­ner Bot­schaft:
Es gibt nur weni­ge Daten, bei denen wir bestim­men kön­nen, in wel­chem Umfang sie ins Netz gelan­gen, weil es Drit­te sind, die z.B. durch die schlich­te Wahl eines Mes­sen­gers die­se zu einem Anbie­ter über­tra­gen. Wenn wir im Netz nicht ganz bewusst eine eige­ne Iden­ti­tät auf­bau­en und kul­ti­vie­ren, wer­den es Daten von Drit­ten sein, die unser Bild für ande­re in der Öffent­lich­keit bestim­men.

Wenn unse­re inter­net­scheue, matri­zen­pro­du­zie­ren­de Lehr­kraft also allein auf die leicht auf­find­ba­re die Bewer­tung bei spickmich.de redu­ziert bleibt, ist das ein wirk­lich­keits­ver­zer­ren­der Umstand.

Gleich­zei­tig ist es aber eine Rea­li­tät mit einer gesell­schaft­li­chen Dimen­si­on – sol­len wir als Bür­ger die­ses Staa­tes nun alle gezwun­gen sein, uns und unser Bild im Inter­net zu ver­mark­ten, um einer Bewer­tung durch Algo­rith­men „zuvor­zu­kom­men“? Und ist das über­haupt mög­lich?

Eine sol­ches The­men­ge­biet mit sei­nem hohen Abs­trak­ti­ons­grad ist unter­richt­lich nur ab Klas­sen­stu­fe 9 sinn­voll auf­ge­ho­ben.

Im wei­te­ren Ver­lauf des Tex­tes wer­de ich kei­ne fer­ti­gen Koch­re­zep­te für eine Unter­richts­ein­heit, son­dern eini­ge weni­ge Ide­en und Fra­ge­stel­lun­gen für zum Wei­ter­den­ken prä­sen­tie­ren, die es ermög­li­chen sol­len, dass sich Schü­le­rin­nen und Schü­ler die­ser Pro­ble­ma­tik öff­nen. Ich habe der­ar­ti­ge Ide­en an mei­ner Schu­le in Ver­tre­tungs­stun­den umge­setz, wenn kei­ne Auf­ga­be vom feh­len­den Fach­leh­rer hin­ter­legt wor­den ist.

Idee 1 – Was macht fremdbestimmte Wahrnehmung mit uns?

Die­se Übung ver­mit­telt eine Idee davon, wie Algo­rith­mik im Netz in Ansät­zen(!) funk­tio­niert: Auf­grund bestimm­ter Merk­ma­le wer­den all­ge­mein­gül­ti­ge Aus­sa­gen über ein Indi­vi­du­um auf Basis von Wahr­schein­lich­kei­ten berech­net. Die Daten­sät­ze wer­den umso treff­si­che­rer sein, je mehr Daten zur Berech­nung hin­zu­ge­zo­gen wer­den kön­nen. Der Rück­kop­pe­lungs­ka­nals eines Ple­nums fehlt im Netz.

Mate­ri­al für jedes Lern­grup­pen­mit­glied:

  • DINA3-Ton­kar­ton
  • Eddings
  • 10 DINA4-Ton­kar­ton­bö­gen beschrif­tet mit Pro­zent­an­ga­ben in 10er-Schrit­ten (0% – 10% …)

ggf. Foto­ka­me­ra, Tablet oder Han­dy mit Foto­funk­ti­on

Auf­ga­be:
Jedes Lern­grup­pen­mit­glied setzt fol­gen­de Auf­ga­ben auf sei­nem DINA3-Ton­kar­ton um. Es darf nicht der eige­ne Name auf­tau­chen. Im gesam­ten Spiel­ver­lauf darf nicht preis­ge­ge­ben wer­den, wel­cher DINA3-Bogen von wem stammt. Maxi­mal steht eine Zeit von 10 Minu­ten zur Ver­fü­gung.

  1. Male eine Son­ne
  2. Gestal­te das Wort „Lie­be“
  3. Zeich­ne ein kom­ple­xes geo­me­tri­sches Mus­ter
  4. Notie­re die größ­te dir bekann­te Prim­zahl
  5. Notie­re die Zeit in Minu­ten, die du zur Lösung der ers­ten vier Auf­ga­ben benö­tigt hast

Aus­wer­tung:
In einem leer­ge­räum­ten Raum wird mit den 10 DINA4-Bögen eine Ska­la von 0–100% auf dem Boden aus­ge­legt. Die Ton­pa­pier­bö­gen der ein­zel­nen Lern­grup­pen­mit­glie­der wer­den gut gemischt.

Die Mäd­chen der Lern­grup­pe ord­nen nun die ein­zel­nen DINA3-Bögen auf der Ska­la im Raum nach einen gege­be­nen Kri­te­ri­um an. Mög­li­che Kri­te­ri­en könn­ten sein: „weib­lich, flei­ßig, Kopf­mensch, tech­nisch begabt, zuver­läs­sig, effi­zi­ent“.

Bsp. Für das Kri­te­ri­um „weib­lich“:
Die Mäd­chen legen jeden ein­zel­nen DINA3-Bogen an einen ihnen geeig­net erschei­nen­den Ort auf die Ska­la „Die­ser Bogen stammt 80%ig von einem Mäd­chen!“.

Die Jun­gen schau­en sich das Ergeb­nis an und kom­men­tie­ren ihre Ein­drü­cke, ver­mei­den jedoch, ihren eige­nen Bogen „offen­zu­le­gen“.

Danach kön­nen die Jun­gen ent­we­der eine eige­ne Ska­la zum glei­chen Kri­te­ri­um ent­wi­ckeln oder zu einem neu­en.

Jeder aus der Lern­grup­pe wird sich zeit­wei­lig unge­recht oder ste­reo­typ ein­ge­schätzt füh­len, gleich­wohl fin­det eine der­ar­ti­ge Kate­go­ri­sie­rung im Netz in Abhän­gig­keit von der jewei­li­gen Selbst­dar­stel­lung stän­dig statt.

Idee zur Wei­ter­ar­beit:
Man könn­te im Com­pu­ter­raum oder mit Mobil­ge­rä­ten Face­book­pro­fi­le oder You­Tube-Chan­nels dar­auf­hin über­prü­fen, inwie­weit eine posi­ti­ve Selbst­dar­stel­lung der Urhe­ber gelun­gen ist (Likes, Kom­men­ta­re) oder nicht und ggf. Kri­te­ri­en ermit­teln / ent­wi­ckeln.

Idee 2 – Eine fremde Person vorstellen

Die­se Übung ver­mit­telt eine Idee davon, was Netz­iden­ti­tät bedeu­tet. Ich füh­re sie ger­ne in Kon­tex­ten durch, in denen ich nicht bekannt bin, d.h. ich las­se z.B. die Zuhö­rer bei einem Vor­trag mei­ne Per­son auf Basis der Daten beschrei­ben, die sie inner­halb von fünf Minu­ten mit ihrem Smart­pho­ne über mich gewin­nen kön­nen. Die Übung eig­net sich für Ver­tre­tungs­stun­den in mir unbe­kann­ten Lern­grup­pen. Dabei bie­tet sich die Grup­pen­ar­beit als Sozi­al­form an.

Mate­ri­al:

  • Smart­pho­nes (eige­ne Gerä­te der SuS) mit Inter­net­zu­gang (Pro­vi­der oder WLAN der Schu­le).
  • Lis­te mit Namen, von denen Steck­brie­fe erstellt wer­den sol­len (z.B. Bet­ti­na Wulff, Sascha Lobo, Phil­ip­pe Wampf­ler, ggf. poli­ti­sche Per­sön­lich­kei­ten aus der Schu­le / der Regi­on)
  • Ton­kar­ton, Eddings

Auf­ga­be:
Stellt die euch zuge­wie­se­ne Per­son nach Recher­che im Inter­net dem Ple­num vor. Was ist im Netz nicht über die Per­son auf­find­bar?

Aus­wer­tung:
Die Grup­pen stel­len ihre Per­so­nen vor. Nach Vor­stel­lung aller Per­so­nen kann die Recher­che mit einer Per­son aus dem nähe­ren Umfeld wie­der­holt wer­den. Dabei wird eine Dis­kre­panz zwi­schen der Dar­stel­lung der Per­son im Netz und dem Wis­sen der SuS über die Per­son durch per­sön­li­chen Kon­takt auf­fal­len. Die­ser Punkt kann dis­ku­tiert wer­den – mög­li­che Leit­fra­gen:

  • War­um stel­len sich Per­so­nen im Netz anders dar als „sie sind“?
  • Wel­che Infor­ma­tio­nen fin­det man von Pro­mi­nen­ten nicht im Netz und war­um?
  • Wie ver­läss­lich sind Selbst­dar­stel­lun­gen?
Idee 3 – Umgang mit Kinderfotos im Netz

Vie­le Erwach­se­ne, die für sich in Anspruch neh­men, kei­ne per­sön­li­chen Daten im Netz zu tei­len, ver­tei­len über sozia­le Netz­wer­ke oder Mes­sen­ger oft Fotos von ihren Klein­kin­dern im Netz. Auf You­tube wer­den unzäh­li­ge Fil­me geteilt, auf denen Klein­kin­der zu sehen sind, die in Zitro­nen bei­ßen oder denen Miss­ge­schi­cke gesche­hen.

Mate­ri­al:

Prä­sen­ta­ti­ons­sys­tem (Inter­ak­ti­ves White­board oder Bea­mer, jeweils mit Laut­spre­cher)

Durch­füh­rung:

  1. Zei­gen von Bei­spie­len (Fotos, Vide­os)
  2. Dis­kus­si­on: Wie stün­de ich dazu, wenn sol­che Medi­en­da­tei­en aus mei­ner Kind­heit im Umlauf wären?
  3. Tex­te von Häuss­ler / Wampf­ler (Web­links) arbeits­tei­lig erar­bei­ten, Argu­men­te von Häuss­ler und Wampf­ler her­aus­ar­bei­ten
  4. Erneu­te Dis­kus­si­on vor dem Hin­ter­grund der Mei­nung die­ser zwei netz­af­fi­nen Men­schen

Die ideale Schulcloud

Es ist eini­ge Zeit ver­gan­gen nach einer öffent­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung ( hier und hier ), die mei­ner Mei­nung nach eine Men­ge Pro­ble­me auf unter­schied­lichs­ten Ebe­nen auf­zeigt, wenn es dar­um geht, mit Schü­le­rin­nen und Schü­ler in der Schu­le in einer gesi­cher­ten Umge­bung digi­tal zu arbei­ten. In Deutsch­land fir­miert eine sol­che Umge­bung unter dem Schlag­wort „Bil­dungs­cloud“.

Was ist für mich eigent­lich wün­schens­wert, gera­de unter dem Aspekt, dass in Schu­le sehr indi­vi­du­el­le Lern­pro­duk­te von Schü­le­rin­nen und Schü­lern ent­ste­hen? Die sind natür­lich unfer­tig ( das ist das Wesen eines Lern­pro­zes­ses ). Sie erfor­dern je nach Ent­wick­lungs­stand von Schü­le­rin­nen und Schü­lern einen Schutz­raum ( nicht jeder jun­ge Mensch bewegt sich reflek­tiert und kom­pe­tent im Inter­net).

Und – das ist ja „nur“ die eine Sei­te der Medail­le. Im Vor­der­grund für Lehr­kräf­te, Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie Eltern ste­hen natür­lich auch die Funk­tio­na­li­tät und die intui­ti­ve Bedien­bar­keit – (Daten-)Schutzfragen ste­hen da oft im Hin­ter­grund, weil Bequem­lich­keit ver­lo­ren­geht und dann toben die emo­tio­na­len Gra­ben­kämp­fe ( z.B. hier ).

Der­weil gibt es Lehr­kräf­te, die die­ses Pro­blem indi­vi­du­ell für sich bereits gelöst haben, z.B. Lisa Rosa oder Andre­as Kalt. Auf viel nied­ri­ge­rem Niveau habe ich das in mei­nem Unter­richt auch schon oft gemacht. Nur brauch­ten wir alle dafür kei­ne Lern­platt­form oder Schul­cloud. Aller­dings ist ein Min­dest­maß an Kennt­nis­sen im Bereich Daten­schutz und im Umgang mit Web­tools erfor­der­lich (z.B. um dabei kei­ne per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten zu pro­du­zie­ren) – vie­le Lehr­kräf­te sind bereits bei ver­meint­lich klei­nen Schrit­ten im digi­ta­len Raum rest­los über­for­dert. Da macht eine gemein­schaft­li­che Lösung inkl. War­tung, tech­ni­schem- und Anwen­der­sup­port ein­fach Sinn.

In einer idealen Welt

In einer idea­len Welt haben wir

  1. eine Platt­form auf Open­So­ur­ce-Basis, die von allen Betei­lig­ten im Hin­blick auf Funk­tio­na­li­tät und Bedien­bar­keit akzep­tiert ist
  2. einen gut auf­ge­stell­ten tech­ni­schen und Anwen­der­sup­port
  3. eine dezi­dier­te Tren­nung von per­so­nen- und inhalts­be­zo­ge­nen Daten
  4. die tech­ni­sche Bereits­stel­lung (Hos­ting) durch die öffent­li­che Hand
  5. doku­men­tier­te Schnitt­stel­len zu kom­mer­zi­el­len Anbie­tern (z.B. Unter­richts­ma­te­ri­al, Medi­en, inter­ak­ti­ve Übun­gen), die eine Anony­mi­sie­rung der Schü­ler­da­ten ermög­li­chen
In der Realität

Die Punk­te 1–2 gibt es zur­zeit nur im kom­mer­zi­el­len Bereich – da muss man auf die Punk­te 3–5 ver­zich­ten. Die Punk­te 3–5 gibt es nur bei den größ­ten­teils geschei­ter­ten Län­der­platt­for­men. Da muss man zur­zeit aber auf die Punk­te 1–2 ver­zich­ten – zumin­dest zu 50–60% der jewei­li­gen indi­vi­du­el­len Anfor­de­run­gen.

For­mal, d.h. recht­lich kom­plett abge­si­chert, ist kei­ne der denk­ba­ren Vari­an­ten – damit haben sämt­li­che Ent­wick­lungs­teams übri­gens auch stark zu kämp­fen – tech­nisch wäre prin­zi­pi­ell viel mög­lich, aber die Rechts­nor­men geben das i.d.R. noch nicht oder nur mit gro­ßen ver­wal­tungs­tech­ni­schen Klimm­zü­gen – z.B. die qua­li­fi­zier­te Ein­wil­li­gung – her.

Das öff­net das Tor für Kri­tik. Kom­mer­zi­el­le Lösun­gen von Goog­le, Micro­soft oder Apple sind „böse“, weil sie Daten der Schü­le­rin­nen und Schü­ler ver­ar­bei­ten. Öffent­li­che Lösun­gen sind ent­we­der „böse“, weil sie – mit weni­gen Aus­nah­men – die Funk­tio­na­li­tät nicht bie­ten, Rechts­nor­men nicht erfül­len oder wahl­wei­se intrans­pa­rent ent­wi­ckelt und finan­ziert wer­den (fak­tisch stimmt das alles sogar).

Was also tun?

Vari­an­te 1:

Man zwingt mul­ti­na­tio­na­le(!) Kon­zer­ne durch Rechts­nor­men dazu, ein hohes, vom Staat defi­nier­tes Schutz­ni­veau für die Ver­ar­bei­tung von Schü­ler- und Ver­wal­tungs­da­ten zu gewähr­leis­ten. Man schafft Rechts­si­cher­heit z.B. durch eine staat­li­che Zer­ti­fi­zie­rung. Das ist nicht so tri­vi­al. Wir haben im Bereich der Poli­tik und teil­wei­se auch in der recht­li­chen Unter­stüt­zung nach mei­ner Ein­schät­zung nicht das not­wen­di­ge Know-How dafür. Ich pro­phe­zeie, dass die dabei ent­ste­hen­den Rechts­nor­men nicht ihren eigent­li­chen Zweck erfül­len wer­den. Die Big5 waren die ers­ten, die z.B. kom­plett auf die DS-GVO ein­ge­stellt waren und nut­zen die­se, um noch mehr Zugriffs­mög­lich­kei­ten zu erhal­ten – kön­nen sie auch. Da gibt es aus­rei­chend juris­ti­sches Know-How.

Vari­an­te 2:

Wir ent­wi­ckeln öffent­lich finan­zier­te Lösun­gen und schaf­fen einen recht­li­chen Rah­men zu deren Nut­zung. Das ist nicht so tri­vi­al. Wir haben im Bereich der Poli­tik, im tech­ni­schen Bereich und teil­wei­se auch in der recht­li­chen Unter­stüt­zung nach mei­ner Ein­schät­zung nicht das not­wen­di­ge Know-How dafür. Zudem ist der Staat als Arbeit­ge­ber für die dazu not­wen­di­gen idea­lis­ti­schen Men­schen z.B. durch Büro­kra­tie­vor­ga­ben aber auch Gehalts­bin­dung durch Tarif­recht nicht kon­kur­renz­fä­hig. Des­we­gen wird ja ver­sucht, sol­che Ent­wick­lun­gen out­zu­sour­cen – z.B. ans HPI. Das ist aber in der Wahr­neh­mung in der Öffent­lich­keit oft auch „böse“. Was muss also ein kom­mer­zi­el­ler Anbie­ter auf die­sem Feld für Kri­te­ri­en erfül­len, um nicht „böse“ zu sein?

(Ich bin kein Freund des Ansat­zes des HPI. Nicht umsonst ist Bay­ern mit Mebis eigent­lich schon an wei­tes­ten, weil dort etwas Bestehen­des genutzt und erwei­tert wird).

Einschätzung

Ich glau­be, dass jeder, der undif­fe­ren­ziert(!) auf öffent­li­che oder „unbe­que­me“ Open­So­ur­ce-Ansät­ze „schießt“, im Grun­de die Vari­an­te 1 för­dert. Dar­auf wird es hin­aus­lau­fen. Die meis­ten Lehr­kräf­te, die digi­tal unter­wegs sind, wird es freu­en. Ob es ein Gewinn für die Demo­kra­tie wird … – wir wer­den sehen. Eine Tren­nung von per­so­nen­be­zo­ge­nen und inhalts­be­zo­ge­nen Daten (das wür­de tech­no­lo­gisch eine effek­ti­ve Kon­trol­le schaf­fen) ist dort erfah­rungs­ge­mäß weder gewünscht noch vor­ge­se­hen – das ist schlicht nicht das Geschäfts­kon­zept.

Kom­plett die Hoff­nung habe ich ver­lo­ren, dass sich der­ar­ti­ge Fra­ge­stel­lun­gen über jour­na­lis­ti­sche Medi­en in den öffent­li­chen Dis­kurs ein­brin­gen las­sen. „Digi­tal“ ist in der Berichts­er­stat­tung in der Regel gleich „Tablet“ oder „inter­ak­ti­ve Tafel“ – Gerä­te­fo­kus­sie­rung von 2003–2019.

Ich bil­de mir noch ein, dass das prin­zi­pi­ell mög­lich wäre und hal­te auf mei­nen Fort­bil­dun­gen tap­fer dage­gen (da kom­men noch drei wei­te­re Tei­le).

 

 

 

 

 

 

Schreibprozesse durch digitale Medien unterstützen

Ich habe auf diver­sen Ver­an­stal­tun­gen einen Work­shop mit fol­gen­dem Inhalt ange­bo­ten:

S*S fällt es zuneh­mend schwe­rer, län­ge­re Tex­te zu kon­zi­pie­ren und hand­schrift­lich nie­der­zu­le­gen. Das hat auch damit zu tun, dass die gebun­de­ne Hand­schrift in den nie­der­säch­si­schen Grund­schu­len mitt­ler­wei­le nur noch fakul­ta­tiv gelehrt wird. Digi­ta­le Medi­en bie­ten hier Ansät­ze, den dadurch beding­ten „Schreib­hem­mun­gen“ zu ent­ge­hen, da sie z.B. erwei­ter­te Mög­lich­kei­ten bei der Text­pro­duk­ti­on bie­ten. Am kon­kre­ten Bei­spie­len erfah­ren Sie in die­sem Work­shop, wie Sie mit der an Ihrer Schu­le vor­han­de­nen Tech­nik, S*S erleich­tern kön­nen, effi­zi­en­ter zu einem Text zu kom­men und geziel­ter die gedank­li­che Struk­tu­rie­rung von Tex­ten unter­stüt­zen kön­nen. Benö­tigt wird ein eige­nes End­ge­rät (Tablet, Note­book).

Ich gehe dazu fol­gen­der­ma­ßen vor:

Phase 1: Der Etherpad-Erstkontakt

Es gibt zahl­rei­chen Anbie­ter, die ein kos­ten­lo­ses Ether­pad anbie­ten, z.B.

  • https://etherpad.nibis.de/ (Nie­der­säch­si­scher Bil­dungs­ser­ver, in der Ver­gan­gen­heit nicht sehr zuver­läs­sig)
  • https://zumpad.zum.de/ (Ange­bot der Zen­tra­le für Unter­richts­me­di­en e.V., nach mei­ner Erfah­rung sehr sta­bil)
  • das Tex­te-Modul von IServ (an nie­der­sach­sens Schu­len weit ver­brei­te­te Inhouse-Schul­ser­ver­lö­sung)

Man kann sich treff­lich dar­über strei­ten, ob Ether­pad nicht schon längst über­holt ist, weil es doch eine Viel­zahl wei­te­rer, moder­ne­rer Ange­bo­te gibt, jedoch geht es mir weni­ger um das Tool, son­dern um eine Art des Arbei­tens. Zudem braucht Ether­pad kei­nen Account – weder beim Erstel­ler noch bei Teil­ge­ben­den – das ist nicht zu unter­schät­zen. Das wesent­lich hip­pe­re HackMD braucht schon wie­der etwas Syn­tax­kennt­nis­se und schreckt dadurch gera­de Anfän­ger eher ab – allein schon vom Design.

Die Teil­neh­mer bekom­men von mir einen mög­lichst ein­fa­chen, abtipp­ba­ren Link zu einem Ether­pad (die wenigs­ten sind in der Lage, einen QR-Code zu nut­zen) und ohne wei­te­re Vor­be­rei­tung die Auf­ga­be, Argu­men­te zu einem mög­lichst bana­len The­ma (z.B. pro/contra Schul­uni­for­men) in das Doku­ment zu schrei­ben. Wenn vie­le unter­schied­li­che Gerä­te (Note­book, Tablet, Han­dy) im Raum sind, ist das äußerst wert­voll für die spä­te­re Aus­wer­tung.

Phase 2: Die unterrichtsbezogene Meta-Arbeit

Sofort danach mache ich Metaar­beit mit klei­nen Impuls­fra­gen:

  • Wie ist es Ihnen ergan­gen?
  • Was emp­fan­den Sie als ver­stö­rend oder pro­ble­ma­tisch?
  • Was „leis­tet“ so ein Doku­ment?
  • Wel­che wei­te­ren Anwen­dungs­sze­na­ri­en im Unter­richt fal­len Ihnen ein?

Mit dem letz­ten Impuls kom­men die eige­nen, meist sehr tech­ni­schen und erstaun­li­cher­wei­se immer­wie­der glei­chen Fra­gen, z.B.:

1.) „Wie spei­chert man das?“

Es ist unglaub­lich schwer zu ver­mit­teln, wie Spei­che­rung bei einem Online­do­ku­ment funk­tio­niert. Die Vor­stel­lung, dass mir ein Algo­rith­mus den Klick auf das Dis­ket­ten­sym­bol klein­schrit­tig und ver­sio­niert abnimmt, scheint völ­lig unkom­pa­ti­bel zum tech­ni­schen Ver­ständ­nis vie­ler Men­schen zu sein. Es kommt hier extrem dar­auf an, die­se Fra­ge sehr ernst­zu­neh­men, da das Kon­zept „Datei hin­ter Link“ sich sehr fun­da­men­tal vom Kon­zept „Datei im eige­nen Ord­ner zu Hau­se“ unter­schei­det. Ich male da ger­ne eine Ord­ner­struk­tur „auf dem Ser­ver“ an die Tafel. Bei sehr auf­ge­schlos­se­nen Grup­pen zei­ge ich auch die Times­li­der­funk­ti­on von Ether­pad.

2.) „Kann man auch Tabel­len anle­gen – ich arbei­te an der Tafel ja immer auch mit Tabel­len!“

Das was man an der Tafel gewohnt ist, soll auch 1:1 im digi­ta­len Raum funk­tio­nie­ren. Die­se Denk­wei­se ver­sperrt aber den Blick dar­auf, dass nun ganz ande­re Din­ge mög­lich wer­den, z.B. in kür­zes­ter Zeit kol­la­bo­ra­tiv eine sor­tier­ba­re Stoff­samm­lung zu haben, an der auch zurück­hal­ten­de­re S*S par­ti­zi­pie­ren kön­nen. Davon erzäh­le ich ohne die Tabel­le an der klas­si­schen Tafel abzu­wer­ten.

3.) „Wie geht des mit der ande­ren Schrift­art?“

Das ist ähn­lich zu beant­wor­ten wie Fra­ge 2. Ich sage immer immer, dass Ether­pad gut für Inhal­te ist, die immer in aktu­el­ler Form ohne Her­um­schi­cken einer Datei vor­lie­gen. Das Gestöh­ne beim Sei­ten­hieb auf unter­schied­li­che Word­da­tei­en weicht dann schnell der Erkennt­nis, dass das Sinn macht, so redu­ziert zu arbei­ten – for­ma­tie­ren kann man ja hin­ter­her immer noch in der Text­ver­ar­bei­tung sei­ner Wahl.

4.) „Und wie lege ich das an?“

Es ist unglaub­lich schwer zu ver­mit­teln, dass ein Doku­ment durch eine Ein­ga­be und einen Klick direkt im Netz ent­steht. Auch da arbei­te ich mit „Krü­cken“ und Tafel­an­schrie­ben wie bei Fra­ge 1.

5.) „Also ich wür­de das zu Hau­se schon mit pro- und con­tra vor­struk­tu­rie­ren wol­len!“

Das ist immer so eine tol­le Fra­ge, wenn sie denn kommt. Stan­dard­ant­wort: „Müs­sen Sie nicht, das kön­nen Sie hier die S*S machen las­sen!“ Meis­tens wird es dann kurz still im Raum. „Und wie kon­trol­lie­re ich das?“ Mei­ne Ant­wort: „Indem Sie den Arbeits­pro­zess – der ja nun trans­pa­rent ist – immer wie­der unter­bre­chen und reflek­tie­ren – das ist Ihre Pro­fes­si­on und Auf­ga­be!“. Man kann z.B. ja vor dem Struk­tu­rie­ren das Ent­stan­de­ne auch über­ar­bei­ten las­sen.

[…]

Nach den ers­ten bei­den Pha­sen sind min­des­tens 45 Minu­ten ver­gan­gen – je nach Dis­kus­si­onfreu­dig­keit der Teil­neh­men­den. Es ist eigent­lich noch nicht viel gesche­hen in die­sem Work­shop, oder?

Phase 3: Die Ausblicke & Realismus

Ich wer­fe nun Erfah­run­gen in den Ring, z.B. dass S*S den Umgang mit sol­chen kol­la­bo­ra­ti­ven For­men ler­nen müs­sen und es natür­lich anfangs zu Sabo­ta­ge kommt (Dank Ver­sio­nie­rung aber umkehr­bar). Ich wer­fe die Idee in den Raum, schul­ei­ge­ne Kon­zep­te so zu ver­fas­sen oder aber auch Sit­zun­gen mit meh­re­ren Per­so­nen „live“ zu pro­to­kol­lie­ren, sodass das Pro­to­koll nach Abschluss nur noch etwas for­ma­tiert wer­den muss etc..

Ich wei­se auf Alter­na­ti­ven hin, zei­ge z.B. Goog­le­Docs, Only­Of­fice & Co. Das hal­te ich aber bewusst kurz und bie­te bei Inter­es­se an, die­ses oder jenes Tool in einem sepa­ra­ten Work­shop zu the­ma­ti­sie­ren.

 

 

 

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