Lernplattformen

Vorbemerkung:

Ich äußere hier meine Sicht und meine Meinung zum Thema Lernplattformen, die sich allein auf meinem persönlichen Erfahrungswissen gründet. Auch ich kenne Schulen, an denen es mit einer Lernplattform gut läuft und auch ich denke, dass in bestimmten Konstellationen eine Lernplattform ggf. hilfreich für Schulentwicklung sein kann.

Warum ich Lernplattformen sehr kritisch sehe

Lernplattformen wie Moodle, Commsy oder auch kommerzielle Varianten wie itslearningWebweaver, Google Classroom und iTunes U stellen eine virtuelle Lernumgebung bereit.

Das Prinzip ist fast immer gleich: Ein zentrales Login ermöglicht Zugriff auf bestimmte Funktionen, die sich gruppieren und strukturieren lassen, z.B. kann ich innerhalb von Moodle sogenannte Kurse anbieten, die diverse Funktionen bereitstellen, etwa ein Forum, Arbeitsmaterialien, eingebettete Medien, Onlinetests u.v.m.. Diese Kurse kann ich teilen, exportieren, wiederverwerten, gemeinsam mit anderen Lehrkräften entwickeln. Darüberhinaus werden zunehmend Kurationstools eingesetzt, etwa bei iTunes U: Ich kann ähnlich wie bei paper.li Webinhalte auf einer speziellen Seite zusammenstellen – quasi ein Webquest auf multimedial.

Das hört sich erstmal prima an. Ich war in Deutschland lange Zeit sehr aktiv in der Moodleszene und hatte als Berater Zugriff auf zahlreiche Testinstallationen kommerzieller Produkte. Ich bin kein Maßstab, weil ich zentralisierte Dinge für die Arbeit mit digitalen Medien nicht mehr benötige, aber keine der Teststellungen und keine meiner Testinstallationen in den letzten Jahren hat mich in irgendeiner Weise dazu gebracht, Spaß oder Freude bei der Arbeit mit dem jeweiligen System zu empfinden.

Das ist ja auch nicht zwingend notwendig, aber dazu kam, dass auch der für mich sehr typische pragmatische Zugang auf keiner der Lernplattformen möglich war: Sie kosteten mich einfach nur Zeit durch die komplizierte Bedienung, die vorgegebenen Strukturen, das oft haarsträubende Dateimanagement, die proprietären Schnittstellen – und ich halte mich selbst für einen mittelmäßig begabten Anwender (das ist etwas völlig anderes als ein Techniker oder Administrator). Es gibt eine Reihe von Werbeaussagen zu Lernplattformen, die ich im Folgenden einmal aufs Korn nehmen möchte:

1. Eine Lernplattform bietet schulweit einen geschützten Raum mit klar definierter Benutzerführung

Das stimmt von einem technologischen Standpunkt aus. Hypothetisch bietet sie das. „Schulweit“ bedeutet für mich, dass alle Lehrkräfte in diese Plattform eingewiesen sind und regelmäßig im Unterricht mit ihr arbeiten. Nur so entwickeln sich Routinen im Alltag. Tatsächlich höre ich von Schulen, in denen Lernplattformen „eingeführt“ sind, ganz oft ganz andere Dinge. „Schulweit“ bedeutet in der Realität oft genug „drei oder vier besonders aktive Lehrkräfte mit ihren Lerngruppen“.

„Schulweit“ ist eine Haltung, die schon vorhanden sein muss, bevor eine Lernplattform ihr unterstützendes Potential überhaupt entwickeln kann.

„Einfach mal machen“ führt oft genug lediglich dazu, dass eine Lernplattform 1:1 die Strukturen an einer Schule abbildet – somit ist sie für mich dann zwar ein tolles Beratungsinstrument, aber oft genug sehr bald für die Schule selbst eine zusätzliche Belastung.

Man sieht das recht hübsch an den Diskussionen im deutschen Forum auf moodle.org. Immer noch drehen sich gefühlt 90% der Fragen um Sperren, Einschränken, Bewertungsraster feintunen und ähnliche Dinge.

Wenn ich versuche, in Richtung  „schulweit“ zu beraten, kommt seltsamerweise am Schluss oft eben nicht die Entscheidung für eine Lernplattform dabei heraus, sondern erstmal sowas in die Richtung wie Dateiaustausch, Termine, E-Mail – also typische Cloudfunktionen. Danach entwickelt es sich oft eher von dem Grundkonstrukt „Lernplattform“ weg.

2. Eine Lernplattform bietet erweiterte Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften durch z.B. Austausch von Materialien, Aufgabenstellungen und Medien

Das stimmt von einem technologischen Standpunkt aus. Hypothetisch bietet sie das. Ich kann z.B. bestimmte Strukturen exportieren und im nächsten Jahr wiederverwenden. Wenn ich einen Kurs zum Thema „Programmieren mit Arduino“ erstellt habe, kann ich diesen darüberhinaus mit anderen Lehrkräften teilen. Bei Moodle kann ich sogar im gleichen Kurs mit verschieden Gruppen gleichzeitig arbeiten, ohne dass diese Gruppen sich gegenseitig sehen. Ich kann das. Was ist mit meinem Kollegen, der nicht einmal weiß, wie er das Bild des Notebooks auf den Beamer bekommt? Der wird schon an der Anmeldung und der Einrichtung eines Kurses in Moodle scheitern – andere Systeme sind da aber tatsächlich entschieden intuitiver.

Wer darüberhinaus schon einmal einen Kurs in einer Lernplattform gebaut hat, weiß, dass das oft Stunden dauert – für mich völlig ineffizient. Zudem will ich ja gerade nicht nur Inhalte bereitstellen, sondern ich möchte mich z.B. im Fach Deutsch mit meinem Fachwissen mit den von SuS erstellten Inhalten auseinandersetzen und sie selbst darüber ins Gespräch bringen.

Wenn ich hingegen Inhalte bereitstellen muss (z.B. im Fach Chemie), dann tue ich das doch nicht auf einer proprietären Lernplattform mit ihren für mich extremst eingeschränkten Im- und Exportfunktionen. Meine Inhalte sind für mich als Lehrer eine essentielle Ressource, mit der ich mich nicht an ein Format binden möchte, was ich nicht selbst kontrollieren kann. Wenn eine Schule z.B. jahrelang bei Anbieter x auf Lernplattform y gearbeitet und der Anbieter dann z.B. die Preisstruktur massiv ändert (das ist kein hypothetisches Setting, sondern das kommt vor!) – sage ich dann als Schule: „Och, jetzt ist zwar die Arbeit von Jahren im System, aber den Preis, nö, den zahle ich nicht und wechsle jetzt zu Anbieter z!“

Meiner Meinung nach unterschätzen viele Anbieter genau diesen Aspekt, weil er selten so klar formuliert wird, aber intuitiv bei vielen Lehrkräften eine sehr große Rolle spielt. Dazu kommt die Angst, dass Materialien durch die digitale Präsenz auf einmal auch beurteil- und evaluierbar werden. Das kann man kritisieren und doof finden. Die Angst bleibt trotzdem.

3. Eine Lernplattform ist ein zentrales Instrument zur Organisation von Kommunikationsprozessen an Schulen und schafft so Transparenz

Das stimmt von einem völlig veralteten technologischen Standpunkt aus. Meist funktionieren Lernplattformen so, dass man sich über eine Weboberfläche einloggen muss, um dann auf eine Art Dashboard zu kommen, was alle relevanten Informationen für mich anzeigt. Oder es gibt eine gesonderte App für ein Mobilgerät (Handy, Tablet), die das für mich erledigt. In meiner Welt (und in der Welt der Mobilgeräte überhaupt) findet Datenaustausch aber recht anders statt:

  • E-Mail über imaps
  • Termine über CalDAVs
  • Dateien über WebDAVs
  • Nachrichten über XMPP (mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung)
  • Kontaktdaten über CardDAVs
  • Inhalte über XML
  • […]

Das sind alles offene Protokolle/Formate, wie sie jeder von uns täglich nutzt ohne es zu wissen, weil irgendeine App das erledigt, die wir entweder vom Hersteller des Betriebssystem übernehmen oder aber selbst bestimmen. Hersteller von Lernplattformen neigen zum überwiegenden Teil dazu, diese offenen, freien und verschlüsselten Standards durch irgendetwas zu ersetzen, das nur zu ihrer jeweiligen Lernplattform passt.

Schlachtung meiner Thesen durch Anbieter

In der Kommunikation mit Anbietern, werden derartige Thesen von mir nicht geschlachtet, sondern in einer ganz bestimmten Art und Weise gekontert.

  • proprietäre Formate sind für die Konsistenz der Daten notwendig. Zudem sind technisch keine übergreifenden Austauschformate möglich (PS: Das XML-Format von Moodle oder WordPress zeigt, dass das wohl schon irgendwie geht)
  • die Schulkultur, die zu der von mir geforderten „schulweit“-Lösung notwendig ist, kann sich ja evolutionär durch Unterstützung mit einer Lernplattform bilden – ohne ginge es ja gar nicht – das sei ja gerade die Verantwortung der Schule (PS: Da liegt der Kern der Arbeit, bei dem eine Lernplattform gerade nicht unterstützt)
  • für die meisten Schulen sind die durch Lernplattformen gebotenen Kommunikationserweiterungen schon Quantensprünge gegenüber der bisherigen Kommunikationskultur (PS: Die Sache wäre wesentlich niederschwelliger zu bewerkstelligen ohne den Umweg über Weboberflächen)
  • Lernplattformen lassen sich durch Zusatztools hervorragend ergänzen und in ihren Möglichkeiten erweitern – Moodle etwa durch das schülerzentrierte Mahara (PS: Die Integration der dabei entstehenden Inhalte in die ursprüngliche Lernplattform ist dann meist eher recht rudimentär implementiert)
  • Lernplattformen haben als Mittel zur Organisation von instruktiven Lernprozessen eine wichtige Rolle

Ich sehe das viel zu negativ, weil ich immer mit der „Kundenbindungspotentialbrille“ auf die verschiedenen Angebote schaue: Ein Anbieter ist auf Wertschöpfung angewiesen – daran ist überhaupt nichts Verwerfliches.

Ich halte die Kundenbindung aber auch für ein Motiv, eben z.B. keine anbieterübergreifenden Im- und Exportstandards zu implementieren – natürlich wird das niemand so offen nach außen kommunizieren.

 

Wie soll man es denn sonst machen?

Das wäre eine eigener Artikel. Deswegen hier nur zwei Thesen:

  • Identity-, Gruppen- und Rollenmanagement gehören nicht in eine Lernplattform, sondern öffentlich organisiert. Durch ACLs wird festgelegt, was die Lernplattform (oder die jeweilige Applikation) lesen/sehen darf und was nicht und welche Rolle wer wo im System erhält.
  • Die zentrale Verwaltung des Identitymanagements gibt jeder Lehrkraft bzw. jeder Schule die Möglichkeit, die Tools einzusetzen, die sie für ihren Unterricht für notwendig hält: Lernplattform, Blog, Wiki, Videokonferenzsoftware – alles werden lediglich „Apps“, die daran anbindbar sind – auf Knopfdruck installiert, mit Nutzern befüllt.

PS: Das geht alles schon und ist auch schon so umgesetzt – allerdings eher auf Firmenebene.

Netzneutralität und die Telekom

Weitgehend unbeachtet von vielen Internetnutzern tobt im Hintergrund gerade ein Kampf zwischen Rechenzentrumsbetreibern und der deutschen Telekom als größtem Anbieter von Internetanschlüssen.

Was verkauft die Telekom?

Die Telekom verkauft i.d.R. an Privatkunden sogenannte asymmetrische Internetzugänge, d.h. man kann z.B. Filme sehr schnell aus dem Netz streamen, jedoch z.B. Fotos zu seinen Fotodienst nur langsamer hochladen, z.B. hat man bei VDSL50 einen Downstream von 50Mbit/s und einen Upstream von 10Mbits/s. Bei den mobilfunkbasierten Produkten sieht das ähnlich aus. Naturgemäß laden die Telekomkunden damit mehr Daten aus dem Netz herunter als herauf.

Das hat zu einen technische Gründe, weil man so mehr Kunden einen guten Download bieten kann, zum anderen auch einen strategischen: Wäre jeder Haushalt gut symmetrisch an das Internet angebunden, bestünde irgendwann kaum noch eine Notwendigkeit, seine Webseite bei einem Provider hosten zu lassen und zudem wäre das eigene Netz dann sehr schnell voll mit angreifbaren Servern, die nicht professionell gewartet werden.

Wie kommen die Daten aus dem Internet zur Telekom?

Netze verschiedener Anbieter werden an bestimmten Stellen über Knotenpunkte gekoppelt, damit z.B. Daten US-amerikanischer Anbieter wie YouTube, Google oder Microsoft auch im Netz der Telekom ankommen. Üblicherweise werden die Knoten entsprechend des Bedarfes der Endkunden ausgebaut. Wenn mehr Menschen z.B. HD- oder gar 4K-Inhalte anschauen möchten, muss einerseits derjenige, der die Filme anbietet, besser an das übrige Internet angebunden sein, andererseits muss der Knotenpunkt zur Telekom auch über ausreichend Kapazität verfügen – das Rohr muss also dick genug sein – das kostet Geld.

Und wo tobt jetzt der Kampf?

Die Telekom baut ihre Knotenpunkte zu anderen Anbietern mittlerweile nicht mehr dem Bedarf entsprechend aus, z.B. zum Rechenzentrum von Hetzner, ein größerer Player im deutschen Rechenzentrumsmarkt. Angebote, die Hetzner gehostet sind, laufen damit gerade zur Primetime nur noch sehr langsam über die Telekomleitungen.

Die Telekom sagt: Jahaa! Wenn du Hetzner Daten performant zu uns schieben willst, dann musst du dafür extra bezahlen, so ein dickes Rohr kostet halt Geld! Brisanterweise laufen die entsprechenden Angebote der Telekom schnell durch die Leitungen (z.B. Entertain). Die meisten Rechenzentrumsbetreiber bezahlen anstandslos dann Geld an die Telekom und geben die Kosten an ihre Kunden weiter.

Hetzner macht das auch, aber anders: Hetzner sagt dem Kunden: „Wenn du Daten schnell zur Telekom schieben willst, zahlst du dafür einen Aufpreis, weil nur die Telekom so handelt – alle anderen Anbieter bauen ihre Knotenpunkte ja aus!“ – Hetzner geht es nach eigener Aussage darum, auf die Problematik der Politik der Telekom aufmerksam zu machen und geht dabei auch das Risiko ein, Kunden zu verlieren.

Mit Angeboten von YouTube, Google, Netflix etc. macht die Telekom das nicht bzw. ist anzunehmen, dass da wohl für die „digitale Überholspur“ auch Geld fließt. Die Telekom kassiert damit doppelt: Einmal von den Kunden für den Internetanschluss, der ohne ungebremsten Zugriff zum Internet ja irgendwo blöd ist und zum zweiten von den Anbietern, die das Internet zu Internet und damit das Produkt der Telekom zum Produkt machen.

Die Telekom sagt: Jahaa, ihr Anbieter! Ihr liefert ja viel mehr Daten an unser Netz als wir an euer. Das ist kein Teilen mehr, das ist Transit.

Wir erinnern uns an dieser Stelle daran, dass die Telekom asymmetrischen Anschlüsse verkauft. Und es wäre ja doof, wenn die telekomeigenen Angebote dann super laufen, aber der Steamingdienst aus Pusemuckel ruckelt. Für den Schlichtkunden ist dann klar: Dann kaufe ich doch das Telekomprodukt!

Die Telekom sagt dann: Jahaa, du Streamingsdienst aus Pusemuckel, kannst ja extra zahlen! (nunja, sie haben es dann hinterher ja gar nicht so gemeint …).

Die Problematik

Die Telekom bestimmt somit, welche Dienste in ihrem Netz performant laufen und welche nicht. Das hat mit Netzneutralität und freiem Internet ganz wenig zu tun. Es sind die Kunden der Telekom, welche Daten anfordern und die Telekom muss m.E. schauen, wie sie da kostendeckend arbeitet. Da sie ihre Endkunden nicht die Preiserhöhungen verschrecken will, versucht sie es halt anders. Jeder sollte sich überlegen, ob ein solches Gebahren unterstützenswert ist.

PS: Ich bin Hetzner- und Kabeldeutschlandkunde.

Mailmanagement mit osTicket

Seit langem nervt es mich, dass ich keine klare Trennung zwischen der Bearbeitung von E-Mails und sonstigen Aufgaben  hinbekomme. Mir schreiben viele Menschen E-Mails: Meine Kolleginnen und Kollegen bei Problemen mit unserer Schulserverlösung, Menschen, mit denen ich im Rahmen der Medienberatung zu tun habe. Oft geht es dabei um Terminvereinbarungen, technische Probleme, Erstellung von Ausstattungsvorschlägen, also klassische Themen, die man dem „Supportbereich“ zuordnen kann. Da geht viel durcheinander, sodass ich das eine oder andere auch schon einmal vergesse. Zum Glück gibt es ein Stück Technik, welches genau für diese Anforderung erschaffen wurde, denn Firmen haben im Support genau die gleichen Herausforderungen: Das Ticketsystem. Ich setze dafür das kostenlose Opensource-System  osTicket ein (hier gibt es eine Demo – Login: demo / Passwort: anmelden ).

logo

osTicket sollte auf fast jedem Webspace problemlos laufen, der folgende Bedingungen erfüllt:

  • MySQL-Unterstützung
  • PHP ab Version 5.3
  • PHP IMAP – Modul
  • imap-fähiger E-Mailaccount mit der Berechtigung, eigene Ordner anzulegen

Was ändert sich?

osTicket macht eigentlich technisch genau das, was ein beliebiges E-Mailprogramm wie Outlook oder Thunderbird tut: Es holt die Mails eines Kontos per imap ab, schreibt diese jedoch in eine Datenbank. Jede neue Mail erhält eine Ticket-ID, die automatisch mit in die Subject-Zeile geschrieben wird, wenn ich jemandem antworte. Antwortet mir mein Gegenüber auf diese Mail, erkennt osTicket anhand der Ticket-ID, zu welchem Kommunikationsvorgang die Antwort gehört und weist diesen automatisch zu. Ein Kommunikationsvorgang heißt „Ticket“. Das ist erstmal alles.

Hä? Und wo ist da jetzt der Unterschied zu vorher?

Bleibt ein Ticket zu lange liegen (bei mir sind es drei Tage), schreibt osTicket Jammermails und priorisiert das jeweilige Ticket, indem es den Kommunikationsprozess in einer Liste nach oben schiebt. Erst wenn ich antworte, ist wieder für drei Tage Ruhe – ich brauche das.

Wenn ein Prozess abgeschlossen ist, kann ich das Ticket „schließen“. Natürlich wird eine Statistik erstellt (mein Dienstherr mag Statistiken als „Arbeitsnachweis“ und ich habe keinen Bock, die selbst zu erstellen) und ich kann geschlossene Tickets ganz einfach finden, z.B. mit einer Suche nach einem Namen oder einer E-Mailadresse. Damit weiß ich, was ich wie oft mit welcher Person verhackstückt habe.

Und sonst?

Ich kann vordefinierte Antworten anlegen – wenn eine Schule z.B. über unsere Medienzentrum eine Homepage hosten und betreuen lassen möchte, ähneln sich die Prozesse doch sehr. Die Antworten klicke ich einfach in die Mail hinein.

Auch für telefonische oder mündliche Anfragen kann ich selbst Tickets eröffnen. Da alle Prozesse in osTicket mehrbenutzerfähig sind, wüssten z.B. auch Kolleginnen und Kollegen von mir, wo ich gerade stehe.

Wer es mag, kann osTicket auch mit Android und Co. über eine App managen. Das ist für mich und meinen Workflow aber eher ein Nachteil. Ich setze mich lieber gezielt 1-2x am Tag an einen Rechner und arbeite den Kram dann konzentriert ab.

Außerhalb meiner Arbeitszeit gibt es eine höfliche, aber bestimmte Mail, die den Empfang bestätigt, aber dann auf z.B. Montag vertröstet.

Und nicht zuletzt: Das Backup einer MySQL-Datenbank ist auch viel performanter als dasjenige tausender Fitzeldateien auf der Festplatte.

Und der E-Mailclient zu Hause?

osTicket löscht normalerweise empfangende Mails auf dem Server, kann aber diese auch in einen imap-Unterordner verschieben. Wenn sich eine wirklich private Mail auf einen Dienstaccount verirrt, kann ich sie immer noch aus dem Archivordner heraus ganz normal ohne Ticket-ID persönlich mit der privaten Mailadresse beantworten.

 

Gehackt und zum Spamversand missbraucht …

Dienstag, 8:15 Uhr:

Menno, die Schulhomepage ist ja wieder schneckenlahm. Joomla ist doch einfach Mist. Jetzt aber los zur Beratung zweier Schulen.

Dienstag, 14:42 Uhr:

Boah ey, immer noch. Ich rufe da gleich mal im Rechenzentrum an. Das Ding ist zwar gesponsort, aber so … Hm. Zur Sicherheit guckst du dir wohl besser nochmal die Sache von der Konsole aus an.

Dienstag, 14:53 Uhr:

Über 50 aktive postfix-Prozesse, Load bei 22, vieles bounce-Prozesse – komisch, sind wir wieder mal auf irgendeiner Blacklist gelandet? Aber wir verschicken über diesen Server doch gar keine Mails.

Dienstag, 15:01 Uhr:

Arrrgh. 46531 Mails in der Queue. Alle mit einer Domain, die gar nicht als aktive Maildomain genutzt wird. Und: Wir sind so ziemlich auf allen Blacklists gelandet. Besser mal das Mailsystem herunterfahren. Puh. Load normalisiert sich.

Dienstag, 15:13 Uhr:

Erstmal ist Ruhe – zumindest geht nichts mehr raus, aber die Mailqueue füllt sich wieder Stück für Stück mit ca. 3 Mails / Sekunde und wartet auf Auslieferung. Damit ist zumindest der Mailserver schonmal sauber. Kommt der Kram über den Webserver rein? Ooops. Dessen Log ist ja leer?

Dienstag, 15:42 Uhr:

Joah. Der Mist kommt über Apache rein und irgendein Script setzt dessen Log auf Null. Aber: Es gibt ja noch weitere Logs an Orten, die der Wurm so nicht vorhersehen konnte. Aber welches ist das Richtige? Auf dem Server liegen unzähligen Homepages von Schulen und auch Testinstallationen.

Dienstag, 16:25 Uhr:

Ein Log ist besonders groß. Dank tail mal die letzten 50 Zeilen ausgeben. Treffer! Ein WordPressplugin, aktuellste Version, trotzdem offenbar verwundbar. Viele nette verschlüsselte PHP-Scripts als Payload. Alles säuberlich im Customlog als Pfadangabe.

Dienstag, 16:48 Uhr:

Wartungsseite setzen, Installation hinter .htaccess-Schutz verstecken, Mailserver anfahren, warten.

Dienstag, 17:03 Uhr:

Mailserver bleibt unauffällig. Verseuchte Installation reinigen und wieder online stellen. Da es ein Kalenderplugin war, gibt es leider einiges an Datenverlust.

Dienstag, 18:15 Uhr:

Seufz. Dann man die IP von dem Spamlisten delisten (lassen). Mails an t-online hängen immer noch :o(…

Tage, an denen es besser wäre, einfach nur Lehrer zu sein. Heise kam just zum Zeitpunkt meiner Suche mit der entsprechenden Warnung raus – während ich schon suchte. Und natürlich war dann ein Ableger eines von mir eingesetzten Plugins auf der entsprechenden Liste. Tja. Es ist halt nicht immer gut, unter den ersten zu sein.

Minigrundschule mit IT ausstatten

Die Ausgangslage einer kleinen Grundschule:

  • Rechnerraum, zwölf Pentium 4-Rechner, Windows XP, Office XP
  • Kein WLAN
  • DSL1000, t@school der ersten Generation
  • Arbeitsrechner im Lehrerzimmer
  • Notebook für die Klassen
  • mobiler Beamer
  • sofort abrufbares Budget: 2500,- Euro

 Die Lösung:

  1. dreizehn HP Compaq DC7900, Core2Duo 3Ghz, 2GB RAM, Windows7-Professional-Lizenz, 160 GB HDD
  2. zwei HP Workstation xw6400, 2x Intel Xeon 5130, 2GB RAM, Windows7-Professional-Lizenz, 80 GB
  3. vier neue 1TB HDDs
  4. 3x TP-Link WR1043ND WLAN-Router mit DD-WRT-Firmware
  5. 1x Jahresgebühr Schulnetzwerklösung IServ
  6. 1x Einrichtungsgebühr Schulnetzwerklösung IServ
  7. Upgrade des t@school-Anschlusses auf DSL6000

Die Kosten:

  1. 90 Euro / Stck. = 1170,- Euro
  2. 99 Euro / Stck. = 180,- Euro
  3. 60 Euro / Stck. = 240,- Euro
  4. 30 Euro / Stck. = 90,- Euro
  5. 230,- Euro / Jahr
  6. 595,- Euro (einmalig)
  7. kostenlos

Gesamtsumme: ca. 2500,- Euro

Arbeitslohn bei Durchführung durch eine Fachfirma:

angenommener Stundensatz:  80,- Euro (brutto)

24 Mannstunden komplett, Leistungen:

  • Recherche geeigneter Rechnersysteme (Beschaffung in Verantwortung der Schule, um Garantieansprüche abzuwehren) (zwei Stunden)
  • Installation und Server- und Backupsystem inkl. Einrichtung der Nutzer (vier Stunden)
  • Vorinstallation aller Clients und Accesspoints (servergesteuerte Bespielung mit Software, Absicherung und Konfiguration des BIOS) (zwölf Stunden)
  • Dokumentation (Passwörter, IP-Adressen etc.) (eine Stunde)
  • Aufbau und Verkabelung vor Ort inkl. Anfahrt (fünf Stunden)

Gesamtsumme: ca. 1920,- Euro

Vergleich:

Bei entsprechender Vorbereitung und Vorwissen benötige ich als ungelernte Kraft  für derartige Arbeiten ca. 12 Stunden (schneller Internetanschluss und entsprechend konfigurierte Arbeitsumgebung vorausgesetzt). Bei der Zeitberechnung sind daher Einlesezeiten und Supportkontakte mit eingerechnet.

Das Resultat:

  • Schulnetzwerk von außen erreichbar unter vollwertiger Domain
  • Dateiaustausch über http, https, ftp, ftps, dav, davs
  • vollwertiger E-Mailserver
  • vollwertiger Kalenderserver nach dem CalDAV-Standard
  • Softwareverteilung per Klick, inkl. automatisierte OS-Installation
  • Automatisches Update aller Rechner inklusive der installierten Software per WOL nachts
  • Schulweites WLAN (RADIUS)
  • Inhouse-Hosting aller Dienste
  • externes Monitoring
  • Remote Support per E-Mail und Telefon

Kritik:

Es ist nicht Aufgabe der Schule oder der Medienberatung, derartige Prozesse zu initiieren, sondern die des Schulträgers. Politische Wege sind lang. Schülerinnen und Schüler gibt es aber jetzt genau wie die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags. Durch verlässliche Infrastruktur entstehen nach meiner Erfahrung Ideen. Diese fangen immer so an, dass Unterricht sich nicht verändert, sondern zunächst Schulorganisation und Schulkommunikation. Durch Infrastruktur und Optimierung von Kommunikationsprozessen entstehen dann oft genug Freiräume für die konzeptionelle Arbeit, die Aufgabe der Schule ist.

Mit Infrastruktur passieren seltsame Dinge, z.B. das auf einmal schulübergreifende Fachschaftssitzungen jetzt an einem Standort stattfinden, weil dieser auf einmal über die entsprechende Ausstattung verfügt. Davon wird erzählt.

  • Wie? Ihr könnt die Onlinemedien des Landes und des Medienzentrums jetzt überall nutzen?
  • Wie? Ihr braucht Software jetzt nicht mehr Rechner für Rechner aufspielen?
  • Wie? Ihr habt überall WLAN? Zu dem Preis?

Parallel:

Parallel muss politische Arbeit erfolgen, z.B. die Implementierung von Medienentwicklungsplänen, deren Ziel es ist, Support, Planung, Beschaffung und Installation zentral zu organisieren. Das ist Kernaufgabe meiner Tätigkeit als Medienberater.

Das geht nur mit einer kritischen Schülerzahl verlässlich und erfordert gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen Zeit. Diese Zeit geht den jetzigen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften verloren.

Daher arbeite ich von unten nach oben, in ich dem Schulen, die sich jetzt auf den Weg machen wollen, zu einer verlässlich Infrastruktur verhelfe. Finanzierungswege finden sich da immer. Ich schaffe ca. drei bis vier Schulen pro Jahr.

Gleichzeitig führt kein Weg daran vorbei, auch von oben nach unten, also politisch zu arbeiten, damit wir irgendwann zu neuer Hardware, verlässlichen Supportkonzepten, vernünftigem Lizenzmanagement und professionellem WLAN kommen – und zu einem fairen Wettbewerb der Schulnetzwerklösungen. IServ ist nach meiner Erfahrung für die Arbeit im Jetzt vor allem budgettechnisch alternativlos gemessen am Preis-/Leistungsverhältnis. Es gibt m.E. hervorragende Lösungen, die vor allem im Blick auf eine zu entwickelnde Zukunft eine bessere Figur machen, jedoch Hardware, Verkabelung und Lizenzkosten voraussetzen, die im Jetzt nicht realistisch zu finanzieren sind.

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