Tooltips für Moodle

Tooltips sind kleine „Sprechblasen“, die erscheinen, wenn man mit der Maus auf einen Link fährt. Man kennt so etwas von einem bekannten Betriebssystem, dass einen immer bevormunden möchte und immer alles besser weiß. Innerhalb von Moodle könnte das so aussehen:

Ein Tooltip in Moodle

Es ist auch gar nicht so schwer, dieses Feature innerhalb von Moodle zu nutzen. Allerdings ist etwas winzig kleine Arbeit im Code notwendig – es muss ein Theme etwas modifiziert werden. Jetzt aber die einzelnen Schritte:

  1. Laden Sie das notwendige Javascript von des Seite des Autors Walter Zorn herunter
  2. Gehen Sie mit einem FTP-Programm in den Ordner /theme des Moodlesystems
  3. Legen Sie einen Ordner mit dem Namen „tooltip“ an
  4. Kopieren Sie den Inhalt des Ordners „standardwhite“ in den neu angelegten Ordner „tooltip“
  5. Entpacken Sie das heruntergeladene Archiv direkt in diesen Ordner. Es müssen dann die Dateien „wz_tooltip.js“ und „tip_followscroll.js“ innerhalb des Verzeichnisses liegen.

Öffnen Sie die Datei „header.html“ mit einem Editor Ihrer Wahl und fügen Sie hinter den Zeilen

<body<?php
echo " $bodytags";
if ($focus) {
echo " onload=\"setfocus()\"";
}
?>>

Folgendes ein (alles in eine Zeile):

<script type="text/javascript" src="<?php echo $CFG->httpswwwroot.'/theme/'.current_theme()?>/wz_tooltip.js"></script>

Damit ist das Theme modifiziert und Sie können innerhalb dieses Themes die Eigenschaften des Tooltip-Scripts nutzen (also nur in Kursen, die das Theme „tooltip“ verwenden. Wichtig ist vor allen Arbeiten, dass Sie innerhalb ihres Profils die WYSIWYG-Editor abschalten.

Wenn Sie jetzt einen Link einfügen, müssen Sie folgendes in den Link-Tag <a href= …> einfügen:

<a href="linkziel.html" onmouseover="Tip('Text, der erscheinen soll')" <br>onmouseout="UnTip()">Linkname</a>

Durch den Verzicht auf den HTML-Editor eignet sich besonders die Startseite für den Einsatz von Tooltips. Der Editor im WYSIWYG-Modus zerstört leider die Linkattribute. Mit Tooltips versehene Seiten dürfen Sie also nur bei ausgeschalteten Editor verwenden!

Wer noch mehr gestalten möchte, z.B. mit Farben, Bildern, runden Ecken, echten Sprechblasen, sollte sich einmal auf der Webseite des Autors umsehen. Da gibt es unendliche Möglichkeiten….

Natürlich können Sie jedes Theme modifizieren, Wicht ist nur, das Script-Tag direkt nach dem Body-Tag einzufügen.

Moodle – ein Lehrendensubstitut?

Große Hoffnungen werden zur Zeit in das LMS „Moodle“ gesetzt. Stichworte wie „Schüleraktivierung“, „Dokumentierbarkeit von Schülerleistungen“ und „Weg vom klassischen Frontalunterricht“ machen unter Moodlenutzern die Runde. Und tatsächlich: Sinnvoll als methodische Ergänzung zum eigenen Unterricht eingesetzt, leistet Moodle genau das.

Moodle birgt aber auch die Gefahr einer großen Verführung für den Lehrenden: Schließlich setzt er Moodle ein, ist damit schon „modern“ und kann sich dadurch effektiv innerhalb eines Kollegiums profilieren. So wird gerade zu Anfang der Moodlenutzung vergessen, dass Schülerinnen und Schüler gerade aus einem ganz bestimmten Grund in die Schule – also in ein Gebäude außerhalb der eigenen vier Wände – gehen: Soziale Kontakte und Lernatmosphäre. Ich mache die Erfahrung, dass ich von Menschen, denen ich vertraue und die ich für integer halte, schneller und besser lerne, als von anderen Persönlichkeitstypen. Wie sieht es mit der Persönlichkeit eines Rechners aus?

Flüchten wir als Lehrende nicht oft genug ein stückweit vor der pädagogischen Verantwortung, wenn wir z.B. am Freitag in der 5. oder 6. Stunde in den Computerraum gehen und dort den Schülerinnen und Schülern statt vorbereiteter, anfassbarer Materialien und echten Diskussionen PDFs und virtuelle Kontakte bieten? Was unterscheidet ein solches Lernen eigentlich von dem Einschieben einer Lern-CD in den heimischen PC?

Ein guter Lehrer wird nicht einfach den Satz „Nun sucht einmal im Internet zum Begriff…“ durch eine Materialienanhäufung innerhalb eines Moodlekurses ersetzen – vielleicht sogar noch mit einem Wiki dabei, in das die im Netz gefundenen Ergebnisse per Drag’n Drop eingefügt werden. Er wird sich und seine Lernkontrollen nicht vollständig durch das Testmodul von Moodle substituieren.

Er wird Moodle vor allem als Instrument der Kommunikation außerhalb des Unterrichts entwickeln – das größte Potential sehe ich hierbei in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, angefangen vom zwanglosen Materialaustausch bis hin zur gemeinsamen Verwaltung von Terminen oder der dem fachlichen Austausch.

Wenn Moodle der Lehrende wird, ist Moodle schlecht und falsch verstanden eingesetzt. Moodle muss und darf lediglich das Instrument des Lehrenden sein.

Moodle als Mittel zur schülerzentrierten Textkorrektur

Version 1:
„Man sollte Schuniformen anschafen weil, viele Jungen und Mädchen mit der Kleidung angeben.So lernt man das man nicht angeben sollte. Dann gibt es kein Mobbing wegen der Kleidung mehr.“

Version 2:
„Man sollte Schuniformen anschaffen weil, viele Jungen und Mädchen mit der Kleidung angeben.So lernt man das man nicht angeben sollte. Dann gibt es kein Mobbing wegen der Kleidung mehr.Niemand fühlt sich ausgegrezt.Man macht Werbung für die Schule und es ist nicht so viel andere Kleidung nötig.“

 

Beide Beispiele sind authentitische Schülertexte aus meinem Deutschunterricht in der 5. Klasse zum Thema „Argumentieren und Diskutieren“. Die Authentizität wird leicht durch die alterstypischen Rechtschreibfehler erkennbar. Dennoch lässt sich nicht abstreiten, dass der zweite Text strukturell und inhaltlich überzeugender gestaltet ist – vor allem durch die größere Zahl an Beispielen. Die Verbesserungen erfolgen rein schülerzentriert. Dazu kam methodisch das LMS (Lern Management System) Moodle mit seinem integrierten Forenmodul nach einer entsprechenden Vorbereitung zum Einsatz.

 

Folgendes sollte gegeben sein:

  • die SuS sollen einen kurzen Text verfassen
  • die SuS haben im Unterricht Kriterien zum Verfassen dieses Textes kennen gelernt und bereits in den Heften schriftlich fixiert


1. Phase (Bildung der Peergroup):
Fertigen Sie Lose an. Jeder Schülername muss auf einem roten, blauen und gelben Los vorkommen, d.h. jeweils drei verschiedenfarbige Lose enthalten den gleichen Schülernamen.
Jeder Schüler zieht nun je ein Los von jeder Farbe – er hat also jetzt drei Namen aus der Klasse.

2. Phase (Schreibphase):
Jeder Schüler verfasst nun seinen Text in Form eines Forenbeitrags. In den Titel seines Beitrag schreibt er seinen vollen Namen in Großbuchstaben.

3. Phase (Feedbackphase):
Jeder Schüler ruft die drei Forenbeiträge der Schüler auf, die auf seinen Losen stehen, und formuliert Verbesserungsvorschläge als Antwort.

4. Phase (Überarbeitungsphase):
Jeder Schüler verbessert den eigenen Text, indem er ihn kopiert und als neue Antwort unter das Feedback seiner Mitschüler hinzufügt. Dabei hebt er von ihm geänderte Passagen farblich hervor.

Variationen:
Feedback- und Überarbeitungsphase sind beliebig wiederholbar. Die Peergroups können natürlich in ihrer Größe den Fähigkeiten der Lerngruppe angepasst werden.

Erfahrungen:
Die zu schreibenden Texte dürfen nicht zu lang sein, da ansonsten die Korrigierenden schnell die Lust verlieren. Die Methode muss natürlich auch außerhalb des üblichen Unterrichts laufen. Ich habe es sehr selten erlebt, dass sich die Texte durch diese Methode nicht verbessert haben, da gerade SuS meist sehr kompetente Leserinnen und Leser sind, die oft wesentlich schärfer als der Lehrende selbst bewerten. Eine gewisse Sozialkompetenz muss natürlich gegeben sein.

Im vorliegenden Fall bekam unser authentischer Schüler – natürlich nach Feedbackübungen innerhalb der Klasse – folgende Rückmeldungen:

„Das ist sehr gut geworden. Vielleicht kannst du noch ein paar mehr Beispiele einfügen“

„Du könntest mehr Beispiele einbringen.Aber sonst hast du ein schönes Argument geschrieben!“

„das ist sehr gut geworden, aber da müssen noch mehr Beispiele rein!!!“

Kritisch hinterfragt werden muss, ob die letzten beiden Äußerungen nicht vom ersten Beitrag abgeschrieben worden sind. Entscheidend ist für mich, dass sich durch diese Methode der Text des Schülers ohne mein Dazutun verbessert hat. Idealerweise führt man diese Methode natürlich für Hausaufgaben und nicht in der Schule durch. Gleichzeitig konnte ich die Kompetenz des einzelnen Schülers sowohl für das Korrigieren der eigenen Texte als auch für das Kritisieren fremder Texte nutzen.

Ist das nicht sehr viel Aufwand? Könnte man eine solche Methode nicht auch einfach im Unterricht in Kleingruppen durchführen?

Das könnte man mit eventuell ähnlichem Erfolg, der jedoch nicht dokumentiert ist (und das scheint ja immer wichtiger zu werden). Weiterhin vermeidet man in gewisser Weise auch soziale Probleme: Oft sind die Mädchen in den Sprachen stärker, aber die Jungen in dem Alter entwicklungsbedingt nicht unbedingt gewillt, konstruktiv mit Mädchen zusammenzuarbeiten. Schlussendlich kann ich eine derartige Korrektur als Prozess außerhalb der Schule organisieren. Den Faktor der Motivation – schließlich arbeiten wir mit dem Rechner – darf man auch nicht außer Acht lassen. Ich wende diese Methode – auch wenn sie gelegentlich schiefgeht – immer gerne an, weil ich so eine Vielzahl authentitischer Schülertexte für meine Unterrichtsvorbereitung gewinne.

Diese Methode funktioniert übrigens mit jedem Forum oder Lernmanagementsystem – nicht nur mit Moodle!

 

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