LMS und die Macht des Ringes

Wir Men­schen wer­den Twit­ter wei­ter­hin auch sinn­ent­leert und ver­ant­wor­tungs­los nut­zen. Wir wer­den wei­ter­hin glau­ben, dass wir mit tech­no­lo­gi­schem Fort­schritt unse­re Pro­ble­me lösen kön­nen. Wir über­se­hen geflis­sent­lich, dass die Tech­nik und Ihr Gebrauch nur der Spie­gel unse­rer Selbst ist. Wor­aus wie­der ein­mal folgt, dass wir selbst unser größ­tes Pro­blem sind. Denn natür­lich wäre es ungleich anstren­gen­der und bedroh­li­cher, uns selbst zu fokus­sie­ren als irgend­ei­ne neue Tech­no­lo­gie. Schließ­lich wür­de sich da doch der eine oder ande­re graus­li­che Abgrund auf­tun.

Andre­as Zeuch in: http://www.psychophysik.com/integral-blog/?p=2151

Sigi Jakob — eine Mood­le­ve­te­ra­nin und päd­ago­gi­sche Exper­tin, wenn es um die Nut­zung von Lern­platt­for­men im Sin­ne einer neu zu den­ken­den Lern­kul­tur geht, hat im Rah­men ihrer Key­note als Gast­red­ne­rin auf dem 2. Köl­ner Mood­le­tag etwas erlebt, was sie hier ein­drucks­voll auf­schreibt. Sie nennt dort als Ziel des Vor­trags:

Die Ziel­set­zung mei­nes Vor­trags war, die Zuhö­rer für die Not­wen­dig­keit einer Ver­än­de­rung in der Lern­kul­tur zu sen­si­bi­li­sie­ren und auf­zu­zei­gen, dass ein Mood­le­kurs allein noch kei­nen ande­ren Unter­richt und ande­res Ler­nen bewirkt.

Sigi Jakob in: http://www.school-networking.de/start/?p=857

Sigi nennt das Erleb­te ein Deba­kel. In dem Text steckt so viel von dem, was über das The­ma „Neue Tech­no­lo­gi­en” zu den­ken ist, dass ich gar nicht weiß, womit ich genau anfan­gen soll.

Also fan­ge ich mit mir selbst an. Ich habe mich vor eini­gen Wochen voll­kom­men aus den Mood­le­krei­sen zurück­ge­zo­gen, obwohl ich mich auch mit Fug und Recht als Mood­ler der ers­ten Stun­de bezeich­nen könn­te. Die­se Ent­schei­dung wur­de kata­ly­siert in mei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit Chris­ti­an Gru­ne, der das LMS its­le­arning in Deutsch­land ver­treibt. Ich habe nie in mei­ner gesam­ten Mood­le­zeit den metho­di­schen Reich­tum einer Sigi Jakob erreicht.

Das hat­te sys­te­mi­sche Grün­de (die Voll­zeit­müh­le), tech­ni­sche Grün­de (ich bin eher tech­nik­ver­liebt — Mensch, Sigi, was hät­te ich für dich als Tech­ni­ker errei­chen kön­nen…), aber natür­lich alle Din­ge, die Sigi im Vor­spann ihrer Refle­xi­on beschreibt. Vor allem aber habe ich erfah­ren, dass ande­re Tools viel bes­ser zu mei­ner Art des Unter­richts pas­sen. Die­se Art des Unter­richt war schon da. Sie wur­de nicht durch die Tools aus­ge­löst. Gleich­wohl ist der umge­kehr­te Weg denk­bar — die inter­ak­ti­ven Tafeln tau­gen oft als tro­ja­ni­sches Pferd, um Leh­ren­de über­haupt in Kon­takt mit neu­en Medi­en zu brin­gen.

Jedes LMS trägt die „Macht des Rin­ges” in sich. Ein LMS bie­tet in der Regel die Mög­lich­keit, Schu­le so zu machen, wie sie schon immer war. Das Sys­tem wird auf allen Ebe­nen durch den Ring geknech­tet wer­den. Die Kräf­te, die dabei unter dem enor­men Eva­lua­ti­ons­druck das Gewohn­te 1:1 ins Digi­ta­le über­tra­gen, wer­den sich der Kraft des Rin­ges nicht ent­zie­hen kön­nen.

Und dann steht man als idea­lis­ti­scher z.B. Mood­ler da und sieht sich auf ein­mal der gesam­ten Kri­tik­breit­sei­te vom „Bevor­mun­dungs-” bis zum „Kon­troll­sys­tem” aus­ge­setzt — nicht weil ich das Sys­tem so nut­ze, son­dern weil die Macht des Rin­ges das Sys­tem ver­führt, ein­fach nur den Abbil­dungs­mo­dus umzu­schal­ten, weil es alte Sicher­hei­ten nicht tan­giert — und da sind wir bei Andre­as Zeuch.

Die Hal­tung bestimmt die Nut­zung digi­ta­ler Tools, nicht die Tools die Hal­tung. Die Tools bil­den aber recht bru­tal die Hal­tung ab. Im Ide­al­fall ist erst die Hal­tung vor­han­den, die für ein neu­es Bil­dungs­sys­tem die Grund­la­ge bie­tet.

Wenn aber die­se Hal­tung vor­han­den ist, hege ich zur­zeit erns­te Zwei­fel dar­an, dass in der Schu­le die Tool­wahl auf ein LMS fal­len wird. Sei­ne Stär­ken spielt ein LMS m.E. nicht im Lern­pro­zess aus, son­dern im Bereich des Aus­tau­sches, der Eva­lua­ti­on von Lern­pro­zes­sen, der Ver­tei­lung von Best-Prac­tise-Set­tings. Ich wage die The­se, dass es ein fun­da­men­ta­ler Unter­schied ist, ob eine Lehr­kraft ein LMS allei­ne für sich und ein Team nutzt oder das eine gan­ze Schu­le tut.

Ein kom­mer­zi­el­ler Anbie­ter lebt übri­gens nicht von der Hal­tung. Er lebt von den Ver­gü­tun­gen für sei­ne Dienst­leis­tun­gen. Des­we­gen wirkt er im Ide­al­fall an Hal­tungs­bil­dung mit, um sein Sys­tem attrak­tiv auf dem Markt zu posi­tio­nie­ren. Er kann aber das eine zur­zeit nicht vom ande­ren tren­nen und muss daher Pro­duk­te vermarkten.Genau wie das Bil­dungs­sys­tem ver­fügt er gar nicht über die Res­sour­cen zur flä­chen­de­cken­den „Hal­tungs­bil­dung”, wohl aber über die eine oder ande­re Kom­pe­tenz in die­sem Bereich.

Was ist der Aus­weg? Ich ken­ne nur Bau­stei­ne. Zum Bei­spiel Speck für die Skep­ti­ker — eine gro­ße Grup­pe inner­halb des Schul­sys­tems. Sie haben wenig per­sön­li­che Vor­be­hal­te, aber eine Men­ge for­ma­le. Mein Speck soll ver­läss­li­che Tech­nik sein. Im Fahr­was­ser ver­läss­li­cher Tech­nik hat die Medi­en­be­ra­tung vom NLQ eine Men­ge anzu­bie­ten. Mal schau­en, ob das so klappt.

Ich bin die eine, die die viele ist

Drex files

Quel­le: http://drexfiles.wordpress.com/2009/10/25/borg-tactical-cube/

Borg — sounds swe­dish!” — so reagier­te eine Figur in Star Trek auf die ers­te Erwäh­nung die­ses Namens. Die Borg ist eine vir­tu­el­le Ras­se, die auf maxi­ma­le Red­un­danz und Ver­net­zung setzt. Sie ver­fü­gen über kei­ne eige­ne Krea­ti­vi­tät, son­dern ent­wick­leln sich durch Assi­mi­la­ti­on von frem­den Ras­sen und deren Tech­no­lo­gie. Von ihnen stammt auch der von mir schon ver­wen­de­te Satz: Resis­tan­ce is futi­le (Wider­stand ist zweck­los). Ein­mal in Borg­kol­lek­tiv auf­ge­nom­men kann jeder die Stim­men des ande­ren hören — es gibt eine gro­ße Gemein­schaft. Eine Aus­glie­de­rung aus dem Kol­lek­tiv ist sehr schwer, da die Figu­ren dann die Stim­men nicht mehr hören, die sie als gro­ße Berei­che­rung emp­fin­den, weil sie nicht mehr allei­ne sind. Borg han­deln allein nach funk­tio­na­len Grund­sät­zen, Ethik und Moral spie­len kei­ne Rol­le. Ein­zi­ge Prä­mis­sen sind die Erhal­tung des Kol­lek­tivs und die tech­ni­sche Per­fek­ti­on. Die Ent­wick­lung des Indi­vi­du­ums unter­liegt den Gren­zen und Wün­schen des Kol­lek­tivs, das von der einen, die die vie­le ist gelei­tet wird — der Borg­kö­ni­gin (eine Ras­se ohne irgend­ei­ne Lei­tungs­struk­tur wäre wohl auch den Star Trek-Machern zu viel gewe­sen).

Ich muss in die­sen Tagen oft an die Borg in Zusam­men­hang mit Face­book den­ken. Ange­fan­gen hat alles mit dem ULD Kiel, dass einen Angriff auf die Trans­warp­ka­nä­le der Borg gestar­tet hat, indem es Web­mas­ter „bedroh­te”, die Face­books-Addons auf ihren Web­sei­ten ein­bin­den. Face­book gewinnt dadurch Infor­ma­tio­nen über Bewe­gungs­mus­ter von Mit­glie­dern und Nicht­mit­glie­dern im Web — das ist übri­gens auch die tech­ni­sche Funk­ti­on von „Like- ” oder „1+”-Buttons (Pen­dant bei Goog­le). Ich habe Ein­zel­ge­sprä­che geführt, in denen die­ser Schritt des ULD hef­tig kri­ti­siert und vor allem der Ver­lust von Trans­pa­renz und Bür­ger­nä­he von z.B. Kom­mu­nen beklagt wur­de. Ande­re Kri­tik­stra­te­gi­en, die mir weit­aus sym­pa­thi­scher sind, set­zen auf der Ebe­ne von tech­ni­schen Feh­lern des ULD an. Dar­über kann man reden — aller­dings betrifft das den Bereich der tech­ni­schen Medi­en­kom­pe­tenz, der aber oft als „zu anstren­gend” nicht gewünscht wird.

Tat­sa­che ist für mich, dass die Assi­mi­lie­rungs­stra­te­gie von Face­book eine extrem hohes, abso­lut genia­les Niveau erreicht hat, weil die Assi­mi­la­ti­on selbst nicht wie bei den Borg auf Gewalt beruht, son­dern schlei­chend und ange­nehm mit der Ver­hei­ßung maxi­ma­ler Bedürf­nis­be­frie­di­gung erfolgt. Wer sich ein­mal im Kol­lek­tiv befin­det, möch­te oder kann es nach kur­zer Zeit nicht mehr mis­sen. Die Vor­stel­lung, dass es Men­schen gibt, die außer­halb die­ses Kol­lek­tivs exis­tie­ren, ist — wie bei den Borg — oft mit Gedan­ken an Rück­stän­dig­keit und „Nicht­ver­ste­hen der neu­en Wis­sens­ge­sell­schaft” asso­zi­iert. Face­book ist ein Borg­ku­bus, den man unbe­ach­tet besu­chen darf, solan­ge man nicht pri­mä­re Sys­te­me bedroht, ein Kubus, der des gan­ze Web in sich ver­eint ohne dabei nach außen mit dem Web zu tei­len.

Zwi­schen­be­mer­kung:

Nein: Ich hal­te Face­book­nut­zer nicht für wil­len­lo­se, voll­stän­dig mani­pu­lier­te und ent­in­di­vi­dua­li­sier­te Droh­nen. Auf der Ebe­ne des Indi­vi­du­ums passt die­se Borg-Ana­lo­gie nicht.

Gleich­wohl ver­langt die sozia­le Orga­ni­sa­ti­on inner­halb des Kubus, dass alles geteilt wird, zumin­dest mit der Köni­gin — den Kon­takt zu ein­zel­nen kann man fil­tern, jedoch nur soweit man die stän­di­gen Neu­kon­fi­gu­ra­tio­nen des Fil­ters ver­steht und nach­voll­zieht. Die Fil­ter­mo­di­fi­ka­tio­nen erfol­gen selt­sa­mer­wei­se immer so, dass stan­dard­mä­ßig mehr Infor­ma­tio­nen mit mehr Men­schen geteilt wer­den. Das Grund­prin­zip der Borg besteht genau dar­in: Alles zu tei­len, das gan­ze Leben. Bei den Borg hat das jedoch nichts mit Frei­heit, son­dern mit Kon­trol­le zu tun — das ist bei Face­bok natür­lich ganz anders, auch wenn für die wirt­schaft­li­che Funk­ti­on eine hohe Teil­ra­te natür­lich so ungüns­tig auch nicht ist.

Tre­ten neue Netz­wer­ke auf den Plan, ist die ers­te Fra­ge sofort, wie man sel­bi­ges in Face­book inte­grie­ren kann (wahr­schein­lich damit man nichts ver­passt und nicht die dop­pel­te Arbeit beim Pos­ten hat). Das hat nichts mit dem Assi­mi­lie­rungs­grad bei Face­book zu tun.

In Face­book hat der Mensch die Frei­heit, die im Rah­men, den Face­book setzt, mög­lich ist (Gilt m.E. auch für App­le­pro­duk­te). Dage­gen meh­ren sich zum Glück Stim­men. Es gibt Alter­na­ti­ven, die eine voll­stän­di­ge Kon­trol­le der eige­nen Daten ermög­li­chen — nur ist da nie­mand…

Ich mei­de Face­book und ich wür­de mitt­ler­wei­le jedem raten, das auch zu tun. Brow­ser­plug­ins lösen kei­ne ein­zi­ge Her­aus­for­de­rung — höchs­tens für Nicht­mit­glie­der. Selbst für vie­le Leh­rer­blogs müss­te ich eine sei­ten­be­zo­ge­ne Regel bei NoScript anle­gen, die mir zwar eine Kom­men­tie­rung im Dis­qus-Plug­in, nicht jedoch eine Daten­über­tra­gung durch den Face­book­but­ton ermög­licht. Das dürf­te den Bequem­lich­keits­an­spruch und die tech­ni­schen Fer­tig­kei­ten einer sur­fen­den Mehr­heit deut­lich über­stei­gen.

Face­book gibt sehr, sehr viel. Es hat vie­les ermög­licht, was vor weni­gen Jah­ren noch undenk­bar war.  Aber es nimmt auch. Das ist sei­ne Natur als bör­sen­no­tier­tes Unter­neh­men. Gewinn und Nut­zen muss jeder für sich abwä­gen. Jeder soll­te sich dar­über im Kla­ren sein, dass prin­zi­pi­ell auch der Staat in begrün­de­ten Ver­dachts­fäl­len Zugriff auf die­se Daten hat. Wir brau­chen kei­ne Maut­brü­cken zur Erstel­lung von Bewe­gungs­pro­fi­len. Nur gegen den Ver­such, die Maut­brü­cken dafür ein­zu­set­zen, rebel­lie­ren wir. Das bekom­me ich manch­mal nicht zusam­men. Ich bin aber auch Borg-Fan. Das passt auch nicht.

Es tut sich etwas auf dem LMS-Sektor…

Es gibt zöger­lich kon­kre­te Ange­bo­te mit das Hos­ting von LM-Sys­te­men von Fir­men mit einer dezi­dier­ten Preis­kal­ku­la­ti­on, z.B. von its­le­arning. Ganz aktu­ell wird Schu­len in Nie­der­sach­sen zunächst ein Ange­bot in Koope­ra­ti­on mit dem Ver­ein N-21 gemacht. In der Regel kann man sol­che Ange­bots-PDFs gar nicht so schnell ver­lin­ken, wie sie aus dem Netz wie­der ver­schwin­den. Beim Mit­be­wer­ber ele­dia, des­sen Prei­se im Ver­gleich güns­ti­ger aus­fal­len und der auf Basis von Open­Sour­ce-Pro­duk­ten ande­re Vor­tei­le bie­tet, kommt man auf den ers­ten Blick bes­ser weg.

Mir fehlt der neu­tra­le Blick, um Funk­tio­na­li­tä­ten oder den Dienst­leis­tungs­um­fang von Ange­bo­ten fair mit­ein­an­der zu ver­glei­chen, zudem habe ich Lern­ma­nage­ment­sys­te­me in mei­nem Unter­richt weg­ge­hend über­wun­den — ich weiß nur, dass wahr­schein­lich 90% der an Schu­len täti­gen Men­schen kei­ne Ahnung davon haben, was da über­haupt ange­bo­ten wird und war­um man dafür meh­re­re Kilo­eu­ro im Jahr hin­le­gen soll­te.

Das ist ein Pro­blem: Ich soll für etwas zah­len, auf dem irgend­wie „E-Learning” drauf­steht. Ele­dia macht das mitt­ler­wei­le sehr geschickt, indem es gestaf­fel­te Ein­stie­ge gibt, z.B. den ein­zel­nen Kurs­raum für eine inter­es­sier­te Lehr­kraft für klei­nes Geld. its­le­arning bie­tet einen kom­plet­ten Demoac­count mit allen Funk­ti­on zeit­lich beschränkt auf 30 Tage an.

Die ers­te Tak­tik hal­te ich des­we­gen für erfolg­ver­spre­chen­der, weil Lern­pro­zes­se eben Pro­zes­se sind und ich in vier Wochen kaum beur­tei­len kann, ob sich eine Lern­platt­form im All­tag bewährt. Den Demoac­count von its­le­arning habe ich mir ange­se­hen — aber erfah­ren(!) wer­de ich ihn in sei­nen Mög­lich­kei­ten erst gemein­sam mit mei­ner Lern­grup­pe. Dafür reicht die Erpro­bungs­zeit nicht aus und die SuS brau­chen wie­der einen neu­en, eige­nen Account. Für mich ist das Ange­bot unin­ter­es­sant, weil ich die von mir gewünsch­ten Funk­tio­na­li­tä­ten durch mei­ne media­le und tech­ni­sche Kom­pe­tenz selbst rea­li­sie­ren kann. Das ist aber nicht die Regel und des­we­gen sind sol­che Ange­bo­te wich­tig.

Da schließt sich der Kreis: Eigent­lich kann ich ein E-Learning­an­ge­bot erst rich­tig nut­zen, wenn ich es in sei­nen Mög­lich­kei­ten und Vor­tei­len erfah­ren habe. Die­se ers­te Schwel­le muss mög­lichst nied­rig, d.h. auch durch ent­spre­chen­de Bera­tung und Fort­bil­dung beglei­tet sein. Dann(!) kann ich als Schu­le zu dem Schluss kom­men, dass mich ein Sys­tem über­zeugt und Fund­rai­sing zur sei­ner Finan­zie­rung betrei­ben. Sonst hat man ein Sys­tem für teu­res Geld und nutzt es nicht. Und die unbe­wuss­te Angst vor dem Zustand mag hin­ter dem  oft unbe­rech­tig­tem Ruf: „Boah, watt teu­er!” ste­hen. Zumal Schu­len ja auch in ande­ren Berei­chen nicht unbe­dingt im Geld schwim­men. Ich ken­ne die Finanz­si­tua­ti­on rund um Schu­le ein wenig. Die Ange­bo­te sind preis­wert. Aber der Wert ist nicht bewusst. Der Preis hin­ge­gen schon.

Moodle 2.0: Kurseinstellungen

Jeder Trai­ner eines Kur­ses kennt den Block mit den Ein­stel­lun­gen. Dort las­sen sich z.B. Nut­ze­rIn­nen ver­wal­ten, der Kurs­schlüs­sel set­zen, Objek­te aus ande­ren Kur­sen impor­tie­ren usw.. In unse­rem Schul­mood­le habe ich in den letz­ten Tagen etwas her­um­ex­pe­ri­men­tiert und z.B. aus­ge­tüf­telt, wie ich den Che­mie­kol­le­gin­nen und -kol­le­gen nur in ihrem Bereich das Recht ein­räu­me, Kur­se selbst zu erstel­len. Das klappt auch erstaun­lich gut, ohne dass sie gleich­zei­tig Zutritt zu den ande­ren Kur­sen die­ses Fach­be­reichs erhal­ten.

Heu­te mor­gen mail­te mich eine Kol­le­gin an, dass ich gar nicht klar sei, wie das denn nun mit der Ein­schrei­bung und so genau funk­tio­niert. Es zuck­te kurz in den Fin­gern, den übli­chen Stan­dardklick­pfad zurück­zu­mai­len, aber statt­des­sen habe ich mich vor­sichts­hal­ber ein­mal in ihrer Rol­le (Log­in als) ange­mel­det — der Block für die Kurs­ein­stel­lun­gen war ver­schwun­den! Das muss höchst irri­tie­rend sein. Ich habe wie wild durch das Sys­tem geklickt, bis mir das hier auf­fiel:

Die­ser klei­ne Rei­ter blieb auch beim ver­ti­ka­len Scrol­len immer im Bild­be­reich, also muss­te er eine Bedeu­tung besit­zen. Und sie­he da:

 

Da war es wie­der, das Ein­stel­lungs­me­nu. Die Posi­tio­nie­rung macht natür­lich Sinn, dann man so das Gan­ze immer griff­be­reit hat. Nicht jedes The­me unter­stützt die­ses Fea­ture. Aber dar­auf muss man erst­mal kom­men. Befin­det man sich nicht in einem eige­nen Kurs, redu­zie­ren sich die ver­füg­ba­ren Optio­nen auto­ma­tisch:

Inter­es­san­te Din­ge tun sich auf, wenn man das Menu durch­stö­bert, z.B. der per­sön­li­che Schlüs­sel zum Abon­nie­ren geschütz­ter RSS-Feeds von Foren, die in Mood­le 1.9 alle­samt öffent­lich ins Netz gepus­tet wur­den — so man RSS zuließ…

Mer­ke:

Schau dir den Mist, den da als Admin ver­zapfst, immer auch in der Ansicht ande­rer Rol­len an!

 

 

 

 

Von iPads, eBooks & Virtual Classrooms. Lerntechnologien #opco11

Die­ser Arti­kel ist mein ers­ter(?) Bei­trag zum deut­schen Open­Cour­se #opco11, über den ich letz­tens noch so geschimpft habe. Er passt also nicht so ganz in den übli­chen Arti­kel­strom die­ses Blogs. Das möge man mir nach­se­hen… Das The­ma des Arti­kels ent­spricht dem The­ma des #opco11 die­se Woche — und jetzt aber los:

Lern­tech­no­lo­gi­en — es gibt eini­ges an Tools in den Wei­ten des Webs. Mar­tin Kurz hat in sei­nem Blog viel zu sei­ner Nut­zung von Mood­le im Unter­richt geschrie­ben — ich war dabei nie so kon­se­quent wie er. Über die Jah­re habe ich mit vie­len Tools expe­ri­men­tiert und dabei immer anhand von kon­kre­ten Gegen­stän­den Erfah­run­gen gesam­melt und oft auch geb­loggt. Es ist für mich an der Zeit zu dem zu wer­den, wofür Horst Sie­vert einen Namen gefun­den hat — zu einem Chan­ge Agent.

Bevor ich das hier vor Ort tat­säch­lich ange­he — die ers­te Wei­che ist schon gestellt, möch­te ich eini­ge Geschich­ten zu mir, mei­nem Unter­richts­er­le­ben und bekann­te­ren Web2.0-Tools erzäh­len. Da viel zu sagen und im Rah­men von #opco11 noch zu lesen ist, for­mu­lie­re ich nur Impul­se und ver­wei­se auf die Arti­kel mei­nes Blogs, dem mei­nen Gedan­ken ent­stam­men, so dass man nicht alles lesen muss. Die Abfol­ge der Impul­se folgt einem über­ge­ord­ne­ten Arti­kel, der mein Ver­hält­nis zu offe­nen, tei­lof­fe­nen und geschlos­se­nen Tools klärt.

Mood­le

Mei­ne Geschich­te zu Mood­le gibt es auch. Mood­le ist zunächst ein­mal ein Sys­tem, das dem ein­fa­chen Nut­zer alles ver­bie­tet, was der Trai­ner nicht aus­drück­lich erlaubt. Das ist gewis­ser­ma­ßen sei­ne Natur im Aus­lie­fe­rungs­zu­stand. Mood­le hat mir vie­le gute Diens­te geleis­tet und tut dies auch heu­te noch. Um schnell ein­mal ein anony­mes Feed­back zusam­men­zu­kli­cken oder einen Absprung­punkt für eine Rei­se ins Netz zu fin­den, für Bereit­stel­lung von Mate­ria­li­en für Fach­schaf­ten oder Kol­le­gen, dafür nut­ze ich das Sys­tem auch heu­te noch hin und wie­der. Mood­le ist nach mei­ner Erfah­rung im Unter­richt ein schwer­fäl­li­ger Wagen, den man immer­zu schie­ben muss — weil es sich als Gan­zes eben kaum am Ler­ner ori­en­tiert. Selbst erfah­re­ne Net­zu­ser unter mei­nen Schü­lern sit­zen vor dem Sys­tem erst­mal mit vie­len Fra­ge­zei­chen.

Den­noch: Ich den­ke, dass wir Mood­le in der Schu­le als Brü­cken­tech­no­lo­gie noch brau­chen wer­den, gera­de weil sich bestehen­de Schul- und Unter­richts­struk­tu­ren damit 1:1 abbil­den las­sen. Dies gibt den­je­ni­gen viel­leicht die Sicher­heit, die den neu­en Medi­en eher skep­tisch gegen­über­ste­hen. Und auch hier ist Mood­le noch längst nicht eta­bliert oder als Werk­zeug all­täg­lich.

Blogs

Blogs und Wikis sind ganz anders als Mood­le. Sie erschlie­ßen sich dem Nut­zer weit­ge­hend intui­tiv und sind so viel spon­ta­ner zu nut­zen als eine VLE-Gigant wie Mood­le. Aber auch hier gilt für mich, dass der Satz „blog­ge doch mal mit dei­nen Schü­lern” viel zu kurz greift. Es gilt, immer eine Waa­ge zu fin­den zwi­schen dem Abge­ben von Ver­ant­wor­tung und dem Alleinelas­sen. Einen Fünft­kläss­ler allei­ne vor ein lee­res Blog zu set­zen — am bes­ten noch bei einem Blog­dienst — das ist ein Alleinelas­sen in mei­nen Augen. Zu mei­nen Erfah­run­gen mit Blogs gibt es eine gan­ze Arti­kel­rei­he. Zen­tra­le Vor­aus­set­zung für die erfolg­rei­che Arbeit mit Blogs ist die Lösung des Rezep­ti­ons­pro­blems. Des­we­gen blog­ge ich mit Schü­le­rin­nen und Schü­lern bis­her noch nicht öffent­lich und immer im Klas­sen­ver­band. Wenn ich vie­le Inhal­te habe, kann ich mir auch Struk­tu­ren zu deren Orga­ni­sa­ti­on über­le­gen — hier bie­tet sich erwei­ter­tes Lern­po­ten­ti­al.

Den Blog­wa­gen muss­te ich dabei nie schie­ben. Die SuS haben sich die­sen Raum selbst­stän­dig auch erobert. Lei­der konn­te ich bis­her nicht immer aus­rei­chend dabei am Ball blei­ben.

Blogs kön­nen für mich vie­le Din­ge bes­ser als es Mood­le kann. Wer schon ein­mal Haus­auf­ga­ben mit Mood­le ein­ge­sam­melt hat, bekommt eine Kri­se: Es braucht unzäh­li­ge Klicks, bis man alles zusam­men hat — dann schlägt man sich mit unter­schied­lichs­ten Datei­for­ma­ten her­um und und und… Haus­auf­ga­ben­tex­te kom­men bei mir ein­fach in ein Blog und dann wird kom­men­tiert per orga­ni­sier­ter Rezep­ti­on. Ich brau­che für Rück­mel­dun­gen Stun­den. Ein Lern­grup­pe schreibt in 45 Minu­ten jedem Lern­grup­pen­mit­glied drei bis vier Feed­backs (Kom­men­tar­funk­ti­on), die im Kern das Glei­che leis­ten, wenn die SuS durch den vor­an­ge­hen­den Unter­richt gut vor­be­rei­tet sind.

Ether­pad & Goog­le­Docs

Da sich bei­de Tools auch anonym nut­zen las­sen, kom­bi­nie­re ich sie ger­ne mit Blogs. Es wird mit die­sen Werk­zeu­ge mög­lich, was vor­her nie in eine Stun­de gepasst hät­te: Das Schrei­ben und die Kon­zep­ti­on eines län­ge­ren Tex­tes — simul­tan, koope­ra­tiv. In Ver­bin­dung mit einem Smart­board wer­den sogar inter­ak­ti­ve, schü­ler­zen­trier­te „Tafel­bil­der” mög­lich. Span­nend. Ich hat­te es kürz­lich über­legt, die Anony­mi­tät auf­zu­bre­chen, weil sie doch auch Pro­ble­me mit sich bringt, z.B. Van­da­lis­mus bzw. unbe­ab­sich­tig­tes Löschen (hät­te ich einen Account­na­men, könn­te ich z.B. leich­ter Vor­ver­sio­nen wie­der­her­stel­len). Unser Schul-EDV-Sys­tem ermög­licht aber ein Ver­fah­ren, wel­ches auch dem Daten­schutz voll gerecht wird, weil ich für die Anmel­dung bei z.B. Goog­le­Docs auch Fake­an­ga­ben (Mai­la­lia­se) in unse­rem LDAP hin­ter­le­gen kann, die dann genutzt wer­den — mal sehen.

Maha­ra

Ich bin bezüg­lich Maha­ra noch sehr ver­wirrt — es ist voll­kom­men dia­me­tral zu Mood­le in sei­ner Anla­ge. Es bie­tet glei­cher­ma­ßen Schutz­räu­me wie auch Frei­hei­ten für Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Wenn ein Schü­ler bestimmt, dass ich als Lehr­kraft etwas nicht sehen soll, dann sehe ich es auch nicht — auch der Admin müss­te sich das Gan­ze aus der Daten­bank zusam­men­klau­ben. Das führt zu manch­mal abstru­sen Situa­tio­nen, wenn SuS Feed­back von ande­ren wol­len, das aber nicht bekom­men, weil sie schlicht und ergrei­fend ver­ges­sen haben, ihre Ansich­ten für Drit­te zugäng­lich zu machen. Die Soci­al­Net­work-Funk­tio­nen haben Schü­le­rin­nen und Schü­ler schnell ent­deckt. Ein biss­chen fehlt es mir an einer zen­tra­len Time­li­ne — ledig­lich die eige­ne Ein­stiegs­an­sicht kann man sich nach Belie­ben zusam­men­kli­cken — selbst dann bekommt man aber nicht alles mit.

Maha­ra ist mit Mood­le kop­pel­bar — das haben wir bei uns an der Schu­le auch rea­li­siert, sodass Funk­tio­na­li­tä­ten bei­der Sys­te­me zur Ver­fü­gung ste­hen — selbst gestan­de­nen web­af­fi­nen KuK ist aber Maha­ra immer noch ein Rät­sel — weil es viel­leicht eben radi­kal Ver­ant­wor­tung auf SuS über­trägt und „man” als Leh­ren­der da nicht viel orga­ni­sie­ren kann und muss — das machen sie schon selbst. Kon­troll­ver­lust.

Face­book

Mei­ne Posi­ti­on dazu steht bei Mar­tin. Ich kann nur als Tech­ni­ker dar­auf schau­en. Und Tech­ni­ker sind meist eher prag­ma­tisch denn eupho­risch. Mit iDin­gens-Pro­duk­ten geht es mir ähn­lich…

So viel?

Ich bin ein leid­lich begab­ter Linu­x­ad­mi­nis­tra­tor. Ohne Kennt­nis­se von grund­le­gen­den Ser­ver­diens­ten hät­te ich unse­re Web­land­schaft für unse­re Schu­le nie auf­bau­en kön­nen. Wir haben auf dem Schul­ser­ver Mood­le, Maha­ra, Ether­pad, Mail­ac­counts für alle, einen zen­tra­len Ver­zeich­nis­dienst (LDAP) usw.. Das ist die Aus­nah­me. Des­we­gen sind ja so vie­le Leh­rer als Ein­zel­kämp­fer auf freie Ange­bo­te ange­wie­sen. Was ich über den Schul­ser­ver nicht rea­li­sie­ren kann, mache ich mit pri­va­ten Res­sour­cen — ich bin so ein Typ, der Blogs in fünf Minu­ten via Kon­so­le auf­setzt oder Mood­le per Script updaten könn­te. Auf die­sem Gebiet ist in Deutsch­land noch viel zu tun. Es muss viel mehr zen­tra­le Ange­bo­te für Schu­len geben — nicht von Fir­men, son­dern durch den Dienst­her­ren (der sich dann ja Know-How von Fir­men ein­kau­fen kann).  

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