Euro-Pro – netter Versuch…

Neulich purzelte ein Brief der Firma Euro-Pro aus unserem Briefkasten. Diese Firma stellt sich im Internet wie folgt dar:

Die EURO-PRO GmbH ist Ihr zuverlässiger Partner bei der Ermittlung von unbekannt verzogenen Kunden und Schuldnern in Deutschland und ganz Europa.
Darüber hinaus bieten wir Ihnen umfangreiche Wirtschaftsinformationen.
Auch im Bereich der Bonitätsprüfung und Geschäftsanbahnung bieten wir Ihnen hochautomatisierte Lösungen.
In mehr als 3000 Programmierstunden haben wir ein hochmodernes Ermittlungssystem entwickelt. Unser IT-Team integriert nahezu wöchentlich neue Ermittlungsmodule, die durch unser Expertenteam entwickelt wurden.
Wir nehmen Dienstleistung wörtlich und recherchieren für Sie professionell mit intelligenten und ebenso effizienten Methoden für Ihren Erfolg. Zeitnahe Bearbeitung ist für uns selbstverständlich.

Quelle: http://www.euro-pro.de

Gegen das Geschäftsmodell lässt sich ja zunächst nichts einwenden, da die Zahlungsmoral in Deutschland ja wirklich nicht die beste zu sein scheint. In der Regel tauschen derartigen Unternehmen Datensätze mit den Einwohnermeldeämtern aus und analysieren diese auf Stichhaltigkeit.

Nun zum Brief:

Dieser Brief war aufgemacht, als handle es sich um amtliche Post. Meine Frau wurde aufgefordert, innerhalb einer zweiwöchigen Frist der obengenannten Firma ihr Geburtsdatum mitzuteilen. Außerdem wurde mitgeteilt, dass ihr Datensatz erstmalig an einen Dritten übermittelt worden ist. Die Firma schreibt weiter, dass sie mit dieser Mitteilung ihrer Pflicht gemäß Bundesdatenschutzgesetz nachkomme. Finde ich alles sehr spannend.

  1. Was denkt der normale Bürger, wenn eine Schuldnerauskunft ihm mitteilt, sie hätte seine Daten erstmalig einem Dritten übermittelt?
  2. Was denkt der normale Bürger, wenn er ein amtlich aussehendes Schreiben mit einer Art Fristsetzung erhält?
  3. Geburtsdaten sind in der Regel auch über Einwohnermeldeamtabfragen ermittelbar. Worum geht es dieser Firma also mit dem Schreiben?

Nunja, mir fiel dazu nichts weiter als die folgende Antwort (freundlicherweise nur per Fax) ein:

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Katharsis – gibt es sie noch?

Der moderne Kreon

Ich bin Topmanager
Ich handle im Interesse meiner Firma
Ich entlasse Menschen
Ich führe schwarze Kassen
Ich handle im Interesse meiner Firma
Egal, was dabei geschehen mag:
Die Abfindung ist meine Braut.

Es scheint sie nicht mehr zu geben, die Gerechtigkeit. Kriegsverbrecher werden in ellenlangen Prozessen nur für Teile ihrer Taten zur Rechenschaft gezogen, manch ein Manager scheint auch nach groben Fehlern außer einer Abfindung und einem neuen Job nichts an Konsequenzen erleiden zu müssen und auch die Diktatoren unserer Tagen gehen eher ins Exil denn in das Gefängnis.

Was bleibt, ist oft ein Gefühl der Hilflosigkeit, wenn nicht sogar eine demokratiefeindliche Haltung: Warum sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn es die Großen der Gesellschaft doch nicht zu haben scheinen?

Das Jammern und Schaudern bleibt anscheinend viel zu oft in unseren Tagen. Es erfährt keine Auflösung mehr.

Wie viel besser hatten es da die alten Griechen! Der mächtige Kreon in Sophokles‘ Antigone fällt. Er ist physisch und psychisch vernichtet, weil er gegen göttliches Gesetz verstößt. Was für eine Botschaft und was für ein Kontrast zum bisher Beschriebenen.

Vielleicht ist genau das ein Weg SuS den sehr abstrakten und umstrittenen Begriff der Katharsis zu verdeutlichen, der Reinigung des Zuschauenden durch Jammern und Schaudern von ebendiesen negativen Emotionen selbst, wie es Aristoteles in seiner Poetik verlangt.

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Zentrale Abiturprüfung – effiziente, kostenneutrale Lehrerfortbildung

Wäre ich ein Kultusministerium und hätte kein Geld für Fortbildung meiner Bediensteten, würde ich ein Zentralabitur mit verbindlichen thematischen Vorgaben einführen.

Ich würde die Vorgaben so wählen, dass sich sich grundsätzlich nicht auf bisher exemplarische Texte einzelner Epochen beziehen und so den Horizont meiner Lehrerschaft wirkungsvoll erweitern. Zudem ist es absolut vermessen zu glauben, dass es innerhalb der Deutschdidaktik auch über Jahrzehnte bewährte Texte geben sollte. Lehrer unterrichten schließlich methodisch und inhaltlich veraltet.

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Probleme lösen

Meine SuS hassen es: Bei jeder Rechenaufgabe in Chemie müssen sie ein streng vorgegebene Struktur einhalten:

  1. Was ist gegeben?
  2. Was ist gesucht?
  3. Was gilt allgemein?
  4. Wie kann ich nun den gegeben Spezialfall rechnen?
  5. Wie lautet das Ergebnis?

Heraus kommt in der Regel eine aufwendige Lösung, die sich prima korrigieren lässt, weil sie den Gedankengang beim Lösen dokumentiert. Der interessiert mich eigentlich. Das andere machen später sowieso irgendwelche Siliziumchips – wenn man sie denn mit den korrekten Daten zu füttern im Stande ist.

Die SuS interessiert daran meist nur, dass sie entsprechend viele Punkte holen können, da ich ja genau sehe, an welcher Stelle es hakt und entsprechend folgerichtig gnädig sein kann, wobei es da auch Grenzen gibt: Wer mir im Alter von 18 Jahren Kubikzentimeter nicht in Milliliter umrechnen kann, darf da weniger Gnade erwarten als ein Sechstklässler mit der gleichen Aufgabenstellung.

Diese nervige Struktur lässt sich aber eigentlich auf alle Probleme dieser Welt anwenden:

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class Identifikation extends Partizipation

Partizipation bedeutet die Einbindung von Individuen und Organisationen (sogenannte Stakeholder) in Entscheidungs- und Willensbildungsprozessen. Aus emanzipatorischen, legitimatorischen oder auch aus Gründen gesteigerter Effektivität gilt Partizipation häufig als wünschenswert. Partizipation kann die unterschiedlichsten Beteiligungsformen annehmen (z. B. Bürgerbeteiligung, Interessenverband, Politische Partei). Partizipation gilt als gesellschaftlich relevant, weil sie zum Aufbau von sozialem Kapital führen kann und dann soziales Vertrauen verstärkt.

Quelle: Wikipedia

Ich frage mich in letzter Zeit, wie sich Partizipation generieren lässt und welche Faktoren ihren Realisierungsgrad bestimmen. Ich frage mich auch, warum Partizipation gerade auch in der Schule oft nicht stattfindet. Dabei bestimmen mich die unten wiedergegeben Gedanken, die ich mit als Grundlage für den Artikel für unsere diesjährige Aufführung der Theater-AG zu verwenden gedenke:

  1. Ich partzipiere gerne innerhalb von Systemen, die mir eigene Gestaltungsmöglichkeiten offerieren. Besonders attraktiv ist Partizipation für mich dann, wenn ich grundlegende Werte und Strukturen in dann auch gerne lang andauernden und harten, aber klaren Prozessen mitgestalten kann.
  2. Große Systeme laufen immer Gefahr, dass Partizipation für sinnlos erachtet wird. Die allgemeine Politikverdrossenheit in unserem Land ist ein gutes Beispiel dafür. Wenn ich das Gefühl habe, dass immer gleiche und starke Mächte das mich umgebende System gestalten, bin ich wenig bis gar nicht bereit zu partzipieren. Eine große Gefahr liegt für mich also in der schieren Größe.
  3. Partizipation setzt für mich persönlich voraus, in meinen Fähig- und Möglichkeiten insbesondere von den Leitenden eines Systems prinzipiell geachtet zu sein. Dabei spielt der Satz „Wissen ist Macht“ eine zentrale Rolle: Partizipation ist nur auf Basis eine soliden Informationspolitik möglich. Diese ist umso schwieriger zu gestalten, je größer ein System ist. Das Schlüsselwort heißt hier für mich weitestgehende Transparenz: Die Vorgänge und Gerüchte rund um die Lobbyisten im Kanzleramt oder Europaparlament sind eben nicht transparent.
  4. Partizipation ist nützlich: Es nützt den Mächtigen, da sie entlastet werden und sich primär auf reale Leitungskompetenzen, z.B. der Lenkung, der Vermittlung und der Moderation beschränken können. Die Gemeinschaft eines Systems profitiert ebenfalls von Partizipation: Sie kann ihr System menschlicher gestalten und damit massiv zur Motivation und Atmosphäre eines Systems beitragen (soziales Kapital). Partizipation stirbt, wenn Mächtige einseitig ideologische Richtlinien durchsetzen und primär darauf ihre Energie verwenden. Ein gutes Beispiel ist für mich dabei die öffentliche Debatte um die Gesamtschule, die sich ideologisch verselbstständigt hat und wenig sachlich geführt wird. Die grundsätzliche Frage nach der Nachhaltigkeit vermisse ich in den laufenden Debatten.
  5. Wenn ein System Partizipation ermöglicht und fördert, kommt es zu einem weiteren systemisch meist positiven Begleiteffekt – die Identifikation:

Die Identifikation muss nicht zwingend bewusst verlaufen und wahrgenommen werden, sondern unterliegt oft unbewussten Vorgängen, die in der Psychoanalyse als Abwehrmechanismus eine wichtige Rolle spielen.

Quelle: Wikipedia

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