Friendly fire

Friendly Fire (engl. befreundeter Beschuss) bzw. Freundbeschuss ist ein euphemistischer Ausdruck aus dem US-amerikanischen Militärjargon, der den irrtümlichen Beschuss eigener oder verbündeter Streitkräfte in einer kriegerischen Auseinandersetzung bezeichnet. (Wikipedia)

… dabei klingt die vermeintlich direkte Übersetzung so hübsch. Ich halte „friendly fire“ für die Ursache Nummer 1, warum Hobby-Admins so oft an ihren Aufgaben verzweifeln. Aber welche Art des Beschusses gibt es denn in diesem Aufgabenfeld?

An den Schulen in Deutschland engagieren sich unzählige Lehrer- und Lehrerinnen für ihre Schule (eigentlich ihren Schulträger, der das eigentlich bezahlen müsste), um das Schulnetz für Kolleginnen und Kollegen am Laufen zu halten. Ich würde vor allem letztgenannte Personengruppe einmal als Analogie zu den „eigenen bzw. verbündeten Streitkräften“ sehen. „Beschuss“ kommt nach meiner Wahrnehmung prinzipiell aus dieser Richtung, weil z.B.

  1. nichts wie zu Hause ist
  2. die eigens angeschaffte Lernsoftware mit dem Netz nicht will (nicht dass man den Admin vorher gefragt hätte, ob das ginge)
  3. OpenOffice benutzt werden muss, wo doch zu Hause das Paket von Kleinweich läuft
  4. das Netz wegen der Eigenadministration doch auch einmal, wenn auch selten ausfällt
  5. alles sowieso viel zu langsam geht – das ADmin macht ja schließlich nichts „Sichtbares“ (muss eventuell an dem Prinzip von Rechnern/Software liegen)

Schüler soll man ja immer loben und bestätigen, damit sie orientiert sind. Für den Admin bleibt da oft nix mehr nach mit dem Lob – allein „friendly fire“ schwelt immer wieder vor sich hin – dummerweise nicht ausschließlich im Hinblick auf die Sphäre der Admins (so manche Schulleitung, mancher A14er wird da auch ein Lied von singen können) – aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Euro-Pro – netter Versuch…

Neulich purzelte ein Brief der Firma Euro-Pro aus unserem Briefkasten. Diese Firma stellt sich im Internet wie folgt dar:

Die EURO-PRO GmbH ist Ihr zuverlässiger Partner bei der Ermittlung von unbekannt verzogenen Kunden und Schuldnern in Deutschland und ganz Europa.
Darüber hinaus bieten wir Ihnen umfangreiche Wirtschaftsinformationen.
Auch im Bereich der Bonitätsprüfung und Geschäftsanbahnung bieten wir Ihnen hochautomatisierte Lösungen.
In mehr als 3000 Programmierstunden haben wir ein hochmodernes Ermittlungssystem entwickelt. Unser IT-Team integriert nahezu wöchentlich neue Ermittlungsmodule, die durch unser Expertenteam entwickelt wurden.
Wir nehmen Dienstleistung wörtlich und recherchieren für Sie professionell mit intelligenten und ebenso effizienten Methoden für Ihren Erfolg. Zeitnahe Bearbeitung ist für uns selbstverständlich.

Quelle: http://www.euro-pro.de

Gegen das Geschäftsmodell lässt sich ja zunächst nichts einwenden, da die Zahlungsmoral in Deutschland ja wirklich nicht die beste zu sein scheint. In der Regel tauschen derartigen Unternehmen Datensätze mit den Einwohnermeldeämtern aus und analysieren diese auf Stichhaltigkeit.

Nun zum Brief:

Dieser Brief war aufgemacht, als handle es sich um amtliche Post. Meine Frau wurde aufgefordert, innerhalb einer zweiwöchigen Frist der obengenannten Firma ihr Geburtsdatum mitzuteilen. Außerdem wurde mitgeteilt, dass ihr Datensatz erstmalig an einen Dritten übermittelt worden ist. Die Firma schreibt weiter, dass sie mit dieser Mitteilung ihrer Pflicht gemäß Bundesdatenschutzgesetz nachkomme. Finde ich alles sehr spannend.

  1. Was denkt der normale Bürger, wenn eine Schuldnerauskunft ihm mitteilt, sie hätte seine Daten erstmalig einem Dritten übermittelt?
  2. Was denkt der normale Bürger, wenn er ein amtlich aussehendes Schreiben mit einer Art Fristsetzung erhält?
  3. Geburtsdaten sind in der Regel auch über Einwohnermeldeamtabfragen ermittelbar. Worum geht es dieser Firma also mit dem Schreiben?

Nunja, mir fiel dazu nichts weiter als die folgende Antwort (freundlicherweise nur per Fax) ein:

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Katharsis – gibt es sie noch?

Der moderne Kreon

Ich bin Topmanager
Ich handle im Interesse meiner Firma
Ich entlasse Menschen
Ich führe schwarze Kassen
Ich handle im Interesse meiner Firma
Egal, was dabei geschehen mag:
Die Abfindung ist meine Braut.

Es scheint sie nicht mehr zu geben, die Gerechtigkeit. Kriegsverbrecher werden in ellenlangen Prozessen nur für Teile ihrer Taten zur Rechenschaft gezogen, manch ein Manager scheint auch nach groben Fehlern außer einer Abfindung und einem neuen Job nichts an Konsequenzen erleiden zu müssen und auch die Diktatoren unserer Tagen gehen eher ins Exil denn in das Gefängnis.

Was bleibt, ist oft ein Gefühl der Hilflosigkeit, wenn nicht sogar eine demokratiefeindliche Haltung: Warum sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn es die Großen der Gesellschaft doch nicht zu haben scheinen?

Das Jammern und Schaudern bleibt anscheinend viel zu oft in unseren Tagen. Es erfährt keine Auflösung mehr.

Wie viel besser hatten es da die alten Griechen! Der mächtige Kreon in Sophokles‘ Antigone fällt. Er ist physisch und psychisch vernichtet, weil er gegen göttliches Gesetz verstößt. Was für eine Botschaft und was für ein Kontrast zum bisher Beschriebenen.

Vielleicht ist genau das ein Weg SuS den sehr abstrakten und umstrittenen Begriff der Katharsis zu verdeutlichen, der Reinigung des Zuschauenden durch Jammern und Schaudern von ebendiesen negativen Emotionen selbst, wie es Aristoteles in seiner Poetik verlangt.

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Zentrale Abiturprüfung – effiziente, kostenneutrale Lehrerfortbildung

Wäre ich ein Kultusministerium und hätte kein Geld für Fortbildung meiner Bediensteten, würde ich ein Zentralabitur mit verbindlichen thematischen Vorgaben einführen.

Ich würde die Vorgaben so wählen, dass sich sich grundsätzlich nicht auf bisher exemplarische Texte einzelner Epochen beziehen und so den Horizont meiner Lehrerschaft wirkungsvoll erweitern. Zudem ist es absolut vermessen zu glauben, dass es innerhalb der Deutschdidaktik auch über Jahrzehnte bewährte Texte geben sollte. Lehrer unterrichten schließlich methodisch und inhaltlich veraltet.

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Probleme lösen

Meine SuS hassen es: Bei jeder Rechenaufgabe in Chemie müssen sie ein streng vorgegebene Struktur einhalten:

  1. Was ist gegeben?
  2. Was ist gesucht?
  3. Was gilt allgemein?
  4. Wie kann ich nun den gegeben Spezialfall rechnen?
  5. Wie lautet das Ergebnis?

Heraus kommt in der Regel eine aufwendige Lösung, die sich prima korrigieren lässt, weil sie den Gedankengang beim Lösen dokumentiert. Der interessiert mich eigentlich. Das andere machen später sowieso irgendwelche Siliziumchips – wenn man sie denn mit den korrekten Daten zu füttern im Stande ist.

Die SuS interessiert daran meist nur, dass sie entsprechend viele Punkte holen können, da ich ja genau sehe, an welcher Stelle es hakt und entsprechend folgerichtig gnädig sein kann, wobei es da auch Grenzen gibt: Wer mir im Alter von 18 Jahren Kubikzentimeter nicht in Milliliter umrechnen kann, darf da weniger Gnade erwarten als ein Sechstklässler mit der gleichen Aufgabenstellung.

Diese nervige Struktur lässt sich aber eigentlich auf alle Probleme dieser Welt anwenden:

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