10 Pflichtfach Informatik \n 20 goto 10

Ich hal­te ein „Pflicht­fach Infor­ma­tik” für unver­zicht­bar. Auf Twit­ter wird Lud­ger Hum­bert nicht müde, immer wie­der und wie­der danach zu rufen, wobei die Pene­tranz, mit er er die­se For­de­rung vor­trägt, weit über die von z.B. Jean-Pol Mar­tin impli­zit als not­wen­dig erach­te­te hin­aus­geht.

Die­se Dau­er­schlei­fe führt im Wesent­li­chen zu drei Reak­ti­ons­mus­tern:

  1. Man erträgt sie nicht mehr und blockt oder mutet.
  2. Man erwi­dert, dass man ja auch nicht ein Auto ver­ste­hen müs­se, um es zu bedie­nen.
  3. Man erwi­dert, dass man ja auch nicht ein Auto ver­ste­hen müs­se, um es zu bedie­nen und blockt oder mutet dann.

Eigent­lich fin­det damit eine Aus­ein­an­der­set­zung auf zwei Ebe­nen statt: Eine emo­tio­na­le und eine ratio­na­le. Wenn ich in der Bera­tung etwas nicht will, ver­su­che ich genau auf zwei Ebe­nen Ableh­nung zu erzeu­gen: Emo­tio­nal und ratio­nal, wobei die ers­te Ebe­ne wesent­lich wich­ti­ger ist.

Ohne Blu­men­fil­ter: Die Art und Wei­se, wie die­se For­de­rung vor­ge­tra­gen wird, sorgt m.E. eigent­lich erst dafür, dass man ihr kei­ne oder allen­falls nega­tiv besetz­te Beach­tung schenkt.

Die ratio­na­le Ebe­ne der Auto­ana­lo­gie ist für mich aller­dings eine nur vor­der­grün­dig ratio­na­le, die wie­der­um viel mit dem jeweils zugrun­de lie­gen­den Kom­pe­tenz­be­griff zu tun hat. Ver­meint­lich als Syn­the­se schleicht sich zusätz­lich der Begriff der Medi­en­kom­pe­tenz in die Debat­te, wobei ich den­ke, dass es kei­ne wie auch immer gear­te­te Medi­en­kom­pe­tenz ohne infor­ma­ti­sche Bil­dung geben kann. Aber lang­sam.

Medienkompetenz ist sexy, denn:
  1. Medi­en­kom­pe­tenz ist vor­der­grün­dig ohne tech­ni­sches Wis­sen ver­mit­tel­bar.
  2. Medi­en­kom­pe­tenz lässt sich am ehes­ten in bestehen­de Fächer inte­grie­ren — das ist admi­nis­tra­tiv sehr sexy, weil es rea­lis­ti­scher erscheint, als ein wei­te­res Fach zu schaf­fen, was ggf. zu Las­ten ande­rer Fächer geht.
  3. Medi­en­kom­pe­tenz fällt digi­tal affi­nen Men­schen qua­si im Vor­bei­ge­hen zu oder wird oft­mals intrin­sisch moti­viert erwor­ben, weil es z.B. Vor­tei­le für den eige­nen Unter­richt bie­tet oder geeig­ne­te, sich selbst bestä­ti­gen­de Fil­ter­bub­bles dafür gibt.

Der Medi­en­päd­ago­ge sagt:

Wenn du XY schon nutzt, dann emp­feh­le ich die und die Pro­fi­l­ein­stel­lun­gen, damit bestimm­te Infor­ma­tio­nen nicht sofort Drit­ten zugäng­lich wer­den.”

Informatik ist so gar nicht sexy, denn:
  1. Sie hat etwas mit algo­rith­mi­schen Den­ken zu tun, wovon „Pro­gram­mie­rung” nur ein win­zi­ger Bruch­teil ist. Algo­rith­mi­sches Den­ken zwingt sehr viel an Struk­tu­ren auf. Das ist oft wenig lust­be­setzt, wenn man es nicht kennt. Auch Qua­li­täts­ma­nage­ment­zy­klen sind im Prin­zip algo­rith­misch: Eva­lua­ti­on => Ziel­set­zung => Pla­nung => Umset­zung von Maß­nah­men => Eva­lu­la­ti­on … (Ok. Manch­mal ist das ja auch zum Kot­zen)
  2. Es haf­tet die­ser Dis­zi­plin immer noch ein Mythos von lang­haa­ri­gen, weiß­häu­ti­gen, piz­za- und ener­gy­drinks­ver­schlin­gen­den Sub­jek­ten an, die sich ansons­ten in Ser­ver­schrän­ken von Bits und Bytes ernäh­ren. Dabei wird ger­ne ver­ges­sen, dass z.B. Soci­al­me­dia nicht ein Pro­dukt von Phi­lo­so­phen und Päd­ago­gen ist und dass gro­ße Soft­ware­pro­jek­te von Teams und sozia­len Umgangs­re­geln geprägt sind, von denen wir auf Soci­al­me­dia oft­mals nur träu­men.
  3. Sie bedroht Pfrün­de. Wel­cher enga­gier­te Päd­ago­ge möch­te von sei­nem Fach etwas abge­ben? Und dann noch für ein Fach mit so zwei­fel­haf­tem Nut­zen? Denn: Auto­fah­ren kann man ja auch so (auch so eine Dau­er­schlei­fe).

Der Infor­ma­ti­ker sagt:

Wenn du XY nutzt, soll­test du fol­gen­de Anga­ben nicht machen und dir dar­über im Kla­ren sein, dass es kei­ne Lösch­funk­ti­on gibt (obwohl sie so heißt), son­dern nur die Mög­lich­keit, die Sicht­bar­keit von Infor­ma­tio­nen tem­po­rär ein­zu­schrän­ken.”

Das Autoargument

… könn­te auch lau­ten: Ich muss nichts über Che­mie wis­sen, um Kos­me­tik zu benut­zen. Oder: Ich brau­che kein Wis­sen über Erkun­de, um eine Rei­se zu unter­neh­men. Trotz­dem „leis­ten” wir uns bei­de Fächer, obwohl oder gera­de weil die­se bei­den Aus­sa­gen stim­men.

Wir leis­ten uns die­se Fächer, weil wir anneh­men (ja, es ist eine Annah­me), dass die­se umfas­sen­de Kon­zep­te ver­mit­teln, die uns in unse­rer Welt­erfah­rung und Berufs­fin­dung nütz­lich sind.

Bezo­gen auf Infor­ma­tik: Was erle­ben wir denn gera­de und beschrei­ben es ja auch wie­der und wie­der in der Fil­ter­bub­b­le? Rich­tig: Den enor­men Ein­fluss der Digi­ta­li­sie­rung auf Wirt­schaft und Gesell­schaft. Genau wie die Ato­me und Mole­kü­le Grund­kon­zep­te beim Auf­bau von Mate­rie beschrei­ben, beschreibt Infor­ma­tik eben Grund­zü­ge digi­ta­ler Struk­tu­ren. Wenn wir Grund­zü­ge nicht ver­mit­teln wol­len, so müs­sen wir kon­se­quen­ter­wei­se alle Fächer abschaf­fen.

Das Auto­ar­gu­ment beschreibt kein Grund­kon­zept. Es beschreibt einen win­zi­gen Teil von Mobi­li­tät, der zudem immer unwich­ti­ger wer­den wird. Daher kann man es m.E. gegen die For­de­rung nach einem Pflicht­fach Infor­ma­tik nicht in Stel­lung brin­gen.

Eben­so wenig wie ich heu­te weiß, wie der Zitro­ne­säu­re­zy­klus genau abläuft, weiß ich durch Infor­ma­tik spä­ter nicht, wie ein Rech­ner funk­tio­niert, aber ich habe Grund­zü­ge der Daten­ver­ar­bei­tung ken­nen­ge­lernt, die sich genau wie der Zitro­nen­säu­re­zy­klus nicht groß­ar­tig ändern.

Das Emotionale am Autoargument

Es ist uns Anwen­dern eigent­lich klar, dass wir sehr wenig wis­sen. Wei­ter­hin ist uns klar, dass die­ses Unwis­sen Kon­se­quen­zen haben wird. Ansons­ten wür­den wir von z.B. der Poli­tik nicht so vehe­ment for­dern, dass sie z.B. bestimm­te Din­ge regu­lie­ren soll, z.B. Ama­zon oder Face­book. Und es ist uns noch etwas klar: Wäh­rend wir das Ler­nen lan­ge Zeit auf jün­ge­re Gene­ra­tio­nen abschie­ben konn­ten, klappt das mit mit dem Ler­nen hin­sicht­lich des Digi­ta­len eher nicht so gut, da die­se Ver­än­de­rung uns alle betrifft und uns daher auch alle for­dert — vor allem auch auf dem Gebiet ethi­scher Grund­sät­ze, die es für Digi­ta­li­en neu zu schrei­ben und zu defi­nie­ren gilt. Das ist schwie­rig, wenn ich nur ahnen kann, was gene­rell mög­lich ist. Dann kommt da z.B. sowas wie Vec­to­ring her­aus.

Das ist zusätz­lich sehr unan­ge­nehm und gar nicht bequem. Das sol­len doch bes­ser die lang­haa­ri­gen, weiß­häu­ti­gen, piz­za- und ener­gy­drinks­ver­schlin­gen­den Sub­jek­te machen. Wir wol­len anwen­den und benut­zen. Dum­mer­wei­se bestim­men damit die lang­haa­ri­gen, weiß­häu­ti­gen, piz­za- und ener­gy­drinks­ver­schlin­gen­den Sub­jek­te bzw. ihre Fir­men grund­le­gen­de Struk­tu­ren auf Basis markt­wirt­schaft­li­cher Kon­zep­te. Ich fin­de die­se Vor­stel­lung irgend­wie blöd.

Kom­pe­tenz­ge­sei­er als Aus­weg?

Die Ver­mitt­lung von Medi­en­kom­pe­tenz ist im Extrem­fall nichts wei­ter als die Wei­ter­ga­be auto­di­dak­tisch erwor­be­ner Anwen­der­kennt­nis­se bzw. gemach­ter Erfah­run­gen inner­halb von Soci­al­me­dia. Sie ist ohne Zwei­fel wich­tig und soll­te Teil in jedem Fach sein. Sie lässt sich aber auf Basis von Wis­sen über infor­ma­ti­sche Grund­kon­zep­te m.E. viel fun­dier­ter und trag­fä­hi­ger ver­mit­teln. Die fik­ti­ve Aus­sa­ge des ste­reo­ty­pen Infor­ma­ti­kers oben eröff­net erwei­ter­te Hand­lungs- und Bewer­tungs­mus­ter gegen­über der ste­reo­ty­pen medi­en­päd­ago­gi­schen Posi­ti­on (wobei bei­des natür­lich nur Bei­spie­le zur Ver­an­schau­li­chung sind).

Der Kom­pe­tenz­seie­rer wür­de jetzt ein­wen­den, dass infor­ma­ti­sches Wis­sen ja auch ver­al­te und damit eher Kom­pe­ten­zen zum selbst­stän­di­gen Erschlie­ßen des infor­ma­ti­schen Wis­sens ver­mit­telt wer­den soll­ten. Damit macht er einer­seits den Dua­lis­mus zwi­schen Kom­pe­tenz und Wis­sen auf, den er den Kom­pe­tenz­kri­ti­kern ger­ne vor­wirft. Und er öff­net ande­rer­seits Sys­te­men (z.B. Lob­by­is­ten) Tor und Tür, den den Bereich der Infor­ma­tik dann eben auf ihre Wei­se beset­zen, denn Men­schen in Aus­bil­dung ahnen ja schon ein wenig, dass es in die­sem Bereich Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten im spä­te­ren Leben gibt.

Das Argu­ment mit dem „schnell ver­al­te­ten­den Wis­sen” fin­de ich dar­über hin­aus auch eini­ger­ma­ßen merk­wür­dig. Genau wie mathe­ma­ti­sche oder che­mi­sche Kon­zep­te eini­ger­ma­ßen kon­stant ver­läss­lich sind und den Kom­pe­tenz- und Wis­sens­er­werb in bei­den Dis­zi­pli­nen sowohl struk­tu­rie­ren und letzt­end­lich dadurch auch erleich­tern, gibt es auch in der Infor­ma­tik all­ge­mein­gül­ti­ge Struk­tu­ren wie etwa die Zer­le­gung eines Pro­blems und Teil­schrit­te. In den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten sind die­se Struk­tu­ren natur­ge­mäß weni­ger eng bzw. for­mal bestimmt aus­ge­prägt, aber den­noch vor­han­den.

Fazit

Medi­en­kom­pe­tenz ist erst­mal bes­ser als nichts und viel­leicht auch der zunächst prag­ma­ti­sche­re und beque­me­re Weg. Wenn wir jedoch in einer zuneh­mend digi­ta­li­sier­ten Welt leben, wird ein Grund­la­gen­fach wie Infor­ma­tik für mich jedoch unver­zicht­bar, auch wenn die For­de­rung danach viel­leicht unrea­lis­tisch und unbe­quem erscheint. Und nein: Infor­ma­tik heißt nicht „pro­gram­mie­ren ler­nen”. Es heißt viel mehr.

Medienkonzeptentwicklung

Die meis­ten Medi­en­kon­zep­ten von Schu­len, die ich so ken­ne, sind im Prin­zip tech­ni­sche Beschrei­bun­gen. Wie ein „rich­ti­ges Medi­en­kon­zept” aus­se­hen kann, scheint nie­mand so recht zu wis­sen — es gibt natür­lich irgend­wel­che Mess­bar­keits­in­di­ka­to­ren, die man hin­ter­her anle­gen kann, aber beim Schrei­ben hilft das eher nicht so sehr.

In Nie­der­sach­sen gibt es mit dem Ori­en­tie­rungs­rah­men Medi­en­bil­dung ein Ange­bot, das Ori­en­tie­rungs­hil­fen geben soll bis hin­un­ter auf prak­ti­sche Unter­richts­bei­spie­le. Lesen ist da immer so eine Sache, sel­ber erfah­ren und machen ein ganz ande­re.

Dum­mer­wei­se zwingt das Doku­ment zusätz­lich dazu, fach­über­grei­fend zu schau­en. Durch sei­nen Cha­rak­ter als Quer­schnitt­auf­ga­be wird dar­aus ganz schnell ein Ele­ment der Schul­ent­wick­lung — qua­si eine Art tro­ja­ni­sches Pferd, was auf ein­mal mit­ten im Hof des eige­nes Faches her­um­steht und stört (zumal da ja auch noch Leu­te mit Brand­fa­ckeln — äh — Han­dys her­aus­kom­men). Des­we­gen ist die Idee, Medi­en­kon­zept­ent­wick­lung ohne direk­te Betei­li­gung und Steue­rung der Schul­lei­tung zu machen, eine ziem­lich nai­ve. So ste­hen dann immer noch oft genug die digi­ta­len Wil­den auf der Gesamt­kon­fe­renz, um sich dann das Bukett an Gefüh­len abzu­ho­len, wel­ches mit Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen nun­mal ein­her­geht.

In mei­nen Bera­tungs­pro­zes­sen hat sich ein Grund­struk­tur für die Medi­en­kon­zept­ent­wick­lung her­aus­kris­tal­li­siert, die erst­mal ein Aus­gangs­punkt sein kann. Ich arbei­te ger­ne kol­la­bo­ra­tiv mit Schu­len, die sich dar­auf ein­las­sen. Medi­en­kon­zep­te auf Papier in einer gesell­schaft­li­chen Über­gangs­pha­se wie der unse­ren hal­te ich für naiv und unöko­no­misch. Die Grund­struk­tur sieht so aus:

  1. Prä­am­bel
  • Was ändert sich durch digi­ta­le Medi­en in der Gesell­schaft und wie wol­len wir als Schu­le dar­auf reagie­ren?
  • Wo sehen wir Poten­tia­le für unse­ren Unter­richt und wo legen wir beson­de­ren Wert auf bewähr­te Metho­den?
  • In wel­chem Ver­hält­nis sol­len bei uns digi­ta­les und ana­lo­ges Ler­nen zuein­an­der ste­hen?
  • Was sehen wir als Ziel im Hin­blick auf die digi­ta­le Bil­dung?
  1. Aus­stat­tung (Ist-Zustand)

(zu beschrei­ben durch tech­ni­sches Per­so­nal des Trä­gers oder des Medi­en­zen­trums)

  1. Unter­richts­in­hal­te im Kom­pe­tenz­be­reich “Bedie­nung und Anwen­dung”
  • Was tun wir bereits?
  • Was ist bereits in den Cur­ri­cu­la unse­res Faches im Hin­blick auf digi­ta­le Medi­en gefor­dert?
  • Was kön­nen wir als Kol­le­gi­um bereits und in wel­chem Bereich möch­ten wir uns fort­bil­den?
  • Was möch­ten wir ger­ne tun, kön­nen es aber auf­grund der Aus­stat­tung nicht?
  1. Unter­richts­in­hal­te im Kom­pe­tenz­be­reich “Infor­ma­ti­on, Recher­che und (Daten-) erhe­bung”
  • Was tun wir bereits?
  • Was ist bereits in den Cur­ri­cu­la unse­res Faches im Hin­blick auf digi­ta­le Medi­en gefor­dert?
  • Was kön­nen wir als Kol­le­gi­um bereits und in wel­chem Bereich möch­ten wir uns fort­bil­den?
  • Was möch­ten wir ger­ne tun, kön­nen es aber auf­grund der Aus­stat­tung nicht?
  1. Unter­richts­in­hal­te im Kom­pe­tenz­be­reich “Koope­ra­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on”
  • Was tun wir bereits?
  • Was ist bereits in den Cur­ri­cu­la unse­res Faches im Hin­blick auf digi­ta­le Medi­en gefor­dert?
  • Was kön­nen wir als Kol­le­gi­um bereits und in wel­chem Bereich möch­ten wir uns fort­bil­den?
  • Was möch­ten wir ger­ne tun, kön­nen es aber auf­grund der Aus­stat­tung nicht?
  1. Unter­richts­in­hal­te im Kom­pe­tenz­be­reich “Pro­duk­ti­on und Prä­sen­ta­ti­on”
  • Was tun wir bereits?
  • Was ist bereits in den Cur­ri­cu­la unse­res Faches im Hin­blick auf digi­ta­le Medi­en gefor­dert?
  • Was kön­nen wir als Kol­le­gi­um bereits und in wel­chem Bereich möch­ten wir uns fort­bil­den?
  • Was möch­ten wir ger­ne tun, kön­nen es aber auf­grund der Aus­stat­tung nicht?
  1. Unter­richts­in­hal­te im Kom­pe­tenz­be­reich “Medi­en­kri­tik, Medi­en­ana­ly­se und medi­en­ethi­sche Refle­xi­on”
  • Was tun wir bereits?
  • Was ist bereits in den Cur­ri­cu­la unse­res Faches im Hin­blick auf digi­ta­le Medi­en gefor­dert?
  • Was kön­nen wir als Kol­le­gi­um bereits und in wel­chem Bereich möch­ten wir uns fort­bil­den?
  • Was möch­ten wir ger­ne tun, kön­nen es aber auf­grund der Aus­stat­tung nicht?
  1. Beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen
  • Wel­che Bedar­fe haben Sprach­lern- und Inklu­si­ons­klas­sen kon­kret?
  • Inwie­fern dif­fe­ren­zie­ren wir dort schon durch den Ein­satz digi­ta­ler Medi­en?
  • Wo wün­schen wir uns wei­te­re Mög­lich­kei­ten, auch IT-gestützt zu arbei­ten?
  1. Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ma­nage­ment
  • Wie kom­mu­ni­zie­ren wir mit Ämtern, Eltern, Schü­lern und Kol­le­gen?
  • An wel­cher Stel­le sehen wir Schwie­rig­kei­ten oder Ver­bes­se­rungs­be­darf?
  • Inwie­fern kön­nen und digi­ta­le Medi­en dabei ggf. unter­stüt­zen?
  1. Fort­bil­dung
  • Wel­che Fort­bil­dungs­maß­nah­men füh­ren wir im Bereich digi­ta­le Medi­en bereits durch?
  • Wel­che Fort­bil­dungs­maß­nah­men benö­ti­gen wir?
  • Wie inte­grie­ren wir Fort­bil­dung in unse­ren Schul­all­tag?
  • Wer orga­ni­siert vor Ort in wel­chem Umfang die Betreu­ung der IT bis­her?

 

Die­ses Kon­zept ist auf Grund­schu­len zuge­schnit­ten. An wei­ter­füh­ren­den Schu­len wird man das noch fach­be­zo­gen auf­schlüs­seln müs­sen.

Konflikte bearbeiten

Es gibt eigent­lich an Schu­len kei­ne Instanz, um Kon­flik­te zwi­schen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen oder dem Kol­le­gi­um und der Schul­lei­tung zu bear­bei­ten. Die Rech­te und Mög­lich­kei­ten des Per­so­nal­rats sind gegen­über denen von ande­ren Arbeit­neh­mer­ver­tre­tun­gen m.E. doch eher als „nied­lich” zu klas­si­fi­zie­ren.

Man mag es kaum glau­ben, aber mein Wis­sen über Kon­flik­te zeigt mir mitt­ler­wei­le sehr deut­lich, bei wel­chen Schu­len eine Bera­tung im Hin­blick auf digi­ta­le Medi­en erfolg­reich ver­lau­fen wird und an wel­chen nicht, wenn man das Zeug auch gleich ein wenig als tro­ja­ni­sches Pferd für Schul­ent­wi­ckung mit­nutzt.

Das zeigt sich sehr oft an einer Kon­flikt­kul­tur, die sogar schon in Vor­ge­sprä­chen her­aus­schim­mert. Es gibt Schu­len, bei denen ich sage: „Hm. Da ist vor­her noch das ein oder ande­re zu klä­ren, vor­her kön­nen wir hier nicht noch eine Bau­stel­le auf­ma­chen.” Dafür nut­ze ich für mich zur Klas­si­fi­zie­rung Glasls Modell der Kon­flikt­es­ka­la­ti­on.

Wäh­rend vie­le Model­le Kon­flik­te über auf­stei­gen­de Model­le klas­si­fi­zie­ren, macht das Glasl etwas anders: Grund­te­nor ist, dass wir mit jeder neu­en Stu­fe einen wei­te­ren Teil unse­rer Mensch­lich­keit bzw. huma­nis­ti­schen Umgang mit­ein­an­der ver­lie­ren. Ab Stu­fe 4 wird es für mich immer kri­tisch und ich hole mir i.d.R. eine zwei­te Mei­nung durch unser Aus­bil­dungs­team.

Viel­leicht habt ihr ja Lust auf eine klei­ne Übung: Ich habe ein­mal vier klit­ze­klei­ne Dia­lo­ge erson­nen. Die kom­men so natür­lich an kei­ner Schu­le vor. Ähn­lich­kei­ten mit tat­säch­li­chen Vor­komm­nis­sen wären also rein zufäl­lig.

Wel­che Stufe(n) von Glasls Kon­flik­tas­ka­la­ti­ons­mo­dell seht ihr in den kur­zen Tex­ten?

1) Der Rock

A: „Boah, ey, das Teil­chen ist aber echt gewagt. Mit sowas wür­de ich bei der Figur ja nicht unbe­dingt vor der Klas­se auf­kreu­zen.“

B: „Von der habe ich bis heu­te nicht die Arbeit mei­nes Nach­schrei­bers in mein Fach gelegt bekom­men! — ey und der Schü­ler saß schon vor ‚ner Woche bei der drin­ne!“

C: „Wahr­schein­lich hat Sie auch ver­peilt, dass heu­te Fach­kon­fe­renz ist. Aber wenn die da auf­kreuzt und wie­der ihren Scheiß von offe­nem Unter­richt erzählt und so … Ist doch voll durch­schau­bar: Jetzt wo ihre Kin­der in der Schu­le selbst Schwie­rig­kei­ten haben, spült die unse­re gym­na­sia­le Bil­dung weich, damit die eige­ne Brut das dann bei uns schafft.“

D: „Hey, aber die Schul­lei­tung steht doch voll auf deren Ide­en!“

A: „Scheiß­egal, Haupt­sa­che wir kön­nen ihr heu­te mal öffent­lich eins rein­wür­gen.“

2) Die Abitur­ar­beit

A: „Mit der Bewer­tung die­ser Abitur­ar­beit bin ich nicht ein­ver­stan­den. Du hast z.B. bei Auf­ga­be 1 den Erwar­tungs­ho­ri­zont nicht berück­sich­tigt und viel zu groß­zü­gig bepunk­tet.“

B: „Man muss – so den­ke ich – gera­de bei die­sem Schü­ler — aber auch päd­ago­gisch berück­sich­ti­gen, dass er sich enorm ver­bes­sert hat!“

A: „Du kannst aber nicht unter­schied­li­che Maß­stä­be bei jedem Lern­grup­pen­mit­glied anle­gen. Die Leis­tung muss objek­tiv ver­gleich­bar und damit jus­ti­zia­bel sein.“

B: „Ich blei­be trotz­dem bei mei­ner Bewer­tung. Du kannst ja ein Gegen­gut­ach­ten schrei­ben!“

A: „Du glaubst wirk­lich, dass du dei­nen Wil­len bei mei­nem Stan­ding gegen­über der Schul­lei­tung durch­be­kommst? Versuch’s ruhig!“

3) Das Urge­stein

A: „Wenn wir die Maß­nah­me X imple­men­tie­ren, wird sich die Unter­richt­qua­li­tät in unse­rem Fach enorm ver­bes­sern. Dafür müs­sen eini­ge Kol­le­gen aber natür­lich weg von ihrem gewohn­ten Trott und sich auch mal fort­bil­den!“

B: „Du willst also, dass jeder in der Fach­schaft ver­gleich­ba­re Maß­stä­be anlegt und ver­gleich­ba­re Inhal­te unter­rich­tet?“

A: „Ja. Das ist doch vor allem für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler gut, weil es dann eben nicht mehr vom Zufall abhängt, wann sie was ler­nen.“

B: „Ach, ich glau­be, du musst noch viel über Schu­le ler­nen. Ich bin jetzt schon so lan­ge dabei und in der Ver­gan­gen­heit haben wir das auch nie hin­be­kom­men. Du kannst nicht alle mit­neh­men. Aber nun gut – macht ihr jun­gen Leu­te mal.“

A: (denkt still) „Genau das habe ich von dir schon oft gehört. Des­we­gen stim­men wir jetzt doch ein­fach mal ab – also ich habe kei­ne Sor­ge, dass ich das Ding gewin­ne, die meis­ten Kol­le­gen ste­hen hin­ter mir, dafür habe ich im Vor­we­ge gesorgt.“

4.) Beim Mau­rer

A: „Was die sich da wie­der über­legt haben … Mache ich nicht. Da sit­zen doch eh nur die Lieb­lin­ge der Schul­lei­tung und die, die hier noch was wer­den wol­len. Was soll das denn jetzt wie­der brin­gen? Eska­la­ti­ons­mo­dell? Glasl? Jetzt soll ich hier was ler­nen oder was? Alles ist schlech­ter gewor­den, nur noch Kon­trol­le, kei­ne Frei­hei­ten mehr. Ich mache hier gar nichts mit. Die sol­len mich ein­fach in Ruhe las­sen. Mir kön­nen die eh nix. Ande­re den­ken auch so wie ich. Sol­len sie mal sehen, wie sie ihr Zeug durch­be­kom­men. Mit mir jeden­falls nicht.“

Wirtschaft, Partnerschaft, Lobbyismus und Schule

Wir versetzen uns einmal in die Lage eines CEO

 

  1. Da gibt es mit der Digi­ta­li­sie­rung der Gesell­schaft eine Ent­wick­lung, um die kein staat­li­ches Bil­dungs­sys­tem her­um­kommt, wenn eine Volks­wirt­schaft auf Dau­er wach­sen und damit Din­ge wie Wohl­stand und sozia­len Frie­den ermög­li­chen soll.
  2. Da gibt es ein Bil­dungs­sys­tem mit immensen Inves­ti­ti­ons­stau auf dem Gebiet der Digi­ta­li­sie­rung, sowohl finan­zi­ell als in Berei­chen wie Infor­ma­ti­ons­ma­nage­ment.
  3. Da gibt es Schu­len, die auf Wunsch des Dienst­herrn zuneh­mend selbst­stän­dig sein sol­len, die aber von den per­so­nel­le Res­sour­cen her oft opti­mier­bar auf­ge­stellt sind.
  4. Da gibt es ein Schul­sys­tem, dass von sei­ner Grund­struk­tur preu­ßisch-hier­ar­chisch struk­tu­riert und damit an Vor­ga­ben von oben gebun­den ist.
  5. Da gibt es eine Kon­kur­renz­si­tua­ti­on vie­ler unter­schied­li­cher Anbie­ter.
  6. Da gibt es ein teu­res, meist pro­vi­si­ons­ba­sier­tes Ver­triebs­sys­tem, das vor­wie­gend auf die Belan­ge der Wirt­schaft aus­ge­rich­tet ist und Schu­le von innen nicht kennt.
  7. Da gibt es Ent­schei­dungs­trä­ger, die tech­nisch manch­mal nur wenig qua­li­fi­ziert sind und die nicht in aus­rei­chen­dem Maße auf ein neu­tra­les Bera­tungs­sys­tem zurück­grei­fen kön­nen.
  8. Da gibt es einen immens vola­ti­len Markt, was die Pro­gres­si­on tech­ni­scher Ent­wick­lun­gen, Pro­dukt­fol­gen und Ansprü­che der Kun­den angeht.

 

Was ist die Natur wirtschaftlicher Player in einer sozialen Marktwirtschaft?

 

  1. Wenn sie nicht wach­sen, gehen sie unter oder wer­den von Kon­kur­ren­ten geschluckt.
  2. Wenn sie für ihre Pro­duk­te kei­nen Allein­stel­lungs­raum schaf­fen (meist weni­ger durch Fea­tures als viel­mehr durch Tup­per­par­ty­ver­mark­tungs­kon­zep­te, s.u.) wer­den sie kei­nen ver­läss­li­chen Absatz gene­rie­ren.
  3. Wenn sie kei­nen Gewinn machen, bestehen sie nicht am Markt und eben­so ihre Mit­ar­bei­ter, für die sie eine Ver­ant­wor­tung tra­gen.
  4. Wenn Sie kei­ne guten Pro­duk­te haben, die sich an den Bedürf­nis­sen ihrer Kun­den ori­en­tie­ren, bestehen sie nicht am Markt.
  5. Wenn sie nicht die hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren des Schul­sys­tems für sich selbst und ihren Absatz nut­zen und poli­ti­sche Lob­by­ar­beit betrei­ben, fal­len sie gegen­über ihren Kon­kur­ren­ten zurück. Das sieht man sehr hübsch an der Stel­lung der lob­by­lo­sen Open­Sour­ce-Pro­duk­te im deut­schen Bil­dungsys­tem.

Ich fin­de bis­her dar­an nichts Böses oder Ver­werf­li­ches. Wirt­schaft ver­hält ent­spre­chend der Regeln einer Markt­wirt­schaft, womit dann ja auch gleich ein Schlüs­sel gefun­den wäre, das Gan­ze im Sin­ne demo­kra­ti­scher Grund­sät­ze zu steu­ern: Dafür gibt es einen Rah­men in Form von Geset­zen bzw. im Schul­sys­tem in Form von Erlas­sen.

TTIP ist nun der genia­le Schach­zug, auch die­se mög­li­che staat­li­che Ein­fluss­nah­me auf die eige­ne Pro­dukt­po­li­tik zu eli­mi­nie­ren — das wäre aber eine eige­ne Geschich­te.

Wie reagiert Wirtschaft in diesem Umfeld?

 

Von „Wirt­schaft” kom­me ich in mei­nem Umfeld fast nur über Ver­trieb­ler und ihren rhe­to­ri­schen Tak­ti­ken in Kon­takt. Ich bin bei ihnen mitt­ler­wei­le nicht mehr so ger­ne gese­hen. Daher mögen mei­ne Beob­ach­tun­gen sehr stark ein­ge­färbt sein, aber viel­leicht erkennt ihr das eine oder ande­re wie­der.

Wirt­schaft will Tup­per­par­tys

Man möch­te sein Pro­dukt auf Ver­an­stal­tun­gen, auf der Ent­schei­dungs­trä­ger anwe­send sind, mög­lichst exklu­siv prä­sen­tie­ren und nicht in Kon­kur­renz zu Mit­be­wer­bern. „Herr Riecken, das mit ihren finan­zi­el­len Beden­ken las­sen Sie mei­ne Sor­ge sein. Ich stel­le den Ent­schei­dungs­trä­gern das Pro­dukt mit sei­nen ins­be­son­de­re inves­ti­ven Vor­tei­len ger­ne allei­ne dem Gre­mi­um vor!”

Es kom­men ins­be­son­de­re Leh­rer nach einer sol­chen Tup­per­par­ty manch­mal total begeis­tert an und allein auf Grund­la­ge die­ser Begeis­te­rung wird dann z.B. ein Pro­gramm oder ein Gerät beschafft, mit dem man über Jah­re arbei­tet. Das ist lei­der auch bei Schul­bü­chern oft nicht anders.

Mit mir gibt es kei­ne Tup­per­par­tys. Es wer­den immer min­des­tens drei Mit­be­wer­ber zu einer Ver­an­stal­tung ein­ge­la­den.

Ich ver­su­che, die pro­vi­si­ons­ba­sier­te Ver­triebs­struk­tur nach Mög­lich­keit zu ver­mei­den. Wir vor Ort stre­ben an, nach Son­die­rung des Mark­tes stan­dar­di­sier­te Leis­tungs­be­schrei­bun­gen zu erstel­len, mit denen die Ent­schei­der nach den vor­ge­ge­be­nen Richt­li­ni­en for­mal sau­ber aus­schrei­ben kön­nen. Der güns­tigs­te gewinnt.

Stan­dar­di­sie­rung kann man trotz­dem errei­chen. Auch in einer for­mal kor­rek­ten Leis­tungs­be­schrei­bung las­sen sich Allein­stel­lungs­merk­ma­le eines Her­stel­lers sau­ber unter­brin­gen. Das klingt wie ein fie­ser Trick. Es macht aber kaum Sinn, z.B. für eine Regi­on zig ver­schie­de­ne WLAN-Sys­te­me zu beschaf­fen und den Sup­port­auf­wand dafür in die Höhe zu trei­ben.

Wirt­schaft will weg vom Kauf­mo­dell

Micro­soft ver­mie­tet sei­ne Soft­ware, Ado­be auch, Aero­Hi­ve will für die Nut­zung sei­nes Hive­ma­na­gers jähr­lich Koh­le sehen (man kann den Hive­ma­na­ger jedoch auch selbst kos­ten­frei betrei­ben, wenn man das tech­ni­sche Know-How dafür hat), Lern­platt­for­men und Schul­netz­werk­lö­sun­gen wer­den nach Schü­ler­an­zahl jähr­lich abge­rech­net. Der Trend geht weg von der ein­ma­li­gen Anschaf­fung hin zu ver­läss­lich gene­rier­ten Umsät­zen. Da muss man sehr genau rech­nen — gera­de bei Lern­platt­for­men kann man für die jewei­li­ge Jah­res­ge­bühr oft hoch­wer­ti­ge Fre­e­lan­cer vol­le zwei Mona­te für die Betreu­ung eines Open­Soure­pro­duk­tes bezah­len. Auch bei Micro­soft soll­te man sehr genau hin­schau­en, weil deren Lizen­sie­rungs­mo­dell mitt­ler­wei­le eigent­lich einen eige­nen Stu­di­en­gang erfor­dert.

Wirt­schaft will lang­fris­ti­ge Kun­den­bin­dung

Auch das ist ange­sichts der oft immensen Inves­ti­tio­nen, die zur Ent­wick­lung eines Pro­duk­tes not­wen­dig sind, zunächst wenig ver­wun­der­lich. Man kann Kun­den auf ver­schie­de­ne Art und Wei­se an sich bin­den: Zum einen durch kon­ti­nu­ier­li­che Qua­li­tät, zum ande­ren aber auch dadurch, dass ich den Wech­sel zu einem ande­ren Anbie­ter erschwe­re. Jeder, der schon ein­mal den DSL-Anbie­ter gewech­selt hat, weiß wie das u.U. aus­se­hen kann. Allein die Scheu vor mög­li­cher­wei­se auf­tre­ten­den Pro­ble­men bewegt zumin­dest mich hin und wie­der des lie­ben Frie­dens wil­len doch bei mei­nem Anbie­ter zu blei­ben.

Wenn ich als Schu­le viel Con­tent bei irgend­wem gebun­kert und auf­ge­baut habe, ist die­ser jemand gesetzt — für Jah­re, alles ande­re wäre unrea­lis­tisch. Das weiß ein Anbie­ter und kann das z.B. indi­rekt nut­zen, indem er dafür sorgt, dass Inhal­te und Struk­tu­ren in pro­prie­tä­ren For­ma­ten vor­lie­gen oder der Zugriff auf eine Platt­form nicht über gän­gi­ge Webstan­dards, son­dern z.B. neben dem Brow­ser ledig­lich mit einer spe­zi­el­len App mög­lich ist.

Spezielle Probleme in Deutschland für Anbieter

Deutsch­land hat eini­ge Spe­zi­fi­ka, die mir als Anbie­ter die Haa­re zu Ber­ge ste­hen las­sen wür­den. So exis­tiert ein aus­ge­präg­tes Bewusst­sein hin­sicht­lich des Daten­schut­zes — gele­gent­lich auch als Abwehr­kon­zept gegen­über neu­en Tech­no­lo­gi­en. Es gibt durch­aus schon Anbie­ter, die mir vor­ge­wor­fen haben, ich wür­de markt­be­hin­dernd bera­ten, wenn ich Schu­len auf gel­ten­de Daten­schutz­ge­set­ze ver­wei­se und z.B. Din­ge wie Ein­wil­li­gungs­er­klä­run­gen und Ver­trä­ge zur Auf­trags­da­ten­ver­ar­bei­tung zum Kri­te­ri­um für die Aus­wahl eines Pro­dukts mache.

Wei­ter­hin gibt es in Deutsch­land ein weit­aus enge­res Neu­tra­li­täts­ge­bot als in ande­ren Län­dern: Staat­li­che Schu­len haben nur sehr ein­ge­schränk­te Mög­lich­kei­ten, Koope­ra­tio­nen mit der Wirt­schaft ein­zu­ge­hen, um ihre zum Teil chro­ni­sche Unter­fi­nan­zie­rung zu kom­pen­sie­ren. Anbie­ter ver­su­chen, die­ses Pro­blem zu umge­hen, indem wirt­schaft­li­che Ver­ei­ne gegrün­det wer­den, die teil­wei­se als gemein­nüt­zig aner­kannt sind und so auch eini­ger­ma­ßen „sau­ber” durch die Poli­tik beför­dert wer­den kön­nen. Die­se Kon­struk­te sind aber nötig, weil die Rege­lun­gen in Deutsch­land eben sehr eng sind.

In Deutsch­land wird zusätz­lich digi­ta­le Tech­no­lo­gie oft­mals nicht als Chan­ce, son­dern mehr als Bedro­hung der eige­nen Lebens- und Unter­richts­pra­xis begrif­fen. Schu­le müs­se sich „dem all­ge­mei­nen Trend ent­ge­gen­stel­len” und „Alter­na­ti­ven zum digi­ta­len All­tag bie­ten”. Gleich­zei­tig wer­den die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren durch immer neue Auf­ga­ben von Schu­le kom­ple­xer und ana­lo­ge For­men wie schwar­ze Bret­ter kom­men mehr und mehr an Gren­zen. „Dann auch noch umstel­len auf Digi­tal­zeugs?”.

In Deutsch­land gibt es an Schu­len zuhauf Lokal­prin­zen wie mich, die Sys­te­me auf­ge­baut haben und betreu­en, obwohl es nicht deren Auf­ga­be ist. Nur ver­traut man dem Lokal­prin­zen natür­lich weit mehr als einer Fir­ma, die am Tele­fon nur „Fach­chi­ne­sisch und arro­gant redet” (das sind oft die rück­ge­mel­de­ten Erfah­run­gen). Der Lokal­prinz ist greif­bar, man ist u.U. nicht mit allem zufrie­den, aber man weiß, was man hat und was nicht. Leh­rer grei­fen nicht ger­ne zum Tele­fon, um sich hel­fen zu las­sen — das wäre ein Ein­ge­ständ­nis von Unvoll­kom­men­heit.

Und zuletzt haben wir in Deutsch­land ein merk­wür­di­ges Finan­zie­rungs­kon­strukt: Lehr­kräf­te wer­den durch das Land, Sach­mit­tel durch den Trä­ger finan­ziert — da ste­hen sich schon unter­schied­li­che Inter­es­sen gegen­über. Nun sind die­se bei­den Berei­che aber nicht zu tren­nen. Beschaf­fung von Soft­ware und Gerä­ten ist immer auch mit päd­ago­gi­schen Fra­gen ver­knüpft. Wer hier als Anbie­ter nicht die Belan­ge bei­der Sei­ten erkennt und nutzt, wird es schwer haben, im Markt Fuß zu fas­sen. Daher heu­ern vie­le Anbie­ter jetzt Lehr­kräf­te an, um ihre Pro­duk­te in den Schu­len zu plat­zie­ren. Die­se erhal­ten für ihre Arbeit natür­lich eine Ver­gü­tung und sind oft an unter­neh­mens­in­ter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­richt­li­ni­en gebun­den. Kei­ne gute Vor­aus­set­zung für Neu­tra­li­tät.

Wer löst es wie?

An vie­len Stel­len passt für mich der struk­tu­rel­le Rah­men nicht. Hier ist Poli­tik gefor­dert, an neur­al­gi­schen Punk­ten Klar­heit zu schaf­fen, etwa min­des­tens dafür zu sor­gen, dass es für Anbie­ter und Schu­len kla­re Check­lis­ten oder rechts­si­che­re Mus­ter­ver­trä­ge gibt, wie daten­schutz­kon­form gear­bei­tet wer­den kann.

Ich fürch­te bloß, dass von die­ser Sei­te nicht viel zu erwar­ten und das genau die­se Leer­stel­le ursäch­lich für das ist, was oft als „Lob­by­is­mus an Schu­len” beklagt wird.

Was soll denn ein Anbie­ter ande­res machen, als sub­ver­si­ve, krea­ti­ve Wege zu fin­den, um an die poten­ti­ell lukra­ti­ve Kun­den­grup­pe zu kom­men, die sich in den Schu­len fin­det?

Ein neu­tra­les Bera­tungs­sys­tem als Schnitt­stel­le zwi­schen Anbie­tern und Schu­le kann auch viel bewe­gen. Ich mer­ke bloß bei mir selbst immer wie­der, wie sehr ich pri­va­te Vor­lie­ben und Abnei­gun­gen bestimm­ten Pro­duk­ten und Dienst­leis­tun­gen gegen­über aktiv bekämp­fen muss, um wirk­lich neu­tral zu blei­ben oder eben in Fäl­len, wo ich das ein­fach nicht bin, ein­fach an Per­so­nen abzu­ge­ben, die in dem Bereich ver­sier­ter oder ggf. auch schlicht begeis­ter­ter sind.

Ich könn­te mir vor­stel­len und mei­ne, es auf Twit­ter auch immer wie­der mit­zu­be­kom­men, dass es Kol­le­gen gibt, die auch wie ich genau damit rin­gen oder den inne­ren Kon­flikt zuguns­ten einer Prä­fe­renz auch schon ganz ent­schie­den haben.

Fazit

 

Für mich ist Lob­by­is­mus pri­mär in den Struk­tu­ren von Schu­le bereits ange­legt. Wenn man dafür sen­si­bi­li­sie­ren möch­te, sehe ich den Ball bei der Kul­tus­po­li­tik. Ich habe viel Ver­ständ­nis dafür, wie Anbie­ter zur­zeit agie­ren (müs­sen) und Hoch­ach­tung vor vie­len, die ich ken­nen ler­nen durf­te, die sich trotz­dem mit Herz­blut und Ver­bes­se­rungs­wil­len als Part­ner von Schu­le ver­ste­hen — und so auch agie­ren, aber natür­lich ger­ne auch mal die teu­ers­te Lösung ver­kau­fen, die dann zwar super läuft, aber von der Dimen­sio­nie­rung und der Kos­ten­ef­fi­zi­enz in mei­nen Augen nicht unbe­dingt immer das Opti­mum dar­stellt.

Social Messenger sind der Untergang

Ges­tern bin ich wie­der mit der vol­len Band­brei­te der Hilf­lo­sig­keit gegen­über den Eigen­dy­na­mi­ken kon­fron­tiert wor­den, die ent­ste­hen, wenn sich jün­ge­re Schü­le­rin­nen und Schü­ler auf Whats­App bewe­gen.

  • Belei­di­gun­gen
  • ver­än­der­te Bil­der unlieb­sa­mer Mit­schü­ler
  • Ent­haup­tungs­vi­de­os
  • […]
  • Ich kann nichts dafür”-Behauptungen (In der Schü­ler­vor­stel­lungs­welt kann man sich ja schließ­lich nicht dage­gen weh­ren, in Whats­App-Grup­pen auf­ge­nom­men zu wer­den)

Die­se Din­ge schei­nen sich nach mei­nen Beob­ach­tun­gen vor alle in den jün­ge­ren Klas­sen­stu­fen der Sekun­dar­stu­fe I zu häu­fen. Die reflex­ar­ti­gen Reak­tio­nen auf Vor­komm­nis­se sehen zunächst so aus:

  1. Han­dy weg­neh­men. Die dür­fen Whats­App erst ab 16 nut­zen!”
  2. Han­dy ver­bie­ten. Die kön­nen damit nicht umge­hen!”
  3. Medi­en­päd­ago­gen ein­la­den, der denen das mal sagt!”
  4. Eltern in die Pflicht neh­men. Die sind unver­ant­wort­lich, Kin­dern ein Smart­pho­ne zu kau­fen!”
  5. Nun sag’ mal Maik, was soll ich denn jetzt machen? Du bist doch Medi­en­fuz­zi. Alles Schei­ße mit die­sem Digi­tal­zeugs!”

Han­deln wir das mal alles in der Kür­ze ab, die es sach­lo­gisch ver­dient:

Zu 1.)

Net­ter Ver­such. Das Han­dy gehört uns nicht und umfasst den Pri­vat­be­reich der SuS. Das ist so auf der Ebe­ne wie: „Ich ver­bie­te dir, nicht alters­ge­rech­te Fil­me in dei­ner Frei­zeit zu schau­en!”

Zu 2.)

Net­ter Ver­such. Das Han­dy gehört uns nicht und umfasst den Pri­vat­be­reich der SuS. Das ist so auf der Ebe­ne wie: „Ich ver­bie­te dir, dich in dei­ner Frei­zeit mit Han­nes und Tim zu tref­fen. Die haben einen schlech­ten Ein­fluss auf dich!”

Zu 3.)

Net­ter Ver­such. Und bequem. Dann macht der das halt (wenn er dann mal Zeit hat). Ich nen­ne sowas medi­en­päd­ago­gi­sches Fei­gen­blatt: „Wir haben was getan — wir haben jeman­den ein­ge­la­den! Wenn dann kei­ner kommt, tja, kön­nen wir auch nichts dafür!”

Zu 4.)

Völ­lig rich­tig. Wenig bis so gar nicht rea­lis­tisch. Eltern hal­ten das mit dem Han­dy oft so: Wir kau­fen dir eines. Wir ken­nen uns damit eh nicht aus. Das Erstau­nen ist dann rie­sig, wenn dann mit dem Gerät Din­ge gesche­hen, die unschön sind. Dann ist das Inter­net schuld. Oder wahl­wei­se die Schu­le, die ja nichts dage­gen macht. Mein Bild: Sie schi­cken ein vier­jäh­ri­ges Kind mit dem Rad bei Dun­kel­heit quer durch die Stadt und sind dann völ­lig über­rascht, wenn es umge­nie­tet wird. Die­ser Scheiß­ver­kehr ist dann schuld!” (sonst müss­te man sich ja selbst sei­ner Ver­ant­wor­tung stel­len …)

Zu 5.)

Die Situa­ti­on ist sehr kom­plex. Das Sys­tem der Betei­lig­ten und der Ursa­chen auch. Wer hier ein ein­fa­che Ant­wort erwar­tet, ver­kennt die Kom­ple­xi­tät völ­lig. Bes­ten­falls ver­la­gert er das Pro­blem schlicht vor­der­grün­dig aus dem Wahr­neh­mungs­be­reich von Schu­le. Lei­der wird das immer wie­der in die Schu­le zurück­schwap­pen. mit dem Unter­schied, dass man dann noch sehr viel weni­ger über die Vor­gän­ge in der „Par­al­lel­welt” weiß,

Maik, du Klug­schei­ßer, ich will Lösun­gen! 

Lösung 1:

Wo Ver­bo­te nicht grei­fen, kom­me ich um Ver­hand­lun­gen und päd­ago­gi­sche Ver­ein­ba­run­gen nicht her­um. Es gibt an Schu­len Gre­mi­en, die die ein­zel­nen Grup­pen ver­tre­ten. Es gibt eine Schü­ler- und eine Eltern­ver­tre­tung. Wenn ich ziel­of­fen hier zu Ver­ein­ba­run­gen kom­me, die den Han­dy­ge­brauch inner­halb der Schu­le regeln, habe ich eine grö­ße­re Chan­ce, dass die­se Ver­ein­ba­run­gen ein­ge­hal­ten und durch demo­kra­tisch ver­han­del­te Sank­tio­nen not­falls auch durch­ge­setzt wer­den. Zusätz­lich ist das u.U. eine Chan­ce, Demo­kra­tie prak­tisch zu leben und es ist eine Chan­ce, ins­be­son­de­re Eltern und Schü­lern auf Augen­hö­he zu begeg­nen. Die­se Gre­mi­en müs­sen ja ihrem „Wahl­volk” Ent­schei­dun­gen ver­mit­teln. Und ins­be­son­de­re Eltern kön­nen ja schon mehr als Kaf­fee und Kuchen bei Ver­an­stal­tun­gen zu spen­den. Die­se Idee schei­tert oft an dem dafür not­wen­di­gen Para­dig­men­wech­sel: Schu­le ist ja von ihrem Wesen her hier­ar­chisch orga­ni­siert.

Lösung 2:

Wo in der Gesell­schaft bekom­men SuS vor­ge­lebt, wie man z.B. sozia­le Medi­en sinn­voll und reflek­tiert nutzt? Wo in Schu­le bekom­men SuS gezeigt, wel­che Poten­tia­le für das eige­ne Ler­nen in Soci­al­me­dia steckt? Wenn ich Schu­len Port­al­l­ö­sun­gen mit zar­ten Soci­al­me­dia­funk­tio­nen emp­feh­le, kommt sehr oft: „Aber die­sen Chat, den müs­sen wir drin­gend abschal­ten, da pas­siert nur Mist, wer soll das kon­trol­lie­ren!” Wenn da „Mist” pas­siert, ist das m.E. ein Geschenk, weil es in einem geschütz­ten Raum ent­steht und päd­ago­gisch auf­ge­ar­bei­tet wer­den kann. Wir brau­chen mehr sol­chen „Mist”, der auf Sys­te­men von Schu­len geschieht, weil wir ihm dort ohne irgend­wel­chen Anzei­gen und rich­ter­li­chen Anord­nun­gen begeg­nen kön­nen — die Daten haben wir ja selbst und idea­ler­wei­se auch kla­re Rege­lun­gen, wann die­se von wem wie ein­ge­setzt wer­den dür­fen.

Lösung 3:

Kein Unter­richt über Medi­en, son­dern Unter­richt mit Medi­en. Das erfor­dert ein schul­wei­tes Medi­en­kon­zept und es wird erstau­nen, wie viel sich sogar ganz ohne WLAN und Tablets in die­sem Bereich machen lässt. Über­ra­schen­der­wei­se sind bestimm­te Wer­te und Lebens­er­fah­run­gen auch in Zei­ten von Soci­al­me­dia noch gül­tig.

Lei­der wird die Umset­zung die­ser Erkennt­nis genau wie damals der Buch­druck eine Alpha­be­ti­sie­rung erfor­dern und zwar vor allem eine digi­ta­le Alpha­be­ti­sie­rung von Lehr­kräf­ten. Und das Lesen fällt man­chem leich­ter und man­chem schwe­rer. Wenn ich aber an den Poten­tia­len und Mög­lich­kei­ten teil­ha­ben möch­te und wenn ich hand­lungs­fä­hig sein will, kom­me ich nicht dar­um her­um, ler­nen zu müs­sen. NIcht nur wegen der SuS, son­dern vor allem aus Ego­is­mus: Digi­ta­ler Analpha­be­tis­mus führt direkt in die Anhän­gig­keit von ande­ren und in die Unsou­ve­rä­ni­tät.

 

 

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