10 Pflichtfach Informatik \n 20 goto 10

Ich hal­te ein „Pflicht­fach Infor­ma­tik” für unver­zicht­bar. Auf Twit­ter wird Lud­ger Hum­bert nicht müde, immer wie­der und wie­der danach zu rufen, wobei die Pene­tranz, mit er er die­se For­de­rung vor­trägt, weit über die von z.B. Jean-Pol Mar­tin impli­zit als not­wen­dig erach­te­te hin­aus­geht.

Die­se Dau­er­schlei­fe führt im Wesent­li­chen zu drei Reak­ti­ons­mus­tern:

  1. Man erträgt sie nicht mehr und blockt oder mutet.
  2. Man erwi­dert, dass man ja auch nicht ein Auto ver­ste­hen müs­se, um es zu bedie­nen.
  3. Man erwi­dert, dass man ja auch nicht ein Auto ver­ste­hen müs­se, um es zu bedie­nen und blockt oder mutet dann.

Eigent­lich fin­det damit eine Aus­ein­an­der­set­zung auf zwei Ebe­nen statt: Eine emo­tio­na­le und eine ratio­na­le. Wenn ich in der Bera­tung etwas nicht will, ver­su­che ich genau auf zwei Ebe­nen Ableh­nung zu erzeu­gen: Emo­tio­nal und ratio­nal, wobei die ers­te Ebe­ne wesent­lich wich­ti­ger ist.

Ohne Blu­men­fil­ter: Die Art und Wei­se, wie die­se For­de­rung vor­ge­tra­gen wird, sorgt m.E. eigent­lich erst dafür, dass man ihr kei­ne oder allen­falls nega­tiv besetz­te Beach­tung schenkt.

Die ratio­na­le Ebe­ne der Auto­ana­lo­gie ist für mich aller­dings eine nur vor­der­grün­dig ratio­na­le, die wie­der­um viel mit dem jeweils zugrun­de lie­gen­den Kom­pe­tenz­be­griff zu tun hat. Ver­meint­lich als Syn­the­se schleicht sich zusätz­lich der Begriff der Medi­en­kom­pe­tenz in die Debat­te, wobei ich den­ke, dass es kei­ne wie auch immer gear­te­te Medi­en­kom­pe­tenz ohne infor­ma­ti­sche Bil­dung geben kann. Aber lang­sam.

Medienkompetenz ist sexy, denn:
  1. Medi­en­kom­pe­tenz ist vor­der­grün­dig ohne tech­ni­sches Wis­sen ver­mit­tel­bar.
  2. Medi­en­kom­pe­tenz lässt sich am ehes­ten in bestehen­de Fächer inte­grie­ren — das ist admi­nis­tra­tiv sehr sexy, weil es rea­lis­ti­scher erscheint, als ein wei­te­res Fach zu schaf­fen, was ggf. zu Las­ten ande­rer Fächer geht.
  3. Medi­en­kom­pe­tenz fällt digi­tal affi­nen Men­schen qua­si im Vor­bei­ge­hen zu oder wird oft­mals intrin­sisch moti­viert erwor­ben, weil es z.B. Vor­tei­le für den eige­nen Unter­richt bie­tet oder geeig­ne­te, sich selbst bestä­ti­gen­de Fil­ter­bub­bles dafür gibt.

Der Medi­en­päd­ago­ge sagt:

Wenn du XY schon nutzt, dann emp­feh­le ich die und die Pro­fi­l­ein­stel­lun­gen, damit bestimm­te Infor­ma­tio­nen nicht sofort Drit­ten zugäng­lich wer­den.”

Informatik ist so gar nicht sexy, denn:
  1. Sie hat etwas mit algo­rith­mi­schen Den­ken zu tun, wovon „Pro­gram­mie­rung” nur ein win­zi­ger Bruch­teil ist. Algo­rith­mi­sches Den­ken zwingt sehr viel an Struk­tu­ren auf. Das ist oft wenig lust­be­setzt, wenn man es nicht kennt. Auch Qua­li­täts­ma­nage­ment­zy­klen sind im Prin­zip algo­rith­misch: Eva­lua­ti­on => Ziel­set­zung => Pla­nung => Umset­zung von Maß­nah­men => Eva­lu­la­ti­on … (Ok. Manch­mal ist das ja auch zum Kot­zen)
  2. Es haf­tet die­ser Dis­zi­plin immer noch ein Mythos von lang­haa­ri­gen, weiß­häu­ti­gen, piz­za- und ener­gy­drinks­ver­schlin­gen­den Sub­jek­ten an, die sich ansons­ten in Ser­ver­schrän­ken von Bits und Bytes ernäh­ren. Dabei wird ger­ne ver­ges­sen, dass z.B. Soci­al­me­dia nicht ein Pro­dukt von Phi­lo­so­phen und Päd­ago­gen ist und dass gro­ße Soft­ware­pro­jek­te von Teams und sozia­len Umgangs­re­geln geprägt sind, von denen wir auf Soci­al­me­dia oft­mals nur träu­men.
  3. Sie bedroht Pfrün­de. Wel­cher enga­gier­te Päd­ago­ge möch­te von sei­nem Fach etwas abge­ben? Und dann noch für ein Fach mit so zwei­fel­haf­tem Nut­zen? Denn: Auto­fah­ren kann man ja auch so (auch so eine Dau­er­schlei­fe).

Der Infor­ma­ti­ker sagt:

Wenn du XY nutzt, soll­test du fol­gen­de Anga­ben nicht machen und dir dar­über im Kla­ren sein, dass es kei­ne Lösch­funk­ti­on gibt (obwohl sie so heißt), son­dern nur die Mög­lich­keit, die Sicht­bar­keit von Infor­ma­tio­nen tem­po­rär ein­zu­schrän­ken.”

Das Autoargument

… könn­te auch lau­ten: Ich muss nichts über Che­mie wis­sen, um Kos­me­tik zu benut­zen. Oder: Ich brau­che kein Wis­sen über Erkun­de, um eine Rei­se zu unter­neh­men. Trotz­dem „leis­ten” wir uns bei­de Fächer, obwohl oder gera­de weil die­se bei­den Aus­sa­gen stim­men.

Wir leis­ten uns die­se Fächer, weil wir anneh­men (ja, es ist eine Annah­me), dass die­se umfas­sen­de Kon­zep­te ver­mit­teln, die uns in unse­rer Welt­erfah­rung und Berufs­fin­dung nütz­lich sind.

Bezo­gen auf Infor­ma­tik: Was erle­ben wir denn gera­de und beschrei­ben es ja auch wie­der und wie­der in der Fil­ter­bub­b­le? Rich­tig: Den enor­men Ein­fluss der Digi­ta­li­sie­rung auf Wirt­schaft und Gesell­schaft. Genau wie die Ato­me und Mole­kü­le Grund­kon­zep­te beim Auf­bau von Mate­rie beschrei­ben, beschreibt Infor­ma­tik eben Grund­zü­ge digi­ta­ler Struk­tu­ren. Wenn wir Grund­zü­ge nicht ver­mit­teln wol­len, so müs­sen wir kon­se­quen­ter­wei­se alle Fächer abschaf­fen.

Das Auto­ar­gu­ment beschreibt kein Grund­kon­zept. Es beschreibt einen win­zi­gen Teil von Mobi­li­tät, der zudem immer unwich­ti­ger wer­den wird. Daher kann man es m.E. gegen die For­de­rung nach einem Pflicht­fach Infor­ma­tik nicht in Stel­lung brin­gen.

Eben­so wenig wie ich heu­te weiß, wie der Zitro­ne­säu­re­zy­klus genau abläuft, weiß ich durch Infor­ma­tik spä­ter nicht, wie ein Rech­ner funk­tio­niert, aber ich habe Grund­zü­ge der Daten­ver­ar­bei­tung ken­nen­ge­lernt, die sich genau wie der Zitro­nen­säu­re­zy­klus nicht groß­ar­tig ändern.

Das Emotionale am Autoargument

Es ist uns Anwen­dern eigent­lich klar, dass wir sehr wenig wis­sen. Wei­ter­hin ist uns klar, dass die­ses Unwis­sen Kon­se­quen­zen haben wird. Ansons­ten wür­den wir von z.B. der Poli­tik nicht so vehe­ment for­dern, dass sie z.B. bestimm­te Din­ge regu­lie­ren soll, z.B. Ama­zon oder Face­book. Und es ist uns noch etwas klar: Wäh­rend wir das Ler­nen lan­ge Zeit auf jün­ge­re Gene­ra­tio­nen abschie­ben konn­ten, klappt das mit mit dem Ler­nen hin­sicht­lich des Digi­ta­len eher nicht so gut, da die­se Ver­än­de­rung uns alle betrifft und uns daher auch alle for­dert — vor allem auch auf dem Gebiet ethi­scher Grund­sät­ze, die es für Digi­ta­li­en neu zu schrei­ben und zu defi­nie­ren gilt. Das ist schwie­rig, wenn ich nur ahnen kann, was gene­rell mög­lich ist. Dann kommt da z.B. sowas wie Vec­to­ring her­aus.

Das ist zusätz­lich sehr unan­ge­nehm und gar nicht bequem. Das sol­len doch bes­ser die lang­haa­ri­gen, weiß­häu­ti­gen, piz­za- und ener­gy­drinks­ver­schlin­gen­den Sub­jek­te machen. Wir wol­len anwen­den und benut­zen. Dum­mer­wei­se bestim­men damit die lang­haa­ri­gen, weiß­häu­ti­gen, piz­za- und ener­gy­drinks­ver­schlin­gen­den Sub­jek­te bzw. ihre Fir­men grund­le­gen­de Struk­tu­ren auf Basis markt­wirt­schaft­li­cher Kon­zep­te. Ich fin­de die­se Vor­stel­lung irgend­wie blöd.

Kom­pe­tenz­ge­sei­er als Aus­weg?

Die Ver­mitt­lung von Medi­en­kom­pe­tenz ist im Extrem­fall nichts wei­ter als die Wei­ter­ga­be auto­di­dak­tisch erwor­be­ner Anwen­der­kennt­nis­se bzw. gemach­ter Erfah­run­gen inner­halb von Soci­al­me­dia. Sie ist ohne Zwei­fel wich­tig und soll­te Teil in jedem Fach sein. Sie lässt sich aber auf Basis von Wis­sen über infor­ma­ti­sche Grund­kon­zep­te m.E. viel fun­dier­ter und trag­fä­hi­ger ver­mit­teln. Die fik­ti­ve Aus­sa­ge des ste­reo­ty­pen Infor­ma­ti­kers oben eröff­net erwei­ter­te Hand­lungs- und Bewer­tungs­mus­ter gegen­über der ste­reo­ty­pen medi­en­päd­ago­gi­schen Posi­ti­on (wobei bei­des natür­lich nur Bei­spie­le zur Ver­an­schau­li­chung sind).

Der Kom­pe­tenz­seie­rer wür­de jetzt ein­wen­den, dass infor­ma­ti­sches Wis­sen ja auch ver­al­te und damit eher Kom­pe­ten­zen zum selbst­stän­di­gen Erschlie­ßen des infor­ma­ti­schen Wis­sens ver­mit­telt wer­den soll­ten. Damit macht er einer­seits den Dua­lis­mus zwi­schen Kom­pe­tenz und Wis­sen auf, den er den Kom­pe­tenz­kri­ti­kern ger­ne vor­wirft. Und er öff­net ande­rer­seits Sys­te­men (z.B. Lob­by­is­ten) Tor und Tür, den den Bereich der Infor­ma­tik dann eben auf ihre Wei­se beset­zen, denn Men­schen in Aus­bil­dung ahnen ja schon ein wenig, dass es in die­sem Bereich Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten im spä­te­ren Leben gibt.

Das Argu­ment mit dem „schnell ver­al­te­ten­den Wis­sen” fin­de ich dar­über hin­aus auch eini­ger­ma­ßen merk­wür­dig. Genau wie mathe­ma­ti­sche oder che­mi­sche Kon­zep­te eini­ger­ma­ßen kon­stant ver­läss­lich sind und den Kom­pe­tenz- und Wis­sens­er­werb in bei­den Dis­zi­pli­nen sowohl struk­tu­rie­ren und letzt­end­lich dadurch auch erleich­tern, gibt es auch in der Infor­ma­tik all­ge­mein­gül­ti­ge Struk­tu­ren wie etwa die Zer­le­gung eines Pro­blems und Teil­schrit­te. In den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten sind die­se Struk­tu­ren natur­ge­mäß weni­ger eng bzw. for­mal bestimmt aus­ge­prägt, aber den­noch vor­han­den.

Fazit

Medi­en­kom­pe­tenz ist erst­mal bes­ser als nichts und viel­leicht auch der zunächst prag­ma­ti­sche­re und beque­me­re Weg. Wenn wir jedoch in einer zuneh­mend digi­ta­li­sier­ten Welt leben, wird ein Grund­la­gen­fach wie Infor­ma­tik für mich jedoch unver­zicht­bar, auch wenn die For­de­rung danach viel­leicht unrea­lis­tisch und unbe­quem erscheint. Und nein: Infor­ma­tik heißt nicht „pro­gram­mie­ren ler­nen”. Es heißt viel mehr.

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12 Kommentare

  • Olaf Scharpf

    Hal­lo Herr Riecken,

    Ihre amü­san­te Gegen­über­stel­lung von Medi­en­kom­pe­tenz und Infor­ma­tik ent­spricht, wie auch der vor­her­ge­hen­de Arti­kel zum The­ma Medi­en­kon­zep­te, sehr schön mei­nen per­sön­li­chen Erfah­run­gen.
    Was soll den viel zu häu­fig „fach­fremd“ unter­rich­ten­den Kol­le­gen aber auch ande­res übrig blei­ben, als der beque­me und prag­ma­ti­sche Weg? Zumal die aus dem Boden sprie­ßen­den Unter­richts­ma­te­ria­li­en vor allem Pass-bloß-auf-mit-Face­book und das Office-Paket bedie­nen.
    Dabei gibt es schon län­ger tol­le Ide­en zur Aus­ein­an­der­set­zung mit algo­rith­mi­schen Struk­tu­ren wie das angeb­lich bekann­te „Com­pu­ter Sci­ence Unplug­ged“ Pro­gramm. Dass ich auf die­sen Ansatz erst im letz­ten Jahr eher zufäl­lig im Inter­net gesto­ßen bin, betrach­te ich ein­fach ein­mal eben­so als bezeich­nend für den Stand der Informatik(aus)bildung an unse­ren Schu­len, wie die Tat­sa­che, dass die­se Ide­en anschei­nend bis auf Umset­zun­gen eini­ger Ein­zel­kämp­fer kaum den Weg in deut­sche Schu­len gefun­den haben. Über­set­zun­gen ins Tür­ki­sche, Pol­ni­sche, Fran­zö­si­sche, Grie­chi­sche und vie­le ande­rer Spra­chen gibt es, aber nur zu einem klei­nen Teil ins Deut­sche (http://csunplugged.org/books/). Zunächst ein­mal für den Eigen­ge­brauch habe ich jetzt wenigs­tens wei­te­re 9 Akti­vi­tä­ten über­setzt und kann damit hof­fent­lich bald nicht nur unse­ren Schü­lern die Angst vor dem „viel zu kom­pli­zier­ten Pro­gram­mie­ren“ neh­men und etwas mehr für Infor­ma­tik im Infor­ma­tik­un­ter­richt wer­ben.

    Herz­li­che Grü­ße aus einer Klein­stadt in Nie­der­sach­sen, ganz in der Nähe ;-)

    • Birgit

      Dan­ke! … da geschieht wenigs­tens mal etwas!!

      Ver­öf­fent­lichst du das auch irgend­wo, damit „man” dar­auf zugrei­fen kann!?

  • Moin,

    das mit dem Auto­fah­ren habe ich mal aus­führ­li­cher beleuch­tet: http://itotto.de/2014/07/13/das-auto-in-der-mobilen-gesellschaft-und-die-analogie-zu-informatik-und-medienerziehung/

    Und das war noch vor Die­sel­ga­te & Co…

  • @olaf
    Dan­ke für den Hin­weis auf die „unplugged”-Geschichte. Es gibt Gerüch­te, dass das NLQ da auch schon in Koope­ra­ti­on mit der Uni­ver­si­tät Olden­burg dran ist. Bezeich­nend ist aber wie­der ein­mal, dass auch vie­le klas­sisch infor­ma­ti­sche Aus­ge­bil­de­te offen­bar kaum in Netz­wer­ken unter­wegs sind. Als ich mei­ne dil­le­t­an­ti­sche Ardui­no­ver­su­che mit den SuS in ein Wiki pack­te und mit ande­ren Schu­len dar­an arbei­ten woll­te — nun­ja,.

    @torsten
    Und täg­lich grüßt das Mur­mel­tier. Bei mir schon teil­wei­se das x-te Mal. Ich bin manch­mal echt rat­los, wenn ich auf Arti­kel hier im Blog schaue, die Jah­re alt sind, aber auch von mir immer wie­der neu geschrie­ben wer­den.

  • Birgit

    Ich füh­le mich ja doch etwas ange­spro­chen, da ja ich ja qua­si, ohne aus­drück­lich genannt zu wer­den, zitiert wur­de.

    Ich hof­fe, Maik, wir gera­ten nicht anein­an­der ;-)

    Was lus­tig ist, dass ich bei Herrn Hum­bert auch an Jean Paul Mar­tin gedacht habe. Bei­de schei­nen IHREN Weg als den rich­ti­gen anzu­se­hen und nur wenn man es genau­so macht, wie sie es sich vor­stel­len, wird das Vor­ge­hen ande­rer akzep­tiert. Und das ist im Wesent­li­chen was mich stört! Ich habe weder etwas gegen LdL oder gegen einem ver­pflich­ten­den Fach Infor­ma­tik. Nur muss ich viel­leicht nicht immer so sein, wie die Her­ren es sich vor­stel­len.

    Bei LdL gibt es kla­re Abhän­gig­kei­ten vom Fach und von der Klas­sen­stu­fe. Und so sehr ich die die Idee, die Schü­ler „akti­ver” wer­den zu las­sen, befür­wor­te: Alle müs­sen damit arbei­ten und ich sel­ber (also die Fr. Lach­ner) habe nicht die Repu­ta­ti­on, dass gegen Wider­stän­de durch­zu­drü­cken. War­um das also nicht hin und wie­der ein­bau­en, zei­gen, dass es Sinn macht und posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen hat? Ist das nicht bes­ser, also zu sagen: „Wenn ich nicht LdL, wie sich das Herr Mar­tin vor­stellt, machen kann, dass lass ich es ganz!” Denn war­um soll ich posi­ti­ve Effek­te nicht nut­zen? Das wäre doch eine Ver­schwen­dung der Idee!?

    Oje … eigent­lich woll­te ich doch kei­ne Ana­lo­gi­en brin­gen, nicht das ich die wie­der um die Ohren gehau­en bekom­me ;-)

    Und ähn­lich, aber sicher doch ein wenig anders, sehe ich das beim The­ma Pflicht­in­for­ma­tik. Tat­sa­che ist, dass man ein Pflicht­fach Infor­ma­tik ver­mut­lich aktu­ell weder für Schü­ler noch für Leh­rer durch­set­zen kann, auch weil das Per­so­nal fehlt. Da fällt mir doo­fer­wei­se schon wie­der eine Ana­lo­gie ein: Man hat das Gefühl das Herr Hum­bert ganz digi­tal denkt: „Der­zeit 0 aber nur 1 ist gut und rich­tig!”

    Ich muss geste­hen, dass ich bei dem münd­li­chen Infor­ma­tik-Abi (also so rich­tig, mit stu­dier­tem Info-Leh­rer!) nicht viel bei­tra­gen könn­te. Mir feh­len sicher­lich die Hin­ter­grün­de, wie zum Bei­spiel eine Inter­net-Ver­bin­dung abläuft … den Rest habe ich ver­ges­sen (war schon vor min. drei Jah­ren).
    Aber ich kann pro­gram­mie­ren … so ein biss­chen, ken­ne sicher eher die Grund­la­gen … wür­de mir aber nicht zutrau­en, ein größ­tes Pro­jekt ordent­lich umset­zen kön­nen. Wenn mein Mann aber die Grund­struk­tur durch­denkt und mir die Funk­tio­nen, Klas­se, Objek­te usw. zur Ver­fü­gung stellt und vor­be­rei­tet kann ich sie nut­zen. D.h. ich den­ke, dass ich zumin­dest einen Teil des Kon­zep­tes ver­ste­he. Wenn ich also mei­nem Mann dann bei einem Pro­jekt hel­fe, bin ich sicher­lich nicht viel mehr als ein Hiwi oder Fach­in­for­ma­ti­ker in Aus­bil­dung. Nach dem, was mir dann noch zu einem Infor­ma­ti­ker fehlt, ist das ver­mut­lich so ziem­lich nichts. Ich hat­te ja kei­ne Aus­bil­dung son­dern nur aus Inter­es­se mir die Fähig­kei­ten ange­le­sen. ABER … ich könn­te mit mei­nem gerin­gen Wis­sen Din­ge im Bereich „Infor­ma­tik” über­neh­men, die sich vie­le ande­re nicht zutrau­en wür­den. Und damit könn­te ich die Kol­le­gen stu­dier­ten Infor­ma­ti­ker ent­las­ten, die nun im Klas­se 9 mit den Schü­lern Python pro­gram­mie­ren oder in Klas­se 5Roboter zusam­men­bas­teln und mit Scratch spie­len. Das was hier ja als zu wenig im Ver­gleich zur gan­zen Infor­ma­tik ange­se­hen wird!
    Nur traue ich mir eine Sache nicht zu: zu ent­schei­den, was wirk­lich wich­tig ist. Da feh­len mit die Hin­ter­grund­kennt­nis­se. Und da wäre es an den Spe­zia­lis­ten, wie Herrn Hum­bert, den halb­wis­sen­den aber inter­es­sier­ten und zumin­dest berei­ten Lehr­kräf­ten Mate­ri­al an die Hand zu geben, mit denen ich auch ohne Infor­ma­tik stu­diert zu haben, den Schü­lern in nied­ri­ge­ren Klas­sen infor­ma­ti­sches Grund­wis­sen näher­brin­gen kann. „Lasst mich es machen, denn dann fan­gen wir immer­hin damit mal an!”
    Außer feh­len­dem Mate­ri­al … das aller­größ­te Pro­blem ist, dass ich, als so eine Art 0.3er (zwi­schen 0 und 1) auch die Aus­nah­me bin! Es gibt sehr vie­le Nul­ler und womög­lich auch eini­ge -1er. Und eigent­lich geht das dann schon in Rich­tung einer Pein­lich­keit, wenn die Schü­ler etwas ler­nen sol­len, was kein (kaum ein) Kol­le­gen sel­ber kann. Ganz kon­kret ging es um die Bedie­nung von Impress.
    Es ist ja schon mal etwas, wenn Kol­le­gen die­ses Unwis­sen immer­hin pein­lich ist, aber eini­ge den­ken immer noch dar­an, dass die Com­pu­ter­nut­zung in der Schu­le nicht not­wen­dig ist.

    Wenn ich dann auch mal was for­dern darf: war­um gibt es nicht erst ein­mal eine For­de­rung, dass alle Kol­le­gen ihre Kennt­nis­se in den grund­le­gen­den Office-Pro­gram­men (Text, Tabel­len­kalk, Prä­si, Gra­fik) aus­wei­ten MÜSSEN? Und damit die Kol­le­gen viel­leicht auf ein 0.1er Niveau anzu­he­ben. Nur wenn man die­se Basis-Werk­zeu­ge eini­ger­ma­ßen beherrscht, kann man sie wirk­lich sinn­voll nut­zen und sieht sie nicht nur als beque­me­re Schreib­ma­schi­nen an.

    Wenn sich eine sol­che Erfah­rung durch­setzt, kann man wei­ter gehen: aus den inter­es­sier­ten 0.1er viel­leicht 0.2er machen. Und sol­che Ände­run­gen gehen leich­ter und schnel­ler als zu war­ten, bis der gro­ße Schritt auf 1 geschieht.

    END

  • @birgit
    Nein, ich habe nicht an dich gedacht :o)… Mein „Level” ist kein höhe­res als dei­nes. „Pro­gram­mie­ren” heißt für mich im Wesent­li­chen, Code­schnip­sel aus dem Netz zu kom­bi­nie­ren, Ich bin eher Ser­ver­mensch.

  • Das Argu­ment, man kön­ne kein Pflicht­fach Infor­ma­tik ein­füh­ren, hal­te ich für sehr wenig über­zeu­gend, bis an die Gren­ze der Unse­riö­si­tät, da ich sel­ber haut­nah mit­ge­kriegt habe, wie Bay­ern genau das vor gut zehn Jah­ren gemacht hat.

  • Dass ich mich über­haupt (mal wie­der) auf einen Text ein­las­sen konn­te, der sich mit The­ma Pflicht­fach Infor­ma­tik beschäf­tigt, ist ein Kom­pli­ment an den Text und des­sen Schrei­ber­ling. Als Neu­ein­stei­ge­rin in die­se The­ma­tik hat mich die Dis­kus­si­ons­kul­tur dar­um ein wenig abge­schreckt und gelähmt.
    Inhalt­lich bin ich noch zu sehr in der Ori­en­tie­rungs­pha­se, um gut Stel­lung zu bezie­hen. Als Poli­tik­leh­re­rin habe ich aber ver­mut­lich einen ande­ren Zugang zu dem was Digi­ta­li­sie­rung für die Gesell­schaft bedeu­tet. Die Aus­wir­kun­gen, die letzt­lich nur erahn­bar sind, schei­nen mir aber zu tief­grei­fend als dass sie auf ein Fach her­un­ter­ge­bro­chen wer­den könn­ten. Dahin­ter steckt auch die Fra­ge, ob ein­zel­ne Unter­richts­fä­cher künf­tig Bestand haben wer­den.

    • @lernbegleiterin
      Es geht mir nicht dar­um, alles in einem Fach zu bün­deln. Medi­en­kon­zept­ar­beit ist eine Quer­schnitts­auf­ga­be, die natür­lich immer alle Fächer betref­fen wird. Infor­ma­tik ersetzt nichts, son­dern dadurch kommt halt etwas dazu. Das müs­sen wir eben auch noch machen, weil man m.E. poli­tisch-gesell­schaft­li­che Impli­ka­tio­nen ganz anders erfasst, wenn man über infor­ma­ti­sches Grund­la­gen­wis­sen ver­fügt. Der oft­mals anzu­tref­fen­de Dil­le­t­ant­tis­mus auf poli­ti­scher Ebe­ne im Umgang mit „die­sem Inter­net” fußt mei­ner Mei­nung nach auf Unwis­sen — Stich­wor­te: Web­fil­ter, Urhe­ber­recht, Vec­to­ring usw..

      • Das ist letzt­lich eine erkennt­nis­theo­re­ti­sche Fra­ge, wie man sich „die Welt”, in dem Fall Digi­ta­li­sie­rung & Co erklärt. Wel­che Prä­mis­sen set­ze ich und war­um. Gene­rell mag ich die Viel­falt an Zugän­gen zu einem The­ma und glau­be an die Kraft des Aus­tau­sches. Dan­ke für Dei­nen Input — und bis dem­nächst in die­ser oder ande­ren Ange­le­gen­heit.

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