Netzneutralität und die Telekom

Weitgehend unbeachtet von vielen Internetnutzern tobt im Hintergrund gerade ein Kampf zwischen Rechenzentrumsbetreibern und der deutschen Telekom als größtem Anbieter von Internetanschlüssen.

Was verkauft die Telekom?

Die Telekom verkauft i.d.R. an Privatkunden sogenannte asymmetrische Internetzugänge, d.h. man kann z.B. Filme sehr schnell aus dem Netz streamen, jedoch z.B. Fotos zu seinen Fotodienst nur langsamer hochladen, z.B. hat man bei VDSL50 einen Downstream von 50Mbit/s und einen Upstream von 10Mbits/s. Bei den mobilfunkbasierten Produkten sieht das ähnlich aus. Naturgemäß laden die Telekomkunden damit mehr Daten aus dem Netz herunter als herauf.

Das hat zu einen technische Gründe, weil man so mehr Kunden einen guten Download bieten kann, zum anderen auch einen strategischen: Wäre jeder Haushalt gut symmetrisch an das Internet angebunden, bestünde irgendwann kaum noch eine Notwendigkeit, seine Webseite bei einem Provider hosten zu lassen und zudem wäre das eigene Netz dann sehr schnell voll mit angreifbaren Servern, die nicht professionell gewartet werden.

Wie kommen die Daten aus dem Internet zur Telekom?

Netze verschiedener Anbieter werden an bestimmten Stellen über Knotenpunkte gekoppelt, damit z.B. Daten US-amerikanischer Anbieter wie YouTube, Google oder Microsoft auch im Netz der Telekom ankommen. Üblicherweise werden die Knoten entsprechend des Bedarfes der Endkunden ausgebaut. Wenn mehr Menschen z.B. HD- oder gar 4K-Inhalte anschauen möchten, muss einerseits derjenige, der die Filme anbietet, besser an das übrige Internet angebunden sein, andererseits muss der Knotenpunkt zur Telekom auch über ausreichend Kapazität verfügen – das Rohr muss also dick genug sein – das kostet Geld.

Und wo tobt jetzt der Kampf?

Die Telekom baut ihre Knotenpunkte zu anderen Anbietern mittlerweile nicht mehr dem Bedarf entsprechend aus, z.B. zum Rechenzentrum von Hetzner, ein größerer Player im deutschen Rechenzentrumsmarkt. Angebote, die Hetzner gehostet sind, laufen damit gerade zur Primetime nur noch sehr langsam über die Telekomleitungen.

Die Telekom sagt: Jahaa! Wenn du Hetzner Daten performant zu uns schieben willst, dann musst du dafür extra bezahlen, so ein dickes Rohr kostet halt Geld! Brisanterweise laufen die entsprechenden Angebote der Telekom schnell durch die Leitungen (z.B. Entertain). Die meisten Rechenzentrumsbetreiber bezahlen anstandslos dann Geld an die Telekom und geben die Kosten an ihre Kunden weiter.

Hetzner macht das auch, aber anders: Hetzner sagt dem Kunden: „Wenn du Daten schnell zur Telekom schieben willst, zahlst du dafür einen Aufpreis, weil nur die Telekom so handelt – alle anderen Anbieter bauen ihre Knotenpunkte ja aus!“ – Hetzner geht es nach eigener Aussage darum, auf die Problematik der Politik der Telekom aufmerksam zu machen und geht dabei auch das Risiko ein, Kunden zu verlieren.

Mit Angeboten von YouTube, Google, Netflix etc. macht die Telekom das nicht bzw. ist anzunehmen, dass da wohl für die „digitale Überholspur“ auch Geld fließt. Die Telekom kassiert damit doppelt: Einmal von den Kunden für den Internetanschluss, der ohne ungebremsten Zugriff zum Internet ja irgendwo blöd ist und zum zweiten von den Anbietern, die das Internet zu Internet und damit das Produkt der Telekom zum Produkt machen.

Die Telekom sagt: Jahaa, ihr Anbieter! Ihr liefert ja viel mehr Daten an unser Netz als wir an euer. Das ist kein Teilen mehr, das ist Transit.

Wir erinnern uns an dieser Stelle daran, dass die Telekom asymmetrischen Anschlüsse verkauft. Und es wäre ja doof, wenn die telekomeigenen Angebote dann super laufen, aber der Steamingdienst aus Pusemuckel ruckelt. Für den Schlichtkunden ist dann klar: Dann kaufe ich doch das Telekomprodukt!

Die Telekom sagt dann: Jahaa, du Streamingsdienst aus Pusemuckel, kannst ja extra zahlen! (nunja, sie haben es dann hinterher ja gar nicht so gemeint …).

Die Problematik

Die Telekom bestimmt somit, welche Dienste in ihrem Netz performant laufen und welche nicht. Das hat mit Netzneutralität und freiem Internet ganz wenig zu tun. Es sind die Kunden der Telekom, welche Daten anfordern und die Telekom muss m.E. schauen, wie sie da kostendeckend arbeitet. Da sie ihre Endkunden nicht die Preiserhöhungen verschrecken will, versucht sie es halt anders. Jeder sollte sich überlegen, ob ein solches Gebahren unterstützenswert ist.

PS: Ich bin Hetzner- und Kabeldeutschlandkunde.

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