Jubelperser und rhetorische Raubeine

… und dann doch die zu wenig Begeisterten. (das wird hier ein Rant)

Ich finde Diskurs ja ganz prima. Wenn die Dinge auf den Tisch kommen, ist es oft der erste Schritt, um Veränderung zu initiieren. Wenn sich Prozesse aber immer wieder wiederholen, muss man sich die Frage stellen, ob es um Veränderung oder um Rechthaben, bzw. die Struktur des Diskurses geht.

Und ich stelle mir die Frage, was man mit dieser dort geparkten Energie alles anstellen könnte.

Die Schulen, mit denen ich so Kontakt komme, interessiert diese in Relation zu ihrem Leben wirklichkeitsentkoppelte Twitter- oder Blogdiskurswelt nicht. Selbst wenn die Beteiligten in diese Sphäre des Digitalen eintauchten (sie tun es nicht), wären allenfalls Kopfschütteln und Abwehr die Reaktion. Gut so. Gibt andere Sorgen und Probleme.

Es mag eine Zeit gegeben haben, in der (Geistes-)Wissenschaft Politik beraten hat und nicht nur gehört, sondern auch teilweise adaptiert wurde. Das setzt aber politischen Gestaltungs- und Führungswillen voraus und die Fähigkeit, nicht nur die eigene kleine Welt zu sehen, sondern die Vernetzungspotentiale. Wie verbreitet sind diese Fähigkeiten? Wie stark ist heute das „Backend“, welches die Gestaltungswilligen z.B. mit Rechts- und Prozessberatung unterstützt, ihnen den Rücken freihält?

(Geistes-)Wissenschaft erkennt m.E. nicht, dass diese Ära entschieden vorbei ist – sie ist es, die in ihren Strukturen verharrt – oach, wir machen Studien (mit teilweise m.E. so abenteuerlichen Fragestellungen wie: „Befördern Tabletklassen den Lernprozess?“) oder schreiben eloquente Grundsatzaufsätze (die dann in Filterbubbels durchgereicht und diskutiert werden). Ich mag das ja auch, streiche aber davon für meine Arbeit gleich 95%.

Der Bedarf aber lautet (darüber kann jammern oder es hinnehmen wie im Frühling die Blumen): „Sage mir, wie ich mir möglichst wenig Ressourcen den Output steigern kann!“ Sorry, und Pssst! – diesen Bedarf decken längst andere!

Warum soll ich mich als Politiker von „diskursverliebten Socialmediafuzzis“ leiten lassen? Meine größte Wählergruppe sind nicht die Familien. Kinder und Jugendliche schon gar nicht.

Ganz nebenbei machen sich Schulen – so ganz extrainternetistisch – mit ganz anderen Motivationen auf den Weg. Da geht es oft zunächst um Kommunikationsprozesse. Technik hilft dabei. Metageseier über potentielle technische Potentiale zunächst ganz viel weniger. Was danach kommt – mal sehen. Meist kommen Ideen.

Wir müssen gerade ganz stark darauf aufpassen, hilfreiche Methoden wie Projektmanagement nicht in der Wahrnehmung der Schulen abzufackeln. Jacket, Schlips und tolle Folien über Qualitätsmanagementprozesse tragen genau bis zu der Erkenntnis, dass es für die Umsetzung Ressourcen braucht. Die Kompetenzen brennen ja schon lichterloh. Die Inklusion schwelt bereits kräftig.

Das Ziel könnte ja heißen: Bessere Bildung und gerechterer Zugang zu ihr. Ist das nicht die Gemeinsamkeit? Und auch ich ertrage iPads. Wer mich kennt, weiß: Da kann das mit dem Anerkennen  anderer Wege und Schwerpunktsetzungen doch nicht so schwer sein.

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