Wie motiviert man Unmotivierte?

Walter Böhme fragt: „Wie motiviert man Unmotivierte?“ und lädt zu einer Blogparade ein. Zu Blogparaden bin ich selbst meistens gar nicht motiviert, weil das ja quasi eine „externe Auftragsarbeit“ darstellt, was im völligen Widerspruch zu meinem Treiben auf dieser Website steht.

Dieses Blog dient hauptsächlich dem Festhalten von Erfahrungen und Inhalten für mich selbst – mittlerweile bestreite ich einen Großteil meiner Unterrichtsstunden mit den Artikeln aus meinem Blog: „Maik, da war doch schonmal was!“ – Suche angeworfen und los geht es. Die Artikel sind natürlich so aufgemacht, dass sie ein breiteres Publikum erreichen – viel Mühe kostet das vom Schreibaufwand her für mich eigentlich nicht, weil ich wahrscheinlich aufgrund meines Lebensweges Fähigkeiten mitbringe, die zugebenermaßen auch mit viel Mühe, Arbeit und Übung erworben worden sind. Dass mir daraus ein Nutzen entsteht, wusste ich in einigen Phasen noch nicht – ich habe sogar zeitweise das Schreiben gehasst.

Der Gewinn ist für mich heute aber riesig, weil es so stets zu interessanten Kontakten und Diskussionen gekommen ist, teilweise auch zur Aufdeckung von groben Schnitzern, die sich unkorrigiert und unkommentiert vielleicht über Jahre in meinem Unterricht verfestigt hätten – mit entsprechenden Auswirkungen für die Schülerinnen und Schüler. Die Motivation, meine Gedanken öffentlich zu machen, ist also die erhöhte Effizienz, die mit Pappordnern und DINA4-Zetteln, meinetwegen auch Evernotesammlungen für mich nicht erzielen lässt – also ein im Grunde egoistisches Motiv.

Dieses Blog stiftet also für mich einen persönlichen Sinn, der mich auch Handlungen ausführen lässt, zu denen ich bei einer oberflächlichen Abwägung nicht bereit wäre, z.B. die Teilnahme an dieser Blogparade.

Was oder wer hat mich nun dazu gebracht in diesem Sinne „motiviert zu sein“?

  1. Sinn für mich selbst
  2. Die Rezeption meiner Gedanken durch andere Menschen
  3. Die Reaktion anderen Menschen auf meine Gedanken
  4. Eine innere Haltung, die Entwicklungswilligkeit mit einschließt (das wird aber allmählich erkennbar weniger…)
  5. Fähigkeiten, die nicht nur lustbetont erworben wurden und sich jetzt als nützlich herausstellen
  6. Bildungsnahe Kontexte, die von Wertschätzung aber auch Wertungen geprägt waren und so Orientierung gaben

Das funktioniert für mich so ganz gut. Für ein Gegenüber muss das so nicht gelten. Ohne entsprechendes soziales Umfeld werden z.B. Haltungen, Fähigkeiten und persönlicher Sinn andere Ausprägungen erhalten. Das ist eine der Herausforderungen unseres Bildungssystems: Die Herkunft bestimmt meist den Lebenserfolg, nicht das Bildungssystem.

Schule stört da auf den ersten Blick, weil sie Inhalte vorgibt, bei denen viele Menschen wenig Sinn sehen. Ein Ausweg ist vielleicht die stärkere Fokussierung auf die Interessen der Lernenden, also das selbstgesteuerte Lernen. Ich sage „vielleicht“, weil ich viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes als „verrückt“ wahrnehme: Ver-rückt, also weggerückt von den eigenen Interessen und überfremdet von teilweise auch medial eingeredeten Interessen.

Ein Schlüssel zu Generierung von Motivation ist für mich daher die Klärung der Frage: „Was interessiert dich eigentlich? Worin siehst du für dich Sinn?“ – Die Beantwortung erlebe ich oft oft als ein ganz schönes Stück Arbeit. Die Antwort für mich habe ich übrigens nicht in der Schule gefunden. Die Antwort ist aber  für mich die Basis, auch Mühe, Arbeit und Biss aufzuwenden.

Gerade in der Schule geht genau das momentan noch nicht so gut. Genaugenommen geht es eigentlich grundsätzlich nicht, wenn andere Menschen in dem, was sie lernen „sollen“ keinen Sinn sehen. Wo es immer möglich ist, versuche ich daher Transparenz darüber zu schaffen, warum genau dieser Stoff jetzt wichtig und sinnvoll ist oder warum ich methodisch jetzt so oder so vorgehe – es gibt ganz schon selten Lerngruppen, bei denen das teilweise gelingt, bei denen mittlerweile fragen kann: „Wie könnte es jetzt sinnvoll im Unterricht weitergehen?“

Etwas konkreter: Es gibt z.B. sehr viele Parallelen zwischen meinen beiden Fächern Deutsch und Chemie. Wenn ich SuS eine Vorgangsbeschreibung für ein Experiment vorlege, geht immer eine Menge schief. Das was man man daran auf die Vorgangsbeschreibung schieben kann, lässt sich im Rahmen von Deutsch bearbeiten. Jemand, der gerne experimentiert, sieht so vielleicht einen Sinn in einer Vorgangsbeschreibung, spätestens dann wenn er im Rahmen eines Projektes Experimente für Dritte vorbereitet. Das im Idealfall interessengeleitete Projekt hängt dann u.U. auch von einer blöden Textform ab.

Die Frage lautet ja völlig richtig: Wie motiviert man Unmotivierte? Die eigentliche Bedeutung von „man“ (= jeder beliebige Mensch) ist im Deutschen durch Feminismusdebatten etwas überlagert, im Englischen z.B. in „mankind“ noch voll erhalten. Ich kann im Rahmen meiner Möglichkeiten nur einen Beitrag dazu leisten „Unmotivierte zu motivieren“. Die Aufgabe liegt aber m.E. bei „man“ in der ursprünglichen Bedeutung, was auch den „Unmotivierten“ selbst einschließt.

Persönlichkeitsbildung ist dabei ein wichtiger Schlüssel, aber gerade unter Lehrkräften bei sich selbst oft geradezu verpönt, oder?

 

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Ein Kommentar

  • Margret Oelhaf

    Gute Gedanken, toll, nachvollziehbar und authentisch rüber gebraucht!

    Vielen Dank (auch wenn ich sie als Pensionistin nicht mehr im selbst im Unterricht umsetzen kann)

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