Schulnetzwerk Reloaded

Ich hatte ja schon vor einiger Zeit meine Ideen für ein mögliches Schulnetzwerk zusammengetragen. Das war quasi mein persönliches Pflichtenheft für die Planung hier vor Ort. Was soll ich sagen – es sieht ganz so aus, als wenn wir alles bekommen werden, was vor allen Dingen natürlich das Verdienst unseres Schulträgers ist.

Was ist genau in den letzten Wochen geschehen?

  1. Ich habe viel – unglaublich viel telefoniert. Der Elektriker vor Ort weiß, was zu tun ist. Er darf es aber nur tun, wenn der zuständige Elektroplaner ihn dazu anweist. Der Elektroplaner wird den Elektriker nur grünes Licht geben, wenn der Bauträger z.B. fehlende Komponenten nachfordert. Anfangs spricht man mit dem Elektriker, erkundigt sich beim E-Planer – Mails gehen über mehrere Ecken hin und her. Am Ende hat man alle Beteiligten persönlich gesehen und man kommuniziert direkt mit Entscheidungsträgern. Dabei bekommt man auch sofort vermeintlich heilige Diagramme zur geplanten Topologie des Netzwerks zu sehen – direkt über den E-Planer. Nebenbei hält man natürlich die eigene Schulleitung immer auf dem Laufenden. Überall läuft man im Prinzip offene Türen ein, weil ein wenig Koordinierung durchaus dankbar angenommen wird.
  2. Ich habe den Kontakt zu der Firma gesucht, die den technischen Support übernehmen wird. Deren Mitarbeiter müssen mit dem Netzwerk zurechtkommen und Komponenten vorfinden, mit denen sie vertraut sind. Also wurden von mir auch genau diese Komponenten in die Ausschreibung zum E-Planer gegeben. Dem Bauträger muss man dabei natürlich die Vorteile vermitteln: Ein Techniker, der sich nicht groß in die vorgefundene Hardware einarbeiten muss, wird dauerhaft weniger Stunden für seine Arbeit abrechnen, d.h. die erwartbaren Folgekosten sind geringer.
  3. Gemeinsam mit dem zuständigen Koordinator in der Schule haben wir nach Finanzierungsmöglichkeiten gesucht. Manchmal helfen da Haushaltsposten, die schon lange beantragt worden sind – wir hatten Glück. Da über den Koordinator sehr gute Kontakte zum Schulträger bestehen, können natürlich im Rahmen des Haushaltsrechts der Landkreise Lösungen gefunden werden, die manchmal überraschen.
  4. Dabei sind in meinem Fall eine Reihe von „Ferientagen“ ins Land gegangen. Wenn ich in der Aufbauphase eines Netzes jedoch viel  Aufwand betreibe und immer mehrere Stimmen höre, so werde ich ein Produkt erhalten, welches mir im späteren Betrieb wenig Ärger bereitet – diese Ferientage sind also eine Investition in künftige Ferienzeiten und Freistunden.

Wie sieht das Produkt aus?

  1. Wir werden ein Netz bekommen, welches ziemlich komplett mit managebaren Switchen ausgestattet ist. Man kann in einem solchen Netz über die gleiche Verkabelung mehrere Netze aufbauen. Da wir ein Medienzentrum, eine Außenstelle der Universität im Hause haben und zusätzlich einen Gebäudeteil gemeinsam mit einer anderen Schule nutzen, findet jede Institution ihre gewohnte Umgebung vor. Man kann auch jedes Netz in jeden beliebigen anderen Gebäudeteil routen, so dass z.B. das Medienzentrum Schulungen in den Räume der Uni durchführen kann – und umgekehrt.
  2. Kernstück für unsere eigenes Schulnetz wird der Portalserver iserv werden.  Dieses Produkt ist regional auf Niedersachsen beschränkt, verfügt jedoch über alle von mir im Pflichtenheft vorgedachten Features und eine eigene niedersächsische Supportstruktur, die es mir erst erlaubt hat, das Produkt ausgiebig zu evaluieren. In die Bedienung des iserv lässt sich jeder etwas technikaffine Kollege einführen, so dass in Verbindung mit den lokalen Supportstrukturen die Funktion des Netzes nicht an eine einzelne Person gebunden ist – ein nicht zu unterschätzender Nachhaltigkeitsfaktor.
  3. Alle Überlegungen der letzten Wochen sind in unseren Medienzentrum in eine Vision eingeflossen: Wir möchten hier in der Region einen Supportverbund etablieren, der auf lokale Produkte und Dienstleistungen setzt. Das klingt im Zeitalter des grenzenlosen Internets erstmal altbacken. Unsere Erfahrung damit ist aber schon jetzt ungemein positiv – unsere Kunden und Benutzer müssen schließlich damit zurechtkommen. Und ich weiß, dass in einem derartigen, auch sozialen Supportverbund auch nicht unbedingt immer auf die Zeit oder den Preis geschaut wird.  Der Verbund besteht idealerweise aus Menschen, die Dienstleistungen erbringen und daran neben dem erforderlichen Verdienst auch Freude haben sollen.

Was für ein Aufwand!

Ja und Nein. Ich sehe meine momentane Arbeit als Übungsfeld für meine Tätigkeit als MPB-digi. Meine Erfahrungen, die ich hier vor Ort mache, möchte ich natürlich auch anderen Schulen der Region zur Verfügung stellen und sie bei Verhandlungen mit Schulträgern oder Firmen unterstützen. Das was ich hier vor Ort lerne, hat also Synergieeffekte. Das muss es auch, denn eine Abordnung von einer Drittelstelle muss ja auch von einem Gegenwert begleitet sein.

Die Anforderung an mich erlebe ich dabei momentan extrem: Neben dem technischen Wissen sind natürlich auch viele kommunikative Kompetenzen erforderlich – und manchmal auch viel Verständnis für Strukturen, die eben Strukturen sind und das genau so auch sein dürfen. Und ich kenne eben Schule – auch als Personalrat. Schön und entlastet ist der Umstand, dass ich in eine Beratungsstruktur des Landes mit ihren vor allem menschlichen Ressourcen eingebunden bin.

Ich verstehe mich damit als jemand, der hilft, dem Lernen in der Wissensgesellschaft eine Grundlage zu geben – ganz praktisch, ganz konkret – fernab von Apologien auf eine wie auch immer geartete Zukunft.

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