Bankenkrise

Um zu verstehen, was gerade eigentlich im europäischen Bankensystem geschieht, kann man nicht oft genug auf eine m.E. wunderbare Filmreihe von Max von Bock hinweisen, dass auf einfache Weise die Grundlagen unseres Finanzsystems erklärt – natürlich mit deutlich ideologischem Duktus.



Die vorgeschriebene Eigenkapitaldeckung von Banken im Euroraum ist erst kürzlich gegen immense Widerstände von 2% auf 3% erhöht worden. Was heißt das in der Sprache des Films? Eine Bank darf eine Option auf einen Realwert (= Geld) jetzt nicht mehr mit 50, sondern lediglich mit 33,3 faktorisieren, d.h. zu Deutsch jeden eingezahlten Euro 33,3x verleihen.

Es zeichnet sich jedoch gerade ab, dass davon vielleicht fünf verliehene Euro niemals zurückkommen werden, also „abgeschrieben“ werden müssen, womit mein Beispieleuro mindesten 4x nicht mehr existent ist. Ich kann ihn also nicht mehr abheben oder eben nur abheben auf Basis der Zinszahlungen der übrigen 28 verliehenen Euro. Leider befinden sind unter den 28 Schuldnern weitere Wackelkandidaten. Als Kompensation bleiben z.B. höhere Zinseinnahmen.

Damit ich meinen Euro auch in einen solchen Fall sofort zurückerhalte, gibt es einen Einlagensicherungsfond. Zitat:

Bei dem freiwilligen Sicherungsfonds der privaten Banken gibt es eine sehr hohe Sicherungsgrenze, die bei 30 % des maßgeblichen haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank je Gläubiger liegt. Bei einem haftenden Eigenkapital von beispielsweise 100 Millionen Euro einer Bank ist also das Vermögen jedes einzelnen Kunden mit bis zu 30 Millionen Euro abgesichert, sofern der Fonds über die entsprechenden Mittel verfügt. Im Gegensatz dazu sichern die Sicherungsfonds der Sparkassen und Genossenschaftsbanken die jeweiligen Institute, so dass bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen nicht nur die Einlagen, sondern auch Schuldverschreibungen und Zertifikate voll abgesichert sind.

Wenn also ein Bank pleite geht, sind meine Spareinlagen garantiert – bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist der Einlagensicherungsfonds offenbar etwas breiter aufgestellt als bei privaten Instituten. Zudem gibt es je nach Fond Grenzen, bis zu denen garantiert wird, dass das Kapital auch gesichert ist – mal ist von 20.000 bis hin zu 100.000 „sicheren“ Euro die Rede. Peer Steinbrück hat vor mittlerweile drei Jahren etwas Bemerkenswertes anlässlich einer Pressekonferenz mit Angela Merkel gesagt:

Ich möchte gerne unterstreichen, dass wir in der Tat in der gemeinsamen Verantwortung, die wir in der Bundesregierung fühlen, dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren. Dies ist ein wichtiges Signal, damit es zu einer Beruhigung kommt und nicht zu Reaktionen, die unverhältnismäßig wären und die uns die derzeitige Krisenbewältigung beziehungsweise Krisenprävention noch schwieriger machen würden.

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,582305,00.html

In der Sendung gestern im Ersten hat er ziemlich klar die Hintergründe seiner Äußerung benannt: Es sollte damit verhindert werden, dass in der darauf folgenden Woche die Menschen zur Bank gehen und ihren Euro abholen. Die Situation 2008 war deutlich entspannter als die Situation heute, in der solche Zusagen offenbar nicht mehr gemacht werden müssen, weil die Menschen sich vermutlich an die Krise gewöhnt haben.

Was wird zurzeit getan? M.E. wird viel geredet – wie 2008 schon. Dabei bilden die Web2.0-Kreise keine Ausnahme. Keine Lösungen, keine auf Sachüberlegungen basierenden Standpunkte  – wäre auch unbequem, da man sich selbst dadurch Kritik aussetzen würde. Deswegen – so mein Eindruck – sollen einmal die Politiker diese „abstruse Situation“ lösen. Das Mindeste, was zu tun wäre, ist meiner Meinung nach einmal die Position der Politik einzunehmen, da die Finanzkrise in ihrer Auswirkung allmählich für den Einzelnen fühlbar zu werden beginnt.

Soll man Banken pleite gehen lassen?

Das wäre eine marktwirtschaftliche und konsequente Lösung: Die Bank müsste für die eingegangenen Risiken haften und für Verluste gerade stehen. Kann die das mit einer Konkursmasse, die aus 33,3-fach verliehenen Optionen auf eine Option auf einen Realwert besteht? Wird spannend. Vor allem für die Sparer, die der Bank ihren Euro geliehen haben. Je nach „Systemrelevanz“ der Bank dürfte der Einlagensicherungsfond platt sein. Dann bleiben im Bestfall von jedem Euro weniger als 10ct übrig. Letztendlich trifft es also den Steuerzahler bzw. denjenigen, der über Sparguthaben verfügt. Nur wenige Reiche werden den Absprung in vermeintlich „sichere“ Länder bewältigen.

Soll man eine höhere Eigenkapitalquote bei Banken vorschreiben?

Kann man machen. Mehr Kapital werden die Banken jedoch nur anlocken, wenn der Kapitalertragszins steigt – mit Werten rund um die Inflationsrate holt man keinen Sparer hinter dem Ofen hervor. Höhere Kapitalertragszinsen bedingen zumindest indirekt auch höhere Kreditzinsen – das will ja gegenfinanziert sein. Zudem impliziert die Forderung nach höheren Eigenkapital ja auch die Forderung nachhaltiger zu wirtschaften – dann darf man überschuldeten Staaten aber eigentlich kein Geld mehr leihen – das muss dann die EZB machen. Letztendlich trifft das den Steuerzahler. Und es passiert bereits: Die EZB kauft Staatsanleihen auf und nimmt damit die Banken mehr oder minder aus der Haftung.

So oder so: Das subventionierte iDingens wird teurer werden. Die Konsumentenkredite werden wahrscheinlich deutlich von Zinsniveau anziehen, d.h. man wird wohl dahin zurückkommen müssen, sich Dinge erst zu kaufen, wenn man sie ohne fremde Hilfe bezahlen kann – als Staat ebenso wie als Bürger eines Staates. Was bedeutet das wiederum für z.B. die Autoindustrie? Wer bezahlt seinen Blechhaufen noch BAT (Bar Auf Tatze)?

Die Bankenkrise wird bei einer „vernünftigen Lösung“ – so es die geben wird – uns alle treffen. Es ist eben kein abstraktes „Alle (Groß-)Banken sind Scheiße“. Auch ein totaler Reboot muss eigentlich in letzter Konsequenz bedeuten, dass Waren endlich das kosten, was sie wert sind. Gut, dass ich keinen Kaffee trinke – auch der fair gehandelte muss sich ja irgendwie am Marktpreis orientieren, damit er gekauft wird.

Was man jetzt schon ganz konkret tun kann, ist mit seinem Geld zu einer Bank zu gehen, die transparent und nachhaltig wirtschaftet. Dazu gibt es hier viele Infos. Ich bin bisher leider dabei aber auch nicht über die Calc-Liste mit den Adressen der anzuschreibenden Institution wg. Kontoänderung hinausgekommen.

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