Ich bin schuld

Das ist qua­si mein zwei­ter Name als Leh­rer 1.0. Was ist Schuld eigent­lich?

Als Vor­aus­set­zung für Schuld wird meis­tens ange­nom­men, dass der Schul­di­ge die Wahl­mög­lich­keit hat­te, die als schlecht defi­nier­te Tat zu unter­las­sen. In der Phi­lo­so­phie wird die Schuld­fä­hig­keit des­halb oft auf die Wil­lens­frei­heit zurück­ge­führt. Nach der Theo­rie des Deter­mi­nis­mus, wel­che bei rück­schau­en­der Betrach­tung das Han­deln des Men­schen in anla­ge- und umwelt­be­ding­ten Bestim­mungs­kräf­ten begrün­det sieht, ist in Erman­ge­lung der Fähig­keit des Men­schen, sich frei zwi­schen Gut und Böse zu ent­schei­den, dem Schuld­prin­zip der Boden ent­zo­gen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schuld_%28Ethik%29#

Kom­pli­ziert. Zumal es ja auch noch wei­te­re Dimen­sio­nen von Schuld gibt, z.B. die Schuld gegen­über der eige­nen Per­son — meist offen­bar an so Din­gen wie man­geln­de Selbst­an­nah­me, die eine Fül­le von Ver­hal­tens­wei­sen und Gang zu set­zen ver­mag, die wei­te­re Schuld gegen­über ande­ren Men­schen evo­ziert: Wer sich selbst nicht lie­ben kann, ver­mag das auch nicht bei ande­ren Men­schen — einer der weni­gen Punk­te, in dem sich Psy­cho­lo­gie und Chris­ten­tum ein­mal einig zu sein schei­nen.

Bezie­hun­gen schei­tern gar nicht ein­mal so sel­ten an gegen­sei­ti­gen Schuld­zu­wei­sun­gen. Schuld zuwei­sen hat eine immens wich­ti­ge psy­cho­lo­gi­sche Funk­ti­on: Mit der Über­tra­gung von Schuld neh­me ich Ver­ant­wor­tung von mei­ner eige­nen Per­son — wenn etwas oder jemand schuld sein kann, dann bin ich es nicht mehr und Ver­ant­wor­tung habe ich auch kei­ne. Selbst­schutz­me­cha­nis­mus.

Leh­rer machen das, wenn sie sagen: Tja. Das Sys­tem ist schuld — ich kann gar nicht anders han­deln. So ganz klappt die­se Stra­te­gie in der Flä­che zwar nicht ganz, aber es ist eine sym­pto­ma­tisch ori­en­tier­te Stra­te­gie, die Momen­t­an­sym­pto­me zu bekämp­fen ver­mag, aber eben auch Ener­gie erfor­dert, viel­leicht genau die Ener­gie, die zum Umsteu­ern des Tan­kers erfor­der­lich ist.

Vie­le Kräf­te in der Gesell­schaft wis­sen, dass das Schul­sys­tem schuld ist, z.B. an psy­chi­schen Krank­hei­ten unter SuS, an wach­sen­der Gewalt­be­reit­schaft, an der Gefähr­dung der Zukunftfs­ä­hig­keit die­ses Lan­des usw.. Sie haben Recht.

  • Wie attrak­tiv ist ein Beruf, der schuld­be­la­den ist?
  • Wie frei agiert ein Mensch, dem Schuld zuge­wie­sen wird?
  • Wel­ches Vor­bild wird er sei­nen SuS sein?
  • Wie defi­zit­ori­en­tiert wird er agie­ren?

Die Schuld bleibt. Der Ener­gie­ver­brauch zur Abwehr der Schuld­zu­wei­sun­gen auch. Die Kon­se­quen­zen für die SuS oben­drein. Man müss­te ein­mal dar­über spre­chen, wie man damit umgeht — z.B. bei einer ver­pflich­ten­den Super­vi­si­on. Ich wage zu behaup­ten, dass dort 95% der Pro­ble­me mit dem The­ma Schuld zu tun haben wer­den.

  • Wie machen das Leh­re­rin­nen und Leh­rer, die wir als Vor­bild sehen?
  • Wel­che psy­cho­lo­gi­schen Stra­te­gi­en wen­den sie an?
  • Wie viel Schuld tra­gen sie?
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