Aktive Medienkompetenz

Vor ungefähr einem Jahr habe ich einen Moodlekurs für unsere Schule zum, Thema Medienkompetenz entwickelt, der im Wesentlichen diesem Modell folgt:

Tenor:

Man muss überlegen, welche Daten man von sich öffentlich preisgibt und welche nicht. Dazu gilt es, Filtermechanismen zu entwickeln. Ich halte dieses Filtermodell nicht für überholt, jedoch bedarf es einer nicht ganz unwesentlichen Modifikation, weil es von der Annahme ausgeht, dass allein ich Informationen über mich im Netz einstelle – das ist jedoch falsch: Tatsächlich ergibt sich eher ein „Haufenmodell„:

Über mich sind Informationen im Netz zu finden, ohne dass ich aktiv etwas dazu beitrage – das merkt jeder, der sich z.B. bei Facebook neu registriert und faszinierend sinnvolle Freundschaftsvorschläge erhält. Unser Kaufverhalten ist durch Bonuskartensysteme und EC-Kartenmkäufe wahrscheinlich gut gescored usw.

Das Filtermodell wirkt allein auf die rechte Seite des Haufenmodells. Entscheidend ist das Verhältnis von Fremd- und Eigeninformationen über mich. Ich kann die linke Seite in ihrem Inhalt nicht kontrollieren. Ich kann jedoch zu ihr eine Relation aufbauen, wenn ich mich aktiv um die rechte Seite kümmere, das von mir einspeise, was mir wahrscheinlich nützen wird.

Modelle, die nur warnen, sensibilisieren, vielleicht gar verteufeln, greifen für mich daher im Bereich der Medienerziehung mittlerweile viel zu kurz.

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3 Kommentare

  • Müsste das nicht in der Konsequenz bedeuten, dass du dich auch bei Facebook (mit Realnamen) anmeldest?

  • „Ich kann die linke Seite in ihrem Inhalt nicht kontrollieren.“
    Das stimmt nur bedingt, denn ich kann andere bitten, Inhalte über mich zu löschen. Ggf. passiert dies dann auch. Oder ich kann die Inhalte kommentieren und damit indirekt EInfluss auf die Wahrnehmung der Inhalte nehmen.

  • @ulf
    Die Nutzungsbedingungen von Facebook schreiben genau das doch vor und bei Verstößen kannst du rausgeworfen werden… Wenn ich FB für ein in meinem Sinn nützliches Vermarktungsinstrument halte, dann hast du Recht. Bei Facebook ist diese Voraussetzung *für mich* aber nicht gegeben. Ich muss ja nicht überall sein. Datenhaufen gibt es viele. Im Netz trete ich grundsätzlich mit vollem Namen auf. Das ist ein Schutzmechanismus, weil er mich darüber nachdenken lässt, was ich schreibe.

    @ixsi
    Das stimmt bei Facebook z.B. leider wahrscheinlich voll und ganz – zumindest mehren sich gerade die Indizien. Inhalte werden doch gerade nicht gelöscht, sondern allenfalls unsichtbar gemacht – technisch ein gewaltiger(!) Unterschied. Jede einschränkende Profileinstellung beeinflusst z.B. technisch lediglich die Sichtbarkeit(!) von Daten, nie die Existenz(!) der Daten selbst. Die Daten selbst sind doch noch alle da. Das zeigt doch der aktuelle Fall mit der zugeschickten CD.

    Geht auch ganz ohne Facebook:
    Du kannst kannst mich zwar bitten, z.B. einen Kommentar zu löschen, doch ist dieser Kommentar vielleicht schon längst in einem Feedreader (Kommentarfeed) von irgendwem gelandet – also nicht weg, Ich halte es für realistischer, davon auszugehen, dass veröffentlichte Daten sich grundsätzlich(!) meiner Kontrolle entziehen, eben weil das Netz wie ein Borgkubus dezentral und mehrfach redundant organisiert ist. Notfalls bricht irgendwer irgendwann bei irgendwem ein und klaut die Daten, um sie zu verscherbeln – War da nicht was mit Sony?

    Übrigens glaube ich nicht daran, dass das später große Auswirkungen auf z.B. die Chancen auf den Jobmarkt haben wird – wenn es danach ginge, könnte man bald niemanden mehr einstellen – außerdem würde ich als Chef jemanden ganz ohne „Leben“ auch nicht haben wollen.

    Spannend wird es m.E. wahrscheinlich beim Scoring (Kreditwürdigkeit, Bonität), bei der Steuerfahndung, Gesundheit (Krankenversicherung) und bei Strafverfolgungsmaßnahmen (Tracking, Bewegungsprofile) – weil es dort handfeste wirtschaftliche/staatliche Interessen gibt. Da müssen wir als Demokratie gut drauf aufpassen und nicht nachlassen, uns politisch zu engagieren.

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