Heute in der Schule — Paralleluniversum

Ich kom­me in unse­ren Raum und sie trin­ken Tee und mof­feln auf ein paar Mini­bröt­chen her­um. Irgend­wer hat die Kaf­fee­ma­schi­ne ange­wor­fen. Nach ein wenig Small­talk set­zen sich alle in einen Kreis. Dann läuft ein Ritu­al: Jeder erzählt, wel­cher Rest bzw. wel­che Res­te aus dem letz­ten Tagen übrig­ge­blie­ben sind. Dann stellt jeder das vor, was er heu­te zu tun gedenkt. Aus der Grup­pe kom­men Tipps, wel­cher Lern­coach sich z.B. fach­lich in der und der Sache am bes­ten aus­kennt oder wer ein geeig­ne­tes Tool erklä­ren kann, um die selbst­ge­stell­ten Auf­ga­ben mög­lichst effek­tiv anzu­ge­hen. Bei 15 Leu­ten aus vier Jahr­gän­gen dau­ert das ein wenig.

  1. Tarik hat sich bis­her immer vor Mathe gedrückt und sich im Schrei­ben wei­ter­ent­wi­ckelt — Han­ne ist zwei Jah­re älter und kann ihn dabei unter­stüt­zen.
  2. Han­ne hat gera­de ihre Prä­sen­ta­ti­on zum Pro­blem der West­tan­gen­te um unse­re Stadt fer­tig und wird die Prä­sen­ta­ti­ons- und Prä­senz­zeit um 14:00 Uhr für ihren Vor­trag nut­zen. Dabei muss sie natür­lich auch Josie, unser jüngs­tes Stamm­grup­pen­mit­glied anspre­chen. Sie hat in der letz­te Woche viel mit Peter gemacht, der im Web2.0 zu Hau­se ist und Leu­te sowie Tools kennt.
  3. Kin­caid ist gera­de total von der Rol­le. Irgend­wel­che Hor­mo­ne spie­len da ver­rückt. Er gibt in der Prä­senz­zeit nur blö­de Kom­men­ta­re von sich. Sport­coach Jür­gen­sen bie­tet heu­te Kraft­trai­ning an.
  4. Isa­bell kommt mit der Pho­to­me­trie­ge­schich­te zum Kof­fein­nach­weis in ver­schie­de­nen Geträn­ken nicht wei­ter. Ist in dem spe­zi­el­len Fall ohne Kennt­nis­se im Bereich der elek­tro­phi­len Addi­ti­on und der Peri­od­i­de nicht so leicht. Da wer­den wir zwei wohl zu ande­ren zuerst ins Labor gehen. Da gibt es aber auch den Dr. Schmidt — ziem­li­cher Spe­zia­list und als Coach kaum ein­setz­bar, aber eine fach­li­che Iko­ne.

[…]

Der Mor­gen­kreis war heu­te irgend­wie ziem­lich kom­plex in unse­rer Stamm­grup­pe aus 15 Men­schen. Nor­ma­ler­wei­se ste­cken min­des­tens 50% gera­de in irgend­wel­chen Pro­jek­ten und brau­chen eigent­lich nur noch den einen oder ande­ren vor­be­rei­te­ten Stups in die und die Rich­tung. Wir Coa­ches tau­schen uns dazu in vir­tu­el­len, fach­be­zo­ge­nen Räu­men aus, machen ggf. dort gepos­te­te Links und Mate­ri­al­ver­wei­se dem Schü­ler zugäng­lich oder gleich unse­re gan­ze Kon­ver­sa­ti­on. Ein­mal die Woche tref­fen wir uns auch per­sön­lich in der Schu­le in den ent­spre­chen­den Kon­fe­renz­zim­mern.

Vor­mit­tags pen­deln wir zwi­schen ver­schie­de­nen Räu­men und ver­su­chen, bei Pro­jek­ten, tech­ni­schen Pro­ble­men zu hel­fen, spie­len Ver­suchs­ka­nin­chen für neue Prä­sen­ta­ti­ons­tech­ni­ken und haben auch im Auge, dass jeder die zen­tra­len staat­li­chen Prü­fun­gen mög­lichst rund auf die Rei­he bekommt. Dazu schau­en wir regel­mä­ßig in die Port­fo­li­os der Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Glück­li­cher­wei­se muss nicht jeder alle Prü­fun­gen zur glei­chen Zeit able­gen, aber es gibt gewis­se Min­dest­stan­dards in jedem Fach — sowas wie die ver­schie­de­nen Gür­tel in einer Kampf­sport­art. Das Schul­port­fo­li­o­sys­tem reiht die am wenigs­ten kom­men­tier­ten Ansich­ten ganz oben ein, sodass wir Coa­ches immer wis­sen, wem wir wie Rück­mel­dung orga­ni­sie­ren oder geben müs­sen. Neben­bei fal­len uns dabei auch Kon­flik­te und sozia­le Pro­ble­me auf. Wir kön­nen die­se „Bewer­tungs­ar­beit” in unse­rem Büro in der Schu­le oder gar mobil oder von zu Hau­se aus erle­di­gen. Natü­lich erfolgt auch eine Aus­wer­tung unse­rer Arbeit durch das Sys­tem (Ratings der Kom­men­ta­re, Fre­quenz, zeit­li­che Nähe…).

Prä­sen­ta­ti­ons­zeit — Han­ne redet an eini­gen Stel­le über die Köp­fe der ande­ren hin­weg — bekommt ins­ge­samt jedoch ein brauch­ba­res Feed­back. Zoes Bei­trag passt her­vor­ra­gend zu einem der nächs­ten Aula­aben­de — wir geben dem Koor­di­na­tor für das Pro­gramm Bescheid. Tages­ab­schluss­run­de — nur ein kur­zes Blitz­licht zum Stand der Din­ge. Gegen 16:00 Uhr geht es ohne Haus­auf­ga­ben nach Hau­se. Stress hat es heu­te noch mit G. und F. gege­ben — so viel Stress, dass sie mor­gen bei der Eröff­nungs­run­de feh­len wer­den. Unser Sozi­al­päd­ago­ge küm­mert sich mit sei­nem Team um eine Rege­lung wegen der Sach­be­schä­di­gung.

Um 17:00 Uhr schal­te ich mei­ne Schul­hard­ware aus (Mobi­le­Pad). Die Vor­be­rei­tun­gen für den nächs­ten Tag hab ich dank unse­rer Team­bü­ros noch am Tag selbst unter­brin­gen kön­nen, da mei­ne Sprech­stun­de heu­te nur wenig besucht war. Mal sehen, was mor­gen kommt — ach ja: Da ist ein Lebens­mit­tel­la­bor auf das Blog von Isa­bell auf­merk­sam gewor­den — gab schon so man­ches Prak­ti­kum in den Feri­en für SuS dort…

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