Wozu Feinde, wenn man sich selber hat?”

das Zitat stammt von Heinz Rudolf Kun­ze, der es auch ein­mal mit einer Leh­rer­aus­bil­dung ver­sucht hat. Ich habe ein paar Regeln auf­ge­stellt, die ich zumin­dest in Tei­len befol­ge, wenn es mir im Leh­rer­be­ruf gera­de nicht so gut geht. Die­ser sehr rhe­to­risch anmu­ten­de Kunst­griff (die bewusst nega­ti­ve Dar­stel­lung) ist mir im Übri­gen in Zusam­men­hang mit der huma­nis­ti­schen Päd­ago­gik oft begeg­net (z.B. die fünf Regeln, Lie­be zu ver­hin­dern) und sei mir aus die­sem Grund ver­zie­hen.

  1. Nimm es immer per­sön­lich - SuS ken­nen dich als Mensch ganz genau. Dei­ne päd­ago­gi­sche Rol­le als Leh­rer ist in der Schu­le nicht prä­sent. Du gibst dich dort wie zu Hau­se, du spielst nichts. SuS tun dies auch, sie sind „immer” so. Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen wol­len dir mit z.B. dem Ver­ges­sen dei­ner Anlie­gen eins aus­wi­schen. Sie sind nicht genau wie du oft über­las­tet und über­for­dert im Mer­ken all der klei­ne Din­ge, die es im Schul­all­tag zu beach­ten gibt.  Auch eine Nicht­in­for­ma­ti­on ist z.B.  grund­sätz­lich eine absichts­vol­le Hand­lung mit Sys­tem. Die Ver­ant­wor­tung für den Infor­ma­ti­ons­fluss liegt bei den ande­ren. Alles ande­re wäre ent­wür­di­gen­des Bet­teln.
  2. Gib dir zuge­füg­tes Leid wei­ter - wenn du in einer bestimm­ten Situa­ti­on unter einem Kol­le­gen oder einer Kol­le­gin zu lei­den hat­test, dann klä­re den Kon­flikt nicht und sprich nicht über dei­ne Emp­fin­dun­gen dabei. War­te ab, bis du in der Posi­ti­on bist, wo du das dir zuge­füg­te Leid zurück­ge­ben kannst. Wenn es sich beim betref­fen­den Kol­le­gen oder der betref­fen­den Kol­le­gin nicht ergibt, dann musst du SuS neh­men. Stell­ver­tre­ter­krie­ge allein sichern dein emo­tio­na­les Über­le­ben. Alter­na­tiv kannst du die­ses Leid in dir anhäu­fen. Das ist der Königs­weg zum Glück.
  3. Sei nicht soli­da­risch — Jeder muss sei­ne eige­nen Erfah­run­gen mit dem Sys­tem Schu­le machen, gera­de auch jun­ge Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Schu­le besteht bereits so lan­ge, dass man dar­an eh nichts ändern kann, egal wie groß die soli­da­ri­sche Grup­pe irgend­wann wird.  Hal­te dich nicht an Abspra­chen, die zwi­schen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen an dei­ner Schu­le getrof­fen wur­den. Hand­ha­be die Din­ge so, wie du sie für rich­tig hältst. Demo­kra­tie bedeu­tet nicht, dass man die Mehr­heits­ent­schei­dung akzep­tiert und nach außen hin ver­tritt, son­dern ist phi­lo­so­phisch betrach­tet nichts wei­ter als eine Unter­drü­ckung von Min­der­hei­ten durch die Mas­se. Das Leben an einer Schu­le wird durch Kon­se­quenz auch nicht leich­ter.
  4. Ver­wei­ge­re dich dem Neu­en - wenn SuS oder ande­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen sich mit den neu­en Medi­en und  Metho­den  befas­sen, dann sind sie unaus­ge­las­tet. Wenn du Kin­der hast, wirst du ein um so  kom­pe­ten­te­rer Beglei­ter im Umgang mit den neu­en Medi­en sein, je weni­ger du über die neue Welt weißt, je weni­ger du die ihre neu­en Mög­lich­kei­ten nutzt. Das Inter­net z.B.  besitzt zwar wach­sen­de Bedeu­tung — das an sich ist aber schon falsch, weil es uns Men­schen von­ein­an­der ent­frem­det.
  5. Sei nicht initia­tiv — alle um dich her­um kön­nen dei­ne Gedan­ken lesen und wer­den dir zur gege­be­nen Zeit dei­ne Wün­sche und Bedürf­nis­se erfül­len. Du bist nicht ein­ma­lig, ande­re den­ken genau wie du. Eine Schu­le, die du mit­ge­stal­test, wird sich auch dann nicht in eine Rich­tung ent­wi­ckeln, die dich zufrie­de­ner macht. Für jede Ver­än­de­rung, die du umset­zen sollst, muss allein dein Dienst­herr die Mit­tel bereit­stel­len. Vor­her lohnt sich das Nach­den­ken dar­über gar nicht erst.
  6. Hal­te dich fest an dem Nega­ti­ven - wen­de min­des­tens 70% dei­ner Zeit dafür auf, dich über die Per­so­nen in der Schu­le auf­zu­re­gen, mit denen die Zusam­men­ar­beit oder die Gestal­tung eines gemein­sa­men Lern­pro­zes­ses nicht mög­lich ist. Dar­aus gewin­nen wir Men­schen Kraft. Soli­da­ri­tät im Leid und in der Ent­täu­schung ist die Quel­le der Glück­se­lig­keit.
  7. Freue dich nicht - Es gibt nichts am Schul­le­ben, was lus­tig und span­nend wäre. Leis­tungs­be­rei­te SuS gibt es auch nicht. Und wenn es sie gibt, dann erzäh­le nicht zu viel über sie. Das scha­det der Soli­da­ri­tät im Leid und in der Ent­täu­schung.
  8. Ent­wick­le dich nicht - dein Beruf for­dert dir viel mehr ab, als du leis­ten kannst. Du ver­wal­test ohne­hin schon den Man­gel. Ent­wick­lung ist immer eine zusätz­li­che Belas­tung, von der kei­ner glau­ben soll, dass du sie auch noch tra­gen könn­test. Die Inves­ti­ti­on in dich wird nur in den sel­tens­ten Fäl­len auf Dau­er eine Ent­las­tung brin­gen.

Um es deut­lich zu sagen: Ich hal­te kei­ne die­ser Regeln für pro­duk­tiv. Sie gehö­ren für mich aber ganz eng zum Set­up eines Bur­nouts, bzw. ihre Befol­gung kann auf Dau­er bes­ten­falls zu all­ge­mei­nem Zynis­mus füh­ren.

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