Facebook ist mir potentiell zu teuer

Det­lef Teich kom­men­tiert in einer sei­ner neu­es­ten Arti­kel Gedan­ken von Adam Soboc­zyn­ski, ver­öf­fent­licht in der Online-Aus­ga­be der Zeit. Mich bewegt die­ser Kom­men­tar, wie mich auch der Zeit­ar­ti­kel bewegt, der (also der Zeit­ar­ti­kel)  für mich zwar unbe­streit­ba­re struk­tu­rel­le Schwä­chen im Argu­men­ta­ti­ons­gang auf­weist, aber den­noch man­ches beim Namen nennt, was dem „typi­schen Onli­ner” schwer ver­dau­lich sein dürf­te.  Zwei in die­sem Zusam­men­hang beson­ders har­te Bro­cken grei­fe ich her­aus:

Soboc­zyn­ski ana­lo­gi­siert das Web2.0 und dabei ins­be­son­de­re Com­mu­ni­ty­p­latt­for­men wie z.B. Face­book mit einem abso­lu­tis­ti­schen Hof mit den dort übli­chen Umgangs­for­men, die pri­mär auf Reprä­sen­ta­ti­on und Offen­le­gung des eige­nen mate­ri­el­len und intel­lek­tu­el­len Sta­tus abziel­ten. Genau wie an einem sol­chen Hof der zurück­ge­zo­ge­ne Den­ker mit dem Wort „Blöd­heit” und Nicht­ach­tung bedacht wur­de, gilt laut dem Autor für das Web2.0:

Die Behaup­tung, dem Web 2.0 haf­te Demo­kra­tie­freund­lich­keit an, ist ein ver­lo­ge­nes Mar­ke­ting­ver­spre­chen, ist Teil eines uto­pis­ti­schen Ver­blen­dungs­zu­sam­men­hangs. Aus­ge­rech­net die vom Bür­ger­tum seit je miss­trau­isch beäug­te Macht der Rhe­to­rik, das Aus­ein­an­der­klaf­fen von ver­füh­re­ri­scher Form und Inhalt, von Schmuck und Argu­ment, ist der aus­ge­spro­chen unter­halt­sa­me Wesens­kern Sozia­ler Netz­wer­ke. Ihnen ist eine nega­ti­ve Anthro­po­lo­gie unter­legt, die aris­to­kra­ti­schen Selek­ti­ons­me­cha­nis­men folgt: Miss­lie­bi­ge Kon­takt­auf­nah­men klickt man kalt weg, jene, die sich auf­dring­lich oft zu Wort mel­den, wer­den kom­men­tar­los aus­ge­schal­tet. Man bewer­tet Rede­bei­trä­ge umge­hend, indem man anklickt, ob sie einem gefal­len.”

http://www.zeit.de/2009/44/Gesellschaft-Soziale-Netzwerke?page=2

Dar­über muss­te ich als jemand, der sein huma­nis­ti­sches Men­schen­bild oft­mals trie­fend vor sich her­trägt lan­ge nach­den­ken, lan­ge. Ein sol­ches Ver­hal­ten lässt sich struk­tu­rell recht­fer­ti­gen, anders aber kaum. Ein wei­te­rer Punkt sei­ner Ana­lo­gie scheint mir von zen­tra­le­rer Bedeu­tung:

Ihre Fürs­ten sind jene Betrie­be, die erst­mals in der Geschich­te umfas­send das All­tags­ver­hal­ten struk­tu­rie­ren. Face­book gibt die Regeln vor, nach denen eine Freund­schafts­an­fra­ge abge­wehrt wird, ein Link gesetzt wer­den kann oder eine Kon­takt­auf­nah­me voll­zo­gen wird. Der Kon­zern for­ma­li­siert damit für über 300 Mil­lio­nen Nut­zer das sozia­le Leben. Goog­le lie­fert den Algo­rith­mus für Such­ergeb­nis­se, struk­tu­riert Rele­vanz. Die Enzy­klo­pä­die Wiki­pe­dia domi­niert längst ein Wäch­ter­rat, der Ein­trä­ge zen­siert und Qua­li­täts­si­che­rung betreibt. Das Netz ist so umfas­send regle­men­tiert wie die Liber­ti­na­ge in Ver­sailles durch rigi­de Eti­ket­te.”

http://www.zeit.de/2009/44/Gesellschaft-Soziale-Netzwerke?page=2

Wäh­rend ich beim ers­ten Punkt noch eine gan­ze Men­ge an Gegen­rhe­to­rik in Fel­de füh­ren könn­te — so gene­ra­li­sie­rend mag ich das Web2.0 nicht betrach­tet sehen -, muss ich dem Autor beim zwei­ten Punkt über­wie­gend zustim­men, aber kaum einer scheint es zu mer­ken oder wahr­ha­ben zu wol­len, weil es ihn oder sie gna­den­los auf per­sön­li­che Wis­sens­de­fi­zi­te zurück­wirft. Ich erle­be oft erklär­te Onli­ner als „Sur­face­ler” (Ober­flä­chen­nut­zer, Kli­ckibun­ti­men­schen), die die Dis­tri­bu­ti­ons­mög­lich­kei­ten des Net­zes nut­zen, d.h. im Prin­zip Daten, ja sogar Emo­tio­nen usw. in das Netz kopie­ren und dabei erfah­ren, dass in der Inter­ak­ti­on mit ande­ren Men­schen neu­es Wis­sen ent­steht, was „flows” aus­löst. So wider­fährt es mir ja auch. Das ist die eine Sei­te.

Zu oft wird in mei­nen Augen jedoch igno­riert, dass bei die­sem Kopier­vor­gang unzäh­li­ge Spei­cher­vor­gän­ge aus­ge­löst wer­den. Mir wur­de das wäh­rend mei­ner Face­bookan­mel­dung in den letz­ten Tagen wie­der ein­mal bewusst: Face­book schlug mir auf Basis sehr weni­ger Daten eine Viel­zahl von Freun­den vor, mit denen mich tat­säch­lich etwas ver­bin­det. Face­book fragt hem­mungs­los Zugangs­da­ten zu mei­nem E-Mail­ac­count ab, weil das — nur Aus­sa­ge der Ober­flä­che — einer der ver­läss­lichs­ten Wege sei, mir neue Freun­de vor­schla­gen zu kön­nen. Soll­te es sich dabei um einen IMAP-Account han­deln, bekä­me Face­book damit auto­ma­tisch die Chan­ce, mei­ne gesam­te dort befind­li­che Kor­re­spon­denz zu kopie­ren und zu scan­nen — das ist heu­te auch bei tau­sen­den Neu­an­mel­dun­gen kein grö­ße­res Pro­blem mehr, wenn die Such­al­go­rith­men pas­sen. Ein abso­lu­tis­ti­scher Herr­scher hät­te sich über die Scha­tul­le von per­sön­li­chen Brie­fen gefreut, die ihm der treue Höf­ling ein­fach so frei­wil­lig über­reicht. Ab einer kri­ti­schen Höf­lings­mas­se hät­te er deren Inhal­te aber nicht mehr „scan­nen” kön­nen — das ist heu­te dank elek­tro­ni­scher Daten­ver­ar­bei­tung ohne jed­we­des Rele­vanz­kri­te­ri­um in Sekun­den­bruch­tei­len mög­lich. Face­book macht das aber ganz bestimmt nicht (?) und mag hier nur als Bei­spiel die­nen.

Weil ich als Ser­ver­ad­mi­nis­tra­tor weiß, was mit einer SMTP- oder IMAP-Ses­si­on mög­lich ist und was im Hin­ter­grund dabei tech­nisch geschieht, bin ich in der Lage, die Gefah­ren ein­zu­schät­zen und zu bewer­ten. Ein „Sur­face­ler” kann das nicht. Er weiß nicht, wel­che Mög­lich­kei­ten heu­ti­ge Daten­bank­sys­te­me bezüg­lich der Ver­knüp­fung von Daten bie­ten, er läuft daher Gefahr, sich schnell trei­ben und von ande­ren „Sur­face­lern” mit ihren Ver­hal­tens­wei­sen mit­zie­hen zu las­sen.  Dabei kann im Extrem­fall das dabei her­aus­kom­men. Dar­auf direkt ange­spro­chen höre ich sehr oft fol­gen­de Argu­men­te:

  1. Die­ser Pro­zess ist nicht auf­zu­hal­ten. Man muss mit sei­nem Online­pro­fil und den ver­knüpf­ten Daten leben.
  2. Es ist zu auf­wän­dig, unter die Ober­flä­che zu schau­en. Ich will bunt, ich will anwen­den, ich will Inhal­te dis­tri­bu­ie­ren, ich will gemein­sam mit ande­ren etwas schaf­fen, was ohne das Netz nie mög­lich wäre. Auf­wand und Nut­zen­ab­wä­gung.
  3. Schau auf die Mög­lich­kei­ten, schau auf die Erfol­ge.

Es ist rich­tig, dass das Netz Pro­zes­se im Bereich der Infor­ma­ti­on lösen und damit Ent­wick­lun­gen ermög­li­chen kann, die vor dem Netz für „ganz nor­ma­le Leu­te” nicht denk­bar gewe­sen wären. Es ist rich­tig, dass das Netz ob sei­ner Neu­heit und Schnel­lig­keit Hoff­nun­gen weckt in Rich­tung einer Neo­de­mo­kra­ti­sie­rung der Gesell­schaft „from the bot­tom”.

Rich­tig ist aber auch — und dar­in stim­me ich mit Soboc­zyn­ski über­ein — , dass die Onli­ner und ins­be­son­de­re die „Sur­face­ler” nicht die Archi­tek­ten der Sys­te­me sind, die ihnen die­se Dis­tri­bu­ti­on von allem Mög­li­chen rea­li­sie­ren hel­fen. Ohne die gewitz­ten Ent­wick­lungs­ab­tei­lun­gen der „neu­en Fürs­ten” wären wir nichts und hät­ten kei­ne kos­ten­lo­sen Platt­for­men.

Moment mal: Kos­ten­los? Es gibt eine neue Wäh­rung: Die Infor­ma­ti­on. Die­se wird ver­wen­det, um min­des­tens bedürf­nis­ge­recht zu wer­ben. Ich wür­de ger­ne in den Kon­zern­zen­tra­len ein­mal Mäus­chen spie­len, um her­aus­zu­fin­den, wie dort über den „Sur­face­ler” gedacht wird. Frü­her war es ja noch so, dass der Kun­de direkt für den Umsatz und damit das Wohl­erge­hen einer Fir­ma ver­ant­wort­lich war. In den gro­ßen Com­mu­nities sind nicht die „Sur­face­ler” in die­sem Sin­ne Kun­den, nein, es sind die Unter­neh­men, die auf die­sen Platt­for­men wer­ben.  Dafür zah­len die Onli­ner mit Con­tent, per­sön­lich oder anders. Mit Infor­ma­tio­nen eben. „Die neu­en Fürs­ten” schaf­fen nicht aus Nächs­ten­lie­be Ober­flä­chen für uns, son­dern aus wirt­schaft­li­chen Über­le­gun­gen her­aus. Die Platt­for­men müss­ten nicht in die­ser Wei­se han­deln, wenn jeder ein­ge­speis­te Infor­ma­ti­ons­schnip­sel Geld kos­ten wür­de — er ver­ur­sacht ja rea­le Kos­ten (Strom, Fest­plat­ten­platz, Traf­fic…). Wir Onli­ner soll­ten ein­mal mehr dar­über nach­den­ken, wel­chen Preis die „Alles-Kostenlos”-Mentalität hat und was wir dar­an ändern kön­nen — in unse­rem Sin­ne. Denn den Preis kann offen­bar kei­ner rich­tig abschät­zen.

Ich emp­fin­de mit die­sem Blick­win­kel wie­der tie­fe­re Zunei­gung gegen­über geschlos­se­ne­ren Umge­bun­gen, ins­be­son­de­re auch geschlos­se­nen Lern­um­ge­bun­gen wie z.B. Mood­le und Maha­ra mit ihren quell­of­fe­nen Ansatz — jede Zei­le Code, jeder Infor­ma­ti­ons­fluss ist offen ein­seh­bar — bei der Vari­an­te von Goog­le­Wa­ve für den eige­nen Ser­ver wird das hof­fent­lich auch so sein, sonst hät­te es an die­ser Stel­le kei­nen Arti­kel dar­über gege­ben. Bereits über das Mood­le­Net­work (MNET) mache ich mir aber unter die­sem Gesichts­punkt schon wie­der Gedan­ken.

Sol­len wir uns jetzt aus den sozia­len Net­zen zurück­zie­hen? Ja und Nein.

Ja mit unse­rer bevor­zug­ten Joghurt­mar­ke, unse­ren sexu­el­len Vor­lie­ben, unse­ren Krank­hei­ten, unse­ren fami­liä­ren Ver­hält­nis­sen, unse­ren Essens­zei­ten, unse­rer Ein­kom­mens­grup­pe usw. — und wenn das jemand tut, dann darf er/sie sich auch nicht gegen Über­wa­chung durch den Staat auf­re­gen — wie es vie­le Kli­schee-Onli­ner tun. Man­che Twit­ter­bot­schaft klin­gelt in mei­nen Ohren genau so auf­dring­lich wie das öffent­li­che Han­dy­ge­spräch eines Unbe­kann­ten — ich will gar nicht so viel wis­sen.

Nein mit allen Daten, die ein Bild von unse­rer Per­sön­lich­keit zulas­sen, was wir not­falls auch in 20 Jah­ren nach einer stei­len Kar­rie­re noch ertra­gen könn­ten. Und das dürf­te gele­gent­lich schwer zu ent­schei­den sein, weil uns unser Gel­tungs­drang und unse­re Sehn­sucht nach Ver­bun­den­heit dort immer wie­der einen Strich durch die Rech­nung machen.

Soboc­zyn­ski klang für mich nach ein­ma­li­ger Lek­tü­re zunächst wie ein „Off­li­ner”, wie ein ent­täusch­ter klas­si­scher Jour­na­list, der durch das Inter­net sei­ne Fel­le hin­fort­schwim­men sieht. Nach mehr­ma­li­ger Lek­tü­re fin­de ich den Argu­men­ta­ti­ons­an­satz mit dem abso­lu­tis­ti­schen, höfi­schen Leben eigent­lich über­den­kens­wert in sei­nen Ana­lo­gi­en, auch wenn ich vie­les davon wahr­lich nicht ger­ne gele­sen habe.

Es ist wird immer wie­der not­wen­dig sein, aus dem Sys­tem her­aus­zu­tre­ten und es unter eine ande­ren Blick­win­kel zu betrach­ten. Mir hilft dabei mein tech­ni­sches Know-How teil­wei­se — ich sehe auch die DBMS-Struk­tu­ren und die Pro­to­kol­le hin­ter der bun­ten Ober­flä­che. Auf die­se Wei­se wird ein „Sur­face­ler” — womög­lich einer, der nach Kom­pe­ten­zen schreit — die­sen Abstand nie gewin­nen, son­dern nur durch Wis­sen. Und genau die­ses Wis­sen ver­mis­se ich sehr oft so sehn­lichst gera­de bei man­chem, der im medi­en­päd­ago­gi­schen Bereich tätig ist. Da ist oft schon die SSL-Kon­fi­gu­ra­ti­on des neu­en IMAP-Accounts eine Über­for­de­rung — trotz Anlei­tung.

Face­book ist mir per­sön­lich nach weni­gen Tagen schon zu teu­er gewor­den, zu teu­er bezo­gen auf die Wäh­rung „Infor­ma­ti­on”. Ich kann auf mei­ne Daten in die­sem Netz­werk nicht mehr in der Wei­se auf­pas­sen, wie ich es mir vor­ma­che zu wol­len. Des­we­gen ver­ab­schie­de ich mich aus Face­book. Face­book ist mir zu teu­er.

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8 Kommentare

  • Hal­lo Maik,

    ohne staat­lich-gesell­schaft­li­che Rah­men­be­din­gun­gen kön­nen der­zeit Unter­neh­men ihre Geschäfts­mo­del­le aus­bau­en, die den zivi­li­sa­to­ri­schen Errun­gen­schaf­ten in man­chen Tei­len etwas ent­ge­gen ste­hen. Ande­rer­seits bie­ten sie uns auch Instru­men­te, die wir lan­ge gesucht haben. Maslow lässt grü­ßen…

    Für mich steht weni­ger die Fra­ge im Raum, raus oder rein, son­dern: Wie gestal­ten? Auf den aktu­el­len Arti­kel von netzpolitik.org möch­te ich daher hin­wei­sen, der kurz nach Dei­nem Bei­trag im RSS-Feed auf­ge­schla­gen ist und sich gut ergänzt.

    http://www.netzpolitik.org/2009/forderungskatalog-soziale-netzwerke/

    Herz­li­che Grü­ße,

    Felix

  • Da sind uns einig. Die Fra­ge der Gestal­tung habe ich auch ver­sucht im Ja/N­ein-Block auf­zu­grei­fen.

    Ent­schei­dend ist für mich:
    Wir wis­sen nicht, was Face­book z.B. mit den Zugangs­da­ten zum Mail­ac­count macht und wir wer­den es auch nie wis­sen (ich als Admin habe eine vage Ahnung bezüg­lich der Mög­lich­kei­ten) — egal unter wel­chen staat­lich-gesell­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen. Der For­de­rungs­ka­ta­log von netzpolitik.org ist nicht zu ver­wirk­li­chen, ohne dass die Platt­form­be­trei­ber gegen ihre eige­nen Inter­es­sen han­deln.

    Als auf­ge­klär­ter Nut­zer muss man die AGB vor­her lesen und ver­ste­hen — nicht nut­zen, nut­zen, nut­zen ( = Maslow füt­tern) und dann sagen: „Oh, *das* geht jetzt aber nicht!” Klar geht das. Den Haken habe auch ich selbst gesetzt und auf „ok” geklickt. Die Daten habe ich frei­wil­lig zum Anbie­ter kopiert. Und jetzt dar­über jam­mern?

    Wir wis­sen und kon­trol­lie­ren fer­ner nicht, wel­che Infor­ma­tio­nen Drit­te in sozia­len Netz­wer­ken über uns preis­ge­ben — ich habe da gera­de ein Bei­spiel aus einer loka­len Com­mu­ni­ty, wo eine Schü­le­rin in ihrem Tage­buch gefragt wur­de, ob das Schwän­zen von Schul­stun­de X bei Kol­le­ge Y am Tag Z Sinn gemacht hat.

    Der Staat, die Gesetz­ge­bung oder die Gesell­schaft wer­den es nicht rich­ten. Wir sehen das gera­de in einem ande­ren Wirt­schafts­zweig. Ich möch­te wesent­li­che Infor­ma­tio­nen selbst kon­trol­lie­ren kön­nen — nen­ne es infor­mel­le Auto­no­mie. Dazu sehe ich aus Sicht eines Tech­ni­kers in sozia­len Netz­wer­ken zur Zeit kei­ne Mög­lich­keit.

    Natür­lich befrie­di­gen sozia­le Netz­wer­ke Grund­be­dürf­nis­se — ein Sei­ten­sprung tut das auch. Letz­te­ren kann ich bezüg­lich der Fol­gen inner­halb eines gewis­sen Rah­mens abschät­zen. Das kann ich bezo­gen auf den Fluss der Infor­ma­tio­nen in sozia­len Netz­wer­ken nicht ein­mal in einem gewis­sen Rah­men.

    Viel­leicht bekommst du irgend­wann für einen Kre­dit nur einen schlech­ten Zins­satz und weißt nicht war­um. Viel­leicht wen­det dir die Frau dei­ner Träu­me dir nach Recher­che bei einem „Dienst” den Rücken zu.

    Viel­leicht zeigt die Zukunft, dass ich para­no­id bin. Das wäre schön. Mei­ne wirk­lich pri­va­ten Mails kom­men auf einem Ser­ver an, den ich auf­ge­setzt habe und als root kon­trol­lie­re.

  • Ralf Hilgenstock

    Dan­ke, Maik.

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  • Dan­ke für die­se Gedan­ken. Ich sehe vie­les ähn­lich. Es bleibt die Grat­wan­de­rung zwi­schen opti­ma­lem Daten­schutz (kei­ne Daten preisgeben/erfassen) und der neu­ro­na­len Ver­net­zung unse­rer den­ken­den Gehir­ne, wodurch jedoch auch die Per­sön­lich­keit offen­bar wird.

    Wich­tig ist mir auch, dass, so wie Du die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten nur durch dei­ne Erfah­rung beur­tei­len kannst, genau­so die sozia­len Poten­zia­le erst durch die Nut­zung (also per­sön­li­che Preis­ga­be mit­tels Wäh­rung Infor­ma­ti­on) abschätz­bar wer­den. Und erst dann kann jeder wirk­lich bei­des gegen­ein­an­der abwä­gen.

    Geschüt­ze Umfel­der, in denen aber Ver­net­zung statt­fin­den und pro­biert wer­den kann, blei­ben erst noch wich­tig. Auch ich möch­te wei­ter­hin mei­ne Mails, mei­ne mood­le-Inhal­te oder zukünf­tig maha­ra- oder open­goo-Inhal­te auf einem eige­nen Ser­ver haben.

    Und idea­ler­wei­se wären zumin­dest per­sön­li­che Kom­mu­ni­ka­tio­nen (E-Mail) ver­schlüs­selt. Wer ver­schickt denn schon Pro­to­kol­le per Post­kar­te? Kei­ner! Aber per Mail wird brav für alle Netz­werk­ver­kehr­be­glei­ter (und das sind nicht nur die Sys­ad­mins und Pro­vi­der­be­diens­te­te) im Klar­text getip­pert.… Aber in den letz­ten drei Jah­ren habe ich zwei ver­schlüs­sel­te Mails erhal­ten und drei geschrie­ben. Auch hier ist das Poten­zi­al nicht aus­ge­schöpft. Oder ist Mail­ver­schlüs­se­lung ein Zei­chen für ille­ga­le Inhal­te und Para­noia?

  • Oder ist Mail­ver­schlüs­se­lung ein Zei­chen für ille­ga­le Inhal­te und Para­noia?”

    Der 0815-Nut­zer ist ver­zwei­felt, weil er nicht weiß, wie er einen öffent­li­chen Schlüs­sel in sein Sys­tem impor­tie­ren kann. Ver­schlüs­sel­te Mails kann also nicht jeder lesen bzw. man­cher will es nicht kön­nen und auch nicht ler­nen, wie man es kann. Daher kann ich bis­her die meis­ten Mails nicht ver­schlüs­seln.

    Die Analogie/das Mail­bei­spiel hinkt für mich an einer Stel­le: Ein durch­schnitt­li­cher Mail­ser­ver spei­chert in der Grund­kon­fi­gu­ra­ti­on Ver­bin­dungs­da­ten wie Absen­der, Zeit der Ein­lie­fe­rung etc. Eine Spei­che­rung des Inhalts (Body) ist zunächst ein­mal nicht vor­ge­se­hen und muss expli­zit vom Admin imple­men­tiert wer­den. Du kannst dir das auf dei­nem Ubun­tu­ser­ver unter /var/log/mail.info usw. als Log anse­hen. Um Nach­rich­ten­in­hal­te von Nut­zern zu spei­chern, hand­le ich als Admin immer vor­sätz­lich, weil ich es dem Mail­ser­ver expli­zit sagen muss, das zu tun.

    Ein Daten­bank­ser­ver spei­chert per Default *alles* und ich muss als Admin müh­sam Fil­ter imple­men­tie­ren, die das ver­hin­dern. Weil das ja immer so toll gelingt, gibt es in kei­ner Com­mu­ni­ty Spam oder rechts­ra­di­ka­le Inhal­te oder, oder, oder… D.h. selbst dort, wo es im Inter­es­se des Anbie­ters ist zu fil­tern, gelingt es meist nur sub­op­ti­mal. Das ist also ein ande­rer Ansatz.

    Dei­ne ein­ge­speis­ten Daten nüt­zen dir bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on und beim Auf­bau eines Netz­wer­kes. Das ist für einen Anbie­ter jedoch sekun­där. Dei­ne Daten müs­sen vor allen Din­gen pri­mär ihm nut­zen, damit er betriebs­wirt­schaft­lich exis­tie­ren kann. Das muss man mal so nüch­tern sehen, wenn man es kos­ten­los haben will. Des­we­gen wird der Anbie­ter es auch dar­auf anle­gen, dich an ihn zu bin­den, durch z.B. Fea­tures, eine net­te Ober­flä­che, an die man sich gewöhnt usw.. Kun­den­bin­dung. Das hat für mich dann irgend­wann nichts mehr mit Frei­heit zu tun.

    Vor mei­ner Bash bin ich noch frei — aber eben auch ein wenig allei­ne. Genau dazwi­schen gilt es abzu­wä­gen.

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