Der eigene Waveserver

Ja – ihr lest richtig: Google Wave ist als Google Wave Federation Prototype Server erhältlich und jeder kann ihn sich auf einen Server seiner Wahl installieren (fundierte Linuxkenntnisse und Rootrechte vorausgesetzt). Da Google mutmaßlich noch nicht den Ruhm für sich teilen und das Gegiere nach Waveaccounts (ich hab‘ keinen – schnüff…) sowie den damit verbundenen Hype unterbinden möchte, enthält die Servervariante noch keinen Webserver, sondern nur eine für Freaks geeignete Textkonsole.

Trotzdem könnte man jetzt schon mit diesem System eigene bunte Clients kreieren, d.h. selbst wenn Google den Fullfeatured-Server nicht freigibt, wird es im OpenSource-Bereich Leute geben, die das entwickeln werden. Die Installation ist im Übrigen überhaupt nicht schwer und für jeden durchschnittlich begabten Debianderivatnutzer in einer Stunde hinzubekommen. Der Ergebnis ist natürlich (noch) enttäuschend, da für eine richtige Nutzung der Textkonsole immens viel Dokustudium angesagt ist. Installieren und zum Laufen bringen kann ich dieses stark reduzierte Wave. In der bis her möglichen Art und Weise bedienen mag ich es nicht – gemeint ist immer die frei installierbare Form – selbst mir Konsolenjunkie ist der mitgelieferte Client dafür zu spartanisch.

Google Wave arbeitet als eine Art Plugin für Openfire, einem XMPP-Server, der Benutzerdaten aus LDAP-Verzeichnissen oder MySQL-Tabellen lesen kann. Damit wäre Wave dann auch in geschlossenen Intranets sinnvoll nutzbar. Meine Schule wird zumindest technisch in diesen Genuss kommen, sobald die endgültige Servervariante freigegeben ist. Ich glaube, dass dann der Zeitpunkt eintritt, wo meine Reise von Moodle oder Mahara fortgeht – bevor ich diese Länder vollständig erkundet habe.  Moodle und Mahara werden mit Wave für mich endgültig zu  Werkzeugen unter vielen – wenngleich zu wertvollen Werkzeugen. Wave ist sehr nahe am Konzept von sozialen Netzwerken und damit vielen SuS von der Bedienung her nahe. Wave führt endlich die dagegen fast archaisch anmutende E-Mail mit Feeds, Dateien, Twitter- und Facebookaccounts zusammen.  Endlich gibt es eine Chance, nicht im Netz der neuen Möglichkeiten zu versinken, endlich alles an einem Ort aggregieren –  wohlgemerkt: nicht bei der „bösen Tante Google“, nein, auf dem eigenen Server.

Wave reißt aber auch gnadenlos die Schere zwischen Menschen auf, die das Medium E-Mail gerade erst erkunden und solchen, die es hinter sich lassen, die es überwinden werden. Vor diesem Hintergrund wird es sich auch weiterhin lohnen, Inhalte und didaktische Konzepte für heute moderne Lernumgebungen bzw. Portfoliosysteme zu erstellen und zu testen. Nur sie können in meinen Augen die sehr notwendige Brücke bilden und somit die Schere schließen helfen, z.B. auch dadurch, indem man die Dateisysteme eines Waveservers und z.B. Moodle miteinander verknüpft. So kann die Datei eines Moodlekurses zu einer Wave werden…

Achja: Suche dringend Wave-Invite, um den Prototype Server hinsichtlicht seiner Integrationsfähigkeit mit Moodle zu testen.

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3 Kommentare

  • Spannend! Bin gespannt, wo Du auf Deiner Wellenreise landest ;-)
    Auf ein invite warte ich – trotz Mehrfachanmeldung – immer noch… Allerdings nagt da irgendwo trotzdem der kleine, zarte Zweifel, ob die Sache nicht ein wenig zu sehr gehypt wurde / wird. Im Moment fehlt mir noch ein wenig die didaktische Phantasie, um mir eine realistische Einbindung in unterrichtliche Zusammenhänge vorzustellen – aber das kann sich ja ändern, wenn man erste eigene Erfahrungen macht. Ich vermag auch (noch) nicht zu sehen, inwiefern das eine Alternative zu strukturierten Umgebungen wie Moodle / Mahara sein kann – zu unterschiedlich der Ansatz. Ergänzung? Ja. Einsatz für völlig andere Szenarien? Sicher. Alternative??? Bitte recht verstehen – ist keine prinzipielle Ablehnung, eher Skepsis und (vielleicht) doch recht traditionelle Lehr- und Lernauffassungen – obwohl ich mir da nicht sicher bin :-). Besser vorstellbar erscheint mir da im Moment z.B. ein Dreigestirn aus Moodle / Mahara / GoogleApps. Wenn letzteres dann auch noch auf dem eigenen Server laufen könnte… Wobei sich da gerade verstärkt die Frage nach dem Zusammenbinden / Aggregieren stellt. Wenn das die Wave leisten könnte…

    • Bei dem von dir aufgezählten Dreigestirn (Moodle/Mahara/GoogleApps) könnte Wave auf jeden Fall den letzten Stern ersetzen und sollte es meiner Meinung nach aus Datenschutzüberlegungen heraus sogar. Ich habe schon vor ungefähr einem Jahr erste Artikel gesehen, die Moodle und Mahara lediglich als Zwischenformen ansehen, die bald „überwunden“ sein werden. Ich denke gerade daran herum und bin bisher der Auffassung, dass wir diese „Zwischenformen“ noch längere Zeit brauchen werden, allerdings aus Gründen, die den Moodle- und Maharaanwendern nicht gefallen dürften – bald mehr dazu.
      Was wir angesichts der kommenden Informationsfluten beherrschen lernen müssen, ist Unklarheit, Vielfalt und die daraus erwachsende Unsicherheit. Genau dafür scheint Wave wie gemacht, da es helfen könnte, Ordnung in das informelle Chaos zu bringen, Formen wie Moodle stellt für mich eher ein Ausweichen vor der Flut dar, einen Schutzraum, der für erste Gehversuche unentbehrlich sein wird. Mahara ist ja im Prinzip auch „nur“ ein contentlastiger Communityaccount, bloß stärker geschützt.

  • Pingback: Facebook ist mir potentiell zu teuer - riecken.de - Gedanken zu Bildung, Lehre und Schule

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