Nein, SuS sollen nicht lernen, das Netz zu benutzen…

… sie sol­len ler­nen, sich als mün­di­ge Netz­bür­ger zu ver­hal­ten und am Netz zu par­ti­zi­pie­ren, indem sie z.B. auch neu­es Wis­sen schaf­fen und ande­ren Men­schen zugäng­lich machen. „Har­ves­ter” — d.h. Leu­te, die haupt­säch­lich im Netz Know-How abgrei­fen ohne dafür auch nur eine ide­el­le Gegen­leis­tung abzu­lie­fern (und wenn es nur eine gewis­se Mühe bei der For­mu­lie­rung von Fra­gen in z.B. Foren ist), gibt es schon genug. Jeder, der sich aktiv in Foren oder Com­mu­nities betä­tigt, soll­te das Phä­no­men ken­nen, dass zu Zahl der Hil­fe­su­chen­den die Zahl der Hil­fe­ge­ben­den oft um Poten­zen über­steigt — das ist in Ord­nung, wenn die Hil­fe­su­chen­den an ande­rer (inhalt­li­cher) Stel­le ihr eige­nes Wis­sen und ihre eige­nen Kom­pe­ten­zen wei­ter­ge­ben.

Es kann für mich daher nicht dar­um gehen, SuS allein mit den Kom­pe­ten­zen aus­zu­stat­ten, das Netz zu „benut­zen”. In mei­nen Augen muss der Weg sein, SuS anzu­lei­ten, das Netz zu gestal­ten mit ihren Ide­en, Visio­nen und Inhal­ten. Das geht für mich Hand in Hand: Denn wer erlebt, dass sein Wis­sen etwas wert ist — etwa weil es oft abge­ru­fen wird — der wird auch eher bereit sein, sei­ne Bemü­hun­gen auf die­sem Bereich zu inten­si­vie­ren, was letzt­lich sei­ne eige­ne Repu­ta­ti­on stärkt: Er ist im Netz ver­tŕe­ten, nicht allein als Kon­su­ment, son­dern als Prosument.

Wie begin­nen? Har­ves­ter sind 1.0 — wer 2.0 errei­chen möch­te, muss in ers­ter Linie Vor­bild sein, weil man — so man authen­tisch blei­ben möch­te — SuS nichts abver­lan­gen darf, was man selbst nicht zu leis­ten bereit ist. Pros­umie­ren wir das Netz. Das kann jeder in jeder Alters­tu­fe: Ob man nun mit Lego­männ­chen Lori­ots­ket­che nach­stellt, Musik­stü­cke mit eige­nen Vide­os unter­legt oder sonst­was. Alles ist mög­lich. Erst geschützt und reflek­tiert (z.B. Mood­le), dann öffent­lich mit öffent­li­chem Feed­back (z.B. Blog, Twit­ter…).

Facebook Like

3 Kommentare

  • Stim­me voll­kom­men zu. Dein Post kommt genau zur rich­ti­gen Zeit — ich wer­de ihn als Diksus­si­ons­auf­hän­ger nut­zen mit den Schü­lern, die gera­de anfan­ge, in Natur­wis­sen­schaft und Tech­nik und blog­gen. Dan­ke.

  • Genau so sehe ich das auch: Habe für mei­ne Lern­grup­pen ein MOod­le, was Ver­öf­fent­li­chungs­wert ent­wi­ckelt, kommt bei Zustim­mung der Ler­nen­den anonym oder mit Namens­nen­nung in den Show­room (WPmu) — mehr: http://www.HeilMile.de

  • Ich stim­me Dir voll­kom­men zu! Ja, Prosumen­ten SOLLEN wir nicht nur wer­den, son­dern WOLLEN wir eigent­lich auch alle. Jeder Mensch hat das Bedürf­nis, an wesent­li­chen Auf­ga­ben (für die Gesell­schaft) zu arbei­ten. Das schlägt sich auch dar­in nie­der, dass wir alle auf Aner­ken­nung ange­wie­sen sind. Das „Selbstwirksamkeitserfahrungs”-Konzept von Band­ura und vie­le ande­re arbei­ten mit die­ser Erkennt­nis. Dass es so ist, kann man ganz leicht am gestei­ger­ten Enga­ge­ment und der Begeis­te­rung von Schü­lern sehen, die an soge­nann­ten „ech­ten” Pro­jek­ten (Ser­vice-Learning) arbei­ten dür­fen. „Echt” heißt: Wird wirk­lich aktu­ell von jeman­dem gebraucht und ist nicht bloß fik­tiv zum Ler­nen und danach für die Ton­ne.
    Woher kommt es also, dass man die Leu­te erst mit mora­li­schen Appel­len auf­for­dern muss, ihren Bei­trag zu leis­ten (sei’s im Netz, sei’s f2f in der Kom­mu­ne)? Viel­leicht hat es etwas damit zu tun, dass wir unter Par­ti­zi­pa­ti­on bis­lang immer nur ver­ste­hen, alle 4 Jah­re ein Kreuz­chen machen zu dürfen/zu SOLLEN als Bür­ger­pflicht. Auch ist es in der Schu­le bis vor nicht all­zu lan­ger Zeit nicht gelit­ten gewe­sen zu spre­chen, wenn man nicht gefragt war. Wie soll­te man da ler­nen, aus eige­nem Antrieb etwas bei­zu­tra­gen? — Es wird also noch dau­ern, bis es selbst­ver­ständ­lich für alle ist, eben­so als Pro­du­zent wie als Kon­su­ment in der Öffent­lich­keit auf­zu­tre­ten. Aber man sieht schon immer mehr davon …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.