Abi in NDS: Deutsche Sprache der Gegenwart

Mit diesem thematischen Schwerpunkt haben wir seit langem wieder einmal ein germanistisches Thema auf dem Zettel stehen. Das finde ich eigentlich gar nicht so schlecht. Mich nervt daran zur Zeit eigentlich nur das Wort „Gegenwart“. Ich glaube, dass man nicht so einfach sagen kann: „Och, schauen wir uns einmal Varietäten (z.B. innere Mehrsprachigkeit) oder die Rolle der deutschen Sprache im europäischen Kontext an“ (genau auf diesem Level macht der vorgesehene thematische Schwerpunkt Schluss) ohne dabei zumindest in Grundzügen auf Prinzipien der Sprachgeschichte und Phonetik einzugehen. Das Erstere ohne das Letztere passt natürlich trefflich in die Kompetenzschiene, fraglich bleibt jedoch für mich dann der ebenso wichtige wissenschaftpropädeutische Anspruch der gymnasialen Oberstufe.

Klar kann man trefflich über Dialekte oder Gruppensprache „reden“, schlaue Sachtexte dazu lesen von Leuten, die dieses oder jenes Sprachempfinden haben. Das ist in meinen Augen aber ein „Drüber-Sprechen“, mit dem man allenfalls argumentatives Schreiben und den Umgang mit Sachtexten übt – eben Kompetenzen, die aber auch mit jedem anderen beliebigen Inhalt zu erreichen sind. Aber wäre es nicht netter – und meiner Meinung nach auch motivierender – wenn man nebenbei auch noch lernt, warum es eigentlich z.B. Dialekte gibt, warum wir Isländisch sogar ein wenig lesen können, z.B. bei Polnisch aber passen müssen? Bei der Herausbildung der Dialekte sind schließlich ähnliche Mechanismen am Werke gewesen, wie sie bei der heutigen Ausdifferenzierung in den Jargonssprachen immer noch wirksam sind. Auch die Parallelen von „open“ (engl.) und „offen“ (dt.) bedürfen nur einen Hauch Sprachgeschichte zur Erklärung.

Daher habe ich mir einen kleines Arsenal an Materialien für das kommende Halbjahr in 13.1 zugelegt:

[1] Klösel, Horst: „Deutsche Sprache der Gegenwart“, bei: Klett, Stuttgart 2009

Für die die reine Kompetenzvermittlung dürfte dieses mit reichhaltigen Materialien ausgestattete Arbeitsheft absolut genügen. Es sind alle verbindlichen Texte mit modernen Aufgabenstellungen enthalten. Teuer ist das Heft zudem auch nicht ( 8.75 Euro ) und daher ist sogar zu überlegen, ob man nicht SuS das Ganze anschaffen lässt.

[2] Wiese, Harald: „Eine Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Sprache“, bei: Logos, Berlin 2007

Ich bin durch Literaturverweise auf Wikipedia auf dieses Werk gekommen. Harald Wiese liefert genau das Material, was ich damals in meinem Germanistikgrundstudium dringend gebraucht hätte: Er vernetzt Phonetik und Sprachgeschichte, zeigt historische wissenschaftliche Entwicklungen auf und leitet eine Fülle von Wörtern her. Dabei verwendet er eine klare Terminologie, verzettelt sich meiner Ansicht nach jedoch hin und wieder in eine Fülle von Einzelbeispielen. Die für das kommende Halbjahr meines Erachtens wichtige 2. Lautverschiebung wird sehr kompakt und verständlich abgehandelt.

[3] Blogartikel „Sprachgeschichte“ bei Herrn Rau

Thomas Rau hat hier seine Einheit zum Thema Sprachgeschichte sehr schön dokumentiert. Viele Ideen und Quellen lassen sich daraus übernehmen oder variiert anwenden. Ich werde mir erlauben, die eine oder andere Aufgabenstellung sogar zu plagieren (aber natürlich mit Quellenangabe).

[4] Artikulationsort (Wikipedia)

Ich weiß nicht, ob ich wirklich dazu komme, über Phonetik zu sprechen, aber zur Vorbereitung im Hintergrund kann es mit Sicherheit nicht schaden, dass z.B. der Weg vom „p“ zum „f“ bei der zweiten Lautverschiebung zumindest physisch gar nicht so weit ist, wie es im Schriftbild erstmal erscheint. Das wäre allerdings eine nette Geschichte für die LdL-Methodik.

Ich denke, dass ich mit dem hier zusammengestellten Material erstmal eine Weile überleben werde. Kürzlich habe ich sogar Dinge wie den guten alten Schweikle und Unterlagen aus Unizeiten wieder reaktiviert. Als Klausur kann ja fast nur irgendwas in die Richtung „Erörterung“ / „Stellungnahme“ / „Kommentar“ kommen. Ob den Zentralabimachern zu diesem thematischen Schwerpunkt mehr einfallen wird? Obwohl – man könnte natürlich gut an dem Gebrauch der Sprache im sozialen Drama anbinden – das wäre dann ja wirklich nett und anspruchsvoll als Aufgabenstellung…

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2 Kommentare

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  • Laura

    Hallo,
    Ich bin jetzt auch mitten im Abistress und unter meinen Leistungskursen befindet sich ebenfalls Deutsch. Wir haben uns auch in unserem Leistungskurs darüber ausgetauscht ob das Schwerpunktthema Deutsche Sprache der Gegenwart ein interessantes und sinnvolles Abithema ist, jedoch sind wir zu dem Schluss gekommen, dass andere Themen durchaus besser gewesen wären.
    Meiner Meinung nach ist es wichtiger für uns Abiturienten eine epochenzeitliche Einordnungen bei Prosatexten und Lyrik durchführen zu können. Infolgedessen hätte ich es interessanter und wichtiger gefunden die Epochen als Schwerpunktthema zu behandeln.Zwar ist es mir möglich durch das Behandeln des Werthers und Prometheus nun Gesdichte und Texte in die Empfindsamkeit, den Sturm und Drang und auch in die Romantik einzuordnen, allerdings blieb durch das letzte Schwerpunktthema keine Zeit weitere Epochen zu lernen.

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