Werbende Schulbuchverlage

Ich bin ja nun schon ein Weilchen Lehrer. Ich habe schon nach wenigen Jahren fast aufgehört, Materialien bei Schulbuchverlagen zu bestellen oder deren Werbebriefe zu öffnen. Ganz schlimm war das im Referendariat, als ich fast täglich mit Post von diversen Verlagen bombardiert worden bin. Wenn ich nunmehr etwas benötige, gehe ich auf Raubzug zu Messen oder in die Läden der Verlage. In der Regel schnappe ich Ideen bei Kolleginnen und Kollegen auf. Trotzdem quillt nach wie vor mein Fach über von Werbebriefen – mit dem Eintritt in einen Berufsverband wurde das erst richtig schlimm.

Den völligen Hals bekomme ich dann, wenn ich wirklich ausnahmsweise einmal etwas direkt bei einem Verlag bestellen möchte – wohlgemerkt zum Listenpreis: Eine Bestellung ist ohne Angabe von Schulform und Fächern oft gar nicht möglich – das bekommt jeder Ebay-Verkäufer mit Angabe einer Versandadresse besser hin. Trotz ISBN-Nummer sind viele Artikel über Barsortimente nicht bestellbar. „Du willst es? Kriegste aber nur, wenn du uns sagst, was wir zur Optimierung unserer Werbestrategie von dir wissen wollen!“ Ich möchte die  wirtschaftlichen Aussichten des Baumarkts sehen, bei dem man nur noch mit hauseigener Kundenkarte einkaufen darf. Lebt Ebay nicht irgendwie vom Spontankauf? Ich würde mich als Betrieb über jedes Produkt freuen, was ich absetzen kann. Bei der Bahn reicht die Angabe einer Kreditkartennummer. Kaufen kann man weitgehend anonym.

Ich kann die Verlage ja verstehen. Der Konkurrenzkampf ist hart, die Kopiermoral an den Schulen kennt kaum noch Schranken und den Paradigmenwechsel durch die neuen Medien haben die meisten Anbieter meines Erachtens auch völlig verschlafen (da ist mein Mitleid jedoch gering). Wie sollen sie denn ihre Produkte an den Mann oder die Frau bringen? Per Werbebrief – Entschuldigung – per „kundenorientierter, servicebasierter Produktinformation“ hat das doch jahrzehntelang bestens funktioniert. Aber die goldenen Jahre sind zweifelsohne vorbei, Autoren dürften immer schwerer zu finden sein und selbige brauchen angesichts der Vergütungssätze und der sonstigen Arbeitsbelastung in den Schulen wohl auch immer mehr Idealismus für ihre nebenberufliche Tätigkeit.

Was soll ein Verlag tun?

  1. Feeds anbieten – sinnvoll nach Sparten gegliedert. Feeds lassen sich in wenigen Sekunden überfliegen. In Feeds lässt sich sogar Werbung platzieren. Man kann statistisch auswerten, wieviele Menschen den Feed abonnieren. Mich würde ein Feed zu Spontankäufen animieren.
  2. Präsenz im Web2.0 zeigen: z.B. Twitter nutzen, z.B. Facebook nutzen. Freaks ködern mit themenbasierten Blogs. Mit Communityfunktionen auf der Verlagshomepage.
  3. Kunden mit dem Bedürfnis nach Anonymität ernst nehmen. Eine Versandadresse ist zur Abwicklung eines Geschäftes doch ausreichend.
  4. Portfolio bis auf wenige Ausnahmen über Barsortimente anbieten. Was ist eigentlich schlimm daran, wenn SuS Lehrermaterialien erhalten können? (das werden eh die wenigsten SuS tatsächlich umsetzen)

Ich würde gerne mehr kaufen. Aber oft ist die Schwelle zum Kauf dermaßen hoch, dass ich mir beim Kaufprozess schon denke: „Bekommst du das auch nicht anders hin? Muss das jetzt sein?“.

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