Herr Riecken, ist das schlimm, wenn man Eier hat?

Nun, so schlimm finde ich das eigentlich nicht. Das einzig Schlimme war der Verlust von fünf Minuten Unterrichtszeit, da sich die gesamte Klasse nach dieser Frage einer Schülerin an mich nicht wieder beruhigen mochte. Meiner Frau fiel später zu Hause dazu noch ein, dass die Frage nach den Eiern für Frauen allgemein auch bedeutsam werden kann, nunja.

Dabei ging es doch um etwas ganz anderes: Die Ärmste sollte lediglich etwas an die Tafel bringen, was intern bei mir unter Kugelwolkenmodell läuft und z.B. so aussehen kann:

Kugelwolkenmodell

Kugelwolkenmodell

Ihre Zeichnung war eben ein wenig „eierig“ und das fand sie schlimm – netter unfreiwilliger Kalauer. Mit dem Kugelwolkenmodell erkläre ich z.B. die Bedeutung von Strichen und Atomsymbolen innerhalb von Strukturformeln, wobei folgende Regeln gelten:

  1. Innerhalb der Kugelschalen eines Atoms existieren Bereiche, in denen sich die Elektronen bevorzugt aufhalten. Diese Bereich sind kugelförmig und werden Kugelwolken genannt.
  2. Eine Kugelwolke fasst maximal zwei Elektronen. In der 2. Kugelschale sind z.B. daher immer vier Kugelwolken vorhanden.
  3. Jede Kugelwolke einer Kugelschale wird zunächst mit einem Elektron besetzt, bevor ein zweites hinzukommt.
  4. Die einzig mögliche Kugelwolke der ersten Kugelschale ist mit selbiger deckungsgleich
  5. Besetzte Kugelwolken nehmen stets den größtmöglichen Abstand zueinander ein.
  6. In Strukturformeln wird eine einfach besetzte Kugelwolke durch einen Punkt und eine zweifach besetzte durch einen Strich symbolisiert.
  7. Einfach besetzte Kugelwolken auf der äußersten Kugelschale sind energetisch ungünstig und verbinden sich daher – so möglich – mit einfach besetzten Kugelwolken anderer Atome bzw. Moleküle zu Molekülorbitalen.
  8. Zweifach besetze Kugelwolken auf der äußersten Kugelschale werden Atomorbitale genannt.
  9. In der Notation des Kugelwolkenmodells stehen Atomsymbole für Atomrümpfe. Ein Atomrumpf umfasst ein gesamtes Atom mit Ausnahme der Elektronen der äußersten Kugelschale.

Das kann man erstmal hübsch ausführlich mit allen Kugelschalen malen (einfach besetzte Kugelwolken rot, zweifach besetzte blau, leere grün) und dann mit der Strich-/Punkteschichte vereinfachen. Das Kugelwolkenmodell ist eine Erfindung schleswig-holsteinischer Chemielehrer und nutzt verschiedene Quellen (Elekronenpaarabstoßungtheorie, Valence-Bound etc.).

Und wie man sieht, kommen da durchaus – gerade bei der ausführlichen Schreibweise – auch mal Eier vor. Und das ist gar nicht schlimm…

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