Zentrale Abiturprüfung – effiziente, kostenneutrale Lehrerfortbildung

Wäre ich ein Kultusministerium und hätte kein Geld für Fortbildung meiner Bediensteten, würde ich ein Zentralabitur mit verbindlichen thematischen Vorgaben einführen.

Ich würde die Vorgaben so wählen, dass sich sich grundsätzlich nicht auf bisher exemplarische Texte einzelner Epochen beziehen und so den Horizont meiner Lehrerschaft wirkungsvoll erweitern. Zudem ist es absolut vermessen zu glauben, dass es innerhalb der Deutschdidaktik auch über Jahrzehnte bewährte Texte geben sollte. Lehrer unterrichten schließlich methodisch und inhaltlich veraltet.

Durch die Vorgaben spezieller Texte erweitere ich den Lektürekanon meiner Lehrkräfte. Auf diese Weise gewinnen selbige ein vernetztes Überblickswissen und vertiefte Einblicke in literarische Epochen. Obwohl das ja eigentlich für die SuS nicht beabsichtigt und eine Gliederung des Unterrichts nach epochalen Aspekten völlig widersinnig ist. Zum einen hat sich letztere Vorgehensweise bewährt (s.o.) und zum anderem könnte ja dabei vernetztes Wissen der SuS herauskommen: Schließlich gibt es ja dezidierte Abhängigkeiten der Epochen voneinander und zum anderen würden Entwicklungsstränge deutlich hervortreten, die für das Verstehen der Identität eines Volkes essentiell sind. Auch fachübergreifende Arbeit (z.B. mit Geschichte) wäre nach dem neuen Prinzip der Stoffverteilung viel einfacher zu organisieren, da sich benachbarte Disziplinen bei der Erstellung der verbindlichen Vorgaben stets eng absprechen.

Deswegen ist es auch besser, das epochale Prinzip komplett aufzulösen, indem die Themenabfolge nicht nach historischen, sondern nach anderen Aspekten vorgegeben wird. Man darf springen: Von der Literatur des Naturalismus zurück zur Aufklärung und danach wieder zurück in die Zukunft zu linguistischen Themen der Neuzeit – zum Beispiel. Diese verbindliche Reihenfolge ist zudem organisatorisch wichtig, falls ein Schüler zum Halbjahr die Schule wechseln muss (Umzug oder andere Gründe). Zum anderen fordert sie die Lehrkräfte methodisch heraus: Es muss ein neuer „roter Faden“ ersonnen werden, der mehr inhaltlich übergreifend orientiert ist – etwa „Umgang mit und Stellenwert der Sprache in verschiedenen literarischen Epochen“. Die anderen Epochen baut man gemäß den immer noch gültigen externen Richtlinien dann kreativ dazu.

So ergibt sich eine effiziente Fortbildung der Lehrkräfte zum Nullltarif – obwohl diese Sichtweise ungerecht ist: Schließlich könnten zusätzlich Fortbildungen stattfinden: Die Lehrkräfte dürfen sich dann in wohlorganisierten Gesprächskreisen untereinander austauschen, wie sie mit den Vorgaben umgehen möchten. Damit wird zusätzlich die überregionale Zusammenarbeit gefördert, die ansonsten ja nicht stattfindet, was überhaupt nichts mit den Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer zu tun hat, sondern mit deren bloßer Verweigerungshaltung.

Diese Ansätze von Lehrerfortbildung sind selbstverständlich in dieser radikalen Form nirgendwo umgesetzt. Aber wenn das doch einmal geschehen sollte, müsste das jede Regierung eigentlich viel mehr und selbstbewusster vermarkten. Diese Strategie wäre ein Beweis dafür, wie man mit weniger Finanzmitteln mehr Qualität schaffen kann.  Und genau das macht doch die Genialität jeder gelungenen Schulreform im Kern aus.

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